Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1943 (13.7.1924)
- Date
- 1924-07-13
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Z-'V- - .1--- ) -!'5^ ' Skr. LSS Wien-SEag - . Wiener MvEnzettung._IS. M! 1924’_Celt119 8b» abMndertr» AaMver-Lrtell. \,. Vor dem Einzelrichter Hofrat Dr. Ha,ms ru e r fand im Juni eine Bechandlnng gegen fünf Personen wegen Ber-. nichtuirg keimenden Lebens nach 8 144 St.-G.statt. In einem Hause am Rennweg war das Gerücht aufgetaucht, daß die dort. wohnende Frau eines Offiziersstellvertreters, Anna R., eine Hebamme aufgesucht, die an ihr einen operativen Eingriff vorgenommen hatte. Im. Zuge der Erhebungen wurde festgestellt, daß die Frau tatsächlich einen verbotenen Eingriff an sich' habe vornehmen lassen, und es wurde behauptet, daß ihr Gatte sie über Anraten zweier bekannter Frauen zu der Hebamme geführt habe. Nach geheim durchgeführter Verhandlung verurteilte der Richter Frau R. zu vierzehn Tagen, ihren Gatten zu vier Monaten, die Hebamme zu sechs Monaten und die beiden Frauen, die dem Ehepaar den Rat erteilt haben sollen, zu je einem Monat schweren Kerkers. Ueber die gegen dieses Urteil erhobene Berufung fand vor einem Senat unter Vorsitz des Hofrätes.Dr. Jakob die Verhandlung statt. Aus Grund eines neuerlich durchgeführteü Beweisverfahrens sprach der Richter den. Offiziersstellvertreter, die Hebamme und die beiden mitangeÄagten Frauen fr di. Die Strafe für Frau R. wurde in eine bedingte vierzehntägige Arreststrafe umgewandelt. 8in nietkwvtdiger Mchter. , ] Der im Frühjahre 1923 verstorbene Mschverschleißer Schubert hatte seiner Witwe ein gut gehendes Geschäft in der Brigittenau hrnterlassen. Da Frau Irma Schubert keinen Verwandten besaß und schwer krank war, ließ sie sich bewegen, dem Fleischhauer Leopold Neumann ihr Geschäft gegen einen Monatszins von zwei Millionen zu verpachten. Neumann bewog nun die Hausbesitzerin, das Lokal der. Frau Schubert zu kündigen und es ihm zu vermieten. Dies geschah, und da Frau Schubert gegen die Kündigung keine Einwendung erhoben hatte, erwuchs die Kündigung in Rechtskraft und der schlaue Pächter verwandelte sich über Nacht in einen Mieter, der es nun entrüstet ablehnte, für das von ihm gemietete Lokal auch noch der: vereinbarten' Pacht zu zahlen. Da Neumanns Tochter im Begriffe stand, sich zu verheiraten, und er für sie eine Wohnung brauchte, wollte er der Tochter die Wohnung der schwerkranken Frau Schubert, die.zur,„Tante" avancierte und die man mit fallen zärtlichen Versprechungen an sich zu ziehen wußte, sichern. Sie wurde zu einem Anwalt gebracht und dort bewogen, einen Vertrag zu unterfertigen, wonach-sie ihre gesamte Wohnungseinrichtung der Frau Olga Steiner, der Tochter des Neumann, und deren Gälten verkaufte und ihre Wohnung dem jungen Ehepaare zur Verfügung stellte. Die Einrichtung war von'einem Sachverständigen sehr gering geschätzt worden. Neumann selbst kaufte bei dieser GeZlegenhett auch die Geschäftseinrichtung, die der Sachverständige auf 6,760.000 Kronen geschätzt hatte. Statt des'Kaufpreises erhielt die Verkäuferin den lebenslänglichen ordentlichen Urtterhalt zugesichert. Das junge Ehepaar zog in die Wohnung ein und nahm von allen Sachen Besitz. Frau Irma Schubert,!die nach dem Leibrentenvertrag vom 81. Juli 1923 berechttgt war, den Unterhalt und alle sonstigen Bedürfnisse zu fordern, mpßtebald merken, daß die Eheleute Steiner es mit ihrer Verpflichtung nicht sehr genau nehmen; man verweigerte ihr das Nachtmahl und setzte ihr zu. den übrigen Mahlzeiten ungenießbare Speisen vor. Als nun die Frau das Geld aus dem Pachtvertrag begehrte; erklärte man, daß dieser Betrag für Aerzte und Medikamente verwendet werden müsse, so daß für die „Tante" nichts übrig geblieben sei. Die Kranke wendete sich nun an ihren Rechtsstemrd, der. auf Grund der Erhebungen die er pflog, beim Bezirksgerichte Leopoldstadt den Antrag auf Entmündigung seiner Klientin stellte, um sie vor weiterer Ausbeutung zu schützen. Die Frau wurde beschränkt entmündigt und ihr Rechtsfreund brachte gegen Leopold Neumann beim Zivillandesgericht eine Klage aus Anerkennung des Pachtvertrages und Zahlung des Pachtzinses ein. Frau Schubert erlebte das Ende des Prozesses nicht mehr. Sie starb, ohne Erben zu hinterlassen. Bei der gestrigen Verhandlung wurde der Beklagte verurteilt," das Pachtverhältnis anzuerheunen und bis zur Auflösung des Pachtverhältnisses m o n a t l i ch z w e i Millionen zu bezahlen Der Pachtvertrag sei durch den Tod der Klägerin nicht erloschen und eine andere Auflösung des Pachtvertrages liege nicht vor. \ Die Milchpantscher vor Gericht. Die Anzeigen gegen Milchverschleißer häufen sich. In der letzten Woche sind wieder zahlreiche Fälle zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft^-gelangt, jvo die Händler ent rahmte Mi l ch als vollwertige zum Pollen PreisevoN' 6360!K. pro Liter verkauften. Der Gemischtlvarervhändler MoiS. Friedrich in Füüfhaus wurde deswegen zu einer' Geldstrafe von 100.600 K. verurteilt, wobei der Richter erklärte, daß es dicht des Angeklagten. gewesen Ware, dm Kunden von der Minderwertigkeit der Milch Mitteikmg zu jnachen und, wenn sie trotzdem kaufen, ihnen einen entsprechend sriederen'Preis zu . berechnen. Die Verhängung so geringfügiger Etrafen wird allerdings die Mlchvevfäffcher nicht abhalten, r die Bevölkerung zu betrügen. Hier sind strengere Strafen rimdig. ivMTiusmMmnTUtaäfctilni, Alle Arten von Bankgeschäften Kommandlte der Kroatischen Eskomptebank, Agram Wien. I (Ecke Bognergasse beim Graben) Kreditma Warengeschäfte Telephone: 60-4-82, 60-4-93, 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 10465 Telegrammadresse: Frapobank Unruhige Valntrnmärkte. Das Dollarschicksal. . In der letzten Zeit machte sich nach einer Periode der Stabilität wieder Unruhe aus den internationalen Balutenmärkten geltend. Einzelne Währungen zeigten merkliche Schwankungen. Namentlich in Zürich kommt dies, ganz kraß zum Ansdruck, wo der Schw eizer Franken gegenüber fast sämtlichen anderen Valuten erhebliche S't e i g e r u n g e n aufzuweisen hat. Es ist möglich, daß hier eine offizielle Stützungsaktion der Schweizer Regierung eingegriffen hat. Wohl.kommt es selten vor, daß ein Land, dessen Währung der Goldparität nahe ist, sich mit solchen Stützungsaktionen befaßt. Daß dies aber dennoch m der Schweiz der Fall'ist, dürste mit den bevorstehenden Rückzahlungen der amerikanischen Schulden zusammenhängen, Die Schweizer Regierung hat ein Interesse daran, bei möglichst hohen Schweizer Kursniveau sich schnell große Dollarmengen zu verschaffen. Der Fremdenverkehr, der jetzt seinen Höhepunkt erreicht, bringt Unmassen von Dollar, welche unabhängig hon der sonstigen Gestaltung des Valutenmarktes sind. Es ist möglich, daß die Schweizer Regierung für ihren Zweck diese großen Dollarmengen der Fremden zu Möglichst billigen Preisen ankaufen will, um sich so mit verhältnismäßigen Kursgswinnen die Rückzahlung der amerikanischen Schulden zu erleichtern. Eine gewisse Parität hält das englische Pfund zum Dollar. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich diese Parität ans die Dauer wird erhalten können. Hingegen ist der französische. Franken wieder in absteigender Linie. Welche Ursachen .Hierfür maß gebend sind, läßt sich nicht leicht sagen. Abgesehen von der verwickelten außer- und innerpolitischen Momenten spielen hier wirtschaftliche Motive in- und externer Natur mit, welche die Stabilisierung des fr an zösi.s.chen F.ran ken. vor Lösung des Repa rationspr o bl ems verhindern. Es ist dabei Merkwürdig, daß gerade jetzt, wo der Fremdenverkehr sich auch in Frankreich geltend macht, «dennoch sein Devisenbedarf so gLoß ist, daß er die' Senkung des Franken verursacht. In dieser Hinsicht macht der.belgis che Franken nicht die Senkung des französischen mit. Im Gegenteile, die Relation hat sich, zugunsten des belgischen Franken verbessert. Die . L ip a bröckelt ab. Es hängt dies sNii den innerpolitischen Zuständen zusammen. Die dänische Krone beginnt Ernst in ihrer Abwärtsbewegung zu-machen. In New-Aork ist diese in den letzten Tagen um zirka'8 Prozent gesunken. Ein schlechtes Symptom für dieses nordische LaNd, dessen Wirtschaft in. der Kmegspevjode einen großen Impuls erhalten hat, .das aber dennoch infolge der starken Verschuldung an das Ausland und der. Krise die Wirren der Nachkriegszeit nicht spurlos überwinden'konnte. Die einzige Hoffnung in Dänemark ist die Erlangung einer großen Dollaranleihe. Wenn diese Hoffnung trügt, Hann ist das Schicksal der dänischen Krone besiegelt. . ' Wohl sind alle diese Aenderungen nicht so bedeutend, daß man vpn großen. Kursstürzen^ oder gewaltigen Kursbewegun- / gen reden könnte. Sie künden aber eine gewisse. Nerv o sittät auf dem Devisenmärkte an, dewn weitere Folgen Momentan^ nicht übersehen werden können. Dabei /ist es'in-- ferDant, daß diese Nervosität sich merkwürdigerweise^ in - der' Beurteilung.der bisher stabilsten Währung der Welt, des Dö-l- Tü'.rs, trotz seiner unbestrittenen Goldparität äußert. - ‘u In Mitteleuropa kommen immer mehr Dollarmengen aus heAHaM und,wmn-Hefe democh infolge der. Verschuldung Europas an. Amerika, vorläüsig restlos - aufgenommen Werden,. so zeigt dies doch, daß die Besitzfreude am Dollar in Mitteleuropa allmählich zu schwinden beginnt und die ist den Zeiten der Inflation thesaurierten Dollarmengen allmählich ' zum Vorschein kommen^ Die.Stabilisierung her Wahrungen in den einzelnen Staaten/ das. Schwinden''der Angstpsychose, welhe große ^Teile'der Bevölkerung dazu veranlaßte, ihr KastiiW in Dollar anzulegen, haben dies verursacht. Dazu kommt. stoch die. große Geldknappheit,, die sich in allen währungß-. sanierten Staaten zeigt,-Die Krediikrise, die Me diese Staaten Erfaßt hMstnd'die im Gefolge dieser sich empfindlich bemerkbar mahenbe-'Geldknappheit zwingen die Kapitalisten sich ihrer, Dollarmengen zu entäußern. Mancherlei W eltwirtschaft sprvble me kommeak mitin Betracht. Es spielen sich, ohne daß. es nach außen, hin besonders bemerkbar wird,' zwischen London und New-Pork RistaTitätskämpfe um die Beherrschung, des Geld« snärües der. Welt ab. New-Uork glaubte, diese Herrschaft schon M besitzen. Jetzt; zeigt sich aber, daß dies nicht der Fall ist. In dexstnglischest- und amerikanischen nationalökonomischen Presse' wird diese Hage vom theoretischen und praktischen Gesichtspunkte eingehend exörtert. Man sucht nach den Ursachen, welche .den Sieg des einen Marktes über den anderen rechtfertigen könnten. Zu einem greifbaren Resultat ist mau äbei vorläufig noch nicht gekommen. Nur die Tatsache als solchi bleibt bestehen, daß das Kapitalszentrum London vorläufig noch seine Hegemonie aus dem Weltmarkt seschält und daß ei wahrscheinlich in der nächsten Zeit New-Iork nicht gelingen wird, ihm diese Stellung zu entreißen. In den Vereinigten Staaten selbst kündigen, sich gewiss? Krisenerscheinungen an, die wohl von der Politik ihren Ansgang nehmen und sowohl innerals außenwirtschaftlich an Schärfe zuzunehmen scheinen. Die kommenden Wahlen, welche I regelmäßig zu gewissen Störungen im Wirtschaftsleben führen, werfen schon ihre Schatten voraus. Die Abundanz an Gold, welches Amerika im Laufe der letzten Jahre angchäuft hat, kann'es von dieser Krise nicht befreien. Es'herrscht ein Gefühl der Ermattung, das nicht so leicht gebannt werden kann. Die Krise äußert sich in einer Unmasse von Symptomen. Sie ist gerade so beim Agrariertnm Amerikas wie bei seiner Industrie bemerkbar. Und wenn auch die Abundanz an Geld dem Finanzmarkt der Vereinigten Staaten nicht ernstliche Schwierigkeiten bereiten kann, so kann doch die Gesamtwirtschaft diese nicht leicht überwinden. Diese übt, ohne daß es vorläufig merklich zum Ausdruck kommt, auch seine Rückwirkung auf die Bewertung des amerikanischen Dollar. Es ist vielleicht nur die psychologische Ankündigung einer Krise, welche die feinen Fühler der Finanz des Auslandes schon, jetzt. Zu ahnen beginnen. Dr. Michael S u s s a n. Sesterreichische Nationalban?. Zunahme des Barschatzes. — Abnahme des Banknoten, Umlaufes. Der gestrige Wochenausweis der Oesterreichischen Na» tionalbank brachte die bereits vom Präsidenten Dr. Reisch angekirudete Zunahme des Barschatzes um 65,5 Milliarden. Er beträgt jetzt 3351 Milliarden. Die Steigerung des Barschatzes ist derzeit die Hauptursache, weswegen von einer Erhöhung der Bankrate abgesehen wurde, trotz Steigerung des Wechselpo riefen ill es um rund 110 Milliarden auf 3191 Milliarden. Erfreulich ist die Abnahme des Banknotenumlaufes um rund 11 Milliarden. Beim Vergleiche des Ba ntn otenum- I a u f e s von 7 7 6 4 Milliarden mit dem Barsch atze ist das österreichische Geld mit zirka 56 Prozent gedeckt. krhShung der MlageWwsfilße» der PoAaul 8 Promt. Das Postsparkassenamt Md die Postämter nchmen.Spar» einlagen von mindestens 10.060 K. (1 Schilling) und jedem Mehrfachen dieses Betrages ohne Beschränkung der Höhe an. Auf Gnchaben von 10.600 K. und darüber vergütet das Postfpaitkassenamt dom 16. d. angesangen Zinsen von 9 Prozent jährlich. Gnchäben unter 10.060 K. (1 Schilling) werden nicht verzinst. Rückzahlungen werden vom PostspaÄassenamt in jedem Betrage sofort entweder bei seiner Kasse' geleistet oder Mit einer Zahlungsamiweisung bei den Postämtern ängewissen. Ein durch 10.000 teilbarer Betrag bis stur Höhe von 200.000 K. kann vom Verfügungsberechtigten auf-ein Einlagebuch eirmeal im Tag bei Dem Postamt im kurzen Woge behoben worden. Ein Auszug aus den -BÄstMNMngen für von Sparderkehiv des Postsprrbassenamtes wurde neu aufgelegt un^ Tann bei jedem Postamt eiingeffchen werden. ' » Mt dieser Maßnahme kommt die Oestevreichlische Post» spavkasse den jetzigen Wirtischaftsforderungen nach. Eine der größten Schwieri-Miten für die Saniernng des Geldmarktes ist der niedrige Ein lagen st and der Kreditinstitute, der di-e Sparer davor zurückhält, ihr Geld den Sparrnstituten 'zu geiringem Zinsfuß zu übergeben. Durch diese.Erhöhung des Zinsfußes der seriösesten Sparkasse Oesterreichs dürfte zweifellos der Einlagewsband eine beträchtliche Bermehruug^ erfahren stnd der notleidenden Industrie, mehr Kredite zur Verfügung stchen wie bisher. Ser neue polnische zoütaiis. Ans Warschau wird uns geschriebM: Der neue polnische Zolltarif weist gegen den frühererverschiedene wichtige Aenderungen auf: Dre Aenderungen wurden vorgenommen, um dieselben den ne-Uen Verhältnissen und der zukünftigen Wirtschaftssiiuation des Landes anzupaffeu. Der alte Zolltarif umfaßte gegen 1000 Positionen, der neue weist deren 1600 auf. Er bietet auch Polen die Möglichkeit, bei Verhandlungen über Handelsverträge mit anderen Staaten gleiche Begünstigungen zu bieten, wie es die anderen Staaten für exportierte polnische Ware tun. matten Farben ' Nb 7R3ÄU- WtCN.!* ADLE RGASS*- *■ ilüMüüi 2