Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1943 (13.7.1924)
- Date
- 1924-07-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Wien, Sonntag Nie „undankbare" Mittelstandsfürsorge. Von Klara Mautner. Dänin sind wir alle einig: Die Mittelftaudsfürsorge ist „undankbar". „Undankbar" natürlich nicht in dem Sinn, daß -man dabei wenig Dank findet. So töricht ist wohl niemand, bei Ausübung. einer Fürsorgetätigkeit , auf Dankbarkeit zu rechnen. Menschen, denen es schlecht ergeht, haben keine Zeit, dank-! Lar zu sein und haben schließlich auch keinen Anlaß dazu. Der Fürsorger gehört denn auch, neben Arzt und Lehrer, zu jenen geistigen Arbeitern, denen jedermann dreinzureden befugt ist und die es niemandem recht machen. Aber darüber hinaus bietet die Mttelstandsfürsorge, namentlich aber die jüdische Mittelstandssürsorgc, noch ganz besondere Schwierigkeiten, die dazu führen, daß das Ergebnis nie im richtigen Verhältnis zu den ausgewendeten Mitteln-— Zeit, Geld, Mühe — steht. Vor allem führt die Bemühung me dazu, daß der Hilfsbedürftige zufrieden oder doch für den Augenblick zufrieden ist. Sicherlich ist auch die „Strohsackarmut", das nackte jammervolle Elend, nie wirklich satt an irdischen Gütern und Besitz. Mer so s-chr wir auch geneigt sind, das berühmte Wort von der „verfluchten Anspruchslosigkeit" zu unterschreiben, dieser Vorteil kann ihr nicht abgesprochen werden, daß sie dort, wo nicht wirklich, wicht dauernd, nicht ein für allemal geholfen werden kann, sich willig und freudig mit einer augenblicklichen Erleichterung begnügt. Die Strohsackarmut denkt nicht an morgen — täte sie es, sie müßte in'wilder Verzweiflung zu Gift und Messer greisen, ihre Qual zu kürzen. Hat einer durch Jahr und -Tag dem Hunger ins Auge gesehen, dann macht ihn die Sicherheit ein Paar Monate satt zu werden, glücklich, oft genug herzzerreißend glücklich. Ein warmer Mantel, ein Paar feste Schuhe, gtvei, drei Banknoten mit hohen, hohen Ziffern darin und ach! so geringem Wert, das alles bedeutet Seligkeit, Aufatmen. Und kann einer gar zur Winterszeit ein Säcklern Kohle nach Hause tragen, dann ist es, als reichte dieser Schatz vom ersten Winterta-g bis in den Mai. Sicherlich folgt auf den Jubel bald genug Ernüchterung und die Angehörigen des unteren Volksklassen gehören fast immer zu den „Stammkunden" der Fürsorger. Immerhin gibt es doch Ruhepausen, es gibt Augenblicke der Hoffnung, des Vertrauens zur Zukunft. Die Lebensausprüche sind so beschämend niedrig, daß doch die Möglichkeit besteht, sie zu befriedigen. Ganz anders liegt der Fall des sogenannten „Mittelständlers". Ihm fehlt von vornherein der Wille, seine Forderungen herabzuschrauben und was immer für ihn getan wird, zaubert kein Lächeln der Freude auf sein Gesicht, denn alles, alles ist auch nicht die leiseste Entschädigung für sein Vergangenheitsglück. Nichts vermag die tiefe Verbitterung auszugleichen, die den Angehörigen des Mittelstandes erfüllt, wenn er ins Elend gerät. Er kann sich nicht darüber freuen, daß er satt zu esien, daß er ein Dach über dem Kopf, Kleider für den Winter hat. Zu tief ist sein Groll, daß alles ihm nicht wie einst ohne große Anstrengung, ohne besonderes Bemühen zufällt. Wie einst . . . Sie können alle nicht an das Einst vergesien, die Kaufleute, die Kleinunternehmer, die geistigen Arbeiter. Kommt man zu einem von ihnen, dann scheint es ihm -unvergleichlich wichtiger, dem Fürsorger mit allem nur erdenklichen Nachdrucke und leidenschaftlicher Eindringlichkeit von dem früheren glänzenden Wohlleben zu erzählen, als zu berichten, wo ihn augenblicklich der Schuh druckt. Sich gegen diese Erzählungen zu-wehren, ist absolut zwecklos. So lange mir die' Frau nicht erzählt hatdaß sie sechs Dienstmädchen— außer der Amrue, wohl zu merken — nebst Gärtner gehabt hat, so lange ich nicht darüber informiert bin, daß sie zurn^Se-der 30 bis 35 Gäste geladen hatten, solange ich mir nicht klar darüber hin. daß ffc Pferde mt Stall hatten und jedes Jahr im Frühling nach Abbasia, im Sommer nach Wildbad reisten — so lauge kann man überhaupt mit mir nicht sprechen. Erst bis ich olle diese Tatsachen entsprechend gewürdigt, kann der Kampf beginnen. ' ‘ Deun die „Aufnahme" jedes Falles gestaltet sich, bei jüdischen Mttelstandsaniaehörigen fast immer zu einem Kampf. Nicht so sehr, weil man vok falschen Angaben auf der Hut sein muß — diese Gefahr ist in den unteren Schichten entschieden größer —, als vielmehr, weil ungezählte innere Hemmungen die freie und klare Aussprache verhindern. Ganz besonders Ostjuden, und unter ihnen wieder in erster Linie die Frauen, empfinden es als glatte Taktlosigkeit, wenn man die unerläßlichen Fragen nach Heimat, Beruf, Einkommen stellt. Es ist nicht immer -leicht , zu erfahren, , woher die Leute stammen, für die man sich emsetzen soll, denn auf die Frage, woher sind Sie?' bekommtnran fast immer zur Antwort: aus Rußland, aus' der Bukowina, aus Galizien, und man muß gewöhnlich dreimal den Bohrer ansetzen, um nur zu ermitteln, aus welcher Stadt die Familie kommt. Welche Schwierigkeiten es bietet, über die Beschäftigung, das Einkommen, den Verbleib der Familienmitglieder Bescheid zu erlangen, läßt sich danach ungefähr bemessen. Dabei ist .es nicht der Wunsch, irrezuführen, der hier den Hemmschuh bildet — diese Art , Menschen hat fast nie Anlaß, etwas 'zu verbergen —, auch nicht die diplomatischen Winkelzüge der Ueberklugen, sondern die instinktive Scheu vor dem Ausgefragtwerden und die Angst, als Gewohnheitsbettler angesehen zu werden, wozu-sich meistens noch ein gutes Stück Unsachlichkeit gesellt. Um das Unheil voll zu machen, werden die Ansuchen von Mittelstandsangehörigen fast immer durch Dritte vorgebracht. Wenn aber die Hilfswerber von krankhafter Empfindlichkeit besessen sind, so reicht kein Wort der deutschen Sprache aus, die mimosenhafte Zartheit des Empfindens bei ihren Vertretern zu kennzeichnen. Obendrein sind diese braven Leute über die Verhältnisse ihrer Schützlinge überhaupt nicht oder doch nur höchst mangelhaft unterrichtet. Ganz gleichgültig, vb ich mich nach den; Wer Lex FürsorgehchürftiAen, der SBUnet Morgenzeltung. Horthyr Bodenreform. Selbst der Ackerbaurninisier unzufrieden. Budapest, 12. Juli. (U. T.-K.-B.) Die in einzelnen .Zeitungen verzeichneten Gereichte von einem Rücktritt des Ackerbau Ministers Szabo-Naghatad entsprechen. nicht der Wahrheit. Allerdings sind im Zusa-mnienhans mit der Durchfühnrngsvevorduung zur B o d e n x e f o t mnovelle zwischen dem Ackerbauminister und dem Finanzminister gewisse Mein ungsverschi?- d e n h e i i t n aufgetaucht, die sich darauf beziehen, zu welchen Preisen die VermögensMösung an Grund und Boden br rechnet werden soll. Die Beilegung dieser Differenz soll am nächsten Mittwoch durch den Ministerpräsidenten Grasen B e t h l e n persönlich erfolgen. Rincik in Wim. Der jugoslawische Außenminister Dr. N i n c r e trifft morgen, mn 3 Uhr nachmittags von Prag in Wien sin.'Er ist von seiner Gemahlin begleitet und wird in Wien den Bundeskanzler Dr. S e i p e l besuchen. Hierbei iverden laufende Angelegenheiten besprochen werden, so die Fragen -der Staatsbürgerschaft und Vermögensrechts che Angelegenheiten'der beiderseitigen Staatsangehörigen. Es wird weiters eine - Vorbesprechung der im Sommer beginnenden Handelsvertrag sverhan-dlu ngeu erfolgen. Die Olympischen Spiele. Paris,. 12. Juli. (Havas.) Olympiade: 10.000 Meter- Laufen. Qnerseldernlausen: Individuelle Klassifizierung: Nurmi (Finnlands in 32 Minuten 5t,8 Sekunden Erster., dann folgten Ritela (Finnland), Johnson (Vereinigte Staaten), Harper (England), Lauvaux (Frankreich), Smndeinoth (Vereinig!« Staaten). Im Poloturnier siegt Argentinien, das Frankreich mit 15:2 schlägt. In der Klassifikation nach Mannschaften erhielt Finnland 11, die Bereinigten Staaten 14 und Frankreich 20 Punkre. Beim Ausickeidungslauf .im . 400 -Meter-Relais-Lausen schlagen auch die Bereinigten Staaten mit 41I Sekunden den Weltrekord um 0,8 Sekunden. Paris, 12. Juli. (Havas.) Olhrnpiade. Im dreimaligen Weiterung stellte Winter (Australien) mit löLBMetew einen Weltrekord auf, Zweiter wurde Drmeto (Argentinien) mit 15,425 Meter. Dann folgte:: Tunlos (Finnland), Rainie (Finnland) und Jannffen (Schweden). Die Hakoah in Lemberg. Das Wettspiel der Wiener Hakoah gegen Lenrberger Hasmon-ea endete 3:1 (2:0.) SlovÄn in Agrnm siegreich. Agram, 12. Juli. Slovan siegte heute Wer den F. C. Concordia in Zagreb 1:0. Halbzeit 0:0. Das emsige Tor fiel in der'zweiten Hal^it in del: 44 -Minute'durch Bulla. W. A. C. in Krakau. Die Wiener siegen 3:2 (2:0), Heute trug der Wiener W. A C. gegen den Krakauer Sportklub Cräkowia ein Wettspiel aus, das mit einem Sieg der Wiener endete. Klubkampf Vienna—Hertha. Vienna siegt mit 7:3 Punkten. Baiita m gewi ch t: Krywagner (52 Kg.) gvgen Hebart (53,5 Kg.). Siegernach Punkten 'Krawagner (Breuna). — Federg e wicht: Metocni? (Vienna) 56,5- Kg. gegen Kandler (Hertha) 58 Kg. Sieger. Meiocni? (Vienna) nach Punkte::. .— W e 11 er gewicht: S chneidrr (Vienna) 62 Kg. gegen Putz (Hertha) 64,5 Kg. Sieger Schneider (Vienna) 66,20 Kg. Punkten. — M i t telgewi cht: Feckel (Vienna) 66,20 Kggegen Klans (Hertha) 65 Kg. Sieger Klaus (Hertha) nach Punkten. Der zweite Kampf rm Mittelgewicht zwischen Turetschek (Vienna) 71 Kg. gegen Staufer (Hertha) 69 Kg. endete unentschieden. Die Amateure in Lemberg. Lemberg, 18. Juli. (Poln. Tel.-Äg.) Das Fußballwettspiel der Wiener Amateure gegen Lencherger Pogon endete 1:0 .(1:0). Lebensstellung der auswärtigen Familienmitglieder, der Zuständigkeit oder irgendeinenanderen wesentlichen Umstand erkundige, ich bekomme immer verweisend zur Antwort: ja, d anach habe ich nicht gefragt! Der Umterton der Entrüstung ist bei dieser Antwort gar nicht zu überhören, aber ganz wütend werden die Fürsprecher, wenn ich die — leider gänzlich unvermeidliche — Frage stelle: wovon leben die Leute eigentlich? Diese Frage ist unvermeidlich, denn trenn man ste unterläßt, müßte man von der Ueberzeugung erfüllt sein, daß jüdische Mittelstands-angehörvge ausschließlich von den Unterstützungen, Rühegehalten, Renten usw. leben, die sie nicht erhalten. Aber es ist selbstverständlich eine Unverschämtheit von mir/ überhaupt. auf Details dieser Art einzugehen, und immer wieder bekomme ich vom Fürsprecher den Klaps, der mir gebührt: „Mir hat es genügt, von dem Fall zu hören", sagt der wacker« Mann, „und wer ein Herz hat, wird da nicht llange ftcvg-rn, sondern helfen." Aus welcher Bemerkung ich in schuldiger Reue alle erforderlichen Schlüsse ziehe. Und weiter frage, deun ich bin unverbesserlich. Mt der grundsätzlich falschen Einstellung hängt auch die innige Ueberzeugung aller Mittelstandspersonen zusammen, man werd^ für sie „eine Ausnahme" machen. DaS Wort Ausnahme spielt ja in Wien im allgemeinen, in der jüdischen Mittelstaudsfürsorge im besonderen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Daß die Aufnahme in eine Heilstätte an die B-eibrinGmg sises .ArtWiszeugnisses geknüpft ist, sicht der AusnahmS- 13. -Juli 1924___Nr. 1943 Werber ohneweiters ein. Aber ebenso ohmweiters setzt er vor« auS, daß man für ihn eine Ausnahme machen wird. Di.« Sprechstunden des Fürsorgers nimmt man zur Kenntnis, si< einzuhalten, fällt niemandem ein — diesindjä nur für die . anderen. Und wenn es auch klar ist, daß ein großer Geldmagnat nicht für jedermann zu sprechen ist, so. wird man doch in diesem besonderen Fall... Ach, sie ahnen ja nicht, wie wenig AußeMwöhnliches jetzt diese Fälle vom Elend Gebildeter an sich haben, dieses Elend, das verschärft ist durch unklar« Vorstellungen vom Leben, durch die Unfähigkeit, sich dem harten Muß willig zu beugen. So alltäglich ist der Fall, daß es beinahe unmöglich ist/die Mitmenschen zur Hilfe zu bewegen. Das Mittelstandselend ist ja auch zumeist nicht „wirkungsvoll", ist kein Knalleffekt. Grelle Elendsbilder rühren und ergreifen, bei Mittelstandsfällen ist man oft genug in der Lage des Fürsorgers, der. pnr beweglich klagte: „Ich kann ja niemanden zu den Leuten hinauslassen, sie haben Vorhänge und Tischdecke." . Wie viel Elend in den Zimmern mit diesem stolzen Schmuck sich birgt, wie viel Jammer, Leid, Kummer, Sorge die Menschen mit den guten Kleidern und gut gepflegten Händen drückt — das glauben die an der Sonnenseite des Lebens ja doch nicht so leicht. Nein — die Mittelstandsfürsorge ist „undankbar." Ich wollte, cs käme jemand des Weges, der mir das.Gegenteil bewiese. Aber es müßten vollwertige und klingende Beweise sein. Verhaftung von österreichische« Filmschailsvieleru ln Frankreich. Auf eine Anzeige/ im Schloßpark von Versailles einen Film mit indezenten Szenen gekurbelt zu haben, wurden sechs Oesterreicher, darunter drei Frauen, verhaftet. Die Verhaftung der sechs Oesterreicher erfolgte Freitag'auf der Rückreise in Mülhausen. Die Verhafteten Personen sind: Otto Kr ei ßl e r aus Men, der bekannte Regisseur '-Eugen' N e u f e l d, Jakob Fleck, Maria Müllner, Aloisia Fleck und Margarete Schmidt. Die Anhaltung erfolgte aus Grund eines Artikels d-es „Mat in", der davon sprach, daß bei den'Aufnähmen unbekleidete Frauen aufgetreten seien. Wie weiters gemeldet wird, handelt' es sich um den Film „Die Tochter der Frau von Larsac" (nach -der Novelle von Hans Müller), der, wie wir Freitag berichteten, in Paris gedreht wird. Die Anzeige kommt von einer Pariser Konkurrenzfirma,.die' behauptet, ein Privilegium für die Aufnahmen in Versailles zu haben. Von Angestellten in Versailles wird erklärt, daß-sie nichts Anstößiges bemerkt haben. . :: Die ö st erreich: s che Gesand tsch aft in Paris wurde von unserem Ministerium des Aeußern ' angewiesen, sofort dm Sachverhalt au-fzuklären und -die entsprechenden Schritte bei den französischen Behörden zu unternehmen. Der Pariser ,Aemps" berichtet, der Direktor für schöne Künste, Paul, habe in der Angelegenheit' der Frlmaufnahrne im Versailler Parke sofort beim Personal des Versailler Schlosses eme Untersuchung einigeleitet - und die Berichte des Personals, das bei der Filmaufnahme anwesend war, er>tgegengenommen. Das Blatt führt einen der Berichte cnr und meint, daß der Vorfall in kürzester Zeit anfgeklärt und geregelt sein werde. Wie das Blatt erfährt, hat die Oesterreichische Gesandtschaft in Angelegenheit der Versailler Filmaufnahme enerigisch intevveniMt und Aufklärungmüber di< Legalität und die Gründe der Verhaftung verlangt-. Der lohte Stollen der Mbrttaftwerk« durch» geschlagen. Di« Arbeiten bei den Wasierkraftwerken der Gemeinde Wien nehmen einm günstigen Fortgang. Am Freitag wurde der Frieslingstolleu glatt d ur ch ge schlagen. Es ist dies jener Stollen, der 4084 Meter Länge anfweist und die größten Schwierigkeiten bereitete. Damit P nun sder schwierigste Abschnitt des Mbskvaftwerkes überwunden und die Arbeiten stehen vor dem Abschluß. Für Sonntag den 20. d. hat der gffchästsführende Präsident der Wasserkraftwerke A.-G., s Prof. Dr. Frankel, bereits die Vertreter der Regierung, . der Gemeinde und der Presse zu einer Feier anläßlich des E Durchschlages im Frieslingstollen nach Opponitz geladen. .Noch im Herbst wird der Strom aus.diesem Wasserkraftwerk der Gemeinde Wien zur D e r f ü g u n g stehen. Selbstmord im Auto. Während der Fahrt in einem geschlossenen Auto hat sich gestern auf dem Michaelerplatz ein F ah r ga st erschösse n. Der Chauffeur hörte, während er über' den Michaelerplatz fuhr, aus dem Innern des Wagens plötzlich einen Schuß. Er fand seinen Fahrgast blutüberströmt bewußtlos im Wagen. Der Chauffeur schloß sofort wieder die Wage'ntür und fuhr zu der nahegelegenen Sichecheitswachstube in der Hofburg. Der Mann war bereits tot; er hatte sich aus oinem Revolver eine Kugel in den Mund gejagt. Dos Projektil war beim .Scheitelbein wieder herausgedrungen. Die Waffe'wurde im Wagenfonds vorgefunden. Nach Dokumenten, die man bei dem Toten gefunden hat, war er der Kaufmann NÄolf G., im 9. Bezirk wohnhaft. Er war ungefähr 30 Jahre alt, erst zwei Jahre verheiratet und kinderlos. Als Reisender war er bei einer Fabrik für Galanteriewaren tätig und hätte in geschäftlichen Angelegenheiten nach Karlsbad fahren. sollen. Sein Koffer war bereits vorbereitet, aber er hatte-noch nicht das Geld für di« Reisespefen, .ungefähr 26 Millionen Kronen, bereit. ES scheint, daß schlechter Geschäftsgang und mißliche materielle VechältnissL den jungen Mann, der als überaus strebsam und arbcitseisrig gegolten hat, in den Tod getrieben haben.