Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-07-13 · Heft 1943 (13.7.1924) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1943 (13.7.1924)
Date
1924-07-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981026--19674-3006840
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 Mieni Sonntag WjMev'MöM'eMttrM-. 18. Juli M4 ,' Nr. kW frerheit gebracht. Deutschland wieder? ist durch serlE.s? hartnäAge. Weigerung, seine - unterschriebenen Ver-- pflichiungen einzulösen, in die. Politische und dann in' die wirtschaftliche Isolierung geraten,- ist im Inneren von Komitatschrs abhängig geworden, die gegen' alltz Welt hadern und sich einstweilen, bis sie wieder iKrsegsichren, die Juden als Opfer erkoren haben, bestenmant trefflich alle Verbrechen auspacken kann. ' > Daß England und Frankreich daran arbeiten, die ganze Frage wieder aus das Geleise -der Wirtschafts- - Politik zurückzubringen und von hier aus zur Abänderung der Versailler Schusterei zu gelangen, erleichtert der kleinen Entente das Leben, hat aber automatischdie erbitterte MinierarLeit aller Berufsdemagogen,, aller Saboteure des . Friedens hervorgerufen, für die es Anknüpftrngspunkte in Hülle und Fülle -gibt. Das-. Schlachtfeld ist noch nicht ausgeräumt worden, es findensich immer scharfe Granaten und auch die Stacheldrähte sind, noch vorhanden. Immer brandest. es -und am stärksten in den kleinen Staaten, deren noch immer unentwickelte Wirtschaft unter den Explosionen der Haßvnlkane zittert. Die friedlichen Absichten : dieser Staaten und ihrer Verantwortlichen Leiter sind diesmal glaubwürdig. Es ist vielleicht die rechte Liebe nicht, aber ein erzwungener Pazifismus ist noch' imnier besser als militaristischer Patriotismus. Griechische Flüchtlinge. Don Bernhard Gutttncmn. Dem Reisebuch „Tage in Hellas", das soeben im Verlage der Fraukfnrter.Societäts'Druckerei erschienen ist und.in einer ausgezeichneter Beobachtungen Politik, Wrrtisch-ast und Kultur des neuen Griechenland plastisch darstellt, ist mit freundlicher Erlaubnis des Verlages die folgende Darlegung entnommen, welche, die durch den Krieg zu so furchtbarer Entwicklung gelangten Fl'iichtlingZfräge be-' handelt. Ueberall steht man die Scharen der Elender: vom. hellenischen Stamme, die, aus ihren Wohnstätten in Kleinasien vertrieben, sich nach Griechenland gerettet haben. Die großen Städte sind von ihnen voll; sie liegen in den Dörfern und fahren nach allen Inseln über. In jedem' Gebäude, das nur freigemacht tvevden konnte, wurden sie untergebracht, viele aber mußten im Freien bleiben, namentlich in der ersten schlimmen Zeit; das ist außer m. der kurzen Periode der Kälte hier noch nicht das Härteste.' Für die Ernährung war wohl noch schwerer-zu sorgen als für Unterkunft, aber ein Stück Brot kann auch der Bauer geben. Me viele solcher Unglücklichen gibt es? Ihre Zahl wird Übertrieben, aber sie beläuft sich sicher aus wehr, als eine Million, dazu werden nöch 200.000 Griechen vom' Schwarzen Meer erwartet. So wird diese plötzlich ins.. Land geschleuderte Menschenmenge. einem Fünftel- Wiel--,, leicht einem Viertel der ansässigen Bevölkerung des'.Staatesgleichkommen. In Griechenland , hat es seit dem Bestehen, der Unabhängigkeit immer Scharen, von. Flüchtlingen ge-. , geben, weil in der Türkei irgendwo immer Unruhen und Aufstände waren. Sie kamen aus Konstantinopel,. aus - Kreta, aus Makedonien. Aber erst das fürchterliche ,-Unglück vom .Herbst 1922 wälzte diese - Sturmflut auf den hellenischen Boden. Allein in Smyrna haben Hunderttausende von Griechen gelebt: „Giaur Jsmir", das ungläubige Snchrna, nannten die Türken'' diese zweite Haupt- - stadt ihres Reiches. Jetzt wohnt dort kein' Grieche mehr. Unzählige wurden totgeschlagen, zwei Drittel der Stadt - gingen in Flammen auf. Entsetzlich ist der Rassenkvieg, der. den Orient seit Jahrzehnten durchwatet. Auch die Griechen 'begehen in diesem Kampfe große Grausamkeiten, auch die Ddoham-' medaner werden aus den für die Türkei verlorenen Gebieten verjagt. In Salonik erzählte man mir folgendes-' Vorkommnis: Verwilderte kleinasiatischc Flüchtlinge wer-, langten in der Umgegend Häuser und Boden zur Be-- stellung. Die griechische Behörde - konnte nichts für sie finden. Eines Tages wurden 22 Türken aus ihren Wohnungen geholt, in einen Graben geführt und sämtlich niedergemacht, worauf die Flüchtlinge die Häuser und den Acker als „herrenlos" in Anspruch nähmen. Es ist nicht erstaunlich, daß manche von diesen Leuten, die zu Bettlern gemacht worden sind und ein Bettlerlebenvor sich sehen, zu gefährlichen Elementen werden. Die Flüchtlinge fördern in Griechenland die erhitzte revolutionäre' Stinnmrng. Sie find der ewige Vorwurf für die Regie-, rung und Heer. Nach all dem Reden von der „großen Idee" und der Bestimmung der Hellenen, über den Orient zu herrschen, dieses Medermähen und Wegscheuchen der Griechen Kleinasiens, wo sie seit Jahrtausenden gesessen haben! Weder ein» persischer Großkönig noch ein türkischer Sultan hat der Nation jemals einen solchen Schlag versetzt wie Mustafa Kemal Pasch«. Wenn auch viele an Krankheit und' Mangel zu Grunde. gehen müssen, im ganzen hat Griechenland die für seine Kräfte ungeheure Aufgabe, 'dieses ganze vertriebene ' -Brudervolk auszuuchmen, vorzüglich erfüllt. Die Leistung.. gleicht vieles andere aus, was minder schätzbar bst. Zuerst halfen die einzelnen, nachher hat der Staat, soweit es ihm die Finanznot und die -politischen Krämpfe erlauben, Gelder gegeben. Man hat für die Vertriebenenschon viel gebaut, in mehreren Städten ganze Quartiere. 'Äs Zwaiölistep sfig;:il@rzls LD. Yamus 1924 '> -- Der! 20. Tcfdestäg Herzls brhigt'einen ' Massenbesuch des Herzl»<3rabes Jeder Jude hat^an diesem-besonderen Gedenktag das Bedürfnis, detfi gros-sen Führer zu ehren Baut mit an dem Ehrenmal des jüdischen Volkes für Theodor Herzl &em He irLs ->Wal Äin PaiS st3 na Spendet für den Keren jCa£©iyieth, den Jüdl*; r sehen Natioiiälfonds Bureau: II. Zirkusgasse Nr. 33, Tel.45-606 ||.PostsparkassetikQ(iitQl0(>.2P8 Mit''dem - Präsidenten des HiHkomitees, Herrn laos, bin ich in die AnsiMung hinausgefahren, die unter, seiner Leitung außerhalb Athens entstanden ist. Bis zum Oktober 1923 waren dort gegen 700 Häuser, vielleicht 2W0^Ziinmcx fertig geworden./Mai: sorgt für Bäder und WasHhcptser,, deren sonst'der gri echische Proletarier meistens , ermangelt. Wir sind in einige schon bewohnte Hauser eingetreten." Die Leutedieser Kolonie -sind viel-besser daran als dier meisten -Hver Schicksalsgenossen, sie. ernähren sich großenteils... schon selbst . mit> Teppichweben oder anderen Häusindustriest; der Plan-ist, daß sie allmählich.die Häuser 'kaufen -sollen.. Die .Kleinasiaten wimschen. unter, sich zu lebest, viele, -haben Heimweh, und fühlen sich unter-den europäischen Griechen fremd. Am meisten leiden-darunter die Leute aus dem Innern, den Distrikten von Jkonium, Angora und.voy: Pontus. -Sic, sind Griechen nach dem ' orthodoxen Glauben,'. sPttHen aber türkisch, "ja sie bete'n türkisch, auch ihre Popen verstehen nur'die Spräche der Osmanen., Diese Menschen sind ein besonderes Volk, während 'die Smyrniotcn und die anderen Anwohner der ägäischen Küste seit langem durch' Heirat und Handelschaft Verbindungen mitdem 'westlichen Hellas hatten. tu MMner Konferenz. Die französische Delegation. ' <Eigendienist der ,Mlendr Morgentzeitung".) - Paris, 12.''JUli. .-Die fran-zösische Delegation für'-die Londoner Konseren-z wird am Dienstag vormittags, -10 Uhr, Paris'verlassen. Sie wird aus etwa 30 Perfönen bestehen. Die genaue Zusammensetzung ist offiziell noch-nicht-bestimmt, doch werden ihr--voraussichtlich außer Herrio't--.der Finvstzmmistcr Clementel, KriegLm-inifter Nolle t, - Bar t"h oÄ Und P erbet t i d el-la N o c c aangchören. /-s»«eWr.Rolle. - Keine, offizielle Berixetung in der Reporationskommission. Lbndon, 12. In ln'' Der 'Ärerikan Vf che Staatssekretär -des Aeußern Hughes, der heule Nach London abgereist ist, wird sich 'bis '25. d. in England aufhalten, worauf er nach Parisweiterfährt, ONitte'Sepmnber kehrt er nach Washington zurück. Sie Meldung, daß der Besuch einen .rein privateu^Lha.r.akter Haft.wird in London . nicht geglaubt. Man msmmt .au, daß. er die Repa rationssrage'ünd die gesamten Politischen Probleme mit der Regierung .besprechen wird, insbesondere auch die Ergebnisse der intew'llierten Konferenz in London. Aus Wershi.ng ton.wird, gemeldet: Offizielle amerikanische Kreise erklären,,daß die amerÄanische Regierung keinen offiziellen Vertreter bei der Reparationskommission oh ne. Au t ori s i e r u n g des Kongresses ernennen kömre, da dies ausdrücklich in einer>Klausel des Spezialvertrages zwischen d e n Vor e i nig't e-n - S t a a be n u n -d Den t s ch l a n d vorgesehen sei. ' . -. - ' ' SchatzsetteKr Mellon in Sngrand. London,. 12, Juli. (Wolffst Der amerikanische Schatzsekrctqr M e.l l o n ist in. p o u t h ampto >r eingetrofsen. Nach den.,^imes" erklärte er, daß.sein Besuch privaten Charakter trage. Die AmnestilÄebatte in der Kammer. - . (Eigendienst der „Wiener Morgenlzeitung".)- Poris, 12. Juli. Die Kammer hat heute die Diskussion des -Gesetzvorschlages' -betreffend die Amnestie fortgesetzt.' Dies-ist bereits die s'e ch st e Sitzung, in welcher sich die Kammer-mit der Amnestiefrage beschäftigt. Die Regierung will die Amnestie noch vor Dienstag, dem Tage-der Abreise Herriotsnach London, unter Dach bringen. Herriot ergriff heute selbst das Wort.und erklärte: >,Ich bitte die Kammer im Interesse der Allgemeinheit, eine große Anstrengung zu machen, denn es ist^durchaus notwendig, daß das Amnestiegesetz vor den Fer-ien angenommen wird. Die Debattehat i'm Lande eine gewisse Erregung hervorgernsen. Wir müssen nun so rasch -als möglich eine Abstimmung herbeizusühren suchen. Die Regierung - begibt sich in der nächsten Woche nach'London. Ich bitte die Kammer, die Vorlage noch d or Abrei se der Regierung zu.erledigen. Die Re-gkrung ersucht Sie daher, nicht nur heute äbebds, sondern.auch morgen Sonntag rm-d am Montag, am Nationalfeiertag,. Sitzungen abzuhalten." . Der Vorschlag der Negierung wurde angenommen.; MWM-AW. Die Deutfchnatioualen fordern Widerruf der deutschen Zuges ständniisse. - ' . Bc-.-rr»t, 12. Juli. Nachdem die Deulschnattonaüen ihre' ^ppostuu-n gegen das Sachverständigengutachten wegen des- Widerstästpes ihrer Industriellen fast gänzlich ein stellen müßten, suchen sie nunmehr die Frage der Milrstärkontrollals Stoßwaffe gegen die Regiermug Marx- Stresemann zu benützen. Namens der deutschnationalen Reichsvagsfraktton hat der Vorsitzende einen offenen Brief an den Außenminister gerichtet, in dem cs.unter anderem heißt: Nimmt, die Regierung die Kontrolle an, so bedeutet das unter anderem, daß die Schutzpolizei a bigebau't wird, während die b o l!s ch rw ikischo R ev o \ it t i o n vor der Türe stehst der Reichswehr weitere schwere Schädigungen ihrer Organisation und Ausrüstung auferlegt werden,. ferner das; die Stelle des Chefs der Heeresleitung beseitigt wird. Herr Ministeer! Jetzt ist die Sturrde da, jetzt ist der letzte AugeubI-ick gekommen, Deutschland von der Schmach der M i l i t ä r k o n t r olle -und ‘ ihvnr unbegrenzten Fortsetzung zu besreicu: Wir fordern die Reichsregierung ans, das Zugeständnis vom 30. Jürii nach Forisall der Bedingungen unter ‘ denen es tit Aussicht gestellt worden war, als unwirlstoni zu erklären und die geforderten Kontrollhairdlüngen n Ich t zuznlassen. Plötzliche deutsche Versalilles-Begeistevung» E -In einet Rede aus einem 'Presseempfang erklärte Reichskanzler Dr. Marx: Wir wollen wieder; daß der Versailler Vertrag und das RheMlandalbkommen voll in. Kraft gesetzt werden und-die Rechtsgrundlage bilden, auf der wir uns mit unseren ehemaligen Gegnern in ehrlicher Verständigung und zll beiderseitigem Nutzen anseinandersetzen können. Wemr Frankreich jetzt di-: Aufrechterhaltung, des Versailler Vertrages so stark betont, so dürfen wir gerade bei Frankreich Verstanpnis dafür erwarten, Las; wir unsere welligen Rechte ans dem Vertrag gewahrt wissen wollen. Die Bed'm-grlilg, die die Reichsrelgiernng an die Durchführung des Gutachtens knüpft, ist einzig und ■altem die, daß das Gutachten von 'allen Beteiligten seinem Inhalt und seinem Geiste gemäß aufrichtig angenommen lind durchgeftlhrt wird. Der R-eichÄkangler gillg dann noch kurtz ans das Thema „Deutschland und der Bö-IkeUbund" ein. Er widerlegte die Auffassung, daß er dem Bestreben , des'Auslandes, Deutschlands Eintritt in den Völkerbull-d zu erleichtern, ablehnend oder hinbentb gegcnüberstehe. Für den Eintritt in den Völkerbund fefft er aber als Deutscher voraus, daß Deutschlands Wohl und Ehre in vollstem Maße gewahrt bleibe. Er begrüße aufrichtig die zu dieser Frage heute in der Presse erschienelie Erklärung Lord P a r m o o r s. * Whser ms dem Amt eirftoffetu ■ <EigeM«nlft' dev „Mener MovgenMrmg?.-)' . - - München, 12. Juli. Gegen den Münchner PoKz-ei-Pvaisl» deuten Tr. P ö h n e r, der am Hitler-Putsch hervorragend, beteiligt war, zu fünf Jahren Festung vemrteilt wurde und auch dom bcchrischen Landtag, dessen Mitglied er ist, ailsg-ellefert wird, hat -die DiZziPlinaMmmer für richterliche Beamte irr dem bei ihr anhängigen Disziplinär-'- .Verfahren die Entscheidung bekanntgegeben. Sie lautet aus Dienstentlassnug. Das Urteil steht eine schwere Verletzung d-ew A m t s P fl i ch Leitdarin, daß Doktor Pöhner die h ochve rräteris che w Bestrebungen der Nattonalsozialisten unterstützt und das ihm von H i kl e r ange-botene Amt eine!s bayrischen Ministerpräsidenten angenommen hat. Holland gegen die EinMgerung Deutscher. (Eigelldienst der „Wiener MorgelMitung".) Amsterdant, .12. Juli. Die inner-parltamontarischen Gruppen H olla-nds haben sich in. den hetzten Tagen Mt der Frage der Zunahme von Einbürgerungen deutscher Staats an gehöriger bestlßt. Es soll ein GosetzesprojeLt ausgearbeitet werden, welches eine gründliche Untersuch u-,n g in Ein zellfälle n Migatorisch nmchst in welchien Deutsche die holländisch" Staatsbürgerschaft zu erwerben suchen. M Attentat ans Saalul Pascha. Kairo, 12. Juli. Zaglul Pascha ist, als er im Begriffe war, mit der B^hn nach Alexandrien abznrcisen, durch einen Revolverschnß an der Brust leicht verletzt worden. Die erbitterte Menge iibte an dem Täter Lynchjustiz. Er wurde ihr entrissen unf» in Haft gebracht. Nach den letzten Meldungen ist das Befinden des verwundeten Premierministers Zaglul Pascha zufriedenstellend. Der Attentäter wurde unter polizeilicher Bewachung nach Kairo zurückgebracht. Asgeuee Havas berichtet: Das Attentat gegen Zaglirl Pascha wurde verübt, als er sich auf dem Wege längs des Bahnhofkais befand. Ein junger Mann feuerte einen Revolverfchntz gegen Zaglul ab, wodurch dieser an der rechten Brust leicht verwundet wurde. Der AtteMter, ine zwanzigjähriger E f f e n d i (Vieser Titel wird nur einem Staatsbeamten aper einem Mn-nn mit Hochschulbildung gegeben — Die Red.), bedrohte hierauf den in Begleitung Zaglnls befindlichen H a u p t m a n n. Nur mit Mühe konnte er der wütenden Menge entrissen werden. Zionisten! fer, dSeif Schekel sich, einen Sckefee geleistet hat, | I zu kaufenS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.