Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1943 (13.7.1924)
- Date
- 1924-07-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Prager Konferenz. — Rußland und Einigkeit auf der (Eigen-ienst der „Mienen Morgenzeitung".) in allen wichtigen Punkten konstatiert. Ettvas ausführlicher Prag, 12. Juli. Der tschecho-slowakische Auß-en- Mnilster Benesch gewährte dem Mitarbeiter der Belgrader „Politika" folgendes Interview: Der erste Grund, daß sich die'kleine Entente sehr gut bewährt hat, ist, daß ihre Politik wesentlich« Vorteile allen jenen gebracht hat, , die die kleine Entente bilden, wobei sie gleichzeitig einen Nutzen für ganz Mitteleuropa und die Friedenspolitik überhaupt mit sich brachte. - Wir müssen hier nicht tm auf die Erfolge in der Abwehr der habsburgischen Reaktion verweisen, die definitiv gegeben Zn sein scheinen. M i tt e i e uropa ist heute im ganzen ko n s o l i d i e r t. Nach Oesterreich ist auch Ungarn pazisiziert worden und daW spielten die politischen Methoden der kleinen'Entente eine wichtige Rolle. Aber mein Glaube an drei Z n k n n f t der k l e i n e n Entente hat andere Gründe. Wir gelangen in Europa M einer Losung von sehr s ch w i e r i g e-n I r a'g. e n: Man.: wich die Befangenheit liquidieren. Aber abgesehen von dem ^anttprogramm der Neparationsfrage und der interalliierten Schulden wird es sich üm' Uä t e r i e l I e u n d W i rt fcha ft kr che Inte res s e'n .d>e-r Staa t e n der kkeLwen E nte nie handeln', die'.eine dauernde Airftmrksamkeit und shstematische Vertretung ihrer Interessen erfordert, damit sie bei der definitiven' Herbeiführung des Friedens und.der Konsolidierung der neuen Staaten entsprechend abfchneidet. Wir sind in. diesen Fragen in Uebereinstrmmung mitder Pol,tik.der großein Entente, vorgegangen, wollen aber, in keiner Weise Opfer der großen Staaten anläßlich der Lösung dieser Fragen werden. Es ist notwendig, unser politisches Prest -ige- M erhalten, welches seine Hauptstärke aus dem Bunde der kleinen Entente zieht. Ich will nicht betonen, daß wir unsererseits nicht daraus verachten, bei der Regelung der Beziehungen Europa s z u R u ßl and unseren Anteil zu nehmen. Die Prager^ Konferenz gibt uns nur die interne Losung der außenpolitischen Lage, und stellt Vorbereitungen dar, aber sie hat keinen anderen Zweck, und in Konferenzen, wie sie in Prag stattfinden, kann, auch nichts anderes bezweckt werden. Die Prager Konferenz. Prag, 12. Juli. Die Konferenz der kleinen Entente hielt heute um 10 Ahr vormittags ihre zweite Sitzung ab. Außer den drei Außenministern nahmen der jugoslawische Staatssekretär G a v r i l o v i c, ferner die tschechischen Gesandten in Belgrad und Bukarest, Scheba und Veverka sowie der jugoslawische Gesandte in Prag Neste, und der rumänische Gesandte in Prag Hiott teil. In der Vormittagssitzung, die um 1 Uhr zu Ende war, wurden die eigentlichen in i tte lenrop Lisch en Fra- 8/ n behandelt. Sodann fand beim rumänischen Gesandten ein Frühstück statt. Die Teilnahme der Staaten der kleinen Entente an der Londoner Konferenz, die sich auf I v g o s l a w i e n und R u m 8 n i e n beschränkt, wurde bereits gestern erörtert nnd der rumänisch« Delegierte, Gesandter Titulesc«, der gestern an der Beratung teilnahm, ist heute von Prag nach London abgereist. Der Staatssekretär G a v x i lo v i c, der JugosLawien vertreten' wird, reist ebenfalls heute ab. In der Vormittags- und in der Nachmittagssitzung der Konferenz wurde der wesentliche Teil des Konferenz-- progrmnmes e r l e d i g t. Man sprach über die R eparationsfrage, die interalliierten Schulde n, die Stellungnahme zur Londo n e r K o n f e r e n z und Wer einzelne Probleme, welche die kommende V ö lk e r b u n d v e r s a m in l u n g beschäftigen werden. Es wurde . wurden die Minister nach der Nachmittagssitz u n g, als sie. vor den versammelten Journalisten, einige Erklärungen abgaben. Heber die betzarabische Frage wurde erklärt, daß. man in diesem Punkte einer Festlegung ans bestimmte Verpflichtungen ausgewichen ist und darauf hofft, daß die beßarabische Angelegenheit irgend wie in Güte gelost werden wird. Bezüglich Ungarns äußerte sich Dr. Bensch den Pressevertretren gegenüber mit einem gewissen Optimismus. Er ist für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, allerdings in einem Augenblick, wo die Lage so weit geklärt ist, daß Deutschlands Eintritt den Völkerbund nicht mit irgend welchen Konflikten belastet. Mit deutlicher Scharfe wandte sich Dr. Benesch gegen die in verschiedenen Blattern erschienenen Kommentare, die von einem Zerfall der kleinen Entente sprachen. Am Abend fand in der Burg ein Souper zu Ehren depDes^MHMtath an welchemM aucher» großerEmHfang im Hamschen Saal ides. HrädschiÄ Schlosses anschloß. - : Der rMränische AMeftWNfter Über die russische FDge. Der rumänische Minister des Aeußern erklärte dm Journalisten, die russ ische:Frage und die Anerkennung Rußlands bilde keine Frage der kleinen Entente, ober eine Frage, die jedes einzelne ihrer Mitglieder besonders betreffe. Speziell für. Rumänien ist dies nicht bloß eine theoretische Frage. Wenn es eine solche wäre, hätte R »nt änien Rußland seit langem anerkennt, weil es einen t h e ow e tisch e n E r u w and gegen die Anerkennung nicht habe. Praktisch aber befindet sich Rumänien gegenüber Rußland in der Stellung zu einem. Staat, der. die Grenzen Rumäniens nicht anerkennen will. So lange .diese Frage nicht geklärt ist, können wir an die Anerkennung Rußlands nicht hevantreten. Unsere Politik ist eine Politik des Friedens gegenüber der ganzen Welt. Da wir unsere nationale"EimHu-ng verwirklicht haben, haben wir von niemand etwas zu fordern, und wir sind glücklich, wenn wir mit Rußland regelrechte Beziehungen so wie mit den übrigen StaateMerösfnen können. Auf die Frage des Verhältnisses. Rumäniens zu Ungarn.erwiderte-der Minister:-Wenn. Ungarn entschlossen, ist, auf be'i d en Fr ie de n'svw r t r ä g e n zu be-'. harren, wird es in Rumänien einen Nachbarn finden, der bereit ist, mit ihm sowohl in p ö lst t i sch e n al s an ch Wirtschaft!i ch en B e z ie h ün'g'e n zusa m me nznarbe ite.n. In letzter Zeit hat sich unser . .. Berhältnis zu Ungarn fühlbar gebessert. . Wir haben über die praktische- Durchführung. 'der Friedensverkräge verhandelt und im April sechzehn Konventionen juristischer und finanzieller Natur abgeschlossen. ZugMMUe ZemMche m ZM? Gegen die Mazedonischen Banden. " : Mgendienst der „Wiener'.Morgeuzciiuil-g".) B.e lg r a d, 12. Juli. Der gestrige M i n i st errat beschäftigte sich mit den Ereignissen in Südserbien, wo die'Bande-nbcwegung scheinbar wieder auflebt. Diq b u l g c> vis ch e R e g i e r ung soll d a f ü r v e rantwörtlich gemacht werden und es heißt, daß eiü-Sch'ritt in Sofia bcvorsteht. Entlang der bulgari- Aus dem Fnhalt der heutigen Nammer. Griechische Flüchtlinge. Von. Vernhürd Gutlmann. Unruhige Dalntenmärkte: Von Dr. Michael S n s s a n. Der Tod in Bagdad. Von Armin T. W e g n e r. Nikolaus der Erste und Moses Montefiore. Eine Volkslegende von S. A n—s k i. Zwei Leben. Bon Julius V e r t e s s h. - Der Lichtstrahl als. Zeichenstist. Von Dr. -Adele W i e n e r. Vom Dache. (Ein Bild ans Chulda.) Bon Jizchak P e l a ch - (Jerusalem). Zer zwang Mm FMen. —y. W i e n. 18. Juli. ' Die leitenden Minister der kleinen' Entente waren in Prag beisammen.' Die' Mitteilungen über diese Beratung sprechen in sorgsamer Rchigiernna^ 'von der Aufrechterhaltnng der Gemeinsamkeit im Sinne der Stärkung des Friedens. Es wurde die vollständige Uebereinstiminüng der Interessen und ' Anschauungen konstatiert. Das ist sicherlich mehr als eine diplomatische Floskel. Denn alle Umstände^ sprechen dafür, daß 'die Gmppierung der kleinen Staaten die Sorge um den so Aschwer errungenen- BesiWäM über alles setzen nnstß "und daß sie kaum" .iWa'M - ist,- el.ne Vergrößerung' des ...Gebietes mit oder ohne / Gewaltanwendung .vorzunehmen. Die militärischen -Lästeü sind'schon in diesem .merkwüMgen Friedenszustand-/zu schwer, die Völker können ihre nationales Kraft nicht weiter - anspannen und auch ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit sind in den bestehenden Tatsachen Grenzen gezogen, die unüberschreitbar scheinen. Zwar hat jeder dieser Staaten mit chauvinistischen Parteien zu tun, denen im^ Weltkrieg noch zu wenig Blut, geflossen ist und die bzt gut bezahlten Vertretung schwerindustrieller Geldnnd Machttendenzen eine ansehnliche Einnahmsguelle besitzen. Sie haben den Auftrag, immer neue Provokationen der Minoritäten auszusinnen, immer neue Gefahren für das Vaterland und die Staatsnation zu wittern. Sie sind demnach gegen einen Frieden mit den nationalen oder konfessionellen Minderheiten, denen sie das Leben verbittern und die sie systematisch zum Jrredentismus erziehen. Jede Aenßerung erzeugt eine Gegenäußerung voll Zorn'und Enttäuschung und es ist inenschlich, wenn auch nicht politisch zu begreifen, daß sich auch die Minoritäten, die' depössedierten Staatsnationen von einst, nach dem' Gewesenen zurücksehnen. Daraus entsteht eine ewige Unruhe, die die'Kunst der Regierenden in fortgesetzter Spannung hält und sie auf den Weg des Kompromisses weist. Es ist doch immerhin ein Fortschritt,' daß dieses Kompromiße nur auf der' Linie des Friedens liegt und'daß die kleine Entente ihre rauflustigen- Parteien im -eigensten Interesse zügeln muß. Das besagt ihr Communique, das m der Aufzählung der behandelten Angelegenheiten mit _ hörbarem Aufatmen bei der Besserung des Reparationsstreites verweilt. ' Von diesem Konflikt strahlen alle die Mühseligkeiten aus, mit denen sich die Völker obplageu müss-en. Ans diesem Streit ziehen die Chauvinisten, die-Imperialisten, die Fasziste.n nnd 'alle sonstigen Maulhelden ihren geistigen Agitationsstofst Aber.auch die materiellen! Schwierigkeiten leiten, sich aus dieser vergifteten -Quelle her. Der .Reparationsstreit '. ist politisches Monstrum,' für das wir sicherlich das lebhafteste Interesse hätten,'wenn es zur Zeit der Völkerwanderung gelobt hätte. Wir sind leider'Zeitgenossen und müssen es mit ansehen, wie ans einer jämmerlichen Flickarbeit boshafter Diplomaten immer- -neue Pestherde aufbrechen, wie arbeitende Menschen immer'wieder dazu kommen müssen, eine, verpfuschte Wirtschasts- und Geldfräge. mit förgender Stirne zu betrachten.. Früichreich ha't sein Budget aus die Reparationen gestellt und hat, um sie zu erzwingen, die, kleinen Staaten durch ein . Netz verworrenster Mianzverträge um die Bewegungsvollkomnrene Einigkeit 'ber&wi Staaten schon Grenze wurden s ch a r f e S ch u tz m a ß n a y m e n getroffen, um den Uebergang von Banden nnd auch von Ägitatoren zu verhindern. ^.enLlhebchPtotke, tt^ren- und vsmenll?8sßslwäsciie,"'Xeinen, Teppiche, Vorhänge . etc. &9T bl Bl i g st im fläflS II. Taborstraße 48 Telephon 47*1-79 En qros En detail