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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-12 · Heft 1942 (12.7.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1942 (12.7.1924)
Date
1924-07-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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1 . »,£nt*™m««' 'I V- MW \ l*^M!t<^:«J v*"» '<1 *v t't Bit. 1948 Wien, SairÄlg Anhaltende Schwierigkeiten der Bottsoper. Die Vvikksoper steht vor neuen Schwierigkeiten. Es ist Mar diesinal noch i>er Direktion gelungen, die Gagen für das zweite Drittel dieses Monats den Mitgliedern aus zube zahle n, doch ist damit die Krise'nicht behoben. Die Mitglieder der Vvlksoper-Betriabs-A.-O., die bereits Milliarden darcnisgezahlt haben, können und wollen nicht weiter Opfer bringen, wenn nicht auch andere in Betracht kommende Faktoren, inAb-esondere die Gemeinde Wien, helfend eingreisen. Falls nicht rechtzeitig diesem Knnstinftitiut Hilfe gebracht werden sollte, wäre die Volksoper in die traurige Lage versetzt, das Theater schließen zu müssen. Die Gemeinde Wien hat hier eine moralische Verpflichtung, die sie in der Weise erfüllen Wnnte, daß sie gleichzeitig mit der materiellen Hilfe die Mißwirtschaft, die durch gewisse Mitglieder der Volksoper- BetviebsÄlktiengefellschaft' eingerisftn ist, beseitigt. Dar tschechische GaWkel in Wien. Nur fiir drei Tage berechnet. Gestern eröffnete ein Ensemble des tschechischen Natio- Aalcheatevs von Prag unter der Leitung des Oberregisseurs Milos Rodh ein dreitägiges Gastspiel .mit Bernhard Shaws „P h g m a l i o n". Henke wird „I a e q n e l i n e" <das vom Josesstädt-ertheater her bekannte Stück „La passarelle") von Croisset und Gresae, morgen „Der S chia t te nfi s che x“ von Jean Sarment gespielt. An dem Gastspiel nehmen unter anderen teil: die Frauen Anna Sedlackova, L. Odstreilova, Anna Ticha und die Herren Mlo-s No v y, Eduard K o hon t, Rudolf De hl.und Karl Kol ar. Wre' nus^ Oberregissour Milos N o v h mitteilt, wird im Herbst Wiej>erMnng W Gastspieles stattfinden, das jedoch im Gegensatz zu bottt gegenwärtigen, von den Künstlern, über Einladung kr Wiener Theater- und Konzertgsseltschast Kuta veranstalte den, offiziellen EhavaAer tragen^und von der Direktioin - des Nationaltheaters veranstaltet werden wird. Die Direktion des Nationaltheaters hatte dst Einwilligung zur jetzigen Gastspielreise verweigert, . ,.da sie Pinie finanzielle. Schädigung ihrer Herbst- Veranstaltung befürchtet, was jedoch-Novy als grundlos bezeichnet, da diesmal'das Gastspiel nur für drei Tage be- Dechaüeh.'P.,.' . .Fm' :Hevhst weMir unter anderen folgende Stücke.gespielt werden: „Das Kind", von F, T. Salda. „Die SchuK»"- von -Javoslav "H.j..I.I,e r t,.. „Tl. R." von Cap e k und „Der.Sommer" von S r a m e k. Das Herbstgastspiel wird voraussichtlich ungefähr eine Woche dauern. KLnstlersugend. Schulausfiellungen der Akademie der bildenden Künste. Wer das Renaissancegebäude der Akademie betritt, um die diesjährige Schulausstellung zu besichtigen, wird angenehm enttäuscht: der klassisch-langweiligen Fassade des Hauses wird ein kräftiges Schnippchen geschlagen. Wenn auch nicht Sturm und Drang, wenn auch nicht gärender Uebermnt und brünstiges Bohemetum, so doch eine phantasievolle Jugend, an der die Problente der Zeit nicht ganz spurlos vorübergegangen sind. .Im übrigen kann man von einer Lehrakademie nicht die Parolen für. Revolutionen verlangen, genug schon, wenn sie Reaktionärem ausweicht, Drängendes gewähren läßt und die Hoffnung gestattet, daß nur Vereinzelte ihrer Jünger im Künstlerhans landen werden. Im Erdgeschoß Plastiken aus der Brldhauerschnle des Prof. Josef Müllner, die Form, wahrend und betonend, die Seele des Materi als erkennend und, dar am selbst m den banalen Motiven von ansprechender Reinlichkeit. Die allgemein Malersch'nle hat in Andri, Tichy, Stcrrer. Schmid und Jettmar gediegene Lehrer. Audri betont das Dekorative. Die Entwürfe für Wandmalereien und Gobelins sind in großem.Stil..gedacht, nm in der -angewandten Kunst Verwendung .'zu. finden. Die I et t m a r-Schüler zeigen Akte und farbige Kompositionen in gemischter Technik; der Einfluß Hoblers und Albin Eggers wird gewiß nicht schaden. Sterrers Jünger bemühen sich, die Bahnen' ihres jungen Meisters' zu verlassen. Die Bewegungsalte bezeugen Ausdruck und sind mit einem farbigen Reiz erfüllt, der das Lineare auf ent breiteres Niveau stellt. Tichys Schüler bewegen sich in allen Stilrichtungen, so daß eine starre Einseitigkeit vermieden wird. Von mächtigem Einfluß aus die Baukunst Oesterreichs, die trotz Olbrich, Ohmann, Hvsmann zur Schablone zu versteinern drohte, ist das Wirken Prof. Behrens. Ein frischer Geist von Kultur, die Bereinigung von Zweck und Schönheit feiert Triumphe. Entwürfe von Fabriken und Wohnhäusern, Terrassenhäusern, Kasinos, Stadions, von Ferienhäusern und Großbauernhöfen sind von eindringlichster Lebendigkeit. In den Meisterklassen präsentieren sich die Schüler von Prof. Bache r, dem neuen Rektor, ferner von Jungwirth und Andri, die Graphik hat in Prof., Schmutzer einen Anreger von elementarer Wucht und Gediegenheit. * Im schönen Gebäude in der Böcklinftraße, von Prateriuft umweht, ist die Meisterschule für Bildhauerei nntergcbvacht. Atelier neben Atelier, Werke im Werden, noch frisch von der Hand des Werdenden, der selbst Meister werden will; in Ton, Gips und Stein; einzelnes schon gegossen, wie die hinreißend anmutige Figur eines Knaben, „Der Frühling", die bereits ausgestellt war. Pros. Hans Bitterlich bildet eine neue Bildhauergeneration heran, Menschen mit viel Phantasie mtd Können und — was das Entscheidende ist — mit energischem Wollen und noch ungebrochener Schaffenslust. Namen sagen noch nicht viel, die Anonymität möge tunlichst Wiener Morgerrzeitims.__ Mitteilungen ans dem Publikum. Geschäfts Handwagen |oder Bauart, vier* und zweiräderig, steif und gefedert, in erstklassigster Ausführung, *n ganz konkurrenzlosen Preisen, stets lagernd Klosterneuburger Wagenfabrik A. G., Wien, 12. Bezirk, Grieshofgasse 16, Telephon 824-39 ssi lange gewahrt bleiben, Josef Müllners Meisterklasse besitzt Qualitäten von Rang: man spürt hier, daß es - nach Praxiteles und Michelangelo auch noch Podin, Minne und — Hanak gibt. Die Gefahr, zum Kitsch herabzusinken, ist gering. Wenn die Früchte reisen, dann erst wird alles, was heute noch problematisch ist, zu sagen sein. o. r. Aus den Theatern. Volksoper., Heute „Der l u st i g e Krieg". Morgen „L o b e n g r i n". Montag „D e r l u st i g e K r i e g". — Das Gastspiel der Prager Natiovaloper beginnt Dienstag, 15. d. mit Smetanas „Die verkaufte Braut". K a m m e r s p i e l e. Heute und die folgenden Tage, 7,8 JUjr abends, „B e i Leo nie ist was los" und „Die Galgentoni". Um 10 Uhr abends „W a 8 F r a ü e n t r ä u m e u". Neues Wiener S t a d t t h e a t e r. Heute Erstaufführung der Wiener Posse „A iitot i r.t K i it o" von Karl K n e i d i n g e r' und Heinz O l f e r 8, Musik von Lnbwigr Prechtl. R a i m u n d-T h e ä t e r. Gastspiel der E x l-B ü b n e' Heute, 7-8 Uhr abends, „Die politische W i t w e" Morgen „E h e st r e i k". Montag „Der Meineidb a u e r". Theater in der I o s e f st a d t. Heute und morgen, 7-8 Uhr abends, „M r. P i nr w i l l n i ch t st Ü.r e n". Montag „O n k e l ch e n hat geträumt". C a r l t h e a t e r. Gastspiel des amerikanischjüdischen Kunsttheaters aus New-Iark: Heute und morgen „Schwer z u s ei n ein I « b c", Komödie in drei Akten von Schalom A l e j ch e m. Montag. Dienstag und : Mittwoch ,,D e s Schmiedes T ö ch t e r", Lustsp'el in drei Akten von Perez H i r s ch b e i n. Donnerstag Bunter Abend, Gesang und Deklamation. Freitag, Samstag und Sonntag „Der g r o ß'e G e w i n st". Komödie in drei Allen von Schalom A l e i ch e m. Montag, 21.- d., „G e s p e n st e r", Drama von Henrik Ib s e n. M o d e r n e s T b e a t e r. Gastspiel des tschechischen N a t i w n a l t h e a t e r s: Heute „I a c q u e l i n e". Die Titelrolle spielt wieder Anna Sedlackova, in den übrigen Hauptrollen Milos No v i und Rudolf D e y l. Ein neuer Thraterkrach. Dos Metropoliheawr sperrt am Montag. Der Direktor des Metropolthcaters jm Prater, Gustav Müller, hat von Stuttgart, wo er sich gegenwärtig aufhält, dem österreichischen Bühuenverein mitgeteilt, daß er kein Geld habe, um die fälligen Gagen den Schauspielern und Bühnenarbeitern zu bezahlen. Die Mitglieder des Theaters beschlossen,, bis Sonntag, weiter zu spielen, um wenigstens Geld zur Bestreiturm der dringendsten Bedürfnisse zu bekommen. Da 'Direktor Müller die vom Bühnenverein-beim Magistrat beantragte Kaution nicht erlegt> hat, sind,-wie 'gewöhnlich in solchen Fällen, wieder die ^Schauspieler die Leidtragenden. Obwohl, wie uns vom Bühuenverein mitgeteilt wird,-dieser, stets den Erlag vo'u Kautionen 'beantrag^ geht der Magistrat über dieise. wie sich in der letzten Zeit wiederholt' gezeigt hat, sehr berechtigte Forderung hinweg. Das Gastspiel des tschechischen Nationaltheaters. Der Chef des Schauspieles des Nationaltheaters in Prag, Dr. K. Hilar, sendet uns folgende Zuschrift: Die künstlerische Leitung des Schauspieles des Nationaltheaters in Prag legt Wert auf die Festftelluu-g, daß es sich bei dem bevorstehenden tschechischen Gastspiel im Modernen Theater in Wien lediglich tun ein p r i. vates Unternehmen einer Schau- und Lustlspielgruppe des Prager Theaters handelt. Die künstlerische Schauspielleitnng des Nationaltheaters lehnt jede Verantwortung.für ein Unternehmen ab. welches seinen künstlerischen Msichten sowohl dramaturgisch als auch reproduktiv entgegengesetzt ist. Ein unbekanuter Wedekind. i n G e n >t ß m e u s ch", Schanfpiel m vier AuMgen von Frank Wedekind, ^erscheint zu.m 24. Juli (Wedctkmds 60. Geburtstwg) in einer Failifimile-Wiedergalbe der in des Dichters Nachlaß gefundenen HanÄschvift im Verlag Georg Müller, München. Es handelt sich um die erste fragmentarische Fassung des „Marqnis von Keich". , Operuaufführung in Lauchstädt.Die Lauchstädter Theatergemeinde der Fwunde des Goetihe-Dheaters verciustaltete -eine interessante QperuausMrung. Es wurden Georg B e n da s Duodranta „A r i a d n e a u f N a x o s" -und Pergolesis komische Oper „D er getreue Mnfikm e ifte r" gegeben. Bendas Dnodrama. ist als klassHiches Beispiel seiner Gattung in weiteren Kreisen bekannt. Pevgolesis Oper dagegen hat der bekannte Mnisikgelchrte Arnold' Schering erst wi-eder ausgraben, übersetzen und bearbelten.-. iniüssen. Der Opcrnspielpl-air ist durch ein reizendes Werk bereichert werden, dutn die Musik ist voll Geist und reich an litb-enswüvdigen Cinlfällen. Die Melodik verwendet mit Glück Tanzrhythmen. denn die Musik ist voll Geist und reich an 'licb-ensspottung damaliger GÄangslchren. Ans der Musikwell. Professor Heinrich Schwartz, der hervorragende Pianist und Lehrer an der Münchener Akademie der Tonkunst, ist int 63. Lebensjahre gestorben. — Anton Dworaks „Slawische Tänze" wurden zu einem Ballett verarbeitet, das am 15. d. unter der Leitung von Oskar N edb al in Prag zur Uraüffuh'ung gelairgt. — Am Hanfe des italienischen Komponisten Sgambati in Rom wurde eine Gedenktafel enthüllt. Seilte Kammermusik ist auch bei uns bükannt; sic weist Masfrzistiischen Charakter auf. Auszeichnung des Malers Adolf Fenhes. Aus Budapest wird uns berichtet: Der Minister für, Kultus und. Unterricht hat dem Maler Adolf Fenhes — die von der ungarlandillchen Gesellschaft für bildende Kunst anläßlich der Frühirrhrsausftellttng bestimmte große Goldene Staatsmddaille verliehen. Der ausgezeichnete Künstler ist der Sohn des Kecskemeter Rabbiners Fisch mann und zählt zu den hervorragendsten Malern Ungaams. Fenhes gehört aber, auch zu jenen ungarischjüdischen Künstlern, die, als der lveiße Terror und der antisemitische RegierungÄurs in Ungarn die jüdi'chen Künstler aus allen Lfsentlichett Ausstellungen sowie aus den Kunstlehranstalten verdrängten, sich zusammen'-chlosseu und eiigene jirdi'che Lchnkurse für die ver!ch'ed>'nen- Zweige der bildenden Kunst errichtetett, um ans diese Weise jüdische T-asvnte und aufstrebende Künstler vor dem sichereit Au'tergang zu retten. Unter oer Leitung des Meisters Frühes si'.td inzwischen mchrere jüdische Kintstler vorwärts gekomnten mtd haben auch außer- Vr.lis, Nnaarns sich einen guten Namen erworben. 12. Juli im Seil* 7 Las Urteil gegen die ßokMWet Hetterich and Mo abgeSndttt. Drei Wochen Arrest. j Das Oberlandesgericht hat der Berufung des Staats anwalts gegen das Urteil des Landcsgerichtes gegen die Hakenkreuzler H e r t e r i ch und N o s k o, die wegen Tötung des Eisenbahners Still anläßlich der Zniammenstöße in Favoriten am 24. Mai angellagt und bloß wegen Uebertretung gegen die Sicherheit des Lebens und unbefngten Waffentragens von Hofrat Dr. Dörr zu 160-000 K., bezw. 50.000 K. verurteilt worden waren, stattgegeben und H e r t er i ch zu drei Wochen A r r e st, N o 8 k o zu 10 0.0 0 0 K. Geld st rase verurteilt. Ti- Geschmornen hatten seinerzeit die Frage ans Totschlag, 'ebenso die Frage ans iabrlässige Tötung stz 335 2t.-P.-O.) verneint, niöglichcrweise durch die Rechtsbelehrnng des Vorsitzenden dazu veranlaßt, der erklärt hatte, die boshafte Handlung des Hcrterich müsseunmittelbar darauf gerichlel gewesen sein, für Leben oder Gesundheit eine Gefahr hervorzurinen Erst jüngst hat der Staatsanwalt die Nichtigkeitsbeschwerdegegen einen Freispruch des Welser Schwurgerickues vom Morde' erhoben, weil der Borsitzeiwe eine unvollständige Rechtsbelehrung erteilt hatte, und ote -Durchführ>tug einer nenerlichen Verhandlung daditrch herbeigcsühr! ■ Int Falle Herierich ist es der Wiener Staatsanivaltschasi nicht einge-- fallm, das gleiche zu tun. Sie hat sich damit begnügt, gegen das Strafausmaß zu berufen Man riskiert osio nur drei Wochen, wenn man schießt, denn man begebt nur eine Ueberlrelnng gegen die Sicherheit des Lebens. Wenn ein Eisenbahner dabei sein Leben verliert, so ist das eben forcemajeure! Und da schimpfen die Hakenkrenzier über vre Repu- . Plik, in der solche Urteile gefällt werden! Zer Leiöknsweg eines Banibeamten. Nomantsich und traurig, aber währ ist die nachstehende kurz geschilderte Leidensgeschichte eines Bankbeamten, der kürzlich beim Gewerbegericht als Kläger gegen die Länderbank austrat. Hugo M. war vor Kriegsaus- .bruch definitiver Beamter der Länderbank und in deren Filiale in der Nußdorserstraße tätig. Sofort zu Kriegsbcgiun rückte, der Beamte als'Reserveoffizier ein und kam auf den russischen' Kriegsschauplatz, woselbst er wiederholt schwer verwendet ' wurde. Anfangs 1915 geriet tr in russische Kriegsgefangenschaft und kam in ein Kriegsgefangenenlager nach Ostsibirien,' Nach Beendigung des Krieges mußte er behufs Rückkehr in die Heimat aus einen offiziellen Transport warten, da er selbst keinerlei Mittel zur Rückkehr hatte. Im März 1921..sollteer endlich mit dem letzten offiziellen Transport von Kriegsgesangenen nach Wien zurückbesördert werden. Er hatte das Unglück, daß er knapp vor Abgang des Transports an Typhus , schweterkrankte, 'daher znrückbleiben mußte. Er kam in ein Spital nach Wladiwostok, woselbst er mchrere Monate hmdurch zwischen Leben und Tod schwebte. Nach sechs Monaten konnte er endlich das Spital verlassen. Durch Vermittlung eines Freundes erhielt er in Tientsin in China in einem Warenhaus eine Aitstellilng. Er sparte fleißig, um sich auf diese Meise die Mittel zur Rückreise in seine Heimat zu verschaffen. Nach fast zwei Jahren hatte er sich soviel erspart, um aus eigene Kosten i die Rückreise antreten zu können. Mit einem französisch'u Transport kam er schließlich nach Marseille, woselbst er durch Vernrittlu.ng des österrreichischen Konsulats eine Fahrkarte bir nach- Wien erhielt. Am 1. J-änuer 1924 kam -der Beamte, der während der Kri-egsgesangenschast eine Russin geheiratet hatte, nach Wien und meldte sich hier bei der Direktion der Läuderbank wieder zum Dienstantritt. Die Baitk weigerte sich, den Beamten wieder in ihren Dienst aufznnehmen mit der Begründung, daß er nach Beendigung des Krieges nicht durch ss viele Jahre hindurch seine Nück-reise halte verschieben müsien ' und daß er daher selbst das Dlenstverhästnis gelöst habe. Der Beamte brachte durch Dr. I. Freundlich gegen die Länderbanl beim Gewerbegericht eine Klage aus Nachzahlung der vom 1. Jäntter d. I. fälligen Gehaltsbezüge sowie auf Feststellung, ein, -daß die Bank ihn wieder in die Dienste auszunehmen habe. In der Verhandlung schilderte der Kläger fein? Leide'nsge. schichte und legte dar, daß von einer Lösung des Dienstverhält. nisses seinerseits keine-Rede sei. Das Gewerbegericht gab unter Vorsitz des Oberlandesgcrichtsrates Dr. Etz der Klage deZ - BaEbeamten in vollem Umsaitg Folge. j Ein Antrag auf strafgerichtliche Verfolgung des Lcmdes» hauptmannes wegen der Ehedispenserteilungen. Ju einer dct Verhandlungen wegen Ungnltigkeitserkläruuc, von Dispenseheu. wie sie jetzt fast täglich das Landes- und Oberlaudesgericht bc- - schüftigen, wurde vom Ehebandverteidiger der Antrag an die Staatsanwaltschaft gegen den die Dispense erteilenden L' andcshauptmann wegen Beihilfe zur Bigamie gestellt, begangen durch die Dispenserteilung, oder, wenn er nicht selbst den Dispens erteilt hat. gegen jenen Stellvertreter, der ibn erteilt hat. Rechtsanwalt Dr. Fletschhacker erklärte, wenn das > Gericht die Dispeusehe als Bigamie erkläre, so folge daraus,, daß der Landeshauptmann oder sein Stellvertreter, der d"u Dispens erteilt sich der Beihilfe zur Bigamie ichuldiq m-->cksi. dies um so mehr, als schon seit langer Zeit von den Gerich-ut die Dispettsehe der Bigamie gleichgerechnet tv-erde und dies dem Landeshauptmann nicht unbekannt sein könne. Das Oberlandesgericht bestätigte Wohl die Ungültigkeitserklärung der Dispensche, lehnte jedoch den Antrag ans Abtretung des Aktes an die Staatsanwaltschaft als nicht zur Sache gehörig äb. Ein Mazzoth-Prozetz. Gestern fand vor dem Strafbezirksaericht 1 eine tnteressante Veryandlitng statt. Der Vorstand des Wiener Rabbinatskollegiums Meyärsohn trat als Kläger gegen den Bäckermeister Hermann S t r u m aus, weil dieser fremden Personen gegenüber erzählt habe, daß der Rabbiner die von ihm erzeugten Mazzoth deshalb verboten Hobe, weil er — der Rabbiner — an einer anderen Mazzothbäckerei geschäftlich beteiligt sei. Da ein Schwnrgerichtsprozeß in derselben Sache anhättgig ist, beschloß das Bezirksgericht, die Akten zwecks Vcre inigitng beider Prozesse dem Schwurgericht abzutreten

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