Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1941 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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T •!: •t Geike 8 Wien, Freitag Llejchem znm ersten Male zur Aufführung. GamStag und Sonntag finden Wiederholungen dieses Stückes statt. Montag den 14. d. wird dar Lustspiel in drei Akte« von Perez Hirschdein .D e S S ch m i e d e s T ö ch t e r" gegeben. Die E x l - B ü h n e bringt heute um Vs 8 Uhr abenhs i« 'Sft a i m und - Th e a t e r Hemmnn Kienzls Komödie ahn i m Dorf" zur Erstaufführung. Der Dichter wohnt Vorstellung bei. _. £ k!WöspttS'-Ltzeäter.' Das Prager Ischechische Nationaltheater beginnt heute sein dreitägiges Gastspiel. Auf Wunsch der tschecho-slowakischcn Gesandtschaft wird das Drama „Die Schuld" van Jaroslcrv Hilbert zur Aufführung gelangen, um auch einen tschechischen Dramatiker in Wien einzuführen. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Frau Liberia O st r c i l o v i. und des Regisseurs Milos Rovy. Die Münchner Musikakademie — Hochschule. Ans . Anlaß des 50johritm»l Bestandes der Akademie der Tonkunst hat das Kultusministerium beschlossen, der Anstalt Hochschulcharakter zu verleihen. Ein vergessener Botticelli entdeckt. Wie aus Rom berichtet wird, entdeckte der Leiter der vatikanischen Gemäldegalerie, Prof. B i a g e t t i, im päpstlichen Schlosse Castel Gandolfo ein völlig vergessenes Werk Botticellis. Das der besten Zeit deS Meisters entstammende Gemälde stellt den heiligen Sebastian dar. Der Fund wurde der vatikanischen Pinakothek einverleibt. Gerichtssaal. Sine Ariedensrente von 1000 Gulden jährlich. Der im Jahre 1903 verstorbene Großindustrielle Georg Roth hatte in feinem Testamente feiner Großcousine Barbara D et sch eine j ä h cli ch e Rente von 1000 G ul de n ist Form eines Legates ausgesetzt. Das Testament, welches von Zeugen nicht unterschrieben und vom Erblasser auch nicht eigenhändig geschrieben war, wurde im Zuge dev Berlassenschoftsabhandlung aus diesem formalen Grunde für ungültig erklärt. Die Söhne des Erblassers zahlten jedoch der Frau Tetsch durch Jahrzehnte die ausgesetzte Pente von 1000 Gulden jährlich aus. Mit Rücksicht ruf die inzwischen erfolgte Geldentwertung brachte Frau De sch eilt Klage auf Walorisie r u n g der erwähnten Rente bis zur Höhe der Goldparität, das ist aus 28 Millionen jährlich, ein. In der Verhandlung hob die Klägerin hervor, daß ihr der Erblasser seinerzeit das Legat ausgesetzt habe, um ihr ein halbwegs auskömmliches Dasein zu sichern. Der Betrag von 2000 Kronen reiche gegenwärtig nicht einmal für einen halben Laib Brot aus. Die Klägerin lebe derzeit als 72jährige erwerbslose Frau in größter Not, während die Beklagl e n überaus wohlhabend seien. Die Beklagten hatten eingewendet, daß die Klägerin überhaupt keinen rechtlichen Anspruch auf eine Rente habe, da das Testament, in welchem das Legat ausgesetzt wurde, für ungültig erklärt worden sei. Sie hatten lediglich aus Pietät der Klägerin durch Jahre hindurch das erwähnte Legat ausbezahlt. Das Landesgericht wies die Klage der Frau Detsch auf Valorisierung der Rente ab und verurteilte die K l ä g erin zur Zahlung der Prozeßkosten an die Beklagten in der Höhe von rund 4,5 Millionen Kronen. In. der Begründung würde betont, daß ein rechtlicher Anspruch der Klägerin auf Zahlung einer Rente überhaupt nicht vyrliegt. Irr Krakauer Monstervrozeß. Krakau, 10. Juli. Die Dienstag-Verhandlung gegen die Teilnehmer an den blutr ge nNovember Unruhen kann als der Höhepunkt des bisherigen Prozeßverfahrens bezeichnet werden, dr als Zeugen zwei Persönlichkeiten e'.nver-- nommen wurden, die bei den damaligen Krakauer Vorgängen eine hervorragend« Rolle gespielt haben, und zwar der ehemalige Krakauer Woiwode Dr. G al e cki und der ehemalige Krakauer Korpskommandant General C z i k e l. Dr. alecki, der beeidet wurde, schilderte, wie es zu den blutigen Straßenkämpfen kam. Er habe sich strikt an di« Weisungen des damaligen Jnnenmiinisters Kiernik gehalten. Aus Grund dieser Weisungen habe er Versammlungen der streikenden Eisenbahner verboten. Die sozialistischen Abgeordneten hätten ihm einen ruhigen Verlauf des Streikes zugesichert, doch sei es anders gekommen. Als nach dem 2. November der Generalstreik proklamiert wurde, hrbe Innenminister Kiernik der Krakauer Woiwodschaft empföhlen, alle Versammlungen und Umzüge zu verbieten und habe gleichzeitig mitgeteilt, daß Korpskommandant General Czikel die Weisung erhalten Hab«, die Krakauer Garnison in schar fe Bereitschaft zu stellen und der Woiwodschaft auf ihr Verlangen militärische Hilf« zu leisten. AuS den Aussagen Dr. Galeckis geht weiter hervor, daß bereits am 5. November, also einen Tag vor den blutigen Unruhen, Milrtärabteilungen bereitgestellt waren. Auf eine Anfrage der Verteidigung und des Vorsitzenden erklärte der Zeuge weiter, die Anordnungen d«S Innenministers Kiernik seien in vollkommener Uebereinstimmung mit der Verfassung erfolgt. Als am Tage der Unruhen bei ihm (Dr. Galecki) eine Abordnung der Arbeiter unter Führung von sozialistischen Abgeordneten erschien, legte ihm diese Abordnung die Resolutionen vor, di'e von der Arbeiterschaft bereits beschlossen worden waren. Unter diesen Resolutionen befand sich eine, die d i e d a m a l ig e R e g i erung Witos zum Rücktritte aufforderte und die Einsetzung einer Arbeiter- und Bauernre gierung verlangte. Zeuge habe es abgelehnt, diese Resolution der Regierung mitzuteilen. Schließlich erklärte Doktor Galecki, die Regierung hätte ihm bereits am 5. November den Vorschlag gemacht, ü b e r K r a k a «den A it s n ahmszust and zu.verhängen. Tie entsprechenden Verlautbarungen wurden am 6. November früh durch Militärflieger mittels Flugzeugen von Warschau nach Kralau gebracht. Als zweiter Hauptzeuge wurde der damalige KorpSkommcmdant General .E^ikel einvernommen. %i erklär^ Wiener Morgenzeitungl. 11. IM 1924 Nr. 1941 Alle'ürien von KÖFfflnaWÜtederKrOattoqhenMtkmjMWHpGV KrediUüna Bankgeschäft™ Msn, I. Seittergatse 4 *t£xs$r Telephone t 60-4-82, 60-4-93, 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 im» TelegrammadreMe, Frapobank Kommandlte der Kroatischen Eskömjrtebank, Agram Krediteho er habe gemäß der ihm gegebenen Befehle gehandelt, als eer den Behörden und besonders der Krakauer Woiwodschaft seine Militärabteilnngen zur Verfügung stellte. Er habe seine Untergeordneten lediglich belehrt, wie sie sich als Assistenzabteiluugen zu verhalten hätten. Am 6. November habe er um 10 Uhr vormittags die Meldung erhalten, daß dre von ihm entsandten Ulanen von den Arbeitern überfallen ivurden und daß die Ulanen die Weisung, die Menge zu zerstreuen, nicht erfüllen konnten. Er kam daher zu dem Schlüsse, daß mau es nicht mehr mit einer waffenlosen Menge, sondern mit bewaffneten Revolutionären zu tun habe.. Dadurch sei die Assistenzrolle des Militärs zu Ende gewesen und es mußte leider ein Krieg gegen Bürger beginnen. Er habe einen Plan auSge arbeitet, der bewaffneten Menge Han? um Haus, Straße um Straße mit Hilfe v in Artillerie. Fliegern und Infanterie zu entreißen. Erst auf einen telephonischen Aus-, trag des Innenministers Kiernik habe er wieder den Befehl zur Zurückziehung der Truppen erteilt. Schließlich erklärte der Ge"eral. daß für den Fall, als Innenminister Kiernik den oben erwähnten telephonischen Auftrag nicht erteilt häkle, d'e Unruhen durch das Militär mit Waffengewalt unterdrückt worden wären. Sowohl die Aussagen Dr. Galeckis als auch die des General Czikel erregten das größte Aussehen. Aus Warschau traf die. Nachricht ein, daß gegen den Staatsanwalt Dr. Sozanski eine DisziplinaruMersnchnng eingeleitet werden solle. Dr. Sozanski hat auch <üt dev heutigen Verhandlung nicht mehr teilgenommen. BMischr KotvolWe». Wie ans Bamberg gemeldet wird, wird sich das dortige Gericht noch in diesem Sommer mit einem Verfahren gegen eine Anzahl Mitglieder eines Zuges der bayrischen Notpoliz-iformationen, die im Herbst vorigen JahreS auf das Anwesen des jüdischen Gutsbesitzers Gold st ein «inen schweren Raubübersall verübt und das Gut vollständig ausgeplündert habenbefassen. Dies« Notpolizeifocmationen sind bekanntlich an der thüringischen Grenze ausgestellt worden, um einen angeblichen kommunistischen Vormarsch aufzuhalten. . _ Die Leiden eines Untermieters. Vak drei, Jahren wurde ein Teil der Wohnung der Frau Mathilde W e i ß in der Maria'hillferstraße vom Wohnungsamt dem Polizeianzt Doktor W e i über g e r .zuacAviasen, der in diesen Räumen seither seine Ordination, betrieb. Frau Weiß versuchte, wie dev Arzt vor Gericht angab, ihm durch allerlei Schikanen den Aufönchalt unmöglich zn machen. Seit einiger Zeit bestreue sie den gemeinsamen Eingang mit K a r b o-l mehl, in der Absicht, "dieses durch die Patientinnen i-tt das Ordinationszimmer verschleppen zu lassen, wo es einen penetranten Geruch auSstromt. EmrS Tages sei es zwischen der Bedienerin des Arztes, di« dieses Mehl wieder einmal von der Türe kehrte, und der Beschnloigten zu einem Wo-r-t,Wechsel gölommen, in dessen Verlaus di« letzlere ausrief: „Das ist keine Ordination, das i st e i n S t u n d e n h o i e I. Das kann ich mir bei diesem frechen Juden erlauben. Ich habe ja wegen des „frechen Juden" einen Freispruch in Händen!" Mt der letzten Bemerkung hatte es folgende Bewandtnis: Der Arzt hatte einmal einen Airtrag ou!f Untersuchung des Geisteszustandes der Frau gestellt, die ihn deshM mit den Worten „frecher Jud'" beschimpfte. Die Anklage wegen Ehrende l e i d i g u n g endete dantwls mit der Verurteilung der Frau Weiß, der Berufu ng wu»de jedoch mit der Begrün d u n g. st a t t g e g e >b e n, daß „I n d'" mit Beziehung auf die Person des Arztes, keine Ehrenbeleidigung sei und daß der Arürag ans Psychiatrieruwg eine Kühnheit -bedeute, die die Kritik „Frechheit" berechtigt erscheinen lasse, if't Beschuldigte gab zu, das Wort I u d' gebraucht, zu haben, den Kavbolstaulb habe sie gestreut, weil sich damals wied-rholt Ratten aus den Gängen gezeigt hätten. Bezüglich des Ansdruckes „das ist ein Stundenhotel" bot sie den Wahrheitsbeweis an: Es seien Frauenspersonen stundenlang auch nach der Ordination dort geblieben. Dev Arzt und zwei Zeugen "oben an, es seien immer dies«lbeu zw ei Damen erschienen, von denen eine eine Aerztin sei, die sowie die zweite, zum Freundeskreis gehöre. Rach mehrstündiger Verhandlung kam ein Ausgleich zustande. Die Parteien per spstj ache n, in Hinkunft inFrieden zu leben, daheißt, einander nacb Tun l i ch-k e i t aus; uw eichen. ö. , uescüiciite der Juden ’ erhalten Sie als *<3RATISpRÄMiE ^Wiener Morgenzeituns; bei Aufgabe eines üehe Abonpement tackt Volkswirt Sie krgeiMe der Frankenarrangements der ultimo Juni an der Wiener Börse. Das von der Wiener Börsewka-mmer angeopdnete Ae« ränge ment der zwischen Börsen mitglisdern per ultimo Juni geschlossenen Geschäfte in Kabelzahlung New-Iark gegen französische FmMn evgab f-bgendes Resultat: Es nahmen 89 Banken und Firmen teil. Per Saldo waren 1MZ.950 Dollar Kabelzahlung New-Aork tatsächlich zu liefern, beziehungsweise zu beziehen. Ddr Gegenwert hierfür zum LiquidationAkurs-e von 17 franz. Franken pro Dollar betrug 23,601.150 franz. Franken. Außerdem waren beveit's am 25. Juni — also fünf Tage vor'Ultimo von 56, Teilnehmern insgesamt 20,015.858 franz. Franken an Tijferenlzen auf den Llguidationskurs zu bezahlen, ^welche den 33 Beziehern von'Differenzen am 30. J-uni anzuschaffen waren. Tatsächlich wurden hiervon 19,83öZ0S franz. Franken rechtzeitig eingezahlt. Um die Auszahlung der Differenzen am 30. Juni nicht zu verzögern, mußten von a l l.e n Difserenzenguthaben 4 Prozent vorläufig zuxückbehalten werlden. Die fehlenden 679.550 franz. Franken, welche den GesamtauSfall von drei Firmen darstellen, wurden im Repartitionsverfahren von den Gegenkontrahenten dieser säumigen Firmen hereingebracht und am 8d. würden den Differenzbeziehern die restlichen 4 Prozent auSbszahlt^ Di« Lieferung, beziehungsweise Uebernahme. der 1L85.950 Dollar zum LiquidatiolnMrse ging vollkomm«« glatt von statten. Hiermit ist das Fvankenarpangement per ultimo Juni beendet. Sie geseblichen zwseu. Der Finanzausschuß, hat gestern da's Gesetz, über die Ausgab e von S chuIdderschreibung«n (Oklr* gationen) mit folgendem Schlußsatz zu % 8 angenommen: „Dagegen bleiben die in anderen Gesetzen enpha-lten««. Bestimmungen über die Ausgabe von SchuldverschreibU'Ng«« (Obligationen), insbesondere auch' die' Besdimmung des § 10, Punkt 1, dez Eifen bah« kpnz«{J iöu sg« s etzes, unberührt. -- > Berichterstatter H e i n l referierte hierauf über das Gesetz betveftenid die Erhöhung der gesetzlichen Zinsen. Er verwies davauf, daß der derzeitige gesetzliche Zinsfuß den.bestehenden Bevhältnissen nicht mehr^ entspricht. Seitens der verschiedenen Korporationen wurde der Wunsch geäußert, den Zinsfuß in eine Relation z u m B a nkz i n Sfuß zu bringen. Dieser Gedanke erscheint auf -den ersten Blick wohl außerochentlich praktisch, aber /die G e r i ch t e und d a s'I.w st i z m i n i st e r i u m hab'sn sich gegen diesen Vorschlag ausgesprochen-. Es ist daher zweckmäßig, ein« feste Grenze zu normieren, die in der Vorlage mit 10 Pro« z e nt, in H a n de l s s a ch e n mit 12 P r o z e n t in Vorschlag gebracht wird. Außerdem ist der Bundeskanzler ermächtigt, im Vinvernöhmen mit dem BundeMinister für Finanzen^ die Zinssätze durch Perovdmng zu erhöhen oder herabzusetzen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es geboten erscheinen lassen. Der zolltarü. Zucker- und Getreidezölle. Tadie Verhandlungen über den Zolltarif nicht r a sch genug vonstatten gehen, hat die Regierung für heut« vormittags eine Besprechung der Mitglieder des, ZollauSschnsses ins Parlament «inberufen, um womöglich ein Kompromiß über die strittigen Zollpositionen herbeizuführen. Der Ausschuß ist in seinen Beratungsn bis zur Besprechung der Ae« t r e i d e z ö l l« gelangt, lieber diese wird vor allem eine Vereinbarung erreicht werden müssen, wenn der Zovtarif noch vor den Sommersexien Gesetz werden soll. Der Ausschuß beschloß gestern, die Zollposition für Zucker, und zwar für Kandiszucker mit 40, für anderen Rüben- und Rohrzucker mit 16, für Rohzucker mit 11^ 0 un-d'für Zucker anderer Art mit 12 G o ldk r o ne n feftzusetzen, die Post Sacharin wnrde . rnit 3000 K. zum Beschluß erhoben . Ackerbauistinister B u ch i n g e r konstatiert eine starke Vergrößerung der Anl>a uflächen^ sür Znckerrüb en in den letzten Jahren. Im heurigen Jahre dürsten zirka vier-, Millionen Zentner Zuckerrübe zur Beravbeitung gelangen. Die Tarifklasse „Takhak^ wurde in der Fassung der Ae« gierungsvorlage a n g e n o m m e n. Berichterstatter He in l referierte über die Tarifklasse 8 (Getreide," Malz,- Hülsenfrüchte, Müllereierz eüZnisfe, Reis). Hinsichtlich der Post Reis istes in Verhandlungen mit dem Fipanzminssterium gelungen, eine Herabsetzung des Zolles vpn 8 auf, 1, G,o ld,kr g n e, zu erreichen. Her Sozialdemokrat Mükler sprach sich gegen die Getreidez-lle anS. Der Ausschuß wird seine Beratungen am Montag foxij 00530102013117