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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-11 · Heft 1941 (11.7.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1941 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Jtc. «Al ©tat. Devise«« und Bolutenkurse. (Mitgeteilt von her Oestetreichischen Nationalbank.) Vista 10. lull ... Geld Ware Amsterdam 1,i holl. Giriden Axrsm 1 j»e. Kronen , . . ■ ■Belgrad 1 Dinar . . . . . ' Berlin'1 deutsche Pelclnftiftrk Brüssel rheinische Francs; ,* Budapest**'! ungarische Kronen Bukarest 1. f.et ... , ,. , Cttrlstlanla 1 norweer. Kfbnen Kopenhagen 1 dänische Kronor l-pndon 1 Pfund Sterling . . fltadrld 1 Pesetas Walland 1 Lire . .;, . . . . - New York 1 Dollar Paris 1 Francs ..- Prag 1 tscliecho-glow. Kronen Sofia 1 Lewa ...... Stockholm 1 »chwedlscheKronor Warschau*** 1 polnische Mark Zürich 1 schweizerische Franca . Noten Amerlkan, Noten v. f> Dollar atitvr, . i* kleinere . , , Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische'Noten zu 1000 Leva . : . . , 100 . . ,;.a * - kleinere. * i pfinlsche Noten 100 Kroner . . Deutsche Noten*. - . „ 100 . . . » * kleinere* ... Engl. Nolen von 5 Llvrest, aitlw, - ff kleinere ..... Französische Noten 100 Francs . «,o!,!'ndtsche Noten 100 Gulden . «tmie llscheNotcn v. lOoMieaufw, . , kleinere . . , Jngosl. Noten urigest. *u 1000 Dinar , . „ , 1(0 , . „ „ kleinere . , Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten **• . . , . „ » „ kleinere** . . , Rumänische Noten zutOOOu, 50QLei , ", kleinere ... Raiss. Noten (Roman.) zu 500 Rubel . . . „ 1O0 . , , , kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Francs. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. J4öt, v.lOOOäufw, H , kleinere Türkische Pfund-Noten ..... Ungar, Noten** (n. Em.) zulOOOKr. » , zu 10.000 Kr. . . . „ . kleinere . . ... 9. Jnlt Geld Ware HSIN.^. 26010.— 21760.- 268fio.- «35.- P2Q.-. RS«.- ' p32.— ■•25.- <>29.- ■ --U,_ e.^,_ 16931— 17030.- 1685’), - 1605».- 3184... ZI 9,1.- 3184.- 3195.- S4.50 8i.5o . «4.80 «5,50 283.- 287.- 2«3.- 285,- 0180.- 9220.- 9l«1.- 0220. 10980,*. IJ020.- ,0981.- 11n20.- 3(82 w,_ 309210.-3Ü77IO,- 3087^0.- 02.10,-. 9270.- pifto,— 9221.— fl020,— 4(144.— «P32, - mn.- 70935,— 7lt«5,- Sn035,- 7t,87.- 3627,— 3643,- 3607.- 362;.- 2081.-?10t,_ 2184,— roDt.- 606,- 5 Kl,- 506.— 510.- 15720,— )s78'1.- 18620,— tPfl«»,- 13560,- 13650.- 13450,— 1355a,- 12795.- 12845.- 12700.- 12759,- 7C46TJ.- 70360.- 3140.- 488.- 46S*— 10850*— 16500.— I64i0i— 3605.- 26500,— 30,45,— 3015.- 8I9.- 803.- 9ü60,- 13430,— 13230.- 284,- 274.- 18510,- 12795,- 911».- 2083.- 2078.- 34100,- 83— 70869.- 90460.- 70880.— 70760.- 7036p.- 76780.- 3170.- 3140. - 3170.- 496.- 488.- 498.- 476,- 468.- 4?S.- 10939.- »OÖVI.— 10g3^.- 1662\- 15440.- 16560.- 16*20.— 15340*.— 16460.- 3^8 ion,- 305900.- 3075r0.- 307800.— Z05I0".- 307300.- 3635,- 3"'9o. — 362'1«-- 26709.- 25450.- 26550.- 3065.- 3045.- 3c>6 3035,— 3015.- 3035.- 825.- 827.— 833.- 815.- «17!- «sr!- 9140.- ro5o,- 61411.- 13570.- 134V.- 13540.- 13370,- 13?oo.- 13341.- 288.- 278. r 282.- 278.- 268.- 272.- 18610.'- 14410*.- 1851.0*- 12875.- 12700,- 12780.- 9190.- SI060.- 9140.- 2ö99> - 2077,- 2C93.-?094.- "072.- %8S.- 34900.- 34100.- 3490 t.- 86.- 81.- 86.- 8K- 78*.- 8Ü- 78— Für eine Billion Mark. ** für 100 ungarische Kronen für 1 Zloty aufwärts. § bis 2000 voll, damber nichts züqetellt. Re «n,arische kmisfio« der Anleihe gefSHrdri. Aus Budapest. lg. d., meldet das Ung. Del.-Kott.-v Birr.: Die ungarische Negierung hat die ursprünglich für Mitte Juli geplante Emission derungarischen Tranche auf Anfang August angesetzi, weil der Geldmarkt wegen der Äüsbringung der bis 26. Jul: fälligen, 16 Millionen Goldkronen betragenden zweiten Rate d-s Grundkapitals der Nationalbank stark in Anspruch genommen ist,.ferner, weil ldie in einem Agrarland finanziell ungünstige Periode mit IM endet. Dazu kommt, daß der entsprechende Äetrag ohnehin' im Besitz der Regierung ist, da die Geldinstitute und-die Fabriksindustt'ie den im April erteilten Anleihevorschnß bis Ende August prolongierten. Die Verschiebung des Zeichnungstermines 'bezweckt, weiten Kreisen der Bevölkerung Zeichnungsmiiglichkeit zu bieten. Franz. Wiener MorgenzLitung. Her wirtschaftliche Zusammenbruch Wgsws. 8082 Insolvenzen, (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) t Budapest, 10. $itli. Rach einer soeben verlautbarten Statistik haben in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres in Budapest allein 6082 Industrie,, und Handelsfirmen ihre Be-; triebe eingestellt. Im einzelnen geht aus diesem statistischen Berichte hervor, daß beispielsweise in der Lebensmittelbranche - 28 Bäcker, 29 Zuckerbäcker, 6t- Selcher, 71 FleischhanerMeister,' 216 Gasthäuser, 197 > Kaffeehäuser und 41 Anskochcr-eien in der Hauptstadt gesperrt haben. Ans dem Gebiete des Koufektionsgewerbes haben 330 Schneidermeister, 37 Weiß-Wäschegeschäfte,. 180 Schuhmacher, 81 Hutmacher'ihre Geschäfte in Budapest' geschlossen. Des weiteren mußten 61 Raseure ihre Läden schließen. Aehnlich sind die Berlustziffern in der Elsen-, Metall-, Holz- und Baubranche. In den Zeitverhältnissen ist es auch gelegen, daß in der genannten Periode 206 Börsenmakler und 950 Börsenbesucher ihre Lizenz, beziehungsweise Bcrsenkart>e zurückgelegt und sich anderen Bernsen zugewendet haben. Ford in knglanÄ. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Juli. Der amerikanische Automöbilifabrikanl Fort erwarb Sin Grundstück an der Themiso, um dort einen Mbri'ksbau zu errichten. Er will täglich 500 Wagen erzeugen und wird zehntausend Arbeiter beschäftigen. Kapitalsvrrmehruugen. Dianabad-Miengesellschaft um 18 Millionen auf 30 Millionen. — Märcheggör Maschinenfabrik Und Eisengleßerei A.-G. von 40 Millionen auf 60 Millionen. Der Wiener Geldmarkt. Im Hinblick auf den anhaltend geringen Geldbedarf der Börse war gestern Geld außerordentlich flüssig. Bezeichnend dafür ist, daß gestern ein von einer Seite angebotcner Betrag von zehn Milliarden Kronen für Wochengeld nicht zu placieren war. Geld von gestern bis nächsten Montag war zu 0,37 Prozent erhältlich. Ein neuer Syndikatsvertrag über die südafrikanischen Diainauten. Aus London, 10. Juli (Wolfs), wird telegraphiert: „Jinaucial Times" erfahren, daß ein neues Uebereinkommen über den Verkauf der gesamten südasritauischen Diamantengewinuung an ein Londoner Syndikat abgeschlossen worden sei. Oeiterreichisiche Holzbünk, Wkn. In der am 7. Juli d. I. aogehaltenen 3. .ordentlichen Gene ralv erf a m m l ung wurde der Rechnungsabschluß, der einen R e i ngewinn vow 1.339,159.367 K. ausweist, genehmigt und beschlossen, den Coupon Nr 3 der Aktien mit 500 K. ab 10. Juli d. I. zur Einlösung zu bringen (Entgeltlich.) Insolvenz einer Leopoldstadter Spezerdifirma. Die seit siebzig Jahren bestehende, in der Leopoldstadt bekannte SpezereiiwarenfMsta Vlngen; W a ig n e r ist in Jählun-asschwneristkeiten geraten. Die Passiven sollen 1,7 Milliarden verragen, denen Aktiven von 600 Millionen gegennbeistehen, Jorcierte Verkäufe eines Gtotzaktionars. An der . gestrigen .BLvse siel es allgdmel-u ans,, daß . ein Großaktionär große Mengen T ee r a g-, D e n es und. Fried mann- und Be ch o rt«Ak t i en dem Makrte zur Bcrsüigung stellte. Dieselben wären .während der gauzen Börsenzeit ununterbrochen ausgeboten und haben die MMtstimmung sehr ungünstig beirr Am. 11. FM iM Seite 7 iriuflnßt. Es verlautet, daß diese Verkäufe zum Zwecke dki Liquidechaltung der Mittel des betreffenden Gräß-aktionärz ae> tätigt wurden. Offizielle Beeinflussung des ungarischen Geldmarktes Aus Budapest' wird, ms berichtet: Die Bameustiüral.e wüi bestrebt,' die Lage auf dein ungarischen . Geldmarkt und au dn Börse zu verbessern und warf große Betrüge auf den Markt. Es wurden 10t) Milliarden Kronen Kostgeld seitens der Bankeurentrale den Neflektanten zur Verfügung gestellt und bloß lU°f, Wochenzinsen berechnet, als der offizielle Zinssatz ftir Wochengeli 1°/o betrug. Drotz dieser günstigen Kreditbedinguugen besserte fick die Lage der Börse nicht und als die Bankenzerürale weiter« 50 Milliarden Kronen auf' dem Geldmärkte vlaeleren wollte, tvurden von den bereits gewährten Krediten 40 Milliarden zurückaezahlt, so daß beute auf dem Budavester Geldmarkt 90 Milliarden Kronen*' zu ungewohnt niedrigen Zinssätzen angebstev werden, ohne daß dieser Betrag auch nur teilweise placiert werden könnte. Diese Erscheinung ist besonders interessant, denn zur selben Zeit, wo auf dem Geldmärkte großer Ueberfluß an kurzfristigen Krediten besteht, mangelt es der ungarischen Industrie an Kapital und es droht ihr eine schwere Probuktions- und Absatzkrise. Mm« Mrsr. Schwach. Da die Gerüchte über finanzielle Schwierigkeilen nichi verstummen wollen, von den auswärtigen Plätzen niedrigere Notierungen Vorlagen, eroffnete die gestrige Börse in lustloser Haltung mit Vorwiegend schwächeren Kursen. Das Angebot war Wohl aus keinem Gebiete drängend» doch, da der Marl! fast gar keiue Aufnahmsfähigkeit bekundete, genügten schov ganz geringe Mengen, um einen Druck aus das Kursniveaii auszunben. Stärker in Mitleideuschasl gezogen wurden Bankenwerte. Auch tschechische Papiere wurden im Einklang mit Prag niedriger bewertet. Im Werteren Verlause des Verkehres herrschte vollständige Geschäftslosigkeit, wobei die Kurse einem neuerlichen Abbröckelungsprozeß unterlagen. Die Lustlosigkeit erfuhr bis zum Ende des Geschäftes feine Unterbrechung trotz der Erleichterung, welche sich auf dem Geldmärkte gezeigt hat. Von den K u l i ss e w e r t e n verloren gegenüber dem lehtgenünnfeu Stand Bankverein 8000 K., österreichische Kredit 4000 §k., ungarische Kredit 28.000, Länderbonk 6000 K., Unionbank 7000 K., Alpine 18.000 K. Coburg : 5000 K,. Felten 12.600 K.. Waagner 7000 K., A. E. G. Union 7M0-K., Siemens 14.0000 K.» Salgo Kohlen 14.000 K., Trifailer 6000 Kronen, Brunner Maschinen 1M00.K. und Semperit 8000-<K- Ebenso wie in der Kulisse, herrschte auch im S chr a n« ken vollkommene Geschäftsstille bei fast durchwegs medrigou Kursen. So verloren Adria 130.000. K., Dampstchisf 40.000- K^, Nordbahn 380.000 K., Wienerberger 40.000 K.,. Dynamit-Nobel 180.000 K., Berg und Hütten 60.000 K, Don den'Pcipieraktien ermastiaten sich Heinrichsthaler um 10.000 K- und NeUsiödler um -20.0000 K. Aus dem Petroleummarkte wiesen Gal.ieiä eine Einbuße von 60.000 K. aus. Auf dem Anlage markte besserte sich die V>Mep bundanleihe um 1000 Punkte. Die Renten lagen ruhig. . Don den Exoten notierten: Apollo-Film 4000 bis 6000,' Eos 900 bis 1100, Knobloch 3000 bis 4000, MraZniea 37.000 bis 42.000, Schubert u. Co. 3000 bis Geld. Tepege 38.600 bis 46.000, Universale 17.200 bis 20.000. WUN.S,A,(>l-gR«AS«a ‘ » «elcfon Nr 78LL«, «elcfon Nr 78LL«, Copyright Rdlscher Bering, Berlin. ttacty btud verboten. 39. Fortsetzung. HawdM Md WMrerch. Von Sammy Groiteuumit. Es gab ttt Bialh'sto'k eine 'Menge Kinidergavten uitd" WüisenhälUis-er. Manche dieser Anstalten waren recht g-ut dotiert. Dort bekamen hie Kinder anständige KleMNg und eme halbwegs genügende Ernähvumg, aber es waren nur wenige Kinider, die das Glück hatten, in eine solche Anstalt ausgenommen zu werden. Bei wertem die meisten K'Mlder hungerten erbärmlich ans der Straße. Es gab aber auch Anstalten, in denen dir Kinder, die AufnaihMe gesunden hatten, noch weit etstfevnt von menischeniMrdigen Lebens-- bedmgungen blieben. Goslar und ich intereffterten nns beso4tders sür einem in der ärmsten Gegend de-r Stadt ge-. legenen Kindergarten. Dort gab es eitöxt 800 Kinder, eine roiZende, zutrauliche, im ganzen gutgewgene und trotz allen Elends lustige Gesellschaft. Die KmderHärbnerinnen selbst, sehr feine und liehe. Mädchen, sähen auch VeHüngett genug aus. Aber die Kinder hingen mit großer Liebe an ihnen. Es war rührend, zu sehen, wie -die KiN'deu' das HuöN Vorgesetzte Essen mit den Augen vevschlan-gien. über keine Hand hob sich, ehe im Vhor dev traditionelle Segensslpru-ch gesagt war. Dann aber! Che man sich umschen konnte, war der ganze Vorrat verschwunden-, war die letzte Kvu-me fo-iigsam aüisgapickt. Es gab ’ dann buchstäblich keinen noch so wmzigen Kvivmel iM Saale. Das Menü -war auch leicht zu bewältigen. Es gab — und'man beachte, «daß die Kinder sonst nichts bMmen-, nichts i-m Ki>Mvgürten^itUd nichts zu Hanse — früh um halb 10 Uhr e-m« Brertalscheibe Schwarzbrot, manchmal mit Marm-elade bestrichen, .und eine Tasse schwarzen, ungesüßten sogenannten ^Kaffee. Damn um 3 Uhr eine dünne Grütze und noch eine Diertielscheibe trockensn Schioävzbrotes. Sollst ttichts den ganzen Tag. Die Kinder starben denn auch massettöoeise. Eine Episo-de machte aus. mich -starken Giubmck: Ein kleiner Junge erzähite eines Tages ganz aufgeregt seinen Spielgeführten^ daß sie zu Hause am Tage vorher eine gvoße Schüssel Rüben gegessen hätten. Das rief eine ungeheure Aufregung hervor^ Die Kinder waren nicht Mehr zu■ bändigen und sprachen von nichts mehr als von der großen Schüssel Rüben. Die Lehrer -waren in Berzweistu.ng. da die Kin-der Msach außer sich und ttichi zu beruhigen waren. Dann stellte es sich heraus, daß der Junge u-utcr Einwirkung des Fiebers phantasiert hatte. Er starb wenige Tage daraus, aber noch wochenlangnachher flüsterten die Kinder unter sich von der Schiissel Rüben. Durch eine schnell im Bekanntenkreis in Berlin veraustalt'ete Sa-mmllung, um die sich besonders Hans Goslar verdient machte, gelang es, diesem KrNldergarten relativ .bedeutende Mittel zuznführen -und spa-ter übernahm dann ein zionistischer Verein die Regie, so -daß dem Elend hier eini-ger-maßen gesteuert mtvde. Dabei Wäre all diese Not so leicht zu vermeiden gewesen, ohne daß es nötig gewesen wäre, die Msstchr von Leben'Krnitt-eln nach Deutschlan-d zu beschränken. Es . gingen, täglich ungeheure Quantitäten von Eßwaren aller Art nach Deutschlands ganz abgesehen von den Vorräten, bt-e für dm Verbrauch durch die Truppen un-d ihr Gefolge an Ort und S-felle benötigt wurden. Mer bas Land ist ja so fruchtbar und rings u-inb-ie Stadt, bet . den Bauern, lagen Vorräte in Hülle und Fülle. Durch eine streng durchgesührte Einsuhr'sperve sür Lebensmitfel war die Stadt aber von diesem Segen abtzeschttittett. So stieg, die Bevz-weifliung in -der Stadt immer mehr und mehr ulld es kam so weit, daß man Verziveiflungsa-usbrüche fürchtete. Man ließ Truppen nnt ttingendem^ Spiel durch die Straßen ziehen, um die Leute vor unbesonnenen Schritten abzwhalten, aber schließlich hatten diese Menschen Wirklich nichts Mehr zu verlieren, wenn sie auch'Nichts anderes gewinnen konlltell als eine schnelle Erlösung. Mau en-tschloß sich dann, wenn a-uch^ ziemlich. spat, -u einer L-öckevuug des Einsuhrv-erbotes, aber immer nur in sehr unzureichendem Maße. Die Verwaltung wird ja ihre wohlerwogenen Gründe für ihr Verhalten gehabt haben, aber diese verschlossen-sich der Erkenntnis mit dem beschränkten UntertalleMepstand. Jeder KrMhäuPtllmnn verwaltete seinen Bezirk wie ein . autonomes Königreich, und um Bialtzstok loar ein Grenztannanal ' schütz gezogien, wie früher «um das Zarenreich. Prinz. August Wilhelm, der damals in Bialystok an irgend einer Bevwa-ltunigAstelle wirkte, soll höchstselbst einntal eine alte . jüdische Frau, die sich ein paar Eier vom Dä'Nde geholt chatte, ans der Landstraße bei ddesem Vergehen erwischt Und' höchstselbst' die Berbvechevin in seinem Automobil ins Gefängnis gebracht haben. Die Frau soll tn Ohnmacht Mallen sein, als sie nachträglich hörte, von wem sie Vergastet war, und ich bin überzeugt, daß in der FaMilie M-ch nach Generailionen vön dieser Berührung mit einem Sproß des Kaiserhauses evzähilt werden und sich um diese Begegnung eines leutseligen Fürsten mit einer Fvau aus dem Volke eine Le-gdNde spinnen wird. .Eines Tages begab sich eine Deputation angesehemt Bürger zur deutschen Behörde und machte ihr folgenden Vorschlag, um einmal der schauerlichen Rot abz-ühelftn, an-derevseits aber auch der Verwaltung Ulfen Weg zu. weisen wie sie billig Und ohne Schivierigkeiten die Versor-. gllng der Truppen ulld des HinierlandeZ sicherstellen könne. Man möge, so wurde vorgeschlagen, einer Reihe von zuverlafligett .Händlern gestatten, auf -dem Lande Lebensmittel einZukaufen, u-nd zwar ullter Aufhebung der 'HöchstPreiKbestimmU'ttgen, nurmöge man diesen Händlern auch gestatten, für 'die Einkäufe bei den Bauern Schnaps mitzunehmen. Die Einfuhr sollte u-uier Kontrolle der Behörde gestellt werden und es wurde Bürgschaft dafür ge- -boten, daß die Hälfte aller eingekauften Waren, mind-csteus aber das vl>u der Behörde bestimmte Kontingieu-t» zu den gesetzlichen Preisen, also u-tt-ter dein EiN'kauisKPreis, an die Derwaltll-ng abgeltesert wevdeir würde. Dieses schien nun in der Tüt für'alle Interessierten els! tvefflicher. Ausweg, aber freilich ließ sich di-ese Methode nt d.i8' hureaukratrsche Schema nicht 'Wohl einf-üg-eu, -u>nd der Gedanke. die Ba-Mrll -durch Schnapsangebot verkanfsbereit zn stimmen, vstf eitte gewaltige moralische Entrüstung hervor. So mußte di«. Deputa-ti-on unverrichteter Dinge abziehen und die Ullestschlitterl-ichikeit der Grundsätze unserer Ver-- waltungsPraAs war wieder einmal glänzend doku- Miftiert. (>vi'>t‘rfelntua io(ctt)

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