Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1941 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Men, Freitag Mienen MiHvaenzettitng. Ludendorsss moralisch: OCTJ öben, toe-lyie jid) aufbauen soll, dafür gibt es noch kein Rezept. Zwei Staaten haben.sich btefern System ent- Moffen, Rußland und Italien, und beide zahlen vor unseren Augen blutiges Pönale. In diesen beiden Staaten ist die bürgerliche Freiheit zur Lüge geworden. In Italien -st sie ein Bestandteil des Lnogo di traffico, in Rußland ein Kapitalverbrechen. Sieht man von,diesem Staat ab, der die Monarchie und die Demokratie hinter sich hat und zur Hungersnot gelangt ist, so ergibt sich, daß die Nachhüegszeit nirgends eine neue Form des politischen Zusammenlebens entwickeln. konnte, und daß alle Wege immer nur zu der alle Klassen und Stände uisammenfassenden produktiven Demokratie znrückfnhren. In Italien ist die Diktatur der Schwerindustrie,'in Rnßmrüd die des Proletariatserrichtet worden. Beide bestehen nur, solange sie Mer die Waffe verfügen. Die westliche Demokratie, die sich mm von England und Frankreich aus zu. einer Neuregelung der Konfliktsinhalte anschließt, steht auf dem Boden der vernünftigen VoKssouveränität. Sie vertrant den Staat dem a^ertenden Bürger an und verwirft die Klassenprivilegien. Sie wird darum als jiidisch verschrien. Das ist, wie die Dinge liegen, eine Ehre für düse Systeme und tur das Judentum. * Polaeare als Spposttionsredner. ' Außenpolitische Debatte im französischen Senat. (Eigendünst der „Wiener M-or-.qeu^'itung"-> Paris, 10. Juli. Im Senat wurde heute vor überfülllen Tribünen und Galerien die Interpellationsdebatte über die Außenpolitik eröffnet. Nach den: früheren Botschafter B o m pa r d ergriff P o i n ca re das Wort. Sein Erscheinen aus der Rednertribüne des Senates wurde von einigen linksstehenden Senatoren mit dem Ruse begleitet: „Es lebe der Friede!" „Nieder mit dem Krieg!" 3 Poincare hielt eine längere Rede, iit der er seine Rcparationspolitik ausführlich auseinandersetzte Wenn diese Politik jetzt zu neuen Abkommen führen werde, so fei dies der R u h r b e s e tz u n g zu verdanken. Der Sachver-- ständigenplan sei von Frankreich angenommen worden, zwar nicht mit Freude, aber um es zu einem Ende kommen zu lassen. Poincare stellt fest, daß das bisherige Reparationsprogramm versagt habe, weil keine Garantie für dessen Durchsnhrung vorhandeil gewesen s-ei. Die Sitzmlg wurde hierauf u nier b r o ch e n. . Nach der Panse setzte Poincare seine Rede fort und sprach noch über die.Räumung, --d.es Ruhrgebietes, die SicheHertsfrage,'die Dauer der Besetzung des linken Nheinusers und über die Kriegsschuldfvage. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. " Sie Grenzen des Fmk. ". - Radiodienst der „Wiener Morgeuze'nung".' Lonödri, 10. :Iül-i. Die A n g o r a r e g ii e r u n g lehnte den Borschlag der britische n Note, die Frage der Jrakgrenze dem V ölk-e rbun drat vorzulegen, ab, weil der Vertrag von Lausanne noch,nicht in Kraftt ist. Die Angoraregierung sprichs die Ucberzeugung aus, daß bessere Resultate durch direkte V e r h a n dlu n'-ge n erzielt wurden, und erklärt, falls England einverstanden sei, die Pourparlers beginnen zu wollen. Kongreß der katholischen Znternatioimle. Rom, 10. .Juli. (Tel.d. „Wr. Morgenzeitung".) In -er Zeit vom'15. bis 24., August findet in Venedig der vierte' Kongreß -des Internationalen Katholikenverbandes statt. Im Rahmen dieses Kongresses werden besondere Beratungen über die katholische Presse, das Schulwesen, über die Beeinflussung des Handels sowie über Aüswandemngsangelegerrheiien und über die wirtschaftliche und soziale Stellung der Priester abgehalien werden. Auch eine Sprachrnftage wird den Kongreß beschäftigen, da in den Vorberatungen der Katholikenderbände und der Bischofskonserenzen in den einzelnen Ländern der Antrag, daß als Verhandlungssprache des Kongvesses Esperanto, die von dem Warschauer jüdischen Arzt, Dr. Zamenhof erfundene Weltsprache, bestimmt werde, allgemeine Zustimmung fand. - Das Bercchrrlgsprograimn. _ Prag, 10. JnK. (Tfchecho-flow. Preß-Bureau.) Morgen treffen in P r a g die Delegierten der kleinen Entente ein, non. über eine Reihe politischer Fragen zu verhandeln, an. denen ihre Staaten ein gemeinsames Interesse haben. Es wird vor allem über die internationale Lage und.über die Stellungnahme zu derselben beraten werden, weiters über das Verhältnis zu den Nachbarn der kleinen Entente, speziell über die Freien der ftnauzieilen Sanierung Oesterreichs und Ungarns, ferner über die Londouer Reparationsv.erHandlungen, die militärische Kontrolle der ehemaligen Feinde sowie über das Programm der Septembertagung des Völkerbundes. Schließlich wird die kleine Entente über den Plan der E i lisch rän tun g der Kriegs rustungen beraten. Diesen Beratungen. werden einige Sitzungen gewidmet ivevden. Morgen um 3 Ahr nachmittags findet die erste Sitzung der Konferenz statt. Abends sind die Delegierten HisteOer Stadt, Prag. Samstag wird die zweite und dritte Sitzung der Konferenz abgehalten. Abends gibt Minister' Dr. Be n e sch und Gemahlin auf der Burg ein. Gnladiner. 'Sonntag 'besuchen die Gäste den Präsidenten M a saryk in Lana, wo die Schlußsitzung stattfindet. Nachrichten ans Holland besagen, daß mau in den dortigen politischen Kreisen wegen des Ilebergreisens der deutschvölkifchen Propaganda auf Holland peinlich berührt ist. . An der Universität Utrecht-ist seit zwei Jahren als Pertreter der A e-gyptologre der frühere Münchner. Unidevsitätsprosessor. Freiherr v. Bis sing, der Sohn des ehemaligen - Gerwralgouderyleurs von Belgien, <-tätig. Bis sing nahm nach-der Revolution noch an der Gründung s sitz u ng der demokratischen Partei in Bayern teil, entwickelte sich aber immer mehr einem fanatischen Anhänger der völkischen Idee. Bissmg begnügte sich in Holland nicht mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, sondern -er gewann auch alsbald Einfluß auf die in Holland erscheinende „Deutsche Wo chcnzei tun g", die sich zu einem v ö lki s ch-a nt isemii ti sche n Organ entwickelte. In einem Artikel „Christentum, vöMsche Beiregung tt'flb U!tran!0!N!tanis-m ns" schreibt v. Bissing. da's ganze alte Testament sei eine Sammlung „s ch m u tz i g e. r, j it bischer Schrift e n" und gehöre i n den Kehri chteime r. Die führende katholische Zeitung. Hollands, die „Ttgd" schreibt, man hätte in Holland bisher rrichts so Widerlicheres und Anmaßenderes gelesm. Man dürfe nicht dulden, daß die holländische bürgerliche Toleranz durch Ludendorsss Methoden gefährdet wird. Radle quittiert österreichische Kronen. sEiqendienst der .Ve»er Morgenvitung") Belgrad,. 10.-. Juli. In der Administration des Zagrebcr „Hrvat" wurde, das photographische Faksimile einer Outttnng von Ra die über 25,000.000 österreichische Kronen vorgefunden. „Hrwat" erklärt, daß es sich um ein Falsifikat handeln müsst. Jakob Weltuer wieder in Wien. Wie bereits berichtet wurde, ist der frühere Chefredakteur des Büdapesftr soz'.oldein-okraüschen Organs „Nepszava", Jakob Weltn er, der nach der Etablierung des Horthh-Schrecken's nach Wien geflüchtet war, im Vertrauen auf den bekannten „Emigrantenerlaß" der ungarischen- Regierung nach Budapest zurück-"-? lehrt, nachdem die Ungarische Staatsanwaltschaft aus Weisung des I u st i 3 m i it i ft c r i it nt s Weltners Advokaten die V e r s i che t it n g abgegeben hatte, daß sämtliche gegen Weltner seinerzeit eingeleitete Verfahren teils verjährt seien,- teils niedergeschlagen wurden. Kaum -war Wcltner in Budapest ang-e'lommen, evhob die Staatsanwaltschaft .gegen ihn die Anklage wegen Hochverrates und Verbrechens gegen das Aysehen de's ungarischen Staates. Weltner, der sah, daß er in eine'.Fa lle gelockt/worden war. hielt es für das ratsamste,.aus UiMrn^ü' fl\gh e n. Er ist, wie wir 'ix* fahren, wieder in W i e n eingekvoffen. Annahme des strmächtiaungsaefeßes in Bolen. Warschau, 10. Juli. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) In der Se-jmsitzung vom 8. Juli wurde das Ermächtigungsgesetz für die Regierung angeno-mmen. Ministerdräffdent Grabski hielt eine kurze Rede, in der er zunächst dem Seim den Dank aussprach u-nd erklärte, -daß die Regierung die verliehenen Vollmachten nur zum Wohle der Nation und des Staates gebrauchen werde. Die Wische» Kemeiridewahlen kn Polen. Das Wahlergebnis in Lodz. Warschau, 10. Juli. Bei der Wahl in die jüdische meiiidwertvetuna in Lodz wurden 16.747 Stimmen abgegeben. Die 35 Mandate verteilen sich wie folgt: Z i o n i st i s ch e r Black 9 Mandate. P o a l e Z ra n 2 Mandate, B u ndi st e n 3 Mandate, jüdische Volkspartei 1 Mandat, Unparteiische 7 Mandate, Agn das Isr oe k 13 Mandate. Die As si m ila n te nliste konnte es, ebenso wie in Warschau zu keinem Mandat bringen. Wahlbeteiligung und Agitation waren sehr'lebhaft. Die erste Strittig dev Warschauer jüdischen Gemeindevertretung. Die erste Sitzwng der neugewählten Mischen. Gemeindevertr'etung in Warschau gestaltete sich sehr stü rm i s ch. Die Verordnung der Behörde, -daß die Verhandlungssprache der jüdischen Gemeindovertretung polnisch sein müsse, ries heftige Proteste aller Parteien hervor. Auch der Weiterverlauf der Sitzung gestaltete sich sehr erregt. Zur Konstittlierung der Gemeiudevertretung kam es noch nicht. Ae Wiener Perhnndlnngen Mischen JeuMland «nd Pole«. Die polnische, Dele-gation für die deutfch-polmschen Verband ln ng-en teilt mii: Dr. G. Kaeckenbeeck, unter dessen Vorsitz die deutsch-polnischen Verhandlungen in Wien gegenwärtig stattfindeil, hat den Bevollmächtigten der beiden ^Regierungen Donnerstag seinen S ch r e d ss p r u ch über z w ö 1 f ihm vorgelegte grundlegende Fragen mitgsteiltt Die Entscheidungen des Schiedsrichters' tverden den U-nterhändlern. bei der Abfassung einer von beiden Mächten abzuschließenden Konvention als Grundlage dienen. Diese Konvention wird die Durchführung dev Ent-, scheidu-ngen des Schiedsrichter-s regeln. Sie wird voraussichtlich i n e i n -? m M o na t unterzeichnet werden können. Ae Prager Konferenz der kleinen kntente. TI. IM» , M. IUT Jer SnndMertra» mit gngoflawlen. - lEiAiHienst der -Metzer Morcien;eüung".> Belgrad, 10. Juli. Das südslawische Handels-. und Jndustrieministerium Dt die ö st^ß r r e i ch i s ch e Regierung 'serfucht, daß. sie ihre Delegierten zur Beratung eines' Handelsv<rtrages mit Jugoslawien ^ernenne, da alle Vorarbeiten zum Abschlusst . citie§ Handelsvertrages mit Oesterreich in Belgrad beendet worden seien. Wie aus Genf gemeldet wird, durfte die Fimnz»- delegation. di« in -der zweiten Hälfte Aug u st ein-e Enquete in Wien v-emn'staltet, aus folgenid-en Persönlichkeiten bestehen: N i e m a y e r (England), P a r m a n t i e r (Franlkreich), D rachen i (Italien), t e r Meulen (Holla nd), Jcrnssen (Belgien) und Pospischil (Tschecho- Slawakei). Ser Berater für das Boftwefen. Wie gemeldrt, hat GeneralkommWr Dr./Z i mm.e rm a n .einen Schweizer Fachmann zm Untersuchung der Zustänbv im. österreichischen Post-, Telegraphen- und Telephonwesen in Aussicht genommen. Dir von den großdeutschen Ministem inspirierte „ParlamentSkorrespondenz" weiß nun zu berichten, es sei aus, der Schweiz die Nachricht eingelangt, daß die hierfür in Betracht kommenden Schweizer Persönlichkeiten eine solche Berufung mit Mcksicht auf die guten Beziehungen, die zwischen der Schweizer und'der österreichischen Postverwalpmg seit jeher, bestandeü, abgelehnt haben. — Ob bei dieser Meldung nicht etwa der Wunsch der Vater der Gedankens war, wird sich ja bald Herausstellen. . BisagrdShren nnd Mnmmnrle«. Der Finanzausschuß des Nationalrates hat gestern dw Küilsulavgobührenm.ovelle beschlossen, mit ber die Visagebühre n neu geregelt mch die sogenannten „S i ch tv e r nt e r k m a r l e n", die in die Pässe emgeklebt werden, zur Einführung gelangen. Der Fmanzmirrifter versicherte bei dieser Gelegenheit,- die Regierung stehe prinzipiell auf dem Standpunkt der Verkehrsfreiheit und werde sich freuen, wenn di-ests Prinzip auch bei den Nachbarstaaten immer mehr zur Geltung kommt. Das Visum samt den ziemlich hohen Gebühren bleibt trotz des prinzipiellen Standpunktes der Regierung bestehen, von einem Abbau der.VerkehrZbes ch r ä n k u n g e n ist auch in. de-m neutzn Gesetz nicht»; u merke n. Sie Mndhölzchensteuer. Der Finanz- . und Btrdgetausschüß nahm - gestern i bh Z ü n d m i t t e l st eue rn o v e l l e an. Die Regierungsvorlage sieht e i n H S ch st a u s m a ß ch e r Z ü n d m i t t e lsteuer von 40 Prozent vor. ES werden nicht nur Zündhölzer, sondern auch WachSzünder und F e ü erzen g e von dcr Stener getroffen. Abg. Reiner verwies auf die Tatfache, daß in der lebten Zeit Oesterreich m i t a u 8 l ä n d i f ch e n Zündmitteln geradezu überschwemmt werde. Er verlangte Maßnahmen, daß die Einfuhr von ausländischen Zündhölzchen nicht in einem solchen Ausmaße erfolge, daff dadurch die heimische Industrie vernichtet und die Arbeitslosigkeit gesteigert wirb. Redner beantragte die Aufnahme einer Bestimmung, wonach die jeweils auznwendenden Abgabensätze für die Zündmittelsteuer'vom Finanzminister im Einvernehmen mst dem Handelsminister durch Verordnung festgesetzt werden sollen. Der Ausschuß stimmte diesem Anlage zu. Las vernewerte Gehaltsgesetz. Die Regierung hat gestern dem FünfundzwauzigerauSschtrp. der Bundesaugestellten-Organisationen ein umgearbeitetes Besoldungsgesetz übennittelt, in dem die Bestimmungen über die Pensionisteu eliminiert sind, dagegen finden sich die im Gehaltsgeseh nicht vorgesehenen Zuwendungen für die Bezieher der K o n g r u a (katholische Seelsorgegeistlichkeit). Die Beamten haben dieses Elaborat einem RedaktionSauSschuß zur Vorberatung überwiesen. __ Skr Schllling-Wsoüe. Die Ausgabe von Schillingen eingestellt. >. Die NationaLbank gibt Mettn-t, daß die Ausgabe von Schillingen zeitweilig eingestellt wurde. Im Münzomt herrscht nämlich passive Resistenz und es sinddeshalb nur geringe Mengen von Schillingen eingelie-fert worden. Sowie di« Hilldernissc -beendigt sind, wird die Ausgabe wieder b.e-g o-unen werden. Im Umlaufesind gegenwärtig drei Millionen Stück, l * Wenn es dem „beschränkten Untertanen^ gestattet ist, an amtlichen- Verlautbarungen eine Richtigstellung, vorzunehmen, so sei zunächst in aller Bescheidenheit darauf hingewiesen, «daß nicht drei Mlli-o-ncn. nicht dreihusidcrttausend. nicht dreißigtausercd, nicht dveiiausend, ja ivahrscheinlich nicht «»Mal - dreihundert SM Schillinge „int Amlaus" sind. Die ganze mit großem Aplom-b in Szene geatzte M'Agabe-von Schillingen -var näm-lich nicht mir 'donr wähvungspvlltischen Standpunkt qus eine UWeschickliclMt, son'dern sie wurde anch^ so' durihgefsthrip datz'Iie. zur Schillinghamsterei Mren mußte; denn' wenn vor: clniei; Edelmetallmi'mze ünzstreicheÄde Mengen ausgegebcn worden. muß sich sofort ein Agio ergeben. Die Ausgabe durfte