Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1941 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnZBifUmnuoi u i«u* Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II„Tabori^r.l”S( oder in eindf Verschlei «stelle § [raffle) monatl. K 35.000 trassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldsehmiedt,I. Bez^ WolkeileU. Mit Postversand für Wien n, Oesterr. monatl. K 85.000 Ts ch ec h o-Slowakel: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. P o I en: Mon. 3*/t Zloty, Deutschland: Mon. GoH nark4, Frankr., BeI x i «7"nn. Frcs. 12 fcnr Nithuhlun je» "VUB btt Prei«erhöhun?eo Vorbehalte«? \ / "7 « * ’ I 1 ' ’ h " »J ... t' ' , ' ' - ■ .. ■■ .■ '• ' ■ .■ v:"; " -•; ■ i. : . ' ■ «SSM» 1M»»MWMMWW«»^ - ,r,. ,, ' nyn > I,<^ «-> , .r Fol6n:poln.ttS$0.00( Italien: Monatl. IÄ l >r . Rn minien Moti;,150T.ei. ' Bnl jra r i en Men. Lewa. S ch w e i * unci dfs iihri^e Auslanrt moo;,’’,’oi>yFr’e*. 4 Redaktion r>. '' ciir»mi«tiration Wien, U.,Tabori»tr4*afclT-S Telephonat 44-0-38.43-8*19, ab 6 Uhr ahds. 21 -MsH-282 IX. Unlvero*t*ltsstr, 6—8 (Druckerei Stelnniann) Oesterreiehiscties Ppgt&pai > kassen- Konto;Nr.' 150.693 WW»»WW Rr. 1941 Wien. SreitoB, 11. Süll 1924 8. Faiirqqirq Sie brmöglichung der Londoner Konferenz. — Kein miMSMek Pakt. — Re Anleihe-und Schnldenswge. (Eigendienst -er „Mener Morgenzeitmrg".) halb des Dcvwes-BerichteS sind, streng von den Pariser London, 10. Mi. Mae Donald traf gestern um 11 Uhr 10 Minuten nachts in London ein und begab sich unverzüglich nach Do'wningstre et. Im Unterhaus wurde die politische Debatte auf Moijj^ verschoben, da Lloyd George, der Hauptredner deT Opposition, sich entschlossen hat, erst nach der Pariser Senatsdebatte zu sprechen. > s Ans «in^ Anfrage Baldwrns gab Mae Donald eine au sführliche Erklärung über seine Pariser ist e i s e und deren Ergebnisse ab, in der er unter anderem ansführte, er sei nach Paris gegangen, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Die englische Regierung nahm den Standpunkt ein, daß äußerste Anstrengungen gemacht werden müssen, um o fo r t den Da w e s - P la n funlMonieren zu lassen. Es st rwtkmndig, daß die Konfrenz am 16. Juli stattfindet, da viele Einzelheiten geregelt werden müssen. Einige davon erfordern volle Diskussion, besonders die Frage der Emission einer Anleihe von 40 Millionen Pfund, )k unmöglich wäre, falls die Zeichner nicht die Sicherheit habm, daß ihre Investitionen;durch:politische oder in r litL r i s ch e A k t i o nem, sei es "der Alliierten oder der' dartsEn Mgiepung; .iWt/gestört vwLrden,-DeL.Premier. : iagtc,, er habe in, Paris erkannt','Mß infolge per d ort'i gn. S i't üa li ötr -über' diesr Frage diskütiert werden müsse, rmd zwar, über den Nähmest der vorherigen Konversationen hinaus. Er müßte versuchen, ein vorläufiges Arrangement mit der französischen Regierung darüber zu treffen. Diesen Punkt, sowie die Frage eines in die Reparationskommission zu kooptierenden amerikanischen Schiedslichtur? für den Fall deutscher Verschlungen überließ die französische Regierung zur endgültigen E n t s ch e ibung der Londoner Konferenz. Das sind die punkte, über die eine Einigung definitiv erfolgte. Solange dieser Punkt nicht befrieditzend geregelt sein wird, kann die Diskussion über die alliiertem Schulden nicht erfolgen. Die französische Regierung'wünschte, die letztere Frage mit dem Dawes-Bericht zu vereinigen. H-er- \\l konnte die britische Regierung nich t zu sinn men. Ich Mag daher — führte Mac Donald weiter aus -— vor, daß ein Beamter des französischen Schatzamtes nach London komme, um mit den Londoner Beamten die Frage in prälim'narer Weise zu besprechen. Dies wurde vereinhart. Die französische Reg-ievung wünscht die Frage der nationalen Sicherheit beizubehalten, aber die englische Regierung betonte nachdrücklich, daß jeder militärische Pakt abgelchnt werden müsse, sprach aber den Wunsch aus, die Konversationen hierüber fortzusetzen, besonders mit Rücksicht auf das Arrangement durch >den Völkerbund, die Abrüstungskonferenz u>nd andere akzeptable Maßnahmen. Mae Donald schloß seine Rede mit dem Ausdruck der Dankbarkeit für den Empfang durch die Führer aller französischen Parteien. , - Auf eine Anfrage des Deputierten Sir Frederic 23 i f c antwortete Mac Donald, daß alle Fragen, welche außer- Diskussionen ausgeschlossen waren. Kenworthy fragte, ob die Einigung darüber erzielt wurde, ob deutsche Vertreter zur Londoner Konferenz eingeladen oder ob neue Konferenzen mit Deutschlands Teilnahme stattfrnden sollest. Mae Donald antwortete: „Diese Frage soll erst m L o nd o n entschieden werden." Die Konferenz. Nach seiner Erklärung im Untevhause reiste Mac Donald nach Chequers ab. Der erste Dag der Konferenz am 16. d. gilt den Prälimmarien. Trotzdem werden am Montag bereits britische und französische Sachverständige die Londoner Vorarbeiten beginnen. Die Reparationskommission als solche wird m London nicht vertreten sein. Deutschland wird vorerst nicht eingeladen. Doch sicht trotz des französischen Commumques noch nicht fest, ob dies nicht später während der Konferenz geschehen wird. 150 Delegierte nehmen an der Konferenz teil, deren Unterbringung trotz der Hotelschwierigkeiten inzwischen gesichert worden ist. Amerrka lehnt ah?, London, IO-. Jmli.Dgs Reutersche Puveaunreidet aus ^Wachsugton,' am-erÄaMchs:RtzgieMngD^t.rrtchWtten er-.- ' klatt/Mß jene^P^reinbärwrMen. ak'dr und. Herr i o t, auf Grund deren - die P er e-l n ig t e n Staaten eine volle - Stimme in der R e P a r a.tü orn.s- . kommission im Zusammenhang mit der Ansführung des Daiwes-Berichtes erhalten sollen, vom amerikanischen Standpunkt aus unannehmbar seien. Wie das Reutevsche Bureau weiter erfährt, hat die Wachingtoner Regierung ihren.Botschafter. in B e r l i n, Houghton, ersucht, unverzüglich nach Berlin zurückzwkchren, und zwar mit Rücksicht auf die Informationen, die besagen, daß bezüglich des Programms der Londoner Konferenz ein Einverständnis erzielt sei. Staatssekretär Hughes soll auf seiner Europareise, die ihn nach London, Paris und Brüssel führt, am 4. August auch Berlin besuchen. Die BeestLndigung Italiens. Rom, 10. Juli. Die Agenzia Stefan: veröffentlicht folgende Mitteilung: Der britische Botschafter und der französische Geschäftsträger haben heute dem Ministerpräsidenten Mussolini zwei identische Noten überreicht, die in. sehr eingehender Weise die Ergebnisse der Pariser Besprechungen zwischen Mac Donald und Herriot wied-ergeben. R. Mummt bei Herriot. (GiKendienst der „Wiener Morgenzeitung^'.) London, 10. Juli. Dn. Weizrnann, der in der Zeit vom 1. bis 4. d. rn Paris weilte, wuvde vom Ministerpräsidenten Herriot empfangen und hatte mit ihm ein Gespräch über z i o n r st r s che Fragen. Herrrot zeigte sein lebhaftestes Interesse für die zionistischen Angelegenheiten. Er gab dem Wunsche Ausdruck, im Monat August nochmals mit Dr) Weizmann zusammeit5ittressen, um danrr eine längere Aussprache über die zionistischen Probleme mit ihm führen zu können. Die gefSlschte Demokratie. —y. W i e n, 11. IM. Am Vorabend der neuen Londoner Konferenz, scheint es nicht unangebracht, den politischen und'wirtschaftlichen Zustand der europäischen Länder : Zpm Standpunkt der Demokratie zu betrachten. Diese, neue Londoner Konferenz ist ein Versuch, der wachsenden Verwirrung in ihrem fünften Lebensalter entgegenzutreten. Auch die früheren Konferenzen von Spa bis Boulogne waren solche Tastexperimente. Der Unterschied liegt in der Ehrlichkeit des Wollens, in der geänderten Methodik, vor allem aber darin, daß die-Führung der Angelegenheit bei Regierungen liegt^dre in ganz anderer, entschiedener Weise als Träger eiriep ins Breite gediehenen Idee austreten können. In Englandwar das Khaki-Parlament, in Frankreich die Kämmer des nationalen Blocks maßgebend; beides AoAerschaften, die noch unter der direkten Einwirkung, des. Krieges, des Sieges und des Diktatrausches zustsindegekommen waren. Diese geistige Basis hat sich verschoben. Die letzten Wahlen hatten sicü im.Zeichen der nüchternsten Betrachtung vollzogen und die Erwägung siegte, daß der Feind nur mehr der Feind von gestern' sei, daß man doch irgendwie mit ihm zu einem--HMr-' einkommen gelangen müsse. Die .Demokratie, -Mi^den' Besiegten sei eine sehr junge irnd sehr schwache.Pflanze und sie müsse verdorren, wenn ihr durch die Sanktihnew Lust und'Licht genommen werdet - . Die mitteleuropäische Reaktion geht von anderem Gesichtspunkten aus, die sie .auch heute nicht soleicht^ aufgeben will. Für sie ist die RüMhr zu deni-B'ör- - kriegszustand das Ziel, aufs innigste zu wünschesi^Die Demokratie habe sich nicht bewährt. Mechin^s äuch^ michbbie^Nonarchie,;bie von ' den denkeMn 'ElenMAM " dieser Richtung nicht so heiß geliebt wird, wie \k % den demagogischen Versammlungen vorgebem Dse trA-' best Seelensang und müssen Wvhl"od^Äbel W-Un'tä-^ '1 schied zwischen heute und ehedem aus die knappe. FpriÜel /' bringen. Sie.gestehen zu,.daß die Monarchie eine stelenlose, mechanisch arbeitende Maschinen, war,. .die .bph der.' Bureaukratie beherrscht wurde. Das monarchistische. System verlieh dem Beamtentum Glanz und soziale.'. Geltung. Die Aufbietung der Volksmassenim .Kriege^, und ihre gewaltsam erzwungene Unterordnunguntev>. das wenigstens auf dem Papier festgesetzte gleiche Recht des Krieges zerstörte schon in der ersten Stunde die ' Macht der Bureaukratie. Es waren Staaten, die keinen anderen inneren Zusammenhalt Hatten, als die-Person des Dynasten und die Mechanik der Verivaltung^. Der verbrecherische Leichtsinn, der. gerade von diesen Staaten aus die Initiative zum Krieg ergriff, geriet in einen frevelhaft heraufbeschworenen Sturm, der die Grund-' lagen des Shsteins auseinanderriß. Bon den Armeen, von dem Volk in Waffen, ging die Revolution aus. Das Mandarinentum wartete ab. Als der erste Wirbel vorbei war, erhob es vergnügt und zukunftsfreudig das .Haupt und stellte sich auf Demokratie um. Die- Titel, die Stäatssorm wechselten, das Wesen blieb. Es' ist'eine Eskamotage vollzogen worden, wie man sie in solcher Reinheit kaum je gesehen hat. Sie hat sich assimiliert, das -allgemeine Wahlrecht „ausgebaut^ und durch das Proportionalwahlrecht den Wähler an die Parteien ausgeliefert. Es ist eine Verfälschung der Demokratie vorgenommen wotden und es ist nur nötig'festzustellen, wie die Staaten dieses Systems sich bewährt chaben.- Oesterreich ist unter Kuratel geraten, Deutschland steht in einem atemlosen Kampf -wischen schwerindustriellem Kapitalismus und sozialistiichen: Radikalismus^^ in einem Ringen,-das den dunkelsten Bodensatz polnischen Lumpentums an die Oberfläche reißt. Ungarnsist: eine rettungslose Beute des schäbigsten EhauvinischM geworden. In allen diesen Staaten hört man' dis lautesten Klagen -wider die Demokratie-, zugleich mit der? lebhaftesten Sehnsucht nach der Diktatur. Wer aus^ o^en Lesen Sie nächsten Montag in der „Wiener Morgenzeitung“ die Rubriken: „Politisches Pdelttheater j ^Kandel und. POandel“ } „Pie Stimme Kennen Sie ,OOAL‘?