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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-10 · Heft 1940 (10.7.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1940 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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' ’ "■ **j , ' r*>. 'i ljii ,t 'i*»'**■* .;* ' jtt *.' «* j, * * j 1 , vt1 r / , a i Nr. 1940_ Wien, TMnEatz ' SrnetalftuM der Sozialdemokraten gegen A. Kienböck. %h Sozialdemokraten, die in ihrem Parteiblatt feit einigen Tatzen stark in ReglernnMrise machen, unternahmen gestern im Unterausschuß für das Gehastsgesetz der BundLsangestellten e i n e n h e f t i g e n V o i ft o ß g e gen d r n F r n a n z m i n i st e r D r. Kienböck, den sie . dadurch in die Zwickmühle zu bringen suchten, daß sie cinen Antrag stellen ließen, für dessen Annahme sich auch die zweite Regierungspartei, die Großdeutschen, hätte erklären müssen, obwohl der Finanzminift"r sich gegen das Meritum des Antrages ausgesprochen hatte. Nur der Vertagung der Abstimmung über diesen Antrag ist es zuzuschreiben, daß der Fmanzminister nicht schon gestern in eine Situation gebracht wurde, die ihn zum Rücktritt genötigt hätte. Der sozialdemokratische Antrag wird sicherlich wieder im Unterausschuß gestellt werden. Zu Beginn der Sitzung des Unterausschusses wurde die Frage aufgeworfen, wie das Gehaltsgesetz im Unterausschuß zu b'chandeln wäre. Der Berichterstatter Dr. Odehnal, schlug vor, das Gesetz abschnittweise zu beraten. Abgeordneter Dr. Bauer meinte, eine solche Vcr- Handlnngsform sei ganz wertlos. Man müsse ans den Kern der Dinge gehen und daher zunächst über die Prinzip i elleit Fragen und die strittigen Punkte beraten. Diese seien die Frage der V e r l ä n g e r u n g d e r D i e nstz e i t, die Pensionisten frage und die Frage der K a t c g o r i s i e r u n g. Bei dem Standpunkte, den Großdeutsche und Sozialdemokraten in der Penstonistensrage ernnehmen irnd Lei' der ablehnenden Haltung des Finanz- Ministers Dr. Kien b öck in dieser Frage sei es nicht ausgeschlossen, daß dieser seine Demission geben müsse. Es sei daher wohl besser, über diese Angeletzen- 'heit mit seinem Nachfolgerzuberaten. Dr. Odehnal legte die Auffassung der Regierung über die berührten strittigen Punkte dar, und zwar in dem Sinne, wie sie die Negierung schon seinerzeit im Fünfundzwanzigrrausschuß bekanntgab. Hierauf stellte Abgeordneter Zelenka den Antrag, der Berichterstatter solle die Regierungsvorsa-ge nach foltzenden Grundsätzen umarbeiten: 1. D ie Di en st z e i t bleib t u nv er ä nd e rt wie bisher. 2. Der Grundsatz, daß bei, jeder Erhöhung der Bezüge der Bundesangestellten auch die P e n s i o n i st e n im entsprechenden Verhältnis erhöht werden, hat weiter in Kraft zu bleiben und soll auch auf die Altpeuisionisten Anwendung finden. FinauMinister Dr. K i e n b ö ck sprach sich gegen diesen ° Antrag aus. . Abg. Dr. Waber erklärte, daß er in der Besoldungsfrage nach-wie vor aus-den von seiner Partei bekanntg-egebeneu Standpunkt stehe, meinte jedoch, daß über den Antrag Ze l e n k <r km Unterausschuß, n i ch t a b g e st i m m t werdenkönne. lieber diese Auffassung entwickelte sich nun eine Geschäftscrdinungsdebatte. Schließlich erklärte Vorsitzender Kollmann, daß eine Abstimmung über den Antrag Zelenka zulässig sei, daß aber ein V e r tag u ng sa nt rag Dr. Wabers vorliege, über den zunächst abgestimmt werden müsse. Bei der Abstimmung wurde der Vertagungsantrag Waber angenommen. Jas gulibu-get. Ein Defizit von 101 Milliarden. Die österreichische Regierung und der Geueralkom- Missär des Völkerbundes haben das p r e a l a b l e Budget für den Monat I u l i nach der Ausgaben- und der Einnahmenseite bestimmt. Danach betragen die Allsgaben 75 8 Milliarden Papierkronen, das sind 52,6 Millionen Goldkronen. Die Einnahmen werden mit 6 57 Milliarden Papierkronen, das sind 45,6 Millionen Goldkronen, angenommen, was somit ein Defizit von 101 Milliarden Papierkronen oder 7 Millionen Goldkronen-ergibt, das aus dem Völker'bundkredit zu bedecken ist. Nachdem die Resolution des Völkerbundrates vom 16. Juni d. I. einer Modifikation des zwischen der österreichischen Regierung und dem Völkerbund im Herbst 1922 vereinbarten Sanierungsplaues zustimmt, entfällt damit die Vergleichsmöglichkeit mit den Ziffern des seinerzeitlgen Sanierungsplaues. _ Doktor drr Wirtschaftswissenschaften. Promotionsrecht der Hochschule für Welthandel. Am 4. und 9. Juli hielt der Ausschuß für Erziehung Und Unterricht zwei Sitzungen ab, in denen ein Antrag betreffend die Verleihung des P r o m o t i o n s r e ch t e s an die Hochschule für Welthandel in Wien zur Beratung und Beschlußfassung gelangte. Die diesbezügliche Vorlage wurde in folgender Fassung zum Beschlüsse erhoben: § 1. Die Bundesregierung wird ermächtigt, der Hochschule für Welthandel in Wien vom Studienjahr 1024-25 ab die Ausübung. des P r o m o tionsrechtes zum Grade eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften (Ret Jr\*-, " V _ Wiener Msrgenzettims. _ MitteilMge« MSdem Publikum. Der jüdische Hochschnlausschuss übermittelt dem Obmanne des Medizinervereines, Herrn Jakob Rosenblatt anlässlich seiner heute den 10.Juli stattfindenden Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde die herzlichste Gratulation H2 RESTAURANT S. BBLLET VORZÜGLICHE POLNISCHE KÜCHE Wien, II* Hammer-Purgstallgasse 4 Setzte Rachrichten. Ae SItzmMchen Thiele. Paris, 9. Juli. (Havas.) Entscheidung im 5690 Meter- Hindernislanscn: 1. Ritola (Finnland) 9:83,6, 2. Katz (Finnland), 3. Bontemps (Frankreich), 4. Crick (Vereinigle Staaten), 5. Ebb (Finnland), 6. Montagu (Großbritannien). BsxklMampf Hakoah Rayid. Hakoeh unterliegt mit 10:6 Punkten. Der gestern abends auf dem Rapid-Platz in Hütteldorf ansgetragene Boxkampf zwischen Hakoah und Rapid brachte der Hakoah, die zum zweiten Male vor die Oeffentlichkeit trat, einen schönen Erfolg. Im Weiter- und Mittelgewicht bekam Rapid kampflos die Punkte zugesprochen, da Koch und Gronich krankheitshalber in letzter Stunde äbsagen mußten. Die einzelnen Ergebnisse waren: Bantamgewicht: Sharmms (Hakoah, 56 Kilogramm) schlägt Hauschka (Rapid, 57 Kilogramm) nach Punkten. L e i ch t g e wi ch t: Der Kamps " Serreny (Hakoah, 60 Kilogramm) und Christ (Rapid, 61 Kilogramm) endete unentschieden. Federgewicht: Spunner (Hakoah, 55 Kilogramm) und Rirsch (Rapid, 56 Kilogramm) kämpften unentschieden. , Leichtgewicht: Mildwurf (Hakoah, 60 Kilogramm) schlägt in der dritten Runde Spitzeder (Rapid, 00 Kilogramm) knock out. Weltergewicht: Grießler - (Rapid, 61 Kilogramm) wird/ da Küpfermann (Hakoah, 63 Kilogramm) disqualifiziert wurde, Sieger. Der zweite Kampf im selben Gewicht zwischen Koch (Hakoah) und Achatz (Rapid) unterblieb, ebenfo, der Kampf int Mittelgewi ch t zwischen Worin (Rapid) und Gronich (Hakoah). Di? Hakoahner traten nicht an. Halb s ch w e r g e w i ch t: Schrammel (Rapild, 74 Kilogramm) schlägt Ing. Kadmon (Hakoah, 79 Kilogramm), nach Punkten. Zu Beginn der Veranstaltung trugen Trinke und Pellikcm (beide Rapid) einen Schankampf aus. rum oecouomicarum) an der Hochschule für Welthandel in Wien nach Maßgabe der rom Buudesministeriunl für Handel und Verkehr im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Unterricht zu genehmigender. Satzungsänderungen zu gestatten. ' ‘ § L. Durch die Satzungsänderungen ist der Studienordnnng der Hochschule für Welthandel in Wien eine den Rigorosen- und Promotionsordnungen der Bundeshochschulcn gleichwertige Rigorosenu n d P r o Motion s o r d n n n g anzugliedern. 3. Mit dem Vollzug des Gesetzes sind der Bu-ndesminisirr für Handel und Verkehr und der Bundesmiuister für Unterricht betraut. Ferner wurde einskknmig folgende Entschließung angenommen: „Die Negierung wird aufgefordert, bei Erlassung der Vorschriften über die Verleihung des Grades eines Doktors der Wirtschaftswissekffchaften an der Hochschule für Welthandel dafür Vorsorge zu treffen, daß durch d:e Schaffung dieses neuen Doktorats das A n s e h e n der von östwreichischen Hochschulen verliehenen Doktorgrade keine n A b b r u ch erleide. Zu diesem Zweck wir^ insbesondere sine Verlängerung der Studien für die Promotiouswerber in der Art anzuordnen fein, daß sich diese nach abgelegter Diplomprüfung ein Jahr der Betütiguirg in praktischen wirtschaftlichen: Berufen und einer wissenschaftlichen seminaristischen Ausbildung an der Hochschule für Welthandel zu widmen haben. Das Bnndesministerium für Unterricht wird ferner anfgefordert, die entsprechende Vorsorge, erforderlichenfalls im Einvernehmen mit den betreffenden Bundesministerien, zu treffen, daß die Verleihungjener Doktorate, für deren Erlangung eine w i ss e ns ch-aft li ch e Arbeit (Dissertation) noch nicht gefordert wurde, von der Erfüllung dieser Bedingung abhängig zu machen. Zum Berichterstatter für das Haus wurde Abgeordneter Dr. A n g 11 e t bestellt. 10. Juli 1924, -^? F. H. Weitste!« sestorben. Vo>r kurzem starb in Krakau der bekaimte jiidtscht Historiker Feiwcl H. Wett jfc? U im Alter von 65 Jalnen. Schon int Aller von 25 Fohren begann Wcttftein seine Forschungsarbeit in dm ältestP Archiven und Friedhillen von Krakau und schuf in jahrzehnlelanger unermüdlicher Arbeit ein nnschähüai?es historisches Material, das er m sehr wertvollen Monographien zur Geschichte der Juden in Polen und besonders in .Krakan verarbeitete. Etwa ein Tutzend solcher Schriften sind die Ergebnisse sllr.er Forschungsarbeit, die sür die jüd'.sche 6-enealogie von besonderem Wert sirhd.. Mit seruerr Arbe.ten, die er in leichtem, fließendem Hebräisch.schrieb, lieserie er dm Historikern wie B a l aban, Dn bnow, Tr. Br.un, und anderen das verläßliche Onelletrmaterial und diese Autorn: zollen an-ch in ihren Werken dem Quellen forscher Weitstln anödrüctlicheii Tank sür die grofäeu Dienste, d'e er durch seine unermüdliche, verläßliche Sammelarbeit der jüdische:: Ge'chichts'orschung geleistet hat. Wettstlln war eigentlich Buchhändler, aber sein Geschäft warf ihm nicht viel ab. denn selbst in stinem Geschäftsladeir arbeitete er unablässig an der Sichtung und Verwertung der von ihm gesammelten Daten. In einem lllachruf erzählt S. R. Laza r, wie W-ettstcin in seinenr Geschäft oft Kunden nnverrichieter Dinge . fortgchen. ließ, weil er sich in seiner Arbeit nicht stören lasssen wollte. Bei grösster Kälte stand er oft zwischen dm Biicherstößcn und schrieb und schrieb und wenn ihm das Papier ausgiug. nahm er Vackvapier ober bediente sich der Rückseite von Prospekten und Rechnungen, ja oft benützte er sogar die freien Ränder von Katalogen, um nur nnnuterbrochen seine Noiizm zu Papier bringen zu können. Mcctstein galt Keshalb als der genaueste Kenner der Geschichte der Juden und des jüdischen Volkslebens in Krakau. Re Gödimer IuckerskhM abgebrannt. Tie Gödinger Zuckerfabrik ist, wie a.iji Prag gemeldet wird, in der Nacht auf-gestern in Flammen aufgegangeu. Der Schaden betragt ungefähr 4 0\ M i l- Honen Kronen. Erst Heuer waren Investitionen mit einem Kostenaufwand von 800.000 K. gemacht worden, Die von der Firma Redlich begründete Fabrikdie zu den größten ihrer Art zählt, ist im Besitze der Mährischen Aktiengesellschaft für Zuckerindustrie, der auch eine zweite Fabrik in G-öding, eine solche in Bisen z sowie in Bruck an der Leitha gehören. Die jährliche Produktion der Gödinger Fabriken beträgt zirka 220.000 Meterzentner Zucker. Der Schäden soll durch Versicherung gedeckt sein. Die Renovierung der Lmar-Moschee. Wie bereits berichtet, wurden in allen mohammedanischen Ländern Sammlungen für die durch starke Banschäden notwendig gewordene Renovierung der Omar-Moschee in Jerusalem vor genommen. Die Renovierungsarbeiten sind bereits in Angriff genommen worden, doch stellen sich, wie P. P. O. berichtet, große technische Schwierigkeiten entgegen. Die Beschaffnng der künstlerischen, farbenschillerndeu Majolikaplatten drr Außenbekleidnng, die der Kalif seinerzeit ans Venedig bringen ließ, nicht minder der Ersatz der seinerzeit ans Byzanz bezogenen kunstgewerblichen Innendekoration gab eiu schwieriges Problem, da heute allerlei politische und r e l i g i ö s e M o m e n t e und Antipathien in Frage kommen und die in Palästina einzig leistungsfähige Anstalt, die jüdische Knnstgewerbeschule „B e z al e l", nicht siir Arbeiten in der Moschee herangezogen werden kann. Drr die Renovierungsarbeiten leitende Architekt Kemal El.-Din Bei verhandelt nun mit Kunstgewerbeanstalten in Bombay. Während der langwierigen Verhandlungen haben nun administrative Spesen und Reisen einen großen Teil des zur Verfügung gestandenen Geldes a u s g e z e h r t und der Groß-Musti der palästinensischen' Mohammedaner begab sich nach Indien, um dort sür die Restaurierung der Omar- Moschee Geldspenden, zu sammeln. Das Resultat blieb hinter den Erwartungen zurück und Grotz-Mufti Husscini suchte seinen Mißerfolg damit zu erklären, daß die Zionisten irr Indien gegen seine Sammelaktion agitiert hätten. Mittlerweile wurde in Palästina bekannt, daß auch Juden in Indien, die von Hnsseini darum angegangen wurden, zum RestanricruugsjonfcS beigelragen hätten. (Bekanntlich haben auch die Jerusalemer Jndsri einen bedeutenden Betrag zum Restanrierungsfonds gespendet. Die Red.) Aus eine diesbezügliche direkte Frage antwortete de-r Gros;-A!ufti unsicher, er wisse nichls davon. Nun kommt aus Bombay direkt die telegraphische Meldung, in der etwas un^rziert heransgrsagt wird, das; die Behauptungen Husseinis „falsch und unwahr" sind. Der desavouierte mohammedanische höchste Geistliche ist in einx peinliche Situation geraten, die von seinen Gean'in, den Anhängern seines Gegenkandidaten ansgenüht wir?- (E. P. SO Lesen Sie nächsten Montag in der „Wiener Morgenzeitung“ die Ru b r i k e n: „Politisches HjÜelttheater“ / „iHandel und Handel“ / „Pie Stimme des Xesers“ / Kennen Sie ^h°s b“ ipr"n ,GOAL‘?

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