Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-07-10 · Heft 1940 (10.7.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1940 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981023--19640-3006803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Kr. IM Gerte 8 Wien, DonrrerMg 10. Fuli im Wiener Msrgenzeitung. vr Ae chemische Industrie und ihre MglichkeUen am Tote» Meer?) Von Rudolf Seiden (Mödling). 4. Die Industrie am Toten Meer bis nun und in der ZuZunft. Schon seit langer Zeit gewinnt man auf primitivste Art Koch salz aus dem Toten Meer; im Kriege wurden diese einfachen Berdunstungsanlagen teilweise ausgebaut, aber eS kann-natürlich noch immer nicht von einem Halbwegs modernen Unternehmen die Rede sein und keinesfalls von einem irgendwie planmäßig geregelten Betrieb. In den letzten Monaten gingen Araber daran, den Asphalt des Meeres im wahrsten Sinne des Wortes „einzusammeln", was nie und nimmer zu einer „Industrie" führen kann. Dazu ist es nötig, daß sich daS notwendige Kapital zusammenfinüet, um es zu ermöglichen-, die neuesten Maschinen zu besorgen, zweckmäßige Anlagen aufzurichten, Fachleute zur Betrirbsführung zu engagieren ufw., mit einem Wort: um all das vorzubereiten, was dazu notig ist, so kolossale Salzmengen, wie sie das daran übersättigte Tote Meer enthält, rationell zu exploitieren! Allevdings — und dieser Umstand ist hervorzuheben —, das Tote Meer enthält die Salze in einer solchen Form und ist selbst in einem so günstigen Klima gelegen, daß hier die Investitionen im Vergleich zu jenen, die bei anderen gleichartigen Salzlagern gemacht werden müssen, bedeutend verringert unld der ganze Gewinnungs- und ch em is ch -physikalische Aus a rb e i tun g § p r oz e ß sehr vereinfacht sein werden. Fragen wir uns nun: Welche Elemente um Verbindungen wären vornehmlichst auszuwerten? Schon vor dem Kriege dachte eine englische Gesellschaft daran, das Brom industriell zu gewinnen; das Projekt wurde allerdings bald, angeblich als unrentabel, zurückgestellt. Man kann sagen, daß das Brom im Durchschnitt 1 Prozent der Salze, resp. 0,27 Prozent (im Süden) bis 0,46 Prozent (im Norden) des Meevwassers ausmacht. Wenn man bedenkt, daß die Staßfurter Enblaugey, die etwa 1000 Tonnen Brom (das ist die halbe Weltprbduttion) liefern, dieses Element in viel geringerer Menge enthalten — 0,15 bis 0,35 Prozent 7—, so ergibt sich schon daraus, daß gerade Las Brom im Toten Meer in besonders günstiLen Verhältnissen vorliegt. Natürlich steigt die Nent-cwilität der Bromgewinnung sehr mit der Exploitierung auch anderer Meersalze, zumal die am Ende des Aufarbeitungsprozesses vorliegende Brom-Endlauge bedeutend höher konzentriert wäre, was selbstverständlich einer wesentlichen Verbilligung der Fabrikationskosten gleichkommt. Der Hauptbestandteil der Salze des Toten Meeres — 60 Prozent derselben — ist das Magnesium chlor id. Nun kommt gerade dieser Verbindnug in der Praxis kaum größere Bedeutung zu; ja die deutsche Kalkindustrie führt jährlich 800.Y00 Tonnen Mg Ch in ihren entbromten Ewdlougen in die Elbe und Weser und sucht immer noch nach Möglichkeiten, diese Laugen irgendwie anders zu beseitigen, um den Härtegrad der Flüsse nicht allzu sehr zu steigern. Immerhin böten sich der Industrie am Toten Meere einige Verwendungszwecke für dieses Produkt: so würden zunächst mit Erfolg Chlor und Salzsäure daraus hergestellt werden können, deren Fabrikation aus diesem Rohstoff in Deutschland um 1900 mit vielen Aussichten in Angriff genommen und nur durch den Aufschwung der elektrolytischen Chlorgewinnung zurückgedrängt, noch-immer nicht gänzlich verdrängt wurde. Eine eigene große elektrolytische Chlorgewinnungsanlage wird aber in Palästina kaum in den nächsten Jahren gebaut werden, da sie noch nicht rentabel sein könnte; Chlor für Dleichzwecke und Farbenherstellung und Salzsäure als Nebenprodukt darzuftcllen, das wird gewiß rentabel sein, denn für begrenzte derartige Stoffe ist der Markt des Landes und der Nachbarstaaten schon jetzt aufnahmsfähig. Auch konnte man Magnesiazement in größerem Matzstabe fabrizieren, der gewiß in dem im Aufbau befind lichen Lande reichlichen Absatz finden tvird. Män muß bei dieser Kalkulierung berücksichtigen, daß im Orient wegen der großen sommerlichen Hitze in den Häusern überall' Steinfuß höben verwendet wevden. Allerdings, in seiner gewöhnlichen Form (wasserhaltiges Magnesiumoxydchlorid), „Sorelzement" genannt, ist er wegen seiner.zu geringen Unlöslichkeit als Baumaterial nicht brauchbür; aber als „Xylolith" (Steinholz) gibt er einen vorzüglichen. Fußbcdenbelag ab. Ein kleiner Teil *) Siehe „Das neue Palästina" vom 26. Juni. nn/mUMi« des Mg Ch wird auch in verschiedene Magnesiumpräpa« rate umwandelhar und so verkäuflich fein. Als nächstwichtiges Produkt kommt Kochsalz in Betracht (30 Prozent der Salzmenge). Durch Versuche ergab sich, daß man durch einfache Verdunstung bei gewöhnlicher Sommertemperatur (über SO Grad Celsius) und darauffolgende fraktionierte Kristallisation aus dem Meerwasser SSProzentiges Na CI und daneben ZOprozentigen K a r n a l l i t (X CI- Mg Ch. 6 aq.) gewinnen kann! Die verbleibende (eingeengte) Endlauge enthält dann das Brom in einer Menge von 12 Gramm pro Liter! In anderen Worten: Aus 1 K u bi k m e t e r Meerwasser sind 25 (nach anderen Versuchen über 5 0) Kilogramm Kochsalz und 2 5 (über 4 0)-Kilogramm Karnallit, ferner über 13 Kilogramm MgCh, 4 Kilogramm Mg Br?, 1 Kilogramm NasSO« gewinnbar! Die Betriebsführung wäre also hier die denkbar einfachste und billigste: Im Sommer würde die Sonnenwärme die Abfcheiduwg der einzelnen Salze besorgen, während der Wintermonate müßte dies, bei ununterbrochenem Arbeitsgang, durch künstliche Wärmequellen besorgt wenden, wie bei uns in Europa in diesem Falle ja immer. Und auch da haben wir einerseits durch die eben jetzt ausgebauten Elektrifizierungs an lagen Rut'henbergs, andererseits durch die kolossalen Lager bituminösen Schiefer (Kalkstein, mit sehr viel Erdpech durchsetzt), die nähe dem M-'ece sich finden, billigen und genügenden Heizstoff. Ueber den großen Bedarf Palästinas, Syriens, Mesopotamiens und auch Aegyptens sowohl an Koch- und Viehsalz*), wie auch an Düngemitteln — Karnallit ist bekanntlich ein hochwertiger Kalidünger — werden wohl nirgends Zweifel bestehen. Man weiß allgemein, daß dies Länder sind, in denen vor allem Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wird. Der Bedarf an den genannten beiden Salzen ist so groß, daß es sich kaum lohnen wird, einen.wesentlichen Teil derselben erst auf Produkte zu verarbeiten, für die sie das Ausgangsmaterial sind/ Daß Asphalt**) in großen Mengen im Toten Meer vorkommt, wurde bereits gesagt; auch das Ufergestein ist damit infiltriert. Seine Einbringung und Aufarbeitung mit modernen Hilfsmitteln würde sich schon heute rentieren und könnte unabhängig von der Gewinnung der Meersalze begonnen werden. Der Straßenbau, m Palästina bekanntlich eben jetztin größtem Maßstab durchgeführt, wird die minderwertigen Afphaltforten jederzeit und in jeder Menge aufnehmen., Schwefel und Gips — dieser findet sich nahe dem Meere in großen Mengen, ersterer in den vielen später einmal als Heilquellen gewiß von Bedeutung werdenden Wässern — sind kaum wert, industriell exploitiert zu werden. 5. Die Boemrsseüungen zur Schaffung einer chemischen Industrie. Im Palästina-Pavillon der britischen Reichsausstellung in Wembley findet man unter den ausgestellten chemischen Produkten vor allem Bitumino, Asphalte, Gips, Phosphate und als „wertvollste und wichtigste.Verbindung des Landes": Pottasche, KhCOs (aus KCl darstellbar; entweder auf elektrolytischem Wege über KOH oder mittels des Magnesiaverfahrens). Die. Mengen dieses äußerst wichtigen Ausgangsmaterials für die Fabrikation von Glas, S e i s e, W ass e r g l a § und zahlreiche kalkhaltige Verbindungen ist eine so ungeheuer große, daß momentan der Wert desselben, zum niedrigsten Marktpreis berechnet, acht Milliarden Pfund beträgt! Die übrigen Salze des Meerwassers sind ebenfalls, wie bereits angeführt, in großen Quantitäten vorhanden; so könnte man zum Beispiel mit dem B r 0 m den Weltbcdarf an diesem Element (auf Grund des gegenwärtigen Verbrauches berechnet) 33.000 Jahre lang decken! * Die Frage, warum man bis nun nicht an die Aus beutung dieser Möglichkeiten herangetreten ist, ist dahin zu be antworten, daß die Regierung bisherdie Konzession zur Aus Werbung des Toten Meeres nicht vergab, weil kein Bewerber über die Mittel verfügte, dis notwendig sind, um eine große Industrie zu errichten. Es kommt also vor allem darauf an, ein« starke Kapital; st en gruppe für dieses Projekt zu interessieren; wenn diese beisammen sein wird, wird auch die Konzession zu erlangen sein. Und dann wird *) Ein mächtiges Salzlager stellt auch der beim Meer liegende Dfchebel Usdum dar. **) Besonders fm südlichen Teil des Taten Meeres findet sich (oft schwimmend) Asphalt; ebenso am Meeresgrund. gewiß die Regierung und die Zionistische Organisation die notwendigen Verkehrsmöglichkeiten schaffen, um eine rasche und billige Verbindung zwischen Totem Meer und den in Betracht kommenden Punkten herzustellen. Eine chemische Industrie am Toten Meere wird tausenden Einwanderern und Einheimischen Arbeitsmöglichkeilen bieten und viele Jndnstriegründungrn im Gefolge haben. aß die an dem Toten Meer-Konzern beteiligten Kapitalisten ihre Gelder hoch verzinst erhalten wcrden, dafür ist die konkurrenzlos billige Erzeugung und der eben dadurch garantierte Absatz an den dringend bcuötiglen Faörikcnen aus den Toten» Meer-Salzen die beste Gewähr.*) Mneralschst-r HaMdrar. Ter geologische Sachverständige der palästinensischen Re» grerung veröffentlichte kürzlich einen. Bericht über seine Nachforschungen. Aus diesem geht hervcr, daß die mineralischen Vorkommen in Palästina viel größer sind, als man bisher annahm. In der mittleren Knstenebene bei Akko .findet sich unter dem Sand grobkristallinischer Kalkstein von schöner roter - Farbe in dicken Schichten, begleitet von dünnen Schichten gelben Kalksteins, wie er bloßgelezt nordwestlich von Bcnjamina zu sehen ist. Im Süden der Ebene bei Na ml eh, Ludd und gegen Jaffa zeigt sich gleichfalls roter Kalk st ein bloßgelegt; an der Küste ist er mit Saud und Dünen überdeckt. Tie Dicke dieser Schichten ist bedeutend. Rach einer tiefen Bersuchsbohrun^ bei Sarafen-d gehen die sandigen und kalffändigen Schichten bis zu 330 Fuß Tiefe, und darunter liegen zirka 550 Fuß tief Schichten verschiedener Tonarten. Nach diesen Resultaten ist es nicht ausgeschl 0 ss e n, daß noch tiefer Kohle liegen könnte. Im Jordantal sind mächtige, 2 Meter tiefe Gips- Schichten vorhanden, meist mit Mergel vermengt. Auch Schwefel ist in Stücken von Walnußgröße unregelmäßig eingesprengt. Während des Krieges wurde der Schwefel..von den Beduinen für d'ie türkischen Pulverfabriken gesammelt. In der Nähe von Nablus erreichen die Kalksteinschichten eine Dicke von 1000 Fuß. Auf der Linie von Khan Hatrura n-ach Ne.bi M n,s a, östlich von Bethlehem, und ebenso nordwestlich von Djebel Usdum finden sich Phosphat h a l t i g e bituminöse K a l k st e i n e, 150 - Fuß dick. Sie enthalten Reste von Fischen und sind manchmal ölhaltig. Diese Kalksteine geben 8 Prozent rohes Oel. Die PhoSphatfchichten erstrecken sich auf ein sehr weites Areal und schwanken im Phosphat geh alt von 2 0 bis 4 3 Prozent. -Unter den Phosphatschichten befindet sich die ' bezeichnendste Formation Oftpalästinas, der kieselige Kalkstein von mächtiger Dicke, teilweise st a r k p e 1 r 0 l e n m h a l t i g. - Der Bericht beschreibt die verschiedenen Kalksteine, darunter mehrere Marmorarten. Es soll auch zwischen N-ablüt und Beisan goldhaltige Arten geben. Der Bericht spricht ferner kurz von den Schätzen des Toten Meeres. Dieses entt hält 2000 Millionen Tonnen Pottasche, S a.üz, Brom, Magnesium, ' ferner Kalziu m und M a g? n es iumchl 0 rid. Hier waren durch lange Zeit auch Ölquellen und Bitumenvorkommen. Es ist zu hoffen, daß Palästina in absehbarer Zeit wieder Petroleum liefern wird. (Vor einiger Zeit meldeten bekanntlich die „Times", daß der Oil Standard Trust bei seinen Bohrungen bei Hebron a^' Erdöl gestoßen wäre.) Amtlich registrierte neue Unternehmungen. Das kommerzielle Bulletin der Palästina-Regierung ver» zeichnet in feiner letzten Nummer die amtliche Registrierung der folgenden Unternehmungen: Pica Ltd. (verrirs von unl besprochen), Direktor: James de Rothschild, London. Mitglieder der Verwaltung: Baron Edmono de Rothschild. . Fraw Phillipson, Bankier, Brüssel; Salomon Reinach, Gaston Warmer, Michel Polak, die drei letzten in Paris; Leonard Cohen, London. „Hamuss eketh", Palestme Textile Works Lo. Ltd., Jaffa, Gesellschaft von Textilindustriellen und Slaufloutcit, Kapitol 10.000 Pfund in 1000 Aktien, die Gründer sind jüdische Unternehmer aus Lodz und anderen Städten Polens. H a i i » Boarding School, Ltd. Interna: für auswärtige jüdische Schüler der Realschule und des Technikums in Haifa, Aktien je 1 Pfund. Kfar Ganim Looperotrve Society L:d. tn Petach Tikwah, zur Errichtung von Gartenstädten, Vierteln usw. in der Nachbarschaft von Petach Tikwah für die Mitglieder. E 0.0 p e r a t i v e B u. i l d i n g Society Neve S h a a n a n in Tel-Awiw, Häuiserbau für Mitglieder. GefellschafiLkapital 6000 Pfund, in 800 Aktien je 20 Pfund geteilt. , *) Eben kommt die Nachricht aus Palästina, daß dir englische Regierung eine V e r s u ch s a n st a l t für die Gewinnung von Kalisalzen am Toten Meer errichte:. Mit dem Bau der Anlagen wurde bereits begonnen. * Telephon Rümmer 45>606 Postsparkaffenkonto 100208 hm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.