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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-10 · Heft 1940 (10.7.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1940 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 * - Wen, Donnerstag f Ninür kommt nach Wien. - ' - Wie die Politische Korrespondenz erfahrt, wich der sugostciiwiische Minister des Aeußern Nincic nachBeendigmrg der Konferenz der Vertreter der Kleinen Entente in Prag auf seiner Rückreise nach Belgrad in Wien Aufenthalt nahmen, Uint die Mitglieder der österreichischen Regierung KU begrüßen. Als Tag des Eintreffens wird der 14. Juli in Aussicht genommen. Kür eine Ermäßigung der Steuerlast. — Der Derwaltuugsapparat soll eingeschränkt werden. Dia letzten zwei Monatsberichte des General-' komisiärs Tr Z i nt -m c t ma n mnfassen den Zeitraum vom 16. März bis 16. Mal d. I. Sie wurden erst gestern der Presse zugänglich gemacht. Ter größte Teil der darin enthaltenen Darstellungen und Schsußfalgernngeu ist längst durch die Entwicklung überholt nud auch durch den Bericht, den der Generatkommissär im ' Inari dem Völkerbund in Genf erstattet hat. Immerhin enthalten sie noch ein reichlich interessaiues Material und viele Feststellungen, die auch heute noch höchst beachtenswert sind. Im 16. Berichs der die Zeit vom 15. März bis 16. April d. I. umfaßt, konstatiert Dr. Zimmer man das AnÄaueru de? Rückganges der Geschäftstätigkeit und die s Hw e r c. ■ Krise jb e.r 4> x i ö:«t« n F i n am zwirtschafl; diese Situation' werde vermutlich den Steuevertrag beerwslnfsen. Ter Generalkommissär bezeichnet dir V e r w a l tu n g s r e f o rm und die R e- Organisation des Steuersystems, ba% er immer mehr als ernstliches Hindernis des wirtschaftlichen W i ede raus baue s an'sieht, mehr denn je als dringen b ft e Notwendi gketten. Dem Finanzminister hatte er seinerzeit mitgeteilt, daß eine neuerliche Erhöhung der Bezüge der Bunde'sangestellten auf der gangen Linie unmöglich sei, und daß es dringendst notwendig wäre, sich auf eine Erhöhung jener Gehälter zu beschränken, die um ein beträchtliches hinter der Goldparität Zurückbleiben. Immer und immer wieder mahnte Dr. Zimmerman zu ein er Ermaß i g u n g der Steue.rLeIa stu n g der 11 ntern eh mnng e n, die in Zukunft nicht werde beibehalten 'werdet! können, ohne.die;Entwicklung der Produktiven Kräfte des Landes schwer zu beeinträchtigen. Die Zahl der Bundesangestellten betrug im Berichtsmonat mit Ausschluß der Südbahn und des Bundesheeres 180.207.'Der Generalkommissär bemerkt hiezu, es wäre fchr zu wünschet:, daß e i ne se hr e ne rg if che Aktion unternommen würde, um den Ver Wal tu n g'sappa rat-möglichst einzuschränken und um die vereinbart BernngeruvL der Angestellten um 100.000 Personen zu verwirklichen. Llns dem Berichte erfährt man anch, daß Dr. Zimmer man sich gegen die A b s ä g u n g des E r s p a r n n g s k o m m i s f ä r s D r. H o r n i k ausgesprochen und dem Bundeskanzler mitgeteilt habe, er halte die Dezentralisation des Erslparungsdier.stes für einen Rückschritt. . In seinem 11. Bericht, der viel zuversichtlicher gehalten ist, beglückwünscht sich der Generalkommissär als Kontrollor der den Anleihen gewidmeten Pfänder zu dem Ertrag der verpfändeten,Einnahmen. Die Ziffern des Au ße nha ü d e l's seienzwar u ngünst i g, bedeuten aber doch einen Fortschritt gegen die Jänner- und Februarziffern. Auch die Börse Indexziffer zeige eine „Das verlorene Paradies". — Die Entdeckung Fröbenius. — Die Kunst der Neger und ihr Einfluß auf Europa.. Bon Profi'Dr. Wilhelm Stein. Das Altertum kannte die Sage von Atlantis, drin verlorenen Paradies, das nach P lato 9000 Jahre vor ihm mit all seinen wundersamen Herrlichkeiten versunken sei. Dieses Märchen hat nicht nur im Altertum eine Rolle gespielt, da manchdaran glaubten, andere wieder nicht; noch Cülnmbus hoffte diese Welt zu entdecken — und fand einen neuen Erdteil. In der Gegenwart brach dann ein heftiger Streit zwischen den Gelehrten aus, indem beispielsweise Erwin R o h d e den . sotönrschen Bericht bei Plato schlankweg für einen Roman. erklärte. Die Theosophen andererseits, mit C o n u e E y und Steineran der Spitze, leiten alle Weisheit äus der Atlantis her. Da trat mit den Entdeckungen des deutschen Forschers Leo F r o b e n i u s die ganze Frage in eine neue Phase. Dlöser Mann, eine seltsame Mischung von kühnster Phantasie iutb zähem Wirklichtkeitssinn, hat in acht großen Forschungsexpeditionen, begleitet von mehreren tvisstnschüftlichen Hilfsarbeitern Sahara, Sudan, Aibesfinien, das Niggergebiet und den Kongo bereist. Von seiner dritten westafrikarnschen Wanderfahrt, etwa um 1910, Meldete er, daß er in dem von ihm besuchten Gebiet Reste einer uralten, eminenten Stadtkultür entdeckt habe, die durchaus auf der Höhe der karthagistben stehe. Bald darauf spürte er einen wundervollen Brottzekopf auf, der als, größtes Heiligtum, als Mwr-gyttin Oloknn, von den Eingeborenen verehrt werde. Der in verlorener Form gegossene, also inneu hohle Kopf, war mit der feinsten btaugrnneri bis schwarzgrünen Patina überzogen und erinnerte in meiern an die feinen Tanagrafiguren der Griechen. Funde von glasi^rt.n Tonkrügen. Glasperlen und Scherben fügten sich bald zu einem geschlossenen Bild. Mythen und Sagen der Eingeborenen Wiener MKroenreitunA. -10. Juki 1924 .. Nr. 1940 . — Der amtliche 18 vo» 54 Halenkreuzlern bleiben in als Mschung rrlliirk. Von den 54 ivegen der Vorfälle in Kloster neMurg verhafteten HaKenkreutzlern wurden Dienstag 44 auf freien Fuß gesetzt. -v Die Untersuchung wird im ganzen gegen 17 Person c n geführt, von denen sich z c h n i n d e r H a f t des Landesgrrichtes befinden. Die übrigen sieben 'befinden sich unter den Freigelassenen. Tie Enthaftung dieser Leute erfolgte auf Grund des § 181 der Strafprozeßordimng, der besagt, daß die bei einem Aufstand oder Aufruhr wegen Verdachtes der Teilnahme Festgencmunsnen binnen längstens drei Tagen von dem zuständigen Richter einvernommen werden .müssen und nicht länger in Gewahrsam behalten werden dürfen, wenn öfter sie nicht die ordentliche Untersuchungshaft verhängt wurde. Die Untersuchung gegen die übrigen wird wegen Teilnahme am Aufruhr und öffentlicher Gewalttätigem geführt. In der DienstagEitznng der niederösterreichischen Landesregierung wurde ein Antrag des Landesrotes H e l m e r. angenc-mmen, worin die Landesregierung feststellt, daß der in einigen, Blättern veröffentlichte sogenannte a mtl i che Be r i cht über die Vorfälle in Klosterneuburg, der ins einseitiger Weise die Haöewtreuzler als uttschulidig an den Vorkommnissen darstellt, nicht von ihrherrühre. Landeshauptmann Buresch erklärte, die Bevölkerung bedauere nicht nur, sonde.ru verabscheue solche Vorfälle, wie sie sich Sonntag in Klosterueu>bnrg zugetragen haben. Damit ist der amtliche Beriet als Fälschung gekennzeichnet. Weiters heißt es in dem.Antrag: Die Landesregierung beauftragt das ' Landesgendarmeriekommando, eine genaue 'Untersuchung : über die Vorfälle in Klosterneuburg anzustellen. Unverzüglich stv''' alle Vorkchmngerr zu treffen, damit eine- MedrrholMg ähnlicher Vorfälle, wie sie sich nicht nur in Kilosterneuiburg, sondern, auch in Spillern, Puchbcrg und -Weidllingau abg-espielt haben, unter allen Unrstäudeu verhindert wc-rde. Die Gendarmerie ist anzu-weisen, gegen jene-Personen, die bei derartigen Anlassen mit Mästen angetrosten werden, die S trafan>;ei ge zu erstatten und ihnen die W affe n abzunehme n. Die niedsvösterreichische Landesregierung fordert bor der Postidivektion, daß dem unhaltbaren Zustand im Telephonwesen ' Niederösterreichs durch Schaffung von Dauerverbinidungen wahrend der Zeit, in der der Telephonverkchr abgoschalte^ wird, endlich ein E n d e bereitet wird. Hakenkreuzlerifche Studenten überfallen Frauen. Aus München wird berichtet: Wie die ,Allgemeine Zeitung" meldet, kam'es in WüMurg im Anschluß'an eine FrauentagmH der demokvatvschen Partei zu schweren Ausschreitungen. Mehrere demokratische Fvtvuen, die mit dem schwarz-rot-goldenen Abzeichen durch die Stadt gingen wurden von Studenten Überfällen und mit einer Ditriollösung übev I schüttet. Einige demokratische Frauen haben schwere Aetzlwunden davong-etragen. Auch die Kleider wuMn von der Säure, zerfressen. Die Täter sind entkommen. wesentliche VcrbLsscrung int Vergleiche zur Situation ain >' 8. Mai. „Berschickdenen Informationen zufolge"— schließt ber. Berich: wörtlich —, „soll diese Besserung auf Effekte n'käuse d es Auslandes Aurück^ufühvew sein, was ein Beweis für das Vertrauen wäre,'das M" auslÄndstchen/ Finanzkreise auch heute in die Zukunft Oesterreichs setzen." * gemeinan Abbau siür separater Abbau bei -der Post durchgeführt-worden fei, dLr' den bei den anderen Bundesbetrieben dnrchgeführten wcki't übersteigt. Der 'Postbetrieb von Wien gelte als wuftergiMg und werde von Ausilamdern, die zu diesem Zwecke nach Wen'kommen, studiert. Der Poftbctrieb verfüge jetzt über eine größere Zähl vm Autos, die die Poftverwaltung angekaust habe. " ' Wie wir vernehmen, beabsichtigt Genemlko-mmissär Dr. Zimmer ni a n, eine ausländische Persönlichkeit als- Fachmann nach Wien zu berufen, 'der das ö 'st e rre-ichifche Post-, Telegraphenun'd Tele- «p h o n w e f e n begutachten und entsprechende Vorschläge für Ersparungen und Verbesserungen machen soll. ' Wie aus der Umgebung des Generalko mm i ssä r s mitgeterlt wird, haMe es sich nicht, um die Bestellung eines stäMgen Beraters. Der Berater werde sich nur einige Wochen in Wien aufhalten und untersuchen, ob Ersparulngen mögllich seien? Er werde mit den Arbeitervertretern und der Div/ktion Besprechungen abhalten und sodann seinen Bericht cm den Völkerbund erstatten. In der G e n e r a l d i r e k t i o n für P o st w e s e tt. wird erklärt, mau verstehe nicht, zu >welchem Zwecke der Berater Häher geschickt werde, da bereits ver dem all- Die Oeffentlichkeit wird die Mchvicht mit 'der bangen Frage mch dem Wirkungskreis des Beraters anfnehmen. Mrd er nur die Kassengsbavung oder auch,; was sich jeder Oestervcicher wünscht, die Organisation des Betriebes prüfen?' Den Abbau bei dev Postvevwaliung in Ehren, aber wo ist eigentlich, abgebcvut.worden? Die Briefe kommen unpünktlich an, das Telephon, funktioniert entsetzlich. Es scheint, daß man die Zahl der arbeitenden Organe verringert und die der Hofväte unangetastet gelassen hat. Die Autos im Postbotrieb wollen wir loben, aber' weshalb trotzdem ein Brief von der Brigittenau nach Rudolfsheim zwei Tage braucht, ist durch die Vermehrung der Autos noch nicht genügend geklärt. Auch die Institution der Rohrpost scheint nicht gänz auf der Höhe zu -stehen; hin und wieder kommt nämlich ein Brief zeitgerecht an. Ein Telegramm zu einer Trauung trifft zum Begräbnis der Adressaten gerade noch rechtzeitig ein. Von dem. Pvstanweisungsverkehr fei ^barmherzig geschwiegen. Es ist zu 'wünschen, daß der Herr Berater sich auch um diese Dinge kümmere. - , warfen neues Licht ans diese Entdeckungen, denn sie erzählten, daß das ganze Land zwischen dem Niger und dem Mee-r als eine Insel angesehen werde, die einst zwei Götter schufen. Damit brachte dann Fröbenius die Erzählung Platos in Zusammenhang, die Insel Atlantis fei borti -Mieeresgott Poseidon geschaffen worden. Da die Phönizier unter Hann-o Afrika unrsegelten, so könnten sie siHr Wohl die Kunde von der alten Atlantis nach dem Kultnrgebiet des westlichen Mittelmeeres gebracht haben. Eine weitere Bestätigung süv seine Gleichsetzuug dieses Gebietes mit der sagelüumwobenen Atcklantis fand der hypothesenreiche Forscher in dem Köpf-' aufsatz des Olokuu-Diadems, das an der Spitze der Knospe und unten eilte Rosette anfweist, ganz so wie die ältphön'izt« schen Masken, die im Museum von Cagliari auf Sardinien und im Pradömuftum in Tunis aufbewahrt werden. Schließlich spielte in der von Fröbenius entdeckte^ Stadt auch das Glas eine große Rolle, dessen Erfindung bekcnrtttlich den Phöniziern zugeschriöbell wird. . Der erste Ents-u.sicisnllls des Entdeckers wurde allerdlrigs nach exockter Prüfung gedäurpft. Viole'Behauptungen zerflossen in ein Nichts; so die Berührung öder auch nur der ernsthafte Vergleich mit der Plastik der Äviechen. Aber mag auch die Hypothese von Frö'bettius recht schwankend sein, so hat er doch auf die Kunst der Neger mit großer Entschiedenheit hingewiefen und Europa eine Quelle künstlerischer Anschauung geboten, die dann später immer reicher und kräftiger floß. Schon ist nwm Nicht nur datM, diese Kunst für die breitere Behandlung im Rahmen einer Entwicklungsgeschichte von der Prahiftovik bis zur begitlnendeu Klassik nützbar zu machen, sondern man ist bereits imstande, die einzeliten Kirnstprovittzen van einander zu unterscheiiden, iicdem der mehr höfischen Kunst des Jorubag,ebietes die bäuerliche aus dem Groslande von Kamerun entgeger-.gestellt wird, während man die reinsten Erzeugnisse der Negerkpesst bei den Bantu des Kougo- 'beckens antrifft. ' Der geniale Graf Gobineau hat doch ganz und gar Nichts Widersinniges mit feiner Aeußerung behauptet, daß künstlerische Begabung auf die Neger zurückginge. Nachbarn der Neger sind im Nord osten die hamitischen Aethiopier, von demn der griechische Geschichtsschreiber Diobos erzählt, sie seien das gebildetste Voll der Erde gewesen und von ihnen hatten die Aegypter ihre Hieroglyphen, gelernt. Den Gedanken einer hohen frühaftl-kanischen Kultur stimmt dann der vielgereiste und auch vialbelesene Albrecht Wrrth in seinen ideenvelchen Büchern auf und meint, daß der Äuslänfer dtefer Kultur Aegypten gewesen sei. Das übervaschendste Resultat aber ergibt es, wenn man in Kreta di« Btücke von Afrika nach dein prähistorischen Europa erblickt. Schon langst ist die ganze Höhlenkultnr Südwesteuropas, als deren Haupt- Mtren die Dordogice und die Grotte von Ältamira erscheinen, einsam wie „ein. Kind ohne Mutter, eine Mutter ohne Kind" dagestawden, denn sie tveist auf ein höheres Alter als die bordevasiatifche Kultur hiu. Nun zeigt sich deutlicher eine kaum -zufällige Aehulichkeit in den Orua-L menten des prähistorilschen Aegyptens mit solcher! in Kreta,» Südrußland, auf dev BaWnhalbiUsel; andererseits finden sich auf der Insel Malta und Süditalien Schönheitsideale, "die an die Körpergestalt zahlreicher Nogergrupperr erinnern und schließlich sind es ganz ernste Forscher, wie der Italieuer Sevgi, die takienisches Glut für ganz Europa behaupten, ivähvend sich auch in Europa zahlreiche Ortsnamen finden, die -sich am leichtesten aus dem Durchzug von Afrikanern erklären. Zumindest aber haben schon in der Urzeit Beziehungen zwischen Afrika und selbst Mitteleuropa bestünden, denn Menbein aus prähistorischer Zeit bei Speyer gefunden, in der gleichen Gegend ausgegrabene SPondhlnsmuscheln, wie sie nur im Indischen Ozean Vorkommen, sprechen eine unwiderlegliche Sprache.

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