Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1939 (9.7.1924)
- Date
- 1924-07-09
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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l'Sskietz "•nT^in^cr m% MMoH Wiener Mor^eirzeiinns. 2/Juli '1924 Nr. 1SL9 Bühne und Kunft. Ae Krise der RenaiffamebAne. Kündigung des Ensem-les. — Der Bühnenvere-in gegen Direktor Dr. Rodert. Bekanntlich ist die Konzession des Direktors Dr. Robert zum Betrieb der Renaissancebühne am 30. Juni -dieses Jahres abgelaufen. Dem Ansuchen Dr. Roberts um Erneuerung hat der Bürgermeister als Landeshauptmann mangels persönlicher Aus-nützung dieser Konzession durch längere Zeit keine Folge gegeben. Direktor Robert richtete nun an sämtliche Mitglieder der Renaissancebühne einen Brief des Inhaltes, daß im Sinne des § 35 des Schcmspielergesehes die Schließung des Theaters eingetreten sei und -daß dies die Folge habe, daß die mit sämtlichen Bühnenangestellten geschlossenen Verträge am A. Juli dieses Jahres don selbst ausgelöst sind. Hierzu teilt der Bühnenverein mit, diese Maßnahme des Dr. Robert sei in der Absicht erfolgt, auf die Betriebsräte einen Druck auszuüben, bei den Behörden zu seinen Gunsten zu intervenieren und eine Zurücknahme der Konzossionsverweigerung zu erwirken. Der Standpunkt des Direktors Robert sei juristisch vollkommen unhaltbar. Da es sich weder um Schließung durch E l e m e n t a r e r e i g n is s e, noch um eine behördliche Schließung ohne Verschulden des Unternehmers handelt, sei die Berufung mü § 35 des Schauspielergesetzes hinfällig. monate auf l.» Grad erkalten zu können. Unter dem Trakt, der sich gegen die Josefstädterstratze hinzieht, befinden sich große Kellerrmrme, durch die kalte Luft-hindurchgetrieben wird; sie wird mittels eines künstlichen Regens erzeugt. Ihre Reinigung erfolgt durch einen Filterapparat, so daß auch der hygienische Gesichtspunkt erwogen worden ist. Keine Schwierigkeiten im Theater in Ser SofefiteM. - Die Direktion des Theaters in der Josesstadt versendet eine Zuschrift, worin sie mit Bezug aus die Mitteilung eines Blattes es als unwahr bezeichnet, daß den Schauspielern dieses Theaters die Gagen unpünktlich oder in Raten bezahlt werden. Es werden im Gegenteil a conto- Zahlungen und Vorschüsse gewährt. Das Schauspielervorschußkonto betrage jetzt 326 Millionen. Die Lieferanten werden rechtzeitig bezahlt, auch sei es nicht richtig, daß Reinhard! einen Geldgeber für seinen Betrieb habe und diesem lein Budget vorgelegt habe. Es könne auch keine Rede von einer Ueberschreitimg des Budgets um zebn Milliarden und einer daraus resultierenden „Revision der Gebarung durch, die Geldgeber" sein. Es liege augenscheinlich eine Verwechslung mit den Ausgaben für den Bau des Theaters vor, womit Reinhardt nicht das geringste zu tun habe. Unstimmigkeiten zwischen dem Bauherrn der Wiener Schauspielhaus-A.-G. ’ und dem Baumeister gehen den Direktor nichts an. Schließlich meint die Direktion, man könne sich persönlich davon überzeugen, daß die kaufmännische Führung der Bühne es bisher noch nicht gestattet habe, daß der allgemein geübte und bekannte Unfug der ermäßigten Karten auch im Theater der Josesstadt Platz greife. m Heute, r r e Aus den Theatern. Ä $ 8 11 6 r “ 11" < r? Ä l o ß t l> e a t e r. 7,8 Uhr abends, „Unsere kleine Frau". V o l k s o p e r. Heute „Der lustige K Morgen „Troubadour". K amm ers p ie l e. Heute. 7,8 Uhr abends, findet die Premrere des einaktigen Schwankes „Bei L e o n r e i st w a s l o s" von Georges F e y d e a u, deutsch bon Fritz Bondy, statt. Vorder Egon Erwin K i s ck' Groteske -D i e Himmelfahrt d e r G a l g e n t o n i". Zusnätkommende können erst noch dem ersten Stück zu ibrrn 'Sitzen gelangen. Um 10 Uhr abends „Was F r a u e n t r ä u m e n" Im T h e a t e r l n d e r I o s e f st a S t sind folgende Neuauffuhrimgen in Vorbereitung: „M u t t e r l i e b e" Schausviel von Strindberg; „Die S v t e l e r", 'Lustspiel von G o g o l; „Ein tz e i r a t s a n t r a g", Lustspiel von Tschechow. Jm'Keuen WienerStadttheater gelangt Samstag den 12. d. dir Wiener Posse „Amor i m K i n o" von Karl K n e i d i n g e r und Heinz O r t n e r zur Erstaufführung. Die E x l - B ü h n e bringt im Raimund- Theater am Freitag den 11. d. die Komödie „Hahn im D v rf von Hermann Kienzl zur ersten Aufführung. EanItheat e r. Heute und morgen, 7-8 Uhr abends A n d r e i e w s Tragödie „Die siebenGehangte n"' Freitag den 11. d. bringt das atnerikanisch-jndlsche Kunsttheater- Schalom A l e l ch e m s Komödie „Schwer z u s e i n e i n I u d e s e i n" zur ersten Aufführung. „ ,ModernesTheater. Heute und morgen „Pariser ev * Jreckag beginnt das tschechische Nationaltheater sein Gastspiel mit Bernhard S h a w e s „P y g m a l i o u" mit Sedlackowa tn der weiblichen Hauptrolle. Josefstädter Theater. Zugunsten der Hiuterblieben-m der rsrunaluckten Bergarbeiter von Gloggnitz fand als WotMsialeitsvor,tellung eme Aufführung der Komödie von Karl V o l lm o l l e r O n k e l ch e n hat geträumt" statt, in der Frau Herta Hagen zum ersten Male die Rolle der Manie Alexandrowna verkörperte. Sie stellte mit reifer Kunst eine lebtnsgierige Kupplerin auf die Bühne, deren anrüchiges Metier doch nicht das Muttergefühl abtöten konnte. Der Beifall, den die gelungene Vorstellung fand, war auch an diesem Abend sehr stark- S"te£.inöl?0iusic Architekturausstellung in Paris. Für -das nächste <zahr, das Jahr der großen Kunstgewerbeausstellung, rüstet Paris auch zu, emer Internationalen Architekturausstellung. Sie wird von April bis September dauern und will sich ganz auf die uepe Baukunst beschränken unter Ausschluß aller Werke in geschichtlicher oder der geschichtlichen nachgeahmten Formgebung. Die. neuen Ventilat!onsanlaa«n der Reinhardt-Mhne. Max N e t n h a r d t, dem die Bühnentechnek die mannigfachsten Errungenschaften verdankt, hat eine sinnvolle Neuerung erdacht, um die Temperatur im Zuschauerraum während der Sommer- Gerichtssaal. kin Verteidiger gegen das Landesverichts- - -rSWnm. Die Unbefangenheit des Landesgerichtes wird bezweifelt. Beim Oberlandesgericht hat sich dieser Tage der merkwürdige Falt ereignet, daß ein Verteidiger das Wiener Land esgericht ab lehnte und um Delegierung eines anderen Gerichtes ersuchte, weil das Landesgerichtspräsidium über den anhängigen Straffall eine den Tatsachen widersprechende Dar sie I l u n g veröffentlicht habe. Der Wiener Kaufmann Max Pichler wurde infolge einer Strafanzeige eines Zivilprozeßgegners wegen Flucht» gesahr verhaftet und dem Landesgericht eingeliefert, obwohl er vorher selbst im Landesgericht erschienen war und sich wiederholt an der Suche seines mehrere Tage lang unauffindbar gewe-senen Strafaktes beteiligte. Die Untersuchungshaft wurde durch das O'berlandesgericht aufgehoben. Nun hat der Rechtsanwalt Dr. Eduard Birustein als Verteidiger Pichlers dem Oberlandesgerich: in einer Eingabe bekanntgegeben, daß das Landes gerich tspräsidi um über den Fall Pichler in Zwei Tageszeitungen eine der Akterlage widersprechende Darstellung veröffentlicht habe, die sich lediglich als Versuch darstelle, den Aushebungsbeschluß in der Oefsen-lichkeit zu beschönigen. Das Landesgerichtspräsidium bezeichne es in seiner Note vor allem als unwahr, daß gegen Max Pichler ein Steckbrief erlassen wurde. Nun sei ober in den Zeitmigsmeldrmgen nicht mit einem Worte behauptet worden, daß ein Steckbrief gegen Pichler erlassen wurde, das Landesacrichtspräsidium berichtige somit etwas, was gar nicht behauptet wurde. Schon dies müsse im höchsten Grade Bedenken erregen. Weiters werde es in der Darlegung des Landesgerichtspräsidiums als unwahr bezeichnet, daß der Akt verschwunden war. Demgegenüber brauche sich die Verteidigung bloß auf die betreffenden Beamten zu berufen, welche bestätigen werden, daß sowohl der Anwalt als auch Mox Pichler selbst an mehreren Tagen stundenlang dem Akte nachgingen. „Es mag vielleicht," heißt es in der Eingabe, „für ein Amt unangenehm sein, wenn Akten verschwinden, ober das Präsidium des Landesgerichtes genötigt^ derartige' Verstöße abzustellen, statt sie zu beschönigen oder in Abrede zu stellen." Aus dieser und anderen Darstellungen der offiziellen Note des Landesgerichtspräsidiums müsse daher die Verteidigung die entsprechenden Konsequenzen ab leiten, denn es sei keineswegs gleichgültig, wenn seitens des Gerichtes, welches zur Aburteilung über diesen Strafsall berufen ist, durch' eine derartige Darstellung dos Falles Stellung genommen wird. Es werde daher, da an der Unbefangenheit des Landesgerichtes Zweifel zu hegen seien, der Antrag gestellt, dem Wiener Landesgecicht die für den 12. Juli an ge ordnete Verhandlung abzunehmen und rin anderes Gericht im Wiener Oberlandesgerichtsiprengel ,-nr Durchführung der Verhandlung zu delegieren. Dem Ausgang dieses Konflikts zwischen Verteidigung und Landesgerichtspräsidium kann mit Interesse entgegengefehen werden. Bestrsslmg einer antisemitische« Feiglings. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte fand, wie I. T. A berichtet, eine Verhandlung gegen, den Redakteur der Zeitunx „Bayrisches Vaterland", Hans. S chm idt, statt, der berichte! hatte, Herr Dr. Brodnitz dom Zentralverein, deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens hätte in einer Versammlung behauptet, „Deutschland müßte a-uch in der künftigen Generation unter jüdischer Macht bleiben." Das Gericht verurteilt! den zur Verhandlung nicht erschienenen Angeklagten zu 500 Govdmark Geldstrafe oder 25 Tagen Arrest. 136 Brotlaibe monatlich als Alimentation für eine Opernsänzerin. Der Perchtolidsdorfer Arzt Dr. P. und seim Gattin, die Opernsängerin Antonie P , hatten anläßlich ihrer einverständliHen Scheidung im Juni 1922 mit Notariotsakt vereinbart, daß das Ausmaß der monatlichen Alimentation für die geschiedene Gattin nach dem jeweiligen Brotpreis, und zwar nach dem Preise für monatlich 136 Br-otlaibe, bestimmt werde. Zur Zeit des Vertragsabschlusses betrug der Preis für einen La-ib Brot 60 0 K. Als nun dieser Preis bis auf 60 0 0 K ro n eu pro Laib gestiegen war, brachte die Frau gegenihren Gatten, der sich darauf berief, daß sein Einkommen nicht gleichen Schritt mit der Erhöhung der Brotpreise hielt, be-im Bezirksgericht Liesing mne Klage auf Bezahlung einer Alimente-, tion von monatlich 136 Laib Brot je 6000 K., d. t. viertel-ähr-' lich 2,448.000 K., ein. Das Bezirksgericht gab diesem Klagebegehren Folge, weil das ärztliche Einkommen der Gement- Wertung entsprechend gestiegen sei. Dies wurde in der Berufungsvechandlung vor dem Zidillandesgericht von dem Angeflagtcntoertreter ’ bestritten. Der Geklagte beziehe als Gemeindearzt von Perchtoldsdorf einen geringfügigen Monatsgehalt und'sein Einkommen aus der Prrvatpraxis sei-lange nicht in dem Maße gestiegen wie der Brotpreis. Der Berusungssenat gab der Berufung keine Folge und bestängte das ersteichterliche Urteil mit der Gmschränkuua, daß die Alimente in der e ingoklagten Höhe erst für die Zeit nach der -Aaaeeinbringung zu leisten seien. In der Begründung wird hervorgehoben, nicht nur das Brot, sondern sämtliche Waren seien' in gleichem Maße im Preise gesti-eoen, wie denn auch der Gesamtindex sich in gleichem Matze erhöht habe. Die Erhöhung des Einkommens des Arztes in der Nähe von Wien müsse als eine solche angenommen werden, daß er diese Alimente leisten könne. Die hakenkreuzlerische Frau Barchelis. Vor dem Landcsgerichtsrat Dr. Arie trat gestern der Reisende Markus G u t h als Privattläger gegen die Private Franziska Barchslis auf. Der Kläger, der seit drei Jahren mit seiner Familie als Untermieter ein Zimmer Lei Frau Barchelis bewohnt, hat seiner Angabe nach ein wahres Martyrium seitens der Angeklagten auszustehen. Wie der Richter konstatierte, fanden zwischen den Eheleuten Guth und' Frau Barchelis eine Reihe von Zivil- und Strafprozessen statt. Die Angeklagte hatte wiederholt ihre Untermieter in gröblichster Werse beschimpft, und sie aus verschiedene Weise schikaniert, um ihnen die Wohnung zu verekeln. Vor einiger Zeit hatte Iran Barchelis bei Gericht das feierliche Versprechen abgegeben, ihre Untermieter nicht mel)r zu beleidigen. Dieses Versprechen wnrde jedoch seitens der Frau Barchelis nicht eingchalten. Kürzlich veranstaltete sie, nach Inhalt der von Herrn Markus Guth überreichten Klage, einen Schimpfexzeß, der im ganzen Hause Llussehen erregte.' Die Angeklagte soll den Kläger unter anderem zu,gerufen haben: Sie Schieber, Sie Saufude, gehen S'ie in Ihre Heimat nach Lemberg zurück! Vor Gericht erklärte die Angeklagte, eiwe. 63jährige, wegen Ehrenbeleidigung wiederholt vorbestrafte Frau, daß sie an, dem in der Klage genannten Tag mit keinem Wort den Kläger beschimpft habe, daß sie die Eheleute Guth in keiner Weise schikaniere, daß vielmehr letztere ihr selbst keine Ruhe geben. Die Frau des Privatklägers bestätigte den Inhalt der Klage i.nd betonte, daß sie ein wahres Martyrium seitens der Angeklagten zu erdulden habe. Der Richter verurteilte schließlich die Angeklagte wegen Ehrenbeleidigung zu einer Woche Ar'r.est. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß die Angeklagte einen Hang zur Ehrabschneiderei habe, der auf Bosheit zurüüzuführen sei, und daß die Angeklagte ihre Untermieter durch Jahre hindurch geradezu gemartert habe. Lin Geschenk für unsere Abonnenten Die Verwaltung der „Wiener Morgeru«itung“ hat sich entschlossen, ihren Abonnenten _ die Möglichkeit zur kostenlosen Erwerbung des bedeutsamsten jüdischen Qeschichtswerkes „C3raatz, Geschichte dar Juden1* zu bieten. Diejenigen unserer Abonnenten, welche die Bezugsgebühr für ein Jahr im Vorhinein entrichten, erhalten als in 3 eleganten Geschenkbänden PRÄMIE: Graetz» Geschichte d@r Juden (Ladenpreis K 25 0.000). gratis! Mit Rücksicht auf die geringe Anzahl der vorhandenen Qeschenkwerke, empfiehlt es sich, die Bestellung auf ein Jahresabonnement ehestens vorzunehmen. Zugleich mit der Bestellung muss die Ueberweisung der für ein Jahr entfallenden Abonnementgebühr erfolge«. Diese beträgt: Für Oesten eich K 420.000. (Bei Postversendung des „Graetz“ sind überdies als Ersatz der Porto- und Verpackungsspesen K 15 000 zu zahlen.) für alle Auslandsstaaten das xwölffache der monatlichen Bezugsgeblihr zuzüglich K 25.000 für Porto und Verpackung in der Währung des betreffenden Landes. Unser Geschenkwerk „G raetz, Geschichte der Juden“ bildet nach Ausstattung und Inhalt die Zierde jeder Bibliothek. Diese bisher unübertroffene Darstellung des jüd. Geschichtsverlaufes gehört In die Hand eines jeden ludenI Verschleisser haben keinen Anspruch auf die Prämie. D!e Verwaltung der „Wiener Morsenzeitung“ i!.Taborsirasse 1—3, Telephon 44-0-38, 43-2* 29 mmmmm »WWW »» WW _ WMW mmm 'fyßz'r', ' ■AV5;v;.. i.,-'* : '"'>7 H,: erefe>limQiiK19 WI<N.I.AOlER(IAS,l •* «-.»/«r. K« 7iS2.fi-4