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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-09 · Heft 1939 (9.7.1924) · p. [Seite]

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1939 (9.7.1924)
Date
1924-07-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Das Buch der Zeit allgemein verehrte Oberhaupt der gesamten buddhistischen Macht der Mongolei, erweist sich als besonders gewandter und anpassungsfähiger Diplomat, dessen unermüdlicher Tätigkeit es gelingt, die Fäden aller Geschehnisse in seiner Hand zu behalten. Wer einen Blick in die Anfänge eines Geschehens im Osten werfen will, das vielleicht Umwälzungen bis zu den das Judentum interessierenden Gebiete hervorrufen kann, deren Größe und Bedeutung zu ermessen wir heute noch gar nicht in der Lage sind, lasse sich die Lektüre des Buches Filchner nicht entgehen. Dr. L. G. Dr. Leo Fuchs: „Die Juden Aegyptens in ptolemäischer und römischer Zeit.“ (Veröffentlichungen der Dr. A. S. Bettelheim Memorial Foundation.) 1924. M. Rath-Verlag, Wien. (XX, 157 S.) In dieser gewissenhaften und sorgfältigen, von dem Jungen Verlag vornehm ausgestatteten Schrift beleuchtet der Verfasser eine der schwierigsten, aber auch interessantesten Periode^ der jüdischen Geschichte. Bekanntlich bildete Aegypten schon vor der Zerstörung des zweiten Tempels eines der stärksten Judenzentren der Welt. Mit seiner Million Juden machte es schätzungsweise ungefähr ein Sechstel des Gesamtjudentums dieser Zeit aus. Seine Hauptstadt Alexandrien war die größte oder doch zweitgrößte Judengemeinde des römischen Imperiums. Die hellenistisch-jüdische Kultur, diese ganz eigenartige Erscheinung in der Geistesgeschichte der Menschheit, hatte dort ihren Sitz, und übte von dort aus zum großen Teile ihre welthistorische Wirkung. Mit dieser Periode , nun (von 317 v. Chr. bis auf Konstantin den Großen) beschäftigt sich der Verfasser mit eingehender Sachkenntnis. Die Geistesgeschichte wird bewußt nicht beleuchtet, weil sie — mit Recht'— „einer eigenen Behandlung bedarf“, und ohnedies schon verhältnismäßig am besten bearbeitet wurde. Dafür wird die politische und soziale Geschichte sowohl in den rein historischen, als auch systematischen Abschnitten über: die geographische Ausbreitung der Juden, die soziale Lage, die staatsrechtliche Stellung, Steuern, Sprache, Religon, sowie in den an das Namensverzeichnis sich knüpfenden Betrachtung nach den verschiedensten Seiten gründlich beleuchtet. Hiebei werden literarische Quellen, Inschriften, Papyri und die neuere Literatur, selbst Publikationen den letzten Monate, mit einem erstaunlichen Fleiß — doppelt erstaunlich^ da der Verfasser selbst seit seinem 11. Lebensjahre blind ist — herangezogen und systematisch verwertet. Allerdings würde die Behandlung dieser Fragen in größerem Zusammenhänge, zeitlich mit der früheren und späteren Geschichte der Juden, räumlich mit der zeitgenössischen hellenistischen und römischen Geschichte überhaupt, dem Huche einen noch größeren Wert verleihen. Doch wird auch derjenige, der mit den Ansichten des Verfassers selbst in grundlegenden Fragen (zum Beispiel der staatsrechtlichen Stellung und insbesondere der „deditlcliV, der damaligen Ausbreitung des Handels bei den Juden und dergleichen) nicht übereinstimmt, und dem .auch methodologisch — zum Beispiel die Unterbrechung der Darstellung durch Zusammenstellungen und Exkurse — manches nicht zusagt, die vorliegende Schrift auf das freudigste begrüßen. Sie bedeutet jedenfalls über Schürer, Bludau, Büchler und Juster — um nur die wichtigsten zu nennen — hinaus einen wissenschaftlichen Fortschritt, und ist vor allem das, was man leider nicht allzu häufig von Schriften jüdischer Autoren in der Wissenschaft des Judentums behaupten kann, sie ist: verläßlich. Ueberdies ist sie ganz gut geschrieben, daher auch nicht bloß dem Fachmann, sondern auch jedem Laien, der sich ernstlich mit einem 'solchen Problem beschäftigen will, zu empfehlen. _ S. Baron. Kraflt-Ebing: „Psychopathia sexualis.“ Eine .medizinisch-gerichtliche Studie für Aerzte und Juristen. 16. bis 17. vollständig umgearbeitete Auflage von Doktor Albert Moll. Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart. Die Neuauflage des „Standart-works“ Krafft-Ebings bedeutet trotz der anerkennenswerten Mühe, die der Bearbeiter aufwendete, eine empfindliche Enttäuschung für Aerzte, Juristen und Psychologen. Die neue Auflage brachte ein Dilemma: entweder man läßt das berühmte Werk unverändert, so wie es Krafft-Ebing zum letzten Male bearbeitet hat; sozusagen als Ausgabe letzter Stunde. Dann bedarf es nicht der Mitwirkung neuer Forscher. Oder man versucht, das Buch den Ergebnissen der neueren Forschung anzupassen und die wissenschaftlichen Resultate seit dem Tode Krafft-Ebings hinein zu verweben. Der Herausgeber Albert Moll, in Berlin hat prinzipiell gewählt. Er hat Krafft- Ebings Arbeit und Stoffsammlung im großen beibehalten und das Material, namentlich die klinischen und kriminalistischen Beispiele wesentlich vermehrt. Es ist klar, daß er auch die neueren Forschungen vielfach berücksichtigt hat und manche mehr .oder weniger weitgehende Umarbeitung vorgenommen hat. Trotzdem halten wir die neue Bearbeitung für verfehlt, weil sie die Forschungsergebnisse der Psychoanalyse, die auch für unser Verständnis sexueller Perversionen eine Umwälzung der wissenschaftlichen Ansichten gebracht haben, fast gar nicht berücksichtigt. Auch die reichhaltigste Beispielsammlung kann, wenn sie nur beschreibend ist, die seelische Entstehung und die Mechanismen der sexuellen5 Triebabirrungen nicht verständlich machen. Dies vermag nur die psychoanalytische Betrachtungsweise. Wo Moll gelegentlich Freud und seine Schüler zitiert, beweist, er eine ganz oberflächliche Kenntnis der Psychoanalyse, ihrer Voraussetzungen und Ziele, Die geringe Berücksichtigung der wesentlichen Bereicherung unserer Kenntnisse des normalen und pathologischen Licbeslebens, welche die Analyse gebracht hat, hat sich gerächt und mindert den Wert der Neuauflage des berühmten Werkes, das in der Geschichte der Sexualwissenschaften eine so bedeutende Rolle spielt. Theodor Reik. Die Technik des Geigenspieles. Unter diesem Titel bat Jultas Winkler die Früchte seiner jahrzehntelangen Erfahrungen als Geigenpädag'oge - gesammelt und. in zwei Bänden im Rilkola Verlag erscheinen lassen. Handh-alfomz udd Bogemtechnik, Stakkato und Triller, Doppelgriffe und Fingersatz werden von einem Fachmann für Laien erörtert und es gereicht dem Werkchen zum Lobe, daß es Prof. Arnold Ros6 mit den Worten würdigt: „Ich werde die ganze Geigenwelt auf dieses kostbare Bändchen aufmerksam machen.“ Die Prinzipien der Geiigenmetbodlik in einem Buche Ziu entwickeln, muß ja «gegenüber dem praktischen Unterricht immer Stückwerk hfl eiben, .gleichwie eine theoretische Anleitung des Schwimmeisters auf dem Trockenen; immerhin wird der praktische Geiger manche Anregung für sein Handwerk daraus gewinnen. — Ein im gleichen! Vertage erschienenes Bändchen des gleichen Autors „Ueher musikalische Harmonien“ mag denn1 in der Theorie ganz aahnungslosen Geigen,sdhüler gleich andeijn einschlägigen Lehrbüchern notdürftige Aufklärung ibrtngen. Es Ist ein harmonisches Laiienbreviier ohne den Ehrgeiz, sich durch dias Gestrüpp der modernen Harmonik mit all Ihren Irrwegen hindurchzukämpfen. flb. VON BÜCHERN, DICHTERN u. VERLEGERN Eine neue Anatole France-Ausgabe Der Münchner M u s a r i o n-Verlag, dem man manche wertvolle Ausgabe fremder Literatur in deutschem Gewände dankt, bringt „eben die gesammelten Schriften.von Anatole France heraus. Der Ausgabe, die sich durch ihren billigen Preis auszeichnet, ist ein guter Druck nachzurühmen. Eine erschwingliche Sammlung der Werke des Altmeisters französischer Erzählungskunst entspricht wohl einem wirklichen Bedürfnis und man kehrt von Zeit zu Zeit immer gern zu diesen Schöpfungen zurück, deren Kunst der Menschengestaltung und feinen Beobachtung, deren köstlichen Humor die Zeit nichts anzuhaben vermag. Die Uebersetzung haben verschiedene Autoren besorgt. Sie ist in den uns vorliegenden Bänden gut geraten, doch sind einige Ausstellungen nötig, doppelt nötig, da es sich um einsn Sprachmeister vom Range Anatole Frances handelt. (Unverstand mag sie als kleinliche Merker-Pedanterie ansehen!) „Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbe Jerome Coignard“, übersetzt von . Friedrich v. Oppeln- Bronskowskirin der trefflichen Uebersetzung fällt auf Seite 251 das häßliche „selbstredend“ unangenehm auf. Und in der gar nicht üblen-Uebertragung der köstlichen Novelle „Der dürre Kater“, besorgt von Irene v. CLutty, liest man auf Seite 273 in übelstem Deutsch: „nach rückwärts“ und Seite 279 gar: wegen einem jungen Mädchen“. Hoffentlich ermöglicht eine baldige Neuauflage die rasche Abstellung dieser Peinlichkeiten! A. F. Eduard Kapralik: „Michel Bliimelhuber, der Stahlschnlttmeister in Steyr.“ Mit 32 Abbild unigen und einem Bikinis des Künstil&rs. 1924. R i k o 1 a Verlag, Wien. — Es ist eine dankbare Aufgabe, das Wesen eines Künstlers aus der Oharakterff.eniein!Scih.a<fi mit dem Ursprungslands aufzuspüren und in ihm dis Kristallisation eines seit langem tätigen Scihafiensprazesses zu erbflicken. Wie selten aber kommt es vor, daß ein beifruchtender Boden mit dem Geist und Stoff einer Persönlichkeit üb er einstimmt, die aus jenem seine besten Kräfte gesogen hat! Dieser glückliche Fall tritt beim Stalhlschnittmeister Michel Blümelihuber in Steyr ein; mau kennt seine Kunst, «aus einem Stahlstück in spitzendem 'durchbrochener Arbeit «die köstlichsten Werke zü schaffen, die in ihrer stilistisch reinen Gestaltung an dk edeßsten GoIdschmiedearbenten erinnern. Bduiand Kapralik hat es unternommen, uns Blümelihulbers künstlerische Leistungen näherzubningen, uns zu zeigen, wie der Meister ailmdhtjg zur Voilplastik in Stahl, die bereits in den rein dekorativen Arbeiten angeideutet war, überging und. die Stablbildbauerei dem dekorativen Stahl schnitt übe-rord riete. Ka-praili'ks Buch greift aber über den Rahmen einer einfachen Monographie hinaus, indem er das Werk und die Persönlichkeit des merkwürdigen Künstlers als das Produkt der vom Mlilieu und Material gegebenen Voraussetzungen darstellt und dem Aufgehen der genialem Begabung nachspürt. Steyr—Eisen — Stabil, das sind die Elemente, auf die Blürndhubers technische u«nd stilistische Meisterschaft zurückgeht. 32 Abbildungen geben uns eine Vorstellung von des Künstlers einzigartigem Werk. o. r. NEUERSCHEINUNGEN Hans Ehrenberg: „Disputation.“ I. Fichte. 1923. Drei Masken-Verlag, München. . Albert Go e d e ckern eyer : „Kant und die geistige Lag« der Gegenwart.“ (Sonderdruck aus Immanuel Kant-Festschnitt.) Dieterichsohe Verlagsbuchhandlung. Leipzig. Hanns Günther: „Das, Radiobuch.“ (Eine Einführims- In die Wellentelegraphie und -Telephonie für Jedermann.] 1924. Franckhs Technischer Verlag Dreik & Co„ Stuttgart. Dr. Adolf Heidenhain : „J. J. Rousseau. Persönlichkeit, Philosophie und Psychose.“ (Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens.) 1924. Verlag J. F. Bergmann München. Prof. Dr. Julius Hochenegg: „Offener Brifef an die Wiener Aerztekämmer.“ 1924. Verlag von Holder- Pichler-Tempsky- A.-G., Wien. Norbert Jaques: „Heißes Land.“ (Eine Reise nach Brasilien.) 1924. Einhorn-Verlag, Dachau bei München. Ernst L i s s a u e r : „Gewalt.“ (Komödie in fünf Akten.) 1924. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart-Berlin-Leipzlg. „Mixtum Compositum.“ (Kleine Aufzeichnungen eines Arztes.) 1924. Amicus-Verlag, Budapest. R. A. Pfeifer: „Der Geisteskranke und sein Werk.41 1923. Verlag Alfred Kröner, Leipzig. Dr. Michael Ringel: „Antysemityzm w Polsce.*’ Warszawa 1924. Sklad Glowny. Wende i Ska (polnisch). Dr. Arnold Schihitz: „Unbekannte Skizzen und Entwürfe Beethovens.“ (Veröffentlichungen des Beethoven- Hauses ln Bonn.) 1924. Verlag Kurt Schroeder, Bonn. Dr. h. c. Freiherr v. S c li ö n a i c h : „Vom Chaos zum Aufbau!“ („Junge Republik,“ Heft 8.) Fackelreiter-Verlag, Werther bei Bielefeld. Julius Stettenheim: „Die Kanonen machten Bum Bum! nur lauter.“ (Wippchens letzte Kriegsberichte.) 1924. Verlag C. Stephenson, Wien-Leipzig. Die hier angeführten Bücher sind durch R. Lechnet (Wilh. Müller), Wien, Graben Nr. 31, zu berziehen. (Entgeltlich.) BÜCHERSTUBE RUTH & PRAGER WIEN, II. TABORSTRASSE 20A gute Literatur aus allen Wissensgebieten iji| Neuerscheinungen des hebräischen Büchermarktes, lljl jüdische und moderne Musik, Graphik | Jedes Buch frei sur Einsicht jiijiiiiiijijjiii I Zahlungserleichterungen I Reichhaltiges Antiquariat!li;j!!;il:j;!:!i Pf RFMI THI Papierfabriks- und L,L-rDl_/VlL/1 IL Verlags-Gesellschaft Zentralbureau: Wien, 1. Gränangergasse 2 Erzeugen alle Papiersorten, holzfreie und mittelfeine Kanzlei-,einseit.glatte Plakatpapiere,Pellüre,Löschpapiere, einseitig glatte Superlorsörten usw. AUS DER WERKSTATT DES BUCHES Die Großbuchbinderei F. Rolllnger, Wien. XII., Niederhofstraße 37—39, empfiehlt sich zur Anfertigung von modernen Verlagsbänden und Handbänden für Private und Vereinsbibliotheken. (Entgeltlich.) DER BÜCHERMARKT Eine wichtige Neuerscheinungl Hans von RSmscha: Der russische BürterRrlei und die russische Emigration 1917-1921 170 Selten / Mit 2 Karten und Tabellen / Holzfreies Papier Broschiert K 67.000, Ganzleinen K 92.000 DER BÜRGERKRIEG Die En tstehungder antibolschewistlschen Bewegung in Russland r“*r Bürgerkrieg im Süden, Ostes, Westen und Norden Degrosse Zusammenbruch der Fronten im Osten und Süden DIE EMIGRATION Die Entstehung der Emigration und der Emigrantenpresse Die Stellung der Emigration zum Bürgerkrieg Die Orientierung der Emigration Parteien und Koalitionen Die geistige Einstellung der Emigration Anmerkungen / Literaturverzeichnis / Personenregister / Zeittafel / Uebersiclitstabelle In allen Buchhandlungen vorrätig Verlag der frimannsrlieii eucMantflung (Walter Biedermann), Jena 1POPPER-LYNKEUS: Philosophie des Strafrechtes Aus dem Naclila«* hcrausvegeben von MARGIT ORNSTEIN Vorwort von JULIUS OFNER Broschiert K 24.000 - Gebunden K 36.000 Durch jede Buchhandlung! WELT-VERLAG, Berlin W 9 / In Wien: BENJAMIN HARZ Ein Sprühfeuer von Wiizi SAMMY GRONEMANNS TOHUWABOHU Pappband 5 Mark Leinenband 7 Mark BAUDOUIN Suggestion und Autosuggestion Das grundlegende Werk über das aktuelle Thema, von dem man überall spricht. Havelock Ellis nennt es „Seit Darwins .Entstehung der Arten* das aufwühlendste Buch“ Preis Mark 6.—, gebunden Mark 7.50 Im SIBYLLEN-VERLAG zu Dresden 7 7 n b HABEN SIE SCHON DIE GRAETZ PRÄMIE DER W»«MORGiNZEITUNG 7 7

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