Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1937 (7.7.1924)
- Date
- 1924-07-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. ", NlfW ®Ä65t» "KvtVKCf 33 . ^v1' E & i Krimi sttzM -et btt Mit schläfriger Grimasse Pie Jemrrvehr, die Aottzei, Kerr Areitner-ei de-AaD. Käs MSÜkttmbas sitzt z« Kau» Mit eiirem Waisse-Gewissen; Sehr traurig steht die Kßofe aus Auch hinter den Anrissen. Pie Hperette bringt nicht. ein, Heöü'n ssnb auch schon labe; Kenn aüs-ezoa'ne Wiigdet'tin GiVt's im JamitieuVab e. Kelöss Wardo örlrigt nicht aus der Hnh* Pie Knt^ durch MorbsesiEe; Kommt keiner, sperrt man schlief; kichzu, Es gißt halt Wrudefekte. Koch wer die Wiener Kühnen lenkt Kat's reicht, wenn man's betrachtet Pie Karten werden ansverfchenkt, Kas Kans, des wird Verpachtet! Wen trübe stimmt dann mit der Zeit per allgemeine Kater, per fliehe Ln die Kinfamkeit And gehe ins Küeater! AH Mrs schnorrt. Hören Sie mich an: Die verschiedenen Fusionspläne -wischen notleidend gewordenen Banken, die noch vor nicht allzulanger Zeit kaum diskutierbar gewesen wären, erinnern mich an den Kultusvorsteher einer oberungarischen Gemeinde, einen auf seine.Wirde stolzen Mann. Eines Tages überrascht «ihn fein einziger Sohn mit der Mitteilung, das; er in die Tochter des LandschNörrers Schlosrne sterblich verliebt sei und sie. heiraten wolle. Der Pater droht mit Enterbung, laßt sich jedoch, da der Junge gemütskrank wird, , von seiner Iran Überreden, beim Landschnorrer um die Hand von dessen Tochter anzuhalten. Schlojme Lan-dschnorrer zeigt sich aber durch diese Werbung durchaus nicht geehrt, .sondern lehnt sie ohne Ueberlegung ab. „Mir paßt. diese Mesalliance ganz'und gar nicht. Bei dem.ersten Streit -wird ihr Suhl', meiner Tochter vorwersen, daß sie die Tochter des LandschnorrerS Gchlojme ist. Ihr Sohn kann meine Tochter zur Frau haben, tvenn-Sie, lieber Herr Vorsteher, mit: mir. .eine Schnorrtour mitnmchen, dann werden sich die jungen Leute gegenseitig nichts vorzuwerfen haben". Der Kultusvorsteher hatte keinen anderen Ausweg, als auf die Bedingung einzügeyen und am nächsten Sonntag be- -verlangte diesmal nichts für sich, sondern für seine Tochter, die:er verheiraten wolle. Als sie auch die Stadt Trencsin mit Erfolg gebrandschatzt. hatten, schlug Schlostne Landschnorrer vor, für die Heimreise einen Wagen zu mieten. Da kam er aber bei dem Vorsteher, dem das 'Geschäft schon ganz gut gefiel,. schlecht än. ‘ „Was fällt Ihnen ein. Neb Schlojme," meinte er unwillig, „wir schnorren uns jetzt schon auf der anderen Seite den Weg bis nach Hause durch." ' Probleme. : - Ein Jude steigt in einen Eisenbahnzug ein. In: Coupe befanden sich / zwei. Hakenkreuzler. Um den Juden ftii sic* lästjgen. nehmen sie rechts und links von Hm Platz, dann beginnen sie: ‘ ' ,/Sag'. du Jud, was bist du: Ein Gauner, oder ein Dummkopf?" Darauf der Jude ruhig: „Wissen Sie, meine Herren, ich bin so zwischen beiden." ' Unsilaübttch, aber nicht wahr! In einer Mernversaminlung gab es neulich ein unliebsames'Ausschen: Eine der Mütter war ohne Bubcnkopf erschienen! . Ein Bankdivektvr . hat seine Villa vertäust, um die Gehaltsauszahlu'Ng au die Beamten sichertznstellen. Im Zentrum Wiens sollen einige Schillinge gesehen worden sein. Die Erhebungen sind im Zuge. Ein Wiener Geschäftsmann hat dieser Tage zwei Kunden gesehen. Sie fuhren in. der Straßenbahn vorüber, Ausländischen Meldungen zufolge fäll in Oesterreich eine große Waffe ne rMgttng betrieben werden. - Wie wir erfahren, bandelt es sich nichtum Gummiknüttel. In einem Sirandbad wurden jüngst einige Besucher festgestellt, die ins Wasser stiegen. ,U;, ■, ,, Kapital und Arbeit. .Trümpfe. ,MMch bin ich mit der Elektrischen von Grirtzing ttsch Hütt-Hors hinaus ohne Karte gefahren!" ,/DaS ist gar uichts. Ich hch' dem Schasfner eimnFah^ schein. derejneWoche alt W sie darch-geWickt und „danke" gssagt!" „Wer das ist noch alles nichts. Ich 'bin nach Schön« brunn hinausgefahren, Habenichts Mahltün!d et hat mir noch auf Wn-fzigtausend hcr-ausgogchen." < - - ' R-eminiszenH«n. Zwei Herren stehen vor der Näpfe und debattieren eifrig. Da kommt ein gemeinsamer Bekannter -deS Weges und beteiligt sich am Gespräche. Nach , einer Heile sagte er: „Geh'n wir,, üteine Herren.. waS steh'n wir denn da? Da haben Wit doch nichts verloren!" . . „Frozzeln Sie Ihre Urgroßmutter!" schreit ihn daraus der eine wütend an. 0«. Dialog: A. : „Du-warst doch bevor du. za Buß gesagt, ans die Börse gingst, StMnt. Erkläre mir, ich bitte dich, was bedeutet das „Kapital und Arbeit"? B. r ,,Dgs werde ich dir sofort erklären: Wenn ich mir zum Beispiel von dir eine halbe Million ausleihe, so ist das ein Kapital." , . . ' A.: „Ja, das weiß ich, eine halbe Million ist jetzt ein Kapital. Was ist aber Arbeit?" Westwpu. mich mahnen wirst, wirst du sehen, bis du ^. ‘bh r*“' Frank, Krone «wd Marl. Ein Schulbeispiel für gelungene Wührnngsstützu-ng bildet der französische Franken. Die in Balutaentwertu-ng erfahrene Spekulation Mens und Berlins — in Berlin waren natürlich auch Politische Momente maßgebend — sprengte die willig geglaubten Gerüchte aus, der französische Frauken müsse unbedingt unter 'das Niveau der Tschechenkrone, die selbstverständlich auch .daran komme, fallen und nicht nur die berufsmäßige Spekulation, sondern auch Industrie und. Handel in Oesterreich und Deutschland, übrigens auch an den anderen großen Börsenplätzen, glaubte nicht Klügeres tun zu können, als daß sie in Erwartung des FrankeurnÄganges außer den bekannten Transaktionen Kabel gegeu Paris, auch große Effektew¬ und. Warenkäufe in Frankreich Vornahmen, . um den vermeintlich sicheren Balntagewinn einzustreichen. Dem gegenüber zeigte aber die französische Bevölkerung außerordentliches Vertrauen in die eigene Währung, indem das Preisniveau nicht nennenswert stieg und auch von Katastrophenhaussen oder Flucht in Sachwerten keine Rede wür. Aber auch dir französische Regiemng bewies außerordentliche Geschicklichkeit; sie trieb zeitweise den Franken etwas itt die Höhe, fließ ihn einige Wlale wieder um so stärker fällen, und als beim Kurse von zirka 20 nach Schweizer Usance der Moment. g-ekomMen schien, wo die meisten Franreukonternlinenre fest saßen, begann die mit Morgan vereinbarte Intervention, indem in Zwischenräumen von je zehn Minuten an der Pariser Börse von einem bekarmtelt Pariser Bankier immer 10.lM Psiind zur Abgabe gelangten. ' Das UeberraschüngÄüovrent bewiMe naturgemäß einen panikartigen Rückgang der Devisen, da noch niemand den Hintergrund der Transaktion kannte; das Unternehmen gluckte so voMommen, daß die der französischen Regierung zur Verfügung gestellten Devisen, durch das Massenausbot an fremder Währung überdeckt waren. Natürlich hatte, wieder einmal Morgan einen Ricsengewinn erzielt, um so mehr als viel größere Mengen Franken konterminiert worden'Waran als es überhaupt an Banknoten gab. Die Nachfrage konnte nur zu sehr steigenden Kursen befriedigt werden, und als bei der Züricher Notiz von 39 der Höhepunkt erreicht erschien, wußte Morgan, der die Pläne dar französischen Regierung genaukannte, amen t g e g e ngesetzten Spi el eine u Reko r dgewinn zu erzielen. Daß die Stabilisierung von vorneherein bei einem Kurse von . 30 in Zürich geplant ^war, scheint festzustehen; natürlich ist hei einer derartigen Bewegung ein Exzeß nach oben nicht zu vermeiden, aber ein um den genannten Kurs sich bewegender Wert des Franken entspricht der inneren Kaustraft und scheint somit berechtigt. Derngegenüber muß man sich an die wollig entgegengesetzte Entwicklung der seinerzeitigen Jnterventionen für die ofte rreichtsch e Krone und die Reichsmark erinnern.,Im Juni 1920, als noch wlernaud aus dem PubMrm etwas Von derartigen Möglichkeiten wußte, begann auch der Kronenkurs in Zürich plötzlich rapid, Und zwar bis auf zirka 6 Franken, zu steigen; damals war. die Bewegung von KroneEufen in Zürich ausgegangen, hatte aber nach vorübergehender schwerer Schädigung der heimischen Wirtschaft nur den doppelten Nachteil erreicht, daß nicht nur die von der Regierung invsstierten Gelder verloren waren,-sondern eine noch wesentlich devschärfte Abwärtsbewegung begann und ununterbrochen- bis zum September 1922 dauerte. Das Änaboge konnte man auch ftt Dssntfchland beobachten, wo die von der Regierung abgegebenen Devisen sofort in die Taschen der bster informierten Großindustrie wanderten, ganz zu schweigen von den Verlusten, die das internationale Publikum an Palmmtark und ungarstchen Kronen erlitt, und das- Fasit der Betrachtung zeigt, daß eine Valuta, nur dann zugrunde-gehen kann, wenn das Vertrauen der eigenen BevöÜerUntz nicht mehr besieht, wie Ntau am deuAchstett in Oesterreich -sehtzn k-omüe, denn str unserer Inflationszeit wurden die Schweizer Mnikkurse dev ÄMe itfigfc iy iWich', sondern in Wien gemacht. -;'''■ . y! RE DAKTION Äer eMge KvLeg gege« Sir KrietztzoGer. / Sehr geehrte Redaktion! Der Bericht des Stadtrates Weber über Ke Tätig» feit des Wohnungsamtes und über das künftige Verhalten dieses Amtes im Jahre 1924 und 1936 enthält sicherlich manche erfreuliche FeststellUMN. So ganz besonders die Mitteilung, daß die Gemeinde Wien alle Kräfte anspannen will, um in möglichst kürzester Zeit möglichst viele Wohnungen herzu- ^.^ 'men zu lassen. Daß aus die „_ Ufe und auf ihre unnatürliche Verbindung mit den Hausbesitzern zu- .rückzuführen. Unangenehm wirkt und völlig undeLokratisch ist fedoch die Schlußbemerkung des Herrn Stadtrates Weber in seinem Berichte, der offenknndig auch eine Konzessionan die demagogischen'Drohungen der Wohnungslosen rst. Stadtrat Weber glaubt am Schlüsse seines Berichtes hervorheben zu müssen daß „nur jene Wohmrngsuchenden eine-Wohnung rn den Neubauten der Gemeinde erhalten können, die in Wien ist wirklich unfaßbar, warum die krregsfemdliche Wiener Sozialdemokratie, deren. hervorragender Exponent Stadtrat Weber.ist, mit solcher Verbissenhehit dett Krieg gegen die KriegSopf-er. als welche ja die Personen, die nach dem 1. August 1914 nach Wien getrieben wurden, zu gelten haben, führt und. wie es scheint, brs itt alle Ewigkeit zu führen entschlossen ist. Vom 2. August 1924 angefanzen -werden diese Kriegsopfer sukzessive ihre tzehntjährige Seßhasttgkeit und daher auch das Recht oer Einbürgerung in Wien erlangt haben. Nach -dieser Klausel werden sie trotzdem als Wohnungslose von der Wohnungsfürsorge ausgefchaltet bleiben. Es gibt aber auch sehr viele, die schon lange vor dem 1. August 1924 in Wien ansässig waren, durch Option ganz legal die Bundesbürgerlschaft erlangten, aber in Wien noch nicht heinratsberechtigt sind, weil die Regierung das schon lang fällige Gesetz über die Zuweisung der Heimatsberechtigung an dre Optanten nur deshalb noch wicht der Erledigung zugeführt hat, weil der Schacher zwischen den Parteien nicht vom Fleck 'kommt. Nach der Wckbevschen A-Usschließ'nngskkmßel kann, auch oen und wann endlich wird dem sonäldemokratrschen Wc nungsamt das Bewußtsein auffteigen, daß es eine. Schande ist, wenn eine demokratische Partei die Führerschaft in diesem Krieg gegen die Kriegsopfer ans sich nimmt? Ich will nur noch bemerken, daß ich peinlich von «den Drohungen des Stadtrates Weber nicht berührt werde. Mit bestem Dank für. die Keröfsentlichung dieser Zeilen .k •. * »Lahrgang 1923." , Netserliche Hausse im Sommeefrrfchen- ) AnWsemitrsmus. ' Geehrte Redaktion! Darf ich in Ihrem gefchatzten Matte eine Klage gegen Meine jüdischen Stammesbruder Vorbringen? Die Sache, die ich hier aufrollen möchte, berührt meines Erachtens die -Ehre und das Ansehen des Iudent-mns und die. „Wiener Morgenzeitmrg" hätte nach meiner Meirnung unter anderem die Änfgabs, äuWärend und vermÄtvlnd einzugreifen. Wie Sie wissen, hat die vor einvgen Monaten .getmssene Verfügung der de-uiischen Regierung, durch wessche die Ausreise aus Deutschland fast unmöglich 'gemacht wunde, aus die Sommerver^ Mieter in Oesterreich f-chr ernüchternd gewirN. Die Preise für Zimmer und Pensionsind plötzlich gesunken, wie wenn -es Winter wäre, un-d der Antifemitismus wurde gleichlfalls aufs Eis gelegt — für bessere Zeiten. Juden als Sommerfrischler waren seihst in jenen Orten ibegchrenswerte, gesuchte Artikel, in .denen noch kurz vorher die aotWche Naturschölcheit durch »s, wie ,/Juden unerwünscht" Vevunstaltet worden war. .. mnt nun uve-ine Klage gegen mome GtammeKbrüder. Ich kenne ihrer Viele, die sich dazu hergaben, als „ralerierte Kurgäste" ihr Geld in die antisemitischen SoMmer-frischen zu tragen. Uber wenn ich schadenfroh wäre, kiminte ich mich darüber freuen, daß diese! Juden ihren Mangeil an SWstachtung schon .fetzt schwer büßen. Denn die Christlichsoziallen und Großdenischen haben für ihre bedrängten Wähler alles aufgeboten, um bei der 'deutschen Regierung eine Milderung der iÄusrerseboschränkllngen bezüglich Oesterreichs idnrchWsetzen. Ms dies nun gelang, legten die ehrenwerten SoinMervermiieter PilöMch ihre Masken ab, die Preise schnellten wieder in die Höhe und der Antisemitismus in den Sommerfrischen hat wieder eine Hausse zu verzeichnen wie in den besten Zeiten. Die Vermieter, die ungeduldig waren und des Mammons wegen ihren Judenhaß verbargen., rächen sich jetzt an ihren jüdischen Parteien, denen sie das Leben in dch „ErholMg" uMvträglrch machen, um sie, da ja die Miete bereits IbeKaW ist, vorzeitig hinauchuekeln. : Aber nicht alle Juden, die so hereingefallen sind — nnd da komme ich auf die Aufgabe der „Wiener Morgenzeitung" — sind selbst schuld an ihrem Mißgriff. Es fchlt ein Wegweiser für selbstbewußte Juden, die es unter allen Umständen als .unter ihrer Würde betrachten, unter.dem Dach eines Menschen zu wohnen, der sich, sei es ans Kowsuniktur oder ans sogenannter Ueberzeugwng, jemals als Antisemit erklärt hat, und die nicht gewillt sind, Gemeinden oder Kurverwaltungen zu bereichern, die jemals einen judenausschlses^enden Beschluß erbracht haben. Die „Wiener Morgenzestnng" hat schon durch die Veröffentlichung von Einzelfällen nranchen vor dom Hrveinlsall 'bewahrt, aber diese Aktion mußte ganz gewacht werden. Ein in mehreren tausend Exemplaren, sei es,durch den Verlag der „Wiener Morgenzeitung" oder mit dessen Forderung, herz:fftellendes Verzeichnis anti,semitischer Sommerfrischen und Gommervernrieter. wäre ein dankenswertes Unternehmen imd würde sich überdies auch rerrtieren. Hochachtungsvoll Dr. M. F . .. . d. das Geld' it was Avbrtt ist!" 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