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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-07 · Heft 1937 (7.7.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1937 (7.7.1924)
Date
1924-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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•«P*S -»»>.7. /Mtr Z SB!*«, Montag' ■t NW." S§ mengchrochen am Bodeir lagen, ohne Währung, ohne Kredit, da Hai es uns Geld geborgr, mr uns die Garantie Mernommen. Es.haj mit uns die Bedingungen beraten,. wie die Anleihe zu verwenden sei und die Rück-, Zahlung zu erfolgen habe und der Pakt wurde abgeschlossen. Nun erfrecht sich Gens, die Einhaltung des Vertrages zu verlangen! Nieder um diesem unverschämten Genf, das nicht sofort gehorcht, wenn eine Versammlung von Telrphonarbcitern oder Wählern des Herrn Zerzatzek die Flüssigmachung von einigen Billionen verlangt. Und einen Kontrollor haben sie uns auch noch eingesetzt, den Zimmerman! Na, mit dem wird man rajch fett'g Tie Tageszeitungen und Witz' blätter haben ihn so behandelt, daß kein Hund mehr von ihm einen Bissen nimmt. Fort mit dem Zimmerman, so dröhnt der Ruf vonr roten Austerlitz bis zum weißen Kunscknk. Bon gewöhnlichen Sterblichen der-- langt man, daß sie Verträge einhalien, und wenn rhnev dies allzu schwer fällt, in gesitteter Art um Erleichterungen ersuchem Vom gewöhnliche': Sterblichen verlangt man auch, daß er sich gegen Helfer in der Not zumindest höflich benehme. Unsere politischen Führer sind zwar sterblich, und gewöhnlich sind sie auch, aber diese Gebote erkennen sie nicht an. Aus gewölbter Mdenbrust und klaffendem He'ldenmund dringt der dröhnende Heilruf: „Nieder mit Genf! Zimmerman raus!" Wenn in edler Beharrlichste it diese Politik des lauten Maules und der leeren Tasche. fortgesetzt wick, könnte es passieren, daß der fromme Wunsch erfüllt wird, daß Gens sich zurückzieht und Zimmerman geht. Was bleibt uns dann? Schr viel. Es bleiben uns die ßcitartiM der „Reichspost", der „Arbeüerzeitung", der „Roten Fahne", des „Abend", der „Christlichen Arbeiterpresse". Ferner Aefben uns die Herren-Otto Bauer, Ellenbogen, Kunschak und Ierzabek. Das sind lauter wirklich schöne Sachen, aber ich möchte den Fidschiinsulaner sehen, der uns darauf sechs Kaurimuscheln borgt, * , Es ist kein Wurcher, daß Herr Mussolini, der Eiserne, etwas aus der Fassung geraten und nervös geworden ist. Die Italiener, seine bis nun. so folgsamen Kinderchen, Dhren sich jetzt auch zu närrisch auf. Zwei Fahre haben sie es ruhig mit angesshen, wie der Eiserne und seine ehrenwerten Freunde allen widerspenstigen Volksgenossen die Schädel und Rippen einschlugen und ihre Häuser in Brand steckten. Man nannte das: Wiederherstellung der göttlichen Ordnung, SeWstbesinnung der großen Nation; und klatschte Beifall. Und nun wird alles rebellisch, wegen einer Kleinigkeit, wegen eines Nichts, wegen der harmlosen Autofahrl einiger intimster Mussolini-Freunde, bei welcher wirklich weiter nichts geschehen ist, als daß ein roter Verräter, Matteotti hieß der Kerl, stumm gemacht und eingeäscherj wurde. Der Teufel ist in die Bande gefahren. Sie verlangt Aufklärung des Falles, Gerichtsverhandlungen, Sühne, Gerechtigkeit, und wer weißwas für Blödsinn noch. Mussolini hat schon vier oder sechs glänzende Reden gehalten, den Fall nach drei Seiten hin beleuchtet und der Witwe kondoliert, und trotzdem brüllt bk Bande noch immer nach der Polizei. Einfach verriickt! Was soll Herr Mussolini tun? Die Freunde ansliefern? Geht nicht; sie wissen zu viel und sind allzu anhänglich. Noch unterm Galgen würden sie nach ihrem geliebten Mussolini schreien und erklären, daß sie sich ohne ihn nicht hängen lassen, würden verlangen, daß man ihnen den Herzensfreund mit auf den Weg ins Jenseits gebe und würden höchstwahrscheinlich für diese Forderung überzeugende und ausreichende Gründe Vorbringen. Es ist also kein Wunder, daß Herr Mussolini etwas nervös geworden ist. — Die Nervosität Mussolinis wäre an sich kein Unglück für die große Welt. Wenn sie nur nicht so ansteckend wäre. Ihre Uebertragungskrast reicht bis in die äußersten Winkel des Landes.. Auch die Soldaten an der Grenze sind irritiert und schießen aus purer Nervosität über die Grenze aus die Jugoslawen. So wnv uns berichtet. Diese von Mussolini auf die Gewehre iibertragene Nervosität ist allerdings nicht mehr ganz harmlos, sie gibt zu denken. Sie kann über Nacht ein kleines Ultimatum und dann einen größeren Krieg bringen. Böse-Zungen könnten behaupten, daß die Nervosität an der Grenze nicht von selbst, entstanden, sondern konunandirrt ist, konnten behaupten, daß Mussolini äußere Wirren schafft, um die inneren zu überwinden. Wenn die Italiener ihren heiligen Krieg bekommen, werden sie alle Lust verlieren, sich mit der Ermordung Matteottis und anderen Kleinigkeiten so gründlich und so lärmend zu befassen. In der Weltgeschichte soll so etwas schon einmal vorgekonnnen sein. Die Nervosität Mussolinis kann fqtal werden, fatal für Italien und fatal für die ganze Welt. Gott schenke dem lieben Herrn Mussolini seine Ruhe, auf daß es uns allen wohl ergehe auf Erden. Amen. ' Lir mnerikanische Priisldentsrhaftswvhl. New-Aork, 6. Juli. Nach der 77. Abstimmung, sie für Mac A d 0 0 513, für Smith 367 und für Da vis 75 Stimmen ergab, also - er ge b n i s to s ' geblieben ist, vertagte sich der Konvent! der demokratischen Partei auf Montag. IW SchWe. - Panik «nt« dm «vrstWvm. - Re Mer laufen davon. Familien mit kleinen Kindern besanden sich in unmittelbarer Nähe der Station, da oben ein Regen M gesetzt hvtte. Der Kassier des Republikanischen Schutzbundes Honzak forderte den Kommandanten dor Hakenkreuzler, den Mediziner Herbert Langer, auf, die hakenkreuzlertsche Parteifchne einzuziehen und mit seinen Leuten den Platz zu verlassen, da es sonst! leicht zu Reibereien kommen konnte. Nach der „Wacht am Rhein" sangen die Hakens krenzler ein Lied mit dem Refrain: "Zerschlagt die JudenrepuVlW!" Die Fahne wurde eingerollt, doch die Hakenkreuzler I.liefen ans Honzak zu rmd stachen mit Bajonetten und den Spitzen ihrer Stöcke auf ihn ein. Sie gingen zu« Sturmangriff gegen den Spielplatz vor. Plötzlich vernahm man eine ganze Anzahl von Schüssen. Man sah, wie etlva acht bis zehn Nationalsozialist e n R e v 0 l v e r in der Hand hielten. und blindlings in der Richtung zur B r Ü rk e f e n e r t e n. Insgesamt dürften gegen hundert Schüsse abgegeben worden sein. Es entstand eine furchtbare Panik, die Menge stob entsetzt auseinander, und man sah einige Personen niederstiirzen. Wenige Sekunden, nachdem die Revolver- Helden ihre Salven abgeseuert hatten, stürmten sie ans den Bahndamm und liefen größtenteils in der Richtung nach Wien davon." * ■ ' Wir sind neugierig, wieviele von den Verhafteten freigesprochen und wieviele nach dem Steinhof kommen werde«. Die Uebuirgen der Frontkämpfer. Samstag abends trafen in Korneüburg aus allen Richtungen Frontkämpfer in ihrer 'bekannten Adjustierung ein, die von den Korneuburger Frontkämpfern empfangen wurden. Die Angehörigen eines Wiener Frontkämpsevregimentes sammelten: sich, worauf dann Formationen in der Richtung gegen Obergänserndorf; «abmarschierten. Gegen 2 Uhr sickh Hamen die Frontkämpfer in OLergänserndors an, wo sie von der dortigen Frontkämpfer» truppe empfangen wurden. Die Geländeübungen leitete Oberst a. D. Hiltl. Vom leitenden Ausschuß nahmen Oberst a. D. Zeiß, Major a. D. Kopschitz und Offt* zierssiellvertreter d. R. Streit teil. Rach zweistündiger Rast fuhr das Regiment nach Wien, wo es Sonntag früh', um 7 Uhr, ankam. Di« Bataillone marschierten vom Nordbahnhof zum Schwarzenbergplatz, wo Oberst Zeiß eine kurze Ansprache hielt und sodann den Beschl zum Einrücken erteilte. In Klosterneuburg haben sich gestern bliusige 'Zusammenstöße ereignet, die nur durch die Nachsicht der Regierung gegenüber den HakenEveuzlern möglich waren, da sie den Nowosadiften gegenüber bisher die größte Duldsamkeit an den Tag legt. Die Vorfälle spielten sich ähnlich wie in Spillern ab. Die HnkenLreuzlev sHchtzeri. Gestern nachmittags kam es in Älosterneubrrrg-Krerling zu einem blutigen Zusammen st 0 tz zwischen Nationalsozialisten in der Stärke von ungefähr 100 Mann und Sozialdemokraten, die dort in einem Garten ein Sportfest veranstaltet hgtten. t Während des Sportfestes zogen die Nationalsozialisten mit zwei Fahnen, die daß Hakenkreuz trugen, unter der AbsiriMMg der „Wacht am Rhein" am Garten vorbei. Die Sozialdemokraten empfanden dies als Provokation und verlangten, daß die Fahnen eingerollt werden sollten. Dieser Aufforderung wurde Folge geleistet, doch kam es weiterhin zu einer Schlägerei, in denen Verlaus eine Anzahl von Schüssen abgeseuert wurden, durch die, soweit sestftbht, vier Personen anscheinend schwere Verletz ungen erlitten haben. Von den Verwundeten weist einer einen Kopfschutz, ein zweiter einen Bauchschutz, ein dritter einen Schutz in den Arm auf. Die Verletzten wurden in das Klosterneuburger Spital gebracht.!, Die Klucht der Helden. Nach der Schießerei flüchteten die Nationalsozialisten. Ein Teil von ihnen zog nach Klosterneuburg, wo sie von Sozialdemokraten blockiert wurden, fo daß die Gendarmerie Mühe hatte, einen zweiten blutigen Zusammenstoß zu verhindern. Die andere Gruppe der Nationalsozialisten flüchtete in der Richtung nach Men. Biele der Nationalsozialisten waven in Uniform. Von - : Augenzeugen des Vorfalles Wird' berichtet: „Die Schießerei spielte sich bei 8er Brücke über den Durchstichkaml ab, der von Hoflein nach Klosterneuburg führt, unmittelbar in der Nähe der Station. Es war ungefähr 10 Mimten vor 6 Uhr abends, zur Zeit, da der Kritzendorfer Bäderzug einlangen sollte. Ein großer Trupp Nationalsozialisten in Uniform wollte über die Brücke zur Station. Ans der Brücke hielten sich zahlreiche Arbeiter auf. Einige tausend Menschen, darunter viele ^r...szwtsaa Di- Finanzverwaltung hat, wie wir erfahren» soeben dü Herstellung von Halb schrll: iigen beschlossen. Mn der Ausprägung dieses neuen Geldstückes soll im August begonnen werden. Die erforderlichen Münzgüsse sind im Hauptmünzamt bereits in Angriff .genommen worden. Üeber das Aussehen der Münze selbst kann vorderhand nichts gesagt werden, weil noch kein Modell zur Ausführung fertiggestellt ist. Die Ausprägung der HalbMllinge tat Nennwert von $000 Kronen, erfolgt wir'beim Einschilling im Mischungs- 'derhälltnis von achthundert Dausendstel SiLöer und Hweihundert Tausendstel Kupfer; das Rauhgowicht des Halbschillings beträgt 3,5 Gramm, ein MiünHück enthM demnach 3,8 Gramm Feinsilber. <! ... An Emschillingen sind innerhalb von nicht ganz drei Monaten bis Anfang Juli zirka vier Millionen Stück ausgmünzt worden. Wie die Dinge freilich bisher stehen, Mrb Köhl der HaWfchilliirg 'leider genau, so wenig courante Münze sein wie der Schilling, sondern wiederin die Hamsterbeutol der biederen ÄanNevöWerung fließen.; - Kn Totschlag in Makrlng. " Am Samstag entstand in der Nauseagasse m Ottcv--. kring bei der Degeugafs-e eine Rauferei zwischen mehreren Männern, in deren Verlauf dev 27jährige Maschinenarbsiter Oskar Ha nah, Bachgasse 36, von dem Hilfsarbeiter Rudolf Cer mak, Nauseagasse 28, durch einen Messerstich in di« Brushfeite lebensgesährsich verletzt wurde. Eermcck selbst wurde wieder von dem Hikfsavbeiter Mois'N owak, Mruseagasse 18, durch einett Msfevstich in den NnterleD anscheinend leicht verletzt. Die Rettungsgesellschast wurde berufen rvnd ein starkes Wacheaufgebot war erforderlich, u-m die angesammelte Menge von einer Lynchjustiz zurückZu« halten. Beide Verletzten wurden verbunden und auf die 1. Unfallstation gebracht, wo Ho na h Sonntag >fruh seiner Verletzrnrg erlegen ist. W .g"W. i;g. , l...1 s. SWS ,'■■■11 T,' - ' Mir Mitteilmgen aus dem Publikum. Telepvon 51.198 Telspttoa 61.198 öernbarä 8ctiimmermänn 8»lon kür keine tterrenkleiläunx naett Mass Laufende Instandhaltung der Kuttdengarderobe WIEN, I. 1070* Oraben 29, Trattnerho! 2, Mezzanin 72-74 * lUckversttätspro-stssor Dr. Herzig gestarben. Samstag ist hier dev emeritierte Professor der Chemie an dev. Wiener Universität, Dr. Josef Herzig, im Alter von i7.0 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat durch 32 Jahrej ausschließlich in Wien gewirkt, wo er sich durch sein auö< gesprochenes Lehrtalens in seinem großen Schülerkreiftj der größten' Wertschätzung erfreute. Seine Wahl zum' korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wisset schäften m Wien und die Iuerkennung des Asben-Preisttz für Chemie im Jahre 1902 waren die Zeichen der W erEemmng, die sich in Berstochem durch -seine erfoikg» reiche Forscherarbeit auf allen Gebieten der Chemie er«' warb. Im Oktober 1923 trat et. in den Wcheftand. L 'P'. * Druzkustttut Hermann Brak«, 14. BG, Kreludr!"> | Wntgel

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