Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1936 (6.7.1924)
- Date
- 1924-07-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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s/,,'1 » i*'/«r:i'>,'frr**~fri . :«.- .verwert 9tv. *m Men, Sonntag tote auef) fo ütckr anderer Krankheiten, ist regelmäßiger Kttoholgenuß. ' >Jch habe hier einige der Tatsachen angeführt, die das Arankhertsbild und die Jnsulinkur des Diabetes liefern, und vm ldckber größtenteils der erschöpfenden^ Davsiellung gefolgt, dir Prof. Jsaäe aus Frankfurt a. M. in dem eben erschienenen Bwtd der. Rehl-EnztMopädie Veröffentlichte. Ein Gelehrter mit Namen Zuelzer hatte schon seit IM an^der Isolierung eines Antidiabetikums aus der Pankreasldrüse geariheibet- .würde aber durch die ungünstigen Umstäitde, die der Krieg mit sich brachte und zur Folge hatte, so sehr gehemmt, daß er.seine Untersuchungen erst im Jahre 1923 beenden konnte,'nachdem ihm die Forscher aus dem neutralett Ausland ein Jahr, früher die Früchte seiner Mühen durch ihre Priorität geschmälert hatten. Auch das Zuelzersche Präparat „Acomatol" hat sich bestens betoährt. Man sieht also, zur selben Zeit, als „erste Autoritäten" auf dem Kongreß für innere Medizin in' Wiesbaden im Jahre 1921 die Herstellung eines antidiabetischen Heilmittels für unmöglich hielten, waren die Arbeiten Zu diesem Zweck an zwei vollständig voneinander unabhängigen und ,räumlich weit getrennten Kliniken sehr weit gediehen. Es ergibt sich aus dieser historischen Tatsache klar und deutlich, daß keine Krankheit absolut unheilbar -ist, daß auch trotz nller gegenteiligen Versicherungen Mittel gegen die schwersten Le-iden. gesunden werden können. Wiener Morgenzeituns. e, ft«;*? im ©effe T .... Magebührr«. 'V?1 »et tm .^rklonalrat eingevr-ächten K a n s u l a r- Seouyren^owelle erhalt die Tarifpost 44 des allge- Konsukargebühvelltarifes folgenden Wortlaut: > sU'r die Vidie rung e ines Reisepasses tut» Geschadet der Bestimmungen des Grazer Paßübereiu- Eommens, 1. f ü r mehrere Einreisen, welche innerhalb eines Zeitraumes von 18 Monaten, vom Tage der Ausstellung des Sichtvermerkes an gerechnet, stvttfindell, 10 Goldkronen; 2. für e i n e e i n m a l i g e Einreise, dvdlche iinwHatb eines Zeitraumes von 12 Monaten, voni Tage der Ausstellung des Sichtvermerkes an gerechnet, stattfmdet, 5 K r o n e n; 3. für eine einmalige Di;^chr e i s e ' (Hin- oder Rückfahrt), welche innerhalb ÄneS Zeitraumes von 12 Monaten, vom Tage der Ausstellung des Sichtvermerkes cm gerechnet, stattfindet, 1 K. Für die Trauer der Gültigkeit der Beschlüsse der Pariser Verkehrs-, Paß- und ZMonferenz vom Oktober 1920 sowie des Grazer. Paßübereinkommens, tritt an die Stelle der erwähnten.Gebühren von 10 K. die Gebühr von 9,25 K. (10 Goldfranken), von Z K. die Gebühr von 4,76 K. (5 Goldfranken), von 1 K. die Gebühr von 0,952 Goldkronen (1 Goldfrauken). Die Äonsulargebühr.en für Sichtvermerke sind auch dann zu entrichten, wenn die Amtshandlung des Konsularamtes durch eine'.nach den jeweils geltenden.Vorschriften an ihre Stelle' treteitk Amtshandlung anderer Organe' oder durch eiE in diesen Vorschriften vorgesehene sonstige Einrichtung, ersetzt wird. Hinsichtlich Mr Aug«hörigen der Staaten, deren Konfularämter für die Vidie rung der Reisepässe österreichischer Staatsangehöriger höhere oder niedrigere Gebühren als Oesterreich einheben, kann die Visagebühr bis zu dem betreffenden höheren oder niedrigeren Betrage erhöht oder ermäßigt werden. Ob und inwieweit Minderbemittelte eine Ermäßigung oder Befreiung von den Visagebühreu zukommt, wird durch Verordnung bestimmt.- Berbessemng der Sch« ellzvgsverbindungen Wien-Berlin über Paffa«. Die deutschen Bahnverwalttrugeu haben österreichische Vertreter für den.'10. d. zu einer Besprechung über, eine Verbesserung . der Schnellzugsverbindnngen Wien—Passau— Leipzig—Berlin nach Nürnberg eingeladen. Da die österreichischen Bundesbahnen an der gesamten Streckenlänge Wien —Berlin auf dem Wege über Passau mit 296 Kilometer, an dem Wege , über Gmünd nur mit 164 Kilometer und über Lundenburg gar nur Mit 88 Kilometer beteiligt sind, ist es naheliegend, daß ' die österreichischen Bundesbahnen das größte Gewicht davairf hegen, den Verkehr über Passau.. möglichst zu verbessern. Die Meise Wien-^Berlin könnte Munden gekürzt werden, wenn die Aufenthalte in Passau auf 10 bis 50 Minuten heräbgemindert werden könuen. Der Fahrpreis der österreichischen Bundesbahnen für die Strecke Wien—Passau beträgt zum Beispiel für die zweite Klasse Schnellzug 220000 Kronen, für die. Strecke Wien—Gmünd 136.000 und für die Strecke Wien—Lundenburg gar nur 71.000 K. Es wird daher in der Konferenz,in. Nürnberg angestrebt werden, daß der Preis, der. durchgehenden direkten Foihvkartcn Wien—Beclrn über Passau'ermäßigt werde und die schon mit 1. ,Jnui diese- Jahres erheblich gekürzten Fahrzeiten Wien—Passau noch weiter gekürzt, werden. Das „Limauland" lehnt ab. Die Sektion Donauland des deutschen und österreichischen Alpenvereins HÄ..das' ihr zugenmtet« Kompromiß, sich zur Freude der Völkischen freiwillig aufzulösen, energisch zuvückgewiesen. Es macht für'die aus seiner Weigerung entstehenden Folgen die derzeitige Leitung des Alpenvereins verantwortlich. Bon Oberst Emil Seliger. Cs ist MeMüröig: Keiii Geringerer äls der Thronfolger Fi'äriz Ferdinand hat mich dem Thema näher gebracht. Das ü«r am 30. Jänner 1901 im Audienzsaal des Belvedere, als ich, damals Oberleutnant, mein erstes „Werk", die. Geschichte des Budapests Hansregiments Maria Theresia Nr. 32, überreichte. „Sind viele Juden im Regiment?" fragte der eher als Antisemit geltende Erzherzog. ,,Ungefähr zehn bis zwölf Prozent der Mütiuschäfff kcliftrliche Hoheit." — „Und wie machen ste sich?" — „Sie werden, weil sie Sie deutsche Sprache beherrschen, meist im Kanzleidrenst verwendet." — „Wie sind sie als Soldaten in«der Konrpagnie?" — „Biele von ihnen zeigen in der Einteilung allerdings eine traurige oder komische Figur. Andere wieder führen sich in jeder Art militärischer Ausbildung geradezu musterhaft. So ist beispielsweise der beste Schütze in meinet Kompüguie ein jüdischer Gefreiter." — „Gewiß," meinte der Erzherzog, der selbst ein europabekannter Meisterschütze war, „das stimmt. Auch ich habe beim Jnspizieruugsschießen in Brünn, einen jüdischen Zugsführer gesehen, der sich die goldene Uhr als ersten Preis erschoß: Der Mann hat sieb-enundzwanzigmal hintereiuander auf vierhundert Schritte die Drittelsigur getroffen! So was von Schießen habe ich überhaupt nur einmal noch am Berg J'sel bei dm Kaiserjägern gesehen." Konnte man nach der Diasporavom Judentum verlangen, dort, wo der Zwang seine Splitter zu leben nötigte, jeweilig vor allen anderen Berufen just den des Landsknechts oder Schweizers zu erstreben? Dennoch verzeichnen, was Wahrheitsliebe nach jeder Seite hin zugesteheu mutz, schon vor dem Weltkrieg mit seiner nicht kurzen Liste höchster Frontauszeichnungen für jüdische Soldaten, die Regimentsgeschichten der alten Armee gar manche von deren Vorgängern vollbrachte Heldentat ersten Ranges. Vor allem erinnere ich mich da eines pensionierten Husarenmajors v. Bardach, den ich noch anfangs der Neunzigeriahre persönlich gekannt habe, des ersten jüdischen Offiziers in der bis Königgrätz sehr konservativen österreichischen 3frmcc überhaupt. Seine Geschichte ist interessant. Das war im Sommer 1867, als Kaiser Franz Josef auf der Pratevwieje das 7. Husarenregiment inspizierte. Das-, scharfe Auge des obersten Kriegsherrn bemerkte in der Front sofort einen Mann, der als einziger unter der ausgerückten Mannschaft die goldene Tapferkeitsmedaille trug. Der Kaiser winkte den Oberst des Regiments zu sich und fragte, warum der Husar, der doch die höchste Auszeichnung im Kriege erkämpft hatte, nicht Offizier geworden, sei. „Majestät, weil er Jude ist," meldete gehorsamst der Oberst. — „Lassen Sie den Mann zu mir kommen." — Der Husar sprengt vor. — „Wie heißen Sie?" — „Husar Bardach, Eure Majestät." — „Wie haben Sie die „Goldene" erworben?" — „Im Gefecht bei Chlum habe ich die Regimentsstandarte zurückerobert." — Das Auge des Kaisers ruht auf dem Gesicht des einfachen Husaren: „Das war sehr brav." Dann legt der oberste Kriegsherr die weißbehandschuhte Rechte au den Kappenschirm und sagt: „Ich danke Ihnen, Herr Leutnant." Der neugebackene Leutnant wurde, eben weil er -auf so spontane Art befördert worden war, von den meist feudalen Offizieren des Regiments als gleichwert ausgenommen. Er avancierte später zum Rittmeister, mit der Zeit auch zum Titularmajor und wurde nach dreißig Dienstjahren in den Andelsstand mit dem Prädikat „Edler von Chlumbcrg" erhoben. In der Armee war dieser erste Stabsoffizier jüdischen Glaubens so angesehen, daß er beim Distanzritt der Offiziere zwischen Berlin mü> Wien mit dem Ehrenamt des Schiedsrichters betraut wurde. Ms Leutnant war ich eine Zeit lang dem ungarischen Regiment Nr . 26 zu geteilt. Kommandant war der Oberst Eduard Ritter v. Schweitzer, mit kohlschwarzem Bart, buschigen Brauen und gebogener Nase, ausgesprochen jüdischer Typus. Da nrals begann feie Aera Lueger und wir jungen Offiziere fühlten uns als stramme Arier. Bor dem Obersten Schweitzer allerdings wurde jeder ausnahmslos im Antisemitismus wankend, kannten wir doch seine Laufbahn. Im bos nischen Feldzug des Jahres 1878 hatte der jüdische Infanterist Schweitzer an der Spitze seines Schwarmes eine feindliche Stellung erstürmt, wodurch das Gefecht entschieden wurde. Er erhielt für diese Tat öic goldene Tapferkeitsmedaille, ward zum Leutnant befördert und evüües sich als Offizier so tüchtig, daß er, nach un-gewöhnlichem Aufstieg In den Ritterstand erhoben, als Feldmarschalleutnant und Divisionär von Tenresvar' in den Ruhestarrd trat. Ritter v. Schweitzer hat als Offizier und General sein.Judentrrm nie verleugnet, eher demonstrativ zur Schau getragen. An hohen Feiertagen schh man ihn als Regimentskommandant, dann als Chef der 53. Jnfanteriebrigade in . Paradeuniform mir Ge-betmantel im Tempel. Als er das erste Mal der Hoftafel zugezogen wurde, bat er Seine Majestät, gewisse Speisen unberührt lassen zu dür» feit# da er nur rituelle Küche esse. Der Kaiser-gewährte sogleich das Ersuchen und gab nicht nur dem verdienstvollen General, vndern auch der Umgebung gegenüber seiner..-Befriedigung Ausdruck, daß ein Mann seine Ueberzeugung irr religiösen Dingen unter allen Umständen Hochhalte. Bezeichnend für Schweitzer ist wohl auch, daß er in Budapest an der Ecke des Karlsringes einem jüdischen Dienstmann, der dort viele Jahre hindurch feinem Standplatz hatte, beim jedesmaligen Vorübergehen die Hand schüttelte. Der Dienstmann war seinerzeit Kompagniekamerad des Infanteristen Schweitzer im bosnischen Feldzug gewesen. Als letzterer General geworden und in goldtrotzender Uniform, den Hut mit hellgrünen Straußfedern auf dem Kopfe, vor dem Dieustmann stand, da siel diesem vor Verblüffung die Kappe aus der Hand. General Schweitzer bückte sich sogleich, hob die Kappe auf, überreichte sie dem alten Mann und unterhielt sich mit ihm leutselig vor Hunderten von Augenzeugen. . . ' „Dem . Generalmajor Joseph Breit und seinen gesetzlichen Nachkonrmen wird taxfrei der Adelsstand mit dem Prädikat „von Do'berdo" verliehen" — stand im Personal-Verordnungsblatt aus dem. Jahre 1917. Damit fand die Waffentat eines im Jahre 1863 in der ungarischen Stadt Lugos geborenen jüdischen Offiziers verdiente Anerkennung. Breit war im Jahre 1910 Oberst im Genera'lstabskorps, wurde Kommandant des ungarffchen Landwehrstabsoffizierskurses und im August 1911 Generalmajor. Erfolgreich führte er die ungarische 104. Landsturminfanteriebrigade, dann im Kriege gegen Italien eine Gebirgsbrigade und 1917 auf der blutdurchtränkten Hochebene von Doberdo eine Honvedinsanteriedivision. Er hielt seinen Frontabschnitt mit solch eiserner Zähigkeit, daß elf italienische Sturmangriffe scheiterten und der Weg nach Triest trotz nnerhörter Opfer gesperrt blieb. Der Frontgeneral Breit war vordem auch schriftstellerisch tätig und hat unter anderem 1912 ein vielbemerktes Werk „Der rnssisch-japanffche Krieg" verfaßt. Bon Ofsigieren jüdischen Stammes, die in der letzten Generation einen hohen, militärischen Rang erreichten, verdient auch Alexander Eiß Erwähnung. Er wurde 1889 in den Aktivstand der k. >k. Landwehr übersetzt und befehligte das mährische Landwchrinfanterieregiment Nr. 4. Im November 1890 avancierte Eiß zum Obersten, ging nach Erreichung der vollen Dienstzeit in Pension und wirkte als Sekretär des Indischen Nationalfonds in Wien. Dann der Oberst Hnsserk, zu Anfang des Jahrhunderts Kommandant des 8. . Infanterie regiments in Olmütz. As Hufferl bet einer Manöverbesprechung sich , erlaubt hatte, die Leistungen des Erzherzogs Otto vor den versammelten Offizieren allzu fteimütjg zu kritisieren, wurde ihm nahegelegt, irr Pension zu gehen. Im Weltkrieg ist er trotz schweren Aschmas freiwillig wieder eingerückt Endlich der Oberst Alfred Reumann, der nach seiner Versetzung in den Ruhostand-durch viele Jahre in der Redaktion des „Wiener Frenwenblatt" tätig war und als Leiter des militärischen Beiblattes „Die Vchette" unermüdlich die Interessen der Armee und des Offizierskorps vertrat. Er starb unmitteKar vor Ausbruch des Weltkrieges, - auftichtig betrauert auch von uns christlichen Kameraden. Der höchste noch lebende österreichisch-ungarische Militär jüdischer Abstammung ist der 1851 geborene Generaloberst Samuel Freiherr v. Hazai. Er lernte als Knabe das Uhrmachergewevbe, wurde aber schon in frühester Jugend begeisterter Soldat. In den verschiedenartigsten Fachvrsiorts bestens bewährt, war Hazai langjähriger Kommandant der Budapester Ludovika-Honived'cckademie und wurde 1910 Honvedminffter. Noch im selben Jahr ward, er außertourlich Feldmarschalleutnant und Geheimer Rat und 1911 in Losonez zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Im Parlament war sein Auftreten ein überaus sympathisches. Er trug immer den ehrlichen Soldaten zur Schau und rühmte sich, da er seine Offtzierslaufbahn als gewöhnlicher Jrffanterist begonnen hatte, sogar dessen, daß er in seiner Jugend die Zugszimmer hatte scheuern müssen. Anläßlich des Zlfftandekommens des sv viel umstrittenen Wchrgesetzäs im Jahre 1912 wurde Hazai in den Jreiherrnftand echoben und bei Weltkriegsbeginn zum General der Infanterie ernannt. Das Infanterieregiment Nr. 46 ward 1916 nach chm benannt. Im Februar 1917 trat er von seinem Mnisterposten zurück, mn als Generaloberst die Leitung des gesamten Ersatzwesens für die Armee im Felde zu übernehmen. Sein Sohn Bela wurde als HonvedoberleutnaNt im Kriege zweimal verwundet. Der verdienstvolle Greis lebt nunmehr seinen Daseinsabend m Wien. io nisten! Tretet der Zahl uttfei ihrnnser Volk an die ergebene Arbeit gewidmet sein soll. >, W der VergrWervng ch den Schekel werdet Wiederaufbaaunseres (J. A. cNßtdttsch.)