Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1935 (5.7.1924)
- Date
- 1924-07-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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fös. 1985 Men, Sa-mSbag WieMt: MobKttzertÄtrgf. ’*r*‘ DevrkMundValutenlurse. Mitgeteilt von -er OesterreichisKsn Nallonalliattk.) . Vista ^mslcrdnm k« f^hoii. Ouldsa ^grsm1 j»»g. KWnen ,; r Belgrad ,4 DInÄr . . . -. . Berlin* 1 deutsche Reichsmark . Bcössal 1 belgische Francs . ( Budapest t ungarische Kronen 'Bukarest 1 Lei , , » . , » Cbffstlattlft 1 norweg. Kronen Kopenhagen 1 dänische Kronor London 1 Pfund Sterling « ,» Madrid 1 Pesetas , , . , , 'Mailand 1 Lire .. New York 1 DoWar , . . . Paris 1 "Francs . . ■, . » . Prsx i tschechv-sisw, Kronen Sofia 1 Lev« . » » . . Stockholm t sehwedlsttheKronor Warschau** l polnische Mark. Zürich l schweizerische Francs Noten „ . .» « kleinere . .. Belgische Noten 100 Francs’ . Bulgarische Noteu ztt looo Levs » r. .100 . » . «, kleinere . . DSaisLhe Noten KXJKroner . Deutsche Noten*. . . , , . * a » 100 » » „ ».. . » kleinere* . . Engl, Noten.'vön 5 ilvreat, auh * a kleinere . . . . . Französische Noten 100 Francs , Holländische Noten 100 dulden . Itnlf entgehe Noten v. 100 Lire aulw, _ » » kleinere . , Jognsl. Noten nagest, «i 1000 Dinar * .»■ a a 100 » a . kleinere . , Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten **.. \ , , a . kleinere** . . . Rwnünlsche Noten zuKXXHi, 500fcel Rusa» Noten (Roman.) zit50Ö*Rubei * a - a » 100 a Schwedische Noten Kronor ' Schweizerische Noten 100 Francs, Spanisch« Noten 10O Pesetas . . Tschecho-slow. Not, v.1000 aulw, , * kleinere - Türkische Pfund-Noten., . . . . Hoger. Noten (neue Eni.) zu lOOOKr. . a zu 10,000 Kr, » » . , a kleinere . . . » . . 4. Juli 3. Juli a«td VWats .Geld Ware - 26675.- 26775— 26650.- 2675".- 84 V- '846— 842— 846— * 842.- 845— 842— 846.- 16.75 17.05 16;8J 17110 3214.-- 3220;- 3224.- 3236— 0.82«/* 0.88V* 0.82*/* 0.88V» » 285.- 287— 269— 27t — 9480.- 9520.- 9489— 9520.■ 10980--. t l02O,— 1C980— 11020— 307OOO.- 3C80DO.- 3Ö75«e.- 308590— > 9180.- 9220— 9183— 9220— . 3034.- 8046— 3054— 3066— ■ 70935.- 7)185— 70935— 71185— - 3652.- 3668— 3667— 3683— 2689.- 2099— 2089— 2099— 610,— 514— 512— 516— 10720,— 18780— 18720— 18780- 13550.- 13650— 13600— I37CO— . 12640.- 12690— 12635— 12685- W, 70460.- 708KI.- 70469— 70860— . 70360— 70700— 70360— 70760— . 3170— 3200— 3185— 3215— . 492.- 500— 496— 504— 472!— 480— 476— 484— . 1085O— 10930— 10&4O.— 10990— 16.30 16.73 16,30 16.70! wiÄ WM 16.20 ■ KL60 ff, 305200— 3G68on,- 305700— 307300— 3O50C0.- 306600,— 305500— 3635.- 3665.- 3645— 26400,— 26600.- 26350— 3045,- 3065.- 3065— 3015.- 3035,- 3035— 841.- 841.— 839.- 831— 9360— 13480.— 13280.— 281— 271— 18510— 12625— 9060— 2077— , 2072— 34200— 0.81 V, 837— 9440— 13620— 13420— 285— 275— 18610— 12705— 9140— 20Ö3— 2088— 35000— 0.87«/, 829— 9360— 13536— 13330— . . 258— 258— 307100— 3675..- 255-10.-?83',.- 3055— 845— . 835— 9440—' 13670— 13470— 272— 282— 12620— 9060— 2077— 2072— 34600— 0,81*/« 18680— 12700— 9140— 2093— 2088— 35400— 0.87*/, 0.82*7, . . 0.76V, 0.82«/, 0,76»/* * 3Ät 1000 M.-Slmt, **füc 1 gtoü) anfttätlS. NegtÜmg der in Men Kranen entstandenen BerpstWnngen zwischen Sesterreich und der Achecho'Slowakei. Das Mischen der ffchechofflowakffchen und der oster'relchlschen Republik crbgeschloffene Üebereintommen betreffend Regelung der in alten Kronen entstandenen Verbindlichkeiten bedarf -Mir «och der Ralijikation; da es demnach beiden gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden muß, dürfte es nicht vor dem Herbste in Kraft treten. Doch setzen die beiden Mrechnungsftellen «die vorbereitende Arbeit, insbesondere die Prüfnug der von MaiMgern und .Schuldnern erstatteten Anmeldungen fort. - Dazu gehört nun bei allen! jenen Forderungen, bei welchen die Geltendmachung an' die Vorweisung einer Urkunde gebunden 'ist, wie bei Sparkasseneinlagen, Wechselforderungen u. dgl. auch die Prüfung, i-nwi^veit die Anmeldungen mit diesen Urkimden ikbeoeinstimmen. Naturgemäß werden bei Inkrastlreten des Uebereinkommens jene Gläubiger zuerst befriedigt werden, bei welchen die Prüfung der Forder-ungen zuerst beendet war. Daher biegt es im Interesse aller Besitzer von Sparkassebüchern, Einlagebüchern, anderer' Kreditinftiti^e, Wechseln u. dgl., diese Dokumente baldmöglichst bei jener Mrechnungsstelle einzn- «eicheir, bei welcher sie die Anmeldung erstattet haben. Das isr für Gläubiger, die am 26. Februar 1919 in Oesterreich wohnten, da8 Abrechnungsayrt, tschecho-ftowakische Abteilung, Wien, 1. Mz., RosMurseLstraße 1. DaZ Schiüsal der Sttesia A.-G. Bekanntlich ist durch den Zusammenbruch der Depositenbank auch die Srlesia-Kohlen' A..M., welche dem Konzern der Depositeniba-nlk antzechörte, in 'Mitkleidenschast gezogen. Die Silesia 21.45. hat infolge des schlechten Kohlen^ ,', und Koksabsatzes in OberschWen schon seit einiger Zeit EMr'izitätswerke' -eingerichtet^ in welchen sie die grförderte Kohlenmenge in kalovische Kräfte umwandelt und diese in der Umgebung schr^nutzbringend verwertet. An den Anlagen dieser Betriebe ist aber durch den Zusammenbruch der Depolsitenbank eine Unterbrechung eingetreten. Nun wird geplant, das Unternehmen von der D ep o-sii e nb an! gä nzlich Lbzuilösen. Das notwendige Kapital soll aus der Umgebung der Silesia A.4). durch Anleihe bei den^ auiononren Körperschasten ibeschafft werden. Die Derwaltungsräte der Depositenbank find aus dem Ver-waltunlsrate der Di'l-rsia geschivLen. Vor einigen Tagen fanden Besichtigungen eines neuen Konzernes statt, welcher nunmehr hier an> Stelle der Depositenbank Eintreten fall. Die Resultate der Erhebungen waren sehr günstig und wivd gehofft, daß in der nächsten Zeit 'ein günstiges Arrangement getroffen werden wivdi! - ' Der Geldmarkt. Zufolge der erhöhten Tätigkeit der letzten zwei Tage machte sich an der gestrigen Börse bei der staitgchabten Vorversorgung ein größerer GeMedarf geltend, so daß der Reportsatz bis 0,625, für schwächere Elemente bis 0,75 angszogen hatte. Verhängung des Konkurses über das BankgeschLft Ultman». Gestern vormittags fand die Äusgleichstagsatzung in Angelegenheit des Bankgeschäftes Sig- Ultmann statt. Nach zweistündiger Dauer der ungemein stürmffch verlaufenen Verhandlung schritt der Konkurskommissär, OberlandesgerichtZrat C u c ko b i c, zur Abstimmung und verfü-gte aus Antrag mehrerer Gläubiger, daß vorher Ultm nun d en Osfenbarnngseid zu leisten habe. Ultmamr hat diesen verweigert. Darauf erklärte der Konkurskommissär das Ausgleichsverfahren für eingestellt und beschloß die Verhängnnig des Konkurses. Oesterreichisches Eigentum in Afrika. Das Abrechnungsamt jM mit: Die Negierung der Südafrikanischen Union hat mit Proklamation vom 16: Mai 1924, Nr. 101, die Rechtsverhältnisse bezüglich des Eigentums früher feindlicher Staatsangehöriger neu geregelt. Alle bisher ergriffenen Sequester- und Li quid atio nsm aßuahmen bleiben aufrecht, dagegen wird keine neue derartige Maßnahme mchr ergriffen werden. Alle Ansprüche auf Güter in der llniön sind bis spätestens S1. Dezember 1924 beim Alien Property Custodian in Pretoria anzumolden, widrigenfalls der Eigentümer jeglichen Anspruch verliert. Aumeldunigen übernimmt auch das Abrechnungsamt zur ,Weitevleitung. We Jnhaberpaprere, insofern sie noch nicht sequestriert oder liquidiert worden sind, werden sreiHegeben. Freigegegben wird-ferner das kleine Eigentum unter 20 Pfund. Die für das liquidierte Eigentum Herausgfgebenen Schuldverschreibungen sind nunmchr frei übertragbar. Eine ffchecho-stowakische Bank in Paris. Wie die „Närodni Lisch" erfahren, ist es gelungen, an. die Errichtuno einer neuen tschecho-flowakischen Bank m Paris zu schreiten. DaS Kapital beträgt vorläufig 3 Millionen Franken und ist zum großen Teil von tfchecho-slowakrschen Kaufleuten und tschechoslowakischen Landsleuten >G- Frankreich gezeichnet worden. Die Bank wird zugleich den Charakter einer Borschußkassa haben. : Kaschau Oderhergerbahn A.-G. Aus Budapest, 4. Juli, meldet Ung, Tel.-Korr.Euic.: Heute fand hier die 25. Generalversammlung der Kaschau—Oderbergerbahn Tl.-G. statt. Der Geschäftsbericht stellt die ungünstigen Ergebnisse der Betrirbsführung fest. Während der Verlust für das Jahr 1921 ISO Millionen tfchech. K. beträgt, ist diese Zfffer 1928 auf 191 Millionen tschech. K. gestiegen. ... 'S.; __ ißp-ir- Wiener SSrsr. Fest Sei geringerem Verkehr. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin eröffnete die gestrige Börse in ruhigerer Haltung mi-t teilweise leicht geschwächten Kursen. Zur ZurüSHaltung der Spekulation war die Oveitägige BerkchrSnntevbrechung und das -laichte Anziehen des Reportsatzes bestimmend. -Immerhin waren im Eröffnungs- SM EANiK Austro?. HolländSsche Z enir albtir ean: Wien, I. Df. Karl Luegerplatz 4 (I. Ebendorterstr« y) Telegrammadresse: Hollandbank Wien / Tel. 37-6-2S Serie ggrommanditgesetlschaft ■%/ismund Amarant & Co. Wien, I. Qraban 22 JBUngöog Fe*w8pla.ta <*) / Tal. 00890 Serie JiaimgestTittft« nUev Art Dorotheum - Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Fides, Treuhand^Bank 0. mb. H. f. Neutorgasse 17 Tel.: »1^-20. 61-2-24,6441-72 Tel. s 61-3-20, 61-2-24,64^0-72 Bankhaus Frankl & Huttrer Wien, 8Xt Hörlgöss© 4 Telephon 13.040 Telephon 16.234 BonkKommiimOtgesellätioft Franz P o 1 Lok Wien« I. Seütsergasse 4 (Ecke Öogrierg. beim Oraben^ Telephone: 60-4-82, 60-4-93. 63-4-85, 64-4^2. 68-4-78, 69-4-83 Telegrammadresse: Frapobank Bankhaus ft. KsKsSUN Wien, I« Maria Theresianstrasse 10 Telephon 11-4-60, 11-4-61 Wiener Handelskreditbank A.G. Wien, I. Wippllngerstrasse 93 Telegrammadresse: ^Haoredp“ Telephon 64-5-68 Serie Expositor: I. Sohottenrltig 18 a — Telephon 69-3-14 lS°|o2insen ihypottekariaiie Sicherheit erlultei Sit illr Ihr Kapital bei der HypothekarVersicherungs-Oesellschaft (Riunione Adriatica di Sicurta), I. Tegethoffstrasse 7 ftadium einzelne tschechische und ungarische Werde m Woereinstimmung mit den von beiden Plätzen vorgelegeneu höheren Notierungen begehrt und erziEen KursciiVancen. Obtzwar der Selbstmord -des Bankiers Ignatz Urbach die Börse nicht tangiert, da die Verbindlichkeiten dieser Firma nur ganz gering find, wurde dersMe lebhaft besprochen und wirkte dieses traurige Ereignis hemiuend auf den Verkehr. Fm weiteren Verlaufe verminderten sich die Umsätze ans der ganzen Linie, ohne daß jedoch der feste.Grundton des Marktes 'verloren gegangen wäre. Bqnkenwerte wiesen nur unwesentliche Veränderungen auf. Hingegen lagen Karpathen Petroleum und die stärker favorisiert gewesenen Trifailer Kohlen schwächer. Gegen Schluß trat wieder eine gebesserte Stimmung in die Erfcheinnnlg, ausgehend von den ungarischen Wertep, in denen Dednngskänfe zur Ausführung gelangten, so daß dos Endergebnis mit geringen Ausnahmen als befriedigend be-zeichn-st werden koaE. Won den XS :ii I i .1 «f e io £ fc t ■£ 4t rtpfttiKi ttntett: u.Naariilbe Kredit 30.000 K.» Copyright Siachdrud verboten» Züblschcr Bering, Berlin. 34. Fortsetzung. HMdsLstz Md ZMmstreich. st Vo-u Sammh Gronemann. Eine DiertÄftünde m>ach'«beim Dorbemtiarsch landete , er denn a-Nchi bei mir und ich konnte ihn pvafentieren. Aber melancholifch ließ er sich am Tisch nieder und begann um vermittelt ein Loblied auf — Kowno und die Kownoer Mädchen, da^bei höchst Peinliche Pamllelen mit Bialystok ziehend: Me wieder, .erklärte er, würde er so schone, faiiiste Augen, solch sittsam züchtige Mädchen, solch gütige, geistige Fvau-sn treffen, cvnv wenigsten in diesem.unsympathischen, diüstereu Ort mit den abstoßenden Physiognomien und iungraziösen -Frauen. In meinem Leben habe ich mich als 'Impresario nicht so bla.miert gefühlt, als!bei diesem Monolog meines H-elden'. Mit Mühe rettete ich ihn Vor der, Wut der enipövten zahnärztlichen Mänaden und ans dem Bereich ihrer Zangen in mein Zinrmer. Zu seinem Glück hat er sich in Bialystok nie in zahnärztliche Behandla>ng ^begeben. ' Goslar hat sich spater mit. der Damenwelt von Gialystok in weitgehe'nde'M Maße äusgesöhnt, aber es ivar Wohl ein Vorgefühl, daß ihm die Stadt zunächst uw fym-PaHisch machte. Mit seiner Dv/bartisherrlichkeit -war es jetzt vorbei, und er wurde Mdaktenr an «der Bialystoker Zeitnng unter einem sehr wenig angenehmen Hauptrebalkteur, der seine journalistische BegMeng bislang nur als HeraWgebor eines AnnoneeuMttchens Inder Schweiz -bewiesen: hakte und seine MängA an -Fachkennlnissen durch militüristlp SchMd zu ersetzen stwebtc. So verlangte er von seineir Redakteuren, daß sie vor ihnt im Redaktious'saal stranmt standen, so -daß sie in kurzem alle griindlich verärgert lvareir. ... <. ,.f. .Ach, «dage-Wt fHtd n -mich auch -in Walystok sehr Wohl, nachdem M ^dort> überraschend liebevoll empfangen; worden 'war. Ich f chatte mich sehr beeilt, die mir von Kownoer Familien mitgegobenen Grüße anszurichten: , denn da es innerhalb " des besetzten Gebietes -für die Einwohner kaum eine Postverb'.ndnng gab, freuten die Leute-sich unendlich über jede G'elrgeiiheÄ, persönliche Grüße zu übevmitte-ln. So kam es, .daß ich schon eine halbe Stunde nach unserem Einzug in die Stadt, der um 7 Uhr früh erfolgte, in einer, nettem jüdischen Familie bei einem opulenten Frühstück saß und'allerlei nützliche Fingerzeige für meinen künftigen Ausenthalt! erhielt. -Als ich dann unser Dienstgeibände aufsuchte, ertvartete mich auch 'da eine sehr angenehme Ueberraschung. Der Berliner Kollege Bötzow, der dort, als Hauptmann bei der Kommandauitnr einen höheren Posten be-. kleidete, hatte sich schön mch mir umgetari. Das «habie eine gewisse B.'de>ntung; denn so siel etwas von dem Glanze, seines .militävffchen Nimbus auch in mein arm seliges MnschDotendasein. Bötzows Nebenswurdigkert, die sich noch, öfters dokninentierte, untevschie-d sich ersveulich vom dem Verhalten manch anderer Kollegen, vor der' GoEMichkclt einem bange werden konnte. 'In meiuer Rekvu.denzeit in Brandenlurg geriet ich so an -einen Berliner Kollegen als. Vorgesetzten, der aus purem Uebevmut mich eines Tages einen HansteN Kompost auf der Chaiüssee einige Meter weit wegschassen ließ und ausdvücklich anordnete, daß ich die Arbeit mit bloßen Händen, ohne Zuhilfenahme eines Wevkze-nge's besorgte. Der Man hat mir daimals aufrichtig leid. go!ia,n. — Die Zionisten «der Stadt begrüßten mich, srendig aus einem sehr nett armnglerten Bankett und ich. Ml-te mich von Anfang an wie zu Haust. Meine erste Sorge «war nun eine amständige Wohmmg, meine zweite, einen ebenso fixen 'jüdischen Dolmetscher wie meinen Köwnoer Bademeister zufinden. Beides gelang mir überraschend schlnell. Ich fand in. der Lindenstraße M einer reizenden Migdn Zahnärztin «in 'hübsches Zimm-er oder eigentlich, da die Dame dort nur ihr Atelier hatte, das sie anv fvirhen Nachmittag schloß, eine ganze Etagenwohnuug zur freiön De'nützung. Meine WMu, KMloin .BialhstoWa, war eine außergewöhnlich begabte, li>ebeMwürdige .Perlson, deren Rat nicht nur als ^Zahnärzttu von vielen gesncht war. Nach Schluß der Praxis trafen sich bei ihr oft eine Reihe anregiönder und sympathischer junger Lvute, in deren Mitte ich viele schöne Stunden veÄvrachte. Einen Dolmetsch aber fand ich m der Person des Lehrers K. Das war ein merkwürdig interessanter Mensch. Neben seinem Lehverberirfe trieb, er noch eine Menge Nebenbeschäs.trguugen, unter anderem 'war er Redatteur der hebräischen Beilage jener schon erwähnten ,/Bialystoker Zeitung". Den größten Teil seiner Zeit aber widmete , er recht brotlosen Künsten. Als jüdischer Dichter 'hatte er sich einen Namen erworben, als Uebersetzer vieler westeuropäischer Dramen und Romane hatte er ganz besondere Verdienste zu verzeichnen und danelben komponierte er auch noch. Seine Kinder aber deklamierten und sangen mit großer Begeisterung die Texte 'des Vaters. Er leitete eine Akenge 'idealer Vereine, befon'ders ^den Kutturvereiu, von dom noch zu reden sein 'wird, inszeniievte mit Vorliebe Li-ebhabcrvorstellungen von verschiedenen Vereinen und hielt überall Vorträge über ttterarifche Themata. Er erblickte stive Lebensaufgabe darin, der Iugeird ibev Stadt die westeuropäische und speziell die deutsche Kultrir, deren glühender Verehrer er war, zugänglich zu «machen. Ms mein Helfer bewährte er.sich hervorragend, und auch -die Lexikonarbeit .nahm er überraschend ernst, so «daß sogar mich bisweilen «feilt Eifer mitviß und rch mit ihm lange Debatten über die lexikograMche Genaii.ig.keit seiner Uebersetznngen ^tte. :I.n seiner ganzen Art, seiner Kultuvsthufncht, stiusni vasib-oseu Mühen, d>re natnnge«mäß breiten Lücken, seiner Bildn.gg ausznsüllen, lag zugleich etwas Mhrendes und Erhabenes. Der kleine, ium.ttfchn>l,iche Mann, dem die Sorgen des Alltags —- er hatte eine große Kamilh' und trieb, wie gesagt, lauter brotlost Küu.ste — so ganz und gar nebensächlich erschienen«, dom nur geistige Dinge von Bod.-ninttg. -lvaren, ist ein echter und rechter Bert toter ostj n'dllckchl Wesens überhaupt. . (Fortsetzmig folnt.)