Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1935 (5.7.1924)
- Date
- 1924-07-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mett, SwMatz Mener Nroegenzertunrr. ■ TAUSENDE W MCfofttite, schmrnklose Gräber beweisen, daß bi« liebevoll« Erinnerung an die »enwgte« cwLstirbt. Mit Armut darf niemand seine Gleichgültigkeit und Gefühlslosigkeit entschuldigen, denn die Kunststeinfabci! yASRA«, Wien, I. Stubenring Nr. 1( Verkaufsfillale t XI. Sttumeringer Hanptstr. STls. «n« liefert künstlerisch aurgesührte, garantiert wetterfeste Grabsteine -n beispiellos billige» Preisen. // Besichtigr die ständige Ausstellung! Krnannke Maste, die als Kohle bekannt ist. Wenn inan nun chomifch rame Kohle, wie sie dlrrch Verhohlen von Zucker erhalten wird, löst rmd zimr plötzlichen Erstarren bringt, so erhält man dieselbe Substanz, nämlich Kohlenstoß, in anderer, nämlich strukturierter kristallisierter Form als Diamant. Durch die Lösung und plötzliche Erstarrung werden die Moleküle in jene strenge Ordnung getzsiviungen, die den Kohlenstoff als Diamant erscheinen läßt. Der Diamant kristaMisiert im sogenannten regulären System in der Form, des Oktaeders, das in der Art einer Doppslpyramide von acht kongruenten gleichseitigen Dreiecken begrenzt wird. Er ist in feiner schönsten Ausbildung bekannt-' lich wasserhell und erst im Jahre 1773 entdeckte der front* zösische Gelehrte Lav visier, der später ein Blutopfer der Revolution geworden ist, daß Diaanant kristallisierten Kohlenstoff darftellt. lbm die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts nun gelang >es einem anderen Franzosen namens M o iss a n, Diamanten, wohl nur in Durchmessern bis zu einem häüben Millimeter, künstlich herzu stellen. Er brachte chemisch reine Kohle bis zur Sättigung in die einzige Flüssigkeit, in der sie sich lost, nämlich in geschmolzenes Eisen, das im elektrischen Ösen unter hohem Druck aufeineTemperatur von 2609 bis 3000 Grad Celsms gebracht wurde. Dann wurde die flüssige Masse durch Emgießen in das Bohrloch eines mit Wasser gekühlten KuPseMöckes zum plötzlichen Erstarren gebracht. Wenn nun das Eisen mit Salzsäure weggelöst wurde, so fand Moistan kn Rückstand kleine Nnstliche Diamanten. Die so gewonnenen künstlichen Diamanten sind aber echt, weil sie alle Eigenschaften des natürlichen Diamanten besitzen. Bekanntlich ist der Diamant der härteste Stein. Das Wort Diamant wurde aus der griechischen Bezeichnung für die -Eigenschaft der Unzerstörbarkeit gebildet. Falsche Diamanten bestehen aus Glas, das amorph ist ähnlich wie Kohle, das heißt keine -Ordnung in seinen Molekülen besitzt. Die chemischen und -physikalischen Eigenschaften dieser falschen Diamanten sind dementsprechend auch vollkommen verschieden von denen der echten, mögen sie nun aus NnMchent oder ans natürlichem Weg entstanden sein. Auch in der Natur und sogar aus anderen H'mtmeilskörpern biGet sich Diamant durch Erstarrung in flüssigem Eisen: IM Meteoreisen in Arizona in Nordamerika konnten Diamanten nachgewiesen werden. Auch andere Edelsteine wurden in Frankreich, und zwar von Berneut! künstlich dargestellt. So vor allem Rubin und Saphir, die nächst dem Diamanten die tzrößte Härte besitzen. Beide diese Edelsteine bestehen Haupt* fachlich aus chemisch reinem kristallisierten Aluminiumoxhd, dessen amorphe Form als-Tonerde und Schmiergel bekannt ist. Nur die Ordnung der Moleküle unterscheidet den weißen Saphir von den dunkelgrarven SchmiergeMrnern. Rubin enthält noch kleine Mengen von Chromoxhd, der blaue Saphir Eisen- und Titanoxhd in ganz geringem Prozentsatz. Auch gelbe und violette Arten -können -durch entsprechende Zusätze künstlich erzielt werden. Chemisch reine Tonerde wird zu diesem Zweck in feinem Staub, versehen mit den entsprechenden Zusätzen, in eine Knallgasflamme gestreut, wo sie zu Tropfen geschmolzen werden, die ein tönerner Stift -aufsängt. Hier formen sich die Tropfen zu Kristallen. Aus ähnliche Weite können auch die rotm S p i n e l l e und die grünen. Smaragde und Aquamarine hergeftellt werden, deren Glanz und Färbung oft prächtiger ist als a-n den natürlichen Steinen. Das Feuer Zwingt die Moleküle des Staubes zu jener Ordnung, die ihn zum Kristall des Edelsteines läutert. _Dr. Adele Wiener. ZN5 Wetter. Das heiße Wetter hält cm. Auch für heute ist warmes Netter angekündigt, allerdings für die Nordalpen teils föhnig, für die Südalpen wechselnd bewölkt. trotz aller Warnungen anstandslos die Bewilligung zuBcmkeneröffnungen von diesem Minister bekommen. .Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „Der neue Ausschuß ist mit der Wahrung der Rechte der Einleger zu betrauen. Dieser Ausschuß hat dahin zu wirken, daß ein Beirat als Vertreter der Einleger gerichtlich bestellt, das Gebaren der Bankfunktionäre überprüft werde und alle diejenigen haftbar gemacht werden, die den Zusammenbruch verschuldet haben. Zu diesem Zwecke hat der Ausschuß die notwendigen Schritte sowohl beim Finanzals auch beim Justizmimfter zu unternehmen, nach kurzer Zeit eine Versammlung einzuberusen und über den Erfolg Mer Tätigkeit zu berichten. Selbstmord des Bankers Urbach. Finanzielle Schwierigkeiten. Gestern früh gegen 8 Uhr stürzte sich der 57jährige Bankier Ignaz Urbach im Hause, 1. Bez., Gonzagagasse 21, wo er bei seinem Rechtsanwalt geweilt hatte, im Sti-egenhause vom dritten Stockwerk in die Tiefe und erlitt derart schwere Verletzungen, daß er noch vor Eintreffen der Rettungsgesellschaft verschieden ist. Man fand 'bei dem Toten eine» an seine Gattin gerichteten Abschiedsbrief. Bankier Urbach stand im 57. Lebenswahre, war seit vielen fahren ans dem Wiener Platze etabliert, und wenn auch sein Geschäft keinen übermäßig großen Umfang hatte, so genoß er doch den besten Ruf und wurde als einwandfreier Börsenmann geschildert. Der Wöüersdorfer Skandal. Sklarz mtd Pochwadt verschwunden. Gestern wurde in den Wollersdorser Werken eine Kundmachung des Verwaltungsrates an die Altgestellten und Arbeiter assichiert, wonach die notwendigen Mittel für die Lohnzahlung sichevg,«stellt und die Lohnzahlung in der üblichen Weise erfolgen wird. Sklarz und Pochwadt sind inzwischen aus Wien verschwunderck - Ae benachteiligten Aktionsire der Allgemeinen Zndnstrlebank. Ausgleich von IM Prozent möglich und acht Milliarden für die kleineren Aktionäre. Gestern fand im Aktionärverein eine Versammlung der kleinen Mtionäre der Allgemeinen Jndustrrebank statt. Bankdirektor K o il i s ch e r führte darüber Mage, daß ihm, obwchl er vom Gläubigerausschuß dazu beauftragt war, die Einsicht in die Bücher der Bank verwehrt würde. Seme Aeberzeugung, die ans der Kenntnis der Verhältnisse beruht, sei, daß 160 Prozent der Masse vorhanden seien und daß die Glaubig e r s ch a s t zu 100 Prozent befriedigt werden könnte und für die Mtiomäre noch 8 Milliarde nblekbenwürden. Die kleinen Aktionäre müßten sich mit der Beamtenschaft vereinigen und den Einblick in die Bücher erzwingen. Im Glänbigerbeirat saßen lauter Juristen, aber keine Fachleute. Rechtsanwalt Dr. M i e r is i e ka, Mitglied des Glänbigerberrakes, gibt zu, daß Unznkömmllchkeiten irn Verwalttmgsrate vorgekommen sind. So habe zum Beispiel Einhorn ohne ZustimMtng der Verwältungsräte einen angMichen Austrag einer Budapester Banikfirma auf Ankauf van französischen Franken für 150.000 Dollar durchfuhren lasten. Die Budapester Bank habe jedoch überhaupt in Abrede gestellt, diesen Auftrag gegeben zu haben. Die Aktionäre wären berechtigt, 'den Verwaltungsrat zur Verantwortung zu ziehen. Bankier Mehrer betonte, daß das Aktionärgesetz in Oesterreich derart 'mangelhaft sei, daß es dem Verwaltungsrat möglich wäre, das Vernrögen einer Gesellschaft zu plündern und gesetzliche Bestimmungen dabei vorzuschützen. Es wurde schließlich einhellig eine R e s 2 l u 11 an gefaßt, in der die kleinen Mtionäre im Einvernehmen mi: den Gläm biaern die Prüfung der Gebaeung und Vertretung in allen Organen verlangen, die damit betraut sind. Gleichzeitig solle eine Deputation von Aktionären und Gläubigern zum Ausgleichskommistär Hofrat Laub entsendet werden, dis die Kooptierwng eines Vertreters der Aktionäre in den Beirat verlangt. _ ' - *;• Irr neue Friedhof der Wiener Kuttnsgemelnde. Das Ergebnis des Wettbeweches. Zer Zusammenbruch der Zeposijenbank. Eine Versammlung der kleiuen Einleger. - Gestern fand rm Festsaale des Hotel Post eine Versammlung der Einleger der Depositenbank statt, in welcher ein Gläubigerausjchnß gewählt wurde. Die Stimmung der Gläubiger, welche meist kleine Gewerbetreibende sind, war äußerst .erregt. Rufe wie: „Verbrecher, Gauner, ^ns Lanvesgericht mit den Schurken" wurden häufig laut. Die meisten der Anwesenden waren alte, ärmlich gekleidete Männer und Frauen, die ihr ganzes Hab und Gut, das sie jahrelang gesammelt hatten, der Depositenbank anvertrant hatten nnd jetzt um ihre ganzen Ersparnisse gebracht sind. Abg. Ellenbogen brandmarkte mit scharfen Worten das Vorgehen der Regierung, die in geradezu sträslichev Fahrlässigkeit jedem, der es vermochte, die Bewilligung zu einer Banknengründung erteilte, ohne sich um die moralische Integrität der Antragsteller im mindesten zu bekümmern. Besonders der. ehemalige FinanZminister Dr. S ch ump et er habe sich in dieser Richtung schwere Versäumnisse zuschulden kommen lassen. Leute von zweifelhaftester Vergangenheit hätten Das zur Beurteilung der eingelan-gten Wettbowerbarbeiten für das Aeremoniengebäude aus dem neuen Friedhof der israelitischen Kultusgemeinde eingesetzte Preisgericht (Vorsitzender >Z. V. Architekt Robert Oerleh) hat die drei ausgesctzten Preise einhellig .den nachfolgenden Projekten zuerkannt: 1. Preis von 20,000.000 K. dem Projekt „Beth Ha'chajim 11", Verfasser Herr Architekt Ignaz Reifer, 2. Bez., Veveinsgasse 16. - 2. P reis von 15,0M.000 K. dem Prosekt „Am Ende"» Verfasser Herr Architekt Wilhelm Oberländer, 3. Bez., Rechte Bahngasse 16, Mitarbeiter Herr Architekt Rudolf S o-w<r. 3. Preis von 10,000.000 K. dem Projekt „Kultbau", „Bartaule B", Verfasser Herr Architekt Z. B. Ing. Sieg- -mund K a tz, 3. Bez., Hainburgerstratze 27. Ferner hat das Preisgericht, einhellig, beschlossen, dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Wien pc empfehlen, die unter den Kennworten „Regina" und ,^Zionstern 6684". ein gereichten Projekte (Verfasser derzeit unbekannt) um den Betrag vW ze» 5)000.000 K. astsukaMm ' ' p, UM Mr 'yar( fte.!Äb Sämtliche Projekte gelangen ab Montag den 7. t« Sitzungssaal der israelitischen Krrltttsgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2. Stock, zur Ausstellung. Die Besichtigung ist Montag den 7., Dienstag den 8. und Mittwoch den 9. d. m der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags gestattet. Ler Iona«steihafro. Wie wir erfahren, wird an dem Bau des Douaufrev. Hafens eifrig gearbeitet. Die Verhandlungen der Gemvinde mit der DonauregulierungSkommission, die den größten Teil der in Betracht kommenden Gründe im. Eigentum hat, schreiten günsttg vorwärts. Die Pläne für die Hafenanlagen sind zum größten Teil bereits sertiggestellt. Aus den Nachbarstaaten meldeten sich bereits Jnterestenten, die am Donaugelände Lagerplätze errichten wollen. Man glaubt, daß die Gemeinde die Anlagen selbst errichte» wird. SesterreiMche Kunftausstellmg 1900 bis 1924. Auf Anregung der Genieinde Wien wird gleichzeitig mit Eröffnung der Mstiftk- und Theaterfeste am 15. September 1924 eine Ausstellüng österreichsscher Kunst im Wiener Künstlerhaufe eröffnet werden. Die Ausstellung soll ein nwglichst mnfastendes Bild des gegenwärtigen österreichischen Kunstschassens geben. Zur Ausstellung gelangen nur Werke lebender Künstler, und zwar höchstens drei Werke eines Künstlers. Die Vereinigungen Kunftlergenossenschaft, Sezession, Hageubund und Zentralvereinigung der Architekten Oesterreichs werden in' der Ausstellung vertreten fern. Die übrige Künstlevschast Mens und der Buitdesläuder soll «bmfalls, und zwar in möglichst weitem Umfange, zur Geltung kommen; für diese Einsendung bilden folgende Künstler die Jury: Die Mcrler Professor Otto Friedrich, Maximilian Reinitz, Hans Schachinger, Gustav Schütt, Fritz S ch warz-Wald egg, Professor Karl Sterrer; die Bildhauer Wilhelm Fraß, Otto Hosner, Karl Stem o l a k. Die Anmeldeformulare.mit genauen Bedingungen sind im Sekretariat der Künstlergenossenschaft, 1. Bez., Karlsplatz 5, zum Preise von 10.000 K. erhältlich. Letzter Anmeldetermin 26. Juli, letzter Emsendetrrmin 10. August- Es dürfen höchstens drei Werke eines Künstlers, angemeldet und eingesendet werden. Bei Nichteinhaltung einer der Etnsendnu^ ledingnngen ist dir ganze Sendung abgewiesen. , Der Massenmörder von Hannover. ■ (Gigendienst der „Mener Morgenzeitung".) Hannover, 4. Full. Der Polizei ist es bereits gelungen, zwei wettere Mordtaten des Masse-mmörders Haarmau n, im ganzem^ also 14 Morde auszudecken. Die AufheMung der neuen Mordtaten geschah mit Hilfe der Menu vermißter junger Leute, die unter den beim Mörder beschlagnahmten Kleidungsstücken und Gegenständen -das EigentUiM ihrer verschwundeniett Söhne feftstellken. Dabei spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Mn einem Falle erkannten die Eltemv den Schädel ihres ermordeten Sohnes an einer Zahnlücke wieder. Der Mörder hat bis jetzt seine Mordtaten noch nicht eingestanden, fügt aber immer hinzu, baß er sie eventuell begangen haben könnte. Außer Haarman wurde nvch ein Mann namens Kranz verhaftet, der iwe Kleidungsstücke der Opfer verkaufte. Es stecht noch nicht fest, ob er von den Mordtaten unterrichtet war. Sämtliche Ermordeten standen rm Mer von 14 bis 20 Fahren. __ . „Gott ein Brandopfer darznbrlngen." Eine Tragödie des Aberglaubens. Dresden, 4. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeikung".) Zn dem in der Nähe von Hirschberg gelegenen Ort Wurgdorf legte in einem Anfall von Wahnsinn die Frau eines Landarbeiters ihr zwerjächrigs Kind auf eine glühende Platt.-e, -um Gott em Brandopfer darzubringen. Sie wurde dabei von Rächbarn überrascht, die das Kind aus seiner mtsttzlichen Lage befreiten. Es hatte jedoch bereits so schwere Brandwunden erlitten, daß »8 bald darauf starb. ~ . _ Mißernte In Rußland. (Eigondienst -der „Wiener Movgenzeitung".) . Riga, 4. Juli. Die Nachrichten über die bevorst e h e -n -d e Mißernte lauten imimer beunruhigender. Nach einer amtlichen Mstteilu-ng wird, wenn ein Getreideexport überhaupt stattfinden kann, dieser höchstens ein Drittel des vorjährigen Exportquantums betragen. In zahlreichen Gouvernements wird eine Hungersnot befürchtet. Besuch tat Gymnasium. Man drückt sich oft nnd oft Vorbei, bis man eincä T.ig.'S doch hine-ingcht. Mögen die Erinnerungen düster sein oder freundlich, angenehm oder trüb; schon beim Eintritt in das alte Haus wcht es einen seltsam an. Bilder der Vergengeuheit steigen, auf, Schülersorgen und -Freuden und Scherze der Jugerib, murmelnde Professorenbärte, drohende Brillengläser, Prüfungen und Katalog, Klassenbuch und Karger, Sturm und Drang und. blasser Kmrbenschmerz. Papierene Phrasen graue Formeln und Sehnsucht nach den Ferien, deren unangenehme Unterbrechung das Schuljahr bildet. Und am Horizont erscheint immer wieder die lockende Freiheit, die Fahrt ins 1-Men, vor dem der Schatten der Matura drohend lauert. Sie