Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1934 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. >r* > - Nr. 1934 Wien, Freitag Wiener: MorgenzeiLnnZ. 4. Juli 1924 Seite 3 Las ungarische Parlament vertagt. , Budapest, 3. Juli. (U. In der Heutig« Sitzung der Nationalversammlung stellte der paivteilose Wbgeordnete Mesko überraschenderweise Len Antrag, die Nationalversammlung, da die Veraltung 'des haupt- .stLdtischen Gesetzentwurfes aussichtslos erscheine, dis zum 1. Oktober zu vertagen. Nach einer längeren Geschäftsovdnungsdebatte wurde der der Abstimmung der Antrag Mesko mit überwiegender Mehrheit angenommen, so daß «sich das Haus bereits in den Sammerferien befindet. Die MnoRzenzen für Horthys Kumpane. Während einer Rede des gewesenen Staatssekretärs B i e z i a n, der sich mit der seinerzeit viel erörterten Frage der Entziehung der Kinolizenzen beschäftigte, entstanden 'h e f t i g e L ä r m s z e n e n. Es wurde Biezian vorgehalten, daß den Kriegs invaliden eine Menge von Lizenzen entzogen worden seien, andererseits aber auch Aktiengesellschaften neue Kinolizenzen erhielten, darunter der berüchtigte englische Oberst Stead, ein Zechkumpan Horthys. Abgeordneter Biezian gab zu seiner Rechtfertigung an, diese Gesellschaft habe die Kinolizenzen aus dem Grunde erhalten, weil sie es übernommen hatte, die neuen Lizenzbesitzer mit Kapital zu versorgen, während die Budapester Banän hierzu nicht geneigt waren. In diesem Zusammenhänge wurde von der Opposition fortwährend a b y Becker" gerufen (dies ist der Spitzname einer in der Budapester Lebewelt bekannten^ Lebedame, die die Freundin des Obersten Stead war). Den Höhepunkt erreichten die Tumultszenen, als von oppositioneller Seite gerufen wurde, daß bei Erteilung der Lizenzen auch der damalige Minister des Innern berdie nthabe. Es entstand ein förmlicher Auflauf. Der Präsident vermochte mit Mühe Tat lichte iten zu verhindern. __ Kne Verleumdung gegen Mg. SrSnbaum. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitu-ng") Warschau, 3. Juli. Bekanntlich hat der jüdische Sejmckeputierte Grün ha um die Redakteure der bekannten polnischen AntisemÄenblätter „Rz e c z p o sp ol i t a", ,Mäzeta Warszawska" .und „Rozwoj" geklagt, da sie die Verleumdung verbreiteten, Grünöaum habe im -Jahre 1920, als die zionistische I a hreskonferenz in London stattfand, antipolnische Reden gehalten, welche darauf abzielten, dem polnischen Staat Schaden zu bringen. Der Prozeß, der sich schon lange hinzieht, ist bisher immer vertagt worden. Run fand am 30. Juni eine neuerliche Verhandlung statt. Bei dieser berief sich die Verteidigung der angeklagten Redakt-sure darauf, daß der Bericht eines polnischen Offiziers vorliege, in welchem die erwähnten Beschuldigungen erhoben wurden. Als der Anwalt Grünbaums die Vorlage dieses Berichtes verlangte, war er verloren gegangen. Die Verteidigung der Redakteure beantragte sodann die Ladung zweier polnischer Generalstab s o b e r st e n, die angeblich die Nachricht über die antipolnischen Reden GrünibauniZ in London erhalten hätten, und modifizierte diese Behauptung noch dahin, daß ein gewisser Dr. Iochelsohn in London den beiden Offizieren diesen Bericht gegeben 'hätte. Zur Vorladung der beiden Generalstäbler und des Dr. Jochelfohn Wurde der Prozeß wieder vertagt. Tschechische Aaatrpenstoniste« dürfen ins Ausland. Prag. 3. Juli. Bisher durften tschechische St ratspens i onisten nicht in das Ausland verreisen, wenn ihnen nicht die Teuerungszulage abgezogen werden sollte. Diese Bestimmung wurde nun dahin abgeändert, daß bis 14 Tage ohne Bewilligung, von vierzehn Tagen bis drei Monaten mit Bewilligung der Finanzlandesdirektion, bei einem Aufenthalt über drei Monate mit Bewilligung des Finanzministeriums der Aufenthalt im Ausland gestattet wird. Ser Kampf gegen den Antisemitismus in Bulgarien. (EigeMenst der „Wiener MorgenMung") Sofia, 3. Juli. Als Antwort auf die antisemitische Agitation der letzten Zeit erschien dieser Tage eine Broschüre mit dem Titel „Das moralische Antlitz der Antisemiten". In dieser Keinen Schrift, die 16 Seiten umfaßt, werb'en außer kurzen Bemerkungen über die Geschichte der Juden am Balkan, -hauptsächlich in Bulgarien, Aeußerungen über den Antisemitismus von den gewesenen Ministern A. Ljaptschesf, T. Todoroff, N. Genadjeff und anderen bedeutenden bulgarischen Politikern mitgeteilt, die gelegentlich einer Enquete anläßlich der antisemitischen Kampagne im Jahre 1922 abgegeben wurden. Ferner werden hier die Meinungen Anatole Frances, Maeterlincks, Hamsuns, Kropotkins, Clvmenceaus und anderer über den Mtualmordwahnfmn zitiert. Den Schluß bilden Gedanken über den Antisemitismus von Maxim Gorki, Tolstoi, Korolenko und Milftikow. Die kleine Schrift geht nicht von jüdischer Seite aus. . Seipel ln Rekonvaleszenz. Uebersiedlung ln ein Erholungsheim. ° Gestern vormittags hat sich der Bundeskanzler Doktor Geipelin Begleitung >des Semonsrates Dr. Wimmer, des Professors Dr. Singer und des Bezirksinspektors Grünn in das Erholungsheim der Schwestern vom Herzen Jesu nach Hütteldorf begeben. Im Wiedner Krankenhaus 'hatten sich eingefunden: Präsident de's National- Radiodienst der „Wiener Morgenzeitung"? London, 3. Juli. Die erwartete Erhöhung des Bankzinsfußes bli'cb aus, wovon die heimischen Anleihen kaum wesentlich beeinflußt wurden. Ausländische Anleihen lagen schwach. Neue tschechische Anleihe verlor ihr bisheriges Agio. Deutsche 3°/oige sanken auf 20. Die indische Re-ichsbank hat den Zinsfuß von 6 auf 5°/o herabgesetzt, das ist die viert-ei'm 'laufenden Jahr. Zu Anfang des Jahres, stand der Zinsfuß noch auf 9. Die Lage in Mexiko 'wird wohlwollend beurteilt, da Mexiko zweifellos bemüht ist. seinen Verpflichtrmgen nachzukommen-, und die Ansicht vorherrscht, daß die Ausländer in Mexiko wegen ihrer außerordentlichen Rückstände und ihrer Nichtbeachtung Mexikanischer Gesetze die Hauptschuld an der Verzögerung tragen/ Das Bezugsrecht auf junge Debeers-Mtien wurde mit 1 Schilling bewertet. Die alten Debeersaktien notierten ex Bezugsrecht 12,31,25. Austroanleihe 89.60, tschechische 98,60. Die neue ungarische wurde heute noch nicht notiert. Prag 98,50, Skoda 88,50, Bankverein 8, Bodenkredit 18, Central Mining 11, Diamonds 16,6, General Mining 12,9, Rio Tinto 38, Royal Dutch 30, Shells 4.126. Wechselkurse: New-Uork 4,32,625, Paris 84,30, Berlin 18,125 Billionen, Brüssel 96, Wiey 305,500, Prag 146,50, Amsterdam 11,50, Christianir 32,175, Stockholm 16,23, Kopenhagen 27,25, Schweiz 24,32, Finnland 127,75, Rom 100,625, Madrid 33,05, Warschau 22,575, Athen 25,250, Sofia 595, Bukarest 10,70, Konstantinopel 855. Bei Budapest verschwand heute der große Spielraum zwischen dem Brief- und Geldkurs, notierte 340.000 bis 360.000, Riga 22,44. Metall markt: Kupfer Standard prompt 60,17,6 bis 61.- dreimonatlich 61,17,6 bis 62.62, Elektrolyt 65 bis 65,10, Zinn Standard prompte Ware 225,10 bis 225,15, dreimonatlich 226— bis 226,10, Blei englisches '33,15, ausländisches 32,7,6 bis 29,17,6, Messing auslairdisches 31,17,6 bis 31,12,6. Baumwolle: Liverpool r Fullmiddling 16,57, amerikanische Terminware unverändert. Verkanst wurden 5000 Ballen, anfangs der Börse notierten die Preise 57 bis 63 Punkte niedriger nämlich Juli 16,02,August 15,43, Oktober 14,80, Jänner 13,75/März 13.66, 11 Uhr: 65 bis 53 Punkte niedriger, mittags 66 bis 57 Punkte niedriger. 1 Uhr 15 Min. 60 bis 72 Punkte niedriger, nämlich IM 16,04. August 15,42, Oktober 14,19, Jauner 13,76, März 13,62. Zucker. Bei ruhigem Geschäft unveränderte Preise. Weißer Javazucker Juni-Juli 21,2, Juii-August 21, tschechischer granulated schiffahrbereitt 25 franko Hamburg, amerikanischer Juli 26, weißer Terminmarkt August 22,9, Dezember 19,9. London, 3. Juli. Devisenschlußkurse Wien 307,500, Prag 147 50, New-York 4,33*/,«, Paris 83,45', Brüssel 95,1875, Nom 100,50, Zürich 24,335. Madrid 33.056' Amsterdam 11.5075, Kopenhagen 27,226, Christiania 32,175' Stockholm 16,345, Helsingfors 173, Berlin 18,125 Billionen. Paris, 3. Juli. Die Börse war auch heute sehr fest. Zwar ist der Umfang des Geschäftes noch immer unter dem gewöhnlichen Durchschnitt. Mein das neuerliche Steigen der auswärtigen Devisen hat naturgemäß alle Valuten'papiere mit sich gerissen. Französische Banken, frauMische Renten sowie französischen Kreditanstalten sowie Eisenbahnen waren etwas besser als g-astern, während die Zuck-erwsrte ziemlich schwach waren. Besonders animiert war der Petroleummarkt, wo die leitenden Papi:re starke Kursbesseruwgen auswiesen. Rüssenwerte wurden stark verkauft, was jedoch hauptsächlich aus Gewinusicherungen zurückzuführen war. Clektrizitätsw:r!e sind sehr gesucht.' In der Kulisse war die Festigkeit allgemein, besonders wiesen Goldminen und Kautschukwerte, sowie Shell und Royal Dutch Kursbesserungen auf. Paris, 3. Juli. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —.—, Pragobanka 410.— Credit Lyonais 16,—, Suez 14,220, Platine 815. Dabrowa 794, Banque Ottomane 739, Central Minina 950, Rio Tinto 28,18, Le Navlita Russe 430, Succerie d'Egypte 1120, Bakou 27,30, Cautchoucs sin 160,—, Charteret) 51,—, Debeers ordin. 10,72, Goldfields 83.50, Huauchakas 351, Jägers Fontain 264.50, Malacea ordin. 153.— Maltzoff 460, Mexiean Eagle 73,25, Padanq 375,—, Rand Fontain 93.—, Randmine 268.—, Silva plana 175,—. Tangcmyika 169,—, Tubice soie 647.—, Utah Copper 1459, Shell 361,—. Royal Dutch 26,—, Burmah —. Aew-2)ork» 3. Juli. Effektenbörse. Canadian Pacific 148, Union Pacific 136, Union Steel 99,50, Royal Dutch 48,25, Atchinson 103.375, Baltimore and Ohio 57,75, Greath Northern 63,126, Northern Common 59, Southern Pacific 92,25, Milwaukee 13,75, Eary 27,625 Cbaespeake 82,50. New-Borsi. 3. Juli. (Radio.) Devisenschlnßkurle. Taggeld 2‘/,°/o, Wechsel auf London 4,83,12, 60 Tage-Wechsel 4,30,12, Paris 5,11, Amsterdam 37,67, Berliner Schlußkms 23Vg bis 24, Prag 2,94. Silber 66 74. raies Miklas, Minister für Aeußeres Dr. G r ü nb e rge r, Minister für Unterricht Dr. Schneider und die leitenden Funktionäre des Buudeskanzleramtes. Der Präsident des Nationalrates gab ebenso -wie die erschienenen Mitglieder des Kabinetts der Genugtuung Ausdruck, daß -der Gesundheitszustand des Bundeskanzlers es ihm bereits ermögliche, in Rekonvaleszenz zu gehen, und drückte die Hoffnung ans, daß dies zur baldigen vollen Wiederherstellung führe. Im Hofe -des Wiedner Krankenhauses hatten sich auch fast sämtliche Aerzte und überaus zahlreiche Patienten eingefunden, um den Bundeskanzler bei seiner Abfahrt zu grüßen. Auch vor dem Wiedner Krankenhaus hatten sich zahlreiche Personen eingefunden, welche gleichfalls den Bundeskanzler herzlichst begrüßten. In Hütteldorf erwarteten den Bundeskanzler die Abgeordneten des Bezirkes, Minister V a u g o i n und Obmann der Wiener Parteileitung Nationalrat Kunschak. Naturobjekte als Naturdenkmals zu erklären und sie ß besonders zu schützen. Das Höhltznschutzgefetz sieht die Möglichkeit einer E r schl ießnngderH-oh lenfürden Fremdender lehr vor; die Erschließung der Höhlen erfolgt nunmeh in Niederösterreich durch die Landesregierung. Die Direk tion 'der niederöftevraichischen Landessammlungen wiri mit der Lösung dieser Aufgabe betraut. Das Naturschutzgesetz behandelt in seinem ersten Abschnitt den Schutz der Naturdenkmäler. Es ist -nunmehi -möglich, bestimmt Naturdenkmäler mit gewissen BeschräN' kungen des Eigentümers zu belegen. Das Gesetz sieht eir von der politischen Bezirksbchörds als öffentliches Buck, zu führendes Natur schntzbuch vor. Eine Reihe wei. terer Bestimmungen beschäftigt sich mit dem Schutz dek Äandschaftsbildes. Der Lan-deslha-uptmann wird ermächtigt im Verordn ungsw ege Be st im.m ungen gegen-di < Beeinflussung der Landschaft durch störende Unternehmungen, Bauwerke u nd Re. klamen zu erlassen. Ein weiterer Artikel ist den Schutze de's Tier- und Pflanze nre i ches gewidmet. Es sollen insbesondere die in Niederösteraeich -seller gewordenen Tier- und Pflanzenarten auf Antrag der Naturschutzstelle gleichfalls durch besondere Verordnungen der Landeslhanptmannes geschützt werden. Das Gesetz, gibt auck die Möglichkeit, Banngebiete (Naturschutzgebiete) in größerem und kleinerem Umfang zu schassen und innechalk dieser Banngebiete Beschränkungen zu ihrer Nutzung ftstgusetzen. Uebertretungen gegen das Gesetz werden nnt Geldstrafen bis zu 10 Millionen Kronen und A r r e st bis zu einem Monat bestraft. .• Die Sorialvrrsichernng Srr PrkWtangrstellten. Der Unterausschuß für das Ang-stelltenv-ersicherungs« gesetz hielt in den letzten Tagen drei mehrstündige Sitzungen ab. In der Beratung wurden insbesondere die Best-vmmungen über den Kreis der Versicherten erörtert, in welcher Bezieh!mg eine w e s e n t l i ch e E r w e i 1 ernng in der Richtung der Familiendevsicherung angestrcbt wird. -In bezug auf die Beruessungsgru.Mage hielt der Ausschuß einmütig die von der Regierung vorgesehene Ziffer von 1,8 Millionen für zu niedrig. Di-e Beratungen in dieser Richtung haben noch nicht zu einem ftsten Vorschläge geführt, doch dürste die Be Messung s» g ru udlage in der Hohe von r u n d 2,7 Mi l l io ne n bestimmt werden. Die Kron-kenpsleg.e soll nicht bloß dem unmittelbar Versicherten, sondern auch seinen Angehörigen geboten werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Bestinrmungen 'über zahnärztliche und zahntechnische Hilfe. In den Beratungen nahmen eininr breiten Raum auch die Bestimmungen über das Aerzteshst-sm e-rn. Es soll den Versicherten wenigstens in gewissen Richtungen die Wahlmöglichkeit geboten werden. Rur sl!r Aatnr. Der ni-cberösterreichische Landtag -beschloß gestern zwei Gesetze über den Schuh, die Erhaltung und Verwertung von Natu rh öh le n und den Schu tz der Natur. Veranlassung für die Schaffung dieser beiden Gesetze sind die, besonders in der letzten Zeit stark hervortretenden Verfehlungen an der Natur, Entfernung von Tropfsteingebild-en, Zerstörung von Eisbildungen und ähnliche andere Zerstörungen in den Höhlen und die mannigfaltigen Sünden an der Natur, die insbesondere an Ausflugstagen in -der Umgebung der größeren Städte begangen werden. Das Naturschutzgesetz soll aber auch die Möglichkeit bieten, besonders hervorragende Naturobj-ekte, zum Beispiel alte hervorragende Bäume, seltene Pflanzen, Standorte von Tieren, merkwürdige Gebt rgsbild ungen, Wasserfälle und ähnliche schöne Der Wöllersdorfer Skandal. Die Untersuchung über die Vorgänge bei der W ö t* lersdorser A.-G., die zur Gefährdung des Dachunter« nehmens und aller Tochtergesellschaften geführt haben, ist im großen und ganzen abgeschlossen. Die ch'ristlichssziale Partei hat den Abgeordneten Streeruwitz mit drr Aufgabe betraut, ein Gutachten über den Stand der Dinge in Wollersdorf zu erstatten. Auf Grund der Durchsicht des amtlichen Erhebungsmaterials ist Abgeordneter Streeruwitz zu der Ueberzeugung gekommen, daß hier ein unerhörtes Panama vorliege. Die Direktoren der einzelnen Subunternehmungen hätten einander die fettesten Geschäftchen zum Schaden der Substanzwerte, die in Wollersdorf vorhanden waren, zugeschanzt. Die. Materialverschleppungen seien geradezu ungeheuerlich. Die Teilhaber der Wöllersdorfer A.-G. liegen einander in den Haaren, der Geheinrrat Pochwadt macht den preußischen Großschieber Sklarz für alle Unsauberkeiten, die da mit dem Staatsgut in Wollersdorf getrieben wurden, verantwortlich und meint, man solle ihn e i nsperren. Sklarz hat es unterdessen vorgezogen, fern von Wien das Abklingen des Skandals abzuwarten. Gestern bestürmten die Wöllersdorfer Betriebsräte Abgeordnete und Minister, damit ja nicht das Werk stillgelegt und 1500 Arbeiter brotlos würden. Die Drohung mit der Stillegung ist es gerade, mit der die Schuldigen an diesem Panama ihrer Verhaftung begegnen wollen. Tatsächlich ist das Unternehmen in arge Schtvierigkeiten geraten uird es liegen Wechselfälligkeiien mit Milliardenbetragen vor. Gelingt es nicht, die nötigen Gelder aufzutreiben, so wird der Betrieb von selbst zum Stillstand kommen. Die eigentlichen Macher, Sklarz und Pochwadt, habeir sich saldiert und zwei ganz unbedeutende Beauftragte in Wien z-nrückgelassen, den Direktor N e u d ö r f e r und den Sekretär des Wöllersdorfer Jnteresfentenverbandes Wolf. Beide antichambrierten gestern im Parlament, wo eine Parteiführer b e s p r e ch u n g über Wollersdorf tagte. Obwohl der Skandal von S t e i n f e l d auch den Sozialdemokraten gehörig in die Nase stinkt, treten sie dafür ein, daß die Untersuchung der fraudulofen Vorgänge einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß überwiesen werde, womit natürlich die ganze Sache versanden würde; im übrigen wollen sie nur, daß der Betrieb mit irgend welchen Mtteln weitergeführt werbe. Unter den Abgeordneten der Mehrheit ist die Stimmung recht radikal. Man halt dafür, daß es am besten wäre, Herrn Sklarz und seine Kumpane gefänglich einzuziehen, da sie dann, nur um die Freiheit wieder zu erlangen, schon die nötigen Mittel zur Fortsührun,g der Betriebe aufbringen würden. Herr Sklarz hat, wie erwähnt, unterdessen in Weiser Voraussicht Wien v e r- . lassen. l