Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1934 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rttöffifc " ‘ DKerr, FveAag ~ revoilntton entdecken und besingen läßt. Auch die Svw- : jets wissen es zu schätzen, daß sie über eine unzu- ^frrchene. Opposition verfügen, die der offiziellen Regie- >rrrngden Gefallen tut, je nach Wunsch zu schweigen oder All schreien. ' - , Die Schlvierigikeitem für einen Erfolg der Londoner Besprechungen liegen demnach nicht auf der Seite der Einberufer. Von ihnen wird alles getan, um zu einerst positiven Resultat zu kommen und auch ihre iwiedevhMe Erklärung, äm Versailler Vertrag festzuhälleu/dr^nt diesem Zweck. Die Revision kommt. Das ist heute bereits unverkennbar. Aber sie ist nur auf dem Wege der Evolution möglich, und sie kann nur in den ,Fomren des legalen' Prozesses, der Appellation an den VMevbuüd und den Haager Gerichtshof, erfolgen. Die Anwendung, selbst nur die Androhung von Gewalt aber verzögert sie und jeder Tag des Bestandes dieses Diktatfriedens treibt nur neue Kraft auf die Mühlen der mitteleuropäischen Siegfriedler. - Re Lehre vom Zchlvert. k# Von Mahatrna Gandhi. .; Dieser Aussatzvesfm erster Teil hier veröffentlicht wird. ist dem soeben im. Roßapfel- Verlag, Zürich-München-Leipzig, erschienenen Buche ,Jung - Indie n" entnommen, welches r Aufsätze.' Gandhis in einer von. Romain Rolland besorgten Auswahl - vereinigt. Die "• Aufsätze, denen auch Unterredungen, Briefe uud l Notizen, beigegeben sind, umfassen alle Gebiete nicht mir politischer Tätigkeit. sondern auch verschiedener Tagesfragen, alltäglicher Angelegenherteu. neben Erörterungen ethischer und religiöser Art. Das Buch gibt in der Zusammenstellung dieser rn den Jahren 1919 bis 1932 geschriebenen Artikel . Gandhis ein lebendiges Bild dieses Volkssührers, vsssan Gestalt in merktvürdiger Meise bald an ' einen Heiligen, bald an einen KonjwnkturpolMrr erinnert, dessen Polititsche Lehre aber, welche in Machtfragen die Gewalt ausschalten will, und so in der indischen U nabhä ngi gl ei t Ibewegung zu dem von ihm vertretenen Prinzip der Non- Kooperation geführt hat, eine mächtige ' . echische Triebkraft in sich trägt. Iw btef^'w unseren Zeitalter der rohen Kraft kann mau' es/ fast nicht für möglich halten, daß jemand den Mauhetz an den entscheidenden Sieg der brutalen Gewalt vbMleHnen ' Wage. Und so evhalte ich denn anonyme Priese, dje mir raten, den Fortgang der Non-Kooperation auch 'dann nicht aüszuhalten, wenn sie zu Ausschreitungen des DoNes führen würde. Andere kommen in der Annahme zu mir, daß ich ün Geheimen unter dem Mantel der Non-Biollnz:(keine Gewalt — Die Red.) einen gewalttätigen Aufstand vorbereite, und wollen wissen, wann der freudige Dag etscheine,, an dem ich zur offenen Gewalt übergcherr werde.'"Sre^devsichern, daß die Engländer nur der offenen oder heimlichen Gewalt Weichen würden. Noch andere eMich halten mich, wie mir wohlbekannt, für den .abgefeimtesten Bösewicht im ganzen Reiche, weil ich meine Absichten immer verberge. Sie zweifeln nicht rm geringsten daran, daß ich so gut wie Me anderen <m die Gewalt glaube. Da. solcher Art die Macht, die die Lehre vom Schwert auf den Großteil der Menschen ausübt, da der Erfolg der . .Non-Ksoperation (passiven Resistenz — Die Red.) hauptsächlich von der. Ablehnung jeder Gewalt abhängt, da meine Ansicht in diesen Dingen die Haltung vieler Menschen beeinflnsten wird, ist mir'sehr daran gelegen, sie so Aar wie möglich darznstellen. ß Ich glaube, daß ich' da, wo nur die Wahl bliebe zwischen FeiMit und Gewalt, zur Gewalt raten würde. Ms ich im Jahre 1908 angegriffen und ^beinahe getötet worden wäre, fragte mich mein ältester Sohn hinterher, ob er hätte davonlauftn sollen und aus der Ferne zusehm, wie ich.getötet würde, oder ob er — wie er gern getan hätte — mich unter Aufwand seiner Körperkraft hätte verteidigen sollen. Ich antwortete ihm, daß es seine Pflicht gewesen wäre, mich zu verteidigen ' — selbst unter Anwendung von Gewalt. Aus dieser Ueberlegung heraus habe ich den Buven- .krieg mitg-ewacht, den sogenannten Zuluaufstand und den Weltkrieg. Aus dieser Aebevlegung heraus rate ich allen denen, die an die Gewalt glauben, sich rm Gebrauch der Waffen zu üben. Ich würde lieber sehen, daß Indien zu den Waffen griffe, um seine Ehre zu verteidigen, als daß es ein feiger, hilfloser Zeuge seiner eigenen Entchrung würbe und blieb. . . Dagegen glaube ich,,daß Non-Diolenz der MölenF unendlich überlegen ist. Vergeben ist männlicher als Bestrasen. Ve-vgeben ehrt den Krieger. Selbstüberwindung aber ist Vergeben nur da, wo die Macht zu strafen vorhanden ist. Vergaben ist bedeutungslos, wo es von einem wehrlosen Wesen scheinbar gewährt wird. Bei einer Maus kann man schwerlich sagen, sie vergebe der Katze,' wenn sie es zuläßt, das; sie in Stücke zerrissen wird. Ich kann deshalb die Gefühle Lerer, gut verstehen, die eine gerechte Bestrafung' von General D y" e r (dem Urheber des IMer- Massakers von Amritsar — Die Red.) und seinesgleichen verlangen. Wenn sie könnten, würden sie ihn in Stücke zerreißen'. Gleichwohl glaube ich nicht, daß Indien hilflos ist. Ich halte mich selber auch nicht für eine hilflose Kreatur. Ich möchte nur Indiens Kraft und meine eigene einem besseren Zweck Vorbehalten. > - Mau soll mich nicht mißverstehen. Kraft entstammt nicht körperlicher Fähigkeit. Kraft entstammt einem unbeugsamem Willen. Der Zulu ist sicher dem Engländer an körperlicher Kraft überlegen. Er flieht aber selbst vor einem englischen Knaben, weil er den Revolver fürchtet, den der Knabe gebrauchen könnte, oder ein anderer für ihn. Er w Wkentzr MorgenzeitnnS. fürchtet den Tod und ist deshalb kraftlos, ungeachtet seiner gewaltigen Gestalt. Wir Inder können uns ohne weiteres vorstellen, daß hunderttausend Engländer dreihundert Millionen menschlicher Wesen nicht zu fürchten brauchen. Ein entschiedenes Vergeben bedeutet also entschiedenes Erkennen unserer Stärke. In der Erleuchtung des Vergebens muß eine mächtige Woge von Kraft in uns aufquellen, die einem D y e r oder Frank Johnson (Beamter in Amritsar — Die Red.) verunmöglichen würde, Schmach und Schande auf Indiens in Ergebenheit geneigtes Haupt zu häufen.' Es kümmert mich wenig, daß ich für den Augenblick mein Zwl nicht erreichen kann. Noch fühlen wir uns allzusehr niedevge treten, um keinen Zorn und keinen Rachedurst zu empfinden. Doch darf ich nicht ablasten, zu sagen, daß Indien nur gewinnen kann, wenn es auf das Recht zu strafen verzichtet. Wir. haben Besseres zu tun, eine größere Mission zu erfüllen in der Welt. ~ Sie Ermordung fy Haans. Die unter dem obigen Titel in unserer gestrigen Nummer erschienene Darlegung enthält einen den Sinn völlig entstellenden Druckfehler. Im zweiten Absatz, 1. Zeile, soll es heißen: ,Mr ermordete De Haan war nie Ziomsi." ZAdW-arMfche BeMndigung. Das Programm der arabischen Bauernpartei in Palästina. Jerusalem, 1. Juli. (I. T. A.) Das Programm der arabischen Bauernpartei,;He " kürzlich in Hebron gebildet worden ist, lautet folgendermaßen: , 1. Die Partei sammelt die Bauernklasse Palästinas ohne U nter schied der Rasse. Mt Genehmigung des Zentralkomitees. dürfen ihr auch Finanzleute und Stadtbewohner beitreten, insoferne sie der Partei nützen können. 2. Die Ziele der Partei sind: a) Schutz den lokalen Produkten, Herabsetzung der Steuern und Verbesserung des landwirtschaftlichen Systems; b) Fortschritt in der landwirtschaftlichen Erziehung; c) Entwurf einer Derfassung, die sich mit den Wünschen des gesamten palästinensischen Volkes 'deckt. 3. Die Partei wird mit anderen arabischenParteierr als unabhängige Gruppe Mitarbeiten, wenn dies im Interesse des Volkes notwendig erscheint. 4. Um die oben erwähnten Ziele zu erreichen, erstrebt die Partei' unter anderem: Einführung neuer Methoden der Äandkultivierung,'. Einrichtung von Kooperativen zum Verkauf der Produkte und'Einkauf landwirtschaftlicher Maschinen, Abschaffung oder Erleichterung des ,-Zehents", gerechte Verteilung der Steuern, Schutz der heimischen Produkte durch.Erhöhung der Einsuhrzölle aus fremde Produkte. Eröffnung einer L a n d w i r t s ch a s t s b a n k. Die Partei erklärte, daß es ihr ernster Wunsch fei, a) m i t a l l e n Bewohnern des Landes inFriede« zu leben; b) das MandatGroßbritannienS anzuerkennen; e) mit der Regierung Übereinzukommen, daß ein« Aufbaupolttik gemacht werden soll; d) es soll sofort eine gesetzgebende Körperschaft aus Vertretern aller Einwohner einlberufen werden, wie dies schon einmal von der Regierung vovgefchlagen worden -war. , Das Programm ist von siebzehn Scheichs und Whrern der Dörfer des Hchrondistrikts unterzeichnet, / ' Der Kongreß der BSlkerbundlkgen. (Eigendienst der ,,Wiener Morgenzeitung".) Lyon, 3. Juli. Wie schon berichtet, wurde am 26. Juni hier der achte Kongreß der Volkerbundligen in feierlicher Weise eröffnet. Der Kongreß tagt in dem den Namen de's früheren Maire von Lyon, nunmehrigen Ministerpräsidenten Eduard H e r r i o t tragenden Saale des Palais de la Mutualite. Am Vorabend 'der Eröffnung veranstaltete die Vereinigung für Frieden und Recht eine öffentliche Versammlung, deren Sensation ein« improvisierte Ansprache des bekannten deutschen Pazifisten Professor Quid de bildete, besten für eine deutsch-französische Versöhnung erntvetenden Ausführungen von dem dicht gefüllten Saale stürmisch akklamiert wurden. Die Eröffnungssitzung leitete der frühere niederländische Finanzmimster Troub. Für die Stadt Lyon sprach M. Valayer, für die französische Liga der Deputierte M. Jean H e n n e s s y, für England Sir Willougkhby Dickinson, für die Vereinigten Staaten Mr. Dnniway, der treu baldigen Eintritt feines Landes in den Völkerbund forderte und erhoffte, worauf wirkungsvolle Kundgebungen der FH rer der chinesischen, japanischen und australischen Delegation den 'Mächtigen Eindruck steigerten. Der Delegierte 'der jüdischen Bölkevbundliga für Oesterreich, Herr Dr. M argul res, wirkt in der Kommission sür die Rechte der Minderheiten, die sich mit einer eindruckswollen Resolution gegen das System des Numerus clausus zu befassen haben wird. Die Plenarsitzungen des Kongresses haben am 1. d. begonnen. Bon bekannten Persönlichkeiten sind in Lyon anwesend: Graf Bernstorff, Professor Quid de, der Vizepräsident de's belgischen Senats La Fontaine, Dr. W.a ug, ehemals chinesischer Ministerpräsident, Professor .A ul ar.d, einer der besten Köpfe des Kongresses, Profestor Richet, Deputierter Jean Herrnesfy, Sir Willoughiby Dickinson, Major Ormsby-Gere, Profestor Boet (Zürich), Senator B ratz ec und Ppdsessor R a u ch b e r g (Tschecho-Slowakei) usiv. „Progres",^ das Organ Hevriots, brachte vorgestern aus der ersten Seite dos Bild des Vertreters der jüdischen .Völkevbundliga sür Oesterreich, Dr. M a r g u l i e s. — ./ t. IW ISA '.'IllililWiiüW"' M. IBM Jas neue Mrum-Mommen von Die deutsche Schwerindustrie'WA nichts leiste«. Düsseldorf, 3. Juli. (Wolfs.)- Die Sechserkommission hat das kürzlich albgeschlossene Mieumabkomwen zum 31. Juli g e k ü n d i g t. Das Künd igungsschreiben hat folgenden Wortlaut:'Die Besprechungen mit der Regierung, die' gleich nach dem Abschluß der Vevhandlungen über die Verlängerung deß Micnmbertrages gepflogen wnvden, ergaben, daß die/Regierung nicht in der Lage i st, dem Ruhrbergbau 'für den Monat August finanzielle Unterstützungen zuzusichern. (SS ist. auch dem Ruhrbergbau Ünmöglich, die Lasten des Vertrages zu übernehmen. Wir sehen uns deshalb gezwungen, das Abkommen. zuan 31. IM zu kündigen. . 1 , . ..; . Der demolraMe Konvent ergebnislos. "' New-Dork, 3^ Juli.'(Reuter.) Der 5e"m"otrat"i"s"ch'r Konvent, hat sich vertagt, nachdem 42 Abstimmunge«' ' über' die Designiepüng ' des- PräskdentschaftSkanWaten ohne Ergebnis^ verlaufest.such.; -Mac A id yo hatte bei der letzten Abstimmung 500 Stimmen erhallen/. Es verlautet, daß Mae Adoo die Absicht We, feine Kandidatur im dsmokratischen Kongreß zurückzuz üe h e n und den Senator R a l st o n als Kandidaten zu empfehlen. Man glaubt, daß diese Kandidatur noch heute offiziell verkündet iverden wird. Warum RatteoM emordet wurde. Furcht vor Enthüllungen. — Die Aussage der Witive. (Eigendieust der ,Mi-ener Morgenzeitung".) Rom, 3. Juli. Der Untersuchungsrichter in der Affäre M a t t e o t t i hat die Witwe des ermordeten Abgeordneten in ihrer Wohnung einvernommen. Frau Matteotti erklärte, daß im Gegensatz zu ihr, die in steter Angst vor Attentaten gegen ihren Mann lebte, Matteotti die Faszisten nicht gefürchtet hat und sich.auch durch keine Drohbriefe, die er häufig erhielt, hätte emschuchtern lasten. Er hatte eine Broschüre über' die , Tätigkeit der faszi.stischen Partei in Vorbereitung, in. der er auch verschiedene Dokumente zur Unterstützung seiner Behauptungen veröffentlichen, wollte.. Seine Gegner seien 'wahrscheinlich über seine Absicht, i n s o r m i e r t g.ewe.se n. - . / .- ... ' yy Weitere Verankerungen ln Mussolinis Regierung. Offiziell wird verlautbart, daß die nationale Mlrz g^ maß den Verfügungen des Ministerpräsidenten den Eid auf de« König noch im Laufe des Monats Juli zu leisten habe. Es wurde vereinbart, daß, wenn nicht cnchevovdentliche Umstande eintreten, die Kammer nicht vor November wieder zusamnwntretenwerde. Sämtliche bisherigen Staatssekretäre w u r d e n. d u r ch neue ersetzt, darunter der Direktor des „Corriere d'Jtalia", Mattei Gentili, und der Ehefvedabtenr der ,^Jdea Nazionale", Cantalupo. Staatssekretär im Mnifte-vpräsidimn wurde Suardo aus Bergamo (Fas- .zist), für Inneres der bisherige Kammervizepräsident Dins Grandi (Faszist), für Krieg der DivisionZgeneral' Clerinjr Las Kgllche Grenzwachgetzlänkel. Graz, 3. Juli. Die ,^Lag«s.Pof^ meldet aus La ib a ch, daß e's nach Berichten aus Bischoflack zu. einem n e ü e n Grenzzwischenfall zw ischen einer rtali en ischen und einer jugflawischen Grenzwache gekommen sei. Die italienische Grenzwache, die die Grenze überschritten hatte, habe die jugoslawische Wache, die ans zwei Finanzwachleuten bestand, überfallen. Bei der letzteren! habe sich auch ein Student befunden, der eine Partie in die Mpen unternehmen wollte. Die italienische Wache habe auf die jugoslawische geschossen, wodurch beide Finanzwachleute getötet und der Student sehr schwer verletzt worden sei. Zwanzrg Zusammenstöße. Belgrad, 3. Juli. (Tschecho-ffow. Pveß-Bnr.) Wie and Laibach gemeldet wird, wurden gestern nachmittags a-n der jugoftawisch-i'talienischen Grenze unweit Rakek zwei jugoslawische 'Grenzwächter von einer italienischen Grenzwache erschossen und ein Bauer schwer verletzt. Der Zusammenstoß erfolgte so wie der letzte in dem noch nicht abgegrenzten Gebiet. Die gemischte Kommission, die 'die Äntersuchung über den letzten blutigen! Grenzzwischenfall führt, hat sestgestellt, des; es in der letzten Zeit zu 20 Z u sa m m e n st ö ß e n z w i s.ch e n d e n b e iderseitigen Grenzorganen gekommen ist, die fast durchwlegs auf deM noch nicht adgegrenzien Gebiet erfolgten, glücklicherweise äber nicht ft blutig verliefen wie in den beiden letzten Fällen. Dar polnische Mknifterinm ffit Agrarreform. Warschau, 8. Juli. (P. T.-A.) Zum L-L-r des Mim. stermms für Agrarreform wurde vorläufig nach der De- Mission des Ministers Ludkiewicz Minister für Ackerbau Janicki ernannt,.