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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-04 · Heft 1934 (4.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1934 (4.7.1924)
Date
1924-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Znli 1824 Fabraana Bedeutsame Besprechungen im Weißen Hause. - Amerika soll die Finanzkontrolle über Deutschland übernehme«. - Die Entscheidung liegt bei der Londoner Kouserenz. (Vgenhltttst der „Wiener Morgeitzettun^.)?! Berlin, 3. -IM. Ueber die Möglichkeit einer internationalenK.onferenzinWashingtvn berichtet das „Berliner TagMatt" aus New- Nork: Präsident Coolidge ,empfing heute im Weißen Hause den amerikanischen Botschafter in Berlin Houghton zu einer längeren Besprechung, an der auch General Da wes teülrrahm. Die Besprechung wird morgen unter Beiziehung des Staatssekretärs Hughes fortgesetzt werden. Den umnitteLaren Anlaß zu dieser Konferenz der maßgebenden amerikanischen Staatsmänner gab der Wunsch Eoolidges, aus erster Hand über die Lage Deutschlands sowie die Aussichten für seine nächste Entwicklung nach Inkraftsetzung des Dawes-Planes informiert zu werden. Es wird auch diesmal wieder die Frage erwogen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine. Zusammenkunft der Vertreter sämtlicher an der Repa rat:onsfrage interessierten Mächte in Washington > möglich wäre. .. - / 'y Es wurde bei der Besprechung festgestellt, daß. in - dieser Richtung k e i n er lei Schritte unternehmbar seien, solange die europäischen Mächte nicht unter sich die Annahme und , ... Durchführung des Dawes-Planes endgültig sichergestellt hätten. Der Standpunkt des Weißen Hauses läßt sich kurz so formulieren: Die Alliierten und Deutschland müssen ihre Karten offen auf den Tisch legen. Man erwartet in Washington, daß die ' Londoner Konferenz dieses Ergebnis zeitigen und in der Reparationsftage endlich Klarheit Waffen wird. ' Große Bedeutung wird Londoner Fühlern in Washington beigemessen, die sondieren, inwieweit Amerika bereit wäres den Oberkommissär für die Aufsicht über die deutschen Staatseinnahmen zu stellen. Danach seien die Alliierten entschlossen, dem amerikanischen Oberkommissär die unumschränkte Vollmacht einzuräumen, die Kontrolle über die gesamte deutsche Finanzp olitik auszuüben und im Falle einer deutschen Verfehlung die Aussicht über das ganze Budget zu übernehmen. Sie wünschen auf diesen Posten einen Amerikaner zu sehen und hoffen schon deshalb auf Z uftimmung in Washington, weil Amerika bei den Besprechungen über die deutsche Anleihe, die im Anschluß an das Sachverständigengutachten gefiihrt werden sollen, die. H a u p t r o l l e spielen dürfte. Die Londoner Konferenz. Amerika nimmt teil. London, 3. Juli. Das Reutersche Bureau. erfährt, daß, obgleich die Vorbereitungen für die. ^bovorstcheude K o n^se r e n z in L ö ud o nfortHstMW zahlreiche Fragen u n'g'-e kl ä'r^' selens Der -Zeitpunkt der Konferenz ist endgültig aus den 1h. 'I u li - festgesetzt worden. Dies würde in den Einladungen besonders erwähnt, die an Japan, F ra nk rei <§;. B elg iett uNd Jta li ens gesendet und von diesen Landern a rigen o uttit en worden sind. Eine Einladung i n anderer Form wurde auch von Amerika angenommen. Es besteht der Plan, daß aIle an beit Reparationen interessierten Staaten Gelegenheit haben sollen, teilzunchmen. Aber bisher würde' m der Frage dieser Einladungen, die gegenwärtig geregelt wird, noch nichts Endgültiges beschlossen. Die. Frage der Hinzuziehung der Dominions wird ebenfalls erörtert. Es wird erwartet, daß einige europäische Länder von ihren diplomatischen Vertretern in London vertreten sein werden. Hinsichtlich Italiens steht jetzt fest, daß Ministerpräsident Mussolini nicht kommt. Man glaubt, daß Italien durch seinen Finanzminister de Stefani vertreien sein werde. Dar MittelemMWe Mett* arsenal. Oesterresch liefert Waffen und. Munition. . London, 3. Juli.. Der sozialöftische. Abgeordnete und Pazifist Morel fragte.im .Unterhaus den Premierminister, ob die Regierung ihren Einfluß dahin geltend machen wolle, um zu verhindern, daß der Erlös der, privaten A nleihen, die eine fremde Regierung in England ausnimmt, zum A n k a u f v o n Waffen verwendet werde. Unterstaatssekreilär P o n so nbh antwortete, daß es lediglich Sache der geldgebenden Persönlichkeiten am' Markte sei, zu bestimmen, zu welchem Zweck eine Anleihe für eine fremde Regierung verwendet, werdeaber so weit die Regierung ihren Einfluß ausüben könne, werde sie keineAnleihe b«g ü n st i g eit,,die:zum Ankauf' von Waffen für fremde Regierungen bestimmt fei. „Daily Herald" bringt in seiner heutigen Nummer ein Interview mit Morel, in welchem dieser Mitteleuropa als Waffonarsenal schildert. Morel meint, daß in .Deutschland in größeren: Maßstab die Ausbildung von militärischer Mannschaft stattfindet, bezweifelt aber die-Existenz einer Rüstungsindustrie. Dagegen betont er, daß die größte Zentrale für die Waffenerzeugung in Zentraleuropa die . österreichischen,Werke seien. Auch die Skoda werke seien an der Kriegbm'.t.elerzeugU'Ng beteiligt. In Wien, Wollersdorf, E nzersfeld, Bluman seien Rüstpngs werkst ä t t e n und auch die öst e r reichi s ch e n Da iin>1 e r-! Werke erzeugen Waffen. Während der letzten Monate habe Jugoslawien aus diesen Fabriken eine Million Mauserg ew ehre, eine Million Revolverpistolen sowie 133 Waggons Munition bezogen. 36 Waggons seien im.April nach Laibach abgetan gen, zwei Waggons Maschinengewehre und ZwÄf Waggons Munition wurden in Automobilen verschickt. Außerdem wurden 24 Waggons mit Feldküchen und Material von Jugoslawien gekauft. Rumänien, hat große Aufträge für E x p l o s i vst offe, Maustrgewebre und Scheinwerfer-erteilt; auch Polen hat große Käufe getätigt. Diese, Aufträge an die österreichischen Staatswerke könnten weder üntergchracht, noch ausgesührt werden, ohne 'daß die . Botfchasterkonstrenz davon Kenntnis hatte. Morel zieht darams den Schluß, daß, obwohl H e r r i o t-selbst schr friedliebend sei, doch ein sehr starker Einfluß vorherrsche, um diese Lieferungen bewerkstelligen - zu können, da kriegslustige Persönlichkeiten in den entscheidenden Kommissionen sitzen. ' BerbMmm der Ma. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 3. Juli. Das österreichische Konsulat i n P r a g teilt heute mit, daß demnächst die ö ste r r e i ch.ische Konsulats- und Visagebühr eine Herahsetznng. erfahren wird. Ser neue englische Gesandte in Budatzeft. BudaPeH- 3- Juli. (U. T.-K.--B.) Der neue eng-, lische Gesandte in Budapest, Sir Calville Barclay, ist beute, hier emgetroffen. Der neue To». -7. W i e n, 4. siuli. Mitte dieses Monats wird die Londoner Konferenz zusammentreten. Sie ist keine auf die Alliierten lind ihren Kreis beschränkte Veranstaltung, sondern zieht auch Deutschland zu den Besprechungen heran.- Die Neuerung Marx erhält somit die Gelegenheit, ihren Standpunkt zur Reparationsfrage als gleichberechtigter Vertreter des deutschen Volkes darzulegen und in Rede und Gegenrede zu. verhandeln. Auf den früheren Londoner Konferenzen waren nur deutsche Wirtschaft^ referenien vorgeladen, die in einem Ausschuß zu berichten, im übrigen aber so wie: seinerzeit in Versailles ein in ihrer Abwesenheit gefälltes Urteil anzuhören hatten. Dieser Ungerechtigkeit wird jetzt ein Ende gemacht. Die neue Londoner Besprechung ist also ein sehr großer Fortschritt. Sie bringt in die bisher fruchtlos und einseitig geführte Angelegenheit euren neuen - Ton und zerstört die Me Tatsache, die der französische -.-Imperialismus in getreuer Kopie der Ludendorffschän , Methoden geschaffen hatte. Es ist eine erfreuliche'Fort- , entwicklung von dem Versailler Geist. ,; . : ' . Nicht bloß die Äußerlichkeiten dieser " Konferenz . erweisen dies. Biel schärfer tritt die Wendung in-hem Programm heraus.- Die Schwenkung rn cher. Pahn^der^s europäischen Politik akzentuiert sich m der" Hex.an- ' Ziehung- Deutschlands, dann. aber, in der Auss-chyMng, aller für die stets aktionsberei'te- Demagogie förderlichen Momente. Die Fragen der. Sicherheit, dir . allen' Krjegs-?."- Patrioten reichen Stoff für ihre Tiraden und .reiches - Futter bieten, werden nicht besprochen, chenso die."interallii'erten Schulden. Man wird sich nur mit dem Bericht 7. der Dawes-Kömmrssion beschäftigen und die Resultate -- der Besprechung in einem Protokoll zufammenfassen, das alle Nationen ohne Vorbehalt zu unterzeichnen . hätten. Die Anwendung von Sanktionen .soll nur. bei ' Fällen schwerer.Verfehlungen Deutschlands- .erfolgen,..." Die Feststellung solcher Versel)lungen soll jedoch 'nicht - mehr den interessierten Staaten, sondern einer aus er- - i halb der Reparationskommission stehenden - Instanz . überlassen werden. Man kann annehmen, daß die.Ein-.-' beruser der' Konferenz hierbei an den Völkerbund den-.,!e.n, dem in Zukunft die gesamte Materie der. Repgra- ' tionssorgen, soweit sie politisch zu . fassen ist, Mevwiesen werden soll. Deutschland erhält einen. Monat Frist zur , Durchführung der von den Sachverständigen verlangten gesetzlichen Maßnahmen. Nach . dieser. Frist treten die gegenwärtigen finanziellen und wirtschaftlichen . Sank- : tionen außer Kraft. Das ist die tatsächliche Abänderung einiger Härten . des Versailler Vertrages. Vollendet würde diese, revidierende Absicht jedoch erst durch den Beitritt Deuts6^- , lands zum Völkerbund und durch die Aufhebung., der. politischen und finanziellen Sperre gegen Rußland. Öhne Beseitigung der russischen Jsoliermauern ist, keine , Gesundung der Wirtschaft möglich. Es ist. bekannt,, daß . von-England aus die ersten Schritte zur. Verständigung , mit Deutschland und zur Anerkennung des Sowjet-. ,' systems als einer festen politischen- Größe erfolgt, s'ind , und.daß das neue Frankreich, entschlossen ist,. auch .das Seine. zur Besserung der aegenstitigen Beziehungen 4U tun. .Aber die Liebe lst bislang sehr einseitig, .In Deutschland hält die Angst vor den völkischen Älastl-.. aufreißern die Regierung vor entscheidenden Schrittpu'D zurück. Sie . hat 'mit ihrer Militärkontrollnote genau; das gesagt, was die Gegenkoytrahenten. .gerade.. . im gegenwärtigen Augenblick nicht hören durften, was. .sie! tn unliebsame Kritik ihrer eigenen Chanvlnisten.ibrin- . gen muß. Hinter der ver'antwoMchen Regierung'Mürx arbeiten die Unverantwortlichen, die in ihrer Preffe^; den Franzosen, Tschechen, Polen täglich drohen, sie wurden sie demnächst in die ^Fresse hauen. Da diese Unverantwortlichen nach der Macht .greifen und bei' her! numerischen Stärke ihrer. Reichstagsfraktionen .sogar - ein gewisses Recht dazu besitzen, ist es mcht.verwunderlieh, wenn man in Frankreich ihr Geschrei ernst behän- ' beit oder so tut, als wollte mau es seriös-auffassen'.'In: gleichen Schritt'mit ihnen bewegt sich Rußland, -das ' jeden. Tag mene Verhandlungen zur Erla-n-gung - von Krediten änknüpft und jeden Ta-g durchseine-Unver- . antwortlichen neue glückverheißende Aspekten zur West.

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