Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1933 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nv- 1ÖÄ . ' Mev, Bonners?a>g —.... - - — -;—-— LSnnszenrn i« der Jepofitenbanl. , Ein Komitee der kleinen Einleger gebildet. Gestern vormittags samMlten sich über, IM Einleger der DchMenbank im Brnigebaude und vor demselben anum 1 ihre. Forderungen anzumÄden. Es kam zu erregten Auftritten, da sich viele mit den ausgestellten Anmeldescheinen nicht zufrieden geben wollten, sondern Bargeld verlangten. Aus den Krevsen der . kleinen Csnleger würde ein Komitee gebildet, das. alle Einleger. für morgen . Freitag um 6 Uhr abends.in das Hotel Post zu einer. Versammlung.einberufen hat. Heute laufen die Anmeldungen weiter, doch werdet: .die Schalter erst um 10 Uhr geöffnet werden. Me neue Wohnbausteuer des Landes Men. Eine starke Belastung der niederen Zinse. " Der Magistrat beabsichtigt, die Wohnbausteuer zu erhöhen. Diesmal sollen die niederen Miie-dzinse für Wohnungen «nid.Geschüftsilokale beidsute-nd echöht werden. Bei eänem Mietzins des Jahres 1914 von ISO K. mona-tlich werden 720.000 K. jährlich als Wohnbausteuer, das heißt 60.000 K. moniatl ich (bisher ungefähr 7500 K), der einem Mietzins des Jahres 1914) von 100 Kronen monatlich werden 420.000 K. jährlich, das höißt 35.000 K. monatlich (bisher ungesahr 4500 K.) verlangt wevden. Dies ist eine unerhörte Belastung gerade rer Minlder- und MnIdesthemiittMen und. bedeutet nichts anderes alls eine ZlinSerhöhung, wie sie bisher stets albgelchnt wurde, wenn sie von den Hausherren verlangt wurde. Mit dieser Mi-etzinsstsigevung, die die Gemeimde Wien fordert, werden die sozialdemoikvatilschen Wähler, des Jahres 1922 wohl nicht sehr öinvevstainsden sein. . . * Die NathauAorrchPonbönz schreibt; Durch die AbgabenteKk-wgsnovelle wurde von dem nach den bisherigen Bestimmungen den Ländern und Gemeüüdm zustchenden Anteil am Ertrage der. gemetinschastlichen Mgalben ein Betrag van 500 Milliarden Kronen jährlich für den Bund vovweggenommen. Der Anteil, mit welchem die Gemeinde Wmr zu - diesem Erfordernis. des Bundes deiißUtMgen hat, beträgt jährlich rund 280 Milliarden Kronen. Dazu kommt sin Betrag von 70 Milliarden Kronen, welcher der Gemeinde dadurch -entgeht, daß die BaMnumsatzsleuer eine ausschlichliche Bundesstsuer geworden ist. Es. wurde daher eine Erhöhung Iber- Wohndaustsutzr beschlossen. Da der-Fviedanstzins im Jahre 1913 in Wien nahezu 400 Millionen Goldkronen betvuig, wäre die Gemeinde Wien berechtigt, aus einer Novellierung der - Wohnbausteuer einen Ertrag-von »wgefÄhr 40 MiWonen Goldkwnen, also nahezu 600 Mlliarben Kronen austzuschÄpifen. Der Magistrat hat nun einen Gesetzentwurf ausigWrlbeitet, der sich mit der Hälfte davon begnügt. Nieser EnÄonrf. bringt. der Gemömde Wen aufr daS Jahr umgerechnet, an Stelle des EinnahmenausifaÜes vo.y. rund 350 Milliarden Kronen nur eine Mehreännahme von 300 Milliarden Kronen, und auch dies «erst vom NovMiber 1934. Aus die BMrlfnisse vrm Handel, Gewerbe und Industrie nimmt der Entwurf iim weitestgehenden . Maße-Rücksicht,-'inde-sr er hie Steuer für.GeschästslokaMäten mit 14 Pvo- Kent des -FÄedenchinses beigre-nzt. Die Hoteli'Mvstrie wurde von der. Stouechöhunig vollständig freigelassen. Gegenüber der StenerPalia des Jahves 1933 tritt in den unteren Stulfen eine D t r s iebensachung und in. den . höchsten Stufen eine Derviergehnsachung der Steneribeträge ein. Es werden zahlen: Wohnungen und Geschäftslokkale mit' einem Frieidens- Ms von 360 K. monatlich 9000 ,fl., 480 K. monatlich 12.060 K., 600 K. monatlich 16.000 K., -1200 Kt monatlich 35.000 K., 1600 K. monatlich 47.500 K., 1800 K. monatlich 60.000 K., 2400 K. mona-Aich 90.000 K., 3000 K. monatlich 126.000 K., 4000 K. monatlich 226.000 K., 5000 K. monatlich 350.000 K. Der Finanzausschuß des Wiener La Mages wird sich am 9. Juli mit dem Gesetze bsschästigen. Mitte Juli soll der Landtag zur Beschlnßsassnnig zusammeutveten. Die AUre von Mllersdorf. Gestern nachmlittags erschienen im Piarlament-Angch.ellte oon Wollersdorf beim FmanMmister und beim Handelsm mlster, um gegen die beabsichtigte Gnrstellung des Betriebes zu.tzrotsstrerem Auch Parteibesprech ungen und eine gemeinsame B.eratung-dev Regierung mit den Führern der Parteien fanden statt. .Bisher wurde kein Ergebnis der BechaMungen .festgeistellt. Heute werden die Verhandlungen fortgesetzt. ' , ... Zum Staaskommissär für Wollersdorf ist Ministerialrat Dr. Rößler ausechehen. t Der Krakauer Monsterprozeß. Zwischenfälle in der BechaMirng. " i Aus Krakau wird arns. geschrieben: Im Verlauf ber Verhandlung im Pvozeffe gegen die Teilnehnter an den blutige.NiUnr.u.h en in.Kmkau ereignete sich am Montag ein interessanter Zwischensa-ll. Als nämlich der Vorsitzende gegen 9 Uhr vormittags die Verhandlung eröffnen wollte, waren die Geschworenen noch nicht erschienen. Etwas später erschien -der Obmann des Geschtvovenenkoll-ogiums und gaib im Nmnen der Geschworenenhank -bekannt, daß die Geschworenen ohne Rücksicht ans die angedrohten Geldstrafen beschlossen 'hätten, an der weiteren Verhandlung Nich-t teiilg u n e h m e n. Sie hätten dis heute keinen Bescheid Mer ihre Beschwerde darüber, 'daß sie mit -Rücksicht auf. die zweiiwöchige Inanspruchnahme bisher -keine entsprechende Vergütung erhalten 'haben, wiewohl die GeschworeNenibank sich hauptsächlich aus HandwerkeEeisen und Beamten zusammensetzt, die durch die lange Wwesenheit von ihrer Wiener Morgenzettuns. Mitteilungen aus dem Publikum. Paket-Expressverkehr ab Wien nach und über POLEN durch Jos. J. Leinkauf Dl, Me».!. MUMM. 9 in direkten Sonder-Eilgutwaggons, und zwar: Waggonttach Laufzeit Srabaa . . .1 lag Bielitz . . .1'/, * Kattowltz . . 1V, „ Tarnow ... 2 , nach Frsemyal Lemberg;. Warschau Btanislau Waggon- Laufzeit , . 2 Tage . 2 „ . .3 . .3 . nach Czernowitz Waggon-Laufzeit 5 Tage. 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Der montägige Prozeßtag konnte somit nicht stattsinden. Wie ein Polizeibericht aus Warschau besagt, ist einer der Angeklagten über den Sormtag nach Warschau abgereist. Ein polizeilicher Bericht aus Neu-Sandec besagt, daß ein weiterer Angeklagter dortselbst in Häft genommen wurde, weil er in seinem Automobil eine Person überfuhr. K« LpirMstenprozeß in Berlin. Berlin, 2. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzoitmtg") Bor dem Schöffengericht in Charlotte uburg begann heute ein sensatioueller Prozeß, in dem der Spiritismus eine große Rolle spielt. Es handelt sich um den angeblichen Schriftsteller W e b e r - R o b i n e, der sich den Titel eines Professors der Universität Boston zulegte und mehrere okkultistische Orden gründete. Diese Orden wurden seinerzeit ausgelöst, als eines ihrer Mitglieder einen unerklärlichen Selbstmord verübte und den Orden zum Erben einfetzte. Der Angeklagte hatte im Jahre 1917 eine Genossenschaft unter dem Titel „Das grün<> Kreuz" gegründet. Als sich auch hier eine Anhängerin das Leben geuomnien hatte und der Orden. aufgelöst worden war, gründete der Angeklagte eine „Gemeinschaft für Geisteskultur". Eine Sistmörderin. München, 2. Juli. (Tel.-Komp.) Die Slraskammer verurteilte heute die 29 Jahre alte Litwina A r i stow a, die im Jahre 1916 in Dorpat einen angeblichen Fürsten geheiratet und, nachdem sie vor den' Bolschewiken geflohen war, in den Balkanländern und auch in Wien ein abenteuerliches Leben führte, wegen Gift Mordversuches zu 5 Monaten und 8 Wochen Gefängnis. Es war ihr in Berlin gelungen, den Sohn eines sehr wohlhabenden Kaufmannes an. sich zu.fesseln,- Ivobei sie mit Hilfe gefälschter.Schriftstücke beüauptete, die estländische Regie- 8. Mi 1984 Gelle 1s ------—1,1 .a rung habe bei der Bank von England für sie 60 Million« Goldmark hinterlegt. Der Vater des jungen Mannes stellte je« doch Nachforschungen an. Als dies die Aristowa erfuhr, sucht« sie den Mann dadurch zu beseitigen, daß sie ihm auf ein« Reise Semmeln mitgab, die sie vorher mit Menthol getränkt hatte. Ihr Versuch zur Beseitigung des künftigen Schwieger- Vaters mißlang jedoch. Zugleich mit der Aufdeckung deS Mordversuches wurde auch festgestellt, daß aus der Wohnunß -es Vaters des jungen Mannes mehrere Schmuckstück!: gestohlen wurden. Bazillen. Von Eugen Heltai. Es lebte einmal ein junger Mann, den hatte man alj Kind gegen Blattern impfen lassen. Dann gegen Diphcheritis. Der Knabe wuchs heran und zugleich mit ihm ent» wickelte sich auch die Bazillenkunde. Seine fürsorglichev Eltern ließen ihn auch gegen Lungenschwindsucht impfen. Dann, als die Wissenschaft einen weiteren Schritt vorwärts machte, ließen sie ihn auch gegen Krebs impfen Der Jüngling war sehr glücklich und sehr gesund Denn er war schon sehr geimpft. Doch die Wege der Wissenschaft sind unabsehbar. Ein englischer Arzt entdeckte >den Bazillus der Trunkenheit. De; Jüngling, der auf seine Gesundheit überaus acht gab, ließ sich ohne Zögern auch gegen Trunkenheit impfen. Ein Franzose war unterdessen dahinter gekommen, daß auch die Seekrankheit durch Bazillen hervorgerufer wird. Und obwohl der Jüngling nicht die geringste Lust verspürte, aufs Meer zu gehen, ließ er sich doch schleunigst auch gegen Seekrankheit impfen. Ich brauche gar nicht zu sagen, daß er auch gegen Pest, Eholera, Masern, Typhus, Kopfschmerzen, Sodbrennen, Hexenschuß, Zahnschmerzen und Blinddavment« zünduug geimpft war. Ebenso auch gegen Herzklopfen, Augenschmerzen, Ohrensausen, Schnupfen, Dickleibigkeit, Magerkeit, Luft« röhrenkatarvh, Kehlkopsschwindsucht, Hühneraugen un4 Er hätte in schönster Ruhe leben können, wenn nicht der Forschungsgeist der Aerzie immer neue Bazillen entdeckt hätte. Der junge Manu, der sehr darauf achtete, daß ihm ja nichts znstöße, hielt mit der Wissenschaft immer gleichen Schritt. Diesem Umstand hatte er es zu verdanken, daß er alsbald auch gegen Erkältung, Influenza, Gicht, Rheumatismus, Nervosität, Blutarmut und Kindbettsteber geimpft war. Dann impfte man ihn auch gegen Genickstarre. Da glaubte er, daß er nun schon gegen alles geimpft sei. Welch ein. Irrtum! Er war noch nicht geimpft gegen Schw indel- und Ohnmachtsanfälle, BluWergiftung , und eine Menge Krankheiten diskreter Natur. Der junge Mann ergänzte im Sturmschritt diese Mängeln Das viele Impfen hatte aber schädliche Folgen. An dem, kreuz und guer geimpften Jüngling 'begannen sich Symptome von Geisteskrankheit zu zeigen. Was nicht zu verwundern war. Die vielen verschickenartigen Heilmittel waren in seinem Organismus derart durcheinander gewirbelt und wirkten derart launenhaft, >daß er davon verrückt werden mußte. Die Aerzte konstatierten an dem Unglücklichen eine Gehirnerweichung. Doch nicht nimsonst war der Jüngling mit den Errungenschaften der ärztlichen Wissenschaft in Wettlauf getreten. Die Wissenschaft zeigt sich dankbar jenen, die an sie glauben. Zur selben Zeit, als den Jünglings die einzige Krankheit befiel, gegen die er nicht geimpft war, entdeckte ein schottischer Arzt den Bazillus der Gehirnerweichung. Der Jüngling war gerettet. Mau impfte ihn auch gegen Gehirnerweichung und entließ ihn geheilt aus der Anstalt. Ms er ö'ttf die Straße trat, sprach er glücklich: „Run fürchte ich nichts mehr!" In diesem Augenblick fiel Hm ein Ziegelstein auf den Kopf. Der Jüngling war auf der Stelle tot. Gegen Ziegel war er nicht geimpft. (Autorisierte Uebersetzung von Maurus Meze i.) Wien, 3. Juni. * Die Förderung des Fremdenverkehrs durch die Ge» meiude Wien. Die österreichische Berkebrswerbunasgesellschast, deren Gesellschafter auch die Gemeinde Wien ist, gibt im Interesse der Fremdenverkehrssörderung eine Werbeschrift unter dem Titel „Oesterreich" in deutscher, frünzöfisch e r und englischer Sprache heraus. Nebst einer allgemeinen Uebersicht über Oesterreich soll diese Schrift auch Schilderungen verschiedener Landschaften und Städtebilder, insbesondere Wiens enthalten. Der Gemeinderatsausschuß 7 hat der Gesellschaft für diesen Zweck eine Subvention von 20 Millionen bewilligt. * Die Autoraserei. Gestern wurde der Zentralinspektor derv Bundesbahnen a. D., Karl Holley, am Graben von dem Aüto A 6 41 erfaßt und niedergestoßen und wurde mit mehrfachen erheblichen Verletzungen auf die Erste Anfallstatiou gebracht. — In der Marktgasse wurde gestern die 10jährige Volksschnlerin Ella Fischer beim Nebersetzen des Fahrdammes von dem-Motorrad A 10 763 ersaßt und nredergestoßen. Das Kind' erlitt mehrfache V erletzu n g en. — Am Naschmarkt wurde gestern die 8 3jährige Pfründnerin Nowotny von dem Lastauto A 5 808"erfaßt und niedergestoßen. Sie wurde von der Nettungsgesellschaft in ihre Wohnung gebracht. * Internationale religionspshchologische Gesellschaft. Vor wenigen Tagen hat sich in Wien eine Internationale religionspsychologische Gesellschaft konstituiert. Sie verfolgt den Zweck der streng wissenschaftlichen Erforschung des Psychologischen Wesens der Religion und der religionspsychologischen Probleme. Es ist vorgesehen, durch Aussendung von Fragebogen, durch experimentelle Untersuchungen an normalen und pathologischen Fällen sowie durch psychologische Bearbvituna literarischen und historischen Material? an das Forschungsziel heranzukommen. Die Zentralstelle für diese Untersuchungen bildet das Forschungsinstitut der Gesellschaft, zu dessen Hauptaufgaben auch die Herausgabe eines Ärchives gehörni fcnixh.