Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1933 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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€>cftc 3 Mett, VöMeEg^ WDd MoMerkzeKSW. (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) S. Juki IM 9fa. IW beriaen Verbalten Hamanns ist anznuobmen. daß das sultat„ baß voubÄr zehn Kandidatendie sich der ., unterzogen, neun mit Auszeichnung, eine' fflanH datin mit Stimmeneinhelligkeit approbiert werdet konntwi AttMoVtt, 2. Juli. Einem in feinen'Einzelheiten gnckenhafterr Vechrechen ist die hiesige Kriminalpolizei jetzt ech aus die Spur gekommen. In der Leine und in der FelNnark Garce, in einer an der Leim gelogenen Wiese, sÜÄd man in den letzten Tagen verschiedene Knochenteile von menschlichen Körpern, die auf schwere Verbrechen fytK deuteten. Diese Annahme hat sich auch in der schaurigsten Weise bestätigt. Die Polizei verhaftete den löjähriyen Fischhändler Hamann, der auf Grund erdrückender Beweise, überführt wurde, vevschiedene Mordtaten an jungen Männern ausgeführt gu halben. In seinem Geständnis gab der Unmensch M, eine Anzahl junger Männer, er schätzt ihre Zahl auf s i eb en, in seine Wohnung gelockt und sie im pathologischen Rauschzustände erMordet zu haben. Von zwei seiner Opfer weiß er die Namen, die übrigen will er nicht gekannt haben. Die Körper hat er in die Leine geworfen, oder aus Friedhöfen oder anderen Orten vergraben. Außer Hamann sind noch mehrere gleich pervers veranlagte Männer sestgenommen worden. Nach dem bissieht für die ukrainische, weißrussifche und litauische Bevölkerung in den Ost-Randgebieten und in Ostgalizien die Zulassung ihrer Muttersprachen bei den Gerichten, im Verkehr mit den autonomen 'Körperschaften und in den Schulen als gleichberechtigt mit der Staatssprache' vor. Die Verhandlungen der autonomen Körperschaften in den Ost- Randgebieten sollen in der Staatssprache und in der Drache der Minderheiten erfolgen. Die Bestimmungen betreffend die Anwendung der deutschen Sprache im amtlichen Verkehr in Po fear und Pommern sollen in einem speziellen Gesetze geregelt werden. Das zweite Gesetz enthält die Bestimmungen über die Organisation des Schulwesens in den Ost-Randgebieten. gehnstundentag in den polnischen Bergwerke». Prag, 2. Juli. Das Ts che cho-stowa kis che Preß'bureau ' Meldet aus Kattowitz: In den Kohlengruben, u nd Eisenhütten Polni sch- Ob er schlesie ns wunde seitens der Direktionen mit Maueranschlag bekanntgegeben, daß die Löhne dom 1. d. äb um 3 Prozent hrrabg esetzt. und die gesamte Arbeiterschaft zum llvö. gekmrdigt wird. Die Direktionen geben weiters bekannt, daß nach diesem Termin nur diejenigen Arbeiter zur Arbeit wieder ausgenommen werden, die sich bereit erklären, 10 Stunden täglich zu arbeiten. Der Berg- und Hüttenverband sowie die übrigen industriellen Verbände haben weiters die Regierung verständigt, daß alle Großbetriebe in Polnisch-Oöerschlesien e i ng e st e l.l t werden, da sie außerstande seien, die Steuern bezahlen. Die Industriellen verlangen die Aufhebung gewisser Zölle, sowie eine erhebliche Ermäßigung der EiseUöaihntarife. - ■ . Die' Verlautbarung der bereits vor einigen Tagen seitens der Industriellen anaekündigten allgemeinen Aussperrung in Polnisch-Oberschlesien hat in den Kreisen der Arbeitevschast große Aufregung hervorgerufen. Die Arbeiter hielten Massenversammlungen ab, in welchen die sofortige Intervention der Negierung und die Annullierung der Beschlüsse der Industriellen gefordert wurdest. singeklsirte L-rge MnsiolkNk. 1 (Eigendienst der „Wiener MorgenZeitimg".) Rom, 2. Juli. Heute wird die Liste' der neuen Unter st aatsfekretäre veröffentlicht. Trotz der bsvorfteheuden Ergänzung des Kabinetts Mussolinis scheint die innenpolitische Lage absolut nicht geklärt. Ein Anzeichen dafür ist, daß Ministerpräsident Mnsso-lini an der interalliierten Konferenz in London nicht teilnehmen wird. Mussolini wird sich durch den ncuernannten Wirtickastsmi nister N a v a in London vertreten lassen. Ile Ermordung Matteottio. Rom, 2. Juli. Die Untersuchung der Affäre Matleo tti fordert täglich neue Unterlagen zutage. Die Polizei fahndet jetzt eifrig nach einem Arbeiter, der nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen an der Ermordung Matteottis beteiligt gewesen sein soll. Die Untersuchungsrichter haben nunmehr mit der Ordnuüg des gesamten Materials begonOn. Unter den zum Verhör kommenden Zeugen befinden sich auch viele politische Persönlichkeiten. Die Verarbeitung des Materials wird wahrscheinlich den ganzen Sommer in Anspruch nehmen. Gegen die Urheber früherer Ueberfälle * stehen zwei neue Haftbefehle bevor. Die fasMWe Tscheka. Rom, 2. Juki. Die Untersuchungsrichter, welche die verbrecherische Tätigkeit der fasziftischen Dscheka untersuchen, haben in diesen Tagen dem Senator B e r g a m i n i, welcher bekanntlich vor kurzem in seiner Villa' überfallen wurde und nur mit Not dom Tode entrann, die Photo-' graphie der in der Mattsr^i-Äffäre Verhafteten unter» breitet. Er hat unter den Photographien Domini und einen der Chawsfeure des Filrpolli erkannt. Senator Konto seiner Verbrechen weit größer ist, als man bisher weiß. Die Erregung der Bevölkerung in Hannover über diese Untaten ist ungeheuer groß. Abends wird uns hierzu noch gemeldet: Der Polizei war.schon seit einiger Zeit ausgefallen, daß junge Leute spurlos verschwanden und ihr Schicksal trotz eifrigster Nach- , sorschungm nicht aufgeklärt werden konnte. Der Verhaftete ''Hat nunmehr eingostanden, die jungen Leute in seine ■ Wohnung gelockt, mit ihnen widernatürlichen Geschlechtsverkehr gepflogen und sie dabei getötet M haben, indem er ihnen in seinem sexrrellen Rauschzustand die Kehle durchwtz'. Um die Spur seiner Tat zu beseitigen, trennte er dann den Opfern den Kopf sowie Arme und Beine vom Rumpf und warf sie in die Leine. Die Aufdeckung des Verbrechens hat, eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Gerüchte behaupten sogar, Hamattn, der einen Fleischhandel betrieben hatte, habe dabei von dem Fleische, seiner Opfer mitverkauft, was jedoch von der Polizei bezweifelt wird. Bergamini wurde vor einigen Tagen tu später Nacht-» stunde angerufen und ihm geisagt: „Senator, Sie haben gegen die Regierung gestimmt! Denken Sie nur daran, was wir Ihnen bereits Vovbereitet haben. ' Geben Sie acht!" Das Blatt „Sereno" bringt einige interessante EintzÄhÄten Wer eine rätselhafteDame, die einen großen Einfluß in allen Aemtern des Innenministeriums und speziell bei Mt Generaldirektio-n des Sicherheitswesens ausübte. Sie lvar die Freundin von Domini, Bolpi und vielen anderen einflußreichen mächtigen Gönnern, die ihr alles gewähren ließen. Da« Wetter. Der gestrige Tag brachte schönes Wetter. Auch fiir heute ist sommerliches Schönwetter angekündigt. Es ist darauf zuräckzusühren, daß ein Luftdruck tief über England wieder südliche Luftzufuhr bringt, was ein Andauem des warmen Wetters zur Folge hat. _ Sttöii! Min und Haim Farchtz in Wie«. Eine Versammlung der sephardisrhen Juden in Wien. Wir haben mitgeteilt, daß die Wiener stphardischzionistischen Verbände für den 28. Juni eine Versammlung einberufen hatten, die im Hotel Continental stattfand und außerordentlich stark besucht war. Der Saal war bis^ auf den letzen Platz gefüllt. Den Vorsitz führte der Präsident der Union Efpagnola, Herr Mosoo G a l i m i r. Er begrüßte die Gäste, insbesondere den ViMürgermeister von Jerusalem und Präsidenten des Waad Leumi, Herrn David Aellin, und den Präsidenten des jüdischen Zentrattonsistoriums Bulgariens, Herrn Haim Farchh, aus Sofia. Herr Pell in, der zum Besuch seiner hier lebenden Töchter in Wien weilt, ergriff zu einer Rede in hebräischer Sprache das Wort. Er verwies aus die historische Bedeutung des sephardischen Vvlkselementes innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Der bevorstehende Weltkongreß der Sephardim, der von Erez Israel aus vorbereitet wird, ist in vierfacher Beziehung von Gewicht. Die Sephardim leben in ihrer Mehrheit sehr nahe an Erez Israel, sie werden aus eigener Anschauung die Aufbauarbeit kennen lernen; ihre Anwesenheit wird auch dem arabischen Brudervolk Gelegenheit geben, das Judentum etlhnisch und kulturhistorisch zu erfassen. Die Sephardim bilden einen sehr starken ökonomischen Faktor im Orient und bieten alle Vorairssetzungen für die Einigung zwischen Juden und Arabern. Er schloß mit dem stürmisch erwiderten Ruf: „Lihitraot be Erez Israel!" Herr Gemeinderabbiner Ehacham Ovadia übertrug die Rede ins Spaniolische. Hierauf hielt Präsident F a r ch h ein .längeres Referat über seine auf seiner Reife durch Pa'MiM gewonnenen Eindrücke. Er ging vor allem vom ökonomischen Gesichtspunkt aus und riß die Versammlung durch seine glänzende Rhetorik wiederholt zu stürmischem Beifall mit. Der Präsident des „Juda Haläby", Herr David E ue n e a, dankte den Rednern und forderte die Versammlung zur strengsten Erfüllung der nationalen Wichten für Nationalfonds und Aufbaufonds auf. Mischer ReligionMrerseminar in Wien. Die mündliche Lehrbefähigungsprüfung fand am 69. und 30. Juni unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbincps, Prof. Dr. H. P. Ch ajes >in Anwesenheit des Kuratoriums, des Seminars und der Herren Präsidenten der Israelitischen KultusgeMeistde, Prof. Dr. A. P i ck und Dr. D. Frie dmatt it, des Rektors der Jfr.-thoolog. Lehranstalt, Pros. Dr. A. Schwarz, der Delegierten des Knltusvarstandes, der Herren Dr. I. Auerbach Und Dr. & La n dau, mehrerer Mitglieder der Unterrichtskommission und des Vorstandes, einiger Vertreter der Lehrerschaft und einMne^ Gäste statt. Die Prüfung erstreckte sich auf alle Lehr gegenstände des Seminars und ergab. Las sehr erfreuliche Reher Zeugnisse an die Wturieirten sn, einer schlichten und ' doch sehr herzlichen improvisierten Feier. >Der Seminar« direktor, Professor Dr. M. Rosenfeld, beglückwünschst die Reuapprobiertelr im Namen'des Kuratoriums und bei Seminars. Nach^ eduigett herzlichen Worten des Herrn Leo L andau, in welchen dieser im Namen des VorstarrdeZ der^ Zsraelitische-tr Kultusgemeinde dem Religion'slehrerh seminar, seinem Eründer, dem Herrn jOberrabbiner, den Leiter uttfr den Prosesforen für «das hier Geleistete dankt^ brachten die Abiturientinnen Frl. Gollerstepper «und Frl. Kalmann, letztere in hebräisch«; Sprache, pem Vorsitzender! 'der Prüfungskommission sowie dem Lehrkörper Danl ihrer Kollegen zum Ausdruck. Anmeldungen für das. nächste Schuljahr Haben schriftliche zu erfolgen und sind tot die Direktion, 2. Bez., Tempelgasse 3, oder 20. BsZ., BrigittenauerlÄtde 46, zu. adressier^ Aar lnternEonale Amatenrschachtnrnier. Wr das internationale - Amateurschachturnier, dlw aus Anlaß der Olympiade in der -dritten Juli,wache in.• Parts stattfindeu wird, haben sich insgesamt Vertreter aus 18 Waatett geckechell - Urgentiniett, Oelgien, die Tschecho-Slowakei, Frankreich, Holland-, Ungarn, Italien, Rußland, Spanien und ,die Schweiz werden mit je vier, ^»len und Lettland mit je drei, Finnland und Großbritanmen -nrvt je zwei, ^Aegypten, Irland und KaMda mit je einem Spieler teilnehmett. 57 Spieler werden sich am 12. IM vormittags zchw Uhr im Festsaale des Bür-germeisteramtes im st. Bezirk von Paris treffen, wo für sie ein feierlicher Empfang veranstaltet wird. Dorsitzender des Turnierkomitees ist der russische Meister Aljck'ch iu, Mitglieder sind Graf de Penalver, Marquis d'AxtoL Goetz und Stephan Abonyr. Lar entsettlkche Karteaaufschlasen und Wahrsagen verboten. Dr namentlich in der letzten Zeit der Unfug der gegen Entgelt ausgeübten Zukunftsdeutung, Kartewausschlagen, Wahrsagerei, Sterndeut-erei usw. immer weitere Verbreitung gewinnt, hat die Polizeidirektion bezüglich., aller auf einen derartigen Erwerb abzielenden Tätigkeiten ein allgemeines Verbot durch eine Kundmachung erlaffen. Danach wird in Wien die. entgeltliche Ausübung der, sei es in der Form der Handlinienlösikunst, der Graphologie, des Kartenausschlagens, der Wahrsagerei, Sterndentevei usiv., sei es unter anderer Bezeichnung betriebenen Zukunftsdeutung, desgleichen auch die Entfaltung jeglicher zugunsten des bezeichnetm Uufuges unternommenen Werbetätigkeit — insbesondere auch die Erlassung einschlägiger Zeitungsankündigungen —•" untersogt. Die Nichtbeachtung dieses Verbotes wird aus Grund. der Verordnung vom 2t>. April 1854 (Prügelpatent) mit einer Ordnungsbuße bis zu 1,200.000 K. oder mit Anhaltung in der Dauer von 6 Stundeir bis 14 Tagen bestraft. Maßgebend für diese Entschließung war insbesondere der Umstand, daß der bisher geübte Vorgang, dem in Red^ stehenden Unwesen im Wege der Erteilung eines Verbotes in je-denr speziellen Falle unter Androhung einer Abstrafung im Wiederholungsfälle zu begegnen, sich als nicht hinläncsttch wirksam erwiesen hat, um das Publikum vor Irreführung oder Schädigung zu bewahren. PaMe Resistenz der Gaswerkbediensteten. Gestern vormittags, zwischen neun und zehn Uhr, ruhte die Arbeit in den städtischen Gaswerken. Ein ei n st ü'n d i g e r Streik der Arbeiterschaft^ war ausgebrochen, der sämtliche Bedienstete der Werke, 3000 an der Zahl, uursaßte. Die Gaswerkbediensteten haben vot Monatsfrist ter Gemeindeverwaltung eine Lohnforderung vorgelegt, wonach sie eine Erhöhung der Löhne um 10 v. H. verlangten^ Der durchschnittliche Verdienst eines Arbeiters stellt sich nach 15 Dienstjahren auf 440.000 bis 450.000 Kronen die Woche, wovon^ an Abzügeü für Pension und Krank-'nkassenversiche'rung noch wöchentlich -durchschnittlich 30.000 Kronen ab geh e n. Da die Eingabe unbeantwortet blieb, stellten die Betriebsräte am D i e n 8 t a g sämtliche U e b e r st u n d ü n a r >b ei t e n ein und ■ führten gestern vormittags eilten e i n st i'l n d i g e n Streik durch. Für den Sicherungsdienst würde'die nötige Vorsorge getroffen. Falls die Gemeinde weiterhin bei ihrem Stillschweigen verharrt, werden die GaZwerksbedieusteten heute, 7 U h r früh, mit dem passiven Widerstand beginnen. Die öffentliche Beleuchtung soll aus Sicherheitsgründen von dem. passiven Widerstand nicht berührt werden. Die Arbeiterschaft der Elektrizitätswerke hat dieselben Forderungen wie die Gaswerksbedieustcten der Gewerffchastskommissiön übergeben. Die Bediensteten der Elektrizitätswerke haben bisher keinen Entschluß gefaßt, doch sind sie bereit, mit der Arbeiterschaft der Gaswerke gemeinsam vorzugehen. Im Rathause wird.erklärt, daß von einem Abbruch der Verhandlungen keine Rede sei und daß man bemüht sei, den Streitfall rasch zu beseitigen. Im Parlamente fand nachmittags eine Beratung von Vertretern der Gewerkschaftskommission nnd des Metallarbeiter- Verbandes statt. Es wurde beschlossen, heute die Verhandlungen mit den Vertretern der Ga§-- und Elektrizitätsarbeitev. aufzunehmen und sie a ufz uf o td er n, We^berM g cf atzten B e s ch l ü.s s e zur ü Ä z u ste l lle n' unv' da8 Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten. Es ist daher zu erwarten, daß die passive Resistenz heute nicht beginnt,