Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1933 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1633 Wkn, Do-nnerstag * " Neue Fustizgesetze. h Ges. m. H., die Rechtsanwaltsvrdnung «sw. Der iJustizausschuß hielt gestern eine Sitzung, ob. Vor Eingehen in die Tagesordnung beantragt der Mgevrdnete Len ihn er eine Aenderung der Tagesordnung Lahm, daß zunächst, die sozialdemokratischen Anträge Mer die Ehereform und Wer die Schaffung eines Au sgleichsfonds im Mieterfchutzgesetz in Beratung gezogen werden. Dieser Antrag wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. So>dann wurde in Erledigung der Tagesordnung der Antrag Eisler ans eine Novelle zur Rechtsanwaltsordnung beraten. Es wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der eine Expertise Wer die einschlägigen Fragen mit sämtlichen interessierten Kreisen abhalten irirb: Die Regierung'svorlage, betreffend Abänderung 'des Gesetzes über Gesellschaften mit beschränkter Hastnlrg wurde angenommen. Hierauf wurde der Antrags Morawrtz auf Am nestie für das Burgenland beraten und einstimmig der Beschluß gefaßt, die Regierung aufzufordern, die in Betracht kommenden Straffälle festzustellen und dem Ausschüsse darüber Bericht zu erstatten. Schließlich wurde die Regierungsvorlage Wer den Erwerb donRechten an unbeweglichen Sachen durch Ausländ er, angeno mm en. ' Die Borlommnisse bei dm Banken. Der parlamentarische Uittersuchung'sausschuß zur. Ermittlung der Gründe und der Verantwortung für die Vorkommnisse bei den Kreditinstituten hielt? gestern die erste Sitzung ab, zu der auch das Präsidium der Bankenkommission geladen war. Der Untersuchungsausschuß setzte den Abgeordneten Dr. M a t a \ a zum Referenten ein und stellte das Arbeitsprogramm. für. die nächste Zeit fest. Doktor Eisler wurde ersucht, im Einvernehmen mit der Bankenkomnüssion einen Fragebogen in bezug auf Umfang und Gegenstand der Untersuchung auszuarbsüen. Reltorswahl au der Universität. Zum Rektor der Wiener Universität für das Studienjahr 1924/25 wurde in der am Montag den 39. Juni stattgehabten.Sitzung des akademischen Senats der Professor des Zivilrechtes Dr. Hans Sperl einstimmig gewählt. Als Prorektor wird der abtretende Rektor Professor Dr. D ö l l e r fcon der theologischen Fakultät fungieren. Nach dem traditionellen Turnus wird der Rektor des Studienjahres 1925/26 ein Professor der philosophischen Fakultät werden. Prof. Dr. Sperl ist als Deutsch-nationaler und rüder Antisemit bekannt. Unter ihm werden die deutschnationalen Studenten machen können, was sie wollen. * Der aus den semerzeitigen Hakenkreuzkrawallen an der Universität bekannte Professor Dr. Karl Diener ist schwer erkrankt und steht in Behandlung d:s Professors Dr. Eiselsberg. , Ae verdorrende WWnMrO. Eine Wirkung der antijüdischen Hetze. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die wissenschaftliche Arbeit macht wohl jetzt überall eine schwere Krise durch, aber in den besiegten Staaten droht sie völlig zu versumpfen. Am meisten betroffen jedoch von der Krise sind jene mitteleuropäischen Staaten, die durch die reaktionäre antisemitische Staats- und Gesellschaftspolitik nicht nur unter der finanziellen Krise, sondern auch unter den Folgen ihrer eigenen verfehlten Politik zu leiden haben. Zu diesen gehört in erster Reihe Horthy-Ungarn. Alle wissenschaftlichen Gesellschaften und Institute, selbst diejenigen, die dem rassenschützlerischen Treiben unverantwortlicher Politiker Vorspaundienste leisteten, müssen heute öffentlich erklären, daß die -wissenschaftliche Forschungsarbeit aus eigenem Verschulden vor dem Bankrott steht. Ein ungarisches Blatt hat auf Grund dieser Fragen der Gelehrtenkreise eine Umfrage bei -den bekanntesten Vertretern wissenschaftlicher Gesellschaften über die Ursachen des Niederganges des wissenschaftlichen Niveaus der ungarischen Institute veranstaltet und im Wesen überall dieselbe Erklärung erhalten. -Am deutlichsten sprach sich der Leiter der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und ehemalige Staatssekretär im Unterrichtsministerium, Universitätsprofessor Dr. Ludwig J.lo'svah, aus. Er sagte unter anderem: „Das Traurigste an der ganzen Sache ist, daß wir in einer Zeit, in der unsere wirtschaftliche Lage ohnehin die denkbar traurigste ist, gerade jene Gesellschaftsklasse sozusagen exkommunizieren, die schon bisher die sicherste Stütze und Förderin aller wissenschaftlichen Bestrebungen war und auch jetzt die einzige ist, die uns vor dem beschämenden Bankrott bewahren könnte. Ich wundere mich gar nicht über den Empfang, den wir bei Baron Adolf Ullmann 'hatten, als wir bei ihm als Abgesandte des Komitees zur Rettung der Wissenschaft erschienen. Ullmann, der zu den freigebigsten Mäzenen des ungarischen wissenschaftlichen Lebens gehörte, antwortete uns traurig, daß wir nicht ungehalten Wiener MorKenzvrtung. Ae letzten Kurse. Radiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) . London, 2. Juli. Die Tatsache, daß die drei führenden Banken, Rothschild & Söhne, Barring Brothers und Henry Schröder & Co., die ungarische Anleihe emittierten, trug wesentlich znr Ueberzetchnung dieser Anleihe bei, so daß um '/,12 Uhr die Subskription beschlossen wurde. Die Zuteilung erfolgt erst morgen. Wechselkurse! New-Uork 4,83,26, Paris 83,70, Brüssel 96,12,6, Berlin 18,126 Billionen, Wien 307.600, Prag 147,50, Amsterdam 116,026, Christiania 32,16, Stockholm 16,28, Kopenhagen 27,25, Schwei» 24,326, Finnland 17,27,5, Rom 160, Madrid 32,675, Warschau 22,50, Athen 2,60, Sofia 605, Belgrad 365, Bukarest 10,60, Konstantinopel 855, Budapest 340.000 bis 400.000, Riga 22,43. ' O e ft e r r e i ch i f ch e A n l e i h e 89, tschechische 98,80, Prag 89,50. Skoda 90. Wiener Bankverein 7,2, Bodenkredit 18,6, Royal Dutch 29,625, Shell 4,0625, Central Mining 11, Debeers 12,375, Diamons 16,6, General Mining 13,9, Rio Tinto 33. London, 2. Juli. Devisenschlußkurse. Wien 306,500, Prag 147% Retv-York 4,32»/,«, Paris 84,50, Brüssel 96, Rom 100,15, Zürich 24,31'/., Madrid 32,62'/„ Amsterdam 11,48'/,, Kopenhagen 27,20, Christiania 32,22'/,: Stockholm 16,27'/,, Helsingfors 172'/., Berlin 18,10 Billionen, Baumwolle: Liverpool r Fullmiddling 17,09 amerikanische Terminware anfangs 16 Punkte höher, 12 Uhr 15 Mn. 2 bis 7 Punkte höher, Juli 16,64, Oktober 14,90, Jänner 14,42, März 14,29, 2 Ilbr 15 Min. Juli 16,66, Oktober 14,91, Jänner 14,42, März 14,31. Aegyptische 17 bis 7 Punkte höher. Verkauft amerikanische 5000 Ballen, importier 3469 Ballen. Zucker greifbar, speziell in britischer Ware zu alten Preisen ständige Nachfrage. Weißer Javazucker Mai-Juni 22, Juni-Juli 21, tschechischer grannlated franko Hamburg 26,3 weißer Terminmarkt etwas schwächer. Paris, 2.' Juli. Das wasche Steigen der Wechselkurse gab der heutigen M^e ein sehr lebhaftes Gepräge, trotzdem stiegen die Kurse nicht im Verhältnis zu den Wechselkursen, weil die. meisten Spekulanten zu Gewinnrealisieruirgen schritten. Die Gesamtstimmung der Börse war aber ungemein fest, insib-esondere wurden große Mengen von Wertpapieren per Kassa gekauft. Französische Renten, fester als gestern, französische Banken zeigten sich ziemlich fest, wahrend Suez.150 Franken gegen gestern einbüßten. Dieser Rückgang ist hauptsächlich aus Gewinmrealrsierungen zurückznfiihren. Petroleumwerte zeigten sich freundlicher gestimmt. Der Russenmarkt war fest. In der Kulisse war die Festigkeit viel ausgeprägten als im Schranken. Wechselkurse: London 83,78, Rew-Dork 19,13, Prag 57,60, Bukarest 7,80, Wien 27,75. New-Vorll, 2. Juli. Effektenb örs e. Canadian Pacific 147,625, Union Pacific 196, Union Steels 100,25, Royal Dutch 48, Atchinson 103,25, Baltimore 58,625, Greath Northern 63,50, Northern Common 69,25, Southern Pacific 93, Milwaukee 13,76, Eary 28, Chaespeake 62,50. Nero-Vork, 2. Juli. (Radio.) Devisenschlußkurse. Taggeld 27s°/0, Wechsel auf - London 4.31,25, 60 Tage-Wechsel 4,30,25, Paris 6,18, Amsterdam 37,63, Berliner Schlußkurs 237/« bis 24, Prag 2,93-/., Silber 66 /,. fein dürfen, wenn er das Komitee nicht in dem bei Hm gewohnten Ausmaße unterstützt, denn wir mögen es doch begreifen, daß er sich gezwungen sehe, einen großen Teil des für rein wissenschaftliche Zwecke bestimmten Betrages zur Unterstützung jener seiner Glaubensbrüder zu verwenden, die das Gesetz über den Numerus clausus aus den heimatlichen Lehranstalten verjagt und ins Ausland getrieben hat, wo diese Jünger der Wissenschaft unter der größten Not ihren Wissensdnrst stillen. Professor Jlosvay schloß mit der traurigen Feststellung: „Die ungarische Wissenschaft lebt nur noch von den Trinkgeldern, die ihr von dieser Seite zufließen." Ter Aürrvaragravh in drn Wtz-Ai. Ein faules Kompromiß. Die Mene'' Sektion „Donauland" des Deutschen und Oestcrreichnchm Alpenvereins hat wiederholt auf Drängen ihrer vielen jüdischen Mitglieder gegen die „Arisierung" der Berge Stellung genommen, konnte aber damit gegen den entfesselten Hakenkreuzgeist nicht durchdringen. Es blieb dabei, daß die Aufnahme des Arierparagraphen in das Statut immer nur an der formalen Tatsache der nicht erreichten Dreiviertelmehrheit scheiterte. Die Stimmung war genügend klar. Die Alpenvereiusantisemiten schnorren bei Juden und Judenbanken Geld, gestehen aber im übrigen ihre Abneigung offen ein. Das brachte das „Donauland" in eine mißliche Situation. Diese Sektion hätte besser daran getan, sofort auszutreten und die Arier unter sich zu lassen. Da aber diese ebenfalls sich nicht so ganz auf der Linie ihres ideellen Antisemitismus zu halten vermögen, und zwar in wohlverstandener Rücksicht auf das Judengeld, so hat man den Ausweg eines Kompromisses gewählt. Der Hanptausschuß des Alpenvereines hat in einer B esprechnng in München beschlossen, dem „Donäuland" den Austritt nahezulegen, dafür aber für die Dauer von acht Jahren keine statutarische Einführung der Arierklausel vorzunehmen. Den einzelnen Sektionen bleibt es jedoch unbenommen, Inden auszuschließen oder, wenn sie dies wollen, die Mitglieder des „Donauland" als Mitglieder aufzunehmen. Allgemein verständlich heißt dies, die „jüdische Sektion" hat als.solche zu verschwinden. Ihre Mitglieder werden unter Umständen toleriert. Ob die Sektion „Donauland" diesen Affront geduldig annehmen und sich ihm fügen wird, wollen wir einstweilen noch bezweifelst. 3. Juli 1924 Sekte 8 Benesch Wer das nationale Judentum. Prag, 2. Juli. (I. T. A.) Der Präsident des Jüdische» NÄionalrates lder Tfchecho-Slowakei, Herr Ludwig S i n» g e r, erhielt folgenden Brief des Außenministers Doktoi Benesch: „Geehrter Herr Vorsitzender! Sie waren so lreberis. würdig, durch ein Glückwunschschreiben meines Geburtstages zu gedenken. Ich danke Ihnen herzlich hierfür und ersuche Sie, .kueinen Dank dem Jüdischen Nationalrat iv Prag freundlichst übermitteln zu wollen, zugleich mit der Versicherung, daß ich nach wie vor die Ent Wicklung der nationalbewußten Judcnheit in der Republik mit Interesse verfolgen will. Ich begrüße Sie und empfehle mich Ihnen. Dr. Cdv. Benesch? Ae AgrarzSlle iu der Lschecho-Slowalei. (Ergendi-enft der „Wiener Morgenzettung".) Prag, 2. Juli. Ans die Tagesordnung der morgige. Senatssitzung wurde heute die Beratung des Handelsvertrages trtiit Holland gestellt. Dies 'bedeutet,-daß sich die Koalition über die Frage d -e r A,grarzöll« geeinigt hat. Es heißt nun, daß ein Kompromiß zustande gekommen ist, das auf alle landwirtschaftlichen Produkte, also nicht nur auf Getreide, sondern auch auf Vieh, ein Zoll erhoben wird, die Jndustriezölle aber, die für die verschiedenen Industriezweige sehr ungleichmäßig sind, .einer Revision unterzogen irerden sollen, so daß zwischen dm Agrariern und den Jndustriczöllen ein besserer Ausgleich hergestellt wird. Die Regelung dieser Frage ist auch für die HändelswertragSvechandlungen mit Oesterreich von großer Wichtigkeit. Pafik und Korosrc in AWien;. ' (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 2. Juli. lieber den Inhalt der Audienz des Ministerpräsidenten Pasic beim König in Veldes ist auch heute abends .noch nichts bekannt. Die Gerüchte über die Auslösung der Skupschtina und Ausschreibung von Neuwahlen erhalten sich selbst in den Kreisen der Opposition. Mau rechnet für die allernächsten Tage mit einer entscheidenden Wendung in der Krisenlage. Der Führer der klerikalen Volkspartei Dr. K o r o s e e ist ebenfalls in Audienz empfangen worden. Unter chrWchnatkoimler Aerwalttlng. Budapest. 2. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In 'der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die Debatte über den 'hauptstädtischen Mahlgesetzentwurf begonnen. Der Sozialdemokrat Stephan Farkas erklärte, dies sei der reaktionärste Gesetzentwurf, der jemals, der Nationalversammlung vorgelegt wurde. Er unterzog dann die bisherige Verwaltung Budapests einer scharfen Kritik und-sagte, Budapest fei jetzt schmutzig wie ein Dorf. Der Unterschied zwischen Wien und Budapest sei ungeheuer. Budapest ist eine vernachlässigte, abstoßende Stadt, während Wien, das wahrend und nach dem'Zusammenbruch unter sehr schwierigen Verhältnissen zu leiden hatte, eine wahre Erholungsstätte und eine Weltstadt von europäischem Niveau ist. Während seiner Rede kam es zu heftigen Szenen mit den Vertretern der Rassenschützter und einzelnen Mitgliedern der Regierungspartei. Eine Niederlage der RaffenschWer. Die Stichwahl in Raab. . (Eigenbericht der „Wiener Movgenzeitung") Budapest, 2. Juli. Bei der Montag und Dienstag abgehaltcnen Stichwahl in Raab wurde der sozialdemokratische Kandidat Geza MalasitS mit 122 Stimmen Mehrheit zum Abgeordneten gewählt. Malafits erhielt 4646 Stimmen, sein Gegenkandidat, der Rassenfchützler Ferdinand Bornolak 4424' Stimmen. Der Kampf war ein sehr scharfer, über 91 Prozent der Stimmberechtigten haben an der Abstimmung teil*» genommen. _ Sie polnlsche Mark — eingezvgen. Warschau, 2. Juli. (P. T. A.) Vom 1. Juli an ist die polnische Mark als offizielles Zahlungsmittel erngezogeu worden. Der Uebergang znr neuen Währung vollzieht sich normal, ohne jede Störung des Wirtschaftslebens. Lukiewicr zmMgetrrteu. Warschau, 2. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ackerbauminifter Lukiewicz hat dem Ministerpräsidenten seine Demission überreicht mit der Begründung, daß über das Parzellierungsgesetz eine Einigung nicht zustandekomme. Der Ministerpräsident beabsichtigt, für die Einführung des Spirttusmonopols die Vertrauensfrage zu stellen. Ein MinoriMenfpraKrngesetz in Pole«. Warschau, 2. Juli. (Tschech.-slow. Preß-Bur. Dir Regierung hat im Sejm zwei Entwürfe eines neuen Sprachengesctzes für die nationalen Minderheiten sowie eines Gesetzes über das Schulwesen in d-en Ost-Randgebieten dorgelegt. Die Entwürfe gelangen in der morgigen Sitzung des Verfassungsausschusses des Sejm zur Beratung. Das Spracheugesetz Unsere Wcht ist es. infolonge eine breite Propagandatätigkeit CI9IfUUWI, ms lcuci dUIIC um VMM MMWM mW! (ZKßhtim Sokolow)