Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1931 (1.7.1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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*;<mv«’»/ "<*< '|W MV — * *ii ’ i in lyiitiiib—i Vereine, BortrSge und Bersammlimge«. tu f i iVt 9o n W,.)> E d e r Z ron -i st i s ch e n B e z i r k si mrJJ'lÜ u L e o p oldst a d t. Heute Dienstag. 8 Uhr abends, Vortrag Dr. Goldhammer. Nach 8 Uhr fern Einlaß. Gaste willkommen! 11 ^nrLQ- Dienstag: 6 Uhr (Großer Saal): Der Wem. der,Strom des deutschen Schicksals. - 8 Uhr (Großer i/o ^e. Fuchsjagd auf Skiern durchs Engadln. — A8 Kofrat Dr. Franz Heger, Direktor des Nat-uchlstorischen Museums i. R.: Aus Mexikos Bergan. Allheit und Gegenwart. — uhx (Kurssaal): Dr. Ern-t Müller: Die Quadratur des Zirkels. * Einschreibungen in die jüdische Volksschule. 20. Bez., Denisgasse 33. Die Mische Volksschule. 20. Bez., Denis- Kkse 88. eröffnet im Schuljahr 1924/25 die fünfte Volksschulklasse. Emschrelbungen in alle fünf Klassen finden täglich von 12 blS 1 Uhr mittags in der Schulkanzle!. 20. Bez., Denisgasse 33, statt. . Programm der Radio-Verkehrs-A.-G. für heute Dienstag.- Otto Schulhof (Klavier): a) Bortkiewicz. „Etüde". Des-Dur, op. 16. h) Otto Schulhof. „Walzer", op. 7 (erl§«n«n b« Döblinger), c) Gvieg, „Zug der Zwerge". Oskar Jolli (Gesang) Begleitung Schulhof: Schubert, „Der Neugler:ae". „Der Tod,, und das Mädchen" „Der Jüngling an der Quelle". „Erlkönig". Christa dichter (Violine) Begleitung Schulhof: Paganini, „Präludium und Allegro", »Andcmte". .Brahms, „Ungarischer Tanz". Oskar Jollr Mesang) Begleitung Schulhof: Richard Strauß, «Breit über mein Haupt. . ", „Traum durch die Dämmerung", „Das schlechte Wetter". Otto Schulhof (Klavier): Chopin. „Prälude". „Walzer". Otto Loewe (vom-Burgtheater): Rezitation. ’ Mhne und Kunst. „Der luftige Krieg.- Erstaufführung in der Volksoper. Wenn die Hundstage nahen und das Publikum vor dem modernen Theater Reißaus nim-mt, erinnert man sich gerne der alten klassischen Operette. Diesmal versuchte es die. Volksoper mit Johann Strauß' „Lustigem Krieg", dessen Buch» wie Decsey in seiner Strauß-Biogvaphie sinnig sagt, „den südlichen mit dem Wiener Ton verbindet", also dem DostpeMma der Straußschen Seele entgegenkommt. Dieisem Klima können weder die Beschränktheiten des Buches, in dem sin FroschM-Luse-Krieg zwischen zwei italienischen Kleinstaaten um einer Ballerine willen und der Ulk eines kriegführenden Weiberwgiments lang- und breitgetreten werden, noch die sommerliche Hitze etwas anhaben. Wie vor 43 Jahren, da Girardi bei der Uraufführung im Theater an der Wien «den Iatuvwalzer" dreimal wiederholen mußte, schlug auch diesmal das Walzerlied „Nur für Natur hegte sie Sympathie" bombengleich ein, auch die ,/Violettapolka", das schöne Quintett „Kommen und Gehen", das Lied Bathasars, das Kinderstubenduett und andere nurstMische Kostbarkeiten finden heute noch immer , ihre Liebhaber. ' 'Darum war es ein guter Gedanke des neuen Volksoperudirektors Fritz Stiedrh, neben der Musikmoderne und der Volksoper auch die klassische Operette zu pflegen und mit dem „Lustigen Krieg" einen verheißungsvollen Anfang zu machen. Die vom Kapellmeister Deo Kr au s wohl vorbereitete Aufführnng atmete Leben, und Frohsinn im Orchester und auf der Bühne. Am besten die urwüchsig komische Frau Marie Gr ibl als (kommandierender Oberst, recht lustig und.stimmlich begabt Frau Bäck als zierliche Holländerin. Frau Fried!-Bö hm eine ebenso verläßliche als nüchterne Sängerin. Herr B a n d l e -r als holländischer Tulpenzüchter übertrieb in seinen akrobatischen Späßen bis zur Groteske hin, Herr Rittersheim, ein recht passiver Militavist, stieg nur so aktiver in die höchsten Tenvrregionen, der muntere Herr P «f a n n errang sich, mit dem hübschen Vorträge des „Natuvwalzers" einen Sonderapplaus. Auch alle übrigen MtwMnden wurden mit stürmischem Beifall ausgezeichnet, der zugleich eine Vertrauen skundgebung für die neue, anscheinend arbeitswillige Direktion war. , flb. Theater und Variete in Markau. Im „Rüde Pravo", dem Organ der tschechischeu Kommunisten, lesen wir über die Dheater- und Varietekunst in Moskau unter anderem foligenides: Der Moskauer ,/Pvoletkult" hat seinen Sitzen einem der prächtigsten Palais: es gehörte früher dem Großkaustnann Movozon. -Ich war schon mehrmals dort und bin immer herzlich bewillkommnet worden. Heiwte will ich in Kürze zweier Theatervorstellungen Erwähnung tun, denen ich dort voll -Bewunbevunig gefolgt bin. Die erste hatte rein artistisch-zweckmäßiges, die zweite rein revolutionäres -Gepräge. Vielleicht wundert sich mancher Leser darüber, daß der Moskauer Proletkult sich auch um Zirkusvorstellungen bekümmert? Auch ich habe mich -anfangs darüber gewundert, als ich in den hohen Saal eintrat, wo sich einst die. höchste zaristische Gesellschaft zu versammeln -pflegte und die kleine improvisierte Bühne mit dieser Menge artistischer Geräte und Emvlchtu-ngen erblickte. Meine. Verwirrung wuchs, als zu Anfang-der Vorstellung in dem Zirkusri ng vor der Bühne etliche Clowns und Artisten austraten, die ähnliche Sachen tr-ichen, wie sie bei uns rm Barietetheater.-Sitte sind. Nach, einer Weile kam ich aber dev Sache aus-den Grund -und zu Ende des ersten Aktes hatte ich mich s.cb'u davon überzeugt, daß auch hierin eine entschiedene i . - lntionüre Linie eingeihalten -ist. Wiener Morgenzeilung. 1. Juli 1924 Seite f Mteilunsen aus dem PubMum. Telephon 61.198 Telephon 61.198 Zemtinrä Zeliimmermann Salon kür keine tierrenkleidung »ach Mass Laufende Instandhaltung der Kundengarderobe WIEN, I. 10704 Graben 29, Trattnerliof 2, Mezzanin 72-74 Parfümerie „LORR/IIN^ Savonnerie" Führende Marken: Eau de Cologne Russe Eau de Cologne Chypre Creme Lorignon Creme Lorignon-Chypre Loirain * Toiletteseife, Badeseife, Speikseife Alleinerzetger der C AB /SOIRasierseifen inStangen bestbekannten jyW “Df’JrVIfl und Würfeln Wien, XX. Taborstrasse Nr. 98 ---------------- Telephon Nr. 42-1-65 ----------------- Strandbadehäuser im städt. Strandbad Klosterneuburg mit einem und mehreren Räumen, Sommer über bewohnbar, verkauft mit 20jährigem Pachtvertrag auf den Grund. Wir liefern auch Holzhäuser nach auswärts Klosterneuburger Wagenfabrik A. G., Wien, 12. Bezirk, Grieshofgasse 16, Telephon 82-L-39 m Die Russen revolutionieren auch diesen Zweig des Theatevwesens, und das aus dem einfachen Grunde, weil die breiten -Volksschichten solche Aufführungen gern und eifrig besuchen. Wir dürfen nicht vergessen, daß Moskau die Stadt des klassischen Balletts ist und die Vorliebe -für Zirkus nnld artistische Vorführungen dort in breiten Schichten fest eingewurzelt ist. Es ist freilich ein riesiger Unterschied zwischen unserem Variete und einer solchen Vorstellung des hiesigen -Pvoletkults. Da die Russen mit d-er Tatsache jener Vorliebe für artistische -Darbietungen rechnen müssen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich aus diesem Zweig des Theat-erwe-sens ein mächtiges Mittel zur Festigung des revolutionären Bewußtseins zu.gestalten. Das geht nun wieder auf keine andere Weise als dadurch, daß man solchen Produktionen eine Handlung mit revolutionärer Pointe gibt, in deren Verlauf man zirkusmäßige und artistifche Vorführungen als selösiverstäÜbliche Dinge u-ngezwnngen heranzieht. Es liegt natürlich sehr viel daran, ob diese Produktionen von -selbst aus der Handlung hervorwachsen, wenn der geiwünschte Effekt erreicht werden soll. Ist die Bedingung jedoch erfüllt, dann muß.sich der Effekt einstellen, und dann wird auch die ZirkuMunst und Artistik zu einem mächtigen Mittel der Erziehung. Ihm so wichtiger, wenn in der Tat mcht nur gute Artisten und Zirkusleute austreten, sondern zugleich -auch gute Scha ulsPieler, da ja eine Handlung in Frage, kommt. Wie unglaublich stark zum -Beispiel ein hervorragender Clown ituib Komiker zu wirken vermag, ist ja einem jeden wohl bekannt. Absolut nichts aber habe ich davon gewußt, wie gewaltig ein bedeutender Komiker wirken kann, der gleichzeitig ein hervorragender Artist ist oder ein 'bedeutender Clown, dessen Können über die gewohnli.chcn Purzelbäume weit hinansre-icht. Der Komiker^Artist und ClowaEiUtist-haben viel mehr wirksame Möglichkeiten und Mittel als der bloße Komiker und der bloße Clown. Ich verließ die Vorstellung völlig verwirrt. Nie wäre es -mir im Traum eingefallen, daß Zirknstreiben und Artistik die fnnfaktige Haudlunig eines -großen revolutionären Aufstieges mit gesunder natürlicher Logik ausfüllen könnten. Die Witze, die Satire, die Karikaturen, die da inmitten einer -kontinuierlichen und spannenden Handlung gegen die Feinde des bolschewikifchen Rußland ins Feld geführt wurden, waren geradezu von solcher Art, daß ihnen niemand widerstchen -konnte, und jeder, mochte er wollen oder nicht, mit der Revolution synrpachisieren mußte. Die Zuhörer kargten natürlich nicht mit Begeisterung und Lob.- Die Meite Vorstellung hatte ernsten Charakter, aber auch hier wurde das artistische Können mit bedeutender * Her Jutlen\ erhalten Sie als r*GRATISPRKM!i*: der ^Wiener Morsenzeituns; bei Aufgabe eines Mttonnements - -v siehe Abonnement* larif Wirkung eifrig -hevangezogen. Da ist die Szene des Revolutionsausbruches. Auf einer hohen Tribüne sitzen die Vertreter des Kapitals, der Bourgeoisie, des Klerus^ her Sozialpatrioten ufw. Drunten -zu ihren Füßen kommt es .zu einem Zusammenstoß zwischen BoA und Polizei; das Volk erhebt sich, macht einen Angriff nicht allein-aus die Polizei und das hevbeieilende Militär, sondern auch auf die hohe Tribüne, -auf welcher die bestürzten Hauptschuldtragenden sitzen. Es entwickelt sich ein Bild der wirklichen Revolution. Die Scha-UlfpieTcr-Avtisten markieren nicht. Man sicht, wie -einer den anderen aus großer Höhe heruutevwirft, aber jeder heruntevgowovsene Unglücksmensch fällt „artistisch", das heißt glücklich, .mag er immerhin „tot" auf der -Stelle liegen bleiben oder verwundet weiterkriechen nifw. Es ist ein wirklicher Kampf. Oder man sicht inmitten der schrecklichen Verwirrung, - wie ein Spion aus den Reichen der Arbeiter in schwindelnder Höhe dank seiner -akrobatischen Kunstfertigkeit entflicht, auch eine Reihe anderer Evscheinunge-n und Handlungen noch, wie sie beim AuÄbruch einer Revolutlion. natürlich sind, wie -sie aber nur solche Schaufpieler verlebendigen können, die wirkliche Artisten und Mrdbaten sind. Ein Fahr hebräische Lber in Fernsalem. Aus einer Unterredung mit Direktor Golinkm. Wie wir bereits kurz berichteten, fand vor kurzem in Jerusalem zum Abschluß des ersten Jahres seit der E Öffnung der hebräischen Oper in Jerusalem, eine kleine Feier sta... Aus diesem Anlaß äußerte sich der Direktor des Knustinstinus, Go link in, einem Journalisten gegenüber über d'-e Entstehung und die zukünftigen Ziele der hebräischen Oper und führte unter anderem aus: Unser Hauptziel ist, in.Palästina die Bedinguug:n vorzubcreiten, welche die Schaffung der echten palästinensischen Oper mit original-palästinensischer jüdischer Musik ermöglihcn. Dic Galuth ist für die Ersüllnug dieser Aufgabe nicht geeignet Die Werke der zahllosen jüdischen Tondichter waren stets in viel höherem Maße der fvemdartigen Einwirkung der Umgebung und der Erziehung ausgesetzt, als es für den uns vorgezeichneten Endzweck förderlich sein kann- Eine jüdisch-h'bräische Oper können wir nur in Erez Israel schaffen. Ich habe wohl nicht die Hoffnung, daß wir dieses Ziel schon in iveniaen Jahren erreicht haben werden, aber einmal werden wir es doch crreichen. Hiezu ist vor allem, gewissermaßen als Eiuleiiung und Ucbergang, die Aufführung der verschiedenen Opern in hebräischer Sprache unerläßlich. Die Tatsache allein, oatz t-e-r Text hebräisch gesungen wird, ebnet schon die Bahn, die zu den hebräischen Schöpfungen führt. Ein weiteres Ziel der Oper ist, alle in Palästina vorhandenen Talente und Musikkenner zu sammeln und noch M-.ßuabe der zur P^fügung stehenden Mittel auszüb'lvn un? heranzuziehen. Als Ideal schwebt uns vor, aus Paläst'na eine Art Mailand zu machen, das der palästinensischen. Oper nicht nur eine Schule gibt, sondern auch Talente züchtet, die später tvürdig sein sollen, auf den großen Bühnen von Eurova und Amerika aufzutreten. Golinkin erzählt dann, daß er vor einem Jahre nach Palästina kam und sich cm seinen alten Freund, den Prästdmten der hebräischen Prilfungskommission für Advokaten, Doktor D u ch a n, der die lokalen Verhältnisse bereits geuan gekannt batte, wandte. Selbst bei dem bescheidensten, zusammengeffcickenen Voranschlag waren 600 Pfund erforderlich, uw mit der Ausführung des Planes zu beginnen. Später traten -auch K e s s e l m a n n und S ch m e t t e r l i n g, zwei -engeschen-' Jerusalemer Juden, in das Vorbereitungskomitee ein und iu.au schritt mit kaum hundert Pfund Anfangskapital an die Vorbereiung dreier Opernvorstellungen. Begonnen wur.- im Juli vorigen Jahres mit d.-c A führung von „La Traviat-a". Der Erfolg war ein außerordentlicher. Diese Oper Verdis wurde in Jerusalem zehnmal, in Tel-Awrw und in Haifa ebensovielmal und jedes Mal vor ausverkauftem Haus ausgeführt. Die Bevölkerung Palästinas Hai die hebräische Oper sofort in riesiger Begeisterung anfg'.nommeu und sie kann heute bereits als eine festsnndierte Institution angesehen werden. Das erste Jahr schloß mit einem Reingewinn von 9000 Pfund. Trotz aller Hindernisse gelang es der Leitung der Oper, sehr vieles zu verwirklichen. Sie schuf gute Verbindungen mit dem Ausland und heute bringt die Post täglich Anträge von Schauspielern mit gutem Namen, von Kapellmeistern und Musikverlegern, und die meisten Opern sind bereits in hebräischer Uebersetznng vorhanden. Für die kommende Saison ist die Opmndirektiou bemüht, das beste Programm herauszubringen. Sobald die aus dem Ansland engagierten Künstler hier ankommen, werden die fclgendeu Opern einstudiert und in der kommenden Saison zur Anssührung gebracht werden: Verdis „Aida", „Othello" und „Troubadour", „Die Makkabäer" von Rttbinstein, „Carmen", „Toska", „Cavalleria rusticana" und andere. Die wich- 'tgste Aufgabe allerdings — schloß Golinkin seine Aussührungcn —wäre der Bau e'nes entsprechenden Operhai'.es. Ww hoffen, Laß dieser Plan in nicht allzu langer Zeit wird verwirklicht werden können. 11m es jedoch so bald als mög'iä' zu erreichen, werden wir schon in der nächsten Zeit eine Aktieugesellschaft gründen, deren Statuten bereits der Regierung unterbreitet wurden. Wir sind-überzeugt, daß -unsere Opernlousakticn nicht nur tu Palästina, sondernauch Meer, den Juden der Diaspora eine gute Aufnahme finden werden. ^<UN.t,..AO«.eK«A58I - & Telefon Nt 7Q2£<*