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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-01 · Heft 1931 (1.7.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1931 (1.7.1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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r r-s-r Wi«, Sfenjtfag %n Me Anerkennung der Wischen Sprache. MgendierO der ,FRener Morgenzeitung".) Warschau, 28. Juni. Im Zusammenhang mit der - Meldung die politische Kommission des Ministerrates! habe nach erfolgter Verständigung mit dem Expertenkomitve /für die.Randgebiete einen Entwurf zur Regelung der --Amts-, und Gerichtssprache in den Randgebieten ausge-! ändertet, Mch welchem bei den staaMchen Aemtern und (Gerichten die Benützung der ukrainischen, weißrufsischen (und litauischen Sprache gestattet sein soll, sprach ein aus (best Abgeordneten Dr. Reich und Grün bäum be- /ftehende Deputation des Mischen Parlamentsklubs beim /Minister des Innern vor; die Deputierten kon- - ferierten mit dem Minister wegen der Zulassung des Indischen als Amts- und Gerichtssprache und wiesen (dckrauf hin, da^ verfassungsgemäß den Sprachen ,aller Minderheiten die volle Gleichberechtigung ,garantiert sei. Der Minister antwortete, er könne keine ' positiven Zusagen in dieser Hinsicht machen, denn die A ngelegenheit sei schon erledigt; übrigens müßte eine Anerkennung der jüdischen Sprache in den Randgebieten eine solche in ganz Polen zun Folge haben, was nicht möglich sei. Abg. Dr. Reich wies sodann auf das Vorgehen der Behörden in?Äalizien hin, welche den Gebrauch der jüdiischen Sprache in Versammlnugen verbieten; einige Bürgermeisterämter — so führt Dr. Reich aus —- geben den jüdischen Rednern den Rat, deutsch zu sprechen; ein solcher Rat sei ihn: (Reich) brieflich vom Bürgermeisteramt P r z e m v s l erteilt worden. Der Minister des Innern gab zu, daß dieses Vorgehen absurd sei unk dem Geist des Staates nicht entspreche und sagte der Deputation die Erlassung entsprechender. Vorschriften zu, die diesen Dingen ein Ende setzen.; Der,Lude Herriot". Berlin, 89. Juni. (I. T. A.) Die „Deutsche Zerrung" hatte bekanntlich vor kurzem behauptet, der neue französische Premier sei ein rasseechter Jude und stehe i n Diensten des Moskauer Sowjetismus. In; einer Polemik mit der ,Mofftschen Zeitung", die sich über j diese Behauptung lustig macht, stellt die „Deutsche Zeitung"; nochmals die jüdische Abstammung Herriots fest und der- / wefft auf die „sprechenden Abbildungen des Premiers!-MM 'auf die Daffache, daß sein Seketär — Israel heißt. Die Zeitung fügt hinzu: ,-Soweit wir unterrichtet sind, bestreitet man in Frankreich gar nicht, daß Herriot - em vxffchechter Jude ist." ' Die Zeitung versteigt sich noch zu folgenden Bemerkungen: „Daß dabei der Jude Herriot mittelbar das j französische Gastvolk ebenfalls schädigt, kommt aber für uns vorläufig kaum in Betracht. Ans ist zurzeit diel wichtiger, däß der Jude Herriot in trautem Verein mit den Moskauer Rätejuden, den jüdischen Drahtziehern in England und der jüdischen Hochfinanz in Amerika sowie; mit tatkräftiger Unterstützung der Juden in unserer eigenen Heimat an Deutschlands Vernichtung arbeitet." Inland. die österreichisch-tschechischen Handelsvertragrverhandlungen. r ' Prag, 26, Juni. (Tschecho-flow. Preß-Bureau.) Der Leiter der gegenwärtig in Prag weilenden osterreichi- ^cheu Hand elsdelegation, Sektionschef Doktor ''Schüller, erklärte einem Mitarbeiter .der „Prager /Presse" über den Stand der tschecho-slowakiisch-öskerreichi- Wen Handelsvertragsverhandlungen, daß die jetzt tn Prag /-wieder aufgenommenen BerhaMungenen einen befrisch ig enden Verlauf nehmen. Gegenwärtig werde be- 'reits die dritte Lesung des Vertragsentwurfes vov-; bereitet. Voraussichtlich werde sich in allen noch strittigen iFmgen eine Einigung erzielen lasten, so Laß ungefähr 'Mitte Juli mit der Fertigstellung des Handelsvertrages l gerechnet werden könne. Der Vertrag selbst werde ein gewöhnlicher Handelsvertrag mit gegenseitigen Tavifbegünstigungen fein. Gegenüber' dem bisherigen PrMsorischen Abkommen werde er zweifellos einen 'bedeutenden Fortschritt darstellen und chcmnt den Handelsbeziehungen die von den beiderseitigen Wirtschaftskreisen geforderte feste G r u n'd l a g e geben, was naturgemäß zum weiteren Ausbau des zwischen den beiden Ländern bestehenden Handelsverkehrs 'beitragen werde. . ‘' @tae Straßendemonftratiou der Bundesangestestten. Ablehnung der Regierungsvorschtagr. Die in der Boil-kshalle und aus dem Rathausplatze gestern von den im 26er-Airsschusse vertretenen Beamten-- o-rganisationen abgehaltenen Demonstrationstersaurmluug en trugen das Gepräge einer imposanten Massenkundgebung, deren Teilnchnrerzahl mehr als 30.000 betrug. Nahezu ei.ne Stund? dauerte der Aufmarsch der einzÄnen Gruppen, bas stärkste Kontingent stellten der- Bund der öffentlichen Angestellten, die Staatsarbeiter, die Technische .Union und der Reichsverein dev öffentlichen -Airgestellten. ..Sämtliche Redner machten die Bureankrätie m der Himmelpfortgasse' für das ablchnende Verhalten gegenüber den Bundesangestellten verantwortlich und erklärten, es sei nicht richtig, daß durch die Bewilligung dere - Forderungen die S cm ie r u u g g e f ü h rd et wäre. Mehrere BKES MorMnzrMns. Redner evgiugen sich in AuAfällen gegen den Finanzm i n isie r. ' 1 In der einstimmig angenommenen Resolution wird unter anderem erklärt: 1. Die nerlen Besoldungssätze sind' ganz unzureichend. Die bevorstehende Verteuerung der Lebenshaltung dmch die Erhöhung der Zolltarifsätze und des Wohnungsaufmvandes muß die gesamte Beamtenschaft in eine unabsehbare wirtschaftliche Katastrophe Hineintreiben. Die Bersainmlung lehnt daher die von. der Regierung vorgeschlagenen G ehaltssätz e ab und fordert, daß die neuen Gehaltssätze entsprechend den bekannten Vorschlägen des 26er- Ausschnsses festgesetzt werden. 2. Die beabsichtigte Verkürzung der Pensionisten, Beseitigung der Automatik und die Verschlechterung der Pensionsbemessuirgsgrundlage bedeuten die Konfiskation erworbener Rechte und werden daher bedingungslos abgelehnt. 3. Die Verlän gerung d er-V olldienstzeit ist für die durch die Kriegs- und Nachkriegsentbehrungen zermürbte Beamtenschaft eine unerträgliche Zumutung und wird mit Entschiedenheit zurü ckgewiesen. Di? Versammlung appelliert in letzter Stunde an die Einsicht deö Nation alra tes und der Regierung. Schwierigkeiten, die sich aus ausländischen Einwirkungen ergeben, kann die Beamtenschaft nicht gelten lassen. Di? österreichischen ..'Beamten wollen treu e Diitzner ihres Staates, nicht aber Sklaven des Auslandes sein. Die Versammlung beauftragt den 25er-Ausschnß, zur Wahrung der bedrohten Interessen der Beamtenschaft a l le geeigneten Mittel anzuwenden. Die Eisenbahner und di?' Gewerkschaft der P v stangestellten nahmen an den Versammlungen nicht teil. > ■ Nach d?r Versammlung erfolgte ein Demonstrationszug über die Ringstraße bis zur Babenbergerstraße, worauf sich die Teilnehmer m vollster Ruhe zerstreuten. Aus der Resolution geht hervor, daß die Bünd'esangestellteu derzeit ene a b w a r t e n d e Haltung einnehmen. - ^_ ' Dar AsenSahnmaterial der Nachfolgestaaten. . (Eigendienst der Miener MorgrWeitu^.) Paris, 30. Juni. Die Reparationskommisimn hat am 27. Juni endgültig die Aufteilung des rollenden Materials der ehemaligen öst-erreichifch-U'Ngariischeu Eisenbahnen unter die NachfvlFestaaten geregelt. Der Beschluß für diese -Aufteilung scheint einstimmig mit Einschluß der BotschafteÄonsevenz gesichert. Tagesbericht. Die Bergwerkrkataftrophe von Hart. Ursache des Unglücks —. ein schwerer Betriebsfehler. Im Nationalvat sprach gestern Handelsminister Dr. S ch ü r f f über die Ursachen des Unglücks im Kohlenbergwerk in Hart und gab das Versprechen, daß Hergang und Ursache der Katastrophe restlos klargestellt, niemand geschont, nichts verheimlicht und alles durch bewährte Fachmänner geprüft werde. Nach den bisherigen Erhebungen versuchte der Betriebsleiter Dr. Lu d w i g das am 16. Mai durch Selbstentzündung entstandene Feuer durch Abtspr-itzen mit Druckwasser solange zu halten, bis es ihm gelungen war, für die Abförderung der Kohle aus dem Tiefbau einen anderen Weg einzurichten. Das ist ihm auch gelungen. Die Förderung wurde auf einen in der Nähe befindlichen kurzen Schacht umgelegt und inzwischen alle Vorbereitungen für die luftdich te Abschließung der Feiberstelle getroffen. Das sollte durch vier in den Zugangsstvecken zum Fallorte ausgestellte Dämme geschehen. Neben der Förderung der Kohle im Fallorte führte durch diesen . eine Wasserleitung und die Preßluftleitung für den Tiefbau. Es war von vorneherem klar, daß auch diese umgelegt werden mußte. Bei der Dringlichkeit der Absperrung und den weirigen zur Verfügung stehenden Wegen entschloß sich der Betriebsleiter, die Amlegung der Preßluftleitung mittels einer neuen Rohrleitung durchzuführen, die am' Kopse des Fallortes durch die Absperrung der dortigen »Strecke, am Boden liegend, hindurchftihrte. Für diese Notleitung wurde mit Rücksicht auf ihre Unzulänglichkeit ein langes, geschweißtes, ungestückeltes Rohr verwendet. Die Dämme wurden ungefähr 14 Tage vor der Katastrophe geschlossen. Hiebei wurde verabsäumt, die Preßluft von der gefährdeten alten Leitung auf die gesicherte neue Leitung umzuschalten, so daß die Zuleitung der Preßluft zum Tiefbau nach wie vor durch den nunmehr abgesperrten Brandherd hindurch stattfand. Diese Unterlassung stellt sich als ein schwerer Betriebsfchler dar und ist die Ursache der Katastrophe. So konnte es geschehen, daß_wahrscheinlich durch einen Verbruch .der Decke innerhalb des abgesperrten Raumes ein Rohrbruch in der Preßlustlertung eintrat -und sich die Preßluft rasch in den abgesperrten Luftraum ergoß. Dadurch muß ein plötzliches Aufflammen des Brandes verbunden mit großer Gasentwicklung verursacht worden sein, was zur Folge hatte, daß die giftigen Brandgase' durch die Undichtheit der ausgestellten Dämme und des Kohlenkörpers in die Miachbarten offenen Grubenraume h.vmusgedrückt und durch den zur Grubenlüftung dienenden Wetterzug in Llrzer Zeit an die Arbeitsorte ac» . 1'. IM MA ' / ' Rr. ISA tragen wurden. Der BetMsletter Ludwig hatte tat Werk dienstlich auf Zeit verlassen, der Betriebs* ingonienr T a u s ch war auf Urlaub und der Schichtmeister Tremm-ek vertrat den Beiriebsleit-er. Zur Unterdrückung, des Brandes wurden sofort die besichenden Wsperrungen verstärkt und der LuftzUg in der Grube verringert. Gegenwärtig ist die ganze Grube, und insbesondere die Umgebung des abgesperrten Brand- Herdes gugän gli ch und wird an der werteren Ver-! stärkung' der Mdänvmung de's Brandherdes gearbeitet. Zu den Zeitungsnachvlchten über vorschriftswidrige Zustände beim Werk und. mindere EignMg -der verantwortlichen Personen ist aus Grund der bisherigen Er-! Hebungen folgendes zu bemerken: . j Was die Rettungsapparate anbelangt, so be-! sitzt das' Werk fünf Atmungsgerate, von denen zur Zeit! des Unglücks zwei h«r Ausbaisserung an das Dre-! agerwerkin Lübeck singesendetwaren. Die drei am Tage, des Unglücks vorhanden gewesenen Apparate sind nach - ihrer Verwendung von den Sachverständigen überprüft! worden und mit Ausnahme eines leicht behebbaren Ad-! justieruugsfchlers bei einem Apparate einwandfrei gebrauchsfähig befunden worden. Ein Aufruf zugunsten der Opfer von Hurt« Zugunsten der Unglücklichen von Hart wird ein Aufruf veröffentlicht, in dem auf die trostlose Lage der Hinterbl'lebenen der Opfer von Hart hingewiesen wird. Eine Mion unter dem Vorsitze des Handolsministers wendet sich an alle/ denen günstige Lebensverhältnisse die' Mittel geben, diesen Aevmsten hilfreich zur Seite zu stehen. Die Redaktion der ,Miener Morgenzeitung" ist bereit, Beiträge entgegenzunehmen.' Die kxplofio» im Kaisersteinbruch. Die Erhebungen des Waffen inspektors der Artillerie haben ergeben, daß brr Unglückssall im Kaiserstern'brnch sich dadurch ereignete, daß ein Artillerist, der nach den-ergangenen Pefchlen nur leere GeschoßMsen einsanrmeln durfte, auch zwei nicht e^plodierte Granatschr-apnelb köpfe anfhob und auf den Wagen verlud. Einer dieser Schrapnellköpfe explodierte, wodurch, wie gemeldet, sechs Per. sonen verletzt, wurden, deren Besinden bis jetzt relativ günstig ist. __ , . Dar Wetter. Gestern -herrschte überall schönes Weiter. Auch für herM ist Schön Wetter, allerdings durch Gewitter gestört, angekündigt. Die WSllersdorftt AMe. Die Meldung, daß Wölkersdorf vor der Betriebs«- -einftellnng stehe, ist unrichtig. Harwelsminist-er Doktor. Schünff teilte gestern im Ncüionalrate mH; daß die Verhandlungen über Wöllersdorf vertagt würd-eir mrd nur vereinbart wurde, daß für die Zeit eines Monates für die F v r t f ü h r u n g der Wöllersdorfer Betriebe Vorsorge getroffen werde, wobei den Vertretern des Bundes ein Vetorecht gegen die Geschäftsführer emg-eräumt wird. Die Beschuldigungen gegen einzelne Funktionäre der Staatsverwaltung hätten bisher kein positives Material ergeben, doch w erde die persönliche Verantwortlichkeit der mit ‘ der Vertretung der Bundesinteressen bei d^n Wöllersdorftr Werken betrauten staatlichen Funktionäre erst dann - vollkommen klargesiellt werd«r'können, bis das Srgebnis über die noch nicht beendigte Untersuchung der Geschäftsführung der Wöllersdorfer Werke selbst vorliegen wird. Da, wie wir dexeits einmal festgestellt haben, die Untersuchung überhaupt nicht in Wöllersbo'rf gef ühr t wurde, wo kein einziges Untersnchun gso rgan erschien, sondern itt Wien durch Einsicht in die Geschäftsbücher, ist schon, jetzt ganz klar, daß die Untersuchung kerne genauen Resultate ergeben wird. _' . Das SchiM der BaMeaMe«. 120 Beamt« der Allgemeinen Industtialbank entlassen Die Vertrauensmänner der Bankbeamten hielten gestern eine Vollversammlung ab, die sich mit der gegenwärtigen Krise beschäftigte. .1 Der Präsident des Reichs-Vereines der Bankbeamten, Epler, verlangte die Errichtung eines Produktion sfonds für eine produktive Arbeitslosenfürsorge, durch die die arbeitslosen Bankbeamterr in andere Berufe überführt! werden sollen. Die Gewerkschaft werde sich im Ausmaße! ihrer Mittel an der Aktion beteiligen.! Abg. Allina erklärte, von den 206 Beamten der > Allgemeinen Jndustrialbank, die alle gekündigt wurden,; sind mit dem 1. Juli 120 ohne einen Heller Geld! auf die Straße gesetzt worden, da, wie man ihnen erklärte, - kein Geld in den Kassen sei, um die Gehälter anszuzahlcu. Der Betriebsrat der Bank teilte mit, daß es zu stürmt schon Szenen der Entlassenen gekommen fti. Statt ihnen die Gehälter auszuzahlen, ^vurde gegen sie die P olize i geholt. (Lebhafte. Entrüstungsrufe.) Es wurde sodann im Sinne des Referats eine Resolution angenommen. i Krach auf dem Audapefter Fawelenmartt. (Mgendienst. der „Wiener Morgenzeii-ung") Budapest, 80. Juni. Auf dem Juwelenmärkt i>,p ein geradezu katastrophaler Preissturz eingetreten. Jchermänn verkauft, um sich Geld zu verschaffen, während sich Käufer^ .nicht finden. Die Preise sind um 80 Prozent tiefer als die zur Haussezeit in Dollar fixierten Preise. *.i—v'wmmßT'i ii

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