Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1929 (29.6.1924)
- Date
- 1924-06-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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£;,tMsfe.g Wen, SMövg Sillißt. ' Aus dem Tagebuch einer Ämerikareise hon Perez Hirschbein. ' Unbehagen . . . Wenn du von den hohen Bergen niedersteigst, drückt dich der Gedanke, «daß dort obm im.Ge--, stein, über den Wolken, Menschen, dein Ebenbild, zurückgeblieben sind, die in derc Bergen nach kaltem, schwerem Metall graben, nach Gold, Silber, .Kupfer, Zinn, Eisens "Zuweilen aber ivandelt dich doch die Dust an, sie um ihr Schicksal zu beneiden. Sie haben doch einen! Willen. Ihre, eigene Wahl'. . . . - - Wenn. du. aber dann auf die Straße, in .das Getümmel des Lebens kommst, «wo dein Auge den Inhalt des Lebens sucht. und deine Micke, wohin du sie auch richten ' magst, bald aus blitzendes Gold,. bald aus den blassen. Schein des Silbers, hier auf wies Kupfer und gelbes Messing, ans graues Blei Und rostiges Eisen stoßen, dann , kommt dir zum Bewußtsein, wie sehr diese -kalten Metalle in unser Leben eingreisen, wie tief sie in unsere Seele gedrungen sind; dann erst bemerkst du, wie. der junge Tag -bei den Klängen dieser Metalle in das Leben geführt und der Hingeschiedene bei denselben kalten Klängen zu Grabe; geleitet wird. Wenn du daran denkst, nachdem du in den Bergen geweilt hast oder an anderen Orten, wo. die kalten ■ Metalle aus Lhrem finsteren Versteck ans Tageslicht befördert werden, .dann ergreift Trauer dein Herz. Im Norden Colorados, in den grauen, .felsigen, zchn- bis zwölftaufend Fuß Hohen! Bergen, zwischen denen sich das Bett des durchsichtigen-Bä chleins hin-, zieht — dort besinden sich Silberschätze. Ich weißnicht, ob! die Menschen den Weg dorthin leicht gefunden hätten, hätte nicht eben dieser klare, durchsichtige Waffevlauf - gleichsam das Herz der Felsen gespalten. Dieses Wasser kommt von den schneebedeckten Häuptern und Nacken der Berge herunter, zieht in die Tiefe, den ganzen Weg flüsternd, Geheimnisse verratend: - " Ziehet dort hinaus, woher ich komme; mit Silberstaub und Silberkörnchen ist mein Bett bestreut/ ' Der Zug klettert auf seinen Stahlschienen bergan, windet sich längs des Flußufers; der launische Fluß krümmt und Mangelt sich, Hüpft auf und' ab, der-Zug muß.-seinem Wege folgen. Denn der Fllsenriß ist lies, das/ Flußbett läuft an manchen Stellen zwischen.zwei:kühlen- Wänden,, die ihren Schatten aufs Wasser werfen. Die Steinwände fuK für das menschliche. Äuge' MermeUich hoch; über ihren Gipfeln P der blaue' HirNmel gleichsdM' straff g-spannt, als hätte, er sick ergens über das Bächlein gebeugt, um es nicht durch Staub trüben '.zu .Fassen. Aber das durchsichtige'Flüßchen ist Hier ganz und gar sticht durchsichttg. Vergebens überwacht es der 'Himmel droben. Irgendwo: hoch in den derM 7 grii *'• - rttor Srlberi ' Man sprengt Felsen ab, mahlt-'die.Bwcke ' in- Mühlen, wäscht das zerriebene Gestein in Trögen, hin Wasser Htzs durchsichtigen Bächleins, das zu den Mühlen gMckt WM. Kristallklar kommt das Wässer in die MüHle, schmutziggrau verläßt es sie. Dann und wann gibt ihm auch ein Farmer den Staub seines Feldes auf den Weg -mit, daß er am Fuße eines Felsens besitzt; . wenn es.«der Regen nicht zur richtigen Zeit tränken will,, dann lackt der Farmer das. Flüßchen zu. sich und tränkt sein Grundstück mit dem Wasser des Bächleins. Nur.hoch oben in den Bergen,, wo . es. viel zu kalt ist, als daß Brot dort gedeihen könnte, und wo auch kein Silber mehr zu finden ist — dort.ist das 'Wasser, durchsichtig und klar ustdseine Bläue, spiegelt den'blauen. Himmel wider.. Und.du denkst dort oben jener Zeiten, da die Menschen -noch nichts von-dem Tal hier wußten, da sie ihre Begierden noch nicht..hergebracht .hatten. — wie klar und rein muß damals das Bächlein gewesen sein, hell und. , rem -wie Kinderlachen . * * ’ , - Silber.. . Gold.. « '--.:«/ V-7*-■■■:•''■ HochschAer. Lese- «ich Redetzaste Montag, i Sttttl 1924, 8 «hr abend, ' im Lokale, s. Bez., MrMsiraße Sk. s Vortrag Dt. Paal Ramimt: Diö politischen nrrd ökonvmifchen Gmrdlckgen ' -es PÄlWina-Äüstarrwerkes. iKritliche "Betrachtungen auf Grünid 'einer Studienreise im - - '> Jahre 1924.) Zionistische Gäste willkommen! Der Mensch hat ihren Wert geschätzt und dom- Gkber den kleineren zugesprochen. Mil. .der SAberMnz bescheidener. war. Und während, der Preis, des. Goldes, fast in allen Städten, in allen Ländern,. wo. die Menschen die - Rechenkunst verstehen, festgesetzt ist, schwankt der des- Silbers häufig, und entspricht nicht immer dem wahren Werte des blasserr Metalls.. Umd dem Preise des Silbers im Tal, ' in der Stadt, .entspricht, der Pulsschlag des Lebens oben ans der Höhe, wo die Silberschätze gewonnen werden. Es gab eine Zeit,' wo .es dort zwischen den Bergen wie in einem Bienenstock, von Menschenwimmelte; von heute auf. morgen wurden in wolkigen Höhen ganze Städte erbaut. Dann .aber zeigten sich im Westen der Berge G v'-l d s p u r em und alles ivandte sich westwärts/. Dorthin begaben sich nun alle, um-ihr Glück zusuchen. Einzeln verließen die Wen- - scheu - ähre Schächte, schlichen sich leise aus ihren «Höhlen und zogen mit Hammer und Bohrer §it den Bergen im- - Westen—zum Glanze des Goldes. Aber hier, .wo. es -daheim ist, ist das SWer ebenso angefe-hen wie das «Gold i-m-Westen, so wie dieses ist es in Form kleiner StaubWMcheu in s-oladen Grämt e-ingewachsm. Es -zu gewinnen, kittet ebenso diA Mühe -wie im Westen Gold zu emdeckeM Auch hier mußte mast Ln jenen guten Zeiten ganze Berge sprengen, «aus dem Innern der 'Erde Unmengen grauer Sie in che n hinausbefördern, lange, höhe -Dämme auffchutten'um sie schlieMch ungemahlen mnld ungereinigt-liegen zu lassen und in -die- GMgegend zu ' ziehen. Urßd woernst eine Stadt war,' wo Häuser -standen — dott «ist keine Spur Wendigen - Lchens mehr zu merken. MoßHeiMä) da. 'ragt' noch.am«Äfexdes klaren Flüßchens •eilt Gvälbste-irf empor oder ein einfaches hölzernes Kreitz ' Wiegelt.sich dunkel.ststr Waffer —.ein Zeichen/ daß auch hier einst -'Leben herrschte, am.Abend frohes Lachen klang, -.wie Jetzt -im West-en .in der GMg-egsnd. So; wie dort,' -Mgest'einst« -Mch; hier die Burschen,'Mm daß sieaus dem ' ^Iynern.Her Erde Kommen'- wvM^allalbe'nMch. in die') engen Mß'cheu der der geschminkten Mädchen in den kurzän Röcke«n, die bei Tag in' den stillen GäßcheN ' -Hrdr ge-Wattet hatten -wA deren -feue-rs-PrÄHende Augen Nächte voll LebenÄüsl versprachen/' ^anstatt der armMgen Täge ist den finsteren.Schächten ./. Es gab. Krieg'aus der Welt «uch die Distg? würdest .-umgeiwettet. Den ersten -Rang — nicht im Preis, sondern in" der Wichtigkeit — stchMn. numneHr KUpftr,' StD 'und Eisen ein; Gold und' S>kWr kommen erst in Oveiter ' Linie und ga-nz. zuletzt. — der M.nsch mit seinen BeUserden. -Die..kästen Metalle-sind im Werte-ungemem gestiegen; 'am g-ngesckhensten. ist vielleicht das Kupfer, aber. auch 'Silber. P wicher^zn Änschen gelangt. St-olze. Arbeiter - 'kehrtest nun. dem Golidglanze --des Westens den Rücken, da. .man «bei Kupfer jetzt ^nehr verdi-enm kann.' Auch die Be- ' sitzer - der .- verlassenen., Silbermmen sind zn -den verödeten Schächten. zuvückgekchrL, schauen sich' die an -.ihrem Eingang .Mg-eschütteten Dämme an, wundernsich, daß «die > Häus«er, die sich damals im.- Wasser -fPiegÄ-ten, ^chwünden sind. - Coloradozentru«t. ' So wi-vd dvesev Dt gD ' \ der:beinahe zchndausenL.-Fuß Hoch Liegt. mit Schnee betupften 'HügelKn MMm WMeO M Sonnenlicht... . . ' . . ^./' Alz ich das Laboratörium betrat, m dem.«eW flM' scher Ingenieur das erWlttzs Gestein untersuchte, Ätzten - mir die scharfen chemischen Stoffe Kehle und Augen. Neue WmWe Mittel wurdem- -entdeckt, die -üS.MeM leichter-»vom Gestein sondern; aber der große - Haufen - grauer, winziger Stemchen, der dopt aufg-eschllttet^ wurden-,, lag seit -langern vevlasson. Jetzt aber hat das Glück dem-- -. - M'ber wieder Mgelächelt und so Wird dieses Erz-wieder bearlbvitet. , ■ :; Der Hause, den ich. sche, enMt geg-en sLnsihunderLtausen.d Tonnen Erzgestein. - Wn-n es gelangt,'aus feder Tonne um zwei Dollar.mchr'.Silber zu gewinn-en, so würde dies-eine ganze MrW«n ausniachen. Eine ganze Million! Gin großes Vermögen! Und die - chemijschen Stoffe reizen die Augen zu Tränen und beißen m der Kchle, als hatte man Schnupftabak yeschluckt. Der Schacht, den ich mit dem -Ingenieur besuchte, ist. ißt; er wurde einige. Oaihre «nicht berührt, Ich -og hohe« ' Wm'mistiefÄ an, hüllte mich-in einen Mantel u>nd .begab, mich mit angezündeter Kerze in das Innere des Berges.?'; Man braucht nämlich nicht in die Diese-zu. stöigein/ es genügt, wenn man aus dem oberen Scha«chi den' engen,'.' si-nstoven Tunnel enEaing geradeaus'-weiiergHt. Bon oben . Me Tropfen- «md «Unten ist Wasser, ganz hoch, bis.Wer', - ' di- Schuhe. Von irgend woher kommt -ein Wnd, der die ' Kerze löschen will. Nach ungefähr einer Biertelm-eike. kamen wir an eine Stelle, wo das-Gebälk des llnterba«ms eingestürzt ist. Hier scheiden sich zwei Wege, die jedöch-- - Unpasfievbar sind, es sei-denn im Wasier. 'Mollen- Sie weiter gchem?" fragte wich' derHnIge-? - stieur. genügt..." / '" J Irgendwo hier drinnen Mst-en. zwei. Arbeiter sein." ^Mas -machsn die?" ' ' ,-Sie sind hinein, um zu sehen, 0b. man -mit der.Pr-. . beit b^inneu kann. -Ich glasulbe, ich höre sie — DoMpison! Man hört nichts'..' .... , ' / ' ,Hst -ein sollchstr Ei-nsturtz, wie -der da, mW gesahrllich-^"- - ,Mrs ist das wenigste. Die Katastrophen, die sich in '-den Minen ereignen, kyimmen nicht, «im Betracht. ■ Mr '-chewnes eine EMosion -im Schachte gibt und'esn.Khöe-lM-.' « getötet wird — das spricht sich weit und-breit herM^'Äaß/ '. aber Liese ganze Arbeit ÄbeHaiuPt' nicht; ifü« tmsstsMche '; Kräfte ist — -das wich vott keinem beachtet. Sie kümmern^ sich auch nicht dämm, Laß di« Schwindsucht der Fsinp . ' aller ist, die im Innern der Erde.ihren -Lebmsu«MrWk/' ,'' -vechienen." -v:- - '. ' " ' ,1 '-i . Wir kehrten -um, Ich keit, als -ich aus. dem- Berge kam. Der blendend weißd^ Fleck in der Ochfnung des -Schachtes, dem ich-mich-allmählich'.' mit «der brennenden Kerze.näherte, wurde iwttr-er breitet. . - und -lichter, das helle -A^ge des lichten stillen Däges,- Ver-^!i‘ . über den Bergen ausgebreittet lag. Das Acht strömte U' /mich «in, soba«ld ich' aus dem Schachte -kam und löschte W'- rötl-ich-ünüde Flamme der Kerze in meiner Mnb. ' '! 'Hinter dem Hügel an der Oeffnung des 'Schachtes? blie-b ich sitzen. Das Licht schien sich auf und in Mich zu ' - ergießen. Mein Herz schlug -heftig --. als. Pochte feMnd darin mit einem silbernen Hammer. ’;/ . -« Silber... Gold... Kupfer, Stahl und Gijsen.. /. Die. - Werte-unseres -Z-eiMters! Ein Nebteil früherw -GesteWo-' ' n-en. Und in der Zukunft wird es genau so sein/.. . - / Die Some geht jeden Morgen ach, beleuchtet.--die Berge, beleuchtet das Dal. In dün Be-rgen ist das Licht; Völler als in der Niederung, aber ruhiger, ist des Menschen ' '. Herz in den Tälern und sicherer fühlt er sich unten, Zu» - - Her Rhtzthmus der Eharattere. Von Lola Landau. Wenn zwei Menschen ihr Leben Meknander so eng de - ketten, in «Freundschaft oder Liebe, daß sie sich dazu entschließen, in denselben Räumen, der gleichen Atmosphäre der täglichen Luft zu atmen, so wird ein schweigender Kampf um die nackte Existenz ihrer Charaktere beginnen,' bitter und ernst -wie um das Ke'ben -selbst. Jede PersLnlich- 'eit, von einem undurchdringlichen- Nebelkranz ihrer Eigenart umgeben, -hat dengewaltigen Trieb, sich auszudehwen, Menschen und Dinge ihrer Umgebung an sich zu saugen, Daher bricht ^die Zwietracht aus, wenn zwei verbundene Menschen ihre Saugfasern aussenden, ein «Zweikampf, der oft in Hatz und Trennung, bisweilen auch , in der stillen Abgrenzung verborgener Ge'heimkammern enden -muß. Aber es P nicht , die unversöhnliche Verschiedenheit der Charaktere allein, auch nicht der tyrannische Egoismus, des stärkeren. Willens, Apachen, welche die «harmonische Aufösung von zwei Menschen in einer Einheit so tragisch er». ,-chweren. Es gibt haarfeine, -durch kein psychisches Insttnnent zu messende Schwankungen des Temperaments. Zuckungen, der.Seele, dem Ausschlagen einer Kompaßnadel vergleichbar, die, nicht gekannt in ihrer-Bedeutung, viel iiefer und verhängnisvoller für das «Zusammenleben der Renschen sind, als alle . offensichtliö^n Entfremdungen. - - Es ist der Rhythmus des Charakters/, der dqs Leben in jinem bestimmten Takte aufrollt und. ihm-erst dst stste <^- kalt urck geregelte Bewegung verleiht.. Diese aus dem blute strömende -Musik hebt Glieder und .Herz des Menschbu rnd ist Sei jeder Persönlichkeit so ausdrucksvoll und/em^- nalig wie ihre nur ihr eigenMmlichen Handbewegungen, ihre Gangart. -Der Rhythmus des'Charakters, ein unsichtbarer Kapellmeister, taktiert -den Tag, er gibt ihm die «Einschnitte, hie Ruhepausen, den «lange anhaltenden Atem einer Empfindung; er dikttert die Hast und Beschleunigung, das rasende Crescendo inder Wut der Arbeit und endlich das Abschwelten der Melodie, das Müdewerden und Zu* sammensinken. Und alles dies -geschieht in einer gesetzmäßigen-Reihenfolge, durch die das'ganze Leben stine besondere Klangfarbe erhält. , Bei jedem Menschen nun sind die chythmischen Vorzeichen feiner Natur anders gesetzt. Eine unsichtbare Gewalt zwingt ihn, seinen Tag .so upd nicht, nnders, in stützestden Kaskaden, oder, in stockend abgerisssney Energien auszürollen,.^ daß er sich vst selber nicht begreift. Woher « durchdnngt ihn das immer, sich wiederholende -'Kraftgefühl zurbestimmten UorMtunde,- in . der die Arbeit ihm -so leicht ' gelingt,, während sein Freund erst um -die« Dämmerung.-beginnt auszuleben, mitdem phosphovischen LeuchM'des Abendmenschen/ das von ihm ' ausstrahlt? « VielleM weiß .er. nicht,,daß fürjeden,Menschen das.tägliche Wiedererwachen zum Leven.zu «itzev anderen Zeit-festgefttzt ist, die Geburtsstunde nach dem Schlaf dis zur Sterbestunde der Erschlaffung im. täglichen Kreislauf von ernrm bestimmten. Zeiger gewiesen wird. Gs gibt Naturen, /die sich vor Morgengrauen /erheben und stündlich in ihrer ' Lebenskraft -wachsen, bis sie am nächsten Nachmittag zu- - sämmenschrumpfen. Und da sind andere, meistens künstlerische Menschm,' die Nachtpflanzest gleich, erst in der Dunkelheit anfblühen. und sich entfaltest und dann am Morgen -welk hmiräumrn. Der Stundenplan, den das Zifferblatt der Syrttte uns vorschreibt, der Zwang -der Berufe, Gewohnheit -und Erziehung kann im Grunde nichts gegen diese angeborene Peschasfenheit ausrichten. d Aber nicht allein darin äußert, sich der - verschieden-- artige Rhythmus, der. Charast-ere. Bon Bedeutung ist -auch'j die eigentümliche Genußfähigkeit, die Gabe eines Teinperamentes, viele Eindrücke, schnell zu verzehren, den Tag «hoch - ä-^ufüllen, tpährend anderen Wesensarten nur ein lang-/ sames Einatmen einer -,Muen -Umwelt möglich ist.-So? können zwei Menschen, in der Betrachtung des gleichen^ Kunstwerks, im Änschauen derselben Landschaft die ttefften - Eutzwerungen erfahren, tragischer und einschneidender als ernste Zerwürfnisse. Eine unsichtbare Gewalt reißt sie aus-. einander, «wirbelt wie ein Windstoß , den . einen weit: fort/, und sie sind getrennt, die noch nebeneinander auf derselben , Teppichblume mit verschlungenen «Händen stehen.. .Das « gleiche giü für die Schmerzempfindlichkeit, di« Kraft, einest ' Schmerz lange zu halten oder Leichtigkeit, ihn schneller zu. überwinden, die-größere Sprungfähigkeit Her.Seele oder, ihre Hohrende Schwerkraft. Schluchten Wchtberstehens können hier anfklaffen, um sich nie wieder zu schließen. Und' da sind in der -Musik des Tages die vielen kleinen Pausen, die' Ruhepausen der Mahlzeiten, da sind . die -. lustigen Staccati, «das kleine Gelächter zur rechten Sekunde, - und - da sind -die Achtel- -und. Sechzehntelnoten des Lebens,, die . so unendlich verschieden in dem gleichen- Musikstück gespielt -werden können.; . ■*. “j. Diesen verborgenen und. doch so «bedeutsamen Zeichen -wird' bei der Bindung einer Liebe oder Ehe fast nie Beachtung geschenkt. Nicht nur Empfindungen, äußere Reize -und gleichartige Neigungen müssen aufeinander abgestimmt - sein; der Takt, die Rhythmen der beiden. vereinten Leben! inüssen so leicht zusammenspielendaß die 'Kette, an der die beiden Menschenzusammengeschirrt sind, ckelodisch -klingt ' wie die elastische Saite eines Instruments. '«