Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1927 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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f-witTt"~ ""'" KW, FrWz_ Hastbesehr gegen Roßbach. München, 86:.Juni. (Molff.) Di« Münchner Al lgemein« Zeitung" meldet, daß gegen den am Hit!er-Ps t s ch beteiligte« ftüheren Hauptman-n G öri ngnwd gegen den Oberleutnant Roßbach wegen Bei- Hilfe zum Hochverrat ein Haftbefehl erlassen wurde. , ,;i... _ Sine gndendebatte im HorM-BarÄMent. Budapest, 26. Juni. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung kritisierte der oppositionelle Abgeordnete Ludwig Szilaghi die Politik der Regierung in überaus abfälliger Weise, was wiederholt zu stürmischen Szenen führte. Er erklärte, der von der Regierung ausgearbeitete Plan betreffend die Regelung der Boamtengehälter ans Goldkronengrundlage sei derart, daß die Regierung in den A n? l a g e z n st a n d versetzt werden müßte. Es sei eine Hochstapelei, von einer Regelung der Bezüge der Beamten zu sprechen. («Großer Lärm rechts. Der Präsident erteilt dem Redner den Ordnungsruf.) Die Haltung der Regierung werde sich rächen, -wenn sie wieder einmal von den BeamtenUngesetzlichkeitenfordere. (Großer Lärm. Redner wird vom Präsidenten neuerlich zur Ordnung gerufen.) Szilaghi warf sodann der Regierung vor, daß siein Zürich den Kronenkurs durch künstliche Mitte l zu stützen suchte und warf ihr ferner Zweideutigkeit in der Juden frage vor, wobei er auch den Inden den Vorwurf machte, daß sich ein Teil von ihnen vom Ministerpräsidenten betören laste. . Ministerpräsident B e th le n erwiderte, Szilaghi habe ohne jeden Beweis Jnvektiven gegen die Regierung gerichtet. - Als hierauf der Staatssekretär im Ackerbauministerium, Johann- Mayer, das Wort ergriff, um gegen die Behauptung Szilagyis - zu protestieren, er sei bei Erteilung von Ausf-uhrbewillignngen nicht korrekt borgegangen, kam'es zwischen beiden zu einem scharfen Wortwechsel, in dem die heftigsten Ausdrücke fielen. znWüng der Beamtensrage. Abbruch der Verhandlungen mit der Regierung. — Der Mzekanzler stellt die Kabinettsfrage. Der von den Vertretern der Bundesangestellten bereits ««gekündigte Bruch mit der Regierung ist gestern. erfolgt. Vizekanzler Frank gab dem Exekutivkomitee der Bundesangestellten vormittags bekannt, wie weit die Regierung gchen könne und drohte mit dem Rücktritt der Regierung.-Allerdings ließ er sich den Rückzug offen, daß ein Weiterverhandeln auf Grund des nunmehr dem Nationalrat vorzulegenden Besoldungsgesetzes möglich sei. Das letzte Wort wevde daS Parlament zu sprechen haben. Er erklärte dem Exekutivkomitee ü. a.: „Ich muß namens der Regierung Mitteilen, daß sie im Prinzip an der Verlängerung der Dienstzeit festhalten muß, daß 'sie jedoch zu VerhaMungen über Übergangsbestimmungen gerne bereit ist. Was die Pensionisten betrifft, so muß ich nochmals darauf verweisen, daß der im Normalbudget für sie in Aussicht genommen« Betrag durch die Jndexauswirkungen der letzten zwei Monate den Pensionisten zugekommen, damit aber auch verbraucht ist. Ein weitereer Betrag steht nicht zur Verfügung. Von der Bedeckungsstage ganz abgesehen, ist eine so namhafte Echöhung der Ziffern des Normalbudgets, das vom der Regierung mit einhelliger Billigung des Hauptausschusies des Rationalrates in Genf vertreten wurde und das die Grmcklage der Ucherprüfung durch den Völkerbund biwet, ganz unmöglich.^Selbst Zwangslagen, die in der Folge geschaffen werden könnten, werben nicht dazu führen, daß die Regierung, von dieser Politik abweicht. Diese Verantwortung müßte die Regierung anderen überlassen. Wenn die Beamtenschaft ungeachtet dieser Sachlage der Meinung sein sollte, daß der bisherige Weg der unmittelbaren Verhandlungen nicht zweckentsprechend ist, so darf nicht außer Acht gelassen werden, daß die endgültige Entscheidung ja der höchsten Autorität in diesem Staate, dem Parlamente, obliegt. 'Nach Kenntnisnahme dieser Erklärungen hat der FmrfundzwaMgerausschuß der Beamten den Vizekanzler brieflich verständigt, daß er nicht rnchr in der Lage sei, die Verhandlungen, mit der Regierung fortzusetzen. Weiter sandte der Ausschuß an die parlamentarischen Parteien ein Schreiben, worin er darauf verweist, daß die Regierung den Bundesangestellten zumute, ihre Zustimmung zur Ausschaltung der Ruheständler aus dem neuen Besoldungsgesetz und zur Mlängernng der Dienstzeit aus 36, bezw. 40 Jahre zu gÄben. Die Verantwortung für die Folgen müsse die Beamtenschaft der Regierung überlassen. . Montag findet eine Massenversammlung der Bundesangastellten in der Volkshalle statt, in der dem Vollzugsausschuß weitere Direktiven gegeben werden sollen. Scharfe Stellungnahme der Technischen Union. Gestern abends sprach eine Abordnung der in der Technischen Union organisierten Bundesbetriebsangestellten beim Vizekanzler Dr. Frank vor und erklärte auf das nachdrücklichste, daß die vom Finanzminister Dr. Kienböck ingekündigte Verlängerung der Dienstzeit von 35 auf 40 Jahre sich in dm Bundesbetrieben absolut nicht durchführen lasse. Lesgleichen wehrt sich die Technische Union gegen jede Verminderung der Pensionsbeziige. Sollte die Negierung aber »ennoch auf der Turchstchrnng dieser beiden Punkte beharren. Wlerreit Moegenzeltuns? ,•, 87. AM 'ISA A a a a kkr. ISSß ' Hl im n... . »„>,»1 ' >. > so könne heute schon erklärt werden, daß sich die Angestellten der V.nndesbetrstbe mit allen ihnen, zu Gebote stehenden Mitteln dagegen wehren werden. BiirgermeiftemM in Graz. In der gestrigen konstituierenden Sitzung des neugewählten Grazer Gemeinderates wurde zum Bürgermeister mit 46 von 47 abgegebenen Stimmen Vinzenz Muchitsch (Sozialdemokrat) wiedergewählt. mm Kirchdorf an der Krems. D«r «»pH»« «,m v«st". Ein Leser sendet uns die folgende Zuschrift: „Ich schrieb nach Kirchdorf an der Krems bezüglich einer SommeÄvrchwunß und erhielt als Antwort ein Schreiben mit folgendem Zusatz den ich Sie bitte, in Ihrer Zeitung zu veröffentlichen. Erlaube mir nur noch die Bemerkung, daß kleine Kinder, Hunde sowie jüdische Familien bei uns nicht aufgs nommeit werden. Wilhelm Redtenibacher, Gasthof ,Mr Post" Kirchdorf a. d. Krems." Dem Manne ist die ehvende Erwähnung in sämtlichen Hakenkrmzzeitungen sicher. Sie gebührt ihm. Keine Zeitung kann mit Bezug auf Größenverhältnisse des Formates mit der amerikanischen „Jlluminated Qu adr yple Co nstellation" in Wettbewerb treten. Das Blatt erschien in einem Format von 3 Meter 50 Höhe und von 1 Meter 80 Breite, im Umfang von 8 Seiten zu je 13 Spalten. Die letzte Nummer wurde im Fahr« 1850 herausgegeben, und das einzige Exemplar d«r Nummer, das man m Europa kennt, befindet sich als große Rarität im Zeitungsmuseum zu Aachen. Die zweite Nummer wird wahrscheinlich im Jahre 1950 veröffentlicht werden. Sie soll eine ausführliche Geschichte des Jahrhunderts, hi« durch zahlreiche Bilder illustriert wird, enthalten. Die Mittel für die Herausgabe dieses Riesen bla tt«s werden vom Verband der Buchdrucker und Verleger in New-Dork aust gebracht. Den Gegensatz zu diesem Riesen unt«r den Zeitungen bildet das in Guadalajara in Mexiko unter dem Titel „El Telegrama" erschienene Blättchen, das aber schon eine Sensation von gestern ist; denn der „Littl« S t a n d a r b", btt zu Dorquap in England erscheint, hat den von dem mexikanischen Blatte aufgestellten Kleinheitsrekord weit überschritten. Das Blättchen mißt nämlich nur 7,5 Zentimeter in der Höhe und 6 Zentimeter in der Breite. Es wird von einem einzigen Menschen geschrieben, gesetzt und versandt unter der Aegide „Dewon County Standard", von dem es einen Auszug bringt. Ein zweites, nicht minder kleines Blatt ist der „Co sme Monthly", der von der kleinen englischen Kolonie Tosm « in Paraguay herausgegeben wird. Er erscheint als Manuskript und wird in Schreibmaschinenschrift vervielfältigt. Betreffs ArbeitsverhSltnisse der Journalisten sind in dieser Hinsicht die Zeüüngsleute eines großen Blattes in Buenos Aires in beneidenswerter Lage. Di« mit leichten Panamahüten versehenen Redakteur« arbeiten in mit Klubsesseln und schwelenden Diwans wvh (versehenen Säl«n, sie sind mit allem möglichen Komfort u^d einer zahlreichen Dien«rschaft urngeben, die ihrer Befehle g«wärtig ist, Das Zeitungshaus enthält ferner einen Ballsaal und eine d«m Publikum zugängliche große. Büchecsrmmlung. Ans dem Dache des Zeitungspalastes befindet sich eM riesig« DaMp fsir ene, die die Luft mit einem wahren FreudengEheul erfüllt, so oft eine wichtige Nachricht bei der Reaktion emg«gangen ist. Sie scheut sich nicht, gegebenenfalls auch mitten in d«r Nacht die ganze Stadt aus dem Schlaf zu wecken. Die Polizei bedenkt dafür zwar die Zeitung wegen nächtlicher Ruhestörung mit einem Strafmandat, aber das Blatt zahlt die Strafe gern, weiß es doch, daß das Publikum diese Reklame bezahlt. Der tSVliche Fußball. Aus Belgrad wird uns berichtet: Gelegentlich des am 21. d. abgehaltenen Fußballmatches zwischen dem in Jugoslawien weisenden niederösterreichiischen T e a m und der B e l g r a d e r repräsentativen Mannschaft wurde der Tormann der Belgrader Mannschaft, Tusko Schönseid, schwer verletzt; die Milz war zertrümmert worden. Obschon im Krankenhaus die Milz operativ entfernt wurde, konnte Schönseld nicht am Lehen erhalten werden, da sich eine Bauchfellentzündung einstellte. Schönseld ist seiner V e r l e tz u n g b o r g e st e r n erleg e n. Die Aeberführung -der Leiche nach seiner Heimat Neusatz erfolgt heute in Anwesenheit von Vertretern der j u g o s la w i s che n Sp o r tv e rein e und der B ehörden. Der niederösterreichische Fußballverband hat durch seinen Beauftragten einen Kranz am Sarge Schönfeld's niederlegen lassen. Ein pazifistischer Vortrag nicht bewilligt. — Versailles für Arier sankt Kneipe. Die Wiener Universität, welche dank der Hakenkreuz- Herrschaft schon seit längerer Zeit auf dem wissenschaftlichen Niveau eines Kneiplokals steht, deklariert dieses..hehre akademische Ziel des Hakenkreuzgeistes jetzt ganz offen. Das Rektorat hat für einen vom Akademischen Friedensbund veranstalteten Vortrag des Soziologen Professor G ob dscheid über das Thema „D a s V e r h ä l t n i '§ der äußeren zurinneren Politik" der für gestern an der Universität angemeldet war, in letzter Stunde die B e w i l l i g u u g n i ch t e r t e i l t, so daß der Vortrag im Saale der Arbeiterkammer stattfinden mußte. Dafür sprach gestern an der sogenannten Universität einer der Hakenkreuzdozenten über den V e r s aill e r F r i e d e u svertrag, wie die Ankündigung in gutem Völkisch, das heißt in schlechtem Deutsch, besagt, „mit a n s ch l i e ß e nd er Schlußkneipe". Die Affiche in der Universität trägt den Zusatz: „% r i e r willko m me n!" Es wäre höchste Zeit, den Narrren der Alma mater Rudolsina in „Vierstübel zum Hakenkreuz" äbzuändern. Ae WohnbavtAigkit der Semeinde. 10.000 Wohnungen für 1928. Dienstag nachmittags berichtete Stadrat Weber tot Gemeinderatsausschuß für Wohnungswesen über die Tätigkeit bei Wohnungsamtes Im Jahre 1923, über den gegenwärtigen Marder Wohnungssuchenden und über , die dem Wohnungsamt int Jahre 1924 zur Verfügung stehenden Wohnungen. In diesen! Jahre wurden 6014 Wohnungen und Wohnräume rechtskräftig angefordert, gegenüber 962 2 Wohnungen im Jahr« 1922. Davon waren an Kleinwohnungen ^Zimmer, Kabinett) 3319, Mittelwohnungen (drei Wohnräume) 7 0 5, große Mittelwohnungen (vier Wohnräume) 2 3 6, Großwohnunge« mit mehr als vier Wohnräume« 132 und Einzelvohm räume 1822. Von den im Jahre 19 33 fortig-- gestellten Wohnungen in de« Neubauten^ der Gemeinde wurden .1338 noch im selben Jahr«, z u g e w i e s e n, so daß im Jahre 1923 Insgesamt 7 3 8 7 Wohnungen vergeben worden find. Im Jahre 1923 wurden 10.391 Wohnungstausch- und U m s ch r e i« bu ngSansuchen bewilligt. Die Zahl der Wohnungssuchenden, die mit 1 qualifiziert worden sind, war am 1. Juli 2 3.45 0. . . Von den gegenwärtig in B a ». befindlich e n 000 Wohnungen werde»iwahrscheinlich »ngefähr vier-, bis fünftausend noch im Jahre .19 2 4 z n g e w i e s en werden können. DaS W o h n b a u p r,og ramm für daS Jahr. 1925, dar ursprünglich nur.. 5000 Wohnungen umfaßt«, wird auf 10.0 00 Wohnungen erhöht. Ferner werden schätzungsweise rund 2000 Wohnungen durch die Anforderung erfaßt werden, so daß im Jahre 1924 tzn S g e s a m t s e ch S- - i S f i e b e n t a.« f e n b. I« b« Klasfe I vorgemerkt«. WohuungSs y.ch ende «nt ergebrach t werbe« können. Bei der Zuweisung dieser Wohnungen müffen die als »Rotstanbsfälle^ bezeichneten Parteien, die ohne eigenes Verschulden, wegen, Eigenbedarf gerichtlich gekündigt wurden und bereits delogiert sind, ferner jene Parteien, die sich in baufällige» Wohnungen befinden, untergebracht, werden. Wie der Bericht ausdrücklich veMerkt, Wunen, .-«t * jtyte Wohnungssuchenden eine Wohnung in den Neubauten der Gemeinde erhalten, die i n W i e« heimatsbere ch ti g.t sind und hier seit 1. August 1914 e «wesend w are n. StraßenbnhnnngM kn Margareten. Gestern vormittcrgs eveignete sich in ber Reinprechtsdorferstraße durch den Zusammen st o ß e i n e S S t r aßenbahnivatzens mit eimm Lastauto ein schwerer Unfall. Ein Train der Linie 6 stieß in der Reürpvechtsdorfer-- straße nach der Angabe des Wagenführers infolge Versagens der Bremsvorrichtung in «m vor chm fahrendes La sta ul o. Durch den Zusammenstoß entstand im Straßenbahnwagen eine große Panik. Frauen versuchten aus dem Wagen zu springen und schrien 'laut um Hilfe. Beim Abspringen wurden mehrere Personen verletzt, denen die Rettnngsgesellschaft erste Hilst leistete. Durch den Zusammenstoß salbst kam niemand zu Schaden. Hakoah im Aenfte sozialer Mssrge. Der Weiterbetrieb zweier jüdischer Kindergärten ermöglicht. Die widrigen Zeiwerhältnisse haben es verschuldet, daß wie so viele andere Humanitätsanstalten auch der seit deNr Jahre 1343 bestehende Verein ,Jsraelit^jsche Kind.erb e w a h r a n st a l t" in Schtvierigkeiten geraten ist. Es bestand die Gefahr, daß die beiden Kindergärten dieses Vereines in Wien, 2. Bez., Schifsamtsgqsse 16, und 20. Vez., Othmargasse 46, mit Schluß des heurigen Schuljahres gesperrt werden müßten. Der Sportklub Hakoah hat sich nun, wie wir erfahren, bereit erklärt, vorläufig für die Dauer von fünfzehn Jahren die beiden Kindergärten gemeinsam mit dem Verein „Israelitische Kinderbewahranstatt" ^zu betreiben und für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel zu sorgen. Der Sportklub Hakoah wird die in der Schiffamtsgasse bestehenden Baulichkeiten e r w «j.t e rn und' sein V e r ein s). heim dahin verlegen. Die zwischen den beiden Vereinen geführten VechaMungen haben zu einer vollständigen Einigung zwischen den Interessenten' geführt. Es wurde, eine Arbeitsgemeinschaft, gebildet, von welcher der Betrieb der Leiden Kindergärten bereits am Sonntag den Ist d. übernommen wird. , , Herabsetzung der AuMtidergeblihren in Leutschland. Aus Berlin wird uns berichtet:.Durch eine Verfügung des MimsLeriums des Innern wurde die Gebühr für die Bewilligung'dös A u f e n t h ck l t e s v v n A u s l ä n b c r u in Deutschland bedeutend herabgesetzt. Gänzlich tz-!n den Gebühren befreit sind ausländische I o u r n c. {: ft e rt K f U V J 11 b D .