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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-22 · Heft 1922 (22.6.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1922 (22.6.1924)
Date
1924-06-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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TS Men, Vrmmuy TBS, iyJTOÄT TVMk Ml. lWS Der SWWa« des Schönbrunner Schlottheaters. DaS Gchönbrunner Schlotztheater, das ganzen Sommer geöffnet bleibt, bringt als nächste t Novität bas Lustspiel „Unsere kleine Frau" von jKapwood heraus. Die Titelrolle spielt Hilde Wage-!%tt, die männlichen Hauptrollen liegen in den Händen sider Herren Hennings und Haussermann. — ^Ferner iss eine Neueinstudierung von Gustav Wieds Lust- «Mel ,F! mal 2 ist 5" geplant. Kxl-SMe. . „Der Götze" von Rudolf Brix. Rudolf Brix hat dem „Götzen" einen Untemul ge- , geben: ,ß>k Tragödie der Wahreit!" Damit ward es scheinbar zu einem Thesiustück gemacht, aber nur scheinbar. Was »-uns, die durch die- Literatur Verdorbenen, durch die GroßtstM Entnaturalisterten, an- Ws Bauernbühne Packt, ist f-ider Hauch ursprünglicher Natur, die Bevglust, in der der ^Naturmensch lebt, seinen Trieben und — seinem Glauben ^überliefert. Auch in Brixens Psarrertragödie spürt man MÄaut und Urkraft, wenn auch, der Autor den Konflikt aus der Literatur geholt hat. Der. Glaube geht an der .Wahrheit zugrunde, wenn ein Fanatiker sie durchsetzen will. Ohne Regiemätzchen, ohne ästhetische Ambitionen Mm: die Idee sich ihren Weg. Der -zertrümmerte Götze bringt auch!den Pfarrer zu Fall. Das populäre Exl-Ensemble löste s seine Aufgabe in markiger Weise. K o ck überragend, schlicht, samt ein paar Strichen zeichnend, der alte Exl, Friedrich, Ludwig, Auer, B.nrger glühend in Temperament und Stimmung. Mt den Darstellern wurde auch der; Autor gefeiert. Die Araufführung ide's Götzen" war ein i großer Erfolg. __ . o. r. 4as Mfik- und Theaterfest der Stadt Wie«. "d Die Beteiligung der Staatstheater. ' Das Musrksest beginnt am 15. September mit einer festlichen■ Aufführung von Mozarts „En-tfüh- :rung aus dem Serail" in tet Staatsoper. Diese / Vorstellung eröffnet gleichzeitig einen M ozart --Zyklus, »der noch,Figaros Hochzeit", „Die Zauberflöte" (Neuinszeravierung), ,F>on Juan" und „Cosi fan tutte" bringt. Am ^20. September ist die Uraufführung der ,Ftuinen von M t h e n" (Musik von B e e t h o v e n, Text von HofmannsjHal); dazu wird das Ballett „Don Juan" von Gluck ^gegeben. Am 1. Oktober wird als gemeinschaftliche Veranstaltung der Oper und de's Burgtheaters Bürger als Edelmann" von M o l i e r e, Musik von Mchard Strauß, im Redoutensaal gegeben. Die vollkommen neu inszenierte „Fledermaus" wird am ß, Dftobev ausgeführt. Am 11. Oktober findet in -der Oper selbst ein Gustav-Mahler-Konzert statt, das /re UrauMhrung zweier Sätze aus der nachgelassenen Zehn- ,t^Ui S y m p h on i e und die Aufführung der Z w eiten 'Symphonie im Programm enthält. Zur Zeit des iMusiffeste's wird die Staatsoper noch eine Ueberftcht des ^österreichischen und deutschen mufikdramatischen Schaffens; dringen sowie eine Festaufführung der „M e i st e r s i n g e r ivon Nürnberg" (6. Oktober.) ' Das Burgtheater hat'die Uraufführung von Schnitzlers „Komödie der Berführung" .für den 9. Oktober festgesetzt. Die Daten der anderen Ur- 'Äusfivhvnngen und Neuinszenierungen stehen noch nicht fest. Lar Sastspiel der amerikanisch-Mkscheu Kunsttheaterr. Me wir bereits gemeldet haben, beginnt am 5. Jul» -Km Carl-Theater das amerikanisch-jüdische ^Kunsttheater (The Drddifh Art Dheatre of America) Ms New-Iork, das unter der Leitung von Maurice Mchwarz steht, ein vierwöchiges Gastspiel. Es bringt Merst ,Zewje, der Milchmann" von Schalom -Ale i che m und dann „D i e s i e b e n Gehängte n" von Leonid Au-drejew zur AuWhruyg. Heinrich Wölsflins 88. Geburtstag. Das Werk eines Großen wird immer einseitig bleiben und darum desto tiefer die Geister bewegen und ihnen mit eindringlicher Schärfe neue Forschungs-, Lebenswerte «bringen. Bor sHernrich Wölfflin war die Kunstgeschichte eine Fachwissenschaft, i«i»gekapselt in Begriffe und Formeln, entsprechend der Stillmischungen der Zeit, in der Maleren zur Plakatkunst, Tanz zu ^Akrobatik, Theater zu Kulissensexerei ausgeartet war. Der heute sechMLhrige Züricher Wölfflin ’ hat — allerdings nach SS,Schöpferfahren — das kunstgeschichtttche Denken seiner Zeit von Grund auf revolutioniert. Er hat die gegenwärtige Generafion verpflichtet, dom Wesen überhaupt des künstlerischen Schaffens nachzuspüren, die eigene Persönlichkeit im Kunstwerk -wicht untergehen zu lassen, sondern es reproduzierend, analysierend nochmals schaffend zu erleben. Aus solcher Analyse «Harams ergab sich das Bild der .Kultur selbst, deren einzelire Wochen nur als Nebevgangsstadium zur-nächsten, deren Geschichte als Geschichte menschlichen Seins zu betrachten waren. Diese Einstellung stand im Gegensatz zur sogenannten Wiener Schule, als deren Rspräsentanten.W'rckhoff und Dvorak gstten, dir aus der Kultur der Zeit selbst das Kunstwerk zu erklären verbuchten. Sern Werk „Die klassische Kunst" ist selbst schon klastisch geworden. Seine „kunstgeschichtlichen «Krundbegrifs«" geben die Richtlinien seiner Kunstaufftrssrng, die kl« nab Äberzeugend zum Ausdruck gebracht wird. Was chm seine singuläre Stellung innerhalb der Forscher auf kunsthistorischem Gebiet« sichert, ist der stark« philoslphische Geist, der nicht bei der Form HM' macht, vielmehr der tieferen MZW MtWWs» Wertes im Kmchwerk nachstE. Nach langen Sturm- und Drangjahren lebt rurd wirkt Heinrich Wölfflin wiederum in seiner schweizerischen Heimat, wo Ruhe und Sammlung und schließlich die Anerkennung der jungen Generation ihn zu neuen schönen Arbeiten inspirieren werden. . o. r. Aus den Theater«. A n r g th e a t e r. Morgen Montag. 7 Uhr abends, „DieJungfraüvonOrleanS". Dienstag „A n n a Kareninr". Schönbrunner . Schloßtheater. Morgen Montag, yt8 Uhr, und Dienstag „Die Kinder". Volks o per. Heute „To s c a". Morgen Montag „HoffmannS Erzähl«ngen". Freitag den 27. d. findet die Erstaufführung von Johann Strauß' komischer Oper „Der l u st i g e Krieg" statt. In den Kammerspirlen findet Freitag den 27. d. im Rahmen der Nachtvorstellungen die Premiere der Revue »W a S F r a« e n t r äu m e n" (10 Bilder) von Karl Farkas und Dr. Robert Kätscher, Musik von Dr. Robert Kätscher, statt. Ab Freitag den 27. d. geht allabendlich um 7 Uhr das dreiaktige Lustspiel „Colette" (Pouche) von Rene Peter und Henry Falk in Szene. Im Deutschen Volkstheater gelangt morgen Montag GMparzers dramatischer Gedicht „S a pp p o" und Donnerstag den 26. d. desselben Dichters Lustspiel „W e h' d e m, d e r lü g t" neu einstudiert zur Aufführung. Im Theaterin der Joses st adt findet morgen Montag um 7*11hr abends dir Erstaufführung des BolkSftückes Ms dem Seemannsleben in vier Men „Anne Christine" von Eugene O'Neill statt. Frau Martha Hartmann vom Leffing-Theater und Herr Max Gülstorfs vom Deutschen Theater in Berlin wurden dem Theater in der Josefstadt verpflichtet. JmLustspietheater wird morgen der Schwank «Der keusche Lebemann" von Arnold und Ernst Bach zum erstenmal gegeben. Abschiedsairftreten Erik Schmedes in der Staatsopcr. Kammersänger Erik Schmedes, der durch mehr als 25 Jahre an allerhervorragendster Stelle im Ensenible der Staatsoper w'rkie, beschließt mit U.nde der Spielzeit uudüber seinen «igenen Wunsch seine Tätigkeit an diesem Institute. Er wird sich Montag den 3l). d. als Evangelimann vom Wiener Publikum verabschieden. Frau Rora Girardi wurde von Direktor Erich Müller Operettensäntzerin an das Johann Strmch-Theater verpflichtet.- Die Nürnberger Hakeukreuzler und die Mener Staatsoper. Wir berichteten schon von dem Gastspiel der Wiener Staatsoper, das für den Monat Juli in Nürnberg geplant -war und unter der Leitung des Kapellmeisters Klemens Krauß eine Reihe von Mozart-Opern umfassen sollte. Die Auszeichnungen, die der Wiener Staatsoper während ihres Pariser Gasffpieles zuteil wurden, haben die Nürnberger Chauvmcsien nicht ruhig schlafen lasten. Unter ihrem Drucke verweigerte der Stadtrat der Theaterinteudanz die Erlaubnis und die materielle Unterstützung für dieses Gastspiel, so daß «ine Absage erfolgen mußte. Das Suk-JnbilLmn« Das Tschechische Nationaltheater in Prag hat zu Ehren Josef Suks, der heuer feinen 50. Geburtstag feiert, das flowakische Märchen I. Zeyers „Raduz a Mahalena" zur Aufführung gebracht, zu dem Suk in den Jahren 1897 bis 1898. eine sehr melodische Musik geschrieben hat.. Werk und Aufführung gefielen sehr. „ Der musikwissenschaftliche Kongreß, besten Veranstaltung schon längere Zeit geplant war, findet zu Ostern 1985 in Leipzig-statt. - Ein neues Tanzspiel dem Laiban. Die Tanzbühne L a b a n (Hamburg) veranstaltet in Hamburg am 24. d. die Uraufführung des Tanzspieles „Agamemnons Tod" von Rudolf Laban (nach Naverre). Es wirken 80 Tänzer und Tänzerinnen, Solisten aus der Tanzbühne und die Hamburger Bewegungschöre mit. Die Regie liegt in den Händen von Raja Belensfon. — Die Uraufführung wird insofern auch vom kulturgeschichtlichen Interesse sein, als Laban bewußt auf die Anregungen des berühmten Balettmeisters Noverre (1787 bis 1810) zurückgverft. Gerichtssaal. Ser Meterschatz der Maeschaftea. Die Seversche Judeuverordnung. Zur Frage des Mieterschutzes der Abgeschafften hat daS Landesals Berufungsgericht eine bemerkenswerte Erttscheidung getroffen, der folgender Sachverhalt zugrunde' liegt: Frau Erna P. hatte ihrem Untermieter Max A. unter Berufung darauf, daß dieser für die Dauer von drei Jahren von Wien abgeschafft wurde, das von chm bewohnte Zimmer ausgekündigt. Das Bezirksgericht Leopoldstadt erklärte die Kündigung für wirksam und berief sich hierbei auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, derzufolge rechtskräftig Abgeschaffte am Orte der Abschaffung keinen Meterschutz genießen. Gegen dar Urteil des Bezirksgerichtes Leopoldstadt erhob der Untermieter durch Dr. Kimme! die Berufung, m deren Stattgebung das Landesgericht unter Vorsitz des Hofrates Lichtblau die Kündigung mit folgen- >der Begründung für unwirksam erklärte: Die Negierung des Meterschutzes für Abgeschaffte würde zur weiteren Konsequenz führen, daß diese übechaupt den Schutz der österreichischen Gesetze nicht anruftn könnten. Gin Abgefchaffter hätte zum Beispiel folgerichtig auch nicht .die Möglichkeit, den von ihm an den Hausherrn abgeführten übermäßigen„ZinS zurückzuverlangen. Es Ännte auch der Abgeschasste als Bestandgeber sich nicht auf solche Bestimmungen des Mietengesetzes, welche zu seinen Gunsten lauten, berufen. Grundsätzlich muffe daher auch dem Mgeschafften der Schutz des Mietenge setze s zuerkannt werden. Nur dann, wenn der. der Abschaffung zugrunde liegende Sachvechalt so zu werten ist, daß man dem ^Vermieter die wettere WohnungSgemei>nschast mit dem Untermieter nicht zumuten kann, stellt die Abschaffung eineu wichtigen Grund zur Auflüwdigung dar. Eine Abschafsung auf Grund der Severfchen Fremdenverordnung .rechtfertigt es im allgemeinen noch nicht, drm Abgeschafften den Meterschutz z« entziehen. Es ist auch nicht Sache des Vermieters, sondern der öffentlichen Organe, dar öffentliche Interesse zu vertreten. Im übrigen wäre die Zulassmvg der KüMgung auch kein geeignetes Mittel, vm öffentliche Interessen M> GeWmg g» -ringen; den« «S schließt nicht aus, daß der ans der ciitcu Wohnung entfernte Mieter in einer anderen Wohnung Unterkunft finde. Dü Frage der.Kündigung^ ist lediglich vom Gesichtspunkte dek Privatrechts zu betrachten. Nrrr dort, wo ein wichtiger Grund zur Aufkündigung im, Sinne des § 19 des.Metepgesetze? vorliegt, kann gegen einen Abgeschafften mit der /Kündigung vorgegangen werden. Re Memoire« eines Raubmörders. Irrtümlich eine« Schwerverbrecher gehÄratet. In einem Eheungültigkeitsprozeffe, der in zweiter Instar^ das Oberlandesgericht beschäftigte, trat eine:. unbescholtene, irregeführte Frau als Klägerin gegen einen Raubmörder auf. Die Klägerin hatte im Jahre 1919 geheiratet.. Die Ehe war glücklich, bis eines Tages der Gatte, den sie unter dem Namen Franz Feld grün geheiratet hatte,, als der Raubmörder Vinzenz G r a d w o h l verhaftet. wnrde. Jetzt erst erfuhr die unglückliche Frau, daß sie einen Verbrecher der schwersten Art, der vor dem Raubmord zwölfmal wegen der verschiedensten Verbrechen abgestraft war und den größten Teil seines Lebens hinter Kerkermauern verbracht hatte, unter falschem Namen geheiratet hatte. Im Besitze des Verhafteten fand man seine vor dem Raubinord.' geschriebenen Memoiren, in denen es mit Bezug auf diese Eheschließung heißt, nur die Liebe zu einem braven Meibe könne aus ihm, dem Schwerverbrecher, Meder einen anständigen Menschen machen. Er habe ein solches Weib gesunden und in dieser glücklichen Ehe werde er wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft werden. Lange hielt aber diese Besserung nicht an, Me seine Verhaftung, wegen Raubmordes bewies, und im Jahre 1921 wurde er vom Wiener Schwurgerichte wegen dieses Raubmordes zu 20 Jahren schweren Kerkers verurteilt, die er gegenwärtig in Garsten verbüßt. Seine Gattin verlangte die Ungültigkeitserklärung der Ehe wegen Irrtums in der Person im Sinne des § 57 A. B. G, Wegen dieses Irrtums fehle auch das Aufgebot, denn ein Anfgebot unter falschem Namen bedeutet ebenso viel tote gar kein Aufgebot. Der Ehebandsverteidiger vertrat den Standpunkt, daß im Gesetz nur ein Irrtum in der physischen Person gemeint sei. Das Zivillandesgckricht erklärte die Ehe für ungültig, da auch ein Irrtum in der b ü r g e r l i ch,e n P e r s o n die Ehe ungültig mache. Gegen dieses Urteil brachte der Ehebandsverteidiger die Berufung an das Oberlandesgericht ein. Dieses Gericht Mrd das Urteil ans schriftlichem Wege bekanntgeben. _ Der freigebige Erbe des Erzherzogs Rainer. Bier Pen» sionievte, ehemalige Diener des Erzherzogs Rainer haben!gegen den ehsmaligeu Erzherzog Franz Salvator HabsburF-Lothringen eine Klage auf Erhöhung ihrer Pensionen angestrengt, unter Berufting darauf, daß ein Kodizill Rainers bestehe, wonach^ ent, Geldbetrag in Wertpapieren für die Pensionen der Diemr angelegt sei. Die Erbschaft Rainers bestehe,aus dem Rainer-Palais auf der Wieden und Gütern tn Gmünd, die einen Wert von über einer Billion repräsetttieren/ Der Beklagtenvertreter erklärte, daß auf das im Kodizill festgelegte Vermöge« nicht nur die vier . Kläger, sondern alle 286 Bediensteten Rainers Anspruch haben und daß den Klägern nur der Nepbetrag zukomme. Freiwilliig habe man dem einen Kläger statt 2328 Kronen im ersten Quartal dieses Jahres «bereits 94.400 Kronen gegeben! Das Gericht beschloß, die VerhaMung zur Zulassung der Beweise, welche Höhe die Berlasfenschaft nach Rainer ansmache und ob den Klägern^ bei ihrer Ausnahme eine Pension zu gesichert wurde oder nicht, zu vert-agen. Ei« vemrteiltes Kind. Ein Berufungsfenat des Landesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates Wessely hatte sich gestern mit der Ueberpvüifung eines Uvteiles des' Jugendgerichtes zu befassen, das wegen seiner Strenge Aufs che» «ragt hüt. Eine Frau Scharm le&te seit Jahren in Feindschaft mit ihrer Nachbarin Frau Miß. Die Scharm erstattete in Gemeinschaft mit ihrem Manne wrederholt Mrafturzeigen gegen die Weiß, es ergab sich <tber imrper die völlige Haltlosigkeit der Beschuldigungen. Auch Ehvenbeleidigurvgsklagen brachte Frau Schornt gegen Frau Weiß em und bchaupiete, in einer dieser Klagen, Frau Wfiß habe sie mißhandelt. Der Hausbesorger Haderer bestätigte diese Beschuldigttng, während die als Zeuge vernommene vierzehnjährige Grete Frankel angab, sie wisse'nichts von einer Mißhandlung der Scharm durch die Weiß. Oberlandesgerichtsrat Dr. Miß trat nun den Mt -gegen Haderer und die 14jährige wegen Verdachtes der falschen Zeugenaussage der Staatsanwaltschaft ab. Der Richter Oberlandesgerichtsrat Dr. Fuhrmann verurteilte die Kleine wegen fälsch 'e r . Zeugenaussage bedütgt zu sech.s Wochen Arrest. Bei der Berufungsverh-andlung hob der Verteidiger . Dr. Josef Kläger hervor, daß daS drakonische Urteil ganz unbegreiflich sei. Selbst zu Zeiten, wo die Institution des Jugendgerichtes noch nicht bestand, hätte sich sicher kem Gericht gefunden, das die ganze Zukunft eines Kindes -barccfj die Verurteilung wegen eines so schweren Verbrechens gefährdet hätte. ES sei nicht der geringste Beweis dafür vorhanden, daß das Kind, gelogen und der Hausbesorger die ^Wahrheit gesagt hat. Der StaatsaMvakt erklärte, er sei wohl überzeugt, daß die Llngeklagte objektiv die Unwahrhett gesagt habe, er überlasse es aber dem Gerichtshof, zu entscheiden, ob das Kind das Betvußtsein hatte, etwas Unrichtiges auszusagen. Nach kurzer Beratung gab der Gerichtshof der Berusilng Folge und sprach Grete Fränkel.frei, WM nicht erwiesen sei, daß sie gelogen habe. Der Wurrderdsktor von Favorite«. Der. 85jähvige Pfründner Josef E. stand dieser Tage vor Gericht wegen Uebcrtretung der Kurpfuscherei. Er erzählte dem Richter mit Stylz, daß er niemals einen Klienten besucht habe, da man zu ihm, dem Wunderdoktor von Favoriten komme. Als -der Richter sagte, daß seine Ganzen. HeiMnste Schwindel seien, ries er aus: ,^ch habe Krebs geheilt, Beinfraß, die schwerste u Verletzungen bei Kriegskrüppeln usw." Er erzählte weiter, daß er vielen Personen durch seine BehaMnng die Gesundhevt wiedergegeben Und „zur allgemeinen Zufriedenheit" gewirkt habe. Er war angeklagt, weil er einer Bedieirerin 40.000 Kronen abgenommen und ihr dafür sieben Stück Papierdüten mit je einem Deka Kalmuswurzel, hie irom in jeder Drogerie «m 400 Kronen erhält,'als Mittel ge- - ein MagerÄeiden angehängt hatte. Der Richter verurteilte ' Kr drei Tauen Arrest. Da er wegen des gjleiche.ii Del' 5 3« einer bedingten Arreststrcffe von acht Tagen schon früher t vurteilt worden und die Bewährurrgsfrist noch nicht abgei iv u fft, mutz er jetzt 11 Tage absttzen. Er verlangte die Umwandlung m eine Geldstrafe: da dies der Richter nicht gewähren konnte, rnchm er die Strafe an.

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