Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1922 (22.6.1924)
- Date
- 1924-06-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I * -- ’ «rr * f• (^ I Seide L Wien, Sonntag Wkettier MortzMMWM»; * * sfe. 'tzünr"rs84 .Mr. LAS ^'Krüppel der mit Seelenaufschwml-g Gehafteten großen Zeit, die Mensen, die an sich selbst erfahren halben, wie furchtbar es sich recht, wenn man sich von dem; politischen Leben kühl itttb achtlos abwendet und die Bestimmung des Schicksals der Voller ans der Hand ( grbt. Wer aber sagt dies der Masse? Wer klärt sie-darüber, ans, daß sie wieder im Begriffe steht, die Fehler l der Vorkriegszeit zu wiederholen, daß sie ihre Pflicht getan zu haben glaubt, wenn sie einmal in fünf oder : sechs Jahren wählen geht? Der' Pazifismus hat heute ein ungeheures Gebiet •' vor sich.Er findet auch bereits Institutionen vor, an die er anknüpsen kann. Es besteht bereits eine pazifistische Institution mit völkerrechtlich gesichertem Statut, der, Völkerbund. Es besteht ein permanenter, überstaatlicher• Gerichtshof. Aber diese Einrichtungen sind.— und das trifft sogar für den-Völkerbund zu — der Masse-völlig unbekannt. Sie wissen höchstens-nur um den Bestand. Daß das Wesen der Sache ein Geheimnis bleibe, mit dem sich nur besonders Glückliche in Feierstunden beschäftigen, dafür sorgt die Welkpresse, die davons niemals' spricht, und dafür sorgen die.PazisiiM,.die.Ws ,jhrer großen Idee ein Buch des Nestrodamus gemacht haben, das nur sie zu lesen berufen sind. Das Bürgertum ist mit Geldmachen beschäftigt, die Intellektuellen erfinden Giftgase und Todechtrahlen/ der Student'und der Professor tragen das Hakenkreuz, die Parteien des Proletariats betreuen die Rote Armee und den Repüblikarrrfcheu Schutzbund. Bertha v. Suttner ist vor dem Aergsten bewahrt geblieben. Sie starb, wie'Jean Jaures, vor dein Krieg, und sie erlebte nicht den frechen Hohn, daß man die Kruppschen Kanonen nach ihr nannte. Das Schicksal ist mit ihr gnädig gewesen. Nicht so gnädig mit der Menschheit, der sie diente, und die sie aufrütteln wollte. Daß sie unverstanden blieb, haben die Millionen von Menschen gebüßt, die als Trauergefotge dem Erzherzog Franz Ferdinand ins Jenseits folgen' mußten. Aber es scheint, als ob sie ihr Leben vergeblich geopfert hätten. Die Kriegsbestie ist von der Kette -wieder losgekommen und es wird wieder gesungen, es sei süß und ehrenvoll, für das Vaterland her Geldverdiener zu sterben. AMelükä autvetm kann. Allen Personen, die nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika auszuwandevu heäbstchti-gen, wird geraten, vorerst die Verlautbarung der esirschlägigen Bestimmungen des amerikanischen -Einwanderungsgesetzes ädzuwarten und eine Reise nach Men zwecks -eventueller Einholung -einer Auskunft, Behebung des Wisepasses-uftv., vorläusttz nicht zu unfer-neWett. Mitteilungen des österreichischen Warrdemngsamtes. Das mit 1. Juli 1884 in .Krafttretende n o r b#* amerikauische Eierwa.nderuNgsgesetz seht die Oesterreich zugeftandene Jahresquote für.7 Auswanderer mit 990 Personen mit der Einschränkung fest, daß monatli ch-nicht Mehr als 99'aüf die österreichische Quote zu rechnende Personen-zur Landung zugelassrn werden. Das Gesetz unterscheidet Einwanderer, die unter die oben angeführte- Quote fallen, und solche Personen, die ohne Rücksicht auf die Quote nach den Vereinigten Staaten van- Amerika einrerserr können. Die .Zugehörigkeit eines Einwanderers zu einer Na-t i onalität wird nicht nach seiner StaatszugehöriMit, sondern nach seine m G eburtslande bestimmt, das heißt, daß nicht in Oesterreich geborene österreichische Staats angeh orige je Mch ihrem Geburtsorte auf eine andere Quote, 'beispielsweise'sschecho-fivwäkische, ungarische usw., gerechnet wrden 'können.' Mt dem Gatten beziehungsweise Vater reifende' Ehegattinnen und Kinder unter 21 Jahre können trotz ZutzehötiMit zu einer anderen Quote 'bei Erschöpfung derselben auf die Quote des Geburtslandes des Ehegatten,' beziehungsweise Paters gerechnet werden, Außerhalb' der Quote echalien den Einwanderungssrchtvermevk a) Frauen und K i'N der ä-Me-rikanischer Bürg er, letztere-jedoch nur'wenn sie das 18. Lebensfahr nicht vollendet haben; b) Personen, die in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren sind; c) UniversitätsProfessoren oder Geistliche, die seit zwei Iähren bereits diesen Beruf ausüben und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Tätigkeit -fortsetzeU'''wollen deren Familienmitglieder (Kinder unter 18 Jahren)j d) Studiere n de, die Mindestens 18 - Jahrealt, ihre Studien^ an einer auerkanNtew amerikanirschenUnidersität oder Wademiefortsetzen wollen. " ' - Jeder Einwanderer muß sich einen amerikanischen Einwan derungs sich tvermerk (Jmm-igrationsvisa) beschaffen, mt dessen Erteilung beim amerikanischen Konsulat Mittels besonderer 'Gestrchsformülare anzusuchen st'm 'st» ird. Soweit bisher bekannt, kann damit gerechnet werden, daß vor Mitte Juli das amerikanische Konsulat! in Wiest'kaum'mit der Erteilung der. Sichtvermerke beginnen, wird. Es muß festgestellt werden, daß kein unter die Quote fallender P a ß w erb e r unter den derzeitigen unklaren Verhältnissen auch nur mit'einiger Sicherheit darauf rechnen kann, einen Einwa-Mrmrgsstchtvermerk zu. erhalten, weshalb vorbereitende Schritte zur Abreise, wie Kündigung, der Stellung, . Wohmüg^ Verkauf 'von Habseligkeiten, unbedingt bis zur evfqlgdm BistuNerteilung zu unterlasse n sind. - -;v Ferner muß sich jeder Auswanderer n.a ch E r h a l.t - des Sichtvermerke $ bei der in^Betracht kommenden Sch i ffah rt sge seIX f chaft vergewissern, ob 'und'!wann - er Ätz RM HWW wn ' Die Nachrichten, die aus Albanien sowie von den übrigen Palkanstaaten kommen, verdienen darum eine besondere Aufmerksamkeit, Weil sie einerseits Nn einem gewissen Zusamm'eHange stehen, und weil cs sich andechrseits trotz aller. Ableugnungsbersüche nicht bloß um Proble-me der inmÄn, sondern.auch der äußeren Politik -handelt.., '-.-f v ■ - -. Bei den Kämpfen in Albanien handelt es sich wohl zweifellos um einen' Kampf der Demokratie gegen den Feudalismus; aber nicht ausschließlich um. ihn allein,, sondern aüch um einen Kampf gegen den . italienischen Jmperialismüs. Die bisherige albanische Regierung 'war ita-lianophi-l; sie erfreute sich der finanziellen, sowie sonstigen Unterstützung Italiens, das sich allmählich zum Pr0tek'tor.Albantens entwickelte. Dieses Streben na ch wachsendem Wirtschastli chen' und politischen Mnfluß> das sich auch sin der.. .Entsendung italieu.i.scher Kriegsschiffe nach Albanien kundgab, erzeugte eine große Mißstimmung nicht nur in Athen — es führte' zur' Ansammlung griechischer Truppen . in J an'.ina —, sondern.begegnete auch.großem Mißtrauen in' Belgrad, trotzdem man sich dahin geeinigt hatte, daß -weder Italien noch Jugoslawien in Mbanien intervenieren dürfen. Symptomatisch für die Lage ist es, daß einerseits die geschlagenen Anhänger .des alten Kurses nach Italien flöhen, die siegreichen Nationalisten aber die Machtergreifung in erster Linie der jugofiaivischen Regierung mit-. teilteri. Mer nicht etwa nur die griechischen, die jugosalwischen und italienischen Imperialisten ringen um die Herrschaft Albaniens, sondern auch Rußland hat bereits einen Borstoß' in Albanien und am ganzen Balkan unternommen. . - In Albanien, sowie in sämlli'chen übrigen balkanrschen Staaten und in Italien zikulieren Aufrufe an das albaw- - sche Volk und die übrigen BalkairvoKer, -wahrscheinlich Moskauer Herkunft. In diesen wird gegw eine etwaige Teilung Albaniens, die im 'Zusammenhänge mit 3m übrigen., balkanischen Problemen einen neuen Kriegsbrand am Balkan zeitigen könnten, aufs Entschiedenste protestiert. Es wird weiters die MedervereimgMtg der an Jugosla-- wien und Griechenland abgetretenen albanischen Gübiete in eine sebständige albanische 'Republik im Rahmen' einer, sämtliche Balrauvölker umfassenden Föd e r a t iv r e pu bli k g e'f-o r d e r t. Dieser - von Rußland, beziehung's-woise vom seinen balkanischen Freunden unternommene Borstotz gegen Ne ^tzvge' Ordnung am Balkan ist.-ein -deuNches Zeichen dafür, daß Rußland seinem alten Ziele, der Besitznahme Konstantinopels mch der Meerengen, wie auch der Hegemonie über die Balkanvölker - nicht ganz entsagt hat — -wenn auch der Weg zu diesem Ziele M ein anderer ist als zur Zeit -des russischen >Zarismus. .. * Welchen Weg Rußland einschlagen will, das zeigt die freundliche. Aufnahme des kroatischen Bauernführers Radi c, der.als. da's Ziel feiner Partei, eine Balckam- D'onaüföderation bezeichnete, und das russische Streben, den rumänischen General Avarescu einen der Führer der rumänischest Oppos^ition — durch gewisse Konzessionen in der beßaräbischen Frage für die russischen Pläne zu gewinnen.' Das offizielle Organ der russischen: Regierung die >,^J swestisa" erklärt, daß Radie ineinem sehr günstigen Momente nach Moskau kam, denn es. werde schon im Herbste zu einem definitiven. Bruch Mt Pasie und zu einer endgültigen Lösung der kroatischen Frage kommen müssen. Daß die Situation in Jugoslawien sehr ungeklärt ist, zeigt au-chH-n Artllel in der ,M e 0gradske No-wosti", einem der Belgrader Regierung nahestehendem Blatte. In diesem wird die WahrscheiMchkeit üngedeutet, daß Pasi c den Auftrag zur Auflösung de r.Sku.ps ch.tima erhalten werde. In diesem Falle würde nach der Meinung des Mattes das Parlament zur Entgegennahme des Auslösungsdekrets Ende Juli zusammentreten; die Neuwahlen aber wütden am: 26. Oktober stattfinden. So wie in Jugoslawien, Minen auch in Rumänien parlamentarische Muwcchlen unvermeidlich zu sein. . Hier-Me dort ist der nationale Ausgleich und eine großzügige Sozialreform unausichie-War,-sollen -innere und äußere Verwicklungen vermieden werden. In Rumänien hat eine vor kurzem in Bukarest von zehntausend Bauern besuchte.Bevsamm'lung, in . welcher Generäl A v a r e 'sc u sprach/ bewiesen, daß die Agrams ragebrennend g e w 0 r d e n s e i, und -daß in der bäuerlichen Bevölkerung ebenso wie unter den nichtrumawischLN Nationalitäten eine gewisse Gärung herrsche. Der nationale Chauvruis mus, der bereits in der Bukowina, Siebenbürgen und Süd- Ungarn sehr böse antisemitische Exzesse L.rz e u g t e-, droht auch Rumänien — -wenn keine Kursänderung eintritt —, in der äußeren Politik zu isoli-rren. Was schließlich die Kabinette in Paris und London 'betrifft, so ist weder -das srantzÄsische: stoch das englische 'Kabinett bereit,-dü' sie eine Beilegung ' der franMsch deutschen. Differe-uz sowie aller übrigen europäischen Kost flikte im Wege des? -Bö l k.e r b u n -d e s erstreben, einen 'Konflikt mit..Rußland heraufzubeschwhren oder gar neue « Mliin i M " ArtikÄ schreibj der Pariser ,Lt«otii>ien": „Die Süße« Pohjik bringt uns in eine schwierige Lage. Pou allen Seiten steigen am Horizont schwapze Wolken aus; - e i« Uch'weter Konflikt droht zwischen Amerika und. Japan. Sein Ausbruch könnte die pazifische Welt erschüttern und einen Brand -in Asien herv.-oruf.en." ' Der albanische Aufruhr ermöglicht e's jenen, die im Trüben fischen, einen BälkankoufM hervorzumfen. Ällev-. ^mgs dürfen'die albanischen Wirren sowie die übrigen innerstaatlichen Krisen in den größeren Balka-nstaaten nicht überschätzt werden;' aber wie vor zehn Jahren konnte ihre l 1-nterschätzung und ihre . Komplikation mit den übrigen /trittig'en W-eltfragen zu einer neuen Katastrophe führen. Berus. Wie Mteotti ermordet wurde. Das Geständnis Duwims. — Die Leiche Wahrscheinlich verbvamrt. (Eigeädienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 21. Juni. Messaggero" meldet, daß D imr t n x unter-dem Druck des belastenden-Materials gestanden habe, an dem Berbvech-en mit vier a n d e r e n G eu 0 ss e« teilgenommen zu haben, und Aoär im Auftrag Cesave Rossis, FiliPeW Md MMeellis. Matt e 0 t t i sei sofort, nachdöm er in das Automobil ge» worfen -wordenwar, getött'et und am Bieo-See hinter ein e-H ecke 'gelegt'worden, woraus -das Autom-Ml zurückkehrte. Hier begab sich Dumini zu Flilip ellr in den „Eorrieve Jtalistno". Sie berieten über die Verbergung des Leichnams. Zn diesem -Zweck verließ noch in dev Nacht vom Dienstag auf Mittwoch ein anderes Automobil, in dem sich der Redakteur des „Eorriere Jtaliano" G alassi-und dev AÄitiMöer V0lpi befanden, die Stadt. (Galassi und Bolpi find, wie bereits bekannt, verhaftet), Diese beiden > vocheckten de« Leichnam aneinemanderenOrt, den Dmnsiki-nichtangebest, könne. Es scheint, daß der Leichnam verbrannt worden ifi Die in Dumirris Koffer Vorgefundenen blutigen Stoff-, reste seien von der Hose Matteottis, die Dumisti als Trophäe cüHbewahrenwollte. Die Polizei forscht nach, ans welche Weise Fk lipelli einen falschen Paß für die Flucht.bekommen hat. Nach' dem Ergebnis dieses Geständnisses wird die AMage HMMändert werden und a^ vorbedachten -Mord, beziehungsweise auf Komplott zur Aussührüng tzines-ösfe-ntl'ichen Verbrechens lauten. Die Nachforschustgen nach dem Leichnam! Matteo ttis ist Monte Rck-ondo u-nd Mentana, sind auch gestern vMMH geümsem Am Vico-Sse, wo- . , die Nachforschungen fortsetzen, wurden gestern -vvriwesü. U-ebevre-ste eines Hechtes gchrnden, was zu allerlei Gerüchten Angaß gab. Man ist überzeugt, -daß -der Leichnam nicht p finden sein wird, ehe nicht die «Verbrecher ein Ge- Uofft vertzaftet^ '' Bisher mch unbestätigt Gerüchte -melden, daß der . Pressechef Cssare Rossf Vor Benevento ftr Süditalien. et worden sch: ' - ' Kei; KmmmrnÄmt i>ev NatlorMmWz kompvomiMert. Rom, A'. > Juni. (Tel.-Komp.) Das ,-Journ^ d'Jtalia" meldet, daß dem General de -B v n 0 das K 0 m- -mando der nati-vnailen Miiliz entzogen wird, weil er durch die Affäre Mutbeottij schwer kom p r o- Mitttert.sei. Nach der Tat habe General de Borw Mit den Mördern und ihren AUftraggebsrn «roch Zw« sammenkünfte gehabt. Das Kommando dev nario- 'nalen MW Mse mm General des He eres Wrrtragen Die ErrdgÄng Mchst. Nach-einer Meldung des ,M van t i" werden Schwarz^ Hemden in Rom psammengozog-en, denen allerlei Abfichten zugemutet werden. Eines steht jedenfalls fest, daß die Faszisten Über die ehemaltg-en'Nationalisten aufgebracht sind, die durch die energische M-ion des neuen Innenministers -in der öff-entlichen Meinung Merklich an'Boden gewinnen. Man fpvtcht auch von der bevorstehenden Verhaftung einev h0ch-, fie«henden faszistischen Pevsoultchkeit. Zwischen dem neuen Innenminister Federzoni und dem faszistischen General Bailbo.kam es gestern zu einer heftigen Auseinandersetzung. Balbo eÄlävte, daß die FaszistenmÄG nicht den Befchlw des Ministers zu. gehorchen -ha«be. Man sprach auch von der Erstürmung der römischen Gefängnisse durch die Fasßisten, üm die im Zusammenhangmit dem^ Mord veHafteten Personen zu befreien. Federzoni ließ aber-inAvssch^u alle in Rom befindlichen Truppen ausrücken und die strategischen Punkte der Stadt besetzen. Diese -Maßnahme hatte die Wirkung, daß die mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett durch die-Straßen Roms mars-chievenden Fas z isten sich zurückzv gen. Die Opposition läßt 'in ihren -Ang-viffen nicht locker und sor-de-rt die D.emis- 'ston de8 Kabinetts Mussoltni.: D ie Osrpositionspa-rteien haben ihre Zusamilmnkuüft auf den 27. d., das hchßt As nach, der -sMe Mussolinis ün S-euat und bis nach der Versammlllng der