Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1921 (21.6.1924)
- Date
- 1924-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Mk " Trxr'* 4 <. r * ' «Mr SÖtetf* Wiener MorgenzelkuNA «. M/ISK Skr. IM Yaftet, well, sie für den Generalstreik agttievten. Ix Neapel streike die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft. Faszfftische Rechtsanwälte wurden, blutig- Die Arbeiter von Bologna fordern vom GvwerkschaMbund die Proklamierung des Generalstreiks. Auch in Palermo, Messina, Reggio-Emilia kam es zu Massendemonstrationen. Handschriftlich' hergestellte Manifeste und Flugblätter, in denen für den Generalstreik agitiert wird, wurden verteilt. In G e n n a sei der ganze Hafen stillgelegt. Massendemonstrationen durchziehen die kttadt. Die Miliz hat zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Die Fasziften von Bologna. Mailand, 20. Juni. (Tel. der „Mener Movgenjeitung.") Wie der „Corriera della Sera" aus Bologna meldet, hielt eine Gruppe von bewaffneten Fa s-; i st eu. au-s der . PiaM Bittorio Gmamele ein von zwei Karabinieri und einem Detektiv begleitetes Lastautom o b i l an, welches mehrere tausend Exemplare der sozial: st'i s che n Blatter „Avanti", „Unita" und „Giusticia" dom Bahnhof in die Stadt beförderte. Die Fasziften verjagten die Karabimevi, den Detektiv und den Chauffeur, begossen das Lastauto mit Petroleum und; ün d e t e n e s a n. Auto und Zeitungen verbrannten. Die P r e s -s e v e r e i n i g u n g von -Bologna hat bei f dem Präfekten einen Protest gegen diese Gewalttat eingelegt. : . Ein Oesterreicher verhaftet. . Graz, 29. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Zn Rom wurde, wie gemeldet, noch ein zweiter Oesterreicher verhaftet, der gleichfalls, so wie Thierschwüld, mit her Beobachtung Matteottis beauftragt war. Der Mann heißt Otto Kirstel und ist gebürtiger Grazer. Wie 'die Grazer- PMzeidirektion milteilt, wurde in dieser Angelegenheit bereits eine Untersuchung eingeleitet, um etwaigen Verbindungen, die Kirstel in Graz besitzt, auf die Spür zu kommen. Kirstel hat in Graz eine Ziehmutte r und noch etliche Verwandte. Die von der Polizei beschlagnahmte Korrespondenz des Verhafteten erwies sich jedoch als vollkommen privater Natur. Die Grazer Polizei hat bisher keinerlei Anhaltspunkte gesunden, daß die Vermutung der römischen Polizei, die dahin geht, daß Kirstel auch direkt bei -er Ermordung-Matteottis beteiligt war, richtig sei., ‘ Mussolini warnt. ';! Rom, 20. Juni. (Tel.-Komp.) Die Regierungsblätter warnen. eindringlich vor der parteipolitischen Ausbeutung ^Falles Matteotti. In den Polemiken dieser UgL^Mse nicht zu weit gegangen werden. Eine Versammlung der Oppositionsparteien in Mailand verlangte die Demissiyn der Regierung, die Auflösung der. Parteimilrz und der Kammer und die Vornahme von Neuwahl« » Nach dem Proportionallwahlrecht. Sie macht die RegieMngsPartck für das Verbrechen an Matteotti verantwortlich. . Der ,,M essaggero" schreibt, jetzt.müsse auch die politische Frage aufgerollt werden. Sowohl die Regierungspartei als auch die Opposition müsse sich die Frage stellen, wohin man gelangen wolle und muffe eine unzweideutige Antwort geben. Die Nation sei nicht damit einverstanden, daß die Opposition einen Vorwand finde, um dem ganzen Faszismus den Prozeß zu machen und den Sturz Mussolinis und des nationalen Regimes herbeizuführen. Der Prozeß gegen den Faszismus wie er von den Oppositionsparteien betrieben werde, be- ■ deute eine Beleidigung der Nation. Am Monte Citorio verlautet, daß der Kammerpräsident Rocca die Einladung Finzis aunehmen und ein aus acht Mitgliedern der verschiedenen Gruppen zusammengesetztes Ehrengericht mit dem Aufträge ernennen weiche, die von Finzi gewünschten Erhebungen anzustellen. Der frühere Redakteur des „Popolo d'Jtalia", F r e d d i ist als Preffechef der Faszistenpartei zurückgetreten, um sich in alter Freihett gegen die Angriffe des Abgeordnete« F o r N i zu verteidigen, den er jetzt zum Duell gefordert hat. vorgetvagen, ich werde sachlich und offen meine Ansichten aussprechen. Ich sttmme mit ihnen überein, daßMr die Periode des Umsturzes und der Revolution hinter uns haben. Was jetzt not tut, ist Vertrauen, gegen.s eitiges Vertranen der Regierung und der Bevölkerirng,gegenseitig rs Vertrauen der. beiden Nationalitäten. Sie sägen, Herr Senator, .daß sich die Deutschen den neuen Verhältnissen angepaßt' haben, tatsächlich steht die deutsche Bevblkenmg gerade jo wie wir vor der Ausgabe, sich zu e n t- 5sie rrelch e rn, das heißt, den Geist,des alten Regimes auszugeben. Es ist meine Ueberzeugung, daß das Habsburger-Regime den Deutschen auch geschadet.hat, ja, vielleicht mehr geschadet hat als uns, weil wir es prinzipiell bekämpft haben. Gn Regime, in welchem die Minorität die Majorität nicht administriert, sondern ve rge Waltig 1 ha:, war eben verfehlt und schlecht. Die Minoritatensrage .ist in jedem Staate eine eigenartige. Man kann in der Minoritatensrage keine allgemeine Losung, noch weniger eine Schablone aufstellen. Es handelt sich um einen hundertjährigen histört schen Prozeß, den wir begreifen müffen und welchen wir in der demokratffchen Republik zu eimm gedeihlichen Zlbschluß bringen werden. . Es handelt sich ja nicht bloß um Fragen lokaler Natur, es ist e i n e g r o ß e Frage, die wir lösen sollen und lösen können. Wir sind uns der Stellung unseres Staates in Europa wohl bewußt, wir kennen di? Schwierigkeiten, die uns die Geographie und die Geschichte aufgegeben haben. Die Tatsache, daß wir unseren Staat wieder aufgerichtet haben, bedeutet einen entscheidenden Schritt zur Regelung des Verhältnisse unseres Volkes zum deutschen Volk überhaupt. Unser Staat ist auch für die Deutschen die beste Lösung des großen Problems. Meine Politik ist die Politik des Friedens im Innern und nach außen. Ich perh7rresziere jede Gewaltpolitik und am wenigsten vermag ich eine Politik der Revanche anerkennen. Cavur hatte recht, wenn er sagte, daß eine Politik der Rache die dümmste sei. Ich bin überzeugt, daß anständige Menschen über alle ^ro^en sich aus dem Wege der Diskussion verständigen können. Ich hoffe, die legalen Vertreter des deutschen Volkes werden sich ehrlich und o f f e n a u s d e n B o d e n des Staates ste llen. Es werden sich..dann in der demokratischen Republik die Konsequenzen etnstellen können,, welche sie, Herr Senator, als die gesetzliche Anterlteilnahme an der Macht bezeichnen, von welcher die Geschäfte der Regierung und Verwaltung unserer Republik' geführt werden. Ich weiß, die Führer Ihres Volkes haben eine schwierige Ausgabe vor sich, aber darumebensind sie Führer und in politischer Führung ist immer Wisse« und Mut notig.. Die Kräftigung und'Vervollkommnung unserer Republik ist auch für die deutsche. Minorität notwendig und segensreich. . > Die verschiedenen Fraktionen der Kammer haben sich mrivmHr endgültig konstituiert. JhreZahlsistwie inder früheren Kammer 10, doch sind zwei Fraktionen, die repubMvnischr Mion und die Unabhängigen odor RoyMsten, verschwunden und zwei neue Gruppen, die LinkSvadikalän und' die Demokraten, haben sich gebildet. Die -frühe,« GHppe der republikanischen Entente hat ihren Name« in republikanische Union abgeändert. Die früheren sozialistischen RsPublÄaner heißen jetzt sozialistische Republikaner . Md franMsche Sozialisten. 7 Die Stücke der verschiedenen Gruppen ist folgende: Radikale 139, SozMsten M, ^sozialistische RepMibaner Und französische Sozialisten 44, Linksvadikale 42, LinksvepMAaner 36, LiHsdomoHoaten 43, republikanische Union 106, Demokraten 14, Kommunisten 26. Kerner Gruppe gehören 26 Abgeordnete an. W« M öentofc Paris, 20. Juni. .(Wolfs.) Der deutsche von H ö s ch ist heute vormittags vom Mnffterpr äsidenten Herr rot empfangen worben. Im Verlaus her. Unterredung wurde eine ArWühl vo« Fragen besprochen,bje im Zusammenhänge mit -der politischen Lage' stehen. 'Unter anderem ist auch das Problem der MieuwVer träge eingehend erörtert worden. Masaryk Wer die MinoMtenfrage. (Gegendienst der „Mener Morgengeitung".) Prag, 20. Juni. Präswent Masarhk, der bereits gestern in einer mährischen Stadt Gelegenheit hatte, seine Ansichten dahin zu. präzisieren, daß auch die nationalen. Minderheiten der Republik ihr Recht finden müßten Und der überall von den.dmtschen Vereinen mit ihren nattonalen Wzeichen begrüßt wurde, traf heute in Begleitung des Innenministers in Pohrlitz ein, wo ihn für die deutschen Gemeinden Senator L u k s ch begrüßte. Luksch erklärt«,- daß wahre Kultur nur auf dem 'Boden echter Liebe zum eigenen'Volke Und jm Heimat gedeihen könne. -Aus diesem Gvurche seien die Deutschen „nie »Hasser der anderen Ncttion gewesen", h a b e n f i ch d e n n e n e n Der h äi tnissen angepatzt und zählen sich im neuen «Staate stolz zü jenen Elementen, die dem Staate geben, was am wertvollsten ist-gNte G-esinnungUnddemokratisich e A ch t un gvor dem-Gesetze. Die Reroluttün könne nicht ewig dauern und die Deutschen erwarten von der GesLtzgsbung den Schutz des' ehrlich erworbenen Eigentums MV die Wie-d'erherstelluug des inneren Siaatskredits durch me Aneckennung der Kriegsanleihen. > Der Präsident antwortete in deutscher Sprache. Er sagte: Sie haben, Herr Senator, ihre Ansichten sachlich Bertranensvotum für Herriot. -3 Stimmen Mehrheit. — Die Parteigruppierrwg. (Eigendienst der ^Diener MorgenzeÄung".) Paris, 2V. Juni. Nach Wiederaufnahme der Kammersitzung nach 10 -Uhr abends ergriff Herriot vo-n neuem das Wort. Die Ruhr besetz ung, führte er aus, habe im ganzen einen Überschuß von 113 Millionen Go'ldfrank-en, das-heißt, 500 Millionen Papierfranken ergeben. Diese Zahl stche - aber noch Nicht fest. Nun genüge es aber nicht, die RuhvbesetzMg zu loben, um den-Vovttmrf zurückzuweisen, daß durch eine andere Politik sich nicht weit besseve Resultate hätten erzielen.lasten. Man Msse sich zunächst ftagen, warum Frankreich im Jahve 1022 die ihm zueckannten 950 Millionen Sachleistungen nicht benützt habe? Hier verlangte der fvüheve Wieberausbauminffter Rai bl das Wort zu einer ZwischenbemeMng und erklärte, an der Nichtbenützung dieser Sachlefftung-eu'seien die Deutschen schuld gewesen, die immer ausgewichm seien, wenn Frankreich eine großer« Bestellung machen wollte. Herriot -ließ diese Ecklärung ni chtgelten. Bott den zueckannten 950 Millionen seien nur 200 Millionen benützt worden und dieise ausschließlich bsr Kohle und K o k s,^ die übrigen 720 .Millionen^ seien überhaupt nicht zur Verwendung gelangt., Um dreiviertel 12 Uhr nachts wurde.sodann die Debatte geschlossen. P a i n l e v -e verlas, eine Tages o r dnNng bk't Ssziailiste n und der EosialMschbüdikäliö-tt, in der der.Regierung das Vertrauen dahin ausgesprechen wird, daß sie die durch die allgemeinen Wahlen am ll. Mar bestätigte Politik drirchsü'hren werde.' - MiuisterprÄsident H e rr: o t nahm Dätzesordnung an und stellte die Vertrauensfrage. Im -Laufe der ' Mbstimmmg enMttd ein Heft!- Streit zwischen Sozialisten und Kommunisten, bei dem es zu e in e m H a n d g eme n ge kam. Die Kammer votierte -schließlich der Regierung Mit 313 gegen 234 Stimme« das Vertrauen. Am Schluß der Sitzung Mrde Mit den SsiMMeu der Linken gegen die des Zentrums und der Rechten eine öott der sozialistisch e n Kammerfraktion eingebttlchte R es -o l n t l o tt angenommen, in der mit. Worten tiest Schmerzes aus Anlaß des VeLschwindens des Abgeordneten Matteotti der.Pv-litische Mord mißdrl-lrgt und dem italienischen MrlaMLn-t das Be-ikid ausgesprochen Wird. Namens der Regierung erklärte MinNe-rPräisidettt Herriot, die Regierung mache-die Vorlbehalte^ die die Ach^ tung vor der Souveränität der italienischen Reglierun^ erjotdere. Gegen die Preßhehe in Leutschland. VerNtt, 20. Juni. Nach Anhörung aller Landes« regierüngen hat der Reichspräsident di« Verordn nung vom 18. Februar l. I. über die Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen durch eine sofort in Kraft tretende Verordnung dahin ergänzt, daß in Zukunft gegen alle periodischen DruckschrPen -eingeschritten werden könne, die zum Ungehorsam gegen die Gesetze und die Behörden oder zur Gewalttätigkeit gegen politisch oder wirtschaftlich Andersdenkende aufsovdern. ■ ■ ■ Ae ungarische Noteubaul. (Eigendienst -der „Wiener Morgenzettung".) Budapest, 20. Juni. Die Vorbereitungen für die Dienstag erfolgende Eröffnung der Notenbank sind zum größten Teil beendet. Die Uebevgabe sämtlicher Miven und Pastiven des staaNchtzn^ Noteninstttuts an die Notenbank -wird Montag erfolgen. -Peinlich wird empftinden, daß mit der Begründung, daß an diesem Tage das Institut'beziehungsweise die Notenbank für die Parteien nicht zur Verfügung steht, auch bte Banken eine eintägige Betriebsstille «»treten lasten müssen, allerdings so, daß Mlligkeiten an die Bank M entrichten sind, M'Szahlungen und sonstige Erledigungen settens der BaMn'jedoch nnterblieben. .Don verschiedenen Seiten wich dieses Vorgehen scharf' kritisiert Und M eine. Lähmung des Mckschafislebetts - bezeichnet. In. der DevifenauSsolgung soll ein liberales System ein- 'Hrt werden. Die ZnieÄtNg von Devise« für Urlaubs re isend« wird bedeutend erhöht. Die wichtigste Verfügung soll darin bestehen, daß Ausländer, die für AkttenMufe und sonstige prodMive Zwecke aus I ä n d i f ch e Devisen ins Land bringen, nach regelrechter Abrechnung über diese frei verfügen werden können, was bisher nicht der Fall war. Im Zusammenhänge damit wird auch die Kronenausfuhr erleichtert, die bekanntlich zwischen Oesterreich und Ungarn diele Reibungen Vevursach-te und der Anlaß der selnerzeittgen BubaPester Verhandlungen A r k a u e r s gewesen ist. ir,. 1.... n. .% -. Sink nette ungarische Levlseuordlitmg. (Gigenvienst -der,Mener Morgenzeitung".) Budapest, 20. Juni Mit der Aufnahme der Tätigkeit der UngarffcheN Nationalbank stellt die Devisenzentrale ihre "tigkeit ein. Ahr Wirkungskreis geht auf die Nationalbank über, die eine nem Devisenverordnung ausgearbeitet hat. Diese DeviseNverordnüng wird in der Samstagnummer des Amtsblattes verlautbart werden. Die Details der Verordnung sind noch nicht bekänüt. Man weiß bloß, daß die Verordnung einen großen SchM zum freien Dövisenveckchr bildet. Die wichtiM Bestimmung wird darin bestehen, daß die EinlieferttngsMcht der Exporivaluten aui- Pren wiÄ. , i) SV. Die Unglückschronik der wurde heute' durch drei Mlle bereichert. Dev Giroverein hatte bereits M letzte« §wstatag bekanntgegeben, daß drei Firmen ihren BerMchiungen nicht nachkomnten können Und de» gesetzmäßig Mästigett kleinen Zahlungßäuffchub heute Mittags. erhalten. Heute wurde jedoch bekannt, mur eine der Firmen, die Nagel u. Ballaban, deren Chef bSkSNUtlich Selbstmödd Verübt hat, ihren Verpflichtungen Nachkommen kann, während die beiden anderen Firmen, nämlich M i t i e r nnd Müll er,.-sowie Stephan Garard-i offiziell Kr zühlungsunfähig -erklärt werden Mußten. Die VerMchiunKen dieser Firmen, die'nicht zu dett hervorragendsten geihottett, betragen - einige hundert Millionen Krotten, fo daß die Cxekutivvevkäufe die Mrsenwndenz, die übrigens flau war, nicht sondevlich, beeinflußten. Ein^ Fallisement größeren ttmfünges ist das des BövseMömmistionärs Okol\cüny, bei dem 'mehrere Banken und GroßbovsensiMen sowie viele privaten Kunden beteiligt sind. Der Schaden beträgt - nach den bisherigen Schätzungen etwa > zwei- Milliarde« HwNeri« Da man ei« kraudttloses Vorgehen E>ko!ieanyS vermutet, wurde er von der Polizei in Gewahrsam genommen. M-ehe un'.ev Volkswirt.")