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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-20 · Heft 1920 (20.6.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1920 (20.6.1924)
Date
1924-06-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Von Anfang lost sind von der britischen Regierung keine Subventionen für die Ausgaben der Zivilverwaltung in Palästina gewährt worden. Dbe Hari4»elsdeprefsion und ihre Uebertvindrrrrg. Die Depression im Hccndelswesen, die ick Jahre 1922 fe akut eingesetzt hatte, dauerte zwar während des ganzen Jahres 1923 an, machte aber, im Gegensatz zu den anderen Lägern des Ostens, wenig oder gar keine. Fortschritte. Für die Depression waren die gleichen Gründe wie anfangs, m« in verschiedenen Graden wirksam; eine reduzierte Zirkulation des Kapitals, Jmmobilisation des Kapitals in Häusnnd Landbesitz, hohes Zinswefen und eingeschränkter Kreoit. Mehrere kleinere Geschäfte waren gezwungen:, zu liquidieren, aber meistens nur solche, die auf ungesunder finanzieller lBafts standen; ihr Verschwinden darf deshalb nicht als eine Jndustrieeinbuße gebucht werden. Das Ende des Jahres 1923 findet das Land ökonomisch gekräftigter; die Tendenz nach' Mber scheint völlig zum Stillstack» gekommen zir sein. In ökonomischer Hinsicht kann das Jahr mehr als eines der Vorbereitung als der Ausführung angesehen werdan. Sowohl der Staatals auch die privaten Unternehmungen sind im Vorbeveiten von Plänen für zukünftige Ausführung engagiert. < . Der Orangenhandel leidet noch sehr unter der Uneinigkeit der Exporteure; viele tausende Pfund gehen j-edeS Jahr durch falsch kalkulierte Verladung verloren. ' . In der Weinindustrie gab es keinen Fortschrift; es wurde gegen früher weniger Wein produziert und auch! weniger exportiert. Der Händel war besonders durch! billigere französische und italienische Weine, durch das Alkoholverbot in Amerika unddurch verstärkte Einfuhrzölle in den Importländern schwer geschädigt. Der Tabak- und Zigarettenhandel gedeiht gut. Im Jahr« 1922 betrug der Zigarettenuck Tabakimport 4-16 Donnen im Werte von 249.000 ägyptische Pfund, im Jahre 1923 nur noch 231 Donnen im Werte von 120.000 ägyptische Pfund. Die Tabakanbaufläche wird dauernd vergrößert; der Ertrag an türkischem Tabak hat um 276 Prozent Angenommen. Die Touristensaison war gut; der unsichere Zustand des nahen Ostens schreckte aber viele vorsichtige Besucher ah und mehrere Vergnügungsreisen sind uckerblieben. Die Aussichten für Oel und Feuerung. Es wurde eine detaillierte Messung der Pottascheguellch: des Toten Meeres vvrgenommeu. Im Süden haben Gruppen, die Vorkviegskonzessionsrechte haben, Oelspuren erforscht. Eine vorläufige Untersuchung von Phosphatlagern und bituminösen: Kalkstein ist durchgeführt worden; Experimente haben die Möglichkeit ergeben, aus dem Kalfftein gelöschter: Kalk zu ziehen und der: Ueberrest als Brennmaterial' zu verwerten. s Die Huudelsgefellfchaften. Von zwmrzig eingetragenen Palästineldsischen Hackelsgesellschaften mit einem Gesamtkapital von 1,215.000 ägyptische Pfundwaren die beiden wichtigsten die Palästim- Elektrizitätsgescllschaft Ltd. (autorisiertes Kapital 1,000.000 Pfund) und die Jaffa-Elektrizitätsgesellschaft Lt'Ü. autorisiertes Kapital 100.000 Pfund), die gebildet wurb-m, um die Ruthenberg-Konzessionen für die Erzeugung und Verwertung von elektrischer Kraft und elektischem Licht zu verwirklichen. Me 1922 ist auch in diesem Berichtsjahr keine Zwangsliquidation vorgekommen. Sechs Bankrotte sind erklärt worden. Siebzehn kooperative Gesellschaften wurden gebildet; meist landwirtschaftliche und„GartenstM"-KooPevativen, die auch eine Bänkgefellschast mit «ckem Kapital von 20.000 ägyptische Pfund in sich -einschlossen. Die kooperative BAMMg ist noch! gänzlich auf die jüdische Bevölkerung beschränkt. Lackvvefttz und' Eisenbahnen. Der Einfluß der mrgünst-igen ökonomischen Bedingungen zeigte sich' in einer Verminderung der Grundeigeckumsj- Transaktionen, c.c.-'o in c':wr Verminderung des Wertes und einer Vermehrung der Hypotheken; andererseits vewmickern sich die Zinsen ein wenig infolge von neugegründeten Kreditbanken und Darlehensgesellschaften. Bei den Eisenbahnen ist die Arbeit des Jahres durch starke Einschränkung gekennzeichnet. Im November war der Aufwand der niedrigste, der je erreicht war; d-ie vorherrschende ökonomische Stagnation hat eine Reduzierung der Einnahmen zur Folge gehabt. Eine Ermäßigung des Fahrpreises, die-im April Platz gegriffen hat, brachte eine merkliche Zunahme des Personenverkehrs. Gleichzeitig waren die Gückrpreise beträchtlich herabgesetzt worden. Arbeitslosigkeit, Immigration und Emigration. Die Arbeitslosigkeit unter den Juden hatte im Vergleich zu früher zugenommen; die Zahl der.Arbeitslosen wuchs von Monat zu Monat, bis sie im Hochsommer 1923 das Vierfache der entsprechenden Periode von 1922 erreichte. Für den übrigen Teil des Jahres bllteb sie relatibbeständig mit -einer Durchschnittszahl von 2000.. Die palästinensische zionistische Exekutive bestrebte sich, Notstandsarbeiten inGgng zu bringen und widmete der landwirtschaftlichen Ansiedlung ihre besondere Aufmerksamkeit. Bis zum Inn: war die Arbeitslosigkeit unter Nichtjuden unbedeutend, nahm aber während des folgenden Winters zu;«in betreff dieser Bevölkeirung waren zuverlässige Statistiken nicht zugänglich. Die zunehmende Arbeitslosigkeit erklärte sich hauptsächlich durch die Abkürzung des Regierungsprogramms betreffendden Wegebau, durch das Aufhören des Häuserbaues, die industrielle Untätigkeit und die allgemeine ökonomische Depression. Eine bedeutende Emigration, hauptsächlich Neuangekommener und meistens nach Amerika, machte sich bemerkbar. 4974 Personen verließen das Land, die Mehrzahl waren Arbeiter; 3466 der Emigranten waren Juden. Die Löhrie waren nur etwas niedriger. Einige Streiks jüdischer Arbeiter die meist Lohnstreiks waren, kamen vor. 49.792 Reisende uck zurückkehrende Landesbewohner kamen ins Land und 61.385 verließen es. 218 Immigranten wurden wegen Nichterfüllung der Einreisevorschriften zurüchgewiesen. 3600 Touristen besuchten Palästina in organisierten Gruppen; im allgemeinen betrug die Zahl der Touristen 7000. Unter den Immigranten.befand sich eine bedeutende Zahl Ukrainer, sowie Handwerker und kräftige Landarbeiter aus Bulgarien, aber noch immer sind landwirtschaftliche Immigranten geringer an Zahl als solche, die sich in den Städten niederlassen. 6108 provisorische Zertifikate über die palästinensische Staatszugehörigkeit wurden ausgegeben. ,(Jm -Jahre 1922 Maren es 6611.) Ein Abb-au von beinahe 40 Prozent hat währenddes Jahres unter -den klassifizierten Angestellten der Abteilung für öffentliche Arbeiten stattgefunden. Die allgemeinen Ausgaben dieser Abteilung erreichten 293.000 ägyptische Pfund, von welchen 105.0000 für die Arbeiten des Flugministeriums ausgeg-ebei: wurden. Im Jahre 1922 erreichten die Ausgaben 362.000 ägyptische Pfund. Die Lage der Landwirtschaft. Ein Rückgang in der Getreideproduktion und' eine zunchmende Abhängigkeit vom Import von Weizen und Gerste machte sich bemerkbar. . , Bor dem Kriege exportierte Palästina große Ladungen gute«: Getreides nach Großbritannien; während der letzten drei Jahre fiel diese Produktion von 61.300 bis 27.000 Tonnen; in den ersten zchn MoNaten von 1923 wurde»: 8488 Tonnen. importiert und nur 20 exportiert. Zwischen Jänner und Juni betrug der Nettoexport an Getreide und Gemüse 675 Tomren gegen 9589- Tonnen während der gleichen Zeit im Jahre 1922; dies obwohl im Jahre 1923 der Durchschnittspreis pro 100 Kilogramm 99 Piaster betrug, gegen 91 im Jahre 1922 und 93 im Jahre 1921. Andererseits betrug die Produktion von Weizen, obwohl 'die Preise (pro 100 Kilogramm) von 234 Piaster im Jahre 1920 auf 88 im Jahre 1923 fielen, die gleiche Quantität von ungefähr 87.000 Tonnen. Schätzungsweise beträgt der lokale Konsum 110.000 Tonnen. Der Ausfall wird aus dem Import aus Transjordanien, dem Häuran und, im kleineren Maß«, aus Australien und Amerika, gedeckt. Aus Australien ■ und- Amerika wird hauptsächlich Mehl importiert. Der harte lokale Weizen taugt wenig für die Produktion des hier belitten Weißbrotes, für welches ausländisches Mehl bevorzugt wird. Die finanzielle Latze. Die GesamteiMnfte vom 1. Juli 1920 (das Datum der Einsetzung der zivilen Regierung), bis zum 31. März 1923 Das neue Palästina wird in Hinkunft aus technischen Gründen am Donnerstag erscheinen. betrugen 5,185.356 ägyptische Pfund; die Gesamtausgaben 4,946.379 ägyptische Pfund. Somit blieb ein wirklicher Ueberschuß über März 1923 von 238.978 ägyptische Pfund. Die Einkünfte für das Jahr 1921-22 enthalten eine Summe von 314.721 ägyptische Pfund, die sich auf die Abgaben oer ottomauischen Administration der öffentlichen Schuldvor dem 1. April 1921 beziehen. Für das Jahr 1923 allem stellten sich die Zahlen wie folgt dar: Einnahmen 1,764.000 ägyptische Pfund; Ausgaben 1,837.000; die ökonomische Depression verursachte also eine Verringerung der Einnahmen im Jahre 1922-23. Um dieselbe anszugleichen, wäre»: die Ausgaben in manchen Beziehungen eingeschränkt worden; trotzdem endete das Jahr mit einem Defizit von 73.000 ägyptische Pfmck, welches ans den früheren Überschüssen gedeckt werden konnte. Es wird erwartet, daß das laufende Jahr keine ungünstige Bilanz answeisen wird. Es muß ab er, in Erinnerung gebracht werden, daß Palästina noch nicht angefangen hat, irgendwelche Prozente für die Tilgng der vttomanischeni öffentlichen Schuld (auf Grund des Lausanner Vertrages) zu zahlen unddaß die kommende Palästina-Anleihe eine Zunahme der Belastungen bringen wird. Es werden deshalb noch weitere Reduktionen der Ausgaben erforderlich sem, um das finanzielle Gleichgewicht zu erhalten. Die Handelsbilanz ist nicht so ungünstig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. UnfeststellVare Summe» sind für. öffentliche Arbeiten und Bauten verwendet; dann sind in Betracht zn ziehen die Ausgabe:: der Institutionen, die überhaupt ihre Fonds aus dem Auslande bekommen,' ferner die Ausgabe»: der Militärkräfte, das Geld der Touristen und ein zunehmender, aber nicht registrierter Handel in lokalen Produkten zwischen Syrien, Transjordanien und- Palästina. ' . N! Die Hauptimporte aus Großbritannien waren: Daumwollwaren im Werte von zirka 300.217 ägyptische Pfund; Kleider 71.790 ägyptische Pfund, Tabakprodukte 36 Tonnen gleich 44.011 ägyptische Pfund; Wollwaren 41.600! ägyptische Pfund; Proviant 40.000 ägyptische Pfund; Kohle 7671 Tonnen gleich 27.006 ägyptische Pfund. Bedarf für .Regierung und Militär 384.493 ägyptische Pfund; Großbritannien importierte aus Palästina 941.696 Kisten Apfelsinen gleich 256.698 äghpt. Pfund; 215.549 Kilogramm Wein gleich 7609 ägyptische Pfund; 96.942 Kilogramm Thymianessenz gleich 3471 ägyptische Pfund-. Der Import aus England betrug im Jahre 1923 1,123.541 ägyptische Pfund (23 Prozent des Gesamtimports) gegen 1,560.502 im Jahre 1922 und 1,885.406 im Jahre 1921. Der Gesamtexport nach Großbritannien betrug 291.706 (19 Prozent) gegen 234.509 ägyptische Pfund in: Jahre 1922 und 123.775 ägyptische Pfund im Jahre 1921. Der Import ans den Bereinigten Staaten betrug 463.207 ägyptische Psuck (9 Prozent des Gesamtimports);! der Export nach den Vereinigten Staaten 340.600 Pfund (22 Prvzeck). Von den: Export nach den Vereinigten Staaten bildete Metallgeld im Werte von 328.978 ägyptische Pfund den größten Posten. Der Prozentsatz des Imports deutscher Waren ist noch immer hoch; deutsche Exporteure verfolgen eine kräftige Handelspolitik, die von bedeutenden Krediten begünstigt wird». Das Mldungs wesen. Die Bildungsabteilung beschäftigt 6 christliche und 9 muselmanische Inspektoren und einen jüdischen Inspektor; - ferner 493 muselmanische und 175 christliche Lehrer. Es gibt 312 Regieru-ngsschnlen, von welchen 45 Stadtschulen und 267 Dorfschulen sind. In den Stadtschulen lernen 5218 Knaben und 2700 Mädchen; in den Dorfschulen 10.748 Knaben und 629 Mädchen. In: ganzen also 19.195 Schulkinder. / , Es existieren 397 Nichtregierungsschnle::, von denen 38 muselmanische, 187 jüdisch und 172 christlich sind. In diesen Schulen lernen 2477 nmselmanische, 10.311 jüdische und 13.348 christliche Kinder, unter den letztere» 61 Drusenkinder. Unter den Nichtregierungsschulen sind 30 Spezialschulen oder technische Institutionen, darunter Lehrer-, Handels- und Agrikulturschulen und theologische Sennnarien. Diese Schulen zählen 50 Lehrer, 1014 Knaben und 706 Mädchen. 68 muselmanische und 28 christsiche Kinder besuchen jüdische Schulen; 1426 muselmanische und 307 jüdische Kinder besuchen christliche Schulen. Die ungefähren prozenümlen Verhältnisse des Schulbesuches sind folgende: 5 bis 14 Jahre: Muselmanen 17 Prozent, Juden 86 Prozent, Christen 81 Prozent. 15 bis .18 Jahre: -Muselmanen 3 Prozent, Juden 42 Prozent, Christ«: 37 Prozeck. Der britische Gesandte in Washington über die zionWsche Politik. Das Londoner Colonial Office hat Sir Hubert 'Samuel eilte Kopie eims vom britischen Gesandten -in Washington Sir Howard eingegaugerren Memo rack ums über Palästina emgesandt, worin sich dieser in Anknüpftmg an seine Unterredung mit dem jetzt in Amerika weilenden palästinensischen Obe'-rabbiner Kook günstige über die zionistische Politik äußert.

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