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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-19 · Heft 1919 (19.6.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1919 (19.6.1924)
Date
1924-06-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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*hf *!*•Bm*ws.www sw ^;^t»«jj'r:!f^'pw^ 8Bi 8 ■ SBletttt Mols«enzekt>MS. -> -s,. AutomobilunglM bei Radstatt. Äiindeftgehalte im Handelrgewerbe für den Monat 8«ni. ' Die paritätische Kommission der Gremiums der Wiener Kaufmannschaft hat die Veränderung der Lebenshaltungskosten gegenüber dem Monate Mai mit plus 2°/, festgesetzt. Die M i nb e ftg e h alte, d e r H a n d e l s a n g e st e l l t e n betragen sonach für den Monat Juni gemäß dem allgemeinen Kollektivvertrag : Während der ersten 6 Monate der Praxis 652.700 K., nach der Freisprechung im zweiten Halbjahre der Praxis 718.200 K., nach einjähriger Praxis 783.7OO K., nach zweijähriger Praxis 880.800 K., nach dreijähriger Praxis 978.400 K., nach vierjähriger Praxis 1,076.600 K., nach einer längeren als fünfjährigen Praxis 1,174.600 K. A n g e st e l lt e (Anfänger), welche mindestens einen zweijährigen Tageskurs einer Handelslehranstalt mit Erfolg absolviert haben, erhalten die oben angeführten Bezüge nach einer dreimonatigen praktischen Betätigung. Während dieser Zeit erhalten sie ein Entgelt von 587.400 K. Die Mindestbezüge der Lehrlinge betragen für den Monat Junir Im ersten Halbjahr der Lehrzeit 107.300 K., im zweiten Halbjahr der Lehrzeit 184.000 K., im dritten Halbjahr der Lehrzeit 160.900 K., im vierten Halbjahr der Lehrzeit 187.700 K., im fünften und sechsten Halbjahr der Lehrzeit 214.400 K. Die Löhne der Arbeiter betragen ab 23. d. (erstmaligauszahlbar SamStag den 28. -.) für Jugendliche unter 17 Jahren 133.7OO K., männliche Arbeiter Unter 22 Jahren 223.OÖO K. männliche Arbeiter über 22 Jahre 312.100 K., männliche Arbeiter über 22 Jahre mit längerer als siebenjähriger ununterbrochener Beschäftigung bei demselben Dienstgeber 334.400 K., weibliche Arbeiter unter 22 Zähren 167.300 K., weibliche Arbeiter über 22 Jahre 223.000 K. Ne Besolüungsordnung. Die.', drei Organisationen, deren Vertreter den Fünfund- Dwanzigerausschuß verlassen hatten, sind, ohne einen Erfolg erzielt M haben, wieder in den Ausschuß zurückgekehrt, nachdem der Diz^änKer erklärt hatte, daß die Forderungen der Bundesangestellten nur im Nähmen dieses Ausschusses verhandelt werden können..Der Ausschuß.beschloß, dagegen Protest einzulegen, daßdurch diesen Zwischenfall die Erledigung der neuen Besoldüngsreform neuerdings verschleppt wurde. Morgen werden die Beratungen fortgesetzt. -er Lireüor der Sggenberger Fleischindustrie verhaftet. - (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Graz, .18.^ Juni. Die Firma Fleischindustrie. Eggenberg kst in Schwierigkeiten geraten. Schon vor längerer Zeit war der Zusammenbruch des Unternehmens unvermeidlich, weil sich scharfe Differenzen mit den Gläubigern, die nicht alle befriedigt worden konnten, ergaben. Heute nachmittags wurde über Auftrag der Staatsanwaltschaft der Direktor des Unternehmens Matthias T o r ö k wegen Verdachtes des Betruges verhaftet und dem Landesgerichte Graz eingeliefert. Török war seinerzeit Inhaber eines großen Holzunternehmens in Graz und wegen verschiedener Mißbräuche bei Holzlreferungen wiederholt Gegenstand gerichtlicher Untersuchung. Der Direktor-Stellvertreter der Firma namens Bgafch ist seit acht Tagen aus Graz flüchtig. _. : StraßbahuungM In Zferlohn. Aus der Kurve geschleudert. — 21 Tote. (Gegendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Düffeldorf, 18. Juni. Ein Straßenbahnunglück, das sich gestern abends kurz nach 7 Uhr in Iserlohn ereignete, steht eigentlich einzig in seiner Art da. Ein Straßenbahnwagenwurde bei einer Kurve zwischen Iserlohn und dem 8wrorte Obergrüne aus den Schienen geschleudert, raste auf abschüssiger Bahn gegen eine Gartenmauer, durchbrach diese, schlug eine alte Buche glatt durch und landete als Drückme rh au fen in einem Garten. Der Wagen war fast durchwegs mit Arbeitern dicht besetzt, die von der Fabrik nach Hause fuhren. Keiner der Wageninsassen kam ohne schwere Verletzungen davon. Einige Männer, die auf der vorderen Plattform standen, retteten sich durch Abspringen, jedoch auch sie haben sch were Knochenbrüche davongetragen. D e r F ü h r e r, der bis zum letzten Augenblick versucht hatte, den Wagen zu bremsen, befindet sich unter den Toten. < FeuerwehrkoloMen eilten zur Hilfeleistung herbei und zogen 19 Tote aus den Trümmern hervor. Heute erlagen im Krankenhause von Iserlohn noch zwei Eingelieferte ihren schweren Verletzungen, so daß sich die Zahl bßt Toten auf 21 erhöht hat. Leider muß auch noch mit dem Ableben einer Reihe von Verletzten gerechnet werden. Es war außerordentlich schwierig, die Verletzten und Toten aus den Trümmern des Gefährtes aufzulesen, da der Wagen zusammengedrückt wurde. Der Anprall des Wagens war so furchtbar, daß der Führer des Wagens viele Meter weit in den Garten hiMngeschleudert wurde. Er brach das Genick und war auf der Stelle tot. Die meisten Leichen wiesen Schädelbrüche auf. Re allgemeine Zndustrkbank. Gläubigerversammlung am 21. d. Samstag den 21. d. findet um 4 Ähr nachmittags im Saale des Gewetbovereims, 1. Bez., Eschenbachgasse 11, eine allgemeine Gläubigerversammlung statt. Der Gläubigerausfchuß ersucht die Gläubiger dringendst, vollzählig zu erscheinen, da Beschlüsse von außerordentlicher Wichtigkeit zum Schutze der Gläubiger zu fassen sind. Der Chauffeur tot, die Insassen schwer verletzt. Salzburg, 18. Juni. Wie der „Salzburger Chronik" aus Radstatt berichtet wird, überschlug sich gestern nachmittags in der Nähe des Kesseüfalles oberhalb Untertauern ein Automobil-der-Firma Schicht, das von dem Chauffeur Lischin 8! i aus Wien gelenkt wurde, bei der Fahrt über den Kreuzbühel. Die Insassen kamen unter das Automobil zu liegen. Dem Chauffeur wurde durch das Schutzglas des Automobils der Hals abgeschnitten. Eine Stange war ihm durch die Brust gedrungen. Er war s ofort tot. Der Reisende der Firma Schicht, Fischerbauer aus Leoben, erlitt einen Schädelbruch, seine Frau Rippenbrüche. Sie m wden ins Spital nach Radstatt gebracht. Lar Wetter. Gestern war das Wetter trüb. Abends stellte sich Regen ein. Für heute ist eine, allerdings nur vorübergehende Besserung angekündigt. Ae WMersdorfer «Me. ■ Die Verschleuderung der Sachgüter. ' Die Untersuchung in der Wöllersdorfer Angelegenheit ist noch nicht beendet. Die Mitteilungen der Wirtschaftspolizei an die Polizeidirektion hatten bloß eine Schilderung der bisherigen Ergebnisse, zum Inhalte. Der Direktor der Wöllersdorfer Werke, Neuho s e r,. gibt nun selbst zu, daß Maschine n im Schätzwerte von sieben bis acht Milliarden an eine Tochter^ gesellschast bei deren Gründung um 2,6 Milliarden abgegeben und zwei Waggons Messing zum Preise von 7000 K. pro Kilogramm verschleudert wurden. Er erklärt hiebei, daß alle Tran 8 aktionen mit° Zustinrmung des Exekutivkomitees und sämtlicher Regierungsverrreter des Bundes abgeschlossen wurden. Der ‘ B o rsitzende des Exekutivkomitees bezieht einen Gehalt von 2000, sein Stellvertreter und die Exekutivkomiteemitglieder je 1000 Goldkronen' monatlich. Auch diese > Bezüge hat die Bundesverwaltung bewilligt. Es wird daher die.Tätigkeit des früheren Staatskommrssärs, Sektionschefs H i l l i n g e r, und der anderen beteiligten Beamten eingehend zu prüfen sein. Die Antwort des Vizekanzlers Dr. Frank aus die im Nationalrate eingebrachte Interpellation läßt lange aus 'sich warten. 1 l HABEN SIE SCHON DIE GRAETZ PRÄMIE DER Wm MORGENZEJTUNQ 7 7 m m Mer Kilogramm Main gestohlen. 7 Ein Oberstleutnant unter Diebstahlsverdacht. In einer sehr interessanten Diebstahlssache hat das Polizeikommissariat Landstraße in viertägiger mühevoller Arbeit annähernde Klarheit geschaffen und einen pensionierten Oberstleutnant mtter dem dringenden Verdachte eines Diebstahls dem Landesgerichte eingeliefert, ohne jedoch bisher den vollgültigen Beweis für seine Schuld erbringen zu können. Am 14. d. erstatteten zwei Italiener, die bei einem Oberstleutnant iim 3. Bezirk als Untermieter wohnen, beim Kommissariat die Anzeige, daß ihr Schwager zwei Tage vorher zwei Goldbarren nach Wien geschmuggelt habe und daß sie das Gold in ihrem Zimmer in einer Schreibtischlade verwahrt hätten, in der sie auch eine goldene Uhr samt Kette und eine goldene Krawattennadel mit Brillanten hinterlegt hatten. Der Gesamtwert betrug ungefähr 46 Millionen Kronen. Sie seien wegge« gangen und bei ihrer Rückkchr hätten sie festgestellt, daß aus der Lade die Goldbarren und der Schmuck verschwunden waren. Der Schreibtisch wies nicht die geringste Spur von Gewalt« anwendu-ng auf. Die Türe, welche die drei Laden öffnet, war nicht aufgesprengt, und da sich in der Zwischenzeit in der Wohnung nur der Hauptmieter, ein Oberstleutnant d. R. und seine Lebensgefährtin, die geschiedene Gattin eines Feldmarschallleutnants befunden hätten, sei der Verdacht gegen sie gegeben. Das erste Ergebnis der polizeilichen Nachforschungen war, daß die Italiener selbst in Haft genommen wurden. Die Tatsache eines Diebstahles schien nämlich wirklich sestzustehen, nur war das Objekt nicht, wie die Italiener angaben, Edelmeitall, das r /; M./isiß, st« überhaupt nicht - besaßen, sondern io k a i n, und in die Enge getrieben, gestanden h», daß wirkch kein Gold gestöhttn worden sek, sondern vier K>lograim Kokai n, daS sie in Wien gekauft haben uitb cyt&tt schmuggeln wollten. Mit diesem Schmuggel hatten sie ^schon früher besaßt und schon einmal 10 Kilogramm Kokain'dessen Ausfuhr Strenge > verboten kst,' nach .Jtalien' geschmugjlt. Der > Oberstleutnant gab bei seinem Verhör wohl zu, das er" den . Schreibtisch geöffnet habe, jedoch nur in der- Absich' um nach Dokumenten seiner Tochter zu suchen. Er habe.wch eine kleine Quantität Kokain in. zwei>.Päckchen gesehen, keichfalls aber die großen Mengen von vier Kilogramm. Der Mstleutnant lebt in sehr prekären Verhältnissen, die ihn sogar Zezwungen haben, die Bedienung für die beiden Untermieter rlbst zu besorgen.. Bezeichnend, für seine schlechte materielle itge ist auch der Umstand, daß sie ihm nicht gestattete, die Geschiedene Frau, wie er gewollt, zu heiraten. Der Oberstleutnat und Generalsgattin wurden unter dem dringenden Verdacht des Diebstahls dem Landesgerichteeingeliefert. Belastend für fc war auch, daß bei einer Revision in der Küche ein kleines PSchen Kokain gesunden worden ist,- das jedenfalls von dem Offizier dorthin gebracht worden fein'muß. Die drei Italiens! wurden dem Zollamte wegen des KokainschmuggÄS überstlt und da« AbschafftmgSverfahren gegen sie eingeleitet. DstDrogerie im ersten Bezirke, von der sie daS Kokain bezogen haben, wurde gesperrt und der Inhaber und die als Geschstsführerin fungierende Verkäuferin wurden verhaftet. - Re rnseude KrSnfterli. - . Ein Mordversuch im Gasthaus t Die in der Tmygasse wohnhafte Grüwarenhändlerin Franziska Iablonitzk y,' eine 84jährige Wilpe, einestarke Tvinkeriu/ die als solche wegen ihrer Exzeffe^ünd GewalttatiM-ten hinreichend bekamt ist,' pflegte .schonN den -Nachmittagsstunden sich in Gasthäusern äüfzühallen iMd - AWHokzu sich zu nehmen. In ihrer Wohnung'in einen Äien Hanse < scheint sie das Geschäft' einer" Hehlerin 'zu betreib üE lichlscheues Gesindel zu beherbergen. Seit kurzer W hat .Me - Frau nun «den SSjährigen Mechaniker Johann sierger «US'. Wolfpasfing, -der bereits wiederholt Vvrbesttaft. und' auS Wien abgeschafft ist, bei sich unangemeldet bcherbirgt. Gestern' nachmittags war nun Berger allein in das Lokal des Gastwirtes Leopold Kreuz in! der Lichtentaler Msse 16 -gekommen. Nach nicht. alkzu länger Zeit kam auch die Jatblonitzky in das gleiche Lokal und beide fetzten sichin haS Extrazimmer und unterhielten sich, zunächst ganz ruhig-Gegen viertel 6 Uhr abends hörte man plötzlich die'Jablonitzkh rufen: »D u. wir st heute noch etwas «rleben!" Die /Kväntlerin.' sprang auf und stieß ein großes Meffer mit voller Wucht dem Mann in die Brust. Der Wirt eilte, nun herbei und hielt den Mann,-der sich wie: ein Aasender aufdi« Krantterin stürzen wollte, zurück, his man die-Wache herbeigcholt -hatte.. Gs die Kräu-tlerin sah, was sie angevichtet hatte, -stürzte/ sie sofort auf den stark blutenden Mann/-desfen Kräfte immer:..mchr-schwan-- "den und bemühte sich um ihn. MS der herbeigeholte Wachmann eintvat und den Berger, der stark erschöpft war,, fragte, wie er zu der Verletzung komme, drängte sich die iJablomtzky rasch vor und.rief, ihm, che er. noch sprechen konnte, y«. ,Belt,Hans l, du hast es selber 'tan!" Nach einiger Ueberwindung sagte der Mann dann ganz leise: „Ja". Noch ziemlich bei Kräftenwollt« sich der. Gestochene auf die i Kräutlerin stürzen, wurde aber - zu-rückgchaltvn. Wortlos nahm er - das Messer an sich, klappte es zu und steckte es in die Tasche. - Die RettungSgosellschaft steM fest, daß der Mann eine schwere ■ Stichverletzung in der rechten Rippengegend erlitten hatte. Er gebärdete sich wie rasend und wurde zunächst auf die dritte , Unfallstation überführt. Gerne Verletzungen sind wohl schwer, aber nicht liebensgefährl-ich. Berger mußte, da er noch lveiter -tobte, auf die psychiatrische Station überführt werden. Das Motiv der Tat. ist völlig unbekannt. Die Jablonitzky wurde verhaftet und am Pol-izvikommiffaviat Alsergrund vom Amtsärzte sofort untersucht, und zwar für angeheitert, aber voll-. -kommen guvechn-ungssähig befunden. > , Sin SisersnchtLdrama am Donaulnnai. «Gestern abends gegen viertel 7 llhr kam die 16jährige Marie Matejko 'bluteW nach Hause. Aach den Schilderungen des jungen Mädchens war sie gestern mit ‘ ihrem Bräutigam, dem 24jährigen Kranführer Franz P-ihavek, am Ufer des Donaukanals gesessen. Der junge Mann,-der aus seine Braut eifersüchtig war, zog nach einem kurzen Wortwechsel plötzlich einen Revolver^ Das Mädchen' schrie um Hilfe, riß sich schließlich los und lief davon. Pihävek feuerte nun rasch nach einander v-iex Schüsse ab, die alle die Unglückliche trafen.. CDverveAetzt hörte das Mädchen noch im Laufen tftoet weitere Schüsse fallen und kam dam erschöpft im Wohnhause an. Als die Sicherheitswache -nach der-. Stelle am Donaukanal eilte, traf sie den Pihalvek mit «imr. Schußwunde in'der linken Brustseite bereits leblos an. Die Rettu-ngsgesellschaft -erschien, der Jnjpektionsavzt konnte bei Pilhavek nur den Eintritt des Todes feststellen. Das Mädchen wies eine Schußwunde auf der Hinterseite des lmken Oberarmes, an der Brustfeite sowie weiter rechts davon^ einen zweiten und eine Schutzverletzung auf der linken Rückenseite auf, doch scheinen keine Meven Teile getroffen worden zu sein. Das Mädchen wurde in schwerverletztem Zustande 'auf die zweite Unfallstation gebracht. - - Re Rettnngseinrichtnngen der Sfteneichifche» Annderbahnen. Mm Vorführung der Rettungskasten und Rettungswagen. Die Genevaldirektion bet Oesterreichischen Bundesbahnen veranstaltete gestern für die Presse eine Besichttgung der Rettüngseinrichtungen auf den Wiener Bahnhöfen.

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