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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-19 · Heft 1919 (19.6.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1919 (19.6.1924)
Date
1924-06-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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M TM . We 8 Men, Donnerstag Wiener Morgenzelkuns. Id. Kmi im Wt. 1919 f|e«W‘ PoMugey durch Roneiglionr, das beim M Megtzn KWan nimmt an, daß die Mörder den Zeichmm auf einem dieser rätselhaften Antos wieder wegleschafft und ihn vielleicht in der Nähe Roms begraben pfcp. Der EinhestSsoMist G o nz a l e versichert, daß wr Faszist Vvlpj, einer der Mtmöchev, seinen Freunden Aev dw Oxt, wo der Leichnam Hege, gemacht habe. Diaftr?)rt wäre qm Bico-See. 100 schritte von der Stelle, wo 'das WtMrer, Aschen wurde, Hier müßte 'die Leiche zeucht werden. Diese Nachricht hat tiefen Eindruck hervorzermfen. Neue Nachforschungen werden angestellt. - VN dem Verhöre hat FiNipelli wichtige Angaben über Mordäfsäre gemacht. Du mini hingegen trägt ein heraus- Merydeß, fxecheS PeMmn zur Schau und verweigert kÄe^HMrnft, obzwar man ihm das in seiner Wohnung »ovtzLMckene» blmtbefle Lte Kleidungstück umd!>aS Messer gezeigt hat. Schließlich hat er doch seine indirekte Beteiligung an dem' Mords zugeben müssen. Das Komplott wurde auf folgende Art vorbereitet: ' Fillipelli hälfe - dem UnterstaatssekretSr FW ws feierliche Versprechen gegeben, er werde dafür soMN, >atz,die parlamentarische Opposition den Dekreten über die Spielbanken kein Hindernis in den Weg stelle. Für. die Erlangung der Konzessionen waren große Summen ■\\ Aussicht gestellt worden. Falls die Opposition gleichwohl versucht hätte, Protest zu erheben, hätte er, MipM )astw gesorgt, die Opposition zum Schall rgrn zu bringen. . Fillipelli hätte sich zu diesem Zwecke mit der hein in Men. Tscheka des Innenministeriums in .Verbindung gesetzt, um Matteotti die Dokumente, deren sich dieser gegen den UnteostaaHsekretär Finzi bedienen wollte, zu' entwenden. Diese Aktion wurde dem Führer der Tscheka D u m i n i anvertrant. ' ' - Inzwischen folgen Enthüllungen auf Enthüllungen. Mich, nachdem sich die Gerüchte von dem Verschwinden Matteottis verbreitet hatten, leitete der Sekretär der römischen Faßzistenvereinigung eine Untersuchung ein, um fest- Mitellen, ob in diese Affäre Parteimitglieder verwickelt sesey. Pas Resultat wgr nMtw. Ein Faszist eMärte aber dem Sekretär, der E-ntführungsszene beigtzwohnt zu hahen.. . , Fünf Jrpdividmn Ktben sich Matteottis bemächtigt, und da dieser Widerstand ltzisttzte, versetzte chm ein hoher, kräftiger Bursche einen ßieb7auf' den Kopf. Matteotti ftel bewußtlos zu Boden und wurde von seinen Henkern in das Auto z ß stcha f f t. Der Sekretär erstattete sofort die Anzeige an die römrsche Polizel.'.Es ist unerklärlich, kommentieren die BMier, warum die Quäftur untätig blieb und nicht schon am selben Abend diese Anzeige zur Kenntnis nahm und die nötigen Vorkehrungen traf. -Inzwischen ist der Leichnam noch immer nicht aufgefunden worden. Im Volke flüstert man. Man beschuldigt auch die höchsten Instanzen. Di« einen faGij, es seien keine ernsten Nachforschungen gepflogen worden; Andere wieder, behaupten, der Leichnam sei am Tage nach der Tat aufgefunden worden, sei aber dann von den Mitgliedern der Tscheka wieder auf verwegenste Art weggeschasft worden. Ungarische Jnterparlarrrentnrier. Budapest, 18. Juni. In einer heute abends stattgefundenen Sitzung der ungarischen Gruppe der Interparlamentarischen Union stellte Abg. Rupert den Antrag, die Gruppe möge der italienischen Kammer einläßlich der Ermordung Matteottis eine Bei* keidskundgvbungen zugchen lassen. Die' Gruppe lehnte nach längerer Erörterung den Antrag ah, und zwar mit der Begründung, es hätten sich auch in derBerganüenheit politische Morde vielfach ereignet. Die Inter« Parlamentarische Union habe sich mit derartigen Angelegenheiten me befaßt. - Der Generalrat der Union hat Baron Szterenhi zum Berichterstatter des Ausschusses zum Sindium der Reparationssvagen bestellt. zentraleuropSifche LSnderbaqk. (Eigendienst der ,Mener Morgenzeitung".) Paris, 18. Juni, Me zentraleuropäische h äu Perba n k hielt heute unter Porsitz Jules Cambons und unter Beteiligung der Banque de France et des Pahs baS sowie des Hauses Günzburg ihre ordentliche GeneraldersaWnlnng ab. Diese genehmigte den Bericht und die Rechnungslegung für das Jahr 1938, die einen Reingewinn von 10,593.266 Franken ausweisen. Die Dividende wurde mit?M Franken für privilegierte und 6 Franken für gewöhnliche Aktien festgesetzt. Der Bericht unterstreicht unter anderem die kinastzrelle MederauftichMng Oesterreichs. M lleberrefte der Romanows. PMS- Itz. Juni. (Tel, d. „Wr. Morgenzeituug".) Der rtin" veröffentlicht heute neue Enthüllungen über die Emrdung der Zarenfa-milie und teilt mit, daß die der brannten Üeberreste des Zaren, der Zarin uni iDZL; WM essernen Kästchen von dem WWMN General,Janin, der den Wöhua der •Vtyß'M il om U-. nach MchiwosW leitete, M Achhe. IM nach Müftaich' gebracht wurden, wo sie N den Besitz daß. WMtzMnMtgWMto- NmA -As manow gelangten. Sie Erlösung Srer gsrarv. Ussisch!iu hat gestern gesprochen.' Aus seinen Worten klang die Mahnung Palästinas, der Ruf de- Landes nach Mösung. Usstschkin ist der eherne Fels in der politischen Brandung des Zionismus. Hoch ragend steht er, wie Adolf Böhm gestern in seiner Begrüßungsansprache' ausführte, immer auf den exponiertesten Posten. Me Befreiung der palästinensischen Erde, heute unsere wichtigste Ausgabe, ist in guten Händen bei Ussischkin, der gestern nach seinem Triumphzug auf seiner bisherigen Werbefahrt die Massen, die ihm im großen Konzerthaussaal lauschten und zujubelten, mit hämmernder Wucht von der Notwendigkeit der Hingabe und Opfer für den Naüoriialfonds zu übevzeugen wußte. Ussischkin ist der Mann der Tat. Wie die leibhaftige Personifikation des palästinenischen Bodens steht er dort, und bei seinen sachlich geballen Worten zieht die ganze Entwicklung der jüdischen Beremng vorüber und wächst empor und wird zur Entfaltung und Reife in die Seelen der Zuhörer gesenkt. Er bezeichnet es zunächst als große nationale Sünde, zu uns nicht in der hebräischen Sprache sprechen zu Wunen, deren Kenntnis zur Selbständigkeit des Volles gehöre. Wenn wir, führte er aus, zurückhlicken auf die vierzig Jahre Arbeit, so können wir mit dem Erreichten zuftieden sein. Damals haben wir dort in Palästina nichts gehabt als ein Häuflein alter kranker Juden, jetzt haben wir Städte und Land und Kolonien und die Sprache. Mr haben ans unsere Schultern eine Arbeit genommen, wie sie nie ein Voll übernehmen könnte, lsusere Aufgabe gipfelt in vier Punkten, die alle ungeheuer schwer sind: Da ist zunächst die Jmmigrationsfrage. Wir wollen ans einem Volke, das in 36 Ländern zerstreut lebt, eine einljeitlich zusammengegossene Nation mit eigener Sprache in eigenem Lande machen. Wir wollen ein Volk, das seit 2000 Jahren vom Boden gerissen ist, ans den Städten in Dörfer führen, Wir wollen unser Land so aufbauen, daß eS von den ungeheuren Konflikten und ungerechten sozialen Verhältnissen der alten Welt verschont bleibtz und ihm ein« ruhige und bessere Zukunft gesichert sej. Dos war noch m« da iri der Welt. Und dann wollen wir die Juden aus 36 Ländern mit verschiedenen Sprachen und Kulturen zu einem einheitlichen Volke gießen. Sinh nicht all diese Auf« gaben zusammen etwas Unerhörtes? Ist es nicht eine Kühnheit, das ^u unternehmen. Wir haben es unternommen. Es gwt eine „Chuzpe" des Starken gegen dm Schwachen, aber auch des Schwachen gegen den Starken, Das ist unsere, das ist ein« heilige Chuzpe! Das hat das jüdische Volk unternommen, das alle Feinde überlebt hat und überdauern wird. Es gibt Konjunkturen, eS gibt schlechte und gute Zeiten. Pi« kommen und gehen. Mer der Wille eines Volles bleibt. ' Wenn wir zurückblicken, können wir sagen, daß wir zufrieden sind nftt dem bisher Erreichten. Aber unsere Augen schauen vorwärts und nicht zurück. Ein Voll, das zufrieden ist, hat keine Zukunft. Ein Voll und eine Partei müssen immer unzufrieden sein und immer fordern. Jetzt, aber ist die Zeit da, daß unsere Forderungen größer sind und breiter als bisher. Unter England nimmt Palästina eine größere und schnellere Entwicklung. In den letzten fünf Jahren haben wir mehr geschaffen als in den 35 Jahren vorher. Jetzt ist ein gefährlicher Moment gekommen; die Zeit, das Tempo der Entwicklung ist unter Englands Mandat ein schnelle?. Das Land kann nicht in diesem Stadium bleiben, wir müssen nicht nur bauen, sondern schnell bauen. Unser Boden und unsere hebräische Kultur müssen schnell wachsen. Bloß fünf Prozent des Bodens gehören uns. ES kann die Zeit kommen, wo das nicht mehr vom Geld abhängig fein wird. Wenn wir unsere Milliarden nicht jetzt, sondern spater bekommen werden, wer weiß, ob wir dann noch den Boden werden bekommen können. Wenn man mich fragt, was man tun soll, ob den Boden heute und teuer erwerben oder morgen billig, werde ich sagen, heute teuer. Ein Prtvater kann es sich erlauben, zu spekulieren, ein Voll hat kein Recht auf seine Zukunft zn spekulieren, denn dann hat es keine. Wenn jetzt die Möglichkeit vorhanden ist, und sie ist es, dann müssen wir schnell Ms was möglich ist, dazu tun, und das ist die Pflicht des judischm Volles. Unsere Forderungen sind groß. In diesen: Jahre noch sind hunderttausend Dunqm zu kauft«, das ist eine halbe Million englische Pfund. Diese Summe muß das jüdische Volk geben. Man kann nicht zulasftn, daß tausende Chaluzirn ins jüdische Land kommen und Boden fordern, und wir können ihnen ihn nicht gehen.. Das jüdische Bost wird das nicht zulassen, darnür ist die erste Aufgabe dis Bodenpolitik. Ich wende mich an die ganze jüdsschs Welt, an M Parteien und Gruppen, ich will mich in keine Theorie und Polemiken einlassen. Aber wenn Pie von Jerusalem nach Haifa fahren und dahin und dorthin in Palästina, und Sie sehen rechts und links Popen, -er nicht uns gehört, dann sage ich, er muß noch in diesem Jahre unser sein. Meine Aufgahe in Europa, ist jetzt, dqs jüdische Volk Mt schlafen zu lasftn, so wie ich in Palästina nicht schlaft. Wir wevoen Palästina erobern nicht mit der Flinft, Mp M unserer Kultur, , Buch und Schwert sind verteilt aus der Welt, wie unsere Schriften sägen. Wir teilen das. Das Buch ge* hört uns, das Schwert gebenwir den andsnn Völkern. Unftr Blut und unser Schweiß werden vergosftn und nicht das Fremder in Erez Israel, wo wir Kultur und Wissenschaft allen Böllern zugänglich machen wollen, Unser Land wächst und das Mische Mement stärtt sich von Lag zu Tag. Wen wir Geld und Menschen» Menschen und Gesh erhalten, wird alles steigen. Es gibt Schmerzen der letztes Zuckungen vor dem Ende und SchmevM wie sie die Frau kenntbevor sie neu gebärt. Unsere Schmerzen im Golns sind die der Agonie. Aber in Erez Israel sind es Schmerzen der Neugeburt. ,? Wenn ich mich an Sie wende, Sie sollen den jüdischen^ Boden erlösen helfen, dann muß ich sagen, diese Frage gehört Ihnen und nicht Mir und meinen Kameraden der Arbeit. Weng Sie es, nicht, tun werden, werden andere es tun, denn ' Palästina wird vnftr sein. Dort in Aegypten sind die mächügen Pyramiden gewaltig groß, aber öd und kalt. Versunken sind die Könige, die prächtigen Krieger, die auszogen gegen unS, das kleine Hirtenvolk. Ihre Sprache sind starre Hieroglyphen, die niemand versieht, außer ein paar alten Archäologen. Wir aber sind da, ein Fünszehn-MMionen-Voll, Mit dem ftit Jahrtausenden die Völler der ganzen Welt Krieg führen, ohne eS besiegen zu können. Unsere Waffen sind die zehn Gebote, unsere Sprache lebt und unsere Literatur wird täglich in allen Synagogen und Kirchen gelehrt. Jüdisches Voll, du bist starker als du glaubst. Schau allen Feinden in die Augen! Du sollst nur wollen und du kannst hingehen und aufbauen dein Land und deine Zukunft! Den stürmischen Beifall, der dieser enthusiastischen Rede folgte, konnten die Schlußworte Adolf Böhms kaum durchdringen. MM«. Von Anitta Müller-Cohen. - Zum ersten Male sah ich Ussischkin an der Welthilfs^ konftrenz in Karlsbad. Er hielt dort eine seiner berühmten Reden in hebräischer Sprache, di« immer einen gewaltigm Beifall eMten. Ich war damals — und diese gute Eigenschaft behielt ich bis heute — iw Monistischen Parteileb^n recht unbewandert und konnte mich daher leichter zur unvoreingenommenen Würdigung einer Persönlichkeit .erheben, welche im Parteileben von Haß und Gunst ümbrandet ist. Es ist schwer, von UssischkinS staicker Individualität ejn lückenloses Bsid zu gewinnen, fo lange Man.ihn nicht 'in Palästina gesehen hat, Dieser Mann kann nicht ohne Palästina restlos begriffen weyden: er ist ein Stück vom Leibe PaWinas und Palästina ist ein Stück von seiner Seele. Die Geschichte des mnen Erez Israel ist unverständlich ohne Kenntnis her Rolle, di« Ussischkin darin spiell, und fein« Persönlickckeit muß stess einen unentwirrbaren, rätselhaften Kern filt jene behalten, die Erez Israel nicht kennen. Einen besseren Ausdruck für dieses fast mystische Einsftin von Mensch und Land gibt es kaum, als der Name „Zionsliebe", den die Ehowtwe Zion, die Keim Gruppe russischer Juden, aus deren Mitte Ussischkin und der „praktische Zionismus" hevvorging, sich zugelegt haben. Eines haben ihm auch di« Tadler stets gelassen: daß er der erste war, der stets und von allem Anfang an betonte, ohne Bodenerwerb in Palästina gibt eS keine zionistische Politik. So selbstverständlich dies heute klingt, wo wir alle wisftn, daß der große politische Erfolg des Zionismus nach dem Krieg« ohne Bestehen d« jüdischen Siedlungen in Palästina nicht möglich gewesen wäre, so wenig selbstverständlich war es einst, wo in heißen Kämpfen die Frage erörtert wurde, ob man sich mit den politischen Aktionen begnügen oder aufs Ungewisse kolonisieren solle. In diesen Kämpfen blieb der Instinkt Ussischkins siegreich und man täte Ussischkin Unrecht, wenn man ihn deswegen loben wollte. Sein innerstes Wesen ist mit der Lebensrichtung des jüdsschen Volles verschmolzen; er hat keine politische Ueberlegung nötig, um zu wisftn, w i« diese LebepSrichtung beschafftn ist. Den „harten" Ussischkin nennt man ihn. Ein guter Geist ist er. Und ein guter Geist muß immer käinpftn. Er muß immer hart sein. Ueber Lob und Tadel hinweg ist er in Palästina eine Gäule d e r R e ch tl i ch k e i t. Darin sind alle die tausend Meinungen in Palästina — wenn wir nichts hätten, eine ungeheure Zahl verschiedener Ansichten bl-iebe uns doch einig. Es ist dies das höchste Lob, das Palästina einem Menschen zu vergeben hat. Und darum hat man in Palästina immer wieder den Eindruck, Ussischkin sei der Erste, der Höchste, der repräsentativ Einzige. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß Herbert Samuel im Lande regiert. Samuel ist der englische Gonverneur. Gr ist der erste Engländer im Lande, nicht der erste Jude. Und wenn, er hundertmal selbst Jude ist. Darin liegt die tiesste Eigenart Palästinas und sein Gegensatz zum Gakuth. Hier genügt es, wenn ein Jude wegen seiner Verdienste um irgend eine Sache zum Hofvät wird öhdr für irgend einen nicht ausgesprochen antiftmitischen Zweck fünfzig MiMoneü hergibt und er rückt automatisch -M-aimm Wimrsim jüdiWn WmM'MOMtiM ist deg, nicht ft. Da muß man schon etwas für das jüdische Vch Mstenum aft 'MWhtzeM Okftm lWWlMkiP gift als Führer. Gin reifer Mann ist nicht an seinen Posen als Führer zu erkennen. Ussischkin, der Harte, hat keine Posen.

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