Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1916 (16.6.1924)
- Date
- 1924-06-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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WVk * r Hette'S < Wien. Montag Mitteilungen aus dem Publikum. Telephon 61.198 Telephon 61.198 Bernhard Schimmermann Salon für feine Herfenkleidung nach Mass : Laufende Instandhaltung der Kundengarderobe (BQgeln, Eatlleclcen, Reparaturen) . Wien, i. «w« Öraben 29, Trattne'rhof 2, Mezzanin 72-74 ten sie die Magd zu bestimmen, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, und dm Hotelier zu bestehlen. Am 17. April d. I. ließ die Uszick die beiden jungen Leute in die Wohnung, und dort' stahlen Koßmann und Drinkuth vier kostbare. Perferteppiche. Mit Geldmitteln kärglich ausgestattet, unternahmen die beiden Diebe mit der Magd eine Osterfahrt nach der sächsischen Schweiz. Bald ging ihnen das Geld aus, und sie befürchteten, daß sie ihre Mitwisserin verraten könnte. Deshalb beschlossen sie, sich der Uszick durch Mord zu entledigen. Am ersten Osterfeiertage unternahmen sie einen Spaziergang am Ufer der Elbe nächst Posta bei Pirna in Sachsen. Sie hatten heimlich eine Stahlrute mit einem Bleiknopf aus Berlin mitgenommen. Als die Uszick ahnungslos an ihre Seite trat, gab ihr Drinkuth mit dem Bleiknopf der Rute einen derartigen Schlag auf den Kops, daß sie in die Elbe siel. Die Unglückliche ries um Hilfe. Darauf zog Drinkuth seinenRevolver und gab auf die mit den Wellen Kampfende mehrere Schüsse ab, damit sie versinke. Als auch das nichts fruchtete, warfen die beiden Motdgesellen groß« Äeine gegen die Uszick. Daraus ergriffen die Mörder die Flucht. Ganz wider Erwarten wurde die Uszick trotzdem gerettet. Die Berliner Polizei wurde von der Verhaftung in Kennitnis gesetzt. Ler Raubüberfall ln der Praterstraße. Der Raubüberfall in der Praterstraße hat noch keine Aufklärung gefunden, doch hat sich ein w i chti g er Zeug«gemeldet, der am 11. d. M. . knapp vor der Tat die beiden Täter gesehen zu haben scheint. Er . ist ein Angestellter einer hiesigen Bühne. Der Mann ist gegen Mittag mit der Elektrischen über den Kai zum Praterstern gefahren. Er sah bei der Marienbrücke, wie ein älterer Mann, in dem er Lübeck zu ernennen glaubte, au/ den Straßenbahnzug stieg. Er sah, daß der Mann ein Paket, in Zeitungspapier gehüllt, sorgsam an sich'streßte. Weiter sah er, wie zwei junge Burschen den- ' selben Stvaßenbahnzug bestiegen und in der Nähe des alten Mannes Platze eimrahmen. Dem Zeugen fiel auf, daß die beiden jungen Leute den Greis ins Auge faßten. Beim Praterstern stiegen der alte Mann und auch dir beiden Burschen aus. Allem Anscheine nach dürften es die Räuber Von der Praterstraße und ihr Opfer gewesen sein. Rach der Aussage des Zeugen sind beide Männer etwa 80 Jahre alt; sie hatten dunkle Schnurrbärtchen. Der :':ne.trug einen' kaffeebraunen Anzug und war im Gesichte sehr abgebrannt, der Mann hatte auch rine Aktentasche. Der zweite trug einen blauen Anzug. Tie Erhebungen werden eifrigst fortg^sttzt. Die Autoraserei. Drei Personen schwer verletzt. Großes Aufsehen und lebhafte Entrüstung erregte Samstag abends auf dem Althanplatz die verbrecherische Handlungsweise des Chauffeurs Johann Strohmayer, der mit seinem Auto % II 864 derart rasch über den Althanplatz gegen eine Gruppe von Passanten fuhr, daß es den Anschein hatte, als ob er absichtlich in sie hineincase. Tatsächlich wurden drei Personen vom Auto medrr^rstoßen und; schwer verletzt. Als. das Unglück geschehen war, ble ti dete Strohmaper die Lichter ab und wollte' davonrasen. Mein unter den Passanten war ein beherzter Mann, der auf das Auto sprang, das die Richtung zur Brigittabrücke, nahm. Der Mann stürzte sich auf den Chauffeur, packte ihn an der Gurgel und hinderte ihn dadurch, daß.er selbst das Volant ergriff, an der Weiterfahrt. Der Chauffeur wurde unter lauten Entrüstungökundgebungen den Passanten zum Kommissariat gebracht. Indessen war die Rettungsgesellschaft berufen worden, und der Jnspektionsarzt leistete den drei Personen erste Hilfe. Der 35jährige Zuschneidev i Alfred Günsberger hatte eine Gehirnerschütterung, einen Bruch des rechten Schulterblattes und m e h r-. fache Wunden am Kopf und an den Händen, die 30jährige Rosa Szu rak Wunden am Hinterhaupt und am rechten Bein und der 24jährige Vertveter Josef Modry Wunden an den Beinen erlitten. Die amtsärztliche Untersuchung ergab, daß der Chauffeur betrunken, aber zurechnungsfähig war. Die Entzichung des Führerscheines ist beantragt. rie Mayapyramiden. D« WHe Etadt Amerikas. Ueber die Gfctbecfotrtg der großen Maya-Stadt, tk von de» englische» Reisewde» Mitchell H e d g e g, und Wiener: Morqerrzeitung. . a. FUM «w* ' im " .-I. .-H ilm lim > II Matteottis. Sit Leiche noch nicht anfgefnnden. - Finanzlente der Banrn Sommerriale verhaftet. - Bisher 70 Verhaftungen. — SMrnnhea Mnffolinir. Rom, 15. Juni. Die Leiche des Abgeordneten Matteottis ist noch immer nicht aüfgefunden worden und siber sein Schicksal fehlen nähere L^lhaltspurckte. Die Entführung hat die größte Entrüstung entfacht. In Neapel veranstalteten Studenten eine Sympathiekundgebnng für Matteotti. In Rom wurde der Führer der demokratischen Opposition bejubelt. Die Hauptmeinung richtet sich nicht gegen die Regierung, da Mussolini das Verbrechen aufs schärfste verurteilt hat. Die Polizei hat bi'sher 70 Personen verhaftet. Rom, 15. Juni. Heute wurden tagsüber die Nachforschungen am V i c o s e e fortgesetzt und mit Gerät-, schäften das Wasser durchsucht, da angenommen wird, daß der Leichnam des Abgeordneten Matteotti in den See versenkt worden sein könnte. Die Verhafteten setzen ihr Leugnen' fort. Sämtliche Fischer-Hütten am See wurden durchsucht. .. Polizeihunde und Karabiniers zu ^Pferde haben das dichte Gebüsch des Seeusers-durchspürt, jedoch ohne Ergebnis, doch bleiben Viehhüter dabei, das Automobil am Seeufer gesehen zu haben. Eine zweite Spur wurde gestern vom Monte Rotondo aus angegeben, wo das Automobil, von einem zweiten gefolgt, gesehen worden sein soll. „Corriere Jtaliano" veröffentlicht eine Erklärung der Herausgeber, daß sie den Direktor Filippi aus sein Ansuchen von seiner. Stelle enthoben haben. Die Blatt"- berichten, daß Filippi. heute nacht auf der Fahrt nach Florenz von einem Polizeiautomobil, das den Zug überholte, verhaftet worden sei. Demgegenüber wird heute bekannt, daß Filippi tatsächlich entflohen und sein. Aufenthalt unbekannt ist. „Mesiaggero" meldet, daß auch eine Anzahl von Finanzmänneru der Bane« Commereiale verhaftet worden sei. Dr. (Sann im Urwald des Innersten von Britisch- Honduras ausgefunden wurde, macht der Archäologe O-v, der jetzt n.' 1 .Lii'.'.ro:zu-rückgekebrr ist,-nähere Mt-- teilunigen.' „Die Ruinen", sagt er, „sind, die Ueberreste der ältesten Kultur aus dem amerikanischen Erdteil. Vor 2000 Jahren waren die Mayas' bereits so weit fortgeschritten, daß sie mit jeder anderen Kultur den Vergleich aushalten können. Ein kluges Volk lebte hier in großen Städten , zusammen, fischte, jagte gemeinsam und bebaute das Land. Heutzutage leljett die Nachkommen dieser so weit fortgeschrittenen Menschen im dichtesten Urwald in ganz primitiver Form, haben jede Ueberlieferung an die einstige Größe verloren, als die traurigen Zeugen eines Rückganges, der etwa im sechsten nachchristlichen Jahrhundert begann, als Kriege und Krankheiten dieses großartige Staa-tswesen untergruben. , Die Stadt, die wir entdeckt haben, ist zweifellos die älteste der Mahakultur; sie ist fast 1000 Jahre älter^als die ftüher erforschte Mayastadt Chichen Jtza. Wenn auch genauere Angaben erst gemacht werden können, nachdem das dicke Gestrüpp, das die Minen überwuchert, weggebrannt worden ist, so ließ sich doch schonjetzt erkennen, daß die Stadt größer war als Chichen Jtza, das eine Bevölkerung von etwa 260.000 Seelen gehabt halben mag. Die Erbauer dieser gewaltigen Pyramiden waren von streng mongolischem Typ, schwarzhaarig, untersetzt, muskulös und außerordentlich intelligent. Man stelle sich diese Anlage vor: sie bestand aus einer großen Zahl von Steinpyramiden, die über ein Gebiet von 10 bis 15 Quadratkilometern verteilt waren. Ste'mtreppen führ-/ ten zu den Gipfeln dieser Pyramiden, auf denen die Paläste der Könige und Hohenpriester, die Tempel der Götter lagen. Rings um die Pyramiden dehnte sich die eigentliche ' Stadt. Hier, in hölzernen, mit Palmblättern gedeckten Häusern lebte das Volk, das prachtvolle Goldarbeiten und * schöne Schnitzereien ausführte. Neben vielen anderen Kenntnissen ^saßen die Menschen, deren Kultur um mehr als 1 5000 Jahre zurückreicht, ein beträchtliches astronomisches Wissen. Nach ihrem Kalender, der um das Jahr 3250 vor Christi beginnt, war die Zeit in Zyklen von 400 Jahren eingeteilt, in ,Mtuns", Zeitabschnitte von 20 Jahren, in ,MuS" von einem Jahr mit 860 Tagen, in Einheiten' vonje zwanzig Tagen und in ,Flms" oder Tage. Zer llebersall auf den Wcagoer Avreßzug. Die Räuber entflohen.. — 5 Millionen Dollar geraubt. New-Nork, 14. Juni. Die New-Norker Polizei hat in Chicago 25 Postbeamte verhaftet, dir verdächtig sind, als Helfershelfer an der Ausräubung des Postzuges Chicago—Milwaukee beteiligt gewesen z« sein. Wie jetzt bekannt wird, find Werte im Betrage von fünf Millionen Dollar geraubt worden. - Man glaubt,daß die Räuber -mit einem Flugzeug nach Lauadp entslohe» find. r ' und erinnert daran, daß der „Corriere Jtaliano" übe. Anregung des Staatssekretärs Finzi von einzelnen Financiers dieser Bank gegründet worden sei. Rom, 16. Juni. M ü s s öl int empfing gestern abends eine Abordnung des Exekutivausschusses der Kammermehrheit und legte ihr die Maßnahmen der Regierung und der Polizei dar, indem er hinzusirgte, die Regierung wende jedem Versuch, die Tat politisch auszunützen, mit schärfster Energie enig''gentreten. Er erklärte, daß die Polizei zu der Ueherzeugung gelangt sei, daß Matteotti ermordet worden sei, und daß sie die Nachforschungen am Bieosee sortsetze. Er versicherte, daß der Leichnam Matteottis noch nicht aufgefunden worden fei. „Mesiaggero" meldet, daß gestern vom glaubwürdiger Seite behauptet worden fei, der Leichnam Mattottis sei Donnerstag abends hinter einer Hecke äm Vicosee cnrfgefünden worden; der' Polizeichef von Rom und einige. Regierungsmitglieder hätten aber ihr Ehrenwort gegeben, daß bisher der Leichnam nicht gesunden worden sei. Heute wurde der sozialdemokratische Abgeordnete Sardelli wegen Aufreizung verhaftet. Gestern abends fand in Rom auf der Piazza Colonna eine faszistische Kundgebung für Mussolini statt, wobei der vorübergehende Abgeordnete Turati von einigen Anhängern begrüßt wurde, waS zu feindseligen Kundgebungen der Faszisten führte. Sodann fand eine Demonstration gegen das oppositionelle Blatt „Jl Mondo" statt, von dem einige Nummern verbrannt, wurden. Während der zahlreichen Hausdurchsuchungen in Nom, Mailand und Florenz wurde vn Mailand im Heime der Ardit-' di guerra ein Lager von Bomben und Gewehren sowie.ein zerlegtes Maschinengewehr gesunden. Es hnttfc den neun Verhaftungen vorgenommen. . * Ein Todesopfer des Decke netnflmzes in Favoriten. Wie berichtet,, ist am 14. d. M. beim Einsturz der Decke des Festsaales des Favoritner Kinderheimes in der Herzgaffe der 20jährige Hilfsarbeiter Franz Roh rer, Schimmelgaffe 17 wohnhaft, schwer verletzt worden. Er wurde ins Wiedner Krankenhaus gebracht und ist dort noch am 14. d. M. gestorben. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgaffe 42. '_; (Entgeltlich.) Sie Gattin erwürgt. Am Morgen des 1. September 1923 wurde tm Har^ Brahmsplatz 7 die Frau des Oberwachmannes Franz Weber, Frau Aloista Weber, in ihrer Wohnung in sitzender Stellung mit einem Strick um den HalS tot aufgesunden. Die Untersuchung ergab, daß der Oberwächmann seine Frau getötet «nd hernach einen Selbstmord ihrerseits Vovgetäuscht hatte. Oberwachmann Franz Weber ist heute des Mordes angellagt. Den Vorsitz in der Schwurgerichtsverhandlung führt Hofrat Dr. Ramsauer, die Anklage vertritt der erste Staatsanwalt Dr. Nahrhaft, Verteidiger sit Dr. Deirich. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte beinahe eine Stunde. Sie besagtunter anderem: Weber hatte vor drei Iahten die Bauerntochter Aloisia Steininger geheiratet, offenbar ihrer Mitgift halber. Die Ehe war anfangs glücklich, die Frau gebar einen Sohn. Weber wurde jedoch bald, feiner Frau überdrüssig, er wird von verfdj'i-efoeiten Seiten als außerordentlich leichtfertiger Schürzenjäger geschildert. Er begann seine Frau in der brutalsten' Weiise zu quälen. Die Frau, die sich im achten Monat der Schwangerschaft befand, war gezwungen, sich wiederholt zu Nachbarn zu flüchten, -da sie Och,- wie sie -sich äußerte, fürchtete, er könnt« seine Drohungen einmal wahr machen und sie ums Leben bringen. ...... . . * Die Frau machte sich mit dem Gedanken' vertraut, sich von ihrem Mann scheiden zü Waffen. Wer Weber -war damit nicht elnvevstanden. Er erklärte ihr, das nütze ihm. nichts, er müsse Witwer, werden, denn nur so .könnte -er wieder heiraten. FraH Weber erklärte ihr. in brutalster Welse, sie solle sich ein-!sach aushängen, dann sei er ihrer süt alle Zeit ledig. Die Frau meinte daraus, so dumm werde sie nicht sein, ihm diesen Gefallen zu tun. - Die Erhebungen haben mch der Anklageschrift ergeben, daß Aloisia Weber große Freude an dem zu erwartenden Kinde zur Schau trug,. daß sie Wäsche und Kleider für den Säugling vorbereitete. Noch am Nachmittag des 31. August hatte sie Einkäufe besorgt, um für ihren dreijährigen Buben einen Kuchen hackenzu können., Um halb- 3 Uhr nachmittags kam Fränz Weber nach Hause. Nachbarn hörten kurz darauf 'einen heftigen Streit in der Wohnung der Eheleute. Frau Weber'kam heraus und'sagte zur Nachbarin noch, ihr Mattn sei wegen des . Zimmertürsch'lüssels aufgeregt, da er wieder spät nach. Hause kommen wolle. Sie ging dann in die Wohnung zurück und wurde. seither nicht gesehen. Eine halbe Gbuwde davaf verließ Weber -die Wohnung. Atu Abend kam.Weber zurück und sagte gur Hausbesorgerin des Hauses' BrahmSPlatz 7, er habe mitsieiner Frau für Sommerkleider STOTTE aal 1^UN.I^ADien«AS8t' (cfonNt762,Ö<» »