Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1916 (16.6.1924)
- Date
- 1924-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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La» Programm Herriots : Der deutsche Rationalismus wird in um einen nneENchen Herrn finden. - Für die deutsche Demokratie. - Ausrechterhaitung der Mliitürkontrolle in Deutschland. (Ergendiensi der „Wiener Morgenzeitu^.) Das Programm Herrlots.wich nun bekannt. Es be- " deutet «ine Warnung an das reaktionäre Deutschland, gleichzeitig die Verkündigung einer versöhnlichen .PollitA g-ogenüber der jungen Demokratie. Das französische Defizit will Herriot aus eigener Kraft decken. Wir erhalten hierüber folgende Meldungen. Paris, 15. Juli. Ministerpräsident Herriot hat gestern den Pariser Pressevertreterns gegenüber erklärt, daß er alle Anstrengungen machen werden um der jungen d e u ts ch e n D e m o k ra tie z u; helfe n, dagegen werde dem deutschen Na t io na lis mu s der deutschen Reaktion mit schonungsloser Strenge e n t g e ge ngetreten werden. „Rollet ist der Mann" — sagte Herriot —, „der die augenblickliche Lage in Deutschland am besten kennt. Deutschland ist im Begriffe, wie nach dem Frieden von Tilsit vorzugehen. Dent.schland erzieht seine Jugend militärisch. Mein Ministerium wird Deutschland gegenüber eine dersöhnliche Polittk treiben. Der deutsche Rationalismns wird in unseinen unerbittlichen H tt r--M f f toireMt; ' da wir nicht mtx bie Rechte Frankreichs, sondern die Rechte der Demokratie der ganzen Welt zu wahren haben." Paris, 16. Juni. Morgen-wird die Regierungserklärung in Kammer und Senat verlesen werden.,; Regierungserklärung in der Kammer soll sol ^ende Richtlinien umfassen: Stärkung und Ausdehnung der Völkerbundpolitik. Bedingungslose Annahme des Dawes-Planes. Ausrechterhaltnng der Rnhrpfände r, solange das System dort nicht normal funktioniert. ' Aufrechterhaltnng der Militä«kontrolle in Deutschland und Uebergabe an den Völkerbund, sobald die Umstände es gestatten. Abschluß eines allgemeinen Garantie vertrag es unter der Aegide des Völkerbundes. Aushebung der Botschaft am Vatikan. Verkürzung der Militärdienftzeit. Aufnahme einer gjenanen Inventur der französischen Finanzen und Feststellung des Defizits. Achtung des Achtstundentages und Anerkennung der Beamtengewerkschast. London, 16. Juni. Herr rot hat erklärt, daß er bereits Samstag nach London zu reisen.gedenke, um Ms dies« Weise so wenig Zeit als möglich zu verlieren. ftnndgebnng der deutschen ReMnn in München. München, 16. Juni. (S.' K.-B.) Heute vormittags wurde in der Feldherrnhalle däs Mahnmal für die durch den Friedensvertrag verlorengegangenen und .Unter Fremdherrschaft stehenden.deutschen Gebiete feierlich enthüllt. Unter den Ehren,gasten sah man . u. a. zahlreiche frühere Führer des alten Heeres und den. früheren Kronprinzen Rupprecht. In der Weiherede führte Professor' Herold u. a. aus: Wir wollen keine Rache, wir wollen nur unser Recht. Ein Land, ein Volk: Das wird der KönigSgedanke unserer Zukunft sein. Der baldige Wiederaufbang« dank« des Vaterlandes darf Mt zur Parteisache erniedrigt 'werden. Der Sonnöagvormittag wird.mit verschiedenen Empfangen und Vorstellungen ausgefüllt sein. Montag wird er bei Mae Donald verweilen, um mit ihm über die R e parationssrage zu verhandeln. Karlsruhe, 16. Juni. (Wolff.) In einer anläßlich der Tagung der füdwestdeutschen Arbeit'sgemeinschast der deutschen Bolkspartei veranstalteten öffentlichen Versammlung^ sprach Reichsaußenmimster Dr. S t r e s e m a n n über die politische Lage. Er behandelte zunächst die Veröffentlichung der neuen Serie der deutschen Aktenpublikation, die der Minister hinsichtlich der Kolonialfrage und der um die Jahrhundertwende mehr oder weniger offen gemachten Bündnisangebote steinder Regierungen kurz ftizzierte. Wenn zum Jahresende die deutsche AktenPMikation abgeschlossen sein werde, dann werde es an der Zeit sein, die anderen Machte zur Oessuung ihrer Archive aufzufordern und so die Grundlage für eine unparteiische Erörterung der Schuldsrage zu schaffen. Gegenüber der. heutigen Situation vertrat der Minister folgenden Standpunkt: Wir ziehen die Konsequenzen ans d e m ver l o reu en K ri^e ge und z ah len deshalb . die KriegseDtschSdiANN lehnen es aber atz als die moralisch Berantwörtlichen irgendwelche Wiedergntmachnngen zu leisten. Im weiteren Verlaufe seiner Rede wandte sich Dr. Strestmann gegen die im Ausland vielfach vertretene irrige Auffassung über die günstige wirtschaftliche Lage Deutschlands und betonte, daß durch den Endwertungsprozeß dem deutschu Volksvermögen Summen verlorengegangen sind, die eine der wichtigsten Säulen der ftüheren Steuerpolitik Ivareii. Den Verwüstungen in Frankreich stehen die Verwüstungen gegenüber, die das deutsche Volk durch die Prol e t ä r i s i e r u n g der weite st e n Schichtender Sparer und An leiheb esitzer erlitten hat. Nach einer Kritik der Demonstrationen nationaler Verbände, die freilich durch die Methoden Porneares veranlaßt seien, aber nur die Lösung der außenstehenden Fragen erschwere», sagte der Außenminister: Der neuen französische« Regierung stehen wir ohne Illusionen, aber auch ohne Voreingenommenheit gegenüber. Unsere Ausgabe ist es, einen Weg z« finden^ der das Nebeneinanderleben von Frankreich und Deutschland sicherstellt, die ans ein friedliches Zusammenleben angewiesen sind und vielfach wirtschaftlich und finanziell vor de» gleichen Problemen steheru In diesem Zusammenhänge fordert« Dr. Stresemamr am Schlüsse seiner mit lebhaftem Beifalle ausgenommenen Ausführungen zur Ueberwindung des Parteigeistes und z«r Befreiung der Außenpolitik von parteipolitischen Einstellungen ans. Es gelte, das Reich zn erhalten, die . besetzten Gebiete von allen vertragswidrigen Lasten zu befreien und so die Grundlagen für einen künftigen Wiederansstietz zu sichern. Der frühere Kronprinz Rupprecht nahm hierauf das Wort zu einer Ansprache, worin er aussührte: Der Ruf: e r r, m a ch' u n s frei!" kommt ' aus der Brust eines schwer bedrängten und von unverdientem Unglück getroffenen Volkes. Zahlreiche Volksgenoffen sind von unserem Mutterlande getrennt, dennoch aber halten sie trotz schwieriger Verhältnisse' unentwegt in Treue zu uns: Nach dem Weiheakt nahm der ehemalige Kronprinz Rupprecht-den Vorbeim«rsch der Berbande ab. Eine vaterländische Feier am Nachmittag beschloß den: Tag, dem eine Festaufführung von * Kleists Hermannsschlacht" itn Prinzregententheater am Samstag abends in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste vorangegangen war. Dar Befinden der Bundeskanzlers' Das Befinden des Bundeskanzlers war am gestrigo» Tage verhältnismäßig gut. Der Bundeskanzler fühlte sich frisch. Appetit und Nahrungsaufnahme find günstig. Das um halb 8 Uhr abends ausgegebene Bulletin lautet: Tagsüber Temperatur normal, 7 Uhr abends Temperatur 37,9, Puls 120, Respiration 28, LMgenbeftmd deutlich gebessert. Nahrungsaufnahme reichlich. Gez.: R. Baner, Effelsberg, Schnitzler, Singer, Steiger, M. Sternberg. Heute früh wurde kein Bulletin ausgegeben. Die Amtliche Nachrichtenstelle teilt mit, daß der Bundeskanzler die Nacht gut verbrachte und die Morgentemperatur normal sei. Die Auffaa« gnng des Exsudats hat begonnen. Die sefirigen KundseLmMv. Zusammenstöße zwischen HakenkreuAew und Kommunist«» Die nationalsozalistische Partei veranstaltete, aus 8hilaß des Jahrestages der Erschießung SchlageterS eine Trauerkundgebung, nach deren Beendigung eS zwischen den nationalsozialistffchen Teilnehmern und einer Gruppe jugendlicher Kommunisten zu Zusammenstößen kam, die aber dank dem Eingreifen von Wachleuten Feinen ernst« Ausgang nahmen.;/V; [■ Um 9 Uhr vormittags versammelten sich etwa 600Ö Nationalsozialisten und Mitglieder des Schutzbundes ani, Schillerplatz,. von wo sie unter VoraMragung von Fahnen mit Hakenkreuzen zur Karlskirche marschierten. Räch der. -Trauermessezogen die Teilnchmer.zum uKonzerchazzs, Trauerfeiern abgehalten wurden, und' hierauf wiE zW Schillerplatz. Zn der Elisabethstraße kam es zwischen einigen' Nationalsozialisten und etwa 30 jugendlichen Kommünistrn zu einem Zusammenstoß. Die Kommunisten machten einigt abfällige Aeußerungen, worauf die Nationalsozialisten erregt erwiderten. Zm Nu gerietm die beiden Mveittellä aneinander, aber Wachleute zu Pferde und zu Fuß trennten die Streitenden. Ein Kommunist. wurde verhaftet. Die Kommunisten zogen dann in die Lothringerstraße und warteten den Abzug der Nationalsozialistm ab. Als dies« in ihre Bezirke abmarschierten, wurden sie von den Kommunisten mit den Rufen „Arbeitermörder" empfangen, worauf die Nationalsozialisten den Kommunisten „Judenknechte" zurieftn. Am Platze vor dem Freihaus gerieten beide Strektteile wieder hart aneinander. Auch hier griff die Wache ein und trieb die Streitendm auseinander. Die Kundgebung der Sozialdemokraten vor dem Rat- ^hause Und die der Kommunisten auf dem Zeutralsriedhoft verliefen ohne Zwischenfall. zwei Berliner wegen Mrdversuches in Me» verhaftet. Auf der Suche nach den beiden Verbrechern, dir dem Kassier Eduard.Lübeck in der Praterstraße 260 Millionen Kronen geraubt haben, hat die Wiener Polizei einen unvermuteten Fang getan, indem ihr zwei Berliner Schwerverbrecher, die -wegen Mordversuches verfolgt werden, in die Hände fielen. Kriminalbeamte erhielten nämlich Kenntnis davon, daß in dsin Hause .Grüngasse 29, bei dem GeinischtwarenhäMer S ch ö n i nge r, seit mehreren Wochen zwei Reichsdeutsche unangemeldet wohnten, die sich durch verschiedene. Aeußerungen verdächtig gemacht hatten, die auf einen geplanten Raub- Überfall schließen lassen. Die beiden Männer waren im Besitze von Knüppeln und sollen sich in der Nähe von Banken und bei der Postsparkasse umhergetrieben haben. Die Polizei schritt daher zn ihrer Festnahme. Die Verhafteten sind: der frühere Bertratzsbeamte Herber! Koßut o n n, der bei dem Finanzamt Charlottenburg avgestellt war, und der Drogist Werner Drinkuth. Cs wurde avohl bald ermittelt, daß sie an dem RaubaNfalle auf den Kassier Lübeck nicht beteiligt waren, doch hatten sie ein schweres Verbrechen aus dem Kerbholz, weshalb .sie auch von den deutschen Behörden sp:ckbr«flich verfolgt werden. Bei dem reichen Berliner Hotelier Schmidt, Kurfürstendamm Nr. 22, >war die LHähvige Johanna Uszick als Hausgehilfin bedienstet. Drirchtth und Koßmann planten, bei ihm einen großen Diebstahl auszuführen. Sie suchten daher die Bekanntschaft^ tat zu macken, was ihnen auck aelana. Dann vermöcö-