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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-15 · Heft 1915 (15.6.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1915 (15.6.1924)
Date
1924-06-15
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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)if->':•-.;/;%■ -.-.«ir j-.../'» Mr. i9i“ Wien, Sonntag ieform forciert '-dürchsührke, vieles 'dazu beigctrage'... baft > «sich «die BerMtmsse so weit verschlimmert 'haben. Er Hai auch den Mägen der einzelnen Flckt'oim gegenÄber I m taubes Ohr gezeigt, indem er sich damit abgefunden hat, daß die ganze Krise einfach eine Sanier u-ngskrise fei, die als Reaktion auf die scharfe Durchführung der Währungsreform anzusehen wäre. Der Umfang der Krise hat diese Ansicht als vollkommen verWlt bewiesen. Tatsächlich haben Sanierungkrilsen keinen so gewaltigen Umfang, daß sie die Gvun-dquadern einer Wirtschaft erschüttern könnten. Es sind hier die Fragen der JnflationZkrise, gemeinsam mit der ungelösten Reparationsfrage, dem. Ruhvkonflitt und allen anderen Erschütterungen der Weltwirtschaft, die gerade in Deutschland verstärkt zum Ausdruck kommen und tatsächlich die Krisengestaltung so furchtbar halben auswirken lassen. I m Vergleiche mit diesen ist die österrei chische Krise wirklich klein und unbedeutend zu nennen. Doch es ist immer die Art des Oesierreichers, die Verhältnisse krasser darzustellen als sie in W'i rkli.chk-ei t find. Dies entspricht seinem leibhafteren südlichen Temperament und seiner gewissen egozentrischen Denkungsart, die unbedingt glaubt, das eigene „Ich" in den Mittelpunkt aller wirtschaftlichen Erwägungen stellen zu Müssen. Gerade zur Zeit bet schärfsten Krise haben amerikanische Bankiers ihre Bereitwilligkeit gezeigt, Deutschland Goldkredite zu gewähren. Und in dieser Zeit fürchtet Oesterreich um sein Ansehen und seine Kredit würdigkeit im Ausland infolge der Gestaltung seiner eigenen Krise. Allerdings hätte es, wenn nicht jede Erscheinung im österreichischen Wirtschaftsleben so gewaltig hinäusposaunt worden wäre, solche Folgen nicht zu befürchten gehabt. Ob die österreichischen Wirtschastssaktören' recht daran tun, tatsächlich so sehr für ihr eigenes. Schicksal zu fürchten, ist fraglich. ■ Man übersieht in Oesterreich die günstigen Seiten und hat keinen Blick für die günstige Gestaltung der Wirtschastsentwicklung. Eine solche ist zum Beispiel die Tatsache der Wiedereinführung des Metallgeldes, die gerade in diesen. Tagen vor sich geht. Damit ist die -Währungsentwicklung Oesterreichs zum großen Teil abgeschloffen. Die InflationKkrise 'hat ihren Anfang genommen, als das Metallgeld aus dem Verkehr verschwunden war'. Es ist nicht nur als Symbol zu werten, dast-sie tatsächlich ihr Ende mit.'der Rückkehr des Metallgeldes erreicht haben dürfte.' An der Börse scheinen sich ebenfalls die Verhältmffozum Besseren zu wenden. Die Psyche des Börsenpüblrkums beginnt Mut zu saffen. Die Kuris-e scheinen Grund gesunden., zu haben und' wer genauer hinhorcht, wird eine gewisse Zuversicht auch hier finden. Allerdings! Wirtschaftliche Gesundung ist eine Erscheinung, die ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt. Der Oesterreicher ist ungeduldig: er möchte Wort, den Amschwüntz scheu- In dwser Hinsicht'äußert--sich eben die mangelnde Erkenntnis der wirtschaftlichen Entwicklung. Dieser Mangel, läßt sich nicht nur bei 'den Wirtschastslaien feststellen, er ist leider auch in der Publizistik vorhanden.. Wäre es anders, so hätte die österreichische Krise vielleicht auch im Ausland ein anderes Aussehen gehabt.: Aktuelle Mrfeftagen. Line VoMersammlung -es Börsevereins. — Einstyrung der schwarzen Listen. — Ausdchnnng des Kulisseverkchrcs. — Ermäßigung der Fürsorgeabgabe. Unter dem Vorsitze des Börserates Ludwig Grün- -wald fand/gestern eine Vollversammlung des Wiener Börsevereines statt, welche Herrn Börferat Ernste Straßer für sein unermüdliches Wirken in.der Frage‘ der Goldabgabe, die jetzt auf die Hälfte 'herabgesetzt wurde, - ihren einmütigen Dank votierte. Der Görseverein wird seine; diesbezüglichen Bemühungen fortsetzen, bis diese Steuer,' deren Bestand-nach keiner Richtung hm .gerechtfertigt erscheint, vollständrg verschwindet. Ueb-er Antrag des Vorstandsmitgliedes Paul Bjehavh wurde an die Devisen-- zentrale eine Eingabe gerichtet,welche die Aufhebung des der : Devisenzentrale zu entrichtenden Monatsheitwges, welcher pro Firnm 500,000' bis 1,000.000 beträgt, fordert. Auch dies bedeutet eine ganz ungerechtfertigte Besteuerung -der -Börsenfirmen. Da überdies die Nationalbank für jeden fremdländischen Scheck, den sie aussiellt, eine Provision von 1 Prozent und noch dazu 9 Prozent Zinsen für drei Tage in Anrechnung, bringt, müsse auch gegen diese Verteuerung des Devisenverkehres eingeschritten werden. Ueber Antrag einer Mitgliedssirnw wurde beschlossen, im Zusa:nmenha:rge mit dev zur - Veröffentlichung M - bringenden „Schwarzen Listen" ein eigenes Rechtsbureau. des Wiener Börseverems zu eröffnen, das den Mitgliedern - desselben in allen juridischen Fragen zur Seite -stehen wird. Au die Spitze dieses Rechtsbureaus wurde ein an-., gesehener Wiener Rechtsanwalt berufen. - Der Vertreter des Kuliffievvexbandes im Börsebevein, - : Herr Josef H. Wal t u ch, stellte den Antrag, dem Kn- Wsverkehr durch Herausnahme aus dem Schmnkett' weitere zwölf Papiere zuzuführen. -Es hat sich-erwiesen, daß in krisenhaften Zeiten nur der freie'Verkehr, wie er im \ Kuliffehandel begründet erscheint, normal funktioniere.' Diesbezüglich wird, das Einvernohlnen mit der Börsen-' kayrmer hergestM werden. . ' ' Schriftführer Richard Tus chak sprach sich fiir die Wiederherstellung des normalen Arrangementverkchres - Wiener MMtzeikzrÜuNS. HABEN SIE SCHON DIB GRAETZ PRÄMIE OtgR aus, diesbeziiglich gleichfalls im gegebenen Zeitpunkt mit der'Börsekammer Fühlung zu nehmen. Die Vorstandsmitglieder Land a u e r und Singer stellten Anträge bezüglich. Herabsetzung, beziehungsweise Pauschalierung der Geldumsatzsteuer, die geldverteu-ernd wirke und auch durch-, aus unzeitgemäß sei. Es wurde eine diesbezügliche Eingabe an das Finanzministerium beschlossen. Auch gegen die beabsichtigte Erhöhung der Fürsorgeabgabe müsse, rechtzeitig Stellung genommen werden,' wie überhaupt über-Antrag des Vorstandsmitgliedes -Adolf Brecher Maßnahmen, zu erwägen sind, zwecks Abbau der Belastung .'des Battkbsiriebes>' -die dadurch gegeben erscheinen^, Mß'jede einzelne Firma ' als 'Steuereinnehmer . für den Staat und-'die Gemeinde eine für sich selbst durchaus unprqdu-I-tive Tati.g.keit entwickeln muffe. Budayefter Wirtschaftsbericht. Die Krise in Ungarn. — Ulrgarische Nationalbank. ~ Die Liquidierung der Sparkrone. Goldwährung. --- Fortschritt -er Zwangsanleihe. — Beamttuabbaü bei den Banken. — Die ... .-.- wa,chseBe,'-L««er««g.- - -Bon Unserem Budapester Korrespondenten wird uns geschrieben: -Die National bank, das...Ideal, der Un-- 'abhängigkeitspolitistr seit dem 1967er österreichisch-ungarischen Ausgleich, - hat sich' endlich am 24. Mar konstituiert. Der Generalrac hat sich nach folgender Proportion, zusammengesetzt: 4 Mitglieder gehören der Bankykratie an, - vertretet, den Handel, -2 die Fabriksindustrie und 4 die Landwirtschaft, Letztereblieb -auch- .diesmal ihrem Grundsätze treu, daraus unbedingt ihren Vorteil zu ziehen. Was aber die Verpflichtungen anbelangt, wären sie weniger rigoros; gezeichnet wurden nämlich sehr, wenig Aktien, mit der .Begründung, daß die Landwirte wegen des Setzerstreikes von der bevorstehenden Aktienzeichnung nichts wußten. Die Tätigkeit der Nationalbank 'begrünt, am 24. Juni, an welchem Tage auch das S parkr oUens ystem zu existieren aushört, lieber den letzten Tageskurs, der als Basis zur Liquidierung her noch schwebenden, in'Sparkronen ab-, schlossenen Geschäfte, sowie zur Umrechnung der noch laufenden Wechsel dienen wird, ist bisher, noch' nichts bekannt. Der Kurs wird immer höher Und-höher-angesetzt,.sodaß sogar schön die Kommission, der das 'Bestimmen. des Sparkronensystems obliegt, an das Fmanzwin-isteriuM eine Eingabe richtete, iviocm sie unter Hinweis auf diesen unhaltbar^ Zustands baß trotz der stabilen Züricher .Notierung/ der Spgrkronen'kurs von. Tag zu. Tag steigt, eine andere Grundläge zur 'Berechnung verlangt. Unter den Kaufleuten hat es natürlich eine Panik hervorgerusen, daß sie ihres Schulden mit einem zumindest 33prozentigen Agio zu bezahlen haben. . ' .: Der Uebergang zur Goldwährung dauert fort, sie ist a:M bei. den staatlichen Institutionen schon. ,in Geltung.' Jüngst, wurden die Zollaufgelder um weitere 20 Prozent erhöht, seit. 1. Juni ist -der erhöhte Post-, Telegraphen-, Telephon- und Eisenbahntarif in Kraft, so. daß die Golb- ' Parität fast erreicht ist. Alls der anderen Seite wieder wird' gespart. Ungarn hat seit 24. Mai nicht mehr als. drei Finänzmülister, 'Ha. das Volksernähr,ungsminifterium aufgelöst wird, mußte für den gewesenen Mmister Bud gesorgt werden. So,rst er im- FmanzminDripm neben K.vranyi und'Kallay der Dritte im Bunde geworden. Es Hecht übrigens, Koranyi kehre, sobalddie .Ausländsanleihe, erledigt ist, nach Paris zurück und -überlasse dann Bnd das Finanzrninisterium. Eilt tveiteres Sparsamkeitszeichen ist, daß der gewesene Staatssekretär iin Vvlkser-nährungsnrmisteriunr, ■ -■:u, r i> »!$ ' <5 ,-.cku- ' ■' M-M* •' Somfnetkmder JI4 K.Zunr 'lM ' GM' M . . — - “ - —--a Tmon Pronay, in der gleichen. Eigenschaft ins Minister», raiöpräsidium eingeteilt wurde. Zwecks Perfektionierung der Anleihe bereist der ge» wesene Finauzminister Teleky die Ententehauptstädte. Die Blätter wissen zu berichten, daß die Sache schon in aller Kürze, eventuell noch in diesem Monate zur Abwicklung gelangt. Für den Valutavorschuß von 100 Millionen Schweizer, Franken haben 13 große Geldinstitute, 80 Industrieunternehmen sowie Landwirte, die über 10.000 Joch besitzen, die Garantie ubernonnnen. Im Sinne der Sanierungsvorlagen, hatte die Inflation am 1. April aufzuhören, der Staat nahm deswegen nur zur Bezahlung der restlichen Schulden Kredite in Anspruch. Das Ergebnis der Zwangsanleihe war nur 15 Millionen Dollar. Die Differenzen zwischen beit Banken der Gencralrarsstellen wegen, sind noch immer nicht beigelegt. Der B r it i sch- Üng arischen sowie Ungarisch-Italienischen Bank, die, wie angedroht, aus der Bereinigung der Sparkassen und -Banken austraten,. schloß sich noch die U n g. 'Landeszentralsparkasse an. In einem Punkt sind die Banken einig: Im Abbau. Das Entlassen der Angestellten ist noch immer -nicht beendet, insgesamt ist der Abbau von 3000 Beamten geplant. Aber nicht bloß bei den Banken, sondern im ganzen geschäftlichen Leben dauert das Entlassen der Angestellten fort. Inzwischen hält die Teuerung an, beziehungsweise wächst dieselbe tveiter. Die Lmrdleute wetteifertl im ErhölM der Lebensmittelpreise. Der Magistrat hat jüngst den Preis von Gas um 25 Prozent, außerdem die Rauch fangkehrergebühreu ab 1. Mai um 100 Prozent und überdies die Gebühren für sämtliche Amtshandlungen, wie das Anssertigen von Urkunden aller Art, erheblich erhöht. An. der Zeichnung der Nationalbankaktien hat sich die Stadt Budapest mit 1863 Millionen Kronen teilgenomrnen. Die Mühlenkvnz-entratton bemüht sich, auch die Provinzmühlen in dem Kartell, zu vereiniget!, ' um die Preise ungehindert diktieren zu können. Hinsichtlich der Verkehrssteuer wird jetzt im Finanzministevinm ein frisches System ausgearbeitet; dieselbe soll nämlich von dev Prvduktionsstelle in Pauschale entrichtet werden. Wie es heißt, bleibt auch die Urproduktion von nun ab nicht verschont, natürlich wird sie es sich nicht nehmen lassen, diese Last auf den Zwischenhandel und die Konsumenbenschaft zu übertragen, vielmehr wird sie hievon reichlich Gebrauch 'machen. Dem Vernehmen nach wirddie Getreideberkehrssteuer mit 3, die Mahlsteuer mit st,3 Prozent bestimnit Die erzwungene ManzverWentlichnng der Rotzal Sulch. '- (Evgeudienst der „Wiener Morigenzeltung".) 'Haag, 14. Juni. Der Görsenr-at von Amsterdam hat einen prinzipiellen Kampf mit der R 0 h -a l D u t ch, der größten -und angeschendsten Firma Hollands, ausgesochten, welche bei der EmiMon von neuen Aktien ihre Bilan-z für IstW nicht vorgelegt hatte. Der Dörsrrat verweigerte die Einführüng der -neuen Wtien. worauf die Royal Dutch die Bilanz für.1923 bekanntgab. Diese weist einen Reingewinn von 84 Mllionen Goldmillionen, bei -einem Aktienkapital von 338 Goldmillionen aus, _ Kapitalsvermehrungen. -Aktiengesellschaft für Spezial« bauten mit dem Sitz in Linz. Echohnng von 20 ans 100 Millionen Kronen. Vezugsrecht: auf je eine alte Mtie eine neue Aktie zum Stückpreis von 10.000 K. tel. quel. BezugAfrist vom 14. bis einschließlich 20. d. — Oesterr ei chische Schmi-dtst-ahlwerke A.-G. Erhöhung von 050 aus 750 Millionen Kronen. — Druck- und Verlagsanstalt Melantrich, W-iengesellschcvft. Erhöhung von 60 auf 120 Millionen Kronen. Bezu-gsrecht: auf je eine.alte Aktie eine neue Mie gii-rn Emissionskurs von 8000 K. tel quel. Bezngssrisi bis 10. IM -d. I. — „Gekawe", Gr-oßeittkaufsgeis-ellschaft der- Kaufleute in Wien, Aktiengesellschaft. Erhöhung von 129,250.000 auf 260,000.000 K. — Alpenlän-dische Dr-ahtindustrie Ferd. Jevgitsch' Söhne. -A.-iG. Erhöhung von M aus 500 Millionen Kronen. — Agrarbank A.-G. Graz. Erhöhung von 500 Millionen aus eine Milliarde' Kwnen'. Bezugsrecht: Ms - je Avei alte Aktien eine neue -Mtie zum'Stückpreis von. 2500 K. tel quel. Bezu-gssrist vom 16. bik einschließlich 24. d. . Der gestrige Privatverkehr. Im privaten Wekteuhandei herrschte gestern vollste Ruhe. Man wollte abwarten, welchen Eindruck die .fvanzöisische Präsidentenwahl an den übrigen Märkten'wachen WM. Die wichtigeren Papiere waren zu den vorgestri-gen Schlußkursen begehrt. Eine Tat'stche, aus der gefolgert werden konnte, daß die Tendenz festgebli-eben sei. - Herabsetzung der Arrangementsgebühr für das Mtimo- Mai-Clearing. Die Wiener BöWammer hat mit Kundmachung vom 16. Mai d, I. die Arr-angementg-elbühr stir das pro ultimo Mai durchgesührte Arrangement der Schlüsse in Kabelzahl-ung New-Por-k gegen Zahlung Paris mit 0,6 Pro- ' mrlle von der größeren'Seite der Aufgabe festgesetzt. Da jedoch die Kosten nach den vorliegenden Ausstellungen bereits mit einem Drittel dieses. Betrages gedeckt erscheinen, wird die Gebühr pro ultimo Mar auf ein Sechstel Promille herabgesetzt und'vom Meyer -Girö- ( -unib Kassenverein in diesem verringerten Ausmaß in den nächsten Tagen eingcholben wevden. Als Umrechnungskurs 'wird ein französischer Franken <R00 Kl angenommen.' ' -Bermindnung des österreichischen Notennullaufes. Nach den: - gestern veröffentlichten Ausweis der Nationalbank -über den Stand am 7- Juni 1934 zeigt der Notenumlauf eine Der-

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