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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-15 · Heft 1915 (15.6.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1915 (15.6.1924)
Date
1924-06-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Sette iö Men. Sonntag da die Wiener Jsiaclitcn zu dirscr Zrir noch keine Gemeinde .bilden konnten, noch nicht den Titel eines Predigers oder Rabbiners führen.) Sie schreibt nach einer Schilderung des Wiener Musiklebens: „Einer anderen.Gattung von Musik, die ich in Wien gehört, habe ich noch zu erwähnen, doch wird es mir schwer, dafür einen Ausdruck zu finden. Wollte ich versuchen, die ganze Macht der Gefühle zu schildern, die sie in mir hervorgerufen, so könnten Pie leicht auf den Gedanken kommen, ich sei verzaubert. Und in der Tat, eine so wunderbare, mächtig ergreifende Harmonie tönt aus den Gesängen der Söhne Israels, daß man, um der vorzüglichen Meisterschaft der Ausführung auch nur Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, zu der Sprache des Enthusiasmus seine Zuflucht «ehmen muß. Die Solopartien dieser herrlichen Gesänge werden von einer . Stimme vorgetragen, die der Stimme Brahams in seiner glänzendsten Periode nicht nachsteht. Mit ihr vereinigen sich etwa zwölf Sänger, darunter einige Knaben, zu den großartig erhabenen Chören. Der Schwung dieser Stimmen übertrifft alles, was ich derart jemals vernommen und, von keiner Instrumentalmusik begleitet, bringen sie eine ebenso eigentümliche als entzückende Wirkung hervor. Einige Stellen dieser Gesänge lind so ergreifend, daß wir, dem Eindruck der Töne uns hingebend, die Geschichte des Mischen Volkes vor uns vorüderrauschen zu hören meinen und unwillkürlich muß sich das Auge mit Tränen Men, wenn die Worte: „Israel! Israel! Israel!" mit jenem ergreifenden Ton voll Herzensangst und Verzweiflung ausgepoßen werden, der sich auch dem Hörer unmittelbar mitteilt, wenn die Leiden geschildert werden, die das Volk Gottes in seinem Exile zu erdulden hat." Diese Begeisterung, mit der Mrs. Trollope der Meistergesang Sulzers erfüllte (dessen Namen sie übrigens verschweigt), hindert die Pietistisch erzogene Dame, die 'Tochter eines sehr glaubenseifrigen Bikars, aber nicht, im übrigen ihre weniger judenfveundlichen Gesinnungen ebenso unzweideutig äußern, indem sie fortfährt: „Wenn man sich des Ungehorsams dieser Widerspenstigen (gegen die Heilssthren des Christentums) erinnert, schwindet alle Sympathie. Man errötet beinahe, wenn man von ihren falschen Lippen die Worte Davids aussprechen hört. Diese, prophetischen Worte, die sie in melodischen Tuen erklingen lasten, während ihr verblendetes Herz die glorreiche Verwirklichung dieser Prophezeiung leugnet." Am de» Neaiem. . Burgih-aler Morgen. 7 Uhr. „Hamlet". DimS. tag, 7 Uhr, „Das Ab eit t e u e r in Chin a". Schönbrunner-Schloßtheater: Morgen, Monraa bald 8 Uhr, „Tageszeiten der Liebe". Dienstag, halb 8 Uhr. „Der Widersvenstrgen Zähmun g". Volksoper: Heute ,.M a r g a r e t e" (Faust) Morgen „Der fliegende Holländer". Deutsches V o l k s t h e a t« r. Mittwoch den 18. d.. halb 8 Uhr, gelangt in neuer Einstudierung Franz Adam Geherleins vieräktiges Soldatendrama .Zapfenstreich" zur Aufführung. Raimund-Theater. Heute und morgen spielt Irene Gleich zum letzten Male Ibsens „Nora". Für die kommende Spielzeit wird die Künstlerin in einer klassischen Rolle und in einem neuen, modernen Stück gastieren Dienstag beginnt die Exl-Bühne mit Anzengrubers Bolksstück „Die Kreuzelschreiber". T b e a t e r i n d e r I o s e f-st a d t. Mittwoch den 18 d., 7 Uhr abends, findet die Erstaufführung des Lustspieles „Mr. P i m w i l l n i ch t st ö r e n" von A. A. Milne statt. Wockenspielplan derVolkSoper. Sonntag, ',,8 Uhr abends, „M a r g a r e t e" („F a u st"). Montag „Der fltepcnb e Hollände r". Dienstag „D i e verkaufte Braut". Mittwoch „Cavalleria rustle a n a" — „D « r B a j a z z o". Donnerstag, 7 Uhr. „D i e Hu g e n o t t e n". Freitag „D o n I u a n". Samstag, 6 Uhr, ,P a r s i v a l". Ein Zyklus komischer Opern m der Volksoper. Die Direktion der Volksoper veranstaltet vom 26. d. bis 14. Juli einen volkstümlichen Zyklus klassischer komischer Opern, verbunden mit einem Abonnement zu halben Preisen. Es werden die Opern „Der Waffenschmied" am 23. d.. „Zar und Zimmermann" am 30. d., „Die lustigen W-eiber von Windsor" am 4. Juli, Martha" am 7. Juli. „Der Barbier von Sevilla" am 11. Juli und „F r a D i a v o l o" am 14. Juli in erster Besetzung zur Aufführung gelangen. DOROTHEUM Versteigerungs- Einteilung 'KgV I Täglich Pretiosen; jeden Dl Silber und Chinasilbet; jeden Ml Brillanten- und Perlen schmuck im Franz-Saal. Tigiioh Qabrauohsgegenatände im Ludwigstorff-, fötaler- und Kolonrat-Saal; jeden Di softSna Wä'che, Kleider, Persertepplehe, Nähmaschinen, Fahrräder; jeden Ml Photsapparato,. Operngläser, Trläder Mikroskope,Reisszeuge. SohrelbraaeohlnanimLndwigstorffj Saal. Schöne« Mobiliar, moderne Gemälde, Perserteppiche, Lüster. Klaviere, Pianino, Arbeiten des Kunsfgewerbes. Ml, den 18. und Do, den 2ö. Juni Im Franz-Josef- Auf Ornnd des Art.SII H.8lB. gelangen Do, den 26 Juni zehn 8ohlafifmmer (Riegel-Esche, Rio Palisander, Mahagoni, Eiche, Buche), I Speisezimmer (Eiche), BQoherecbränke, sohrelbtiache. u. dergl. im Franz-Josef-Saalc zum Verkaufe. Jeden Dl im Hoch-Saal, jeden Sa im Deohau-Saal: Kunstgawarbe. Gemälde, Reproduktionen. Antiquitäten. Tepplohe. — Jeden Di u.Fr. NBbel.Luiter. Beleuchtungskörper, Bilder, Hausgeräte ua Olarhof. Fr,den 30. Juni WafTen.Geweihe, 8poramö»1ungen, Reit-u.Satte'- zeuve. Uniformen, Pelze im Ludwiestotff-Saal. Blloiur Im Emincer-Saal; Mi, den 18. und 25., Do. den Sv. Fr, den 20. und 27. und Sa, den 21. — BBoher autter Katalogs ins Deehsu Saal. Mo, den 23. Briefmarken jeden Di u. Fr, den 27., VI. Manahilferstr. 73. Mi, den 25. bis Sa, den A. 364. Kmittauktlon (letzte in dieser Saison): Oelgemälde, Aquarelle, Miniaturen, Mobiliar, Antiquitäten itn Kielmansegg-Saai Teomisoht Auktionen jeden M3: Autos u Bestandteile, Maschinen, Werkzeuge, Azetylengasanlage, Motore, Altmaterial. Vlll. Fel«j. fi. Täglich Schaustellung von 1 Uhr an MW Donnerstag, den 19. (Fronleichnam)geschlossen! ,WW Bei) m der Versteigern nqen (wo nichts anderes bemerkt) us3 Uhr Näheres in den „Mitteilungen“ un<> -,fl^üchrichtetzvlättern". Sfötetter Moraeirzettunü. 15. Juni 1924 8h. 1915 Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Kredit- und Wien. I. Seitzergane 4 'ÄS" Warengeschäfte Alle Arten von Bankgeschäften I. 4 "hSTSSS" W*m8eschifU Telephone: 60-4-82. 60-4-93, 63-4-85, 64-4-42. 68-4-78. 69 4-82 io<65 Telegrammadresse : Frapob««ilc Kunst- und Volksabstimmung. Im Kunstverein der Stadt H r a n k s u r t a. M. findet zurzeit eine A b st i mm u n g des Publikums über die dortige Ausstellung Frankfurter Künstler statt. Jeder Besucher ist berechtigt, auf einem Stimmzettel, die fünf-Werke zu bezeichnen. die er für die besten der Ausstellung hält. Die fünf Arbeiten der Malerei, Plastik und Graphik, welche, die meisten Stimmen auf sich-vereinigen, werden mit Geldpreisen bedacht. —. Bekanntlich hat die Vereinigung ' bildender Künstler in Wien (Künstlerhaus) bezüglich der gegenwärtigen Ausstellung auch eine Art Volks-' abstimmung inszeniert; allerdings, wird der Kampf um.die Sympathie der Majorität sehr einfach sein in einer Stadt, in der anerkanntkr Weise das'Geschmacksniveaurnd das Verständnis für b'ldende Kunst unter i»ein Durchschnitt steht. Jennh Gelbstem und Max Gebe! in Wien. Wie wir erfahren. werden in den nächsten Tagen Max Gebet, der bekannte Schauspieler und Dramatiker der jüdischen Bühne in New» Aork, und Jenny Goldstein, die zu den gefeiertsten Darstellerinnen des Nvw-Aorker jüdischen Theaters zählt, in Wien eintreffen, um hier ein kurzes Gastspiel zu absolvieren. Die hebräische Dichterin Elischewa in Rot. Die bekannte hebräische Dichterin und Schriftstellerin Elischewa ist, wie I. T. A. meldet, infolge von Not und Entbehrungen an einem Lungenleiden erkrankt. Freunde der Dichterin fordern die jüdischen Verleger und Redakteure im Auslande, die die Poeme der Dichterin mit Vorliebe drucken, auf, pünktlich das Honorar nach Moskau einzusenden, um Elischewa aus ihrer Notlage zu erretten. - . Maurice Sterne. Bei Würchle in der Weihburggasse sind Zeichnungen des Amerikaners Maurice Sterne zu sehen, der keiner Schlagwortrichtung angchört. Nach wohlverstandener akademischer Schulung hat Sterne sich durch selbsttätiges Sehen entwickelt: zart in der Linie, sicher in der Austastung, sparsam in Kon'-asten, bringt er reizvolle Studien: Akte und japanische Motive, die durch zart angedeute^e Koloristik viel gewinnen. Das primär« Erlebnis bleibt unverdorben. Maurice Stern-e hat internationale Färbung. In der Geschichte der neuzeitlichen Graphik wird er einen wertvollen Platz emnchmen. Römische Futuristen. Aus M o n z a, wo eine Ausstellung futuristischer Frauenbildnisse eröffnet wurde, wird ein merkwürdiges Phänomen gemeldet: In einem Sondersaal des Futuristen Prampolini entstehen vor den bizarren Werken des Künstlers tagtäglich solche Meinungsverschiedenheiten, daß die Besucher sich andauernd prügeln und durch Schläge zu bekehren versuchen-' So ist die Ausstellung weiblicher Reize zu einer Ausstellung männlicher Muskeln geworden. Kleine Kunstnachrichten. Die Galerie Cometer in Hamburg bereitet eine Ausstellung des Prager Künstlers Hugo Steiner vor. Sie wird Graphik, Aquarell«, Zeichnungen und Buchkunst umfassen. '-— Auf der St arm -Ausstellung in Berlin sind Werke der ungarischen Expressionisten Aurel Bernath und Benjamin F e r e n c z y (Plastiken) sowie Aquarelle des deutschen Exprestionisten Adolf Bauer-Saar ausgestellt. Burggartenkonzerte. Programm von heute bis Samstag den 21. d. Heute Gastspiel der Kammeroper: „Die Entführung aus dem Serail". Montag: Tanzabend Ensemble Gertrud Bodenwieser. Dienstag: Symphoniekonzert. Dirigent Martin Spörr. Mitwirkewd: Lauste Helle tsqruber (Staatsoper). Adolf Busch, Solocellist des Wiener Symphonie-Orchesters. Mittwoch: Koirzert des Wiener Symphonie-Orchesters. Dirigent Martin Spörr. Gastspiel Ensemble Leopoldi-Wiesenthal. Donnerstag: Ballett-, Märchen- und Volksliederabend. Das Wiener Symphonie-Orchester. Dirigent Martin Spörr. Mitwirkend: Ensemble Marianne Mendl. Lotte und Margarete Plonner. Freitag: Symphonie-Konzert des Wiener Symphonie-Orchesters. Dirigent Martin Spörr. Mitwirkend: Hugo Gottesmann (Violine), Hermann Busch (Cello), Otto Schulhof (Klavier). Samstag: Konzert des Wiener Symphonie-Orchesters. Dirigent Martin Spörr. Gastspiel Ensemble Leopoldi-Wiesenthal. - Serichtsfaal. Nur erschlichene 3citungsMM-ns. Das Handelsgericht Wien verhandelte kürzlich Wer eine Klage des Privacheamten Markus S i lb er sch a tz gegen drei sozialdemokratische Funktionäre, den Postuntevbeamten Ferdinand R de fl er, Vorstandsmitglied der PostgowevSschaft, die. GewerlkschaftZbeamtin und soziabdcmokratisch» Gcmeinderatskandidatin Amalie R refler und den Nordbahnhislfsvediensteten Franz Hufuagl, auf Rechnungslegung und Zahlung von 60 Millionen. In der Klage heißt es, Srkbevschatz habe im Oktober 1028 eine Zeitschrift unter dein Titel ,Ketzer Georg im Kampf mit dem Drachen" gegründet, die mit den Geklagten als solidarische Arbeitsgemeinschaft unter gleicher Gewinnbeteiligung herausgegüben werden sollte. Kläger sei jedoch durch die Geklagten, die sich fälschlich aus einen Beschluß der sozialdemokratischen Parteileitung beriefen, aus 'dem Gesellischastsvcvhä'ltnis herausgedrängt worden, die späteren Nuuvmeru seien unter Mitwirkung des sotzialdomokratiischLn Stadtschuilvatsmitgliedes Franz Jenschik erschienen, und schließlich sei von den drei Geklagten und Jenschik statt des Ätzers" das sozialdemokratische Organ ^Die Leuch trakete" hevausgegöben worden. Da die „Leuchtrakete" nichts anderes sei als der Hetzer" unter anderem Namen, sei das Begehreu auf Rechnungslegung und Zahlung des Schadensbetrages gerechtfertigt. Die Geklagten bestritten die Identität >der „Äeuchtrakete" mit dem „Ketzer", aber der Kläger legte Drie-sschaft«n mit den Unterschriften der Goklagten vor. Der Laienrichter des Senates legte daraufhin den Geklagten einen Ausgleich nahe mit dem Bemerken, daß öffemlich tätige Personen i n jeder Beziehung rein dastehen müssen. Es kam schließlich ein Ausgleich dahin zustande, daß die Geklagten sich zur Zahlung von 1.9,6 Millionen an den Kläger verpflichteten. Bolksivirt. i tlubegrändeter Pesümismus. Bon Dr. Michael Suffan. Die deutsche Mrtschaftskrise umfangreicher als die Bftef» reichische. — Die Dividendenlosigkeit der deutschen Banken. — Die österreichische egozentrische Wirtschaftsauffassung. Die Wendung zum Befferen. - Während in -der österreichischen Preffe die Folgen der Krise immer mehr den Gespvächsi'toff bilden,, während die Zusammenbrüche des einen oder anderen faulen Bankunternehmens die Angst verschärfen und den Eindruck erwecken, daß tatsächlich die österreichische Wirtschaft in ihren Fundamenten erschüttert ist, während von einer Reihe österreichischer Finanzfaktoren betont wird, daß die österreichische Krise ihren Höhepunkt erreicht habe und sie der Ansicht sind, daß tatsächlich das Aergfte durchgemacht wird, was je eine in der Krise befindliche Wirtschaft durchwachen könnte, gestalten sich die Verhältniffe im Deutschen Reich viel verhängnisvoller. Eine Bank kracht dort nach -der anderen. Jnsolvenzgeoüchte durchschwirven die Luft. Kaufmännische Unternehmungen fallen wie die Blatter von den Bäumen. Jndustrieunternehmungen -stellen ihren Betrieb wegen Geldmangels vollto-mmen ein. Die mannitzfachslen Gerüchte umschwirren den Börsensaal.und die Kurse haben in den letzten fünf Wochen einen solchen Tiefstand erreicht, daß sich die Berliner Großbanken dazu entschlossen haben, ähnlich wie es in Wien der Fall ist, eine Stützungsaktion einzuleiten, um die Börse vor Kursexaltationen zu bewahren, die ihr unibedingt drohen, wenn nicht dieser Maffenpsychose der Panik und Furcht aller irgendwelche Grenzen gesetzt werden. Man hat sich eingebildet, daß in Oesterreich «sich idas Schlimmste ereigne. Die Berichterstatter der englische» und amerikanischen Blätter wissen Märchen von den Zusammenbrüchen in Oesterreich zu erzählen und doch zahlen die Banken entsprechende Dividenden aus. Ja, die einzelnen Unternehmungen haben sich zu einer Verzinsung in Form der Dividende auf Grund der vorjährigen Bilanzen entschloffen, die zweifellos dem Rentabilitätsprinzip in jeder Hinsicht gerecht wird. Vor dem Kriege zur Zeit der normalen Wirtschaft hat der Rentabilitätsgrad nie mehr als fünf Prozent erreicht und die Dividenden, welche von den einzelnen Banken und Jndilftriegesellschaften bezahlt werden, entsprechen in vieler Hinsicht sogar mehr als dieser denc Friedensstandard entsprechende Rentabilität/ Hingegen hat in Deutschland kein« Bank bis heute Dividenden gezahlt. Selbst die größten Banken, die einen internationalen Ruf haben, die bei weitem größer an Umfang und Geschäftsausdehnuug sind als die österreichischen, die bekannten fünf D-Banken, wie die Darmstädter, die Deutsche Bank, und alle die anderen, gaben in ihren Bilanzen zu, daß es ihnen unmöglich sei.- Dividenden zur Auszahlung zu bringen. Jeder Bankbericht tveiß von einem Substanzschwund von dielen Goldmillionen zu berichten. Man liest zwischen den Zeilen die Angst der größten deutschen Banken um ihre weitere Existenz und um die Gestaltung de's Geschäftsganges in der Zukunft. Vovsichtig und zögernd versuchen sie es, sich im deutschen Wirtschaftsleben zu ^betätigen. Es fehlt sine kraftvolle Energie, die einmal dem deutschen Bankwesen eigen war und die es zu dem interessantesten und machtvollsten Wirtschaftsgebilde in der gesamten Weltwirtschaft gemacht hat. Solche Anzeichen sind unbedingt recht ^betrübend für die deutsche Wirtschaft und wenn man mit ihnen die Verhältnisse in Oesterreich vergleicht, fo muß mau unbedingt zum Schluffe kommen, daß Oesterreich noch lange nicht das Schlimmste durchmacht, und daß di« Befürchtungen viel ärger find als die Tatsachen. Früher, vielleicht vor drei Wochen, konnte -man bet der Beurteilung der deutschen Verhältnisse den französischen Ausspruch „toute's comme chez nous" als Parallele zwi'chm iden deutschen und österreichischen Berhältnissen gebrauchen. Heute wäre ein solcher Vergleich nicht mehr angebracht. Denn die Verhältnisse in Oesterreich haben sich tat-sächüch um vieles gebessert. Hier avbeitet wenigstens.noch die Industrie trotz der großen Betriebseinschränkungen. Die Zahl - der Arbeitslosen hat in Oesterreich nach den letzten statistischen Ausweisen dennoch äbgenommen. und die A-bsahverhältniffe lassen auf eine gewisse, wenn auch nur geschmälerte Verkaufsmöglichkeit schließen. In Deutschland hingegen ruht si-de Industrie und cs fehlt vollkommen jedes Betriebskapital. Die Bankschalter sind für die Jnduistriekredite ganz geschloffen, wenn sich auch für die deutsche Industrie günstigere Absatzgelegenheiten bieten würden. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß ein« Unmasse -deutscher wirtschaftlicher Unternehmungen zusammenbricht. Die Zahl eines Drittels Tausend Jnfolvenzen in einem einzigen Monat spricht sehr deutlich. Es ist überflüssig, -nach den Ursachen der deutschen Krise, die doch nur hier zum Vergleiche herangezogen wurde, zu forschen. ZweWös Dt die Dr. Eisenbart-Kurdes NeichSLankPräsidenten Dr. Schacht, der die Währuugs-

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