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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-13 · Heft 1913 (13.6.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1913 (13.6.1924)
Date
1924-06-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Skr. 1913 1 . ■ Men, Freitag »- * Die Gtrettgefahr im Schankgewevbe besettW. Nach, vuchrstündigen UnterhandlunMn Mischen den Vertretern der Genossenschaft und derGehilfenorganisation kam Kviischen dem Beisitzer foeic Gastwirtschaft Kaiserhos und seinem Personale eine Einigung zustande. Herr Rieder wird den Betrieb des seit -mehr als fünf Wochen gesperrten Restaurant iKaisevhof Montag den 16. d. aufnehmen. * Rabbiner Mas« gibt seine Memoiren heraus. Der bekannte-Moskauer Oberrabbiner Mase, der bekanntlich erblindet ist, hat seine Meinoiren zum Druck vorbereitet. Die Memoiren Rabbiner Mases spiegeln ein großes Kapitel Ge- ' schichte des Judentums in Rußland wider. Rabbiner Mase berichtet in fernen Memoiren über feine persönlichen Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten und angesehenen Staatsmännern. Die Memorren hat er diktiert. Sie werden in hebräischer und russischer Sprache erscheinen. (I. T. A.) * Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nationalfonds). Der Kartenverkauf für die Mittwoch den 18. d. stattfindende Volksversammlung, 'bei der M. M. Ussischkin, der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Kajemeth -l'Jsrael, über die ^Erlösung des Bodens Erez.Israels" sprechen wird, hat bereits begonnen. Eintrittskarten erhältlich in allen KartenbureauS; im Bureau des Keren Kaijemeth l'Jsrael, 2. Bez., Anckusgasse 33; des Zionistischen Landeskomuees, 2. Bez., Tabvrftraße 20 a; des Keren Hcujeffod, 1. Bez., Bauernmarkt 24, und an der Konzerthauskasse. * De« Kamps gegen den Alkohol. Washington, 7. Juni. Der Vertrag -über die Unterdrückung des Alkoholschinnggels an der kanadischen Grenze ist vom Staatssekretär Hughes und vom kanadischen Minister Ernest Da Pointe unterzeichnet worden. ._ Kleine Wonil. . * Der Man» mit den 28 Frauen. New-Aork hat gerade Besuch von einem der reichsten chinesischen Bankiers gehabt. Der gelbe Krösus namens Ho Kam To na, rühmte sich einem Surnalisten gegenüber, nicht weniger als 29 Frauen fein rn zu nennen. Das ist offenbar für einen chinesischen Multilionär sein Kunststück, wohl aber wird es allgemeine Bewunderung finden, daß der Lhinamann, wie er behauptet, mit allen seinen Frauen in Frieden und Freundschaft lebt. Er erklärte, dah sem System viel praktischer und billiger sei als das der AmerÄaner. Die reichen Amerikaner ließen sich ausnahmslos scheiden, um neue Frauen zu heiraten. Dann müßent sie für ihre geschiedenen Ehehälften ungeheure Beträge' zahlen, während seine Frauen, die jede für sich in ihrer eigenen Wohnung lebten, gr bescheidene Forderungen stellten aus Angst, daß ihr er und Gebieter sich sonst von ihnen scheiden lassen konnte, r Chinese, erklärte, er sei durchaus nicht abgeneigt, seine Franeivkollektion zu erweitern, obwohl er immerhin schon 85 Jahre alt sei. Aber die Liebe seiner 29 besseren Hälften habe fhn jung und lebenslustig erhalten. * Eine »schwimmende Universität. Des Amerikaners gleich starke Passion für Erziehung und Reisen findet ihre Erfüllung nunmehr in Gestalt einer schwimmenden Universität, die ein Ltzeandampfer, die -fvühere ,Mrinzchsin Alice" des Norddeutschen Lloyd. beherbergen soll. Nach Instandsetzung wird das Schiff ' im September von New-Aork mit einem regulären und vollständigen College und 460 Studierenden an Bord abdampfen und über Japan, China, Indien, die Türkei, Griechenland, tztalich^.Wier..ny>P DtzniS, .Spanien, Deutschland, Holland, dre skMdinavifchenMndchl!. Frankreich und England eine.Fahrt' um die Welt unternehmen. Die Förderer dieses Planes erhoffen von seiner Durchführung äußer dem unmittelbar praktischen Anschauungsunterricht für die Teilnehmer eine Forderung des Verständnisses der Völker untereinander. Erweist sich der erste Kursus der Seeuniverlsität als ein Erfolg, so soll in jedem Schuljahr eine solche Weltumsegelungsuniversität 'losgelassen werden. * Der Heimweg. Man erzählt der „Voffischen Zeitung": Lafontaine war zu einer sehr langweiligen Gesellschaft geladen, in der man ihn bat, eine seiner Erzählungen zum besten zu geben. Er ließ sich jedoch hierzu nicht bewegen und sprach auch sonst kaum ein Wort. Schon nach kurzer Zeit erklärte er, nun müsse er aber fortgehen. „Wohin?" — „Zur Akademie." — ,Mer - da haben Sie noch eine halbe Stunde Zeit, Sie gehen ja nur eine Viertelstunde!" — „Ich wünsche aber den längsten Weg zu gchen", antwortete Lafontaine. (Nachfolgende Notizen vis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinstitnt Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. * Die Sommerfrische kostet Millionen sowie viel Zeit und Mühe. Ohne viel Scherereien und Unbequemlichkeiten -erholen Sie sich bei eme-m Aufenthalt im Schweizerhaus (Prater). Die beste Wiener Gesellschaft unterhält sich da im Freien bei vorzüglicher warmer und kalter Küche. Erstklassige Getränke. Täglich Konzert des berühmten Deutschmeifter-Orchesters Wacvk. Abwechselnd dirigiert vom alten und jungen Wacek. Ab 10 Uhr abends die berühmte Kapelle Olah Jeno.' Vereine, Vortröge und Versammlungen. Akademischer'Verein Hechawer. Heute Am 8 Uhr abends im Lokal der Lese- und Redehalle, 9. Bez., Türkenstraße 9, allgemeine Versammlung r 1. Presseüberstcht. Koll. Akzin. 2. Eventuelles. Gäste willkommen! — Zionistische Mittelschülervereinigung. Samstag den 14. d., präzise 5 Uhr nachmittags, Vortrag, 2. Bez., Taborstraße 20». Urania. Heute, 6 Uhr (Großer Saal): Im Lande der Renntiere. V,8 Uhr (Großer Saal): Rieseneishöhlen im Dachstein. Vs8 Uhr (Kleiner Saal): Dr. Erik V e i d l: Spanische Reise. l/»8 Uhr (Kurssaal): Universitätsprofessor Dr. L. Kober: Geologische Heimatkunde von Wien und Umgebung. IV. lJaB Uhr (Klulsaal): Dr. Heinrich K e l l e r r Der Charakter des nervösen Kindes und die Bedeutung für die Erziehung. */,8 Uhr (Mikrofkopiersaal): Hochschulprofessor Otto Porsch: Heimisches BlÜtenleben. V. Technisches Museum. Morgen, 3 Uhr nachmittags, Führungsvortrag Boroevicr „Das Aluminium"; Sonntag, 10 Uhr vormittags Lichtbildervortrag Niernberger: „Die Filmaufnahme". Talmud-Thoraschule im 18. Bezirk. Die heurig Schtußprüfung und Zeugnisverteiluug fand am 11. in Gegenwart Sr. Ehrtvürden Rabbiner Feuchtwang und des Herrn Schulinspektors WieSner statt und in allen drei Kursen haben sich die besten Lehrerfolge gezeigt. Sämtliche Knaben und Mädchen wurden mit Büchern beschenkt. Herr Inspektor WieSner beglückwünschte die anwesenden Vereinsvorstände zu den überaus günsttgeu Prüfungseraebntssen, worauf Herr Dr. Feuchtwang,. welcher. als Ehrenpräsident des Vereins zur Erhaltung einer Talmud-Thoraschule im 18. Bezirk di? Oberleitung der Schule innehat, in anerkennenden Worten der Bereinsleitung und insbesondere der »aft für ihre Tätigkeit herzlichst dankte. Das nächste r beginnt am 24. September d. I.. Wiener Morsenz'ettMK. Mitteilungen aus dem Publikum. >" — ■ "l-ll——I .1 I. | ,1 .—^ Parfü merie „LORR/IIN* Savonnerie Führende Märken: Eau de Cologne Russe Eau de Cologne Chypre CrSme Lorignon Creme Lorignon- Chypre Lorrain-Toiletteseife, Badeseife, Speikseife Alleinerzenger der C/(Q 4171/1^ Rasierseifen in Stangen bestbekannten ijOflDrllMn und Würfeln Wien, XX. Taborstrasse Nr. 93 -----■■■■■.■■■ Telephon*Nr. 42-1-65 ■ . Telephon 61.198 Telephon 61.198 Bernhard Schimmermann Herrenmode-Salon WIEN, I. 10704 Oraben 29, Trattnerhof 2, Mezzanin 72-74 Bühne und Kunst. Metropottheater. „Die Teuselskäthe" von Anton Dvorak. Auch hier schöpft die tschechische Oper aus dem reichen Quell 'der böhmischen Volksmärchen. Käthe, eine komische Alte von «dem Stamm der Martha Schwertleins, möchte auf der Kirchweih um jeden Preis tanzen, und wäre -es auch mit dem Teufel. Er ist flugs zur Stelle und tanzt mit ihr in die Hölle, -wo es bei Kartenspiel und Tanz ebenso gemütlich zugeht wie bei Orpheus in 'der Unterwelt. Doch bald ist der Teufel froh, .die Käthe wieder los zu werden, die in die Oberwelt zurückkehrt und auf Grund ihrer teuflischen Beziehungen Gutes stiftet und zu -Ansätzen und Wohlstand gelangt. — Ebenso naiv wie diese Geschichte ist die Musik, die Dvorak dazu geschrieben hat. Eine Fülle reizvoller Tänze und -Volksmelodien ergießt sich über den Hörer, sie alle tragen die Kennzeichen einer jungen, frischen Nationalmnsik, die' noch nicht von höherer Opernkultur beleckt ist. So reich die Musik an Humor — namentlich im Orchesterkolorit — und an Romantik ist, so arm ist sie an dramatischer Konzentration. Operntechnisch dürftiger als die jüngere „Rusalka" ist sie überreich an schönen Chören, an ursprünglichen Polkarhythmen, an breit ausgesponnener Melodik. Gleichwohl dürfte diese an alle möglichen romantischen Vorbilder— von Weber und Marsch- Ner bis' zu Smctana — gemahnende Volksoper wegen ihrer großen Primitivität außerhalb ihres Heimatlandes kaum der rechten Teilnahme begegnen." Iran Micek als Käthe, auch darstellerisch recht flott, und Frau Mo de st in gefielen ebenso wie Herr Jiranek mit feinrm schmucken Tenor. Der Löwenanteil an dem Erfolge gebührte wiederum Herrn Munchingr als Teufel, dessen prachtvolle Baritonstimme im Ensemble besonders auffällt. Ein Wort des Lobes für das von B u d i k geführte Orchester und für die frischen, lebendigen Chöre. ft*. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „D a 8 A b e n t r u e r i n C h i n a". Akademietheater. Morgen, 9 Nhr abends, „Jolandasletztes Abenteuer". . Da8 Schönbrunner Schloßtheater wird Samstag mit der Neueinstudierung und Neuinszenierung von «Der W i d e r s p e n st i a.e n Z ä h m u n g", Komödie von Shakespeare, eröffnet. Die Regie führt Albert Heine. Bühnenbilder von Alfred Roller. Diese Vorstellung findet zu erhöbten Preisen statt und beginnt um i/,8 Uhr. Anläßlich der Wiedereröffnung des S ch ö nbrunuer Schloßtheaters erscheint im Amalthea- Verlag ein von der Direktion des Burgtheaters herausgegebenes kleines Werk „Das Schönbrunner S.ch l o ß t h e at e r", das. in allen Buchhandlungen und bei den Billeteuren des Burgtheaters und des Schönbrunner Schloßtheaters erhältlich ist. Volksoper. Heute „G ö t t e r d ä m m e r u n g". Morgen „M adame Butterfly". Sonntag „M a r g a- Deutsches Volkstheater. Morgen B a h r 8 „Wienerinnen". Im- Raimund-Theater spielt Irene T r i e s ch bis Montag Ibsens „N o r a". Dienstag beginnt die Ex l- Bühne mit Anzengrubers „Kreuzelschreiber" ihr Gastspiel. Theater in der Josef st ad t. Heute und morgen „Der Kaufmann von Venedig". Mittwoch, 7 Uhr, Erstaufführung des Lustspieles „M r. P i m will nicht stören" von A. A. M i l n e, deutsch von Helene Richter. An der Renaissancebübne gastiert ab Samstag, 28. d., das Original-Oberbayrische Bauerntheater Die BerchteSgadner unter der Führung' des Direktors Martin Beer. Berneutts „Karussell" wurde wieder mit Maria Orska in der Hauptrolle in den Spielplan der Kammerfpiele ausgenommen. Anton Pointner, fast in allen Lagen ein männlicher Liebhaber, und Oskar Karlweiß, selbst ans der Höhe der Situation von jünglingshafter Schüchternheit, waren ihre ausgezeichneten Partner. Aus der Musikwelt. Erwin Schulhofs hat eine Partita für Klavier vollendet. Ein Zyklus luftiger Klavierstücke für kleine und große Kinder, der den Titel „Ostinato" führt, behandelt mit viel Witz „Sechs familiäre Angelegenheiten". Felix P e t y r e k hat in letzter Zeit neun kleine Klavierstücke, „Tänze für Einzelinstrumente", ferner „Choral, Variationen und Sonatine" für Klavier komponiert. Hermann Wolfs- Ferrari arbeitet an einer Vertonung von Giovacchino F o r-!anos Komödie „Sly", die als Schauspiel ans der italienichen Bühne einen großen Erfolg erzielt hat. Von dem chweizerischen Komponisten Hermann S n t e r hat der Basler Gesangverein ein Chorwerk „Le Landl" („Soimcngescnig") zur Uraufführung gebracht. - 13. Juni 1924 feite T Serichtssaal. Ser krbschaftsvrorrb Lmfflg. Um 50 Milliarden. Gestern hat vor dem Handelsgericht die Verhandlung H Erbschaftsprozesse gegen den Milliardär Wilhelm T a u s s ij begonnen, der seit Jahren mit der Witwe und den Kindern feinet Bruders und Kompagnons, des ehemaligen kaiserlichen Rater Josef Taussig, prozessiert, die ihn beschuldigen, sie aul dem väterlichen Unternehmen verdrängt, bei der Verteilung der Erbschaft in rücksichtsloser Weise übervorteilt und ihre Not läge ausgenützt zu haben. Nach dem Tode des Josef Taussig wurde bei der Schätzung der Erbschaft der Buchwert anstatt dej Substanzwertes als Grundlage für die Verteilung angenommen o daß nach dem im Jahre 1916 ans 18 Millionen GoldkroneV estgestevten Bilanzwerte -den Erben sechs Millionen K^oner ansgezahl-t werden sollten. Wilhelm Taussig hat aber selbsi diesen'nicht ausgezahlt, sondern mit dem Gel de der Erben ipekuliert, und sie schließlich zu einem ungünstigen Abkommen überredet. Die Erben verlangen nun die Ungültigkeitserklärung dieses Abkommens und fordern die Auszahlung ihres Erbschaftsanteiles valorisiert in der Höhe von 5 0 Milliarden Kronen. Der Beklagte stützt sich darauf, daß er die Kläger mit. 60 M illion en Kron e n auf Gnmd des Vergleichs abgefunden habe. Wir werden über den Verlauf des Prozesses berichten. Der Raubanfall in der Wechselstube. Beide Angeklagte freigesprochen. Gestern waren die Italiener Carlo Battig und Lüigi Peritz wegen Raubes ang-ellagt. Am 27. Februar überfielen sie den Bankier Neubrunn, der allein im Geschäft war. Peritz richtete an Neubrunn die Frage, wieviel österreichische Kronen für siebzehn Dollar zu echalten wären. Während» Neubrunn sich nioderbeugte, um den Kurs auszurechnen, packt« Battig ihn mit.beiden Hänlden um den Hals und preßt« ihm die Kchle zu. Neubrunn versetzte dem Angreifer einen. Schlag und ftüchtete, wobei ihm Battig ein Feuerzeug nach- warf. Die Angeklagten evllärten, sie hätten die Tat ans Verzweiflung 'begangen, da sie nicht einmal Geld aus Brot hatten. Beim italienischen G e n e r a l k o n s ulat, an das sie sich um Hilse wendeten, seien sie ab gewiesen worden, weil sie sich nicht als Faszisten ausweisen konnten. Die Geschwornen trugen dieser Verantwortung > Rechnung und sprachen die Angeklagten vom Raub mit^ fünf gegen sieiben Stimmen frei. Auch die Frage auf össentliche Gewalttätigkeit bei Battig und' riäf Erpressung' bei' Peritz'-' .• wurde verneint, so daß beide sreigesprochen wurden. Bloß wegen Uebertretung des Wafsenpatents wurde Battig zu drei Tagen Arrest verurteilt, die Strafe wurde jedoch als durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Die beiden werden als lästige Ausländer abgeschoben werden. Drei Bankers wegen Krida angeflagi. In. dem Prozeß gegen die Bankiers Josef Oswald» Alfred Pick und Moritz Benesi wurde gestern das Urteil göfällt. Der Gerichtshof erkannte sämtliche Angeklagte des Vergehens der fahrlässiigen Krida, begangen durch verspätete Anmeldung des Ausgleichsverfahrens, s chn l d i g, Josef Oswald überdies des Verbrechens der betrügerischen Krida durch Vecheümlichung und Beiseiteschaffüng von Wertpapieren. Vom Vergehen der Krvda, begangen durch fahrlässige Herbeiführung der Zahlungsunfähigkeit in den Fällen der Jergitsch-Transa-ktion und der. Durchführung von Börsen- - gsschäften nach eingetretener Insolvenz, wurden alle drei Angeklagten sreigesprochen. Das Urteil lautete gegen Josef Os- . Wald auf sechs Monate einfachen Kerkers, gegen Moritz''' B e n es i und Alfred P i ck auf j e s e ch s W och en strengen Arrestts. Bei den zwei letzteren wurde die Strafe als' durcki die Untersuchuugshaft verbüßt erklärt. Scha-rnersatzvroreß aus Grund des Friede«» Vertrages. In einer prinzipiellen Frage über die Anwendbarkeit bet Bestimmungen -des Frü'deusvertrages, die auch außerhalb Ungarns grundsätzliche Bedeutung haben kann, hatte, wie uns aus Budapest berichtet wird, dieser Tage ein dortiges Gericht eine Entscheidung gefällt. Der Klage lag folgender Tatbcstand zugrunde: Einen Monat vor Zusammenbruch der Monarchie bestellte die bekannte Agramer P e n k a l a - F i r m a bei der - Budapcster ungarischen landwirtschaftlichen Maschinenfabrvk verschiedene Maschinen im Gesamtwerte von mehreren hundert . . Millionen Kronen. Die liefernde Firma gab auch rechtzeitig die bestellte Wäre auf der Südbahn auf, die Maschinen kamen jedoch an ihrem Bestimmungsort nicht an. Inzwischen wurde Kroatien von Ungarn losgetrennt, und in jener auch rechtlich - unsicheren Situation hatte die geschädigte Firma leine Möglichkeit, den Schadenersatzanspruch anzustrengen. Nach 'den . ungarischen Gesetzen kann die Geltendmachung solcher Forderungen nur innerhalb eines Jahres nach der behaupteten Schädigung vorgenommeu werden. Paragraph 345 des ungarischen Friedensvertrages bestimmt jedoch, daß die Angehörigen - der ehemals feindlichen Staaten ihre Rechtsansprüche gegen ungarische Staatsbürger oder juristische Personen bis zum sechsten Monat nach der Ratifizierung des Friedeusvertrages geltend machen können. Cs ist ihnen somit durch den Friedens« vertrug die Möglichkeit gegeben, ihre Rechtsansprüche in «Nen Streitfällen^ die seit Beginn des Krieges entstanden

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