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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-12 · Heft 1912 (12.6.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1912 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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-r.-rr l&ft-.E gMeit, SWBWtffag _ EStener MiwsenzeUnng. IS. gdmi 19W Nt. 1US BERKEL-wagE! ■■ ■ ■ mÄl ■■ 1 Million Int Kebrancki 1 MUlion I« Gebrauch Sie ist ErlSfuna und Wohltat für Verläufer und Kons»««!»». Sie beschleunigt, kontrolliert, »pench und kostet nach S Wochen Gebrauch nicht»! Jedem Wiener Geschäftsmann wird auf 3 Tage unverbindlich nnd gratis über Verlange» eine Wage znr Probe zur Verfügung gestellt BEBKEL-Vertrleb, Wien, I. Blberatr. 9 Mailand. Von Egon Dielrichstein. Uebrr den >,Hamlet" sagte Börne, es wäre das einzige Drama Shakespeares mit nördlichem Himmel und nördlichem Klima. Mailand ist so ziemlich die einzige nördliche Stadt Italiens. Debhalb enttäuscht sie den Reisenden, der italienische Romantik sucht, aber sie bietet das moderne und modernste -Jalien: Handel, Nachtleben, pariserische Eleganz, Weltstadt, Verkehr, mitteleuropäische-Entwicklung. - Mailand ist durchaus untergrundbahnreif. Dian -kommt aus dem Süden, vom Meer, aus Palmenheiuen, Galerien und Palästen, aus dem überseeisch bunten Hasenlabyrinth Genuas, aus dem Mittelalter und Altertum, aus den letzten Kuriositäten vergangener Jahrhunderte, aus Verona, Pisa, Bologna. Und findet schon bei der Ankunft in Mailand alles, was aus dem Begriff der Großstadt augelegt wurde. Wo sind sie, die Loggien, die Wäschefahnen an-den 'verschimmelten Hausern, die Krümmungen der engen Gäßchen, wo ist jenes Italien, von dem wir schwärmen, träumen? Wo ist es? Gewiß, es ist auch in Mailand. Irgendwo. Aber, was uns blendet, fesselt, verwirrt, bezaubert, das ist die Straße der italienischen Weltstadt. Diese kokette, scharmante, amüsante, leichtlebige Straße, worauf der Millionenverkehr dabinschwebt, die Straße im italienischen Paris.' Und von dieser Mailänder Straße will ich reden. Urü> vor allem vom Motor, der sie treibt, vom Handel. Er ist die Kraft, die Mailand zum Zentrum des italienischen Geschäfts- und Börsenverkehres emporgehoben hat. Der-Handel Mailands, der sich in den Auslagen spiegelt, sich mit den großen Bankgeschäften Denkmäler gesetzt hat, ist feit dem Krieg in stark aufstrebender Entwicklung. Ein deutliches Bild davon gibt die Mailänder Messe, die erst'nach dem Kriege im Jahre 1920 zum ersten Male eröffnet wurde. In diesem Jahre wurden Waren im Werte post 400, im nächsten von 600 und auf der dritten, vorletzten Messe von 760 Millionen Lire verkauft. Keine Äirengattung, die nicht in den Verkehr einbezogen wurde. Von der Mailänder Standardindustrie, den Waggons, Lokomotiven, Autos, bis zu den luxuriösen Kleinigkeiten, hiSsZUden Kaninchen und Billardkugeln. In den Barockhavillons. Goldarbeiten, Glasfabrikate, die berühmten Keramiken aus Faenza, Spiel- und Toiletteartikeln, chemische Produkte. Neben der Maschinenhalle der landwirtschaftliche Pavillon: hochrassige Pferde, Maulesel, Pinzgauer, Schafe. Und. nun wäre die Mailänder Messe keine italienische Messe, - wenn sie nicht hervorragend festlich eröffnet und überhaupt aufgemacht würde. Im Sportpalast gab es Kreisspiele und Tennisturniere, selbstverständlich Diners, pahezu ohne Pause, ein reichhaltiger Auslandsbesuch mit dunkelbraunen und schwarzen Gästen.' Auch die Mailänder Straße ist eine Straße des Han- -els und dennoch eine Straße des kultivierten Geschmackes. Die Wagen der Elektrischen sind mit roten Samtpolstern rusgefüttert, die Autos sind oben schwarz, unten hellrot «strichen, die Droschkenkutscher tragen würdige, schwarze Livreezylinder und geben jeder gewöhnlichen Droschke Herr ^chaftliches Aussehen. Die Mailänder Straße ist reich an vlchem-kleinen koketten Aufputz. Die Droschken und Autos fnd ausfallend zahlreich, sie durchjagen die großen Platze Md Boulevards und selbst, etwas lebensgefährlich, die mgen Straßen. Auch ein drittes Verkehrsmittel, das -in änderen Großstädten nicht mehr gebräuchlich ist, wird aus- )iebig verwendet: das Fahrrad. Und auf diese, Hier wieder jmferstandene Mode beziehen sich die Warnungstafeln vor besonders schonungsbedürftigen Anlagen: Verboten für Vichcles! Aber das alles gibt der Mailänder Straße noch 'richt. ihre Eigenart. Das Herz Mailands schlägt in der (Stafette Vittorio Emanuele. Sie ist das Gehäuse für die Mechanik feines Gesellschaslslebens. Eine kreuzförmige Kiefenhalle. Halb Börsensaal, halb Bahnhofperron. Fm Vrunde eine gedeckte Promenade. Ohne bestimmten Grund redrangt voll. Der Korso Mailand, in den Mittags- und Abendstunden anschwellend. Rendezvousplatz und Geschäftsstätte, Handelsbasar und Vergnügungsort. Das Glasdach wölbt sich über >das Mailänder Leben, über die blumengeschmückten Tische der Vornehmsten Restaurants und Bars. Wer etwas zu annonrieren -hat, plakatiert in der Galerie, wer etwas zu hau aeven hat, hausiert in der Galerie, kandierte Früchte und -as Porträt Mussolinis werden herumgetragen. Man kauft Autos, Parfüm, mau läßt sich Schuhe putzen . . . »on einem Künstler unter den Schuhputzern . . auf dem roten Kasten des „Lions uoir", -der -hier, wie überall in Italien, zu finden ist . . . Tausend Flugzettel ,Mrand Esposizione della nova stagiona" regnen durch die Halle. Auf fliegenden Tischen-türmt sich, von Menschen umlagert, ein orientalischer Verkauf bunter Warenbestände. Und aus ver Galerie strömt die Flut aus dem halbdunklen, gedeckten Glashaus in den hellichten -Tag der PiaW Duomo. Ueberall Bars mit kleinen Tischen im Freien. Man stellt sie ganz einfach vor das Haus. Ohne die schwerfälligen Anlagen ' unserer .besonders konzessionierten Kaffeehauster'rassen. Spiegelblanke Kaffeekessel, Büfettssche, aus denen Getränke in allen Farben gemischt werden. -Zu jeder Tageszeit sitzen die Passanten an diesen kleinen Tischen und trinken aus kleinen Gläsern die buntgemischtsauersüßen Fruchtsäste. Zu jeder Tagesuqd zu jeder Nachtz>eit. Beinahe ist die Nacht heller als der Tag. Das Licht der Auslagen illuminiert Diamanten, Pelze, Riesenschüsseln mit Schinkenschnitten, Fischen, . Gemüse und Obst. Die Geschäfte schließen nicht. Und selbst die Blumen in den Gärntnevelgeschäften träumen mit wachen Augen, lichtüberflutet, dem Morgen entgegen. In den Restaurationssälen eilen die Kellner mit gehausten Tellern, die Türen der Hotels sind weit geöffnet für die Gäste . . . -denen der Portier bedauernd mitteilt: „Casa Completta!" Die Nacht hat starke Stimme. Die Zeitungskolporteure sind nicht müde geworden, die Flaneurs debattieren und schreien leidenschaftlich über die Ereignisse, die der Tag zurückläßt. Man bewirft sich mit Zurufen, mit Temperament sozusagen,- wie mit Konfetti. Lichtreklamen spiegeln über die Straße: Circolo, Cin-ema! . . .. und irgend wo sehe ich in der Galaillumination Maestro Stolz! . . / Salome! . . . Foxtrott! Die Blumen der Lampenschirme vor den Cafes versinken im Dunkel. In zwei Stunden ist es Morgen. Cm Bettler bittet um den letzten Rest der abgebrannten Zigarre. Und da erinnert man sich, daß es jenseits der großen Galerie, der Theater, der Kinos, der Bars, des Parfüms, der Blumen und der Limonade noch ein anderes Mailand gibt, das warten muß, bis ihm der Luxus ein Almosen zuwirft. n HABEN SIE SCHON DIE GRAETZ PRÄMIE DER W.enerMORGENZEITUNG 1 1 Das Grab Josephs. Von Arabern ausgeplündert. Es ist aus den biblischen Erzählungen (1. Buch Moses, Kap. 37 ff.) bekannt, daß zu Sichem, am Fuße des Ebal, die wechselreiche Geschichte des hebräischen Mannes begann und endete, der es vom Hirtenknaben bis zum „Moschel", das ist zum Gebieter über das mächtige ägyp tische Reich gebracht hat. Es ist I o s e p h, der jüngste Sohn des Patriarchen Jakob. Ms er in Aegypten am Ende seiner Tage angelangt war, mußten ihm die Seinen schwören, daß sie seine.Gebeine später ms Vaterland bringen werden. Wie das 50. Kapitel des 1. Moses-Buches berichtet, wurde Joseph, nachdem er gestorben war, einbalsamiert und in einer heiligen Truhe beigesetzt. Erst die fünfte Generation nach Joseph erfüllte sein Versprechen; im zweiten Buche Moses, Kap. 13, Vers 19, heißt es: „Moses nahm die Gebeine Josephs mit", doch erst unter Josua werden sie endlich zu Sichem beigesetzt „ans dem Stück Feld welches Jakob von den Söhnen Hemors, des Erbauers der Stadt Sichem, gekauft hatte" (Josua, Kap. 24, Vers 32). In Sichem befand sich zur Zeit der Richter ein Dempe/ des Baal b'rith, des Bundesgottes der kanaanitischen Stämme In vorisraelitischer Zeit war dort entsprechend dem weib lichen Prinzip der nichtisraelitischen Kulte wahrscheinlich eine Kultstätte der Baalach gewesen, woran noch' heute der Name des dicht bei Sichem gelegenen Dorfes Brlata erinnert. Das alte Sichern wurde bekanntlich zum Teile von Pros Sellin knapp vor dem Kriege ausgegraben. Zu derselben Zeit nun, um die Wende 1912-13, wurde in dem erwähnten Dorfe Balata bei Sichem eine Entdeckung gemacht, von der bisher die Oesfentlichkeit noch keine Kunde - erhalten hat und auf die jetzt Richard E. Funcke in einem Aufsatze in der „Frankfurter Zeitung" hinweist. Es wurde damals in einem der arabischen Häuser Balatas eine Zisterwe vergrößert und. dabei-stießen, die Maurer, unerwartet auf eine aus Steinen' sorgfältig errichtete Wand. Sie hoben diL Steine heraus und, sahen sich in einer großen Gr'a^ anlage. Die Gruft war mit 'glaeierten Ziegeln ausgÄegt Ünd zeigte kunstvolle Wandmalereien. Als der herrlich gearbeitete Steinsarg geöffnet-wurde, fand man kostbare Schätze, darunter ein Kroudiadem und etrteit schweren Stab aus massivem Golde5 Ileberreste'i>!e3 Toten/ dem die Gruft gebaut worden war, wurden nicht aefunden. Mit diesem unschätzbaren Fund wurde, nun in tüte* Weise verfahren, die nur" aus dem arabischen Aberglaube» erklärlich ist. In der Nähe des allen Sichem. befindet sich! nämlich eine moslimische „türbe", .das ist ein Denkmal' eines von den Mohammedanern hochgeachteten MamreS. Diese türbe wird allgemein als „Grab Josephs" bezeichnet; da die Unantastbarkeit eines moslemischen heiligen Grabes archäologische Forschungen ausschließt, konnte natürlich nie festgestellt werden,. wie weit die Bezeichnung dieser türbe als Josephs.Grab richtig ist. Weil nun eine solche türbe dem Orte eine gewisse Weihe verleiht, so wird von rer Bevölkerung eifersüchtig darauf geachtet, daß nichts geschieht, was der Heiligkeit Eintrag tun könnte. So durfte also, um der türbe willen, das in Balata gefundene Grab' nicht daS Grab Josephs sein. Da aber die Kostbarkeiten die Begehrlichkeit der „wilden" Ausgräber reizten, wurden die gefundenen Gegenstäicke von den Arbeitern heimlich zer- 'chlagen und das Gold wurde zu Klumpen geschmolzen. Einige Gegenstände wurden nach Jerusalem gebracht und' von einem Antiquar, der ihre Herkunft nicht kannte, erworben. Er begutachtete sie als kunstvolle Stücke ägyptischer Arbeit. Die meisten gingen bald ins Ausland und sotten sich in Münchener Privatbesitz befinde«. Der Besitzes des Hauses, damals der einzige Blinde des Dorfes (sein Name , ist weder Funcke noch seinem Gewährsmann, dem damalige!: Direktor der deutschen Orientbank-Filiale Fallscheer bekannt), ließ aus Angst vor den Behörden daS Grab mit Schutt ausfüllen, v e r m a u e r n u n d den Zugang unkenntlich machen. Funcke und seine Gewährsmänner, welche im Juli 1914 in Balata waren und das Haus besichtigten, hegen keinen Zweifel, daß das wirkliche Grab Josephs gefunden worden war. Eine Mumie hatte der Steinsarg nicht mehr geborgen, doch ist es auch nicht wahrscheinlich, daß Joseph als Hebräer. mumifiziert worden sei. Auch ist der Boden Palästinas der. Erhaltung einer Mumie nicht günstig. Jedenfalls weisen der Szepterstab .und. die ägyptische. Arbeit der gefundenen Gegenstände auf einen ägyptischen Großen per Vorzeit hm. Da. auch geschichtlich bezeugt ist, daß Joseph m Sichem begraben wurde, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß das Grab in Balata die letzte Ruhestätte dieses Großen in Israel gewesen ist. Es wäre zu wünschen, daß die Forschung sich der bisher noch recht mysteriös klingende» Angelegenheit annehme. Adalbert Sternberg ausgewtesra. Die vov etwa ebnem Ich« dem ehemaligen Reichs ratsabgooridneten AdaMevt (Grasen) Stevnbevg erteilte AusenMtsbewilligung in Ocherwichwurbennt Rücksicht aus das Verhalten des Gewannten zurückgezogen und Graf Stevwberg ausgesordert, das österreichische Staatsgebiet M verlassen. Er ist Dienstag abends nach Karlsbad abgevesst. Die erste Ausweisung ersoLgte im Ich« 1923, -well Sternberg sich einer Herausforderung zum Zweikampf schuldig gemacht hatte. Ein damals von Stsvnberg bei der Landesbchörde überreichtes Gesuch wurde a^ewichn, 'doch erlangte Stevnbvrg später die Erlaubnis, bis aus Widerruf im österreichischen Bundesgebiet zu verbleiben. Seither war StN'nbery wiederholt in verschiedene Affären verwickelt, und dieser Lage kam es zw einem aufsehenerregenden Renkontre vor dem Hotel Sacher. Stsvnberg attackierte dort den ehemaligen Obeüsthoifmeister des gewiesenen Evcherzogs Friedrich, den (Grasen) Herb erst ein. Heriberstem war Vorsitzender eines Chrenrates geiwesen, der über eine Affäre Sternbergs zu urteilen hatte. Dieser Ghrenrwt sprach die Satissaktionsunsähigkeit StevnbevgS aUS, nnd Sternbevg maß Herberstsin die hauptsächlichste Schuld an dem Zustandekommen dieses Urteils zu. Dev Attackierte erstattete die Anzeige beim Stadtkommissaviat. Sternlberg wurde zu einer Geldstrafe von 700.000 Kronen verurteilt Nnd gleichzeitig wurde auch mit Rücksicht aus sein sonstiges Verhalten die Ausenthältsbewilligung zurückgezognen und die Landesverweisung erneuert. Politische Gründe hat diese Ausweisung nicht.. -- . ein Perlenlollier um 600 MMouerl gestohlen. Internationale Ladendiebe? Ein verwegener' Diebstahl ist gestern vormittggS ü einem Juwelenladen im Stadtbezirk verübt worden. In das Geschäft eines Juwelenhändlers w der Kärntnerstraße kamen zwei Männer und ließen sich Schmuckgegenstände aus der Auslage zeigen. Der Juwelier brach« einiges von den aus-. gelegten kostbaren Waren. Die Kunden fragten nach dem' Preise, sahen sich die Stücke genauer an, konnten sich aber nicht entschließen und verließen den Laden, ohne etwas gekauft zu haben. Etwa anderthalb Stunden später mchm der Juwelier wahr, daß chm aus der Auslage ein -sehr; kostbares Stück fehle. Es ist dies ein .Perlp.nkollier, bestehend aus 88 Perlen im Gesamtgewichte von 293,400 Grains, mit einer ovalen brillantenbesetzüen Schließe,' im Werte von.ungefähr 600 Millionen Kronen.. Das Kollier, war auf einer Glasplatte in der Auslage gelegen. Der Juwelier hatte die innere Glaswand offen gelassen und einer der Täter scheint die Zeit, da er die verlangten Juwelen, auf das Pult legte, - dazu benützt zu haben, von der Glasplatte das Kollier zu entwenden, während chm der zweite. Gauner die Mauer machte. Beide waren in der! Nähe'der Auslage gestanden.. Sie haben geläufig, deutsch, aber mit fremdländischem' Akzent gesprochen und machten den Eindruck von Südländern. Es scheinen internatiomle Ladendiebe m fei)L

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