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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-12 · Heft 1912 (12.6.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1912 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. MS Ä, D-MneMag AfA*' ,'M Schach im Mm. EMGyDerHr. Emanuel Lasker Wchen vor mchrerch' Kahren sieben Fragen Vo.vgelegt, die 'PwMemedes .SchaHspiM betrafen. Dammter gab es fol« 'geübe Fragen Mid Antworten: / Ist d ie Antza-Hl der mögli ch en Spiele aus ,dem Schachbrett begrenzt ober ist sie unendlich? ...v, . ^■■■■;: Dr. LaSkrr: „Die Anzahl der müMchen Stellungen - ist. eine zjwav ungeheure, aber e n d li ch e Md ließe sich sogar vielleicht nach Regeln der Kombinatorik zahlen^ mäßig bestimmen. Die Anzahl der möglichen Partien hängt von der Zahl der Züge ab, die man für eine Partie rechnet. Mer da man hierfür eine bindende Voraussetzung nicht anfftellen kann, so muß man die Anzahl der möglichen Partien überihau^pt <M unbegrenzt bezeichnen." GibteSeine ideale, das' heißtauf beiden Seit e n fehlerlose' Schachpa rtte? Dr. LaSkev: .Mich dem . heutigen Stand der Dheovie ist anzmllhtnM,.. dass es nicht Mr eine, sondern sogar mehrere durchuuS.fehlerlose Partien gelben kann. Ich bin geneigt, die Zahl dieser Partien aus etwa zwanzig zu veranschlagen. DaS Uebevgewicht des ersten Zuges 'würde .zum Gewinn der Partie, nicht ausreichen. Äe nach der Fragestellung als ,-ideal" bezeich« mten Spielewürden vielmchr in jedem Fall zu einem v öllig ans ge gl» che n e n Remis führen." Existiert in Theorie oder Praxis ein S ch ach „itm Raum"? Dr. Lasker: ,Ms existiert. An Stelle des Schachbretts tritt, so Käube ich, ein Kubus von 8 mal 64 d u rch s i ch t i g e n Würfel n. Die Figuren darin 'haben eine dreidimensionäle 'Bewegungsfähigk e i t. Das Raüimischach, entspricht indes meiner Ansicht nach ni cht den Bedürfnissen des menschlichen Geistes, und ich Ambe sonach nicht, daß es sich eine Gemeinde gewinnen wird." Entspricht das Schach als Spiel allen 'Bedingungen einer vollendeten Scharfsinnsprobe, oder, konnte es in Zukunst durch ein anderes Spiel mit verfeinerten Regeln verdrängt werden? Dr. Lasker: ,^Fch betrachte das Schach nicht abso lu,t.als das Wheil..aus dsm>,Gebiet des Figurenspiels'. Zülm Beispiel stelle ich'dem G o, dem Fiigurenspiel de'r Mala y ««, .%■ günstiges Prognostikon. Die geschichtliche MMon des Schachs ist indessenbei weitem nicht abgefchlossen. Cs wird sich in kommenden Jahrhunderten' noch ent Wickeln: ode r ä nde r n. Aber, von kleinen Aendemttgen abgesehen, scheint mir das Schach, das doch einem bestimmten Bedürfnis des menschlichen Geistes entsprechen soll, ein g e n ü g e n d einfaches und z ugleich ein genügend verwickeltes Spiel zu sein." Her Maler mst den zwei Fingern. Offizier, Arzt und Künstler. In London wurde vor kurzem eine Gemäldeausstellung eröffnet, der weniger der künstlerische.Wert der Bilderals vielmehr die Persönlichkeit der Maler, deren Werke nun zum ersten Male zur Ausstellung gelangen, ein nicht alltägliches Interesse verleiht. Im Feststsaale der'Akademie für Medizin sind feit einigen Tagen Bilder zu sehen, die von englischen Aerzten, Studenten der Medizin, Krankenpflegern und'Krankenschwestern gemalt worden sind. Das größte Interesse wendet sich jedoch den Gemälden des Militärarztes Major I. Hall-EdwardS zu, eines alten, wohlbekannten Mediziners, dem in der Geschichte der Röntgenologie eine nicht unbedeutende Rolle zufällt. Major Hiall-Edwards hat sich bereits zur Zeit deS Burenlkrieges mit den Röntg'enstrählen befaßt. Er war einer der ersten in England, die sich erfolgreich mit dem Problem der praktischen Verwendung der Röntgenstrahlen für Zweite der Heilkunde beschäftigten. Er hatte das Unglück, sich durch ein Experiment eine Vergiftung zuzuziehen. An seiner rechten Hand .mußte eine schwere Operation vorgenommen werden, der drei Finger des gelehrten Arztes zum Opfer gefallen.waren. Dieser Schicksalsschlag vermochte jedoch den tapferen Arzt von der Fortsetzung seiner Studien und seiner Versuche nicht abzuhalten. Er gestaltete fein Laboratöriüm in dem Staatsspital zu Birmingham zu den bestausgerüsteten Zentralstellen für Röntgenoilögie au§. Während!bcS Krieges war der Major der Leiter des militärischen röntgenologischen Instituts in London. Der hervorragende Röntgenolog ist bereits seit seiner frühesten Jugend ein leidenschaftlicher Liebhaber der Kunst. Seine Porträts und Landschaftsbilder, die. er noch als junger Student gemalt hatte, erregten seinerzeit auch, in 1 den Kreisen der Fachleute einige's Aufsehen. Biele.Jahre hindurch Wvankte der angehende Gelehrte zwischen Kunst un d Wissens cha st, bis er sich schließlich für die letztere entschied, ohne jedoch die künstlerischen Ambitionen endgültig au-fgegeben zu haben. Nach der schweren Operation, durch die, wie erwähnt, der Major drei Finger seiner rechten i Hand verloren hatte, setzte er nicht nur seine Experimente,; sondern auch seine künstlerische Tätigkeit fort. Die Dei.'lhm. übriggebliebenen Finger reichten aus, den Pinsel zu, halten und jene Bilder, die er seit dieser Zeit gemalt hat und die nun jetzt in der Ausstellung der Akademie zu sehen 'sind, stehen hinter seinen Iugendwerken nicht zurück. Wiener 12, Jüni. IM bin Lichtbildervortrag de« Kommerzialrate« Mar Min. * ., , Der österreichische Großindustrielle, 'Herr '( Kommerzialrat Max K l e in (Mödling), ist vor kurzer Zeit von einer Studienreise durch das jüdische Palästina zurückgekehrt, lieber Einladung des Wiener Palästina-Atntes nahm nun - Herr Klein Gelegenheit, die Eindrücke seiner Reste, soferne sie sich auf die industriellen Entwicklungs- Möglichkeiten Palästinas beziehen, einem größeren Auditorium mitzuteilen. Es war ein ausgezeichneter, mit selbst ausgenommenen Lichtbildern illustrierter, durchaus sachlicher Vortrag, mit welchem gestern Max Klein das überaus zahlreich erschienene Publikum fesselte. Ganz besonders istzu betonen, -daß die Ausführungen von größtem Verantwortungsgefühl getragen waren. Wenn Herr Klein die Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas als ganz außerordentlich günstig bezeichnet^, so erkannten alle, die seinen Ausführungen folgten, daß hier ein ernster Mann nach gewissenhaftester Erwägung aller Schwierigkeiten und Hemmungen eine so erfreuliche Prognose für Erez Israel gestellt hat. — Herr Kommerzialrat Klein führte im wesentlichen folgendes aus: Ich halbe die Reise nach Palästina als Skeptiker ängstigten. Gerade deshalb, weil ich ein alter Anhänger der zionistischen Idee bin, stu-dierte ich vorher ganz besonders die ungünstigen Urteile und Nachrichten über die Zustände im Lande und ließ die rosige Brille zu Hause. Ich Will durchaus nüchtern und ruhig, wie ich es als Industrieller zu tun gewohnt bin, die Ergebnisse meiner Beobachtungen vorführen, die mich, der ich als Pessimi st hinkam, zum ausgesprochenen Optimisten machten. Zunächst muß man eine Reihe von Fehlurteilen über Palästina ausmerzen. Man übersieht immer, daß das jetzt bewohnte Palästina nur so groß ist, wie etwa Steiermark, und verlangt'gleichwohl, daß dieses Gebiet im Flachenausmaß von 26.000 Quadratkilometer ein entwickelter Agrarstaat sei und über jegliche Industrie verfüge, über ausgedehnte Städte, ein weitverzweigtes Eisenbahnnetz,,, lebhaften Schiffsverkehr und.überdies noch über blühende Kunst-Und Wissenschaft. Solche Ansprüche sind weder den Verhältnissen nach berechtigt, noch der Kleinheit des besiedelten Ländes angemessen. Auch der romantische Begriff vom ,/Heiligen Land" muß aus den Köpfen hinaus. Der PhanLast e des Sch eins, steht die Realität d e s Sei ns g eg en ü b e r. In Palästina' geschehen auch keine Wunder und die Menschen sind auch keine Engel — gerade fo wie anderswo. Zu unrichtigen Konsequenzen kommt man auch, wenn man außer acht läßt, daß die Juden gegenwärtig bloß den zehnten Teil der Bevölkerung ausmachen und daß bei dem außerordentlichen Tiefstand der Lebenshaltung des größten Teils der arabischen Bevölkerung, von den 850.000 Einwohnern Palästinas bloß 2 60.000 Menschen als Konsumenten nach europäischen Begriffen in Betracht kommen. Aus diesen und anderen Fehlurteilen erklären sich die Enttäuschungen so mancher Industrieller, die zu Palästina in Beziehungen traten. Eine nüchterne kaufmännische Kalkulation hat nun zu erwägen: Europa ist übervölkert und Palästina ist ein Agrarland mit großem Raum zur.Entwicklung. So klein das Land ist, so nn geheuer manigfaltig ist seine Gliederung. In und um Jerusalem gedeihen jene landwirtschaftlichen Produkte, die in unserem Klima gedeihen. In der Jordandepression ist tropisches Klima und man erntet dort Datteln, Mandeln, Feigen usw. Bezüglich der Landwirtschast ist größter Optimismus am Platze. Man muß nur die Kolonien im E m e k nach zweijähriger jüdischer Arbeit und jene in Dagania nach zwölfjähriger jüdischer Arbeit gesehen haben, um einen Begriff -dieser Möglichkeiten zu erhalten und den Unterschied gegenüber der arabischen Landwirtschaft zu erfassen. Wie wird erst dieses Land nach zwanzig oder fünfzig Jahren aussehen. Der Vortragende fügt hier das Urteil des kalifornischen Fachmannes Professor Mead ein, der Erez Israel bereiste. Hier hat jetzt schon die Obstindustrie, die Marmeladenindustrie, die Fabrikation von Gemüsekonserven und die Milchindustrie die größten Aussichten. Hingegen ist für M a s s e ni n d u st r i e, insbesondere für Holzindustrie (Möbel, Zellulose, Papier) vorl ä u f i g k e i n e Möglichkeit. Es fehlen die geeigneten Holzarten und die erforderlichen Absatzmöglichkeiten. rentabel, wie ich überhaupt als wichtigsft Maxim aufstellen möchte, daß. ' für Final-Jndustrien in Palästina in der nächsten Zeit noch kein Platz ist. Große Zukunft hingegen hat die chemische J ndustrie, und zwar als Großindustrie. Seit Tausenden von Jahren sind die S ch ä tz -e u n b e n ü tz t, -welche das Tote Meer birgt. Sehr entwicklungsfähig ist ferner die Fremdenrndnstrie. Palästina besitzt eine ganze -Zahl großartiger Heil» quellen. Nach Gutachten Sachverständiger kommen zun Beispiel die Tiberias-Heilquellen an Wirkung den Thermen von Gastein tzlrich. Jetzt sind dort zwei untaugliche Badeanstalten. DaS Heilwasser fließt unbenutzt auf die Straße und in den See. Das Hotelwesen liegt in ganz Palästina, Jerusalem inbegriffen, noch im argen. Der Karmel, durch seine wunderbare Lage und sein herrliches Klima der Riviera vergleichbar, müßte eine Sommerfrische und Erholungsstätte für die flach geleg enenLänder des Orients werden, zum Beispiel für Aegypten, Arabien, Mesopotamien bis nach Indien hinein. Wenn die kurze Strecke Ma— Beirut ausgebaut sein wird, läßt sich Palästina anS Europa über Konstanünopel in vier Tagen Per Eisenbahn erreichen. Der Vortragende verwies an die vortreMchen vom Wiene'r Palästina-Amte veranstalteten Palästina-Reisen und führt weiter aus:. Für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung sind drei Vorbedingungen erforderlich, welche ich „d i e d r e i G" nennen möchte: Geschäftskenntnis, Geld nnd Geduld. Das Dilettantentum muß ausgeschaltet werden, Gründungen mit ungenügendem Kapital sind nicht zuzulassen..Das Jndustriedepartemönt in Jerusalem wird von Leuten überlaufen, welche mit 600 Pfund, das ist 12.000 Friedenskronen eine Unternehmung gründen wollen. Mit dieser Summe konnte man weder einst noch kann man jetzt Bedeutendes anfangen. Und was die erforderliche Geduld anbelangt, ist einzuschärfen, daß auch Mter normalen Verhältnissen die Rentabilität bei gesunder Entwicklung erst nach einem bestimmten Zeitraum zu erwarten ist, bei der Schuhfabrikation zum-Beispiel erst im vierten- Geschäftsjahr. Wer aber unter solchen Voraussetzungen und' der richtiger Wahl des Industriezweiges in Palästina beginnt, dem ist eine gute Pr ognose zu stellen, speziell dem österreichischen Industriellen. Oesterreich ist überindustrialisiert, unsere Industrie, muß mit ihrem überschüsiigen Produktionsapparat abwandern. So wäre zum Beispiel für di-e Lederindustrie in Palästina ein ausgezeichnetes Filialgebiet, Es existiert noch keine Lederfabrik und es ist reiche/ Häutematerial vorhanden. Aehnliches gilt von der TexMbrcmche. Zum Schluss ein Wort der Beiwunderunß für die jüdischen Arbeiter Palästinas. Diese Menschen kennen wahrhaftig den Begriff „Aufopferung für eine Idee". Sie sind Sozialisten und begeistert für die Idee des Aufbaues ihres Landes. Naturgemäß muß der Unternehmer Löhne zahlen, welche den Arbeitern ihr Auskommen sichern, aber bewundernswert ist der Arbeitssierß, die Liebe zur Arbeit. Mustergültig ist die Verfassung, und ' Wirksamkeit der Arb eit erorganisation und deren Tochtergesellschaften, zum Beispiel des Arbeiterkonsumvereines H a m a s ch b i r. Diese Konsumgenossenschaft muß durch langftistige Kredite gefördert werden. Redner behandelt dann noch das bekannte geniale R u t h e n b e r g- P r o j e k t zur Auswertung der Wasserkräfte des JordangefälleS und resümiert seine Ausführungen in der Feststellung: W ich Palästina verließ hatte ich erkannt: wie Amerika ist auch Palästtna ein Land der unbegrenzte» Möglichkeiten. Die fesselnden Ausführungen wurden mit gespanntem Interesse angehört. Die vortrefflichen Lichtbilder machten tiefen Eindruck und das zum größten Teile aus Industriellen bestehende Publikum spendete lebhaften Beifall. Auch -die B e k l e r d u n g s r n d u st r r e i st noch nicht Unsere neuen Lelephonnummem: ' Die Nachtredaktion der „Wiener Morgenzeitung" ist (ab 6 Uhr abends) unter den Nummern: BL m ftOt BL » LOB BS-B-SB zu erreiche:: Kein Attentat auf den Mortaner Avretzrug. Gin amtliches Dementi. Aus Berlin wird, uns gemeldet: Zu den Nachrichten eines skandinavischen Nachrichtenbureaus in Helsingfors über ein Attentat aus den Expreßzug Riga—Moskau, nach einer anderen Version auf den Zug Riga—Petersburg, wird amtlich erklärt, daß alle Züge von Moskau nach Riga und umgekehrt, in Riga und Moskau wohlbehalten eingetroffensrnd. Die Alarmmeldungen, tvonach einer dieser Züge in die Luft gesprengt worden sein sollte, entbehren somit jeder Grundlage, '■i i 02527858

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