Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1912 (12.6.1924)
- Date
- 1924-06-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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T^TV kW Nr. ISIS Mm, DvMrrKtag Kabinettswechsel in Mauen. (Gigendienst -der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 11. Juni. Aus K o w -n o wird gemeldet: Di« Regierung Galvanauska hat ihre Demission gegeben. Mt der Kabinettsbildung wurde KruPov i c betraut. Horthy-GenSarmerie und Horthy-guftir. Budapest, 11. Juni. De>r gewesene Gendarmerie« -fsizievstellb-ertreter Michael Dantes, der wegen Ermordung und Beraubung mehrerer jüdischer Bewohner von Jszak und Orsova zu mehreren Jahren Kevkevstrafe verurteilt ist, hatte sich heute vor dem Hanvedgevicht zu verantworten, weil, er im Jahve 1919 als Kommandant des Genda-rmeviePoftenS Komorn im Verein mit mehreren Genossen dortige Bürger üb erfüllen und ihnen schwere Verletzungen beigebracht hatte. Weiter habe er der ei «schreitendem Patrouille Widerstand entgegengesetzt. Danics verantwortete sich damit, daß er, nachdem er in Kecskemet 69 bis 55 Leute aufgeh angt hatte, mit dem Befehl nach Komorn geschickt worden sei, keinerlei vaterlandsfeinMche Handlungenzu dulden. Er sei ständig betrunken gewesen, weil er aufregende Arbeit zu verrichten gehabt habe. Der militärischen Patrouille habe er sich widersetzt, weil er argwöhnte, daß es in ungarische Uniformen gesteckte Tschechen seien, die ihn verschleppen wollten. Der Gerichtshof verurteilte Danics und Mi Genossen zujevier Wochen verschärften Arrests. MI sreigeloffen. Budapest, 11. Juni. Die zweite Instanz hat heute den jüdischen Fleischhauer Josef L ö b l, der verdächtig war, in einem Ghetto-Kaffeehaus während der letzten Weihnachtsfeiertage den Soldaten Matthias Tremmel gerötet zu haben, auf f r e i e n Fuß 'gesetzt. Die bisherigen Untersuchungen haben unumstößlich erwiesen, daß die Rauferei von dem getöteten Tremmel begonnen worden war, so daß die Tat Löbls, selbst wenn sie erwiesen würde, bedeutend milder zu beurteilen wäre. Fnland. Gens und der Zolltarif. Da der Bundeskanzler erkrankt ist und Finanzminister Dr. Kienböck und Außenminister Dr. Grünberger tn G e n f weilen, ist ei.n e ku rz e Pause in den parlamentarischen Beratungen eingetreten, di« kaum vor der Rückkehr der österreichischen Unterhändler aus Gens unterbrochen werden wird. Nach den bestehenden Dispositionen »erden Dr. Kienböck und Dr. Grünberger nach Beendigung Völkerbundsesston zuerst im Hauptansschuß ihren Bericht erstatten. In hiesiger gut informierter Stelle erwartet man von der Tagung des Völkerbundrates keine unmittelbare Entscheidung über die österreichischen Darbringungen. Man ist dahin unterrichtet, daß mit den österreichischen Angelegenheiten eine Kommission betraut werden wird, die in ständiger Fühlung mit der österreichischen Regierung alle einschlägigen Fraget: studieren und im Herbst ihre endgültigen Vorschläge dem Völ'kerbundrate vorlegen wird. Nach allem, tvas bi'Sher aus Genf berichtet wird, ist die Stimmung m VölkerLundrate den Wünschen der österre-.chischen Regierung günstig. Die Pause bis zum Wie'derzusammentritt des Nationalrates wird durch die Beratungen des Sonderausschusses über %8 internationale Musilsest in Prag. Arnold Schönberg und Maurice Ravel. (Von unserem nach Prag entsendeten Mitarbeiter.) Das Neue Deutsche Theater in Prag, dessen .5>per unter der Leitung Alexander Zemlinskys die ruhmvolle Tradition wahrt, die durch die Namen Karl Maria v. Weber und Angela Neumann aufs engste mit der europäischen Musikgeschichte verknüpft ist, hat eine große musikalische Tat vollbracht: Arnold S chö n b erg's Monodrama „Erwartung", das als unaufführbar galt, hat an dieser Stätte seine Uraufführung erlebt. Wie jedes musikalische Problem, das Schönberg bisher angeschnitten hat, von ihm zu Ende gedacht worden ist, so hat er auch die Frage nach der Form der Oper amt jener geistigen Jnteirp-tät zu lösen versucht, die zu den Urgründen jeder künstlerischen Erscheinungsart, ihren kausalen Bedingtheiten und symptomatischen Zufälligkeiten hmabgeht. Schönbevgs Ueberlegungen gehen .dahin, dem Theatralischen den Garaus zu machen und das Theater den Gesetzen einer psychologisierenden Musik zu unterwerfen. Das Gesamtkunstwerk Richard Wagners, ein Ausgleich zwischen manchen Halbheiten, wird beiseite geschoben. Der äußere Rahmen des Musikdramas — selbst in „Tristan und Isolde" an die Maschinerie der üblichen Szene gekn.üpft — wird fallen gelassen, eine Reihe von diffevenziertesten Gesühlszustünden wird mit dem Worte Verbünden, um erst durch das klang-. Irche Motivspiel ins klare Bewußtsein des Zuhörers zu treten. Marie Pappenheim, eine Dame aus dem Freundeskreis Arnold Schönberg's, hat nach den Intentionen ihres Meisters mit fast somnambuler Sicherheit im Jahre 1909 die kommende Form des expressionistischen Dramas vorausgeahnt. In den hohen und dunklen Wald, den mondhelle Straßen und Felder umsäumen, kommt die gvW, Ml das Fest te.r AM M seieM, Mre zaM GeM Wiener Morgenzeitung. Nie letzte« Kurse. Radiodienst der „Wiener Morgenzeitung".' London, 11. Juni. Die Börse reagierte auf M r l l e r a n d S Abdankung mit einer Frank enhausse und einer automatischen Erhöhung dev französischen Renten sowie der Bahnobligationen. Sonst war der Markt trotz geringerer Umstände irregulär, weil neben einzelnen Steigerungen auch starke Kursrückgänge wahrnehmbar waren. Besonders Petröleumpapiere, wo Royal Dutch weiter ein halbes Pfund verlor. Wechselkurse: Nelv-Uork 4,31,12,5 Paris 81,40, Brüssel 94,12,5, Berlin 18 Billigen, Wien 305,500, Prag 146,24,5, Kopenhagen 25,60, Schweiz 24,50,5, Finnland 172, Rom 99,12,5, Madrid 82,085, Warschau 22,95, Athen 256, Sofia 610, Bukarest 1000, Konstantinopel 885, Budapest 845.000 bis 400.000, Riga 23,33. Ovsterreichische Anleihe 89,60, tschechische 96,50, neue tschechische Agio 0,50, Central Mining 11,12,5, Diamons 16, Debeers 12,18,7, General Mining 19,50, Mo Tinto 32, Royal Dutch 84,69, Shell 4,25. Prager Anleihe 90, Skoda 93,. Bankverein 9, Bodenkredit 19. Metallmarkt: Stopfet Standard Kassa 61.5,0 dir 61,7,6, dreimonatlich 62,2,6 bis 62,6,0, Elektrolyt 67 bis 67,10.0, Zinn Standard Kassa 216,10,0 bis 216,12,6, dreimonatlich 216,12.6, Blei englisches 33.6,0, ausländisches 32,2,6 bis 29,2,6, Messing ausländische, 81,12,6 bis 21,10,0. Zucker: Der Markt war für greifbare Ware fest. Zu den letzten Preisen fanden in. kleinerem Umfang Geschäfte statt. Weißer Java Zucker Juli 20,3, tschechoslowakischer Granuladet 23,9, Juni—Juli 20,3. Weißer Terminwarenmarlt schwächer. August 21,9 bis 21,6, Dezember 19,9 bis 19,6. Baumwolle: Liverpool: Full middling 17,48, amerikanische Terminware anfangs 3 bis 7 Punkte niedriger, Juni 17,06, Juli 16,65, Oktober 15.11, Jänner 14,61, März 18,49. Um 11 Uhr 7 bis 3 Punkte niedriger, um 13 Uhr 16 Min. 9 bis 8 Punkte niedriger, um 14 Uhr 4 bis 2 Punkte höher. Juli 16,73, Oktober 15,18, Jänner 14,67. Der Terrninmarkt hatte zum Schluß eine heftige Steigerung zu verzeichnen und schloß 4 bis 9 Punkte höher. Juli 16,76, Oktober 15,21, Jänner 14,70, März 14,76. Aegyptische Verträge wurden unverändert abgeschlossen. Juli 21,33, November 19,10. New-Dork eröffnete 9 bis 27 Punkte höher, New Orleans 8 bis 9 Punkte höher. London, 11. Juni. Devifenschlußkurfer Men —,—, Prag 147,50, New-Dork 4,31 Vi», Paris 84,80, Brüssel 97,62, Rom 99,26, Zürich 24.506, Madrid 32,09, Kopenhagen 26,576, Christiania 32,055, Stockholm 16,24, Amsterdam 11,51'/«, HelstngforS 172,25, Berlin 18 Billionen. Paris, 11. Juni. (Radio.) Effektenfchlußkurse: Bauque de France —, Pragobanka 419,—, Credit LyonaiS 1500, Suez 13,210, Platine 772, Dabrowa 750, Banque Ottomane 738, Central Mining 900, Rio Tinto 25,76. Le Naphta Russe 426, Succerie d'Eghpte 982, Bakou 2616, Crutchoucs fin 151,—, Chartered 48,75, Debeers ordin. 990, GoldfieldS 76,—’ HuanchakaS 312, Jagers Fontain 241, Malacca ordi». 136,—, Maltzoff 463, Mexiean Eagle 65,—, Padanq 388,—, Rand Fontain 94,—, Randmine 246,—, Silva plana 142. Tanganyika 147,-, Tubiee soie 601.-, Utah Copper 1292, Shell 250,-, Royal Dutch 28,—, Burmah —. Paris, 11. Juni. Die heutige Börse war fast vollständig geschäftslos. Der Rückgang der Devisen loste emzelne Verkaufe aus. Die Kurse gingen fast panikartig zurück, nur Russenwerte waren behauptet. Suezaktien büßten 600 Franken ein. Wechselkurse: London 89,30, New-Dork 18,84, Prag 67, Bukarest 8,20, Wien 26. New-Bork» 11. Juni. Effektenbörse. Canadian Pacific 145,60, Union Pacific 181, Union Steels 95,75, Royal Dutsch 48,15, Atchinson 102,75, Baltimore 65,12»/,, Northern Pacific 66,75, Sao Southern Pacific 89,87,5, Milwaukee 11,87,5, Casepake 88,17.6, Eari 27,76. Aew-Dorlr, 11. Juni. (Radio.) Devisenschlußkurie. Taggeld 2%, Wechsel auf London 4,31,26, 60 Tage-Wrchsel 4.28,25, PaM 5,29»/,, Amsterdam 87,—, Berliner Schlußkurs 23»/, bis 24, Prag 2,92, Silber 66-/,. schimmert aus dem weißen Gewände hervor, das mit roten Rosen geziert ist. Mühselig sucht sie den Weg durch das Dickicht der Bäume und lauscht nach der Stimme des Geliebten, die das Rauschen der Neste, das Zirpen der Grilletr dnrchdriugen müßte. Gespenster scheuchen sie auf. Der Schrei eines Nachtvogels erweckt ihr Entsetzen. ®te beginnt zu laufen. Die Schatten verfolgen sie. Die Winde heulen ihr entgegen. Da taucht in der Ferne ein Haus auf, dessen Fenster geschloffen sind, aber selbst im zerrissenen Gewand und mit verwirrtem Haar ist sie zur Jagd nach Erfüllung ihrer Sehnsucht verdammt. Müde zu einer Bank den ermatteten Körper schleppen^ stoßt sie an den Leichnam ihres Geliebten, für den sie sich diese Nacht besonders feierlich geschmückt hat. Unter dem für sie unfaßbaren Eindruck des Todes erlebt sie noch einmal alle Stadien ihver Liebe, den Rausch wie die Bitternisse, die Erfüllung der Stunde wie die Sorgen der Woche, das stolze Bewußtsein königlicher Treue, wie den Kummer blinder Eifersucht. Der heranbrechende Morgen läßt die diesmalige Trennung zur endgültigen werden. So die ganze Handlung. Au der Skala gleitender Gefühle gemessen, aus denen sich die musikalische Gestalt des Werkes zusammensetzt, erscheint sie arm. Die zögernde Furcht, die Angst vor der Stille des Waldes, die Scheu vor dem unheimlichen Dunkel, das Entsetzen vor dem dumpfen Schatten der Bäume, di« rastlose Unruhe, >der kalte Schauer vor der Einsamkeit, das unentschlossene Schwanken, die Sehnsucht nach willenloser Ruhe, die eindringliche Zärtlichkeit — alle diese Emanationen bilden die Unterlage Mr die musikalische Sprache Schönbevgs. Der Meister hat auch die bisherigen musikalischen Gesetze der Opernkomposttion einer kritischen Priffung unterzogen und die Leitmotivtechnik verworfen. Jede Situation wird gleichsam im musikalischen Extrakt wiedergegeben, der keiner Variation mehr fähig ist. Der Duft einer jeden Stimmung erhält das prägnanteste musikalische Abbild, ohne durch Uebevgänge an das folgende angegliedert zu werden. , Das alosale Gewand fördert die BeMmrung de; Mtz- 12. Juni 1924 SM 8 den Zolltarifentwurf ausgefüllt werden. Die Se zialdemokraten hielten gestern im Parlament eine Vovbe sprechung ab. Wie verlautet, wollen sie ihren Antrag au Einführung eines Getreideimportmono p o l s im Zusammenhang mit den Getreidezöllen im AuS schuß wieder aufs Tapet bringen und im übrigen die ein zelnen Zollpositronen daraufhin untersuchen, ob sie wirklic! den Schutz von Industrien beinhalten, die in Oesterreiäj beheimatet sind. Der Zolltarisentwuvf enthält nämlich auch Zölle auf Fertigprodukte, die in Oesterreich nicht erzeug werden, und für deren Fabrikation hier alle Voraussetzun. gen fehlen. Es würde sich also nur um Finangzöllr handeln, deren Existenz allerdings von der Regierung für den vorliegenden Entwurf in Mrede gestellt wird. Der Sonderausschuß dürfte sich, der AnMung Dr. Seipels Folge gebend, dafür entscheiden, zumichst eine Enquete aller am Zolltarff interessierten Gruppen abzuhalten. Re Beamtmfrage. Die Familienftandszulagen bleiben unverändert. Der Fünifundzwanzigerausschuß der Beamtenorgam sationen hielt gestern wieder eine Sitzung ab, in der zunächst die eiuzeluen Mitglieder über die Auffassung der Organisationen hinsichtlich der gestrigen Erklärungen des Vize< kanzlers Dr. Frank berichteten. Die Organisationen sind von den Ausführungen -des Dr. Frank nicht befriedigt. Im wei> teren Verlaufe nahmen die RegierungAvertreter an de> Sitzung teil. SeWon'schef Dr. Uebelhör erklärte, daß die Regierung bereit sei, auf die F a m i l i e n v e r s i ch «- rung zu verzichten und-die Familienftandszulagen in d*"' selben Weise wie bisher zur Auszahlung zu bringen. Preßfreiheit, die sie meine«. Die Großdeutschen, die von Zeit zu Zeit das unib zwingbare Bedürfnis fühlen, sich blamieren zu Müssen, enS lehnten, da ihnen nie selber etwas Eigenes einfällt, einest Vorschlag, der in der Erregung über das Attentat auf der Bundeskanzler in einigen christlichsozialen Blättern auf« tauchte und darauf hinauslief, die unbequeme Presse zst schikanieren. Da man die Zensuvvorschriften nicht gut Vev schärfen kann, sündigen doch auch die gvoßdeutfchen uni christlichfotzialen Blätter täglich gegen alle Register des Strafgesetzes, so kamen einige Großdeutsche auf -Me ingeniös« Idee, man möge die Zeitungen verpflichten, „auß klärend« Mitteilungen" der Regierung in einem gewissen Ausmaße zu veröffentlichen. „Dadurch würde der Regierung die Möglichkeit geboten, gewissen da> Staatswesen schädigenden Erscheinungen in der Presse enb gegenzutreten." Die Großdeutschen hielten über diesen Vorschlag schon eine Enquete üb, -werden es aber wohl bei frommen Wüw schen bewenden lassen müssen, da im Parlament heute kein« Möglichkeit besteht, eine Aenderung des Pveßgesetzes durch zusetzen, die alle Zeitungen zu unfreiwilligen Regierung^ mouiteurs machen würde. Ae znsammensetzung des Grazer Gemeinde rotes. Aus Graz wird uns gemeldet: Die StadtwaM>,chvrde hat in der gestrigen Sitzung die MandatsverteAung -im neugewählten Gemeinderate endgültig festgestellt. Dem Ein« spruch der Nationalsozialisten wurde Folge gegeben uni ihnen ein zweites Mandat zugebilligt. Der Grazer Ge/ meinderat besteht demnach aus folgenden Mitgliedern: 22 Sozialdemokraten, 16 ChrMchsozialen, 6 Großdeutschen, 2 Nationalsozialisten und zwei freien Re- Publilkainsrn. kalischen Diktion, deren Reichtum jede psychische Nuancier rung erlaubt. Die Farbengebung ist so mannigfaltig, daß da's akustische Erlebnis auch die Wirkung des visuellen fa sich eiufchließi. Jede Stimme hat ihre selbstherrliche Wich Mug erhalten.-Sie folgt nur ihrem inneren Antrieb und nimmt aus die Linie der anderen Stimmen keine Rücksicht, so daß eine vertiwle Harmonik von ganz neuer Kühnheit erstcht. Die Schwierigkeiten für die Wiedergabe -dieser äußerst komplizierten Partitur in Einzelheiten zu schildern, der« betet der Rawm. Jede Stimme mutzte Mexander Zemlinsky in dieilen mühseligen Proben einzeln erAingen lassen, um bloß das technische Problem zu lösen. Er hat, ein anerkannter Meister des Taktstockes, an der Spitze eines rastlos fleißigen Orchesters Unmögliches möglich gemacht. Welche L-obesworte soll man aber für die Leistung der Frau Marie Gutheil-Schoder finden? Schwieriger noch als ihr Part im ,/Pierrot lunaive", der das gesprochene Wort an eine notierte Deklamatlonsstimme bindet, ist der Gesa-ngsteil in diesem Monodrama zu bewältigen, der große Jntervallssprünge bevorzrrgt und in der freien, vom Orchester losgelösten Führung eine ulnheimliche musikalische Sicherheit vomüssetzt. Und wie erlebt diese, wie ein eisernes Wahrzeichen aus der verklungenen Mahler-Aera übrig« gebliebene reine Künstlergestalt, das tragische Unglück der Frau! In der kleinsten Nuance der Reproduktion wird die' Linie nicht unterbrochen, die -das innere Sein der Fmu mit den Eruptionen an der Oberfläche verknüpft. Welch reiches und nnaufdrürgli'ches Mienenspiel begleitet die Musik dieses kostbaren Frauenkörpers, m dem alle Gefühlstöne sich zu einem herrlichen Orchester vereinigt -haben. Der Ausführung von Schönbergs Monodrama folgte die erste deutsche Wiedergabe von Maurice R a v e l s musikalischer Komödie „Die spanische Stunde". Der Textdichter Franc N o h a i n ist fast in die Fußstapfen Boccaccios getreten. In einem kleineü Laden haust der Uhrmacher Torquemada, dtzw M angesehenen Meitzer seines Faches