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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-12 · Heft 1912 (12.6.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1912 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■■ ■ »V TW «i;•»■.■.TS'sv;;- ,«; ".7 " ' 7 w WM» -Ren, DönMrMg Menen Movgenzelknns. IS. GM tm Vr. MS ®to0 holen will. Die Narkose der Reparationen mußte gebannt werden; Frankreich mußte aus dem Aetherrausch des Versailler Vertrages gerissen werden. Das hat dir französische Demokratie getan, so gründlich getan, wie schon einmal vor £0 Jahren, als sie sich der Kriegshetze des Präsidenten Mac Mcchon entgegenwarf und ihn zum Rücktritt verairlaßte. Millerand fällt mit Poineare. Es wird Zeit- und Raum für die Demokratie, die Versäumnisse von gut fünf Jahren nachzuholen und von der politischen Betrachtung der Dinge zur geschäftlichen überzugehen. In England und in Frankreich haben die Strömungen sich durchgesetzt, die zum Frieden sichren. Das weitere käme nun aus..Deutschland an. Wird man dort die Pflicht dieser Situation verstehen? Im deutschen Reichstag ist durch die erste Abstimmung über die Vertrauensresokutron immerhin ein guter Anfang gemacht und die erste Attacke der Völkischen und Nationalen und der mit ihnen verbündeten Kommunisten abgeschlagen worden. Die deutsche Demokratie wird es hoffentlich nicht dabei, bewenden lassen. Aus dem Bolksftaat Batzer». Der „Mni". Gedenktag für die Gefallenen der Residenz, Grundsteinlegung zum Kriegerdenkmal. Vereine, Verbände, Kameradschaften sammeln sich mit umflorten Fahnen. Reichs- . wehr und Landespolizei marschieren an. Das inaktive Offi- * zrerÄorps, vom jüngsten Kriegsleutncmt bis zur ältesten Exzellenz, ist voltzählig vertreten. Es wimmelt von Uniformen und die Orden und Ehrenzeichen glitzern in der Sonne. Die schwarzen Röcke verschwinden beinahe irn Gewühl. Die Spitzen der Bchöcken bauen sich um den Kreis der Staatsminister auf. Auch die Herren Volksvertreter sind anwesend. Alles ist da, aber alles wartet noch. Auf wen? Auf was? „Seine Majest 3 t, der König" kommt — Kronprinz Rupprechi —; der ungekrönte, verheimliche König von Bayern, wird dem Gedenktag die Weihe geben. Pünktlich, wie die Könige sein müssen, erschien Rupprecht von Wittelsbach. Straff, jugendlich elastisch, den Marschallstab in der Hand, schreitet er die militärische Front ich; vorüber am Ministerium, das sich tief verneigt, tritt er an die Spitze der Generalität, aus feinen Ehrenplatz. Der König ist da. Der Mus kann beginnen. * Lin anderes BW. Der Münchener Kunstverein feiert.fernen hundertjährigen Geburtstag. Alles, was zur Gesellschaft gehört, irgendwie Namen oder Stellung hat, ist im geschmückten Festsaale der Künstlerhauses vertreten. Eine Reche von Ehr«ffesstlü ist bereitgestellt. Wer nimmt darauf Platz? H>i.« Wittelsbacher. Prinzen und Prinzessinnen unter der Anführung des alten Prinzen Leopold thronen huldevoll im Kreist urb.lauschen dem Festredner, der, ganz wie ehemals, seine Aürcke Äftnst: „Konigliche Hoheit! Meine Damen »nd Herren!" Und dann weiterhin versichert: der Verein betrachte eS als eine günstige Vorbedeutung, daß gerade am H«vsliag« Kronprinz Rupprecht, getreu den Uebevliese- : Ätngen seiner Väter, das Protektorat Übernommen habe — ein Vertrauensbeweis, denman rechtfertigen müsse. Weitere wohltemperiert« Ansprachen ergießen sich in behaglicher Breite. Auch Münchens Bürgermeister, der S 0 z i a l d e m 0 k r a t S ch m i d, kann nicht umhin. Er ist der einzige, der die Familie Wittelsbach üb ersehen muß; er beginnt fveiweg, ohne Anrede: „An diesem Ehrentage usw." Aha. Man blinzelt sich zu, lächelt nachsichtig: na ja, der gute Schmid darf nicht anders, sonst spukt es . im roten Stodtparlament. Und der Vorsitzende bringt alles wieder ins recht« historische Geleis«, als er den alten Prinzen Leopold, den Generalfeldmarschall, feierlich bittet, nunmehr die Gedächtnisausstellung zu eröffnen. Was auch geschieht. Und zwar im Namen des Kronprinzen Rupprecht, der leider durch »inen, Trauerfall «sw. — Das ist. München. . Der König hat, wie ehedem, seinen „Kabinettschef". Das ist der G r r s S 0 d e n, früher Vevwaltungsbeamter im Staatsdienst und ein ganz geschickter Mann. Er wußte es im letzten Augenblick zu verhindern, daß der französische Spion Richter, der leitende Kops im dunklen Treiben der Fuchs - Machh a u s - V.ers ch w ö r e r, zur Audienz bei Rupprecht eingelassen wurde. Der ,Mmg" hat das begreifliche Bestreben, im Hintergrund« zu bleiben, sich in keiner Weise zu exponieren und sein Ansehen abzunützen. Ein paar hübsche Aeußerungm von ihm sind, volkstümlich geworden: „Eine Zeit mit sinkender Geschäftskonjunktur ist ungeeignet für die Mederherstellung der Monarchie." Oder: „Die Mttelbacher kommen nicht mit Kanonen und Maschinengewehren zurück, sie wollen wehende Wimpel und weiße Festjungfrauen sehen." Ob er unvorsichtig genug war, die Ueberzeugung auszusprechen: ohne Juden und Jesuiten könne man nicht regieren, möchte ich bezweifeln. Die Völkischen haben ihm jedenfalls, um dieser Meinung willen den Krieg erklärt, und Herr v. G r acf « ging sogar so weit, die Bluiopser des Odeonsplatzes auf das Konto Rupprechts zu setzen, hinter dem die Jesuiten lauerten und hetzten, um ,Pie völkische Bewegung ihrer Führer zu berauben!" In folgerechter Anwendung dieses Mißtrauens hatte die Hitler-Garde den Grafen Soden am Putschabend als „Geisel" mitsamt den Ministern verhaftet. Sehr energisch erhob dieser. „Sendling des Vatikans" seine Stimme, nm die völkischen Beschuldigungen gegen sich wie gegen seinen Herrn als vollkommen irrsinnig zurückzuweisen. Tatsächlich hat Rupprecht am 9. November, als die Salven krachten, in Berchtesgaden gesessen und ebenso überrascht wie andere schlichte Bürger die wirren Meldungen über den Putsch zu verdauen gesucht. Sr, der mit ziemlich unverkennbarer Beziehung seine. Offiziere gewarnt hatte: „Nicht jeder ist berufen, eine führende Rolle zu übernehmen^ .. Nicht jeder Feldherr kann Staatsmann zugleich, sein wie Arisch der Gruße..." — er sieht nun durch das blinde Sefterreich vor dem Bölkerbundrat. Sie ErSffnungsfihnng in Senf. - Sine Kundgebung für Sr. Seivel. (Eigendlenst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 11. Juni. Die 26. Session des Völkerbundrates wurde heute im großen Saale des Palasthotels unter dem Vorsitze des tschecho-flowakischen Ministerpräsidenten Dr. Benes ch eröffnet. Än derselben nehmen teil: Für, Belgien M e l 0 t, für Brasilien Susa D a n t a s, für Spanien Botelia, für Frankreich Claudel, für Großbritannien Lord Parm00re, für. Italien Salandra, für Japan Viscount I8hii, für Schweden Branting und für Uruguay Gua n'i. Nach den Worten der Eröffnung sprach Vorsitzender Dr. B e n e s ch sein aufrichtiges Beileid zu dem Attentat auf Bundeskanzler Dr. Seipel aus. Auf seinen Antrag wurde einstimmig nachstehender Beschluß gefaßt: Der Dölke-rbundvat hat mit tiefem Bedauern von dem Attentat Kenntnis erhalten, das gegen den österreichischen Bundeskanzler verübt worden fft, und legt Wert daraus, seine Gefühle der Sympathie nnd seine aufrichtigen Wünsche für die baldige und vollständige Wiederherstellung des Bundeskanzlers zum Ansdruck zu bringen. Sodanu beschäftigte sich der Rat zunächst mit mehreren strittigen Fragen, die Danzig zum Gegenstand« haben. Der Vertreter Spaniens brachte als Berichterstatter zur Kenntnis, daß die polnische Regierung und die Regierung der Freistadt Danzig einvernehmlich alle schwebenden Fragen geordnet haben. Auf Vorschlag des Berichterstatters Salandra beschloß ferner der Rat, die Prüfung einer Note der deutschen Regierung,,die sich mit der lokalen Gendarmerie und der Anwesenheit französischer Truppen im Saarbecken befaßt, aus die nächste Session zu v e r t a g e n. Auf Antrag Lord P a r m 0 0 r e s hat der Völterbundrat den Bericht über di« Arbeiten der Kommission, die sich mit dem Mädchenhandel besaßt, zur Kenntnis genommen. Eine Reihe von Beschlüssen, die bestimmt sind, die Aufgabe dieser'Kommission zu erleichtern, wurde gefaßt. Schließlich nahm der Bölkerbundrat ein Expose Lord Parmoores über das günstige Ergebnis zur Kenntnis, Draufgängertum Hitlers, durch das Versagen des Blindgängers Kahr seine königlichen Zirkel empfindlich gestört. Denn, daß ein Mann wie Rupprecht als friedlicher Emeritus seine Rosen züchtet und allenfalls seine Jagden abschreitet, das glaubt doch iur Ernste kein Mensch. Bei uns nicht, und im Auslande schon gar nicht. Was brütet die „Wittelsbachsche Sphinx?" Nun, von einem Verzicht aus den Dhron kann bei diesem merkwürdig wenig degenerierten Wittelsbacher keine Rede sein. Er hat auch gar keinen Grund dazu, denn die Mehrheit des Volkes in Bayern denkt und wählt monarchistisch und der Vertrag von Versailles merzt zwar die Hohenzollern aus der politischen Entwicklung des Reiches ängstlich aus, den Wittelsbachern ward diese Ehre nicht zuteil. Rupprecht hat wehr als einmal erklärt: Reichseinheit über alles. Er ist klug genug, zu wissen, daß diese Einheit durch ein erneuertes Königreich Bayern in die Brüche ginge. Also wartet Rupprecht, denn er ist geduldig. Mer er ist nicht mehr jung genug, um lange warten zu können. Und er hat einejunge Frau, die gar zu gerne Königin wecken, möchte. Ms die schöne Luxemburgers mit ihren 24 Jahren dem stark ergrauten Thronprätendenten folgte, der ins sechzigste Jahrzehnt ging, da tat sie es schließlich nicht aus Liebe allein. Mit einer sehr ehrgeizigen, ungeduldigen Frau neben sich ist das Abwarten und Stillsitzen eine schwierige Sache. Zumal dann, wenn man sich selber noch äußerst rüstig fühlt. 8t« russischer Mmarchtstenkoitgreb in Berk». Konkurrierende Thronprätendenten. (Gigerckienst der „Wiener Morgeuzeitung".) Berlin, 11. Jüm. Unter Leitung des in Berlin lebenden Barons Krüdner-Struwe tagte gestern im Flugverbandshaus eine allrussische Monarchistenkonferenz. Dazu hatte der an der Riviera lebende Großfürst Mkolaj N i? 0 l a j e w i t s ch einen Vertreter Entsendet. Dieser begründete einen kürzlich erschienenen Aufruf, durch den der Großfürst sich an die Spitze der''Monarchistenbewegung gegen Sowjetrußland gestellt hat, Und in dem die Aufbringung von Geldmitteln und die Durchführung der Propaganda zur Wiederherstellung des monarchistischen Rußland verlangt wurde. Der Großfürst, der von den. in Berlin lebenden Monarchisten' als aussichtsreichster K von p r äten de nt unterstützt wird, ließ Nachrichten kundmachen, nach denen in kurzer Zeit mit einem Umschwünge in Rußland gerechnet werden könne. Die gutbesuchte Versammlung nahm diese Mitteilungen mit großer Begeisterung auf und spendete in der Sammlung von Bargeld: reichliche Mittel für die Destrebungen des Großfürsten. Diestr-Hat noch eine Anzahl von Wettbewerbern um den ruüischen Thron. Aus der Reihe daß der Appell des VMrbundrates zugunsten der hungem den Bevölkerung . Albaniens zur Folge gehabt hat, und beschloß, die Aufmerksamkeit der Mitglieder des Völkerbundrates auf die Notwendigkeit zu lenken, das Hilfswerk in Albanien tatkräftigst sortMsetzen.. Morgen um 11 Uhr vormittags findet eine Sitzung des FrnanzkomiteeS des Dülkerbundratest unter dem Vorsitz Ter Meul«ns über die österreichische Frage statt, zu der die Vertreter der österreichische« Regierung geladen sind. Die Minister Dr.. Gründe rger und Dr. Kienböck sowie Sektionschef Doktor Schneller hatten bereits heute zahlreiche ^Besprechungen mit den maßgebenden Persönlichkeiten des VölkerbundrateS. Der Gemralkommisiar Dr. Zimmerman ist heute morgens aü§ PariS zurückgekehrt. In Paris fand gestern im Bureau des wirtschaftlichen Sektionschefs im Mirusheriuur des Aeußern,Sehdo^nx, eine Vorbesprs chvng statt, an der außer Sehdoux und Dr. Zimmerrnan noch N i e m a h e r, P a nta le-on i und Ia n s en teilnahmen. Cs sollt« Seydoux, -er verhindert ist, nach Genf zu kommen, und der Mitglied des Finanzkomitees ist, Gelegenheit geboten werden, sich zu äußern: Das Finanzkomitee ist heute vormittags zu einer formalen Sitzung zutfammenigetreten. Es handelt« sich darum, den neuen Vorsitzenden M wählen. Die Wahl siel auf Ter M eulen, der an Stelle JanstnS präsidieren wird. Außerdem sind MWieder des Koimitees: Gtrakofch, Niemayer, Bianchini, P a tm e ntier dg Vertreter Seydoux', P0 s p ts-i l-und der Japaner J-ri. Da der ungarische GenevcMommfffäv Smith Wert darauf legt, sobald als mHgNch Genf verlassen zu könne» weil er dringende Arbeiten in Budapest Kr beisorgen ha ist es möglich,-daß die Ungarische Fryge zuerst b ehand eilt wich, dies dürfte jedoch-nur geringe Zeit in Anspruch nehmen-, so daß die österreichischLn Angelegenheiten noch morgen in der gleiche« Sitzung in Angriffs genommen werden könnm. Mgeisehm von der FirmnBommission ' .heSVölikebbmchrates wich auch die 3 iftevr ei chische £ 0 tt i r o l U kommrirssion eine Sitzung abhalten. seiner Konkurrenten hebt sich GroWrst Cyrill Wladimir 0 w i t s ch heraus, der demnächst ebenfalls eine Veranstaltung zur Aufbringung von Geldmitteln in. Berli« machen wich. Beide GroWrsten führen an der Riviera sehr k 0 ft s p i e l i g e H a u s h a l t e in der Art eines Hofes. Nicht alle Teilnehmer an der Konferenz waren so sieg-'S-. bewußt wie der Vertreter des Großfürsten, der allerdings 'behauptete, über geheime Nachrichten zu verfügen.... Sin autzenpülitWer Erfolg Mac Donalds. Mnstig« ErlMgnng der Jrakftage. London, 11: Juni. Mae D onalderzielte heute eim. großen Erfolg in seiner Außenpolitik. Sein Ultimatum an Bagdad endete damit, daß die konstitunrende Versammlung in Bagdad buchstäblich um Mitternacht den englischen Vertragsentwurf vatisizierte, wodurch die Neuaufrollnng der Mandatarfrage gegenständ s l ö S geworden ist. - / Ä>ie englffche Regievu-ng verpflichtet sich, das Königreich Irak zum Mitglied d e 's Völker b u n b .e § bei dessen nächster Tagung zu beantragen. Re.jatzavWe Akesum. Ernste Folgett? London, 11. Juni. „Daily E x P t e ß" meldet aui Tokio, daß die Unzufriedenheit in Japan über die amerikanische Elnwanderungsbill drohende Gestalt am nehme. Der japanische Botschafter in Washington sage vor-. aüs, baß „ernste Folgen" eintrtten würden/ wenn' der Wortlaut ^d«r. Antwort der amerikanischen Regierung auf den japanischen Protest veröffentlicht werde.- Das japanische Auswärtige Amt sei über die Lag« e r n st l.i ch beunruhigt. Die. in Tokio lebenden . Amerikaner bekunden eine'gewisse Nerv-ositÄt und wer es ermöglichen könne, verlasst ohne Verzug Japan. Ein Negerkonmeß in New-Görk. Srew-Dork, 10. Juni. (Tel. d. ,Mr. Morgentzeltung".». Der Präsident der Negevvtzrbände, Aurel Garveh,.hat für anfangs April 1925 einen Weltkongreß der Neger einberustn. Garvey erklärt, daß der Kongreß notwendig,gewor-, den sei,' Weil die Beratnug über die Weltprobleme der schtogHen Rasse.unaufschiebbar.dringlich, geworden sei. Mä>. stdent Ga.rvey versichert, daß,der Kongreß^ -den iinposanstn .. ÄusLMck-^S'.innhelMchsn MlEenfl von 400 .Millionen Neger, darstWst^tlnd beiwcisttt WeM, wie viele echte Kulturwerts in der Megerrasst voHandey seien.

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