Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1911 (11.6.1924)
- Date
- 1924-06-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 «Wr Wert, Mittwoch Wiener Morgenzertungi. ii. IM im. m. rsir erringen soll, soift daS Tatsächliche, von dem dieser Cinwand «lSgeht, nicht zü bestreiten. Dennoch aber ist dieser Einwand nur scheinbar berechtigt. Denn in Wahrheit liegt hier nichts apderes alK eine mehr, oder minder durch, die äußeren Schicksale des Mischen Volkes bedingte Erscheinung vor. Das jüdische Volk konnte und kann in der Galuth seine innere Kraft, das Genie seines Ethos nicht frei entfalten und bewahren. Das ift allein nur dort möglich, wo die Bedingungen eines eigenen, von aller Abhängigkeit befreiten kulturellen Lebens gegeben sein werden, im Lande der Väter. Das bestätigen bereits die Erfahrungen der verhältnismäßig geringen Anfänge des neuen Lebens im jüdischen Palästina. So entfaltet sich im Emek J esreel, in einer Gegend, in welcher unsere wackeren Pioniere mit unsäglicher Hingabe und unglaublichen Opfern ein Paradies aus dem varsunrpften Baden hervorzaübern, eine neue, die altjüdische Moral, die ihnen allen Forderungen des Dekalogs als eine Selbstverständlichkeit erscheinen läßt. Erst in letzter Zeit hatte Redner Gelegenheit, die ihn tief rührende' Beobachtung zu machen, -aß das neue Leben dyrtselbst auf unbefangene Beschauer einen mächtigen Eindruck ausübt. . Ein bedeutender amerikanischer Finanzmann, der vorher allen Versuchen, ihn für Palästina zu interessieren, hartnäckigen Widerstand entgegengesetzt hatte, ein skeptischer, philosophischer Schriftsteller' schilderten ihm in begeisterten Berichten die Einzigartigkeit des Lebens dieser neuen Gemeinschaften. Und ein kürzlich erschienenes Buch eines höheren Mischen Polizeibeamten des neuen Palästina über die Kriminalität im Lande bestätigt diese Wahrnehmungen vollauf. Unehrlichkeit und Gewalttaten find dort bereits jetzt unbekannte Dinge. Diese jungen Menschen meistern ihre menschlichen Leidenschaften mit der gleichen bedingungslosen und bewundernswerten Energie, mit welcher sie dem verwüsteten Boden ihren eisernen Willen aufzwingen. Und doch sind dies erst die Ansätze zu dem neuen Laben unseres Volkes. Sie berechtigen uns aber zu sagen: Von dort kann und wird die lang ersehnte Gesundung ausgchen, die unser Volk wieder in den Stand setzen wird, dem Dekälog auch seinem höheren Sinne nach den Weg in die Herzen der Böller zu bahnen. Dr. Rd. London während der BeMrsstreils. Rekordbesuch der Reichsausstellung. — Der Omnibusberkehr während der Feiertage. (Eigendienst der. „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Juni. Der Berkchrsstreik ist sichtlich im A b- »ehmen begriffen. Jedenfalls verhinderte er nicht, daß die britische Reichsausstellung gestern die R e k o r d z i f s e r v o n 331.232 Besuchern erreichte, während die bisherige Höchstzisfer 169.212 betrug. Bei der Untergrundbahn waren heu-te nur 39 Stationen geschlossen, aber sämtliche Linien verkehrten. Die Omnibusse stellten einen Rekord; sie beförderten während der Pfingstfeiertage zwölf Millionen Passagiere, darunter 4,480.000 am Montag, während am Samstag der Höchstrekord im OmnibüsverLdhr von 5,300.000 Passagieren erreicht wurde. Bndavefter „BSrlenfachleute". Einbruch bei einem Börsenkommissionär. Budapest, 10. Juni. (Tel.-Comp.) Samstag nachmittags Iran gen Einbrecher in die Wohnung des Börsrnkommissürs Hermann Berger und entwendeten aus einem Schranke Wertpapiere im Werte hon einer Milliarde Kronen. Bon den Tätern fehlt jede Spur, doch scheint es sich um gewerbsmäßige Einbrecher zu handeln, die mit den modernsten Einbruchswerkzeugen ausgestattet und auch mit Gummihandschuhen versehen waren. Die Diebe müssen auch eine ausgedehnte Ortskenntnis gehabt haben und man nimmt an, daß der Einbruch möglicherweise von einem der zahlreichen Bankdiener ausgesührt oder angestiftet worden ist, welche bei Hermann Berger aus- und einzugehen pflegten. Für die Teilnahme von Börsensachleuten an dem Einbruch spricht auch der Umstand, daß die Diebe ausschließlich Aktien Mitnahmen, dagegen Scheks aus den Giro- und Kassenverein im Werte von vier Milliarden Kronen liegen ließen, offenbar, weil sie der umständlichen Prozedur der Einlösung ausweichen wollten. Die Polizei hat in Wien und in Budapest die Nummern der gestohlenen Aktien verlautbart und das Annulierungsversahren für die fraglichem Effekten eingeleitet. Die Ausforschung der Einbrecher ist eingeleitet. WIENER PALÄS TINA-AMT Heulte Mittwoch den 11. Juni findet im grossen Saal des 'Ingenieur? und Archltekten-V er eitles, 1. Bezirk, Eschenbactigasse 9, ein LicSiSSiildervortrag des Herrn K.R. MAX KLEIN (Mödling) über: „Eindrücke eines Industriellen während einer Palästina-Reise" statt ,* EINTRITT FREU Beginn präzise 8 Uhr abends Ati? technischen Gründen kann während des Vortrages kein Einlass gewährt werden! erfahre, zu welchen Preisen das Ministerium einkaufe. Dieser Versuch schlug fehl, aber die Lieferung für fünf Jahre konnte sich Benoni sichern. Svatek half dabei und erhielt 250.000 tschech. Kronen. Insgesamt betrug der Gewinn der Firma Naphtha spos an den Geschäften mit dem Staat im Jahre 1923 2,8 Millionen tschech. Kronen. In den Büchern der Naphcha spol wurden verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgefunden. Im Laufe der Untersuchung stellte es sich heraus, daß diese verschiedenartig verbuchten Beträge ausschließlich BestechungsgeNer waren. Der Staatsanwalt erhebt die Anklage wegen Verbrechens der Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt, verschärft durch Anwendung großer List, da die Angeklagten in raffinierter Weise gerade die wichtigsten Stellen des Landesverteidrgungsministeriums für sich zu gewinnen verstanden. Nach der Verlesung der Anklageschrift begann die Einvernahme der Angeklagten. Der Benzinvrozeß in Prag. Gestern hat in Prag der sogenannte Benzinprozeß gegen iS Angeklagte begonnen. Die Anklage behauptet, d-aß sich einige Offiziere der Benzineinkaussftellen und der Autoabteilung des Ministeriums für nationale Verteidigung bestechen ließen. Es wurden infolgedessen mehrere Millionen Kilogramm Benzin verteuert und verschlechtert an das Aerar geliefert, Der Prozeß gegen die Offiziere wird erst in einem späteren Zeitpunkte stattfindem Unter den jetzigen Angeklagten befinden sich der Ministerialrat Dr. Svatek und seine Frau,- drei Direktoren der Legiobanka, der degpcchierte Kapitän Gottfried Muska und der Direktor der Naphcha spol, Benoni. Letzterer versprach jedem Offizier 100,000 tschechische Kronen, wenn ein Ministerialgutachten zustande käme, des Inhalts, daß es für den Kriegsfall vorteilhaft sei, schon jetzt große Benzinlager zu errichten. Das Gutachten kam zustande. Benoni wollte der Naphtha spol ein Mondpol verschaffen und strebte deshalb einen Generalstäbserlaß an des Inhalts, die Benzinlieferungen seien von nun ab nur einer einzigen Firma zu vergeben, damit das Auslbcmd nicht Verbesserungen bei der Post - in Frankreich. Wie uns aus Paris geschrieben wird, werden in nächster Zeit zwei besonders für die Geschäftswett wichti-ge Neuerungen eiugesührt, die auch bei uns weitestgehende Beachtung verdienen würden. Eine der zeitraubendsten und umständlichsten Manipulationen ist bekanntlich in größeren Betrieben das Frankieren der Briefe. Besonders in den Abendstunden, wem: sich die Arbeit auf eine kurze Spanne Zeit zusammeMängt, macht sich dieser Uobelstand fühlbar. Dem soll nun durch die Einführung der Frankiermaschine abgeholfen werden. Dieser sinreich konstruierte Apparat ist imstande, 2606 bis 3000 Briefe in der Stunde zu frankieren. Das Verfahren gleicht dem bei dex rpqsHinMn Abstempelung dev.Briefe und ermöglicht' gleichzeitig eine genaue. Kontrolle, so daß jede Schädigung der Pystverwältung ausgeschlossen erscheint. An Stelle der Bvichnarke drückt die Maschine einfach einen Stempel aus den Briefumschlag. Diese aüsgestempette Marke trägt eine fortlaufende Nummer. Die zweite Neuerung betrifft die Aufgabe' von Telegrammen in Paris. Bisher mußten diese ebenso wie im anderen Ländern beim Schalter des Postbureaus aufge-- geben werden. Nun können sie mit Briefmarken frankiert in jeden beliebigen Postkasten gesteckt werden. Im Falle ungenügender Frankierung wird das Strafporto wie bei anderen Postsendungen vom Empfänger eingehoben. Bei uns wäre diese Neuerung allerdings nicht angängig, da sonst der Empfänger einer Depesche zumindest eine Woche auf deren Zustellung warten müßte. Austritt der Amtsgehilfen aus dem Berbaud der städtische» Angestellte«. In einer vor einigen Tagen in der Volkshalle des Rathauses äbgchaltenen Vollversammlung der städtischen Amts gehilfen wurde, wie eine Lokalkorrespondenz meldet, der ein stimmige Beschluß gefaßt, aus dem Verbände der städtischen Angestellten, der unter der Führung des sozialdemokratischen Nationalrates Schulz steht, auszntreten. Dieser Austritt betrifft 760 Amtsgehilfen. In einer Zuschrift an die Magistratsdirektion wurde daS. Verlangen gestellt, den Abzug der Vor band'-beiträge vom Gehalte ab 1. Juli einzustellen. Der Grund für diesen geschlossenen Austritt ist in der Unzufriedenheit mit der Haltung des Verbandspräsidinms zu suchen, in dem die Amtsgehilfen trotz wiederholtem Verlangen keine Vertretung hatten. Einzelne Führer im Verbände hätten sich fette Pfründen verschafft; viele seien gleich Mandataren von ihren dienstlichen Obliegenheiten so gut wie befreit, beziehen di? vollen Gehälter und bekleiden überdies gut dotierte Stellen in den verschiedenen Wirtschaftsorganisationen des Verbandes. Manche Einkommen sollen sich nach Behauptungen von Amtsgehilfen bis zu 20 .Millionen monatlich belaufen! Es scheint sich hier nur um persönliche Differenzen zwischen einigen Führern zu handeln, die ihren Ehrgeiz in einem anderen Verbände befriedigen wollen, Der Schilling. AusMe des neuen Hartgeldes am Montag. r Montag den 16. d. wird mit der Ausgabe der Silbdrz chtllmge und der anderen zur Ausprägung gelangten Kate«, gorien von Hartgeld begonnen werden. Es sind dies Bronze münzen zu 100 und 200 K. und Münzen aus Kupfernickel zu 1000 und 2000 K. Hierzu kommt noch die Schilling geq nannte Scheidemünze ans Silber zu 10.000, beziehungsweise der Halbschilling zu 5000 K. und der Doppelschilling zu 20.000 K. Eine neue Währungseinheit soll mit dem Schilling nicht geschaffen werden, doch wird damit, ein Schritt auf dem Wege zur neuen Währung gemacht. ' Me Wasserkraftwerke der Gemeinde Men. Verringerung der Kredite, Im Jänner dieses Jahres 'hat bekanntlich die Na tionalbank der ,/Wag" (Wiener Wasserkrafitverke-A. einen Kredit von zwei Millionen Dollar zur Sicherung des restlichen Kapitalsanswandes siir die Waffer'kraftbaulen her „Wag" bewilligt. Das foinerzeitige UebereinkomnM svll jetzt in der Art geändert werden, daß die Darlehenssusitme von zwei .M i llionen auf 1,2si Millionen ,D P llar restringiert wird. Dabei wird von der NatioMbcmk mit Rücksicht auf die. Wlvffchciifkskri.se/ die 'Rückzahl n. Ny zu früheren als den ursprünglich vereinbarten Terminen und eine Erhöhung her Annuitäten perlangt. Die diesbezüglichen Verhandlungen sind poch in j Schtoebe. Der gemeinderätliche Finanzausschuß wird sich mit feWfr« Angelegenheit beschäftigen. . Me mißglückte Mdamerikatournee. Die Theateragentur Sani! lehnt die Verantwortung ab. Wie gestern gemeldet, ist die unter Leitung Leo Fallit muh Südamerika abgegangene Opevetterttournee verwacht und das Ensemble von 65 Personen verfügt nicht über di« Mittel, um heimzurelsen. Der Deuiffchösterreichische Bühnen» verein hat sich telegraphisch an in Südamerika leibende Wiener gewendet, um aus privatem Wege die Mittel zur Rückbesördt» rnng der Schauspieler auWbringen. Es ist dies die dritte Wiener Ueberseetournee, die seit kurzer Zeit zu» ammen bricht. Man hatte Leo Fall für sich, seine Familie und Dienstpersonen freie Fahrt und' sin Mndeschonorar von drei Milliarden Kronen znigesichevt» der ersten Soubrette Rosy Wevginz 8 0 0 Milltonen. Durch diese großen Summen hattem sich die Teilnehmer verleiten lassen. Es schwebten ihnen die großen Honorare vor Augen, die die Jeritza in Amerika erhielt, und sie vergaßen, daß sie nicht über die enorme Reklametvommel der Jeritza verfügen, die es bester als alle anderen verficht, sich in Geltung zu bringen. Der W-ef der Vheattraigentur Lan ik, die die Engagements vermittelte, teilte einem unserer Mitarbeiter folgendes mit: »,Jrn März dieses JcchreL trat an den damaligen Chef der . Firma, meinen inzwischen verstorbenen Brrchor, «in italienischer Impresario namens Rochkoff mit dem Anerbieten heran, mit ihm und dem Leiter der Wiener Filiale des Per», liner TheaterbeplageL Rühle, Herrn Willi Buchbinder, ein Operettenenfernchle zu.engagieren und Me Tournee nach Südamerika zu veranstalten. Mein Brüder stellte auch ein solches Ensemble zusammen, mit Leo F a l 1 an der Spitze. Knapp vor dem Abschluß der VechaMungM trat jchoch ein gewisser Giuseppe P a r a d oss |auf best Plan, der die Anteile meines Bruders und der anderen MwevansiMör gemeinsam mit noch ewigen Argentiniern Wernahm.' Daher schied unsere Firma auS dem UnterN-chmen aus. Der Bichnenivevein/ der sich ursprünglich gegen das Zustandekommen des Vertrages mit der Motivierung gewehrt hatte, er könne nur Me Zustimmung geben, wenn die geforderte Kaution in der Höhe von -«imr Milliarde Kronen gestellt würde, hatte später ahs baS Drängen seiner MiiMeder seine Einwilligung zum, Vertragsabschluß ertM, chne daß die verlangte Sicherstellung geleistet wurde. Da nun infolge deK schlechten Geschäftsganges, welcher dem geringen Interests, das daS dortige PMiknm deutschen. Ver-amstaltungen endgegenbringt, zuzuschreiilben ist, dem Konsortium anscheinend die Mittel aus gingen, ließen sie die Künstler, von denen Paul Guttmcmn und Toni Millerer krankt sind, einfach im Stich.. In der gestrigen Satzung her Bühnem Vereins wurde beschlossen/ neuerlich beim Ministerium für Aeußeres zu intervenieren, -um alle nötigen Schritte zur baldigsten Rücksendung des Ensembiles einzuloitM. Unsere - Firma muß selbstverstäMich jede Haftung für di-es-eS mißglückte Uniernchmen-Mchmn, da sie lddtglich als Kommistionärin die Anwerbung des Ensewbles vermittelte." Dieser Mißerfolg wird wohl allen jetzt Michvn Anprsd sungien für amerikanische GasWÄle ein Ende bereiten. Es ist nur bedauerlich, Paß der österreichische diploimatiliche Vertreter in Btlenos Aires sich überhaupt nicht gerührt hat. Mt dem Schutzs her österreichischen Interessen im Ausland scheint «* schlecht bestellt zu sein! Die Kunst- und Wchahrt de? MtttrlMtter. - Die an der Kunst- und Spielfährt beteiligten tausend Absolventen und Absolventinnen der österreichischen Mittelschulen, der höheren ^Handelsschulen und Heeresschulen unternahmen Sonntag und Montag unter fach-! männischer Führung R n n d g ä n g e durch Wen Znd. Be-! sichtigungen des Natur- und Kunsthistorischen Museums, des Technischen Museums usw, Montag yhend wohnten sie in der Staatsoper einer Masteraufführung von . ,^ohengrin" bei. Gestern fanden eine Donausahrt, eine Jßuse heim. Bürgermeister Seitz, Besüch des Burgthegters nsw-. statt. Aus der Hohen Warte wurde die ö st e r e i ch i s ch e Mittelschüler- Meisterschaft aus getragen. Heute Mchmittags, halb 3 Mr, finden die SchlußsälNPse statt. -Anndespriffident H q iyisch wird die Preisverteflung vornehmen. Alle PolkI- und Mittelschüler.,IÜiens sowie deren Lehrperspnen haben freien Eintritt. Für abends ist die Abreise angesagt. UmMmag der MeWsse. Der Preis für Würfelzucker wurde in den letz?'?n Tagest hon 12-000 K. auf li.ooo K. ermäßigt. Las Wetter. Auch am gestrigen Tage war das . Wetter 'schön, Fdx heute wird zwar'Unsicheres Wetter augekü-ndigt. doch haben die Meteorologen eine Temperaturznaahme angesa'gr, so daß schönes Wetter zu erwarten ist.