Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1911 (11.6.1924)
- Date
- 1924-06-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, , Mm, ----- ~ - .■■ >■■■■■ •■<•»•' -' | . - _' •'•■... KlkmMr außgtzfvrLerthabe, die Gefahr in r-rYv daß Er Mer DAtatirr entgegiengche. Nachdem der KomMtnist R « naud - Iean und der Kdlonialmimster Fabry gesprochen haben, wurde die Debatte geschlossen. Die Abstimmung erfolgte namentlich vor der Tribüne. l Die Kammer nahm den Perkagungsantrag Herriöt- MuM-Biölette mit 329 gegen Z14 G t i m m e n a n und schloß, den Antrag sowie das AbstimMungsverhältnis durch öffentlichen Anschlag bekanntzumachen. Die Sitzung wurÄe sodann geschlossen und die nächste Sitzung zur EntgeMnttähme einer Mitteilung der Regierung aus morgen Mittwoch Nachmittags anbevaumt. Obwohl das Refultat der Abstimmung sich mit den Voraussagen deckte, «t$ete. die Sitzung äußerst st ürmi s ch. - Im Senat wurden die Botschaft des Präsidenten der Republik und d'ie Regierungserklärung vom Justizminister Retter verlesen. /Sodann teilte der Vorsitzende Doumergue mit, daß . Senator C h e r o n über die allgemeine Politik der Regierung zu interpellieren wünsche und fragte, an welchem Tage das Halis die Interpellation zu erörtern gedenke. Die Senatoren Bienvenu-Martin und Perrier brachten einen Antrag aufVertagung der Debatte ein, der in öffentlicher Abstimmung mit 164 gegen 144 Stimmen angenommen wurde/ worauf die Senatssitzu-ng auf Mittwoch, 3 Uhr nachmittags, vertagt wird. ZK LemWon WMranbs. ' Am halb 9 Uhr abends wurde folgendes amtliche CM-muNigue der Präfidetttfchaftskanzlei ausgegeben: Ministerpräsident Marsal hat sich mit den Ministern ins Elysee begeben, um dem Präsidenten Millerand über die Ereignisse itn Parlament zu berichten. Präsident Millerand dringe dem Ministerpräsidenten und seinen Kollegen für die ihm zur Verteidigung der Verfassung gewahrte Hilfe. Da die Minister ihre Demission ange- Loten hatten, erklärte Millerand, daß er angesichts des Berichtes üb«: den Verlauf der Sitzungen der beiden Kammern, den er soeben vom Ministerpräsidenten erhalten hM/'beschlossen habe, % i zurückzutreten. Et ersuche demzufolge das K ab i n et t, i n s e i n e r ^ü'üktrönLu verbleiben.; Mttwoch vormittags wird ein Ministerrat zu-' slmmentrrten. Die. Entscheidung des Präsidenten wird, den beiden Kammern zü Beginn der morgigen Sitzungen zur Kenntnis gebracht weMn. Marsal — interimistischer Staatschef. -Diesem CöMMuüiqüe kann noch hinzugefügt werden, daß Ministerpräsident Marsal aus Grund der Verfassung bis Mi Wahl des n-eUen Präsidenten der Republik i nteriwtstischer Staats chef wird. Die Wahl Painlevss zum Präsidenten der Republik wird somit unter der Leitung Marsäls vorgenommen werden. Painleve — Präsidentschaftskandidat der Linken. .> Wie Ihr Korrespondent erfährt, bereitet die Linke sich bereits! da rauf vor, übermorgen nach der Demission Millevands zu einem gemeinsamen Kongreß zustmmmMchreten, um ihre Stellung hei der Wahl des neuen - Präsidenten der Republik, die voraussichtlich, wenn sich alles pwgwmMgeluäß entwickelt, am Freitag in Versailles statHnden wird, sestzulegen. Es ist vorläufig - noch nicht Nach, ÄbDoumergU-ebei dew Kongreß der Linken deHrchett wird, seine Kandidatur gegenüber der Painkeves arHustellen. Geschichr dies, so wird die Wahl der Linken auf Painleve fallen. Es ist aber ailsdäNn immer noch mWich) daß - Doumergue älhnbich wie Poincare dies im Jahre 1913 tat, ohne von dev Partei beauftragt zu sein, feine. Kandidatur aufftellt. Es würde dies sicherlich eine starke Zersplitterung der Stimmen mit sich bringen. Wie berÄts gsmÄdet wurde, spricht man auch von einer Kandidatur Pams sowie von einer Kandidatur Leb r u m Van gewisser 'Seite wird auch Propaganda' dafür.gemacht, daß Poincare sich für die PräftdeNtsthast'd<r' RspMÄ in Pctsa.illes aUfstellen läßt. mmmn mm Kr Refselausschlag geschwunden. - Ser Lungendesund unverändert. Iteben das Befinden des Bundeskanzlers tvlivde um halst 8 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben: Temperatur 37,2, Puls 116, Respiration 30, Nesselausschlag säst gäschwunden, Lnngenbesund unvtt.ändert. Atlgemernzustand und Ernahrun^sansnahme befriedigend. Gez.r Bauer, Eiselsberg, Schnitzler, Singer, Steiger, Sternberg- - Wiener Morgenzeitung. ii. IM im m im -i*—.—,! ... . Beginn der Tagung am 24. Stttti. Die uns aus London telgraphiert wird, wurde die für den 17. d. einberufene Sitzung desAkt i o u sko m itees auf den 24. d. v erschpb en. Die Erweiterung der Iewish-Ägeney. lieber die Vorschläge, welche von amerikanischer Seite bei den von Dr. W e i z m a n n gepflogenen Besprechungen erstattet wurden, macht das Londoner zionistische Zentralorgan „Haolam" die folgenden Mitteilungen: Die Amerikaner sind bereit, beim Aufbau der Jewish Agench mitzuwirken, aber sie betrachten es n ich t als wünschenswert, >daß zunächst ein UebergangSstadium eintreten soll, während dessen!dre NichtzioUisten lediglich ist einem Council mit beratender Funktion teilnehmen. Sie wollen vielmehr die volle Verantwortung für die Funktion der Jewish Agency, das nationale Heim für. das jüdische Volk in Palästina auszubauen, «teilen. ,Demgemäß schlagen sie vor, daß em Council aus 153 Mitgliedern gebildet wird, der zur Hälfte aus Zionisten und zur Halste aus Nichtzionisten besteht. Die ,z i o n i st i s ch e n Vertreter stellt der Z i o n i st.e n k oug r e ß, die nichtzionistischen Vertreter werden von den einzelnen Ländern entsandt je nach der Zahl der. jüdischen Bevölkerung und der Leistung für den Keren Hajessod- Unter diesem Gesichtspunkt glaubt man, paß auf die Amerikaner etwa 40 Prozent der gesamten Anzahl entfallen würden. Diese amerikanischen Vertreter sollen von einer panamerikanischen K ö 1t seren z der propalä st in en s i sche n Nicht» z l o n i ft c n gewählt Wörden. Die selbstverständliche Bori aUSsetzUttg des amerÄanischen Vorschlages bildet die V eÄ pflichiung der in der Jewish Agench ' vereinigten Gruppen zur Aufbringung der für den Aufbau Palästinas erforderlich'en Mittel. Wenn wir den Vorschlag der Amerikaner betrachte«, so muß es uns klar sein, daß die 50 Prozent, die die Zionistische Organisation zu stellen hat, der führende wtö «ausschlaggebende Faktor in der Jewish Agency sein wen« den. Dazu ist nottvendig, daß die Zionistische O» ganisation innerlich konsolidiert wird uttö daß die nutzlosen Parteikämpse, die unsere kostbarste Energie verschwenden, aufhören . .. . Es muß das Vertrauen innerhalb der zionistischen Reihen wiederhevgestellt werden. Mir dürfen jedoch nicht glauben, daß nunmehr alle Schwierigkeiten schon überwunden sind. Im Gegenteil. £>fy Aktionskomitee öder später der Kongreß ^die amerikanischen Vorschläge annehmen wird oder nicht, jedenfalls wird die Bildung der Jewish Agency und die Durchführung aller anderen Miomn, die die Voraussetzung für de« Aufbau Palästinas bilden, noch viele und große Schwierigkeiten machen und . an uns Zionisten noch die stärksten Anforderungen. stellen. Es wäre vielleicht ein großes Gluck, wenn wir diesen kommenden Schwierigkeiten eine geeinte Front gegenüberstellen könnten in dem Bewußtsein, baß die zionistische Idee schließlich doch siegreichbleibenmutz.- Erleichterungen im amerikanischen Einwanderungsgeseh. Washington, 9. Juni. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitnug".) Senat und Repräsentantenhaus haben eine nach einem biblischen Ausdruck als „Sabbatbill" bezeichnete Vorlage angemmmen, welche erleichternde Uebergangsibestim» mungen für die Einwanderung schafft. Nach dem neuen Gesetz zählen Frauen u u d K i n'd e r, auch wenn der Gatte und Vater sich bereits in Amerika befinden,, auf die zulässige Quote mit. Die Sabbatbill bestimm Nun, daß Frauen und Kmder jemr MänNer, die am 26. Mai bereits in Amerika waren, ohne Rücksicht Mf die Quote zuzulasstn. sind, aber nur im Höchstausmaß vön 13.000. AebvigeNS^^ wird die 'dLfinitive Ginwan'derung'squote jeder Mtionalität erst nach dem 1. Juli 1927 feststehen, tveMbiL''d,aHttt 'die staMische'AntersUchuttg der nationalen Zusammenisetzung der Gesamtbevölkerung Amerikas nach dem Zenfüs von 1920 vollendet sein wiä>. Jede Nation wird. dann von der jährlichen Gesamteinwanderungsziffer von 150.000 so viel Prozente in Anspruch nehmen können, als der ProMtsatz der dem Ursprung Nach dieser Nation angehövigen Bewohner Amerikas von der gesamten weißen Bevölkerung Amerikas ausmacht. Antiamerikarrische DemoirstraLiottLn irr Jsrpan. London, 10. Juni. (Tel, d. „Wr. Morgenzsitung".) Einer der Depeschen der „Times^ aus Tokio zufolge, : drangen am Pfingstsonntag etwa 50 nationalistische Japaner in den Ballsaal eines der ersten Hotels von Tokio, wo gerade eine von Amerikanern veranstaltete Tanz- Unterhaltung stattfand. Die Nationalisten unterbmchen die Unterhaltung, mißhandelten die Tanzenden und verlangten die Ausweisung sämtlicher Amerikaner aus Japan. Kalo bildet die neue japanische Negievtrng. London, 10. Juni. Die „Central News" .erfahren aus Tokio, daß Graf Kato, der frühere japanische Botschaster in London, sich bereit erklärt habe, das neue Ministerium zu bilden. Cs wird in diesem Augenblick der gespannten japanisch-amerikanischen Beziehungen he'rvorge-. hoben, daß der neue Premierminister einer der Führer der arrkamerikanischtzn Bewegung sei. Der japanische Botschafter geht ans Urlaub. London, 10. Juni. (Tel. d. ,,Wr. MotgeNzvituNg".) Rach einer Meldung aus Washington hat Staatssekretär H ug-- he's gestern dem japanischen Botschafter die Antwortnote M der Einwanderungsfrage überreicht. In dieser Note, die äußevordenilich höflich äbgesaßt sein soll, wird versucht, Larzulegen, daß das Emwanderungsgesetz in keiner Weise' A usna h m e b e st i m m u n g e n gegen die Japaner ent-- hälte. Die Antwort gibt aber ke ine Mög li chkeit, die ' Verhandlungen über die Anwendung des amerikanischen 'Gesetzes fortzusetzen. Wahrscheinlich wird der japanische Botschaft er in Washington bald auf Veranlassung seiner Regierung einen Urlaub v an nn bestimmt L r Dauer anlveten. Die Note wird nach dem Eintreffen i-n Tokio in Washington und Tokio gleichzeitig Veröffentlicht werden. •_: eine MinWerdemiW« in Rnmänien. Bukarest, 10. Juni. (Tel.-Komp.) „Universul" meldet, daß der Minister der Staatsdomänen,' Alexander K o nstantin.escu, und sein Staatssekretär Cipaianu -ihre. Demission eingereicht schaben,, nachdem der F 4 n.a n z m i N ist e r einen Kredit von 4 M i l l Po n e n. Lei für die Zioecke ihres Ressorts verweigert hat. Iie englische BanmivMernte. Paris, 10. Juni. Nach öimm Bericht des British Cotton Gvowing betrug die Baumstvollernte in Groß-' britannien im Jalhr-e 1923 178.200 Ballen im Werte von 5,6 Millionen P s u n d Sterling. Im Jahre 1922 wurden 103.400 Ballen und im Jahre 1921 165.100 Ballen geerntet. * Sie enMch-mssWe Konferenz. Litwinow in London, (Gvgendienst der ,Mener Morgenyeitung".) London, 10. Juni/ Litwinow ist heute früh i« London angekommen. Er hatte bereits zahlreiche Unter-, redungen mit FinäntzleNten-der City. In der russischen. Handelsdelegation erklärt man, daß L i tw i. n o w an SteH' Rakö w'§*$is als Chef der russifchen Handelsd elegä tion>'an'der Konferenz teihnehmen wiH.^ werde vor allem vechnchen, die Unterhandlungen zn be«. schleunigen,^die m eine Sackgasse geraten seien. In FlNaNzkreisen glaubt man, daß die Dauer der Konferenz von dem Umstande abhängen wird, ob diö Rusien in Londm Kredit e finden oder nicht. Ueber die nächste Plenarsitzung der KoUifevörtz ist noch kein Beschluß gefaßt Worden. Sowohl M a c D o n a l d als Ponsonby befinden sich außerhalb Londons. Ik Li>re»gbvmbe aus dem Geleise. Ein Attentat Mf den Expreßzug Mobkau—Riga. (Ngenldienst der „Wiener Morgenzeitung".) Helsingsors, 10. Juni. Der Expreßzug Moskau--Riga, ist heute nachts i tt d i e Luft gesprengt worden. SM. daten aus einer Naheliegenden Garnison eilten herber und' leisteten erste Hilfe. Der UNMcksort ist von einer Kette von Maschinengewehren abgesperrt. In dem Zug sollen sich mchrere hervorragende politische Persönlichkeiten befunden Wben. Der Anschlag wurde in der Weise Verübt, daß zwischen die iGeleiss eine Sprellgbombe gelegt worden war, die in dem Augenblick explodierte, als die Lokomotive darüber führ. Die Maschine wurde etwa 40/Meter von dem Geleise fortgeschlendert.-.Der größte Teil des Zuges wurde zerstör Die Zahl der 'Todesopfer ist-Noch nicht sestgestellt. Die Berliner Gesandtschaft dementiert. Berlin, 10. Juni. Von der hiesigen russischen Botschaft wird erklärt, daß ihre Nachfrage in Moskau über die Wahrheit der Nachrichten eine Bestätigung nicht erfahren habe. , See Gewinn Italiens int Znbülmd. London, 10. Juni- (Wolfs«) D»lrch das JnbalandM' ab k o mme n echält Italien' einen bedeutenden Zuwachs an Gebiet, darunter-auch den Hasen von Kre.maju und den Zrtgang zum Hasen - von 'Durnfor-id. .. ' ' . ._ Sek Ankftand in Albanien. Eine prövisürische Regierung der Aufständischen.' Beligrad, 10. Junr. NaE^einem Telegramm, das dal. Belgrader Auswärtige Amt erhalten hat, halben die Manischen' AufstaMschen.. eine provisorische Regier ü ü g aus drei Mitgliedern mit dem orthodoxen Bischof von Korea, Fa n N o l i,.an der Spitze gebildet. Diese Regierung 'bealbsichÜHt, die auLeinanderg-egangene Konstituante'nach Tirana baldigst wietzer emzubevufen, um ejne verfassungsmäßige Regierung aus der Mitte der. Pärlatnentsmitglieder zu schaffen. - Wie aus Prisrend gemekdet wird, se>i die bishevitte Regierung nach Durazzv geflüchtet^