Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1909 (8.6.1924)
- Date
- 1924-06-08
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IM Wien, So-mitas Wiener Movgenzertung. 8. Juni 1924 Seite tat,' bin Rabbiner als GediichtmslÜnMr. Ein Freund unseres Blattes schreibt -uns: Kürzlich ging durch die deutschen Glätter eine Liste von Namen, deren Träger im vorigen Jahchundert durch ganz außerordentliche Gedächtmsstärke.die Bewunderung in den weitesten Kreisen erregt hätten. Es fehlte darin der Name eines Mannes,' der, obwohl er hauptsäck-lich auf dem Gebiete der talmudis ch e n L i t e r a t u r fein phänomenales Gedächtnis bekundete, doch auch seinerzeit zu einer Berühmtheit gelangt war, die keine konfessionellen Grenzen hatte. Im Jahve 1837 schrieb eiri damals sehr angesehenes deutsches Blatt, die „Priv. Schlesische Zeitung", über diesen' Gsdächtniskünstler unter der Ansschrift: - „Ein junger Rabbiner" n. a.: „Seit einiger Zeit befindet sich in Breslau ein junger polnischer R abbiner, Namens Hirsch Dänemark, 23 Jahre alt, der durch sein bvwundernngswürdiges Gedächtnis zu den seltensten Erscheinungen gehört, indem derselbe vollständige Traktate des Talmuds, mit ihren umfangreichen Kommentaren Raschi, Tossephoft Rosch nebst Randglossen Wort, für Wort ans die Merkwürdigste Art auswendig weiß. Folgende Beweise, die der gedachte Rabbiner in Gegenwart mehrerer Personen als Probe seines Wundergedächtllisses ablegte, : mögen diese Behauptung rechtfertigen. Es öffnete jemand einen nach Gefallen gewählten Traktat und nannte das Folio. Hierauf frug er den Rabbiner um das Wort auf einem 13 Seiten vorangehenden und dann auf einem 15 Seilen späteren Blatte: -augenblicklich erfolgte die richtige Angabe. Weiterhin faßte der Rabbiner IS bis 20 Blätter zwischen die Finger und bestimmte nach kurzem Nachdenken das Folio eines Blattes, welches man ihm (allenfalls mit einer Nadel) Gezeichnete. Zu bedauern jedoch ist, daß dieser junge Mann bei der ununterbrochenen angestrengten Geistesstätigkeil in einem höchst aufgeregten Zustand sich befindet, dem er bei fortdauernder ähnlicher Lebensweise leicht erliegen kamr." 1 Weiters heißt es in dem zitierten Blatte: „Uebrigens ist Hirsch Dänemark in Warschau durch seine außerordentliche Gabe so bekannt, daß sich die höchsten Personen ihn vorführen ließen. Man erzählt, daß Fürst Paskew itsch ihm die Namen von M) Soldaten öfters vorsagen ließ und daß der junge Rabbiner ,>die ganze Liste" derselben. aus dem Gedächtnisse wiederholtes Diesen Mitteilungen der „Priv. Schlesischen Zeitung", fügt der Einsender mach -die Bemerkung hinzu, daß Hirsch Dänemark in der Tat kein hohes Lebensalter erreichte und in der'Blüte der Jahren auf einer seiner Kunstreifen starb. Der große Gedächtniskünstler teilt nun schon feit, langem das Schicksal vieler einstiger Berühmtheiten — v erg e s s e n M sein. Diese Zeilen dürften aber die Erinnerung , an den jedenfalls merkwüwigen Mann wecken. . g. nn. Gründung einer österreichischen Gesellschaft für Am 5. d. fand die Gründung derästerreichischm Gesellschaft für Sozialpolitik statt. Der Vorsitzende, Sektionschef Hawelka, Gezeichnete die Gründung als -um so dringlicher, da im Herbst dieses Jahres ein großer internationaler sozialpolitischer Kongreß in Prag stattfinden werde, bei -dem auch Oesterrei ch vertreten sein soll. Zum Vorsitzenden der Gesellschaft wurde Minister a. D. Dr. M a ta j a, zu seinen Stellvertretern, der erste Sekretär der Arbeiterkammer, Dr. Palla, und Minister Dr^ Resch bestellt. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes in Genf, Thomas, besprach -sodann die Notwendigkeit der sozialpolitischen Vereinigungen ln den einzelnen Ländern. Mitteilungen ans dem Publikum. JJeßphhh&m SEobiilki^ßS Sele/bn:63~5’30Jerfe rfflien£%iaiiernmarktj2*iM S/esme Fiualenm w/em! ■craam iiiwiniwMUfiiBrin'ii.imTiMiBmi—8bk—naBPWWWB—w——M*. Statt jeder besonderen Anzeige 1 Elsa Rosner ' PieStäny . Nathan Blumgrund Bratislava Verlobte Amalie Frankel David Axelrad „ Verlobte Wien, im Juni 1924 J. Feine 610 Wohnungseinrichtungen. «Heu, JllJiüWwsse 1—3 (Ecke Karl Schweighofergasse) " Frohnleiten bei Graz Pauschalpreis K 100.000 ailfW. Chefarzt Dr. 8. WEIS 8. Pariser Neuheit IN undHERREIISQIUHEN im neueröffneteii Schühhaüs I. 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Heber einen sensationellen Fund, der der Moskauer^ Polizei gelungen ist, weiß der dortige Korrespondent des' ^Da'ily Expreß" interessante Einzelheiten zu melden-Der!- ' Funde lourde im Keller eines pailastartigen Gebäudes gemacht, das ftüher Eigenturn eines der Moskauer Textil-; kömge war. und das der englische Geschäftsträger als Gitz! der britrschen Gesandtschaft in Aussicht genommen hatte. ' Bevor das Gebäude in das Eigentum des Staates überging,! war es im Beisitz'Stephan. R i abus chinsky s, eines deri reichsten Indüstrillen Moskaus, der zurzeit in Paris lebt.! Nach der Nevolution war es drei 'Jahre lang Sitz des ame«! vikanischen FüvsorgekonMes, uard als dieses Rußland der--! ' ließ, >wurde es zu einem Studentenheim nmgewandelt. y- Vor einigen Tagen erhielt ein Student von der Regie-: rung den Auftrag, den Bestand der im Haus befindlichen Gegenstände aufznnchmew. Mit dieser Arbeit beschäftigt,! - kam der Student auch in den Weinkeller, -wo seineMufmeMsämkeit durch eine .JÄlltüv in Anspruch genommen wurde,! die.^au-tzettschÄMch -in 'ÄN:-Mteri>chisches Gelaß Dhvte.'Diei , Tür würde nach erstatteter Anzeige -bei der Polizei , geöffnet, und den erstaunten Augen der -Hntersuchungskommission! ' hot sich der Anblick einer Sammlung von seltenen Kunstschätzen, Gemälden, Porzellan, Statuen, japanischen Elsen-; beiuschmtzereieNl kostbaren. Juwelen, die hier während der/ - Revolution in Sicherheit gebracht worden waren.- : Es ist auch möglich, daß man bei -weiterer Dmch-! suchung des Kellevgelasses die berühmte Heilügenbildersamm- \ lung entdecken wird, die der Bruder des obgenannten Eigen- - tümers -des 'Hauses, Pawel Mabuschin'sky, angeblich dort untevgebracht hat. Diese Sammlung galt als die bedentendfte ganz Rußlands und übertrifft an Wert noch die des! Zaren. Man fand im Keller ferner eine , große Zahl Red olderviele für die. Zeitgeschichte wertvolle Dekumente und eine Sammlung von Nummern von Zeitungen,, die bei Ausbruch der Revolution zum letztenmal erschienen Waden. Die Amateure in LeWg. Die Wieuer siegen 2:0. ' Leipzig, 7. Juni. Die Wiener Amaieure spielied heute gegen Fortuna-Leipzig und siegten 2:0. Die Tore erzielten E u t t i und S ch a f f e r. Der Sohn des Berliner jugoslawischen Generalkonsnls als Leiche^gesnnden. Aus 33 c r EG t n wird uns gemeldet: Gestern wurde in den Gewässern der Dahm die Leiche des Mnen Kurt; : Berkhausen, des vierelnhalibjährigen Söhnchens des; Moiftviwilschen GeUeralto-'ujsüils ln Berlin, aufgefunden. Die Leiche des Knaben wurde an einer entlegenen Stelle des Flusses entdeckt. Aus dom Befund der Leiche gcht hervor, 'daß es sich um einen Unglücks fall handelt, Der Londoner Aektrizitötrstreik. - Aus Londoy wird.uns.berichtet: Der Streik in de Londoner -Kraft st a t i v n e n nimmt an Umfang zn. Vorgestern wurde beschlossen, daß die Ma s ch ine n-; b a u e r, Schmiede und Monteure von der Londoner elektrischen Stm^euhahn an dem Streik teilnehmen i sollen, folglich ergibt sich ein dreifacher Streik. Erstens ein. un-offizieller . Don. Arbeitern der Eisenbahuwerkl statten, der von der offiziellen Leitung der nationalen Ünjon der Eisenbahner bekämpft wird; ein . S y mp a th i e st r e i k der. -Verkehrsbeamten so-vie. der Arbeiter ' dervKraftstationen und drittens der Streik der A rb e i t e rv e re i n i g.u n g e n bei den elektrischen Gewerkschaften sowie der Schmiede und Monteure. Und. unentschieden ist noch, ob die assoziierten Lokomotivführer und. Heizer sich ' dem. Streik anschließen werden., Der Pfingstverkehr aus London in die Provinz, weist trotzdem Rekordzifferu auf.- Die Reichsausstellung ist weiterhin in allen Richtungen erreichbar-