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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-08 · Heft 1909 (8.6.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1909 (8.6.1924)
Date
1924-06-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I «*«**• '-, -nr^t-w Y-B-1 -5T -*■«* (Ir- , t V . “ -.» - ' Rr. 1909 Wen, Sonntag .mot-jt.*'. - .'. i——. .... (Sitte Schieberei in Hamburg. Hamburg 7. Juni. (Tel. d. ,M. Morgenzeitung".) Im Anschluß an Me g estern abends int Gswerkschaftshaus stattgefundene VeMmmlung formierten sich tnehrere DemonstrationSzuge. US die Polizei die Demonstranten zum Ausemandergeherr,aufforderte, wurde sie 'beschossen. Ein Polizeibeamttzr tyürde verletzt. Ob auch unter den Demonstranten Perletzungen vorgelommen sind, konnte nicht festgestM werderr. Mchrere Personen wurden verhaftet. Znland. Die Abreise «ach Genf. Die Tagesordnung der Miker-nudtagung. Bundesmitt-cster für Aeußeres Dr. G r ü u b «r g e r Und BundeLminister für Finanzen Dr. Kienböck sind gestern abends-in,Begleitung des Sektionschefs Dr. Schüller und-des Regierungsrates Bodo zur Tagung des Völkerburrdrates nach Genf abgereist. Die Dertretung des Bundesministers für Aeuß.res obliegt vcrfasiung'sgemäß dem gegenwärtig das Bundeskanzleramt leitenden Vizekanzler Dr. Frank; mit der Vertretung des Bundesm misters für Finanzen Dr. Kienback hat Bundospräsident Dr. Harnisch den Bundesminister für soziale Verwaltung Schmitz betraut. Der Pra^r.„Ceske Sl-ovo" teilt über die Session des States des'.Völkerbundes in Genf die folgende Tagesordnung/witi Der erste -Punkt -bringt eine Erörterung des Fortschrittes in der -österreichischen Sanierung. Es handelt sich um'die Kontrolle der österreichischen Wirtschaft, namentlich, ob7bei der Frage der Spavmaß nahme n richtig vorgegangen wurde. Ferner werden weitere Möglichkeiten des'-Gleichgewichte§ im Staatshaushalte in Betracht gezogen tverden. Während die Forderung des Völkerbundes auf eine Herabsetzung der Au§- gaben gezielt habe, foien die Einnahmen durch Steuern vermehrt worden. Ueber dieses Vorgehen werde diskutiert: werden. Auch werde über die Verwendung de 's K r e,d i t ü b e r s ch u s s e s Rat geschaffen werden. Dazu komme außerdem die Lösung der Differenzen zwischen dem i österreichischen Starte und dem Genevalkommisiär des Völkerbundes. Was U ngar n betrifft, so würden die letzten Vorbereitungen zu: der internationalen Sanierungsa n lei he getroffen werden. Was die Frage der A b r ü st u u g s k o n t r o l l e über Oesterreich, Ungarn und Bulgarien betreffe, werde es sich hauptsächlich!darum handeln, keinen Präzedenzfall für ble Mrüstungskontrvlle über Deutschland zu schaffen. Die Frage der Abrüstungskontrolle über Oesterreich, Ungarn. und Bulgarien werde in Genf keineswegs rneritorisch, sondern nur formal gelüst wenden. Die Pökkerbundra^tagung beginnt am 11. Juni und werde eine Woche dauern. Dr. Benes ch, der in Genf den Vorsitz führt,' werde um den 25. Juni nach Prag zurück- -kehren. . Abrris« Dr. Zrmmermans nach Genf. Der Gensralkommisiär des Völkerbundes Dr. Z i minerman ist gestern abends zur Junttagung des Völkrrbundraies nach Genf abgereist. Ward Elrautz. Dem sechzigjährigen Meister. Schon im Adonat Mai begann die große Gratulationstour für Richard Strauß, welcher am 11. Juni sein 60. Lebensjahr vollendet. Die Oper brachte ihrem Direktor, fast seine sämtlichen Bühnenwerke als Willkommengruß dar, das philharmonische Orchester stellte sich mit symphonischen Werken im Konzertsaale ein, die bedeutendsten Opernsänger wirkten mit einer Auslese seiner reichen Lyrik mit. Abgesehen'von diesen offiziellen Feierlichkeiten, hielten es auch die! meisten Konzertsänger für eine Ehrensache, Richard Strauß zu huldigen, und in den .Konzerten sämtlicher Orchesterpereinigungen wurde des berühmten Tondichters geziemend gedacht. Die Ehrungen des Staates, der Gemeinde Wien und der musikalischen Körperschaften, die' Teilnahme des In- und Auslandes und die Herrschaft der Straußschen Musik über die Theater- und Konzertsälle der ganzen Welt lassen erkennen, daß Strauß' Berühmtheit einen Grad erreicht hat, wie er kaum jemals vorher einem .Komponisten zu Lebzeiten beschießen -war. Richard.Strauß ist eben, wie kürzlich Richard Specht richtig sagte, -der Klassiker unserer Fest": Er. hat zu Lebzeiten den Rang eines Klassikers erreicht, ohne die kleinlichen Nöten und Sorgen des Alltags, von denen unsere großen Tonheroen immer verfolgt waren, kennen zu lernen. Der Sohn eines angesehenen »Adünchener Orchester-' mustkers hatte, dank -der Gunst Hans v. Bülows, schon mit etwa 20 Jahren eine angesehene gesellschaftliche Stellung als Meininger Hosmusikdirekior inne, bald kam er nach München und-'-nach Weimar, nach Berlin, wo er das Musikleben beherrschte, und schließlich als Operndirektor nach Wien, . dieser als Capri« der Geister verschrienen Musikstadt, die gleichwohl seit sicher und noch immer eine magische Anziehung ans alle Musiker ausübt. Ist es Zu- Äll oder höhere Gesetzmäßigkeit^ Haß Richard Strauß in Wiener Morgenzeitunst. S°ündllMt K55B.0W U «eML?«."' Re letzten Kurse. Radiodienst der „Wiener Morgen.zeitung"? London, 7. Juni Devisenkchlußkurie; Prag 147Vs, New-Uork 4,31V,, Paris 84,75, Brüssel 978/„, Rom 99,125, Zürich 24,51, Madrid 32,02V», Amsterdam 11,52, Kopenhagen 25,56, Christiania 81,80'/°, Stockholm 16,25, HelsingförS 171°/,, Berlin 18 Billionen, Wien 304.000. Aew-Bork, 7. Juni. (Radio.» DevisensÄlußkurie: Taggeld nominell, Wechsel auf London 4,31,12^60 Tage-Wechül 4.28.12, Paris 5,09. Amsterdam 37,37, Prag 2,92% Berliner 23l/s bis 24, Silber 67. Die MsabentMn«. Kein Einspruch des Bundesrates. Der Bundesrat hat gestern die zlveite FinanZversassnngsnovelle. und die dritte A b g a h.e n t e i l u n g s n o v t11 c in Verhandlung gezogen. Berichterstatter Dr. End er: Die Auswirkung des Gesetzentwurfes ist die, daß in Zukunft statt 1500 Milliarden nur noch 1000 Milliarden Kronen an die Länder überwiesen werden. Sieger in dem langen Kampfe ist ohne Zweifel der Bund; denn er bekommt seine 500 Milliarden Präsipuum, dann die Banke n Umsatz st euer vollkommen, die B ezugsrechts- und Syndikatsteuer sowie die Vermöge ussteu er wenigstens für die Jahre 1924 und 1925 zugewiesen. Ter Finauzminister kann ein freundliches Gesicht machen. (Heiterkeit.) Ganz bedingungslos hat er allerdings diese Errungenschaft nicht erhalten. Auch die Länder haben bei diesem Anlasse gewisse Verbesserungen des Gesetzes durchsetzen können. Wien hat sich für den Fall, als es die Abgaben vom G e b a u d e b e f i tz und vom W o h n a u f w a n d erhöhen will, Erleichterungen in der Richtung geschaffen, daß es vom Finanzminister etwas unabhängiger wird. Wien kann noch auf einen weiteren Erfolg Hinweisen, insofern als jene Gesetzesbestimmungen, die festlegen, welche Abgaben gemeinsam zwischen Bund und. den Ländern sind und in welchem Maße sie zwischen' Bund und den Ländern geteilt werden, sich automatisch bis über das Jahr 1926 hinaus v e r- 'Geschichte der Jaden erhalten &GRATISPRKMIE3 der ^Wiener Morgenzeitung^ bei Aufgabe eines Jnhresohonnements siehe Abonnementtarif der Stadt Beethovens und Schuberts, Brahms' und Bruckners heimisch wurde? Der kühle norddeutsche Brahms' uvußte sich an das linde Lüfterl der Wiener Landschaft erst gewöhnen, beim Süddeutschen Richard Strauß, diesem lebensbejahenden Genießer, der, im Gegensatz zu seinem Antipoden Gustav Mahler, allem Metaphysischen im Grunde abhold ist. bei diesem kerngesunden Diesseits- Menschen, der nach allen Ausflügen ins Aufrührerische und Elementare immer wieder in die gesunde Bürgerlichkeit des Alltags zurückfindet. sind die Zusammenhänge mit der Phäakenstadt an der Donau von Vorneherein gegeben. Seine „Ariadne aus Nax-os", deren herrliches Kaurmerorchester in: gewissen Sinne den ganzen Orchesterstil der kommenden Jahre beeinflußt -hat, führt uns irr das .Haus Ionrdains, des reichsten Mannes van Wien. Er kann sich alles leisten, und so will er eben in der Opernaufführnng das Ernste und das Heitere, das Lyrische und das Burleske gleich,zeitig genießen. Ein so reicher Mann ist auch Richard Strauß im Reiche der Tonkunst. In seiner beispiellosen Virtuosität, in seiner unerreichten Artistik, in deren Vollbesitz er sich doch niemals zu minderwertiger oder leichtfertiger Arbeit verleiten läßt, ist er wohl der reichste Mann seiner Zeit und zugleich ein „Bürger als Edelmann": Ein Edelmann, in dessen Schatzkmnmer die Orchestersarben glitzern und gleißen, so reich und üppig, wie bei keinem anderen Könner unserer Zeit, ein Krösus, der sich seines großen melodischen Besitztums bewußt ist, mag auch seine Melodik mitunter aus trü'ben OuelleN gespeist sein, mag auch an ihr neben dem Edelgehalt an Volkstümlichkeit und gesunder SinnlickMt der Talmiglanz gesteigerter Sentimentalität. Banalität und Süßlichkeit den Hörer blenden. Strauß ist eben Bürger„und" Edelmann. Ein Edelmann, der seinen Passionen n.nhgcht, der etiva. in der Alp'ensymphonie ans versicherten Steigere den Weg ins Hochgebirge nuiritt und sich ohne anusitalische Konflikte und kün'stlc-riichc Problematik den Gefahren des ewigen Eises auszusttzeu vrrmag, doch zugleich, ein Bürger, der seinen eigencit künstlerischen Reichtum in vollen Züaen 8. iJttm1024 Seite I! äugern, toenn nicht mindestens ein Hahr und einen Ta» vorher ein neues Gesetz des Nationalrates eine Abänderung, trifft. Cs muß aber auch anerkannt werden, daß es für all« Länder eine gewisse Beruhigung bedeutet, nicht am Ende des Jahres 1926 vor einem Nichts^zu'stehen. Diese Ab«! ändemug des Gesetzes bringt ohne Zweifel.eine Beruhi-i gnng und Stetigkeit in die finaMelle Gebarung von! Bund und. Ländern und eine gewisse Sicherheit in die Drchgetieruug. Die übrigen Länder außer Wien können ebenfalls darauf himveffen, daß für sie gewisse Vorteile errungen wurden. Dazu gehört der Umstand, daß Wien zngestanden hat, daß vom- Erträgnis der besonderen Er w erb steuer vorab 3,2 Prozent ausgeschieden werden, die als das Erträgnis der sogenannten Sitzquote betrachtet werden. Diese Ausscheidung kommt. den übrigen Ländern - zugute, die verblibenden 96,8 Prozent werden^ unter sämtliche Länder anfgeteilt. Wien '-'wurde insofern zufriedengestellt, als ihm bei der Ware n n ms atz st euer ein Präzipnum von 11,4' Prozent zukonnnt, hauptsächlich mit der Begründung, daß Wien eine solche Forderung wegen des größeren E r t r a g e s d e r L u \ u s st c u e r in der Stadt Wien erheben könne. Für die Länder außer Wien ist anch die Nenformnliernng der^ Bestimmung hinsichtlich Schaffung eines Ansgleichssonds von wesentlicher Bedeutung. Gegen die Gesetzesbeschlüsse des Nätionalrates. wird kein Einspruch' erhoben. Die nächste -Sitzung wird i rn s ch r i f t-l ich e n Wege einbernfen werden. - Wie wir erfahren, schätzt man im Rathaus'-den Entganß der Gemeinde Wien auf etwa 306 Milliarden Kronen. Sie wird dm Ausfall durch eine Erhöhung der Wohnbausteuer und der Bicrumlage zu decken versuchen. Dagegen soll v orläuf-i g keine Erhöhung der Straßenbahntarffe in Er- Wägung stehen. H' Sie ßa«delsvertragsLerhauSlunge» mit de» Achecho-SlowM. ALin-ister D v o r a.c c f, der die Handelsveriragsver^ Handlungen mit Oesterreich in Wien leitet, ist gestern nach Prag. Zurückgekehrt. Die Beratungen über den »Handelsvertrag werden am 16. d. in Prag ihre Fortsetzung finden. SchlußtllMng der Zntemationalen Gewerk» schaftskonzreffes. Für die KriegSverhrndernng. - Rach fünftägigen Brratu-ngeu wurde die Tagirng .rcS Internationalen Gewerckschastskomgresses geschlossen. Der politisch bedeutsamste Beschluß 'wurde in der Frage der KriegSverhrüderung gefaßt. ES wurde den organisierten Arbeitern aller Länder Zur Pflicht gemacht, sich d e m-K r i ege ntsch i e den st z n w i tz e r setz e n: durch Sti-llegung. der Waffen- und Mnnitronsindustrie sowie des internationälen Transports von Kriegsmaterial, dm wirtschaftlichen Boykott und dm Generalstre ik. Me Wien« Fondrkrauknaustalten. Die Meldungen, daß die Wiener Fondskrankenanstalten nach einer angebli^n Vereinbarung zwischen dem Bunde und der Gemeinde von d er Ge meind e Wien übernommen werden sollen, ist, wie wir von unterrichteter S»'itc erfahren, m n r i ch t i g. Die Vereinbarungen betreffen im allgemeinen nur die Regelung gewisser finanzieller Differenzen zwischen dem Bunde und der Gemeinde Wien, da die Gemeinde bisher den Abgang der Wiener Foirdskrankenanstalten zu tragen hätte. . sich aber immer weigerte, ihn zu zahlen. genießt und mit jeder seiner Neuschöpfungen mühelos ver^ mehrt, der fest im Familienlellm wurzelt, der in seinem ,/Heiden-Men", in seiner ,-Sinfonia doMestica" nstv., sich und 'den Seinen die gebührende Wertschätzung zollt, derü'berhaupt der Boheme des Künstlertums weit entrückt ' und fest im Bürgerlichen verankert ist. Mit welcher Liebe» zeichnet er die hausbackene Chrhsvthemis, welche dm Schrei »ach dem Kind ausstößt, oder die Frau, welche' einen Schatten werfen möchte, und wie verlagert sich andererseits bei dem großen Toirmaler die Erotik aus dem. Gebiete des Starken, Echten nnd Gesunden ins Sexualpathologische. Im Grunde ist eben der Äiagier der Töne, der schon in früher Jugerw nie sein Brot mit Tränen aß und infolgedesien für die kummervollen Nächte der aus innerster Not mit der Problematik des dienen und -Wahren ringenden Jugend weder Teilnahme noch Verständnis hat, ein gesunder Bürger, der seine seelische Entwicklung abgeschlossen hat und mit Gründlichkeit, Pflichtbewüßtsein und beispiellosem Können sein Kunsthandwerk übt. Seine Entwicklung, die mit Mendelssohn nnd Brahms begann und mit Berlioz und Liszt fortsetzte, hat Gort, sei Dank das Wagnertum und das .Neudruische überwunden, er hat uns dem Wagnerschen MrMrama zum Trotz die alte Oper in neuer Gestalt wiedergegeben, und darf heute neben Prrecini als die stärkste Potenz unserer rnn-sikalischen Bühne g.'weriet werden. Die Bühne ist Anfang und Ende seines Schaffens, ja, selbst, in seinen symphonischen Dichtungen, welche schon frübzeitig Strauß' Genie. verkündeten, weht oft g"n»g Dühnenlnft, st'ihlt man die Szene,, die nicht vorhanden ist. Wenn man htzute die wnge Reihe seiner Bühnenschöpfnngetr überblickt, so flennt t man über die unfehlbare Willernng. das sichere Zeitgefühl und den scharfen Kunft-- b.'rstand, um dem er stets das Mtnelle, Zngträstige und szenisch WirtsaMe zu verwerten verstand: Airs seine alttütamentarische «Salome", die nzit ihrer genialen Urkrajt

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