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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-07 · Heft 1908 (7.6.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1908 (7.6.1924)
Date
1924-06-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seife f Me n', WnsW r. mit M'MU —-c-.4 Paradükll des EtofttvÄWU 1 M W»K«Mvk mtb die beide« Geschwister ermockrt. «ne z»r Mschast m selayge».; B'ön Walter MkkÄ. ' Es gibt viele Leute, die heute dreimal so viel und ausgiebig' essen,- als siees im Krieg tun konnten, und doch-nur um weniges besser aussehen-und kaum dicker sind als - damals. Hinter dieser Tatsache, die von der alltäglichen Erfahrung immer wieder bestätigt wird, steckt ein großes Gchenunrs unseres: Organismus. Ganz eigenartige- (SU s e tze be--. her r s ch -en d a u n f e r e-n Stoff w e chs e l und wir: müssen annohmen — eiusehrn können wir es nichtimmer daß sie so gut sind. Ein §>und hält es aus, wenn man ihn nur mit Et weiß füttert. Der Mensch nichts ÄppetÄosigköitNmEKeGU' waren die Folgen der eintönigen Kost. Somit würden«'die Versuche über den Stoffwechsel an Hunden ansgsföhrt. Zs ist ja richtr-A, der Mensch ist kein Hund: Was für den einen gilt, nttrß nicht für den anderen gelten. Aber dis gefüiMüew Gesetzt snÄso durchgängig, daß "das Objekt, an dem sie gesunden wurdw; nebensächlich ist. Man fütterie also einen Hund ausschließlich mit Eiweiß. Mit bestimmten Methoden läßt sich dis eiirgenommene und verbrauchte Energie genauest ntestem Nvrmnl-rrweise wird das ganze zi:geführte Eiweiß verdaut, verbrarm'. Wird der Hund zu weuig gefüttert, so zehrt er zuerst an ftirre-M Fettreservvir. Erst wenn disses verbrancht ist, werden die-MuZ--" kein ausgelöst und für das Wohl des Ganzen verEndöt.' So werden alle Organe langsam ausgezehtt. Mit Ausnahme' des Herzens und des Nervensystems.- Anders . wenn der Hund über seinen Bedarf gefüttert wird. Die ersten' paar Tage speichert sich düs zurückgebliebene Eiweiß im Körper ans, aber dann geschieht etwas Seltsames': düs Para» d o x on d e s S t o's f w e ch s e l s. Tie Eiweißzersetzung steigert sich. Der überfütterte Hund scheidet gerade so viel aus, als er zu Fressen bekommen hat. Wird er somit stärker gefüttert, io erhöht sich auch die Verbrennung, der Verbrauch. Und" zwar ohne jede Mehrarbeit. Daß er mehr Futter bekommen hak, genügt zu der Anpassung des Körpers, mehr Futter zu brauche n. Die zweite Versuchsserie wird uns, nachdem wir das' allgemeine Gesetz kennen lernten, schon eher einleuchten. Matt ließ einen Hnnd mehrere Tage hungern. Fortlaufend wurde fein Energieverbrauch gemessen. Dann bekam der Forscher doch Mitleid und der Hund doch sein Futter. Jedoch das Mitleid war nicht groß und auch ebenso das Futter. Er bekam gerade, so viel, als er am letzten Hungertage verbraucht hat. Also soviel Eiweiß, um das er rbgmommen hat. Und wieder zeigte sich etwas Paradoxes:. Man sollte doch erwarten, daß. nun das Gleichgewicht wieder-hergestellt ist. Wenn er gerade so dies bekommt, wie er verbraucht hat! Mer nein. Mehr alffdoppelt soviel verbrauchte nun der Hund. Wurde ihm so dies Eiweiß geboten, als er während des Hungers (von seinen Organen) zehrte, so Magerte er Noch weiter üb. In eine A>vwel gebracht: DieEiweißznfuhr erhöh t auch den Eiweiß v c r b ra u ch. Ißt also ein Diensch gewohnheitsgemäß wenig, so braucht er auch wenig. Er wird bei einer Kost keinen Hunger hüben, bei der ein Vielesser vom selben Gewicht und bei derselben A. r b e i t s l e i st u n g Hunger fühlt und merAar ab' magert. Das eben ist das Parcwoxe. Nicht, wie man bisher meinte, die Arbeitsleistung allein bestimmt die Menge der notwendigen Nahrung, sondern auch der Organismus rtfu seiner wundervollen Anpassungsfähigkeit. Das ist aüch der Grund, daß.wir das Hungern im Krieg relativ so gut Überständer: haben. Die allmählich geringere Nahrungszusrchr verminderte automatisch den Bedarf des Körpers. 3Jbft stelle sich nur vor, man würde plötzlich einige Tage letzte Äe!tkriegskost vorgesetzt bekommen. So hungrig und so Mager konnten einen nicht die fünf Kriegsjahre machen, wie Man es auf die plötzliche. Kostderminderung würde. Die illatur ist zu gut zu uns. Wir nützen ihre Etzte zu unserem Schaden aus. Wer weiß, wenn es keine Heilung von Geschoßwuirden, wenn es nicht die Anpassung des Nahrungsbedürsnisses an die Menge der Zufuhr gäbe, ob da ein Krieg mit einer Hungerblockade geführt werden würde. Die Menschen hätten es sich bald überlegt. Murter Natur hat uns verhätschelt. So wie die für-, sorgliche Meuschenmutter nachsichtig die im übermütigen Allotria zerrissenen Hosen ihres Buben flickt, so macht es d:e Natur. Sin ist zu gut, uud wir — o nein, nicht zu schlecht, wohl aber zu dumm! Anstsrz einer WenbahMölke in Berlin. Als Folge eines Zusammenstoßes zweier Lokomotive. Aus Berlin wird uns gemeldet: Kurz nach 7 Hr (kürzte hünte in der Nähe des Bahnhofes G-roß-- G örs che n stra ße eine Eisenbah nbrücke ein. Auf einem toten Gleis hatte vor einem Prellbock eine Lokomotive gestanden, auf die aus biAher nicht festgestellten Gründen eine andere Lokomotive auffu h r, wodurch beide umgewo rfe n wurden. Die unter der Unfallsstelle liegende Brücke, Wer die fcls Hahn sowie die Züge der Wannsee-Oähn und die Fernauge gehen, wurde von einer Lokomotive durchschlagen. Die Maschine selbst blieb im Mauevwerk hängen. Ob bei dem Unglück Personen verletzt worden sind, steht . noch nicht fest. Der Verkehr ist vorläufig gestört. » Aus Budapest wird uns gemeldet: In der Gemeinde -MsoregM-ec bei Satoraljaujhely wurde vorgestern ein i g r üM'iche r M o rd vetnbt. Diewohlhabe-ttde BüU-eviN Michaela Almagyi, deren 18jährige EnMn und IMtzriger Enktl wurden mit entsetz-- lichen Wunden ermordet aufgefunden. I Hammer, Dolch rrpv Rasiermesser. - Im Zimmer fand man einen Hammer, mit dem die -Schädel der- Opfer gespalten-: wurden, ferner ein Messer, von-dem die Stiche an den Leichen herrührten, und ein b'luii-geK.Masiermser, womit der'Mörder seinen-' Opfern- -die Kchlen. duvchgeschnitteN hatte: Der Hamener, der Dolch uM dar'- N-afievmessev gchörtendem 20jährigen Enkelsohn "der ermordeten Bäuerin, Michael. Almagyi. Der junge Zer mMe Isnis S®§ gestmbsn. / Oni Tung Ham hinterläßt zehn Millionen Pfünd. - Aus L o n ib o n telegraphiert unser Korrespondent: j Nach einer Meldung aus Sing-ap o re ist dort der reichste Mann Asiens, dev Ma'laie O-ni Twng Ham,- s gestorben. Er besaßeine ganze Anzahl der. g rößtenZuckerplamtagen und Zuckerfabr-iken. Seine HandelsbezteHungen erstreckten sich nach fast alten Ländernder. . Erde. Sem B'-ermögeu wird auif etwa 10 Mil-lionen Pf und Ste vl i n g Zie Pariser Slympzade. Uruguay schlägt Holland. (Gegendienst der „Wiener Movgenzeitung") Paris, 6. Juni, Uruguay schlägt Holland 2:1. Das Spiel war äußerst scharf und wurde in einem unerhörten Tempo geführt. Die Holländer konnten das Spiel in der ersten Halbzeit vollkommen offen halten. Sie arbeiteten sehr schnell und aufopfernd. Uruguay hat einen schlechten Tag, vor allem scheinen die Uruguay-^eute langsam und gleichgültig zu sein. Erst' in der zweiten - Halbzeit - finden sie sich -und lieferten ihr scharfes Spiel. In der 32. Minute der ersten Halbzeit erßielt der MrtteMvmer Pyl den fühverü)en Treffer für Holland. Holland behält die Whrung- bis zur l?. Mnute der - zjweiten Halbzeit. Urüguah belagert-'«!- dieser Periode das. holländische Tor, LMr- «dtet änibvingeN. SchNßlich ge-' -liNgt es. Gea-näch ein-Än l«ngen"^.chüß des' Rechtsaußen "den Bdll m das hollaMsche Lor-Kr drücken. EW ein ganz M' Unrecht gegebener Elfmeter, bringt Uruguay durch Scavöne die FÜhvUüg und den'Sieg. -Der Elfmeter ist aber eine Fchlentscheidung des schlechten Schiedsrichter Ballat - (Frankreich). 5Ü0V Zuschamr. Das ägyptische olympische Team wird am 28. Juni in fc gegen ein österreichisches Team spielen. gekaterinmburg abzrdrannt. ' Nus Moskau wirb uns gemeldet: Die Stadt Jerkat e r i tt e n b u r g im llralgebiet ' ist durch eine riesige F en ersbr un-st vernichtet worden. Bis jetzt sind über 300 Häuser in den Vororten"niederge'brannt. Das Feuer hat sich Nunmehr' auf das Zentrmn der'Stadt ausgebreijet. Außerdem stchen samtliche Wälder in der Umgebung von JÄaietinenbuvg in Flammen. Schrecknvtat eine» LeWser Bankiers. Er erschießt seinen Portier. Aus Berlin wird uns telegraphiert: Ein Neffe des Generals Hossmann, der Leipziger Äanki-er Eduard Albert Ho ff mann, hat seinen Portier, den 93jährigen Franz Großhoff^ evschossen, und dessen Fwu, die mit ihrem zweUcchrigen Kind am Arm hinter dem Manne stand, schwer herletzt. ' ' HoffmaM Mg M seinem Portier schon seit längerer Zeit in Streit; heute käm es zu neuerlichen Auftritten vor dem Tore der Billa/ die in Tätlichkeiten ausarteten. Schließlich zog Hoffmann 'den Revolver und vollbrachte die furchtbare Tat. - Ser Sah« des Berliner r»goslawischea Kons«lr verschwunden. Berlttt, 5. Juni. (Wolfs.) Das Berschwinben des füNift einhaHjLhri-gen Söhnchtzns Kurt des Beoliner j-ugostawl^ schen Konsuls Dr. Ernst Barkha-user 'beschäftigte gestern den ganzen Tag die Mminalpolizei. Der Verdacht, daß ein sOhever.Angestellter aus Rache 'den Kn'aben e'nt-' führt habe, Hai sich als unhaltbar ^hermlsgestellt. Er konnte sein AlM Mwandftei machiMsen.. Der, Vater des Knallen hat auf Lessen Ermittlung sünsdatisend Mark aus- Hesetzt. " SrSßlicher Unfall durch eine Handgranate. Aus Mattnheim willd uüs berichtet: Auf dem Exerzierplatz llei Frauen lautern fanden fünf SchUlknabett eine Handgranate. Allste das- Geschoß mit einem Hammer zertrümmern wollten, explodierte es und zerriß einen elffähtigen Schüler, - riß -einem änderen b e i d e A r m' e w e g, während die übriM -drei schwere V:ri:w".--aen.'an dm.Armen und iw, LÜLtten. Mann wurde als des Mordes dringend, verdächtig h astet. ' . :v An feinen Händen und Kleidern fanden sich Blutspuren uud Mehrere Zeugen sagten ans, daß Michael Almagyi seine. Großmntter wiederholt mit de m T y d % h v-! droht habe, weil die a.lte Frau ihr Vermögen Nicht dem Michael Almagyi vermachen, sondern zwischen ihck Md seinen beiden nunmehr ermordeten Geschwistern arck' teilen wollte. Michael Almagyi fettetet die Tat, doch sprechen alle AMichen dafür, daß er seine Grotz^ mntter und seine Geschwister getötet hat. Re BeMebsderlönsem«» der Ettaßenbah». Ab heute verkehrt die Straßenbahn bis Mitternacht. Dev Wiener Gemeinderat verhandelte gestern in einet sehr lebhaft geführten Beratung über die Betri-ebsverlänger-uüg der Straßenbahn und über die Geihaltsregulierimg der Bediensteten, lieber die Betriebsverlängerung referierte Vizebürgermeister Emmerling, der die schon von uns mitgeteilten Linien anführte, die von heute an bis 12 Uhr nachts betrieben werden. Er teilte -weiter mit, daß drlrch die Ausdchn-nng der Betriebsstundep aaich der Bahnhofrundverkehr in abschbarer Zeit später als jetzt wird aufgenonrmen werden und daß auch de» K r a f t st e l ll w a g e n v e r k e h r durch diese Betriebsverlänge« run-g entscheidend beeinflußt werden dürfte. Der Kraftstell» w a g e n v e r k e h r, der bis jetzt bis 2 Uhr früh geführt wurde wird dann bis 3 Uhr betrieben. Nach den letzten Be« rechnungen wird die Straßenbahn j ä h r l i ch 30 M i l l i o n e V Menschen befördern. Hierauf referierte Stadtrat Speiser über die Bezugs« rvgulierung der Straßenbahnbediensteten, worauf über beid» Referate unter einem die Debatte abgeführt wurde, in welche die Minorität ihre -alten partsipolitischen Beschwerden vor brachte. Schließlich wurden die Referentenvorschläge anar, nommen. - Die Wasserversorgung Wiens. Bor Sparmaßnahmen? Das Wiener Wasser, das in der ganzen Welt berühm - ist ünd um-welches wir witklich beneidet werden, ist dM Publikum ein selbstverftändlicher Besitz geworden, bei dein ei keine Konfumbeschränkun-gen kennt. Man geht 'zur Wasser l-eittrng, dreht >den Hahn auf und es fließt in Hülle und Fülle Vor kurzem hat jedoch das Wasseramt der Gemeinde Wier eine Mahnung an die Bevölkerung gerichtet, im Wasserverbrauche Maß zu halten, der in den letzten Jahren immer ntd); gestiegen ist. Im Jahre 1910 gab es noch in Wien einet durchschnittlichen Wasserkonsum pro Tag und Kopf der Be völkerung von 60 Litern. Jetzt ist er auf 180 Liter gestiegen Die Zunahme des Verbrauches geht vor allem ans dl' ungefähr 70.000 SiMer und Schrebergärtner zurück, die ihr Anlagen mit Hochquellenwass-er benetzen. Auch die durch di Preisverhältnisse diktierte ,/Trockenlegung" vieler Wiener, fü' die früher die Devise „Nur ka Wasser net" galt, hat die In anspruchnahme des „Original Hochqmlls" veranlaßt. Uir einem leichtfertigen Mehrverbrauch zu steuern, wird dort, wr der Konsum 35 Liter pro Tag und Bewohner übersteigt, eir Betrag von 2000 K. für den Kubikmeter eingchoben. Die Wasserversorgung Wiens erfolgt bekanntlich durä die erste undziveite Hochquellenlloitung. Die erste liefert durch schmttlich 140.000 Kubikmeter pro Tag und kann ihre LeistnngSfähigLöit irach Regengüssen uud zur Zeit der Schneeschmelz< auf 166.000 Kubikmeter steigern, finkt jedoch im Hochsommer auf 70.000 Kubikmeter herunter. Die zweite Leitung ergibt beständig 200.000 Kubikmeter pro Tag. Wenn der Massenkonsuü andauern und die nächsten Wochen keine wesentlichen Niederschläge bringen sollten, dann sind seitens der Gemeinde schavsert Sparmaßnahmen zu erwarten, die vor allein in einer enupfind' lichen Hinaufsetzung der Wafsermchrvevbrauchsgebühr bestehet werden. Zum Zwecke der Kontrolle sollen die Häuser in de» nächsten Zeit Wassermesfer erhalten. Es liegt daher in< Interesse der Bevölkerung, den Verbrauch auf das unumgäng. l-ich notwendige Maß zu beschränken, um weitevgehende Bfc hördliche Einschränkungen inr Konsum zu vechindern. Die RechtranwNe md die Berwaltungrreform. Anläßlich dev bevovstchenden Reform des Veb tva-lbungAver-fahrens hat -die Wiener Rechtsanwalts, kainmer an das Bundeskanzleramt eine Eingaibe gerichtet,- in der um Einführung des Anwaltszwanges im VerwaltungsveVfahren gebeten wird. Diese Eingabe wich durch eine mündliche Bovfpvache des Kammerpräfidiu'rns im Bn-Ndeskanzileramt unterstützt werden. Die Kammer wird bei bfef-em Anlaß ihre Forderung wiederholen, daß inr Ausgleichsvevfah-ven auch Anwälte als Ausgl-eichsverwalter bestellt werden. Die Fordernng auf Einführung des Anivallt- -Kwanges im Berwäldungsvechchren, insbesondere -im Ver-> tvaltungsstrafv c vfahren, .'wird auch von den An!walltskammeM dex übviM WndesWder veMW.

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