Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1907 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M ^•’*'.‘f'r;?.r+;i'i- < ■5;3 - * Nr. I9Ö7 Men, Frttkag ' Mitteilungen ans dem PMikum. r—r~-—•——-—•—i ,....—- Parfümerie „LORRAIN Savonnerie Führende Marken: Eau de Cologne Russe Eau de Cologne Chypre Crfime Lorignon CrSme Lorignon - Chypre Lorrain-Tolletieseife, Badeseife, Spefkseife Alleinerzpager der C/fD/fDl/I^ Raiierseifen in Stangen . bestbekannten ..wilDniVln und Würfeln Wien, aä. Taborstrasse Nr. 98 =======* Telephon Nr. 42-1-65 s===sss=b LeWe Nachrichten. Sie englisch-russischen Verhandlungen. Atwinow kommt «ach London. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) London, 6. Juni. Es steht nunmehr fest, daß eine Plenarsitzung der englisch-russischen Konferenz erst dann erfolgen wird, bis Litwinvw in London weilt. Offiziell 'ist über den Zweck seines Besuches nichts bekannt, aber es wird angenommen, daß er den Platz Rakowsfis lemnshmen wird, der nach Paris geht, um mit der svanzösischm Regierung zu verhandeln. Die oltzmpischen Spiele. (Gigendienst der ,Mener Morigenzeitung".) PattS, 5. Juni. Schweiz siegt über Schweden 3:1 (1:1). Die MiWnde in Wollersdorf. Leber 30 Milliarden Kronen Schätzen. Ueber die Geschäftsgebarung und den Vermögensstand kt Möllersdorfer-A.-G. würde eine Untersuchung! eingeleitet. " -! Der Regierung ist ein vollständig lückenloses' und durch Tatsachen erhärtetes Material vorg-elegt worden. Der bisher:, angenommene Schaden, der' mit dssr Ziffer von 60 Milliarden fixiert wurde, wird noch eine Erhöhung'erfahren, da die Noch nicht ganz genau eruierten Schadenssuwimen gewisser frauduloser Geschäfte Noch nicht völlig feststehen.'^!' ' So wurde beispielsweise der 'gesamte Maschinenpark 'ohne einen Heller Gegenleistung in andere Hände gespM _'.;l ..'-U-;,- v , ■ , ... * /! / i ^BoÄäirfig stlehi fest, daß der Mverkauf der Vorräte zu Preisen tätigt wurde,'die. weit unter dem Marktwert lagen, , daß diese Transaktionen häufig ohne vorherige Genehmigung und Wissen des 'Verwaltungsrates und des iExekutivkomKees, in dem der Bund vertreten ist, durchgeführt wurden und daß der jeweilige Erlös nicht zur Schuldentilgung verwendet wurde, denn sonst hätten doch die Passiven dementsprechend 'geringer werden müssen. Käufer der Maschinen und Waren waren größtenteils die Tochtergesellschaften, in erster Linip Über die „Jrou- Metal'l-A.-G.", eine Privatgesellschaft, an der der Bund nicht beteiligt ist. Hingegen ist Pittner ^Präsident und Neuhöfer Generaldirektor sowohl der Wöllersdorfer als auch 'der Jron-Metall. S klar z, der Vorsitzende des Exekutivkomiitees der Wöllersdorfer Werke hat das gesamte Aktien kapital der Jron-Metall in der Hand. Sektionschef Millinger, der Bundesvertreter bei der Bankgesellschaft, ist Verwaltungsrat der Jrton- M et all. Wie innig der Zusammenhang zwischen den beiden Gesellschaften ist, geht auch daraus hervor, daß von den vom Staat der Wöllersdorfer-A.-G. zugewiesenen Bureauräumlichkeiten ungefähr die Hälfte die Jron-Metall erhalten hat. 1 '■ Im Jahre 1923 betrug 'der Wert der Maschinen 200 bis 250 Milliarden, jener her Waren g,egten 100 Milliarden Kronen. Von diesen Vermög-eusbeständen sind jetzt nicht einmül 10 Prozent vorhanden. Tagung der Aekutwe der sarlaWsche« Melter-gnternattonale. Die Exekutive der sozialistischen Arbeiter-Internationale, trat gestern zu einer für drei Tage anberaumten Sitzung Mammen. Zum Vorsitzenden würde Vandervelde (Belgien) gewählt. Dr. Friedrich Adler erstattete den Bericht des Sekretariats, welcher hervorhebt, daß die internationalen Beziehungen zwischen den angeschlossenen Parteien . sich intensiver gestaltet haben und daß die Stellung der tJnternationale in der Weltpolitik durch die jüngsten E rfolg e d e r s o z i a l i st i s ch e n Partei e n, namentlich Italiens, Finnland, Dänemarks und Frankreichs, an 'Kraft und Ansehen gewonnen habe. . Ztiternatiaualer GewerkschastLkongreß. Am gestrigen vierten Dag des dritten Internationalen Gewerkschaftsages gelangten die BeschRsse der Kommissionen zur Verhandlung. Ueber Krieg und Militarismus referierte der französische Deputierte I o u h a u x. Züm nächsten Punkt: ,-Die Stellung des Internationalen Gcwerkschaftsbundes in der internationalen Arbeiterbewegung"' legte 'Graßmann tsTentschlanld) eine Resolution vor, in der es heißt: ,Me Gewerkschaften müssen, sosiveit es die Ausgaben in ihrem Tätigkeitsbereich erfordern, auch aus die Politik des baates einwirken, wie es die Unternehmeridevbände ebenfalls tun.'Sit Iweten damit aber nicht in den Dienst einer politi- LÜiener Mongrnzettitns. 6. Juni 1924 ' Seite t Rieht, Mottl) Aus Rom wird uns telegraphiert: Wie die Mütter aus . Neapel melden, erregt dort ein „Siamesisches ZwMngsPaar" großes Aufsehen. Es handelt sich um die Brüder Godirro auö Manilla auf >den Philippinen, welche vor einigen! Tagen an Bord des Daimpfers Mnibria" in Neapel eingetroffen sind. Die Brüder G o di no sind 16 Jahre alt, k l e i n, blond und stark kurzsichtig. Sie sind am Bauch zusammengewachsen stark kurzsichtig. und haben gemeinsame Gedärmstvang e. Davon abgesehen, sind beide Brüder vollkommen normal gebildet, intelligent und wohlgelaunt. Die Brüder sind spanischer Abkunft. Sie begeben sich von Neapel zuerst nach London und von dort auf eine Reise durch die europäischen H a u p t st ä d t«. Die Brüder Gobi no Miegen kommerziellen Studien.; In den Straßen Neapels verursacht das Auftreten des Mammengeiwa Menen Zwil'lingkpaalves Menschenansammlungen. scheu Partei, sie, müssen unabhängig bleiben. — Die Gewerkschaften in allen Ländern sind gezwungen, gegen die Spaltungsversuche der kommunistischen oder irgend welcher anderen Parteien, durch welche die Arbeiterklasse ihrer besten Waffe gegen die Reaktion beraubt wird, Abwehrmaß n a h m e n zu ergreifen. Die Pflicht des Internationalen Gewerkschaftbundes ist es, . dauernd für sine Einigung der Arbeiterklasse der ganzen Welt zu wirken." Der Resolution wurde ohne Debatte einstimmig z u g e st i m nt t. Lemonstrationrumzug auf der Ringstraße. Gestern nachmittags veranstalteten die Sozialdemokraten einen Demonstrationszug aus der Ringstraße zu Ehren der Mitglieder des hier stattsindenden internationalen Gvwerkschastskongresses. Der Umzug, der eine Massenbeteiligung aufwies, dauerte beinahe drei Stunden. Die Teilnehmer defilierten vor' dem Parlamente, aus dessen Rampe sich die auswärtigeil Gäste, die sozialdemokratischen Abgeordneten und andere Funktionäre der Partei besanden, und marschierten unter den Klängen von Musikkapellen zum Schwarzenbergplatz, wo die Auslösung des Umzuges erfolgte. Bald nach Beginn des Umzuges begann es zu regnen. Als um halb 8 Uhr die letzten Zehnerreihen beim Parlament vorbeimarschierten, setzte ein wolkenbruchartiger Gewitterregen ein, so daß der Rest der DemonstrationSteilnchmer und die zahlreichen Neugierigen, die längs der Ringstraße Spalier bildeten, fluchtartig davoneilten, um ins Trockene zu kommen. Der Nachtverkehr der Straßenbahn. Die AntriiM an den Gemttrcherat. Die heute im Gemeinderate zur . Beratung gelangende Straßenbahnvorlage betreffend die Löhnregulierung der Straßenbahner und die Betriebsverlängerung enthält die folgenden definitiven Bestimmungen bezüglich jener Linien, deren Verkehr bis Mitternacht verlängert wird r A, B, D, T (diese Linie als Ersatz für die um 11 Uhr einzuziehenden Linien L und M), 5 (nur bis Josefstädterstraße), 13, 118, 28, 31 (bis zur Transitbahn),' 86, 38, 41, 43, 46, 48, 52 <bis zur Lützow- ,gaffe), 58, 62 (bis Hermesstraße), 63, 67, 71, 74 (Ersatz für die Linie F*, die wie bisher um 11 Uhr eingezogen wird). Diese Bestimmungen werden, vorausgesetzt, daß eS im Gemeinderat zu keinen ÄbänderungSanträgen kommt, schon morgeninK rafttreten. Ae Lelephovmlsere. Neuaufnahmen von Ingenieuren und technischen Hilfskräften. In den letzten Tagen sind anläßlich des Attcnrares auf Bnndes-kanzler Dr. Seipel lebhafte Beschwerden über das Telephonwosen laut geworden. Es hieß, daß die Herstellung einer telephonischen Verbindung ungewöhnlich lange dauerte, was aus die bereits schon lange bestehende schleichende Krise im Fernsprechwesen zurückgeführt wird. Wie mitgeteilt wird, hat die Generaldirektion für das Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen, um das lang erstrebte Ziel, die Telephonwisere durch die Vollautomatisierung zu beseitigen, 14 I n g e n i e u raspiranten und 32 technische Hilsskräfte neu aufgenontmen. Der entsprechende Kredit wurde der Generaldirektion aus Grmtd der gegebenen Zusage, in kürzester Zeit mit dem Ausbau der Vollautomatenanlagen fertig zu werden, von der Regierung zur Verfügung gestellt. 8s regnet. Gestern fielen allgemein Niedevschläge, am ergiebigsten regnete es in Wien (12 Millimeter). Die Temperatur erreichte nur vereinzelt 20 Grad. Voraussage: Veränderliches kühles Wetter, ohne wesentliche Aenderung andauernd, stellenweise Regen. Wien, 6. Juni. * Der 76. Geburtstag des Hofrates Professor Dr. Lorenz. Gestern vormittags wurde in der Kindevbaracke der orthopädischen Klinik im alten Allgemeinen Krankenhaus der 70. G eburtstag des Chefs der orthopädischen Klinik, Hosrates Professor Dr. Adolf Lorenz/ festlich begangen. * Rektorwahl an der technischen Hochschule. Bei der in der Sitzung des Prosessorenkollegiums der Technischen Hochschule am 4. d. vorgenommenen Rektorswahl wurde vorerst Hoftat Dr. Max Reithoffter, o. ö. Protessor der Elckirotechnik, zum Rektor für das Studienjahr 1924-26 gewählt. Infolge beruslicher Ueberlastung und wichtiger Forscheravbeiten sah sich Hosvat Profesior Dr. Reichosfer genötigt, die aus ihn entfallende Wahl abzulehnen, woraus Hofrat Dr. Ing. Rudolf Sali ger, o. o. Professor für Eiserwetonbau und Statik, zum Rektor für das nächste Studienjahr gewählt wurde. * Ein. neues Lust- und Sonnenbad am Schafberg. Vertreter der Behörden des 17.rmd 18^ Bezirkes und der Presse besichtigten vövaestern die Anlagen des neuen Lust- und Sonnen- ■ bades am Schafbevg. Aüs der einstmaligen.„Zwickerhütte", die im Jahre 1917 nur 300 sonnedurstigeu Menschen Raum gewährte, bat der Besitzer Karl Horoik eine großzügige Anstalt für Gesunde und Kranke geschaffen. Nach siebenjähriger, zäher Ausdauer, konnte in diesem Jahre ein 420 Quadratmeter großes Bassin von den Baumeistern Charwot und Watzek erbaut und 2500 Kabinen und Kleiderkästen vom Zimmermeister Johann Horak hergestellt worden. Die Anstalt, die allen Freunden des Körpersportes evwünscht sein muß, ist außerordentlich praktisch angelegt und zeigt von einer großen Organisationsgabe und von reichem Verständnis für die Wünsche der ermüdeten Großstadtbewohner. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) * Tanziustitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. * Die Sommerfrische kostet Mllionen sowie viel Zeit und Mühe. Ohne viel Scherereien und Unbequemlichkeiten erholen Sie sich bei einem Anfenthalt im Schweizerhaus (Prater). Die beste Wiener Gesellschaft unterhält sich da im Freien bei vorzüglicher warmer und kalter Küche. Erstklassige Getränke. Täglich Konzert des berühmten Deutschweister--Orchesters Wacek. Abwechselnd dirigiert vom jungen und alten Wacek. Ab 10 Uhr abends die berühmte Kapelle Olah Jenö. Vereine. Vorträge und Versammlungen. Äkademischer Verein Hechawer. Heute» 8 Uhr abends, allgemeine Versammlung. — Talmud T h o r a d e 8 3. B e z. Morgen, 8 Uhr nachmittags, Vortrag. des Herrn Dr. Albert Weiner über Pirke Aboth im Bethause, Hetzgasse 40. Gäste willkommen. Urania. Heute, 5 Uhr (Großer Saal) r Urania-Ulm: Großwildjagd in Afrika. Vs8 Uhr (Großer Saal) r Urania-Film t Der Rhein, der Strom des deutschen Schicksals. l/B8 Uhr (Kleiner. Saal)r Prof. Ing. Heinrich Walland: In König TttglavS. Zauberreich. */,8 Uhr (Kurssaal): Univ.-Prof. Dr. -L. Kober r Geologische Heimatkunde von Wien und Umgebung. III. */,8 Uhr (Klubsaal): Dr. Hms ■ Zbinden (Bern) r Panideal. II. Da- Problem .des Schaffens und das Panideal. l/38 Uhr (Mikroskopier-., saal): Hochschulprof. Dr. Otto Porsche Heimischer. Blüten- , leben. III. T e ch n i s ch e 8 M n s e u m. Morgen, 3 Uhr nachmittags,' Führungsvorträg Sedlacek r Das Zelluloid und Galalith. Morgen 7 Sonntag ist das Museum von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Die jüdische Pttvatvolksschule, 20. DG, Denisgasse M, eröffnet im Schuljahr 1924/25 die fünfte Klasse und erlangt damit bas Oeffentlichkeitsrecht. Einschreibungen in alle fünf Klassen werden 'täglich außer SamStag und Sonntag von 12 bis 1 Uhr in der Schnikanzlei entgegengenommen. Zionistische Sektion Prater. Während der SHvuo'thfeste veranstaltet die Sektion in ihrem Heim, 2. Bez., Jungstraße 8, ein Minjan. Beginn de8 Gottesdienstes um 9 Uhr vorm. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zn erscheinen. Zionistische Jugendgruppe Prater wird von der ziowistichen Sektion Prater gegründet. Jugendliche von 18 bis 24 Jahren . melden sich tätlich zwischen 7 bis 10 Uhr abends im Heim, 2. Bez„ Jungstraße 8, bei Herrn G e r st l. FünstlndAlvanz.igjährrges Jubiläum. Herr Gustav Schmidt, Kantor des israelitischen BethauSvereines im dritten Bezirk (Erdbergstraße 16) begeht am Sonntag sein. 25jahrigeS Amtsjubiläum. AnS diesem Anläße findet an diesem Tage, den ersten Tag des SchwuothfesteS, um */,9 Uhr vorm, anschließend an den Gottesdienst eine Feier statt. ' Bühne und Kunst. „Abenteuer in khina." Burgtheater. Stamimt dieses Opernlibretto (Herr Puccinr, greisex Sie zu, Frau Jeritza, sichern Sie sich die Titelrolle für Amerika) tatsächlich von jenem M. S. Maugham, dessen Komödie „Der Kreis" uns im Vorjahr erfteute? Damals, im Akademiecheater, ein feines Spiel, überraschende Wendungen der Handlung, hundert blitzende Worte. Diesmal ein Reißer -in prätentiöser Ausmachung, gehäufte Banalitäten' in chinesischer Düte, öder Text zwischen exotischen Kulissen und eine zusanrmengeqnälte Kette von Ereignissen. Damals ging man nachdenklich heim und erkannte, daß bei diesem amüsantenkurzweiligen Stück auch sittlicher Mut am Werke war. Diesmal ist man schon ungesähr in d»r Mitte des Abends darüber einig, daß der Autor des „Kreis" auch den Mut auifbringt, eine ganz billige Boulevardtragödie zu zimmern. Sehr peinlich, wenn man einen Dramatiker das nächste Mal nicht wiedererkennt. Man klammert sich hoff-' nungsfroh an Dialogstellen, aus denen der Maugham jener ersten Begegnung spricht, wie etwa die folgende: Äe Frau: - Mr liebt mich so, daß er ohne mich nicht leben kann." — Der Hausfreund: „Wenn d u ihn liebtest, ^wärest du defsev nicht so sicher. .; 7 * Es geht um eine .HaMlutchinesin und nebenbei,-^ beim Himmel, so nebenbei, daß diese windige, dem Drama aufgeklebte Problembehandlung die Nerven alteriert — um die Antithese „Asien — Europa". Der weibliche Mischling mit den. geschlitzten Augen und der europäischen Kultur, -halb Wildkatze, halb Salonschlange, mit großer Vergangenheit und kräftigen Leidenschaften, fängt sich einen jungen, reichen englischen Kaufmann ein, der den Boykott, die Be»